Bonifatius muss weg!

Schon gewusst…?

Der Vegvísir (isländisch für Wegweiser) ist ein Symbol, das aus der isländischen Zaubertradition der Galdrastafir stammt. Als Symbol findet er sich mit einer konkreten Darstellung im Huld Manuskript aus dem 19. Jahrhundert. Dort heißt es: „Wenn jenes Symbol geführt wird, soll der Träger weder bei Sturm noch Wind verloren gehen, selbst wenn der vor ihm liegende Weg unbekannt ist“.

  • Hinweis:
    Wer das Bonifatius/Fritzlar-Thema satt hat, liest bitte kommentarlos in einem anderen Thema weiter.

    Zum Thema "Bonifatius muss weg" lege ich hier erst einmal meine persönliche Meinung dar. Auch werde ich das beliebte Schlagwort "Christenbashing" hier nicht gelten lassen, denn es geht hier nicht gegen Christen/Christentum sondern gegen die Art der Darstellung des Bonifatius, mit einer Axt stehend auf dem Baumstumpf der heiligen Donareiche.


    Letztendlich ist es das was mich an dieser Darstellung des Bonifatius stört, da sie in ihrer Aufmachung schlicht gewaltverherrlichend ist.
    Für mich glorifiziert sie die gewaltsame Zerstörung eines germanischen Heiligtums und die Unterdrückung des Glaubens/der Religion unserer Vorfahren. Damit selbstverständlich auch die Zwangschristianisierung eben jener Menschen die dieses Heiligtum verehrten.


    In der Bibel heißt es dazu:

    Zitat

    "So sollt ihr gegen sie vorgehen: Ihr sollt ihre Altäre niederreißen, ihre Steinmale zerschlagen, ihre Kultpfähle umhauen und ihre Götterbilder im Feuer verbrennen." - Deuteronomium 7,5


    Man stelle sich das Geschrei vor, jemand würde eine Kirche anzünden und man würde ihm morgen ein Denkmal setzen. Nichts anderes ist aber durch diese Denkmalsetzung geschehen!
    Daher kann hier nicht die Forderung nach Toleranz gelten, sondern es muss die Entfernung derartiger gewaltverherrlichender und glaubensbeleidigender Denkmäler aus der Öffentlichkeit gefordert werden.


    Zur oben genannten Zwangschristianisierung sei folgendes angemerkt:
    Vermutlich sind viele unserer Vorfahren freiwillig zum neuen Glauben, dem Christentum, übergetreten. Doch ebenso hatte man oft auch nur die Wahl entweder das Christentum "freiwillig" anzunehmen oder durch Feuer und Schwert zu sterben.

  • Ich verstehe deine Aufregung vollkommen. Hätte etwa eine neutrale Statue von Bonifatius nicht auch gereicht? Mit ausgestreckten Händen und einer kleinen Tafel die ihn als Missionar der Deutschen ehrt, und das wars?
    Dein Bibel-Zitat entspricht dem Kontext komplett (Warnung vor der Gemeinschaft der Heiden).


    Dazu sei aber gesagt, ich denke es hat sich damals niemand gedacht das sich jemand von so einer Darstellung persönlichen angegriffen fühlen kann. Wer hätte sich damals eine kleine Gruppe von Menschen, die immernoch an die Alten Götter glauben, im Hinterkopf behalten? Ich denke so ziemlich niemand

  • Dazu sei aber gesagt, ich denke es hat sich damals niemand gedacht das sich jemand von so einer Darstellung persönlichen angegriffen fühlen kann. Wer hätte sich damals eine kleine Gruppe von Menschen, die immernoch an die Alten Götter glauben, im Hinterkopf behalten? Ich denke so ziemlich niemand

    Ja und Nein!
    Nein, denn soweit ich weiß, wurde die Statue in Fritzlar erst 1999 errichtet. In einer Zeit also in der sich das Heidentum längst wieder im Aufleben befand.
    *Ein belegtes Zitat, zum Beispiel, des Friedrich-Wilhelm Haack, Sektenbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, zu Anhängern einer kleinen Religionsgemeinschaft:


    "Im Mittelalter wären wir ganz anders mit euch umgesprungen."


    Haack verstarb im Jahr 1991, was leider belegt, dass die Hetze von Kirchenseite noch bestand, bzw. wieder besteht


    Andererseits, die Aussage des Künstlers über die Statue in Fritzlar. (**Es gibt daneben auch weitere, bei der die Bonifatiusstaue ein Kreuz statt einer Axt in der Hand hält):



    Quellen:* Fritzlar: Protest gegen Bonifatius-Denkmal | Fritzlar-Homberg
    ** Bonifatius – Wikipedia
    ** Bonifatius – Wikipedia

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Zudem sei Bonifatius, der den Chatten das Heiligtum raubte, von Friesen 754 gewaltsam ins Jenseits befördert worden, und 1245 Jahre später errichtete ein Chatte mit friesischen Wurzeln das Bonifatius-Denkmal.


