Fröhliche Weihnachten, liebe Heiden!

Schon gewusst…?

Thor / Donar


Sohn des Odin und Gott des Donners. Kann gut essen, trinken und raufen. Feinde zermalmt er mit seinem Hammer Mjölnir. Kämpft öfter gegen die Midgardschlange.

  • In dem facebbok-Forum Die Wiege der Götter diskutieren wir in dem Thread 'Noch 20 Tage bis Jul' die Einordnung der altenglischen 'modranight', also der 'Nacht der Mütter', in welcher Frigg den Lichgott Baldur gebahr. Das war am Tag der Wintersonnenwende. Und da es mit Isis und ihrem Sohn Horus kaum anders gewesen ist, fragte ich dort, ob die Christen uns den Mythos geklaut haben. Vom Teilnehmer Manfred Lohmann erhielt ich folgende Antwort:


    "Nicht Freya, sondern Frigg, die Gemahlin Odins, hat den Lichtgott Baldr geboren. Die beiden Göttinen werden gern verwechselt bzw. auch als eine Person angesehen. Frigg ist eine Asin, während Freya zu den Wanen gehört.
    Die zur Wintersonnenwnde gefeierte Mütternacht besagte eben, dass in dieser Nacht der Lichtgott Baldur geboren wird - was nichts anderes heißt, als dass die Sonne ihren tiefsten Punkt erreicht hat und nun wieder aufsteigt und der Welt neues Licht und damit auch Wärme, Fruchtbarkeit usw. schenkt.


    "Haben die etwa auch hier bei uns geklaut?" ... dazu hier eine Anmerkung, die vor einigen Jahren im Rahmen einer Sendung veröffentlicht wurden (Auszüge aus dem Protokoll - Zitat):


    "....In der katholischen Enzyklopädie ist zu lesen:“ Weihnachten gehört nicht zu den frühesten Festen der Kirche.“
    Und in dem Werk The World Book Encyclopedia heißt es:” Die erste Erwähnung des Weihnachtsfestes ist in
    einem alten römischen Kalender von 336 A.D. zu finden.“ Daraus ist ersichtlich, dass die Urchristen das
    Weihnachtsfest nicht kannten.
    Die gleiche Meinung vertritt Professor Ferguson gemäß seinem Buch The Religions of the Roman Empire Er
    schreibt:“ Die ersten Christen feierten den Geburtstag Jesu nicht; er war nicht überliefert.“ Und in der New
    Catholic Encyclopedia ist zu lesen: 'So unerklärlich es auch erscheint, das Datum der Geburt Christi ist
    unbekannt. In den Evangelien wird weder der Tag noch der Monat genannt.'...


    ... Eigentlich wird das Weihnachtsfest erst seit 354 gefeiert. In diesem Jahr erklärte Papst Gregor den 25.
    Dezember zum Geburtstag Jesu. Damit folgte er der frühen Kirchenpolitik, denn man hatte die Absicht,
    heidnische Riten mit den eigenen Festen zu vereinen. ....


    ... Nur drei Tage vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1993
    gab Papst Johannes Paul II. zu, dass das Fest nicht biblisch begründet ist. Was den 25. Dezember betrifft,
    3 Radio-Nachgefragt Sendung vom 20.12.2006 - Welchen Ursprung haben Weihnachtsbräuche?
    räumte der Papst ein: „In heidnischer Vorzeit wurde an jenem Tag der Geburtstag der ,unbesiegbaren Sonne‘
    gefeiert. Den Christen erschien es logisch und naheliegend, dieses Fest durch die Feier zu Ehren der einzigen
    und wahren Sonne, Jesus Christus, zu ersetzen.“


    (Zitat Ende)


    In der Tat hat die kath. Kirche - nicht "die Christen", denn die Urchristen feierten ja Weihnachten nicht - hier ein ursprünglich heidnisches Fest "geklaut" oder übernommen, um ihre eigenen Ansichten und kirchlichen Ziele bzw. Lehren den Heiden "schmackhaft" zu machen. Weihnachten als Geburtsfest Christi ist eine reine Erfindung der kath. Kirche, die durch die rigerose Vorgehensweise und den Machthunger der damaligen Kirchenoberen das ursprünglich heidnische Fest verdrängte - das betraf aber nicht nur die germanische Mütternacht sondern auch die römischen Saturnalien usw."

