Die Lokasenna - Ein Beitrag zum besseren Verständnis der Funktion Lokis in Snorri Sturlusons Edda

Schon gewusst…?

Walhall (altnord. Valhöll ‚Wohnung der Gefallenen‘), auch Valhall, Walhalla oder Valhalla, eventuell verknüpft oder identisch mit dem Götterpalast Valaskjalf, ist in der nordischen Mythologie der Ruheort der in einer Schlacht gefallenen Kämpfer, die sich als tapfer erwiesen haben, der sogenannten Einherjer.

  • Die Lokasenna - auch Lokis Spottrede genannt
    Die Lokasenna (Lokis Spottrede, auch Zankrede genannt)


    Lokasenna
    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie



    Lokasenna („Lokis Zankreden“) oder Oegisdrecka („Oegirs Trinkgelage“) ist eine Edda-Erzählung, die den Auslöser für die endgültige Feindschaft zwischen den Asen und Loki beschreibt. Die Götter und Göttinnen saßen bei einem Festmahl bei dem Meerriesen Ägir. Seine Halle ist eine Friedenshalle, hier darf sich niemand an einem anderen vergreifen. Bei seinen Zankreden übertrat Loki dieses Gebot. In einer Rede verspottet Loki die Götter. Die Götter versuchen Loki zu beruhigen, doch erst als Thor droht Loki mit seinem Hammer zu erschlagen, ergreift Loki die Flucht.


    * Bragi wird als "Bankzierde" bezeichnet; ihm wird vorgeworfen, dass er nur tapfer sei, wenn er sitzt, sonst aber feige und schwach sei.
    * Idun wird als Hure beschimpft.
    * Gefjons Liebe sei käuflich. Wer sie beschenke, der werde von ihr geliebt.
    * Loki sieht in Odin den Schuldigen, dass er das Kriegsgeschick den Falschen gab, den Feigen.
    * Frigg wird vorgeworfen, dass sie mit Vili und Vé gleichzeitig verkehrt habe.
    * Freya wird beschuldigt, mit allen Anwesenden gebuhlt zu haben, sogar mit ihrem Bruder.
    * Njörd sei nicht mehr als eine Geisel des Wanenkrieges.
    * Tyr sei minderwertig, weil er nur eine Hand hat.
    * Freyr wird als Tor dargestellt. Wegen seiner Liebe habe er sein Schwert verschenkt.
    * Heimdall wird als elender Wächter Asgards dargestellt. Fast rund um die Uhr muss er dastehen und wachen.
    * Skadi wird an den Tod ihres Vaters erinnert.
    * Sif wird Untreue gegen Thor vorgeworfen.
    * Thor greife zu schnell zu seinem Hammer. Des Weiteren erntet Thor Spott, denn sein Herr, der Schlachtengott (Tyr/Odin), wird von einem Wolf besiegt werden.



    Loki ist nach der eddischen Mythologie, obwohl Blutsbruder Odins, einer der Todfeinde der Asen. Bei der Ragnarök zieht er mit den Riesen gegen sie in den Krieg. Seine Konnotation als listiger und böser Täuscher ("Trickser") stellt ihn als Zerstörer der Götterwelt dar.


    Im Mythos von Baldurs Tod täuscht er den blinden Hödur, welcher unwissend mit einem Mistelzweig Baldur tötet, was die Asen als Unheilsomen für ihren eigenen bevorstehenden Untergang betrachten. Und als Thor versucht, Baldur aus Hels Reich zurück zu den Asen zu holen, verwandelt sich Loki in eine alte Frau, die sich weigert Baldurs Tod zu beweinen, weshalb Hel Baldur nicht zu den Lebenden zurückkehren lassen will.


    Vergleicht man indes Lokis Untaten mit seinen Vorwürfen, welche er in der Spottrede gegen die Asen erhebt, so stellt sich allerdings die Frage, woher er denn die Maßstäbe für gut und böse, für schön und häßlich, nimmt. Denn wenn Frigg vorgeworfen wird, mit Vili und Ve gleichzeitig verkehrt zu haben, Freya gar, mit allen Anwesenden gebuhlt zu haben, setzt das voraus, daß Treue ein Wert ist, welcher verletzt wurde. Daß Odin das Kriegsgeschick den Falschen und Feigen gegeben habe, setzt logisch voraus, daß es einen Maßstab dafür gibt, wem es statt dessen gebührt.
    Thor greife zu schnell zu seinem Hammer. Mäßigung und Besonnenheit sollen also auch Werte sein, welche der Gott nicht beachte. Aber auch hier stellt sich die Frage, woher kommen die denn?


