Schon gewusst…?

Thor / Donar


Sohn des Odin und Gott des Donners. Kann gut essen, trinken und raufen. Feinde zermalmt er mit seinem Hammer Mjölnir. Kämpft öfter gegen die Midgardschlange.

  • Guten Abend Heidenfreunde,


    wie jeden Abend, etwas Futter fürs Gehirn:


    Animismus


    ist
    a) im allgemeineren Sinne der Glaube an Seelen- und Geisterwesen,


    b) im spezielleren Sinne die Lehre, daß die Vorstellung von Seelen und Geistern den Ursprung für die Entwicklung der Religion bilden. Die spezielle Theorie des Animismus ist von dem englischen Kulturanthropologen E. B. Tylor (zuerst 1871) aufgestellt worden.


    Sie sucht das Werden der religiösen Vorstellungen und Handlungen kausalanalytisch zu erklären: Aus gewissen elementaren Erfahrungen kam der primitive Mensch zu dem Schluß, es müsse ein Etwas – eben die Seele – geben, das im Schlaf und Traum oder in der Krankheit vorübergehend, im Tode aber endgültig den Körper verlasse. Auf einer späteren Stufe des Denkens wurden aus den Seelen die Geister als selbständig bestehende Seelen, die das gegenwärtige und künftige Leben des Menschen beeinflussen und mit den Menschen verkehren können. Aus den Geistervorstellungen schließlich erwuchs die Vorstellung von Göttern. Nach Tylor entspringen alle magischen Praktiken des Menschen in letzter Linie dem Wissen von dem Dasein und der Wirksamkeit mächtiger Geister. – Der spezielle Animismus ist also integrierender Bestandteil einer religiösen Evolutionstheorie, die von der Erfahrung von »Seelen« über die Vorstellung von »Geistern« zur Konzeption von »Göttern« führt.

    Wilhelm Wundt hat dann diese Theorie mit den Mitteln der Psychologie seiner Zeit unterbaut (1905-09). Durch Einfühlung und belebende Apperzeption projiziert der Mensch das eigene Selbst auf die Objekte. Der Seelenglaube entsteht zunächst durch die Annahme einer Atemseele, indem der Hauch des Menschen als »beseelt« apperzipiert wird. Diese Apperzeption assoziiert sich die analogen Vorstellungen des Windes, des Rauches usw. (vgl. ved. atman, gr. pneuma, hebr. rûa?), und durch ein Immer- weiter-Greifen der Apperzeptions- und Assoziationsketten baut sich die ganze Welt des Mythos und der Kunst auf. Auch Wundt erklärte die magische Kraft durchweg als Seelenkraft.

    Der spezielle Animismus sowohl in der Tylorschen als auch in der Wundtschen Form konnte sich auf ein breites Material von völkerkundlichen Tatsachen berufen. Ohne Zweifel spielen in den Religionen der Naturvölker Seelen- und Geistervorstellungen oft eine überragende Rolle. Dennoch hat sich die Theorie bei fortschreitender Erforschung dieser Religionen nicht halten lassen. In ihre Widerlegung teilen sich Ethnologen, Religionswissenschaftler und Philosophen (Preuss, Marett, Vierkandt, van der Leeuw, Cassirer, Animismus E. Jensen u. Animismus ); eine durchschlagende Kritik der Wundtschen Animismus -Theorie lieferte 1910 schon Rudolf Otto. – Die heutige Stellungnahme läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:

    1. Die aus antik-hellenischer und christlicher Überlieferung stammenden animistischen und dämonologischen Konzepte dürfen nicht ohne weiteres auf die bei Naturvölkern vorfindlichen Phänomene übertragen werden. Übersetzungen scheinbar entsprechender Ausdrücke aus Eingeborenen-Sprachen mit »Seele«, »Geist« (engl. soul, spirit, franz. âme, génie, russ. duch usw.) bieten sich zwar leicht an, doch besteht keine Gewähr dafür, daß sie das Wesentliche, die innere Bedeutung treffen. Es empfiehlt sich daher, sich phänomenologisch so dicht wie möglich an die Gegebenheiten und Äußerungsformen selbst zu halten und notfalls deren eigene Termini lediglich beschreibend wiederzugeben. Tut man dies, so gelangt man zu einer Fülle höchst verschiedener und fremdartiger sog. »Seelen«-Begriffe, die sich kaum auf einen Generalnenner bringen lassen.

    2. Nicht »Vorstellungen« (von Seelen usw.) sind für die religiösen Gehalte entscheidend, sondern Erlebnisse mythischer und mystischer Natur, »numinose Emotionen« (R. Otto).

    3. Zauberglauben und Zauberpraktiken bedürfen keineswegs einer Vermittlung durch vorangehende Seelen- oder Geistervorstellungen. Vielmehr tritt das Erlebnis übermenschlicher Machtqualitäten, auch ohne solche Vermittlung auf. Wohl können solche Erlebnisse zu animistischen Vorstellungen sekundär rationalisiert werden, müssen es aber nicht.

    4. Ausgearbeitete Systeme von »Seelen«- und »Geister«-Vorstellungen finden sich bei Naturvölkern nicht in universaler Verbreitung und gerade nicht in den (vermutungsweise) ältesten Kulturen, so daß sie schon darum nicht für den Wurzelgrund der Religion überhaupt erklärt werden können. Sie finden sich vielmehr geographisch an bestimmten Verdichtungspunkten und kulturell in Zusammenhängen mit übergreifenden religiös-sozialen Institutionen, wie vor allem dem nordasiatischen Schamanismus. Hier wurden Geistervorstellungen aus- und fortgebildet durch die schamanisch-ekstatischen Entrückungszustände, in denen die Seele den Körper verläßt und den Kontakt mit der Geisterwelt aufnimmt; als Konsequenz ist schließlich das All erfüllt mit freundlichen und feindlichen Geistern, alle Dinge werden in einer materiell- spirituellen Zwiefältigkeit konzipiert, und der Mensch begegnet in seiner inneren Orientierung der spirituellen Komponente, d. h. »den Geistern«, mit denen er sich auseinandersetzt.

    5. Wie weit derartige Systembildungen aus den – keineswegs mehr als »primitiv« anzusprechenden – schamanistischen Kulturen in die Hochkulturen hineinwirken, ist noch ungeklärt, doch dürfte der materiell-spirituelle Dualismus in ihnen eine seiner Wurzeln haben (Indien, Iran). Die Atman-Theorien Nordindiens im 7. und 6. Jh. v. Chr. (ð Upanishaden) sind voll von animistischen Rationalisierungen, welche dann der ð Buddhismus (: I) wieder radikal verwarf.

    6. Die neuere Entwicklungspsychologie hat gezeigt, daß Beseelung bzw. Beseeltheit ein primäres Erlebnis der kindlichen Psyche ist, wohingegen die Abstraktion »toter« Dinge von »lebendigen« erst eine Leistung des herangewachsenen Menschen auf Grund des Lernens ist. Diese Entdeckung steht im Widerspruch zu Wundts psychologischer Begründung des Animismus Nicht das Kind, sondern der Erwachsene ist »Animist«.

    7. Ethnologisch, religionshistorisch und entwicklungspsychologisch stehen mithin die »animistischen« Vorstellungen und Vorstellungskomplexe nicht am Anfang der Entwicklung, sondern sie sind spätere und abgeleitete Phänomene.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.