  • In dem facebbok-Forum Die Wiege der Götter diskutieren wir in dem Thread 'Noch 20 Tage bis Jul' die Einordnung der altenglischen 'modranight', also der 'Nacht der Mütter', in welcher Frigg den Lichgott Baldur gebahr. Das war am Tag der Wintersonnenwende. Und da es mit Isis und ihrem Sohn Horus kaum anders gewesen ist, fragte ich dort, ob die Christen uns den Mythos geklaut haben. Vom Teilnehmer Manfred Lohmann erhielt ich folgende Antwort:

    Genau darüber habe ich vor einigen Tagen nochmal detailierter nachgelesen *schmunzel*
    Nach der Christianisierung wurde das Fest auch lange das heidnisch-christliche Fest genannt und ja doch, es gibt sehr viele Parallelen. Siehe nur Ask und Embla! Im Christentum sinds Adam und eve, sogar die Anfangsbuchstaben sind gleichgeblieben. Bei uns sind kommen die Beiden aus dem Baum und dort sind sie im Paradies. Aus Elfen wurden Engel. Die "wichtigsten/bekanntesten" Götter (natürlich sind Alle wichtig) bekamen neue Positionen und so einiges mehr. Wäre wohl auch zu schwierig geworden, alles komplett neu zu schreiben/denken/sagen, wie auch immer man es nennen mag.
    Ich kleb dir mal den Link mir dran von dem ich sprach.


    Weihnachten


    Ab dem zweiten kapitel wird es interessanter "Was bedeutet der Begriff „Weihnachten”?" und da weiter unten wird auch auf Jul eingegangen u. a. dem Begriff, dass Jul im eigentlichen Sinne Säugling bedeutet. Das Religiöse anderer Richtung kann man auch überscrollen, falls der der Text zu lang und von weniger Interesse :)

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    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Genau. Ich meine, schauen wir uns das doch mal an: Zu der Zeit (4. Jahrhundert) waren die großen Christen-Verfolgungen gerade vorbei. Dem Kaiser Konstantin gefiel der Christus-Kult und seine Anhänger. Eben noch eine verfolgte Sekte aus den Hinterzimmern der römischen Metropole, und nun war der Weg frei, Anhänger anzuwerben, und das öffentlich und kräftig. Es musste Potenzial her, und das kam dann auch (wenige Jahrzehnte danach schon wurde der Christus-Kult ja zur Staatsreligion...).


    Ich stelle mir das Christentum zu der Zeit oft wie Scientology heute vor - Hauptsache, Leute anwerben. Die Führungs-Rige kann die Formen des Glaubens nach belieben diktieren.
    Heiden holt man am besten ins Boot, wenn man so tut, als sei das Christentum gar nicht so verschieden. Ich weiß zum Beispiel, dass sich die Christen da wohl vom Mithras-Kult und anderen Mysterien-Religionen, oder etwa dem Gott Sol Invictus, haben inspirieren lassen. Unbesiegbare Lichtgottheiten, die gegen das Böse kämpfen und den Sieg bringen. Passt doch zu ihrem Gott Jesus Christus, der ja ebenfalls dazu aufgerufen haben soll, sein Weltreich zu begründen. Jesus ist der Licht- bzw. Heils-Gott der Christen, und da passt es doch ganz gut, dass der als Pendant zu den heidnischen Licht-Göttern propagiert wird.