    Durchweg mißt Loki die Asen an den Maßstäben für gut und böse und sagt ihnen Defizite nach. Das setzt aber natürlich die Geltung der Maßstäbe voraus, anhand derer Loki seine Kritiken äußert. Wovon leitet er die ab? Warum ist es denn verwerflich, das Kriegsgeschick den Falschen und Feigen zu geben oder mit allen Anwesenden zu buhlen? Woher nimmt Loki das Recht, diese Maßstäbe anzulegen? Und wieso gelten die auch für die Asen? Wo ist der Entstehungsgrund ihrer Geltung?

  • Durchweg mißt Loki die Asen an den Maßstäben für gut und böse und sagt ihnen Defizite nach. Das setzt aber natürlich die Geltung der Maßstäbe voraus, anhand derer Loki seine Kritiken äußert. Wovon leitet er die ab? Warum ist es denn verwerflich, das Kriegsgeschick den Falschen und Feigen zu geben oder mit allen Anwesenden zu buhlen? Woher nimmt Loki das Recht, diese Maßstäbe anzulegen? Und wieso gelten die auch für die Asen? Wo ist der Entstehungsgrund ihrer Geltung?

    Die Asen sind uns Menschen bekanntermaßen sehr ähnlich. Und so wie es bei uns Tabus, Werte und Normen gibt, so wird es wohl auch eben solche bei den Asen geben. Und wie bei uns werden die sich bei ihnen einfach mit der Zeit heraus kristallisiert haben... denke ich. So einfach ist das.

    • End ek swerio in allum fernan Landsidun,
      in Woden ende Thunaer ende Saxnot
      ende allum them Holdum, the hira Genotas sint...
  • Woher nimmt Loki das Recht, diese Maßstäbe anzulegen?


    Weil er die Nase gestrichen voll hatte. :D


    Er war stets anwesend und hat die eine oder die andere Missetat miterlebt. Ihm wurde gescholten während die anderen es als natürlich ansahen, wie Buhlerei etc. Und was war mit Loki? Mit seinen ersten Kindern, die - obwohl es genug "Mischwesen" zwischen Asen und Thursen gab und diese toleriert wurden - als Monster verschwinden sollten, ja sogar getötet werden sollten.


    Und dann auf dem Fest - meiner Meinung nach - so vermessen und hochnäsig die Götter dort feiern und noch nicht einmal scheinbar Sigyn mit den beiden Söhnen es wert waren eingeladen worden zu sein und zum anderen die Abneigung gegenüber Lokis Anwesenheit.


    Also ehrlich? Da wäre ich auch durchgetickert... ;)


    EDIT: setzt man als Beispiel Odin dem tricksterhaften bei (sowohl die Manipulationen als auch die Vergewaltigung und alles weitere), dann ist er definitiv der größte motherf***** Trickster als es Loki je ist und war.

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  • Also ehrlich? Da wäre ich auch durchgetickert... ;)



    Im englischsprachigen pluralistischen Heidenforum "The Cauldron" gibt es eine Gruppe von Lokianhängern. Dort habe ich mal eine ganz ähnliche Antwort erhalten. Loki ist eine Art Maßstabgeber für die Moral der eddischen Götter.


    Das ist aus deiner Sicht auch vollkommen nachvollziehbar. Und es erinnert an die Kontroverse von Lokis griechischem Pendant Prometheus ("Vorbedacht") mit den olympischen Göttern, dabei insbesondere mit Zeus. Nur gibt es in der griechischen Mythologie ein happy-ending: Am Schluß sind Zeus und Prometheus versöhnt. Das ist in Snorri Sturlusons Prosa Edda bekanntlich vollkommen anders. Und auch in der christlichen Mythologie ist Luzifer ("der Lichtträger" - also Prometheus, der den Menschen das Feuer auf die Erde trug!) der ewige Widersacher des Himmelsgottes.


    Wo ist der Entstehungsgrund ihrer Geltung?


    Ja, aber das ist meine zweite Frage. Wo kommen die Maßstäbe für die Moral denn her? Nach welchen ja schließlich auch die Götter beurteilt werden!

