Ritualabläufe und Zeremonien

Schon gewusst…?

Der norwegische König Olav I. Tryggvason drohte im 10. Jahrhundert damit, alle Isländer in Norwegen töten zu lassen, nachdem ihm der aus Island zurückgekehrte Missionar Þangbrandr (Thangbrand) mitgeteilt hatte, dass wenig Aussicht auf eine Christianisierung des Landes bestehe.

  • Moinsen allerseits.


    Da ich permanent bestrebt bin meine eigenen
    Rituale zum wohlgefallen allser teilnehmenden Menschen und Götter zu
    verbessern, wollte ich mich mal erkundigen wie ihr eure Rituale so
    strukturiet und ausführt.
    Da ja viele (wie ich auch) die kleineren
    Opferungen zwischendurch eher formloß halten möchte ich mich hierbei vor
    allem auf die "großen" Rituale zu Festtagen oder besonderen Anlässen
    konzentrieren.
    Weil es über die "innere" Herrangehensweise an Rituale
    hier ja schon einige Themen gibt, wollte ich mich hier mal eher auf den
    "mechanischen" Teil, also die reine Durchführung konzentrieren.


    aslo:
    Wie strukturiert ihr eure Rituale/wie ist der Ritualablauf?
    Benutzt
    ihr feste Gebets-, Anrufungs- und/oder Beschwörungsformeln?
    (Ritualgesänge, Preislieder etz. rechne ich da jetzt einfach mal mit zu)
    Welche Ritualgegenstände benutzt ihr und wie kommen diese zum Einsatz?


    Da es ja verschiedene Arten von Ritualen gibt, drösel ich das auch nochmal ein büddn auf:


    Weihe-Zeremonien
    Opferungen
    Trankfest
    und eventuell die Aufhebung der Weihe nach der Feier


    Ich freue mich schon auf eure antworten.


    ****************************************************************
    Ich will mich da natürlich auch nicht lumpen lassen und mache gleich mal den Anfang:


    Grundsätzlich
    strukturiere ich meine Rituale so, dass sie dem was historisch bekannt
    ist entsprechen und fließend ineinander übergehen.
    Die Weihe-zeremonie ist also z.b. Bestandteil der Opferungs- und/oder der Sumbelzeremonie.


    Mit
    den Weihezeremoniern habe ich immer so meine Schwierigkeiten. Zwar habe ich
    eine klare und umsetzbare Struktur, (Anrufung der Götter am Ritual
    teilzunehmen, Bitte an die Götter Met und Ritualhorn zu weihen,
    besprengen bzw. benetzen von Festplatz und Gästen mit dem geweihten Met
    und eventuelles sprechen einer Segensformel) jedoch bereitet mir das
    schreiben entsprechender Gebets- und Anrufungsformeln immer etwas
    schwierigkeiten.
    Zur Weihe halte ich den Met in einem Ritualhorn entweder dem Götterfetisch oder dem Himmel über der Opferschale mit beiden Händen entgegen und spreche die Anrufung um Segen.
    Möchte ich einen Gegenstand (z.b. ein Amulett)
    segnen, benetze ich es mit dem geweihten Met und spreche einen Segenszauber dreifach darüber.
    Vergangenes Julfest habe ich meinem Gast mit geweihtem Met die :jera:-Rune mit den Worten "Ar og Friðr" ((Gutes)Jahr und Frieden) als Jahressegen auf die Stirn gemalt.



    Die Opferungszeremonie beginnt bei mir mit der Weihe von Platz, Gästen und Opfergaben.
    Dem folgt die Darbietung der Opfergaben.
    Wenn ich mit offenem Feuer arbeiten kann, habe ich eine Feuerschale auf der Opfergaben verbrannt werden können.
    Ansonsten wird eben nur Met geopfert oder ich verbrenne die Opfergaben zu einem späteren Zeitpunkt.
    Die möglichkeit persönliche Fürbitten zu verbrennen ist bei mir allerdings durch kleine feuerfeste Opferschalen auch innerhalb von Gebäuden gegeben.
    Seit letztem Julfest begleite ich die Darbietung der Opfer durch Rituelgesänge was gut angekommen ist weswegen ich es wohl beibehalten werde.