    Das beinhaltet natürlich auch den Geburtstag. Heidnische Lichtgötter werden zur Wintersonnenwende geboren. Da man die in Rom seit dem Cäsar den julianischen Kalender einführte am 25. Dezember feierte, setzte man da einfach dieses Datum fest. 8)

    • End ek swerio in allum fernan Landsidun,
      in Woden ende Thunaer ende Saxnot
      ende allum them Holdum, the hira Genotas sint...
  • In dem facebbok-Forum Die Wiege der Götter diskutieren wir in dem Thread 'Noch 20 Tage bis Jul' die Einordnung der altenglischen 'modranight', also der 'Nacht der Mütter', in welcher Frigg den Lichgott Baldur gebahr. Das war am Tag der Wintersonnenwende. Und da es mit Isis und ihrem Sohn Horus kaum anders gewesen ist, fragte ich dort, ob die Christen uns den Mythos geklaut haben. Vom Teilnehmer Manfred Lohmann erhielt ich folgende Antwort:


    "Nicht Freya, sondern Frigg, die Gemahlin Odins, hat den Lichtgott Baldr geboren. Die beiden Göttinen werden gern verwechselt bzw. auch als eine Person angesehen. Frigg ist eine Asin, während Freya zu den Wanen gehört.
    Die zur Wintersonnenwnde gefeierte Mütternacht besagte eben, dass in dieser Nacht der Lichtgott Baldur geboren wird - was nichts anderes heißt, als dass die Sonne ihren tiefsten Punkt erreicht hat und nun wieder aufsteigt und der Welt neues Licht und damit auch Wärme, Fruchtbarkeit usw. schenkt.


    Für einen solchen Mythos im germanischen Raum gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Ebensowenig gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Baldur als Personifikation der Sonne gesehen wurde; das war nämlich Sunna.
    Dass solche Mythen von der Geburt eines Sonnenkindes in anderen Kulturräumen hingegen vorkamen, ist wohl gesichert, und es liegt nahe, dass das christliche Weihnachtsfest aus diesen abgeleitet oder davon inspiriert wurde. Nur hat die Mythologie des germanischen Kuturraums da keine Aktien drin.

  • Nur hat die Mythologie des germanischen Kuturraums da keine Aktien drin.


    Die angelsächsische 'modranight' (Nacht der Mütter) ist von dem Mönch Beda Venerabilis überliefert. Kanns'te bei Simek in Religion und Mythologie der Germanen, 2003, nachlesen.

  • Zitat von »Kisa«
    Nur hat die Mythologie des germanischen Kuturraums da keine Aktien drin.




    Die angelsächsische 'modranight' (Nacht der Mütter) ist von dem Mönch Beda Venerabilis überliefert. Kanns'te bei Simek in Religion und Mythologie der Germanen, 2003, nachlesen.

    Dazu habe ich ein ähnliches Zitat, aus o.g. Link. Allerdings weiß ich nicht wie zuverlässig die Quelle ist, die Argumente dazu, aber plausibel:
    "..... Weihnachten wurde demnach von den Germanen schon in vorchristlicher Zeit gefeiert, was bedeutet, dass es eigentlich gar nichts mit der Geburt des CHRISTUS zu tun hat: man feierte die Mittwinternächte (Wintersonnen- wende)!.

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    - Goethe -

  • Weihnachten wurde demnach von den Germanen schon in vorchristlicher Zeit gefeiert, was bedeutet, dass es eigentlich gar nichts mit der Geburt des CHRISTUS zu tun hat: man feierte die Mittwinternächte (Wintersonnen- wende)!.

    Nicht gänzlich korrekt ;) Bei den alten Germanen war Mittwinter/Jul woll ungleich der Wintersonnenwende/Mütternacht.


    ich finde, es sollte nicht heißen: "Die Christen haben Weihnachten von den Germanen übernommen". Das lese ich nämlich sehr oft. Die Christen feierten die Geburt ihres Licht-Gottes schon bevor sie im Norden wüteten, übernommen haben sie das logischerweise von den Römern. Nur eben feierten die Germanen Parallel dazu das ihrige Sonnenfest, und da mussten die Christen dann später am Datum nicht viel rütteln...