  • Hm, also Loki und Lucifer in einem Absatz zusammen zu erwähnen lässt meine Augen bluten... :ugly: Die Intention hinter Lokis Rolle ist eine gänzlichst andere. Er ist als ein Trickster der "göttliche Schelm", der den Plan des Universums, der neun Welten realisiert. Er ist nicht das absolut Böse in Person ;) Zu Prometheus kann ich nicht viel sagen, mir ist der Name zwar bekannt aber bezüglich der griechischen Mythologie habe ich mich bisher nur sporadisch auseinander gesetzt.


    Ich denke, die Maßstäbe der Moral (wenn man es wirklich so sehen möchte), liegt komplett im Menschlichen selbst.


    Die Götter sind menschlicher als es ein Wesen in Midgard je sein wird (meine Meinung hierzu). Mit all den Fehlern und auch mit all den positiven Potentialen.


    Man nehme Baldr mal als Beispiel:
    Mamas und Papas absoluter Liebling. Ein Streber, ein überaus von sich selbst überzeugter Musterknabe wie er im Buche steht. Unfehlbar und geliebt und das schlimmste, er weiß selber darüber Bescheid wie er von anderen förmlich angehimmelt wird. Er erstrahlt so dermassen in goldenem Glanz, dass einem davon regelrecht übel werden könnte (wenn ich so jemanden auf der Straße treffen würde). Also, was macht man? Genau: der Plan ihn wieder zurück auf den Boden der Tatsachen bringen und eben dadurch, dass man ihn darauf aufmerksam macht, das er doch nicht unfehlbar ist, sondern auch wie jedes andere Wesen eine Schwachstelle besitzt (die Mistel). Eine Pflanze, zart und mit biegsamen Holz, dass eigentlich nur verletzen kann aber nicht tötet. Loki selbst übergab die Mistel nur und bewarf nicht selber Baldr damit. Nun, der Musterknabe erlag der Verletzung und fand sich in Helheim wieder. Frage: Was macht Baldr so unglaublich besonders, das er wieder zu den Lebenden zurückgeweint werden soll? Ich hätte meine Tränen auch für mich behalten. Nur weil die asgardische Oberigkeit meint, ihren Willen durchsetzen zu müssen? Weil sie es wollen? Warum sollte dort eine Ausnahme gemacht werden? Haben es nicht dann auch die anderen Seelen verdient, dass in Midgard geweint wird, um sie zurück zu holen?


    Dort wurde nämlich versucht eine Regel zu brechen. Loki achtete darauf die Waage gleich zu halten. Ich sehe es nicht so, dass sein Plan so aussah, Baldr absichtlich zu töten und ihn absichtlich in Helheim zu lassen. Schliesslich wusste er um die Freundlichkeit seitens seiner Tochter und darum, dass es Baldr dort unten gut gehen würde. ;)

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  • Hm, also Loki und Lucifer in einem Absatz zusammen zu erwähnen lässt meine Augen bluten...



    Dabei hatte ich mich doch um die Ethymologie bemüht: Lateinisch "lux" ist das Licht, und "ferre" heißt tragen. Prometheus trug das Feuer vom Himmel auf die Erde zu den Menschen. Weshalb die Zivilisation beginnen konnte. So konnte Metall verarbeitet, getöpfert, Esssen gekocht werden etc. Aber das Feuer hatte noch ganz andere Funktionen, welche lebenserhaltend waren: Glaubst Du, auch nur einer unserer germanischen Vorfahren hätte in der sogenannten Eisenzeit einen einzigen dieser extrem kalten und langen Winter überlebt, wenn es nicht das wärmende Feuer gegeben hätte? "Sol, Luna et Vulcanum", so steht es in Gaius Iulius Caesars "De Bello Gallico", verehrten die Germanen. Und sie wußten warum.


    Prometheus war in der altgriechischen Mythologie der Widersacher der olympischen Götter, besonders der des Zeus. Seine Tricksereien passen absolut zu denen von Loki, weshalb Altertumsforscher ja auch meinen, er sei Loki. Einen wesentlichen Unterschied findet man allerdings: Nach der altgriechischen Mythologie vertragen sich Zeus und Prometheus am Ende. Das gibt es in der Snorra Edda mit ihrer Ragnarök bekanntlich nicht. Und auch in der christlichen Mythologie wird der antithetische Dualismus bekanntlich nicht aufgelöst. Thesis, Antithesis, Synthesis, diese Überwindung der Gegensätze gibt es hingegen bei uns.

