Kindesmissbrauch durch Missionsarbeit illegal?

Schon gewusst…?

Der norwegische König Olav I. Tryggvason drohte im 10. Jahrhundert damit, alle Isländer in Norwegen töten zu lassen, nachdem ihm der aus Island zurückgekehrte Missionar Þangbrandr (Thangbrand) mitgeteilt hatte, dass wenig Aussicht auf eine Christianisierung des Landes bestehe.

  • Hallo allerseits,
    bei mir hat grad die Werbetrommel des Bibelkongresses geklingelt, eine Frau und ihr fünfjähriger Sohn - der Lukas der mir einen Flyer geben sollte. Also am liebsten hätte ich der Frau eine gewatscht. Wie kann man seinem Kind, dem es deutlich missbehagt das zu tun, für solche Zwecke missbrauchen?! <X :zensiert:


    Wisst ihr, ob es nicht sogar rechtlich verboten ist, das zu tun? Ich meine, immerhin kann es je nach Umfeld durchaus negative psychische Auswirkungen auf das Kind haben, dass schließlich überhaupt nicht weiss was es da tut. Ich meine gehört zu haben, dass zumindest in Berlin die Verwendung von Kindern zum Betteln mit bis zu 500€ Strafe geahndet wird.


    Grüße,
    Sütterlin

    Ich bin im Auftrag Odins unterwegs.
    Und Odin kann es garnicht leiden missbraucht zu werden!

    - Kommissar Schenk, Tatort 'Odins Rache'

  • ich bin nun auch absolut gar kein Freund dieser "Haustürmissionare" - und dementsprechend
    auch kein Freund davon, Kinder hierfür mitzunehmen.


    Aber ich denke, dass es der falsche ANsatz ist, dies als "Kindesmissbrauch" zu verurteilen.


    Abgesehen davon bin ich kein großer Freund davon, für absolut alles und jedes Verbote, Regeln etc.
    durch den Gesetzgeber zu erlassen.


    Haustürmissionierung ist m.E. nicht gleichzusetzen mit Betteln, auch wenn ich persönlich es
    noch mehr ablehne.


    Stell Dir mal vor, es würde da tatsächlich so eine "Pippi langstrumpf" in der Politk kommen,
    die diesbezüglich ein neues Gesetz erlässt.


    Und dann sind z.B. die Heiden in Haithabu zum alljährlichen Markt versammelt und die Kids der Heiden dürfen dort z.B. mit Masser schmieden oder Wagenräder bauen oder gar an der Kasse mal ein Trinkhorn abkassieren.....


    ....mit Sicherheit ein Heidenspass für die Kids :)......
    ....hätten wir so ein Gesetz, wäre das ebenfalls leicht als "Kindesmissbrauch" zwecks Missionierung
    auslegbar.


    Ob das jemand will?

  • ....hätten wir so ein Gesetz, wäre das ebenfalls leicht als "Kindesmissbrauch" zwecks Missionierung
    auslegbar.


    Das wäre keine Missionierung, bzw. nicht die Nutzung von Kindern für intellektuelle Zwecke die sie noch nicht verstehen können. Ich habe kein Problem damit, Kinder religiös zu erziehen. Mit Wagenräder bauen und Messer schmieden wird keine missionarische Tätigkeit gegenüber Dritten anvisiert. Solange das Kind keine potentielle gefährlichen Aufgaben kriegt ist es doch eher förderlich den Kleinen Handwerke zu zeigen.
    Aber gerade für Kinder undurchschaubare und vor allem langweilige Tätigkeiten, die es nicht zur Weiterentwicklung anregen, wie eben Türklingeln putzen, ist falsch.


    Ich finde es schon richtig, es als Missbrauch zu bezeichnen. Sonst werden die Leute darauf nicht aufmerksam und belächeln es.

    Ich bin im Auftrag Odins unterwegs.
    Und Odin kann es garnicht leiden missbraucht zu werden!

    - Kommissar Schenk, Tatort 'Odins Rache'

  • Wie gesagt: ich bin generell gegen diese "Klinkenputzerei" - egal ob mit oder ohne Kind.


    Und davon, Kinder in diesen religiösen Gemeinschaften praktisch "von klein auf an zu formen",
    halte ich auch absolut gar nichts.


    Ziel bei der von Dir beschriebenen Sache ist ja vermutlich nicht (anders, als beim organisierten
    Betteln), die Leute mittels des anwesenden Kindes zu überzeugen, sondern dem Kind
    von Anfang an diesen Bestandteil der Missionierung in der Glaubensgemeinschaft
    zu vermitteln.


    So mies ich das finde - wo würdest Du die Grenzen ziehen wollen, was okay ist und was nicht.
    Wer soll sagen: das und das ist okay, das und das ist "Missbrauch"


    Beispiel:
    stell Dir vor, da ist eine Gruppe von Müttern, die sich sagen wir mal für eine örtliche Betreuungsgruppe
    von Kindern aus sozial problematischen Verhältnissen einsetzt.
    Eine Gruppe, wo die Kinder zu essen kriegen, betreut werden bzgl. Schulaufgaben etc., weil sie
    zu Hause vernachlässigt werden und all das nicht haben/erleben.


    Nun beschließen diese Mütter, in ihrer Stadt von Tür zu Tür zu gehen und Flyer zu verteilen,
    wo sie das Projekt vorstellen um aktive und passive Fördermitglieder für das Betreuungsprojekt zu gewinnen.


    Würdest Du Dich darüber aufregen und es als Missbrauch bezeichnen, wenn diese Mütter
    bei dieser Aktion ihre Kinder dabei hätten?


    Also ich nicht.
    Ich denke die Kinder würden damit eine Menge lernen - dass es anderen sehr viel schlechter gehen kann, als einem selbst, dass man sich füreinander einsetzen sollte, wenn