    Beim Sumbel hate ich mich weitestgehend an den überlieferten Ablauf.
    Nach Weihe von Platz, Trunk und Gästen eröffne ich mit dem Götterbecher. Dem folgen der Toten- und der Skaldenbecher.
    Da meine Sumbelrunden eher klein sind nehme ich mir die Freiheit die Runden in der Drt fest zu legen, das sie:
    mindestens so lange dauern dass das Horn einmal in jeder Hand war und höchtens solange, bis es zur Neige geleert wurde.
    Für das Sumbel habe ich ein Sumbelhorn mit einem Fassungsvermögen von knapp zwei Litern das am Rand mit Runen verziehrt ist.
    ( :ansuz: :gebo: :mannaz: :fehu: :wunjo: :kenaz: (im Sinne von Kienspan/Lichtquelle) :ingwaz: :isa: )
    In ermangelung einer Schankmagd schenke ich als Gastgeber natürlich selber nach wenn das Horn leer ist.


    Abschließen tue ich das Ritual für gewöhnlich in schlichten formlosen Worten.


    in diesem sinne:
    ich habe fertig.
    :prost:

    Ich wage alles was dem Manne ziemt;
    Wer mehr wagt ist kein Mann!

  • Interessant, das Thema :) danke dafür.


    Also ich halte es für mich so, dass ich die Götter frei von der Leber weg anrufe. Nur für das Opfern und den Trank hab ich mir schöne Sprüche raus gesucht (ja, ich kann leider nicht dichten ;( ), einfach weil es schön klingt.
    Meist vergesse oder verdreh ich eh die Texte, die ich vorher heraussuche. Von daher :rolleyes:


    Im Prinzip ist der Ablauf bei mir gleich aufgebaut: Vorbereiten, also Altar aufbauen, reinigen etc., Anrufen von Göttern, Geistern etc, der eigentliche Grund der Feier, ob Jahreskreis, Bitte etc, Opfern, Trankopfer, Verabschieden.


    Gegenstände benutze ich auch. Abgesehen von meinen persönlichen Kraftgegenständen sind es meist dekorative oder praktische Dinge, Schalen, Räuchergefäß,...
    Geht zwar auch ohne, da ich aber ein visueller Mensch bin, ist das leichter mit ^^


    Bin aber leider noch nicht in die Gelegenheit gekommen, für andere ein Ritual zu leiten ;(

    *~*~*~*~*~*~*~*~*
    Hold the Heathen Hammer high
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  • Moin (:


    Mein Ritualablauf zu Festen und zur Weihung von selbst angefertigten Gegenständen sieht bisher ungefähr so aus:


    - Wanderung zu dem Ort an dem geopfert wird (vorher ausgesucht), je nachdem wie viel Zeit ich habe kann die Wanderung zum Platz Minuten bis Stunden dauern.
    - Vergewissern, dass wirklich keine Menschen in der näheren Nähe sind.
    - Platz von umherliegenden Ästen und Stöcken reinigen, alles was nicht zum Ritual gehört außerhalb des Platzes deponieren.
    - Aufbauen des Altars (meist in einem alten Baumstumpf, oder unter einem Baum, meist Eiche oder Buche) und der Opfergaben darunter - hierzu gehört meist irgendeine Repräsentation der Gottheiten, z.B. meine Nerthusschnitzerei, oder Kränze aus Zweigen der den Gottheiten geweihten Bäume. Die Opfergaben wähle ich entweder entlang meiner eigenen Präferenzen oder in Form von Assoziationen mit den jeweiligen Gottheiten.
    - Wenn ich welches übrig habe, reinige ich den Platz mit Ostarawasser und bitte darum ungestört an diesem Platz blotzen zu dürfen.
    - In einem gewissen Umkreis um den Altar ziehe ich einen Schutzkreis, indem ich einmal um ihn herum gehe (3m Radius) und dabei den Runenkreis einmal durchsinge, dabei schwinge ich entweder meinen kleinen Mjölnir, den ich mittlerweile nur noch für solche Zwecke verwende oder lasse zu jeder Rune etwas aus der Natur fallen, dass mit dem Fest zu tun hat, z.B. bestimmte Blätter.
    - Danach stelle ich in die vier Himmelsrichtungen an die Ränder des Schutzkreises die vier größten, tragbaren Steine die ich in der Nähe finden kann. Danach gehe ich mit einem richtigen Himmer in die jeweiligen Himmelsrichtungen und schlage einmal auf die Steine und lade dabei die vier entsprechenden Zwerge ein und kläre, wozu ich sie brauche.
    - Dann lade ich die Geister und Wesen der Elemente und Lebewesen um mich herum ein, schließlich auch die Götter allgemein, spezifische Anrufungen vermeide ich hier, falls mir spontan während des Opfers noch andere sinnvolle Opferwidmungen einfallen - deshalb zähle ich in der Regel die Opfergaben auch nicht genau ab.
    - Da ich meist relativ ängstlich bin entdeckt zu werden bei meinem Opfer versuche ich mich noch sozusagen in 'Stimmung' zu bringen, was ein wenig wirksam ist, sind monotone Klänge, also entweder einfache Trommelschläge, letztes Mal haben es zwei Steine auch getan. Mittlerweile habe ich mir eine Rassel aus Knochen gebastelt. Damit umschreite ich rasselnd dann noch ein paar Mal das geweihte Gebiet, bis ich mich einigermaßen beruhigt habe.
    - Dann erzähle ich, warum ich dieses Opfer durchführen möchte, erzähle das, was ich über die Umgebung in der ich bin weiss. Erzähle, was es mit dem Anlass des Opfers genau auf sich hat und warum ich diese und jene Gottheit genau anrufe und wenn mir Geschichten dazu einfallen, erzähle ich die auch noch.
    - Dann opfere ich den Gottheiten einzeln, erzähle nochmal ein wenig. Meist erst das Trankopfer, dann die Speise.
    - Dann habe ich mir vorgenommen, eine Art Höhepunkt einzubauen. Am 20.3. war das dieses Jahr sozusagen ein Umzug meiner Nerthus um das geweihte Gebiet, wie es wohl in groß früher geschehen sein soll, mit anschließender Waschung des Figürchens. (Aber im See ertränkt hab ich mich dann nicht ;) ) Was es bei den nächsten Ritualen werden soll.. keine Ahnung ;) )
    - Dann wird das übriggebliebene den Geistern und Wesenheiten umher dargebracht.
    - Anschließend danke ich allen Wesen, die ich zuvor eingeladen habe.
    - Dann packe ich zusammen und fertig ists.
    - Einen anderen Weg zurückwandern, wenn die Zeit dazu da ist. Als Student habe ich das Glück, dass Erntedank und Frühlingsanfang jeweils in Vorlesungsfreie Zeiten fallen - da kann ich durchaus bis zu 10h draußen sein bei den Opfern. Jul und Mittsommer hingegen sind eher kleiner, da mitten im Semester. Auch je nach Anlass und Zeit mache ich nicht alles von dem oben genannten.


    Das hört sich jetzt sehr steif und durchstilisiert an, aber in der Tat ist diese Durchführung teils durch gute 'Anleitungen' und spontane Einfälle bei Erprobungen entstanden. Die Vorbereitung dauert auch nicht allzu lange, am Tag vorher überleg ich meist so eine gute halbe Stunde über die genaueren Details und Geschichten, Notizen mach ich mir aber an sich nicht so viele - und mit nem Blatt im Blót zu stehen geht mal gar nicht. Wenn ich was vergesse ists auch egal. Ich weiss nicht, wie oft ich schon die Opfergaben nicht gesegnet habe oder wie oft ich noch nicht einmal die Götter eingeladen habe o.O Ich weiss ja was ich möchte, da muss nun nicht alles haarklein gesagt werden ;)


    Aber ganz ehrlich, kleine spontane Opferungen von bloßem Wasser beim wandern zeigen manchmal fast genauso viel Wirkung wie ein durchgestyltes Blót. Es kommt tatsächlich auf den persönlichen Bund zu Fest, Ort und Zeit an!


    Grüße,
    Sütterlin

    Ich bin im Auftrag Odins unterwegs.
    Und Odin kann es garnicht leiden missbraucht zu werden!

    - Kommissar Schenk, Tatort 'Odins Rache'

  • Als Ritualgestände hätte ich gern auch etwas was mehr aus Metall besteht.


    Nur ist es mir hier zu gefährlich wegen Kind es hier rumliegen zu lassen.Da diese Dinge wohl doch recht verlockend sind für die kleinen 8| .