  • Seine Tricksereien passen absolut zu denen von Loki, weshalb Altertumsforscher ja auch meinen, er sei Loki.


    Das macht Sinn. Hast Du da einige Namen? Nicht zur Kontrolle, keine Angst, doch ich möchte einen Artikel oder ein Essay schreiben in welchem ich den griechischen Hephaistos mit dem germanischen Loki vergleichen will, mich eben berufend auf die von Dir zitierte Aussprache des Cäsars.


    Prometheus wurde auch von Herakles-Hercules befreit, der mit Donar-Thor identifiziert wurde, der wiederum mit Loki ja gut befreundet war.

  • Das macht Sinn. Hast Du da einige Namen? Nicht zur Kontrolle, keine Angst, doch ich möchte einen Artikel oder ein Essay schreiben in welchem ich den griechischen Hephaistos mit dem germanischen Loki vergleichen will



    Loki - eine unvollständige Kopie von Prometheus?


    Die Altertums- und die Religionswissenschaft befassen sich schon lange mit der Wanderung der Mythen. Der im germanischen Sprachraum wohl am meisten behandelte Fall ist wohl die Wanderung der Verehrung Wodan/Odins nach Norden. Weitaus schwieriger sind die Fragen der "Wanderung" von Gottheiten dort zu klären, wo kein Kult vorhanden war. Ein deratiger Fall ist die Einordnung Lokis. Seit langem werden dabei kaukasische (ossetische) und griechische Mythen mit der Einordnung Lokis in die nordischen Mythen verglichen. Wegen der auffälligen Gemeinsamkeiten in allen drei Kulturkreisen, also dem germanisch-nordischen, dem kaukasisch-ossetischen und dem griechischen, ist dabei die Gestalt des Prometheus in den Fokus der Forschung gerückt. Dazu schreibt Jan de Vries:


    "Deshalb muß zugegeben werden, daß diese von mir versuchte Deutung der Loki- Figur (§§ 16, 251 - 297) nicht befriedigend ist. Hier zeigt sich das Grundübel einer Betrachtung, die die germanischen Götter zu einseitig aus den germanischen Überlieferungen selbst erklären will. Wenn wir, wie in diesem Falle, nicht einmal den Gott in irgendeinem Kult auftreten sehen, so bieten die mythischen Erzählungen in ihrer zertrümmerten Form keine genügende Grundlage einer Erklärung. Erst wenn es uns gelingt, durch den Vergleich mit Überlieferungen anderer indogermanischer Völker den Blick zu schärfen, können wir weiter kommen.
    G. Dumézil hat in seinem Loki-Buch diesen Weg gewählt, und es ist ihm gelungen, in den ossetischen Überlieferungen von Syrdon (s. § 434) eine Parallele zu finden. Die Osseten sind die Nachkommen der alten Skythen und gehören zu unserer Sprachfamilie. Hier gibt eine weitverzweigte Heldensage, die zahlreiche mythische Elemente enthält. er gelangt zu dem Ergebnis, daß Syrdon die Rolle eines dämonischen Wesens in einem Sonnenkult spielt, in dem die ewigen Momente der Geburt , des Todes und der Wiedergeburt den Grundgedanken bilden. Das stimmt also wesentlich zu Lokis Rolle in der Baldr-Tragödie, die damit zum eigentlichen Kernpunkt der Loki-Figur gemacht wird. Ich muß für die Beweisführung im Einzelnen auf Dumézils reichhaltiges Buch verweisen; sie gelangt so weit, als man mit den zu Gebote stehenden Mitteln kommen kann. Man kann hier natürlich nur von einer Möglichkeit reden, besonders weil die ossetische Parallele geographisch und zeitlich so weit abliegt und leider die Zwischen glieder bei anderen verwandten Völkern fehlen³.