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  • Die angelsächsische 'modranight' (Nacht der Mütter) ist von dem Mönch Beda Venerabilis überliefert. Kanns'te bei Simek in Religion und Mythologie der Germanen, 2003, nachlesen.


    Und steht da auch etwas über Hintergrund und Inhalt der Mütternacht? In Götter und Kulte der Germanen und seinem Lexikon der germanischen Mythologie jedenfalls schliesst er einen solchen Mythos aus - nicht zuletzt, weil Balder ja eben nicht aufersteht. Die Modraniht wird ausdrücklich zum Matronenkult und zum Disting gestellt.

  • Nicht gänzlich korrekt ;) Bei den alten Germanen war Mittwinter/Jul woll ungleich der Wintersonnenwende/Mütternacht.

    Ich habe zu diesem Zitat auf den Link verwiesen, den ich im 1. Beitrag erwähne und nur ein Zitat daraus gezogen.
    Für dich machs ichs dann nochmal länger und wenn du magst, kannst ja auch dareinlesen.


    ".... Die meisten vorchristlichen Mysterienkulte feierten die Geburt des göttlichen Kindes zur Wintersonnenwende. Somit lautet der alte Name im angelsächsischen Raum für diese Nacht "Modraniht" was Mutter-Nacht bedeutet. Welche waren alle diese geheimnisvollen Mütter, vor denen die Heiden Ehrfurcht empfanden? Die großen Göttinnen in aller Welt gebaren wie in einem einzigen göttlichen Akt eine neue Welt:


    *
    Rhiannon gebiert ihren Sohn Pryderi;
    *
    durch Isis wird Horus wieder geboren;
    *
    Demeter bekommt ihre heilige Tochter Persephone;
    *
    die Erdgöttin schenkt Dionysos das Leben
    *
    und in Japan kommt Amaterasu aus ihrer Höhle usw.


    Weihnachten wurde demnach von den Germanen schon in vorchristlicher Zeit gefeiert, was bedeutet, dass es eigentlich gar nichts mit der Geburt des CHRISTUS zu tun hat: man feierte die Mittwinternächte (Windersonnen- wende).


    Da das Weihnachtsfest von der katholischen Kirche über die gesamte Erde verbreitet wurde, sollte man doch davon ausgehen können, dass sie sicherlich kompetent genug ist, als Informationsquelle herangezogen zu werden. Sehen wir uns daher einmal die Catholic Encyclopedia an, ein Werk, das von dieser Kirche im Jahre 1911 herausgegeben wurde. Unter der Überschrift Christmas [Weihnachten] ist zu lesen:


    „Weihnachten zählte nicht zu den Festen der frühen Kirche... erste Nachweise für das Fest kommen aus Ägypten”. Und weiter heißt es: „Heidnische Bräuche, die sich zeitlich um die Zeit des Januars bewegten, wurden zu Weihnachten gemacht”."

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  • Der deutsche Wikipedia-Artikel zu Sol (Invictus) beschert uns folgendes Zitat, dass mir auch schon mal anderswo (in einem Buch) begegnet ist:


    Zitat

    „Die Heiden pflegen nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstages der Sonne zu feiern und zu ihren Ehren Lichter zu entzünden. Zu diesen Riten luden sie oft auch Christen ein. Da nun die Lehrer der Kirche sahen, dass sich viele Christen zur Teilnahme an diesen Festen verleiten ließen, beschlossen sie, fortan am selben Tag das Fest der wahren Geburt zu begehen.[15]“


    Bevor sie Christus wählten, waren viele Kaiser, wie Hedewit schrieb, offenbar starke Anhänger des Sol Invictus (neben den alten traditionellen Göttern, natürlich). Daher wohl die viele Sonnensymbolik in der Kirche, wie zB auch der Sonntag (Konstantin wollte Christen und Heiden/Solisten einen gemeinsamen Feiertag geben).