    So habe ich mehr Dinge aus Holz hier zu liegen hat zwar auch seine Reize nur nicht die Verletzungsgefahr.

  • Guten Morgen


    ich habe da so schöne Dinge gesehen :oops: .Und vieles leider was mir richtig gut gefällt es hier in Deutschland nicht gibt.Jetzt bin ich am überlegen ob vielleicht mit den Einfuhrbestimmungen auseinandersetze oder doch eine Alternative nehme.


    Und auch Metall nimmt am Kreislauf des Lebens teil und lebt.


    Denke daran das auch im Menschen Metall vorhanden ist.Und in vielen anderen Lebewesen auch.


    Liebe Grüße
    Felidae

  • Heilchen,


    ich konstruiere meine Rituale ganz frei aus dem Bauch heraus - gerne auch mal an Ort und Stelle ohne große Planung...


    Ich halte bis auf mein Abendopfer auch nichts von regelmäßigen Ritualen oder festgelegten Ritualen zu bestimmten Feiertagen, ich mache das wie ich es gerade schön finde, oder wenn mich die richtige Stimmung überkommt...


    Oder manchmal auch wenn Not am Mann ist.


    Und wichtig ich versuche Rituale nie gleich zu gestalten, denn wenn Götter und Geister und Trolle und Kobolde und alle andern wissen - ah da kommt der schon wieder, leiert seinen Text runter, opfert die übliche Plörre haut dann wieder ab - da hört und sieht doch niemand mehr zu...


    Immer wieder was neues und abwechslungsreiches


    Borstige Grüße


    (o,o)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Super Thema... :popcorn:


    Also ich halte das so ähnlich wie die anderen hier... :)


    Ich weiß ja nicht, ob das bei euch auch so war...


    Aber als ich ein frischgebackenes Heidenküken war, war ich sehr genau bei jedem Handgriff, da ich alles richtig machen
    wollte... :rolleyes: ! Das hat sich im Laufe der Zeit geändert...(-bin kein "Heiden-Nerd" mehr :ugly: )!


    Wenn ich mich zu sehr auf Formalismen konzentriere, verliere ich einfach das Gefühl...!
    Ich denke ein gutes Gleichgewicht zwischen innerer und äußerer Vorbereitung ist das wichtigste... :thumbup: !
    Aber das muss jeder für sich selber entscheiden...!


    Manche suchen Halt in bestimmten Handlungsabläufen (-why not?!) , andere fühlen sich dadurch eingeschränkt und brauchen mehr
    Freiraum...(-auch gut :) )...!


    Chacun a son Gout... 8) !

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Ich hab mal eine Zwischenfrage, keine Ahnung ob das hier hin gehört oder nicht schon irgendwo behandelt wurde, aber gibt es eine Art Verlobungsritual?


    von den sagas ausgehend war eine verlobung selbst eher eine "politische" angelegenheit.
    es wurde verhandelt für welchen preis die frau das elterliche haus verlässt, und anschließend wurde noch die zustimmung der frau eingeholt. (<= worann so manche ehe gescheitert ist)
    dem folgte das beiderseitige versprechen zu einem bestimmten tag die hochzeit abzuhalten. ein solches wort so es "von den leuten gehört wurde" war rechtskräftig und vor dem thing einklagbar.
    wie bei jedem freudigen anlass wurde anschließend ein trinken veranstaltet.
    exaktere beschreibungen sind mir leider nicht bekannt.

    Ich wage alles was dem Manne ziemt;
    Wer mehr wagt ist kein Mann!

  • Danke Asgrimm,
    das hilft mir sehr weiter, auch wenn ich mir den Rest auch schon durchgelesen habe :)
    Ich bin nur am Überlegen wie ich das als Frau eventuell umändern könnte. Ich weiß, es war damals nicht üblich, dass die Frau den Antrag stellt, aber ich bin da halt am Überlegen.
    Naja, man wird sehen was ich mache :)
    Danke dennoch für die Antwort
    Gruß
    Kyla

  • Zitat von Asgrimm

    also einfach vati vorschicken , der handelt dann nen guten preis für dich aus


    Uff,
    das wird schwierig und ich bezweifel, dass er etwas damit anfangen kann. Aber vielleicht versuche ich es in der Mitte des Jahres mal :D