    [small]3) Vernadski, Saeculum 2, 365 - 6 weist darauf hin, daß eine Entlehnung der Loki-Figur aus Sardon recht gut möglich ist, weil die Germanen (und zwar die Skiren und Bastarnen) schon im 3. vorchr. Jh. mit den Sarmaten in Berührung kamen. Man darf daher fragen, ob hier überhaupt eine Entlehnung anzunehmen ist; vielmehr muß man an eine Urverwandtschaft denken.[/small]


    Wenn wir aufgrund dieser Erklärungshypothese Lokis Charakter zu bestimmen versuchen, so formuliert Dumézil ihn als den gefährlichen impulsiven Verstand, der leicht auf Abwege gerät und dann lebensvernichtende Folgen haben kann. Er stellt ihn in dieser Hinsicht dem Gotte Hoenir gegenüber, der das langsame, genau überlegende Denken ausdrücken sollte (s. § 510). es ist, wie Dumézil selbst schon hervorgehoben hat, überraschend, daß solche Gegensätze des Denkens in der Mythologie eines so unphilosophischen Volkes wie der Germanen einen Ausdruck gefunden haben sollten, aber dagegen läßt sich sagen, daß schon eine sehr einfache Reflexion die Verschiedenartigkeit der menschlichen intellektuellen Tätrigkeit hat zum Ausdruck bringen müssen. Was wir heutzutage nur in einer abstrakten Denkformel ausdrücken können, verkörpert der aarchaische Mensch in einem Mythus. Hier zeigt eben der griechische Mythus die Gleichartigkeit der Betrachtung; im Gegensatz zu dem göttlichen nous ist, wie Kerényi bemerkt hat², der titanische Geist des Prometheus unruhig, erfinderisch, aber auch trügerisch. Damit wäre auch Loki vorzüglich charakterisiert. "


    (Jan de Vries, Altgermanische Religionsgeschichte II, 2. Auflage, Berlin 1957, S. 266 - 267).


    Weshalb ist die Konnotation der Gestalt Lokis für das Heidentum der Gegenwart so wichtig? Das wird klar, wenn man die Eschatologien vergleicht: Nach der Völuspa beziehungsweise Ragnarök geht die Welt im Krieg der Riesen gegen die Götter in einem gewaltigen Feuerbrand unter. Nach der historischen Vorläuferin der Ragnarök, der Muspilli, kann sich "niemand vor dem Muspele retten". In der Ragnarök ziehen "muspelz synir"( Muspels Söhne), an anderer Stelle der Snorra Edda "muspelz lydir" (Muspels Leute) gegen die Götter in den Krieg. Loki führt das Herr der Feinde der Götter an. Die Gesalt Lokis ist in der nordischen Mythologe nahezu einseitig als Täuscher und Feind der Asen konnotiert und wird auch bis zum Weltuntergang in der Ragnarök durchgehalten.


    Die Feindschaft zwischen Prometheus und Zeus beginnt zunächst genau so. Prometheus stiehlt das Feuer vom Himmel und gibt es den Menschen. Bei einem weiteren Treffen täuscht er Zeus. Schließlich wurde er zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus gefesselt. Ein Adler fraß täglich an seiner Leber, die immer wieder nachwuchs. Schließlich jedoch wurde er von Herakles, dem Sohn des Zeus, befreit. Am Ende sind Zeus und Prometheus im Himmel versöhnt. Hier nun unterscheidet sich der griechische Mythos ganz wesentlich vom altgermanischen, die griechische Mythologie gelangt zur Aufhebung und Versöhnung der Gegensätze, die germanische bleibt bei unerbittlicher Feindschaft und gegenseitiger Vernichtung.


    Von seinem ursprünglichen Plan, die Welt zu vernichten, nahm Zeus Abstand. Also kein Weltende durch Feuer, der Weltuntergang ist abgesagt. Griechen und Germanen, praktisch gleicher Beginn, aber vollkommen anderes Ende. Könnte es denn sein, daß die Skiren und Bastarnen im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung nur einen Teil der Erzählung gehört und die 'Geschichte über den Feuertitanen' unvollständig kopiert haben?

  • Es ist höchste Zeit, dass ich Kerenyi mal lese! Danke für die Zitate.


    Von seinem ursprünglichen Plan, die Welt zu vernichten, nahm Zeus Abstand. Also kein Weltende durch Feuer, der Weltuntergang ist abgesagt. Griechen und Germanen, praktisch gleicher Beginn, aber vollkommen anderes Ende. Könnte es denn sein, daß die Skiren und Bastarnen im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung nur einen Teil der Erzählung gehört und die 'Geschichte über den Feuertitanen' unvollständig kopiert haben?