    Dass die Germanen (und andere Zentral- und Nordeuropäischen Völker) keine Aktie am Weihnachtsfest hätten, könnte man so nicht sagen. Ihre geographische Position hat das Weihnachtsfest eine Wichtigkeit verliehen, die es in der mediterranen oder orientalischen Welt nie erlangen könnte.

  • Nein? Meiner Auffassungw ar es bisher so, dass Balder zur WSW geboren wird und zur SSW stirbt.


    Das ist eine neuheidnische Auffassung, die zu dem überlieferten Mythos aber nicht passt. Trotz aller Bemühungen der anderen Götter kommt Balder nicht zurück; seine Rückkehr wird erst für ein mystisches "Goldenes Zeitalter" nach Ragnarök vorhergesagt.


    Und vergesst bitte auch nicht, dass die Sonne im germanischen Raum Sunna (weiblich) war und der Mond Mani (männlich).


    Ich habe nicht gesagt, dass die Germanen keine Aktien am Weihnachtsfest hatten. Sie HABEN um die Zeit gefeiert. Aber der Mythos von der Göttin, die den Sonnensohn gebiert, stammt aus dem nahöstlichen Raum. Für den germanischen Raum gibt es keine Hinweise darauf und sogar Punkte, die dagegen sprechen.

  • Und vergesst bitte auch nicht, dass die Sonne im germanischen Raum Sunna (weiblich) war und der Mond Mani (männlich).


    Als materielle Gestirne, ja, so wie Helios und Selene bei den Griechen. Trotzdem wurden auch die olympischen ('geistlichen') Götter Apollon und Artemis mit diesen verbunden.


    Aber der Mythos von der Göttin, die den Sonnensohn gebiert, stammt aus dem nahöstlichen Raum. Für den germanischen Raum gibt es keine Hinweise darauf und sogar Punkte, die dagegen sprechen.


    Das stimmt. Darstellungen einer Asin die einen Sonnensohn zur Welt bringt, wäre demnach neuzeitlicher Synkretismus. Das hat dann vielleicht nichts mehr mit dem ursprünglichen zu tun, aber nachvollziehbar ist die Parallele schon. Frigg die ihren Sohn an die Unterwelt verliert und versucht diesen wieder zu bekommen erinnert an Demeter und Persephone, Aphrodite und Adonis, Isis und Osiris, Kybele und Attis, Ishtar/Inanna und Tammuz/Dumuzi.

  • Das ist eine neuheidnische Auffassung, die zu dem überlieferten Mythos aber nicht passt. Trotz aller Bemühungen der anderen Götter kommt Balder nicht zurück; seine Rückkehr wird erst für ein mystisches "Goldenes Zeitalter" nach Ragnarök vorhergesagt.


    Und vergesst bitte auch nicht, dass die Sonne im germanischen Raum Sunna (weiblich) war und der Mond Mani (männlich).

    Das ist in der Tat eine interessante Eigenart des germanischen - soweit ich weiß, ist das bei all den anderen indogermanischen Religionen anders herum. Was meiner Meinung nach natürlich primär nahe legt, dass bei den Germanen eine Überlieferungs-Lücke vorliegt.


    Das ganze Thema lässt eh viel Spekulation offen...


    So halte ich es erstens für möglich, dass Sonne und Mond nicht rein-geschlechtlich waren. So kennen wir mit dem Mond assoziierte Wesen, die männlich sind - Mani und Hiuki - aber auch weibliche, wie etwa Bil, die ganzen indogermanischen Pendants wie Luna, und eventuell auch Sinthgunt. Für die Sonne kennen wir natürlich die weibliche Sunna, aber ich meine mich entsinnen zu können, in der Aufzählung der Kenninge in der Edda mal gelesen zu haben, Sunna sei verheiratet... immerhin hat sie ja auch eine Tochter. Und auch hier seien die indogermanischen Pendants nicht so vergessen, die alle männlich sind.


    Balder sehe ich persönlich nicht als Personifikation der Sonne, sondern eher als Personifikation der lichten Lebenskraft, die von ihr ausgeht. Soll heißen Sunna fährt und lenkt den Sonnenwagen; wenn wir zum Gestirn hinauf blicken, sehen wir sie und nicht Balder. Balder (vergl. engl. "bald" -> glänzend, strahlend; angelsäch. Name Balders ist Baeldaeg -> evtl. "strahlender Tag") dagegen halte ich für den Gott, der der Sonnenscheibe ihre Kraft verleiht. Immerhin bewerkstelligt sie ungeheuerliches; schenkt der ganzen Welt Helligkeit, Wärme und vor allem Leben. Diese Kraft, glaube/spekuliere ich, geht von Balder aus. Und wenn er tot ist, dann erhält die Sonne eben diese lichte Lebenskraft nicht mehr. Sie wird schwächer und schwächer und Heligkeit, Wärme und Leben verlassen das Land...

    • End ek swerio in allum fernan Landsidun,
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  • Als materielle Gestirne, ja, so wie Helios und Selene bei den Griechen. Trotzdem wurden auch die olympischen ('geistlichen') Götter Apollon und Artemis mit diesen verbunden.


    Stimmt, hatte ich ganz vergessen!


    Trotzdem bleibt die genaue Bedeutung Balders bisher Spekulation. Dass er die Sonne verkörpern könnte, ist zwar nicht völlig abwegig, aber auch nicht die einzige Deutung oder gar die naheliegendste. Es bleibt reine Interpretation, die sich auf nichts stützen kann als auf persönliche Assoziationen. Ich kenne z.B. auch Leute, die was ganz anderes in ihm sehen. Da geht es mehr in Richtung Güte. Was sich in den Mythos ziemlich gut einfügt.


    Zitat

    Das stimmt. Darstellungen einer Asin die einen Sonnensohn zur Welt bringt, wäre demnach neuzeitlicher Synkretismus. Das hat dann vielleicht nichts mehr mit dem ursprünglichen zu tun, aber nachvollziehbar ist die Parallele schon. Frigg die ihren Sohn an die Unterwelt verliert und versucht diesen wieder zu bekommen erinnert an Demeter und Persephone, Aphrodite und Adonis, Isis und Osiris, Kybele und Attis, Ishtar/Inanna und Tammuz/Dumuzi.


    Es ist eben nicht so ganz nachvollziehbar, weil seine Rückkehr sehr eindeutig auf eine Zeit nach dem Weltenbrand verschoben und mit einem utopischen neuen Zeitalter verknüpft wird, in dem andere Götter herrschen. Das sieht nicht wirklich nach einem Sonnenwendmythos aus, um es vorsichtig zu formulieren.

  • Das ist eine neuheidnische Auffassung, die zu dem überlieferten Mythos aber nicht passt. Trotz aller Bemühungen der anderen Götter kommt Balder nicht zurück; seine Rückkehr wird erst für ein mystisches "Goldenes Zeitalter" nach Ragnarök vorhergesagt.

    Beides halte ich für möglich!
    Die Sonnenwende war von großer existenzieller Bedeutung der damaligen Menschen. Ohne Strom, festes Haus, Supermarkt um die Ecke, bedeutete das "Zurückkommen" der Sonne, bzw. Längerwerden der Tage, dass es wieder wärmer wird und die Zeit des Aussäens und der Ernte naht!
    Sunna, seit jeher von größter Wichtigkeit und Balder als Sonnengott und weiter schließe ich mich da einfach mal Hedes Geschriebenem an.

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    - Goethe -

  • Namaste Kisa.



    Zitat

    Für einen solchen Mythos im germanischen Raum gibt es keinerlei
    Anhaltspunkte. Ebensowenig gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Baldur als
    Personifikation der Sonne gesehen wurde; das war nämlich Sunna.



    Es gibt so viele Sonnengötter!
    Nicht nur Sunna.


    Und sie ale verkörpern etwas andere Form der Sonne oder wurden woanders verehrt.


    Möchtest du die alle jetzt gegeeinander ausspielen?


    Der alte Mithras hat mit dem Sol auch wenig zu tun gehabt.
    Sie sind erst später verschmolzen.

  • Es ist eben nicht so ganz nachvollziehbar, weil seine Rückkehr sehr eindeutig auf eine Zeit nach dem Weltenbrand verschoben und mit einem utopischen neuen Zeitalter verknüpft wird, in dem andere Götter herrschen. Das sieht nicht wirklich nach einem Sonnenwendmythos aus, um es vorsichtig zu formulieren.

    Auch da hast du Recht, das lässt auch allerhand Spekulationen zu. Was ist denn, wenn mit Rückkehr nicht etwa lediglich gemeint ist, dass man aus Hel wieder kommt, sondern, dass man einem Fluch entflieht? Einem Bann, der einen dazu verdammt, jedes Jahr wieder geboren zu werden, binnen eines halbes Jahres das gesamte Wachstum bis zum besten Mannesalter zu durchhetzen, und dann zur besten Zeit plötzlich wieder zu sterben. Das ist doch kein zumutbares Leben!


    Den Ausbruch aus diesem Teufelskreis nach Ragnarok interpretiere ich als besagte "Rückkehr" - die Rückkehr in den normalen asischen Alltag :)

    • End ek swerio in allum fernan Landsidun,
      in Woden ende Thunaer ende Saxnot
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  • Da geht es mehr in Richtung Güte. Was sich in den Mythos ziemlich gut einfügt.


    Sonne und Güte liegen, gerade in unseren Gebieten, ja nicht so weit auseinander ^^


    Es ist eben nicht so ganz nachvollziehbar, weil seine Rückkehr sehr eindeutig auf eine Zeit nach dem Weltenbrand verschoben und mit einem utopischen neuen Zeitalter verknüpft wird, in dem andere Götter herrschen. Das sieht nicht wirklich nach einem Sonnenwendmythos aus, um es vorsichtig zu formulieren.


    Eigentlich stimmt das. Es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch zyklisch ist der Baldermythos nicht. Er soll dereinst auferstehen, anders als zb. eben besagte Attis/Adonis, die immer auferstehen. Und Osiris steht gar nicht mehr auf, nur durch seinen Sohn Horus. Vielleicht neige ich auch zu sehr dazu, die Unterschiede zu verwischen.

  • Ich muss darauf noch kurz eingehen, auch wenn es etwas off topic ist:



    Nach der Christianisierung wurde das Fest auch lange das heidnisch-christliche Fest genannt und ja doch, es gibt sehr viele Parallelen. Siehe nur Ask und Embla! Im Christentum sinds Adam und eve, sogar die Anfangsbuchstaben sind gleichgeblieben. Bei uns sind kommen die Beiden aus dem Baum und dort sind sie im Paradies. Aus Elfen wurden Engel.


    Die Geschichte von Adam (hebr. 'Mensch') und Eva (ursprünglich hebr. ?aww?h oder c?awwah, 'leben' oder 'die Belebte'; im Neuen Testament durch Transkription ins Griechische ??? und weiter ins Lateinische zu Eva geworden) samt ihren Namen stammt aus der Genesis. Wenn eine Verbindung zu Ask (Esche) und Embla (Ulme) besteht, dann eher umgekehrt - dass etwa Snorri versucht hat, der heidnischen Schöpfungsgeschichte einen Anstrich der biblischen zu geben. Da aber auffällt, dass eine Ähnlichkeit lediglich in den gleichen Anfangsbuchstaben besteht und der Rest doch sehr heidnisch wirkt, ist es vielleicht auch wirklich einfach nur Zufall.


    Die Engel kennt ebenfalls schon die Bibel und sie sind mit Sicherheit nicht später von den Elfen abgeleitet, zumal die Engel eine ganz eigene Funktion haben - der Name bedeutet 'Bote'. In dieser Eigenschaft waren sie von Anfang an Mittler zwischen Gott und den Menschen, ganz sicher keine Naturgeister.