    Also benötigen wir ein Denkmal für die Friesen, das darstellt wie sie den Bonifatius niederknüppeln, und nennen es "Freiheit".

  • Also benötigen wir ein Denkmal für die Friesen, das darstellt wie sie den Bonifatius niederknüppeln, und nennen es "Freiheit".

    Klingt erstmal zum Schmunzeln, aber vom Inhalt her hast du im Grunde Recht. Das stünde dann uns als Heiden zu!


    Aber, wie bekannt: Wenn zwei das gleiche tun, dann ist es nicht dasselbe!


    Faktisch wäre dem Bonifatius-Denkmal dann auch ein Hitlerdenkmal gleichzusetzen. Eine Hitlerstatue aufgestellt dort, wo einst eine Synagoge von den Nazis niedergebrannt wurde. Hitler mit einer Gasflasche in der Hand!
    Das ist natürlich zynisch zu werten!
    Nur verstünde das sogar jeder Christ, wie so etwas auf die Juden wirkt!
    Wie Bonifatius mit der Axt in der Hand auf Heiden wirkt, das will nicht verstanden werden!

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Ja und Nein!
    Nein, denn soweit ich weiß, wurde die Statue in Fritzlar erst 1999 errichtet. In einer Zeit also in der sich das Heidentum längst wieder im Aufleben befand.

    Natürlich, ja, aber nur weil es sich im Aufleben befand heißt das noch lange nicht das es bekannt oder angesehen ist. Man konnte von den damaligen Errichtern nicht erwarten das Heidentum zu beachten und in ihr Werk einzubringen, weil sie es anscheinend schlichtweg nicht kannten, daran trägt niemand Schuld.
    Würde man heute so eine Statue errichten wollen, würden sich wahrscheinlich viel mehr Heiden zu Wort melden um dagegen zu protestieren. Würde die Statue trotzdem errichtet werden, könnte man die Erbauer legitim beschuldigen.


    Das sagt Ubbo Enninga


    Falls man damals aber tatsächlich von dieser Religionsgemeinschaft gewusst hat und sich trotzdem für den Bau entschieden hätte, so wäre eine Demontierung der Statue nur gerecht. Da wir das aber durch das eben genannte Zitat von Ubbo Enninga ausschließen können, ist eine Gedenktafel grade noch angemessen.

  • Falls man damals aber tatsächlich von dieser Religionsgemeinschaft gewusst hat und sich trotzdem für den Bau entschieden hätte, so wäre eine Demontierung der Statue nur gerecht. Da wir das aber durch das eben genannte Zitat von Ubbo Enninga ausschließen können, ist eine Gedenktafel grade noch angemessen.


    Ich sinniere gerade darüber nach das man in Deutschland schon seit einiger Zeit Straßen und Plätze umbenennt die in irgendeiner Form mit Hindenburg zu tun haben weil er Hitler zum Reichskanzler berief. Wahrscheinlich ohne zu wissen was er damit tat.


    Ähnlich würde ich heute im Fall des Denkmals argumentieren; man hat bei der Aufstellung die Heiden nicht berücksichtigt weil man es nicht besser wußte aber heute ist es eine Beleidigung.

  • Man konnte von den damaligen Errichtern nicht erwarten das Heidentum zu beachten und in ihr Werk einzubringen, weil sie es anscheinend schlichtweg nicht kannten, daran trägt niemand Schuld.
    Würde man heute so eine Statue errichten wollen, würden sich wahrscheinlich vie

    Du sprichst von "damals" über das Jahr 1999. Das ist nur logisch, denn dieses Jahr liegt vor deinem eigenem Geburtsjahr :)
    Meines liegt etwas weiter davor und 1999 ist für mich noch sehr jung! ;)
    Das Heidentum aber, das war auch in den 90er Jahren bekannt und allem voran den Großkirchen. Besonders denen und auch ein Dorn im Auge. Aber, das würde hier vermutlich den Rahmen sprengen, wenn ich darauf weiter einginge.

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Ähnlich würde ich heute im Fall des Denkmals argumentieren; man hat bei der Aufstellung die Heiden nicht berücksichtigt weil man es nicht besser wußte aber heute ist es eine Beleidigung.

    Natürlich, man muss sich nach dem heutigen Stand richten, dass wollte ich auch mit folgendem Satz ausdrücken:

    Da wir das aber durch das eben genannte Zitat von Ubbo Enninga ausschließen können, ist eine Gedenktafel grade noch angemessen.



    Du sprichst von "damals" über das Jahr 1999. Das ist nur logisch, denn dieses Jahr liegt vor deinem eigenem Geburtsjahr

    Es IST mein Geburtsjahr :D Aber ja, ich verstehe :)


    Das Heidentum aber, das war auch in den 90er Jahren bekannt und allem voran den Großkirchen. Besonders denen und auch ein Dorn im Auge.

    Aber einen Unterschied zwischen dem Bekanntheitsgrad des Heidentums heute und damals kann man schon sehen, denke ich, oder? Selbst heute hat wahrscheinlich die Mehrheit der Bevölkerung noch nichts vom Neopaganimus gehört, so alt und groß ist das Neu-Heidentum noch nicht. Man könnte heute aber von einem Künstler eher erwarten die Neu-Heiden zu berücksichtigen als "damals" :)


  • Sehe ich auch so. Weiss jemand, ob die Initiatoren der Demos sich mal mit 'ner Bürgerversammlung kurzgeschlossen haben?

    Ich bin im Auftrag Odins unterwegs.
    Und Odin kann es garnicht leiden missbraucht zu werden!

    - Kommissar Schenk, Tatort 'Odins Rache'

  • Heilchen,


    ich muss mich in das Thema Bohnenfurzius erst noch ein bisschen einlesen, aber Marx, Engels, Lenin und Stalin gab es bis Anfang der 90ger in tausendfacher Ausführung in Gemälden, Denkmälern, Büsten und Straßennamen - und die meisten sind auch verschwunden.


    Also sollte es eigentlich kein Problem sein, einen Axt schwingenden religiösen Fanatiker verschwinden zu lassen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • War nicht schon eine Eiche gepflanzt worden?
    Und wurde die nicht nach 3 Jahren von Unbekannten zerstört?
    Berichtigt mich bitte,wenn ich falsch liege!
    Damals gab es nicht so einen Aufschrei wie mit dem Eimer roter Farbe!

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Nein, die ist vertrocknet weil sich niemand darum gekümmert hat.


    Naja, als Hobbygärtner, Öko und Bezirksbesamer würde ich noch nicht mal so weit gehen, das Bäumchen war sehr klein und die Jahreszeit war auch nicht optimal...

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Naja, als Hobbygärtner, Öko und Bezirksbesamer würde ich noch nicht mal so weit gehen, das Bäumchen war sehr klein und die Jahreszeit war auch nicht optimal...

    und stand die nicht auf irgendeinem Camping- oder Grillplatz?


    Die Eichenpflanzung, die der Künstler Ubbo Enninga erwähnt, sollte eine offizielle sein, die auf dem Denkmalplatz des Bonifatius gesetzt werde sollte; dabei ist sein Gedanke, die Bürger der Stadt Frizlar miteinzubeziehen. Das macht ja auch irgendwo Sinn, denn Bonifatius ist nicht nur der christliche Missionar, sondern auch der Gründer der Stadt Fritzlar.

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Zitat

    Bonifatius ist nicht nur der christliche Missionar, sondern auch der Gründer der Stadt Fritzlar.


    Mit angeblichen christlichen Stadtgründern muß man immer vorsichtig sein, so hieß es z.B. jahrelang, Absalon habe Kopenhagen gegründet, und heute weiß man, daß dem nicht so war (der Ort existierte bereits, es hat bloß vorher keiner das irgendwo aufgeschrieben.) Ebenso sind Kiel und Lübeck nicht wirklich von den christlichen Schauenburgern gegründet worden, auch dort existierten bereits vorher Siedlungen.

  • Mit angeblichen christlichen Stadtgründern muß man immer vorsichtig sein,

    Stimmt! Solange aber die Fritlar Einwohner im Glauben sind das ihr Stadtgründer Bonifatius ist, haben sie neben dem missionarischem Aspekt noch einen weiteren, der sie mit ihm verbindet. Von daher würde es Sinn machen, die Bürger dieser Stadt für, eine Eichenpflanzung am Denkmalplatz, mit einzubeziehen.

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen


    - Goethe -

  • Also, das Bistum Fulda wurde mit Sicherheit von Bonifatius gegründet.


    Ein ungebildeter bayrischer Priester taufte zu seiner Zeit viele Heiden übrigens mit den Worten:


    Baptizo te in nomine patria et filia et spiritus sancti


    was so übersetzt wird:


    "Ich taufe dich im Namen des Vaterlandes, der Tochter und des Heiligen Geistes..." 8o


    Über die Gültigkeit einer solchen Taufformel (die nach kanonischem Recht natürlich Unfug ist) kam es z.B. zum Streit zwischen Papst Zacharias I. und Bonifatius, der eine Wiederholung der Taufe forderte.


    Es gibt noch etliche andere verrückte Geschichten um Bonifatius (wie z.B. die mit dem "Sektenführer" Aldebert, der Nägel und Haare von sich an seine Anhänger verteilte und ein Schreiben von Jesus selbst erhalten haben wollte). Es lohnt sich echt, mal die Quellen zu studieren. ;)

  • Es lohnt sich echt, mal die Quellen zu studieren.


    :eek: Dann mach mal den Quellenangeber... Ich suche gerade - Kriminalgeschichte des Mittelalters hab ich gerade durch ...


    Nun stöbre ich bei Beck :eek:

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.