    Oder es betrifft Elemente, die dem Juden-/Christentum und Manicheismus (durch das Christentum) entnommen sind? Beziehungsweise dass diese einen starken Einfluss ausübten auf die heidnischen Vorstellungen?

  • Wahrscheinlich weißt Du, daß Augustinus vor seiner Hinwendung zum Christentum Manichäer war. Die heutige Römisch-Katholische Kirche ist ohne die manichäischen Importe durch Augustinus gar nicht vorstellbar. Augustinus wollte ja bei den Manichäern zur Elite gehören, aber er ist von ihr neun Jahre lang nur enttäuscht worden. Doch dann, bei den Christen, konnte er seinen Traum an der Spitze einer Hierarchie verwirklichen. Wenn ich das bloß Geza vermitteln könnte...aber nein, vorher würde mich Catrin total wegzensieren und löschen. Denn dort würde ein ganzes Weltbild zusammenbrechen.

  • Lokasenna („Lokis Zankreden“) oder Oegisdrecka („Oegirs Trinkgelage“) ist eine Edda-Erzählung, die den Auslöser für die endgültige Feindschaft zwischen den Asen und Loki beschreibt.

    Ups, ich dachte immer, der Auslöser läge viel früher ...


    * Bragi wird als "Bankzierde" bezeichnet; ihm wird vorgeworfen, dass er nur tapfer sei, wenn er sitzt, sonst aber feige und schwach sei.

    Man darf nicht vergessen, dass Bragi es war, der Loki zuerst beleidigte und kränkte. Und die scharfe Antwort hatte er mehr als verdient. Loki reagierte, er agierte nicht, was sich allein daran zeigt, dass Widar kein Schmähwort empfing (weil er zu klug war, Loki in dieser Stimmung zu reizen).

    Loki ist nach der eddischen Mythologie, obwohl Blutsbruder Odins, einer der Todfeinde der Asen. Bei der Ragnarök zieht er mit den Riesen gegen sie in den Krieg.

    Er war nie Todfeind, sondern durch die Geschichten hindurch der hilfreiche Freund. Dass er zu Ragnarök mit Naglfar kommt, ist verständlich. Die Asen hatten ihn gebunden, er konnte nicht mehr an ihrer Seite sein. Mit den Riesen zieht er aber nicht zur letzten Schlacht.


    Und als Thor versucht, Baldur aus Hels Reich zurück zu den Asen zu holen

    Tja, das hasse ich an solchen Wiki-Einträgen - manche gute Gedanken und Zusammenfassungen, und dann dazwischen Fehlinformationen, die sich gewaschen haben. Thor zog nicht nach Helheim, diesen Ritt auf Sleipnir unternahm sein Bruder Hermod.

    Frage: Was macht Baldr so unglaublich besonders, das er wieder zu den Lebenden zurückgeweint werden soll?

    Ahem - also ich denke, jeder unserer Götter ist etwas ganz und gar Besonderes! Balder steht für das Licht, für freundlichen Sommer, für Sanftheit (obwohl ein starker Krieger) und vieles andere mehr. Als ich das erste Mal die Geschichte von seinem Sterben las, habe ich tatsächlich auch geweint, weil mich das so erschütterte. Wenn das Licht (endgültig) stirbt, wird es verdammt finster um uns und in uns.

  • Wahrscheinlich weißt Du, daß Augustinus vor seiner Hinwendung zum Christentum Manichäer war.


    Indertat :) .


    Ich meinte eben mal gelesen zu haben, dass das Christentum dem Manichäismus und nicht dem Judentum das dualistische Weltbild entnommen habe... oder entnahmen sie es dem Zoroastrismus? ... nachlesen!


    Denn dort würde ein ganzes Weltbild zusammenbrechen.


    Oi, das wollen wir ja nicht. Doch keine Sorge: ganz im Sinne des Postmodernismus unserer Zeit habe ich gar kein Weltbild. Also nichts kann erschüttert werden! :)



    Man darf nicht vergessen, dass Bragi es war, der Loki zuerst beleidigte und kränkte. Und die scharfe Antwort hatte er mehr als verdient. Loki reagierte, er agierte nicht, was sich allein daran zeigt, dass Widar kein Schmähwort empfing (weil er zu klug war, Loki in dieser Stimmung zu reizen).


    Eines der tollsten Entwicklungen im heutigen (germanischen) Heidentum, finde ich die Stellungnahme zum Gott Loki. Mir fällt öfter im Forum auf, dass seine guten Seiten deutlich berücksichtigt werden und sogar hervorgehoben. Ich weiß natürlich nicht, wie die germanischen Völker von Damals, als sie noch Heiden waren, gegenüber dieser Gottheit standen und daher wäre es etwas vorschnell, zu behaupten, die Stellungnahme zu Gott Loki seie eines der bedeutenden Merkmale des postmodernen Polytheismus (im Gegensatz zum altertümlichen Polytheismus).


    Tja, das hasse ich an solchen Wiki-Einträgen - manche gute Gedanken und Zusammenfassungen, und dann dazwischen Fehlinformationen, die sich gewaschen haben. Thor zog nicht nach Helheim, diesen Ritt auf Sleipnir unternahm sein Bruder Hermod.


    Dito!

  • Moinse,


    Zitat von »Lokey«
    Frage: Was macht Baldr so unglaublich besonders, das er wieder zu den Lebenden zurückgeweint werden soll?


    Ahem - also ich denke, jeder unserer Götter ist etwas ganz und gar Besonderes! Balder steht für das Licht, für freundlichen Sommer, für Sanftheit (obwohl ein starker Krieger) und vieles andere mehr. Als ich das erste Mal die Geschichte von seinem Sterben las, habe ich tatsächlich auch geweint, weil mich das so erschütterte. Wenn das Licht (endgültig) stirbt, wird es verdammt finster um uns und in uns.


    Ich weiß, bei dieser Sache gehen die Meinungen geschmacklich auseinander, was ich nicht schlimm finde. Das ist auch meine Meinung. Ich sehe das weniger sentimental und emotional wie du. Er und all die anderen wehklagenden Götter sind selber schuld in meinen Augen. Wer sich einen Spaß erlaubt und mit seiner Unverwundbarkeit sich so dermaßen aufplustert und damit hausieren geht, dem soll das eine Lehre sein. Ein Trickster ist, wie ich oben schon beschrieb, kein Mörder, er verfolgt ein höheres Ziel, ein universales Ziel. Man kennt den Spruch: je höher der Flug, desto tiefer der Fall.


    Und warum sollen nur "lichte und weise und sanfte" Götter die Rückkehr aus Helheim verdienen? Ich finde, dass wenn dieses Vorhaben geklappt hätte (was es zum Glück nicht tat) hätte jeder "lichte und weise und sanfte" Mensch es ebenfalls verdient. Tot ist tot. Das ist das Gesetz und daran hat sich - meiner Meinung nach - niemand einzumischen ;)



    Achtung!
    Humor im Anmarsch...(ich kann es mir nicht verkneifen...)


    Balder steht für [...] für freundlichen Sommer [...]


    Ist Baldrs Tod womöglich schuld am Klimawandel???

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  • Ich sehe das weniger sentimental und emotional wie du. Er und all die anderen wehklagenden Götter sind selber schuld in meinen Augen.

    Na, wenn das nicht emotional ist :rolleyes:


    Ein Trickster ist, wie ich oben schon beschrieb, kein Mörder, er verfolgt ein höheres Ziel, ein universales Ziel.


    Da widerspreche ich natürlich nicht - ich mag Loki, sogar so sehr, dass ich ihn nicht einmal einen Trickser nennen würde.
    Aber ich verehre alle Götter (nicht alle gleich stark, doch alle mit vollstem Respekt). Mag sein, dass das dann sentimental ist - aber ich fühle mich gut dabei.

    Und warum sollen nur "lichte und weise und sanfte" Götter die Rückkehr aus Helheim verdienen? Ich finde, dass wenn dieses Vorhaben geklappt hätte (was es zum Glück nicht tat) hätte jeder "lichte und weise und sanfte" Mensch es ebenfalls verdient. Tot ist tot. Das ist das Gesetz und daran hat sich - meiner Meinung nach - niemand einzumischen

    Das ist kein Gesetz, sondern Heljas Entscheidung. Nach Ragnarök gibt sie Balder und einige andere ja frei. Das ist keine Frage des Verdienstes.


    Ist Baldrs Tod womöglich schuld am Klimawandel???

    Nein, aber Symbol der Sommersonnenwende :sun:


    Die Vielschichtigkeit der naturmythologischen Entsprechungen faszinieren mich mehr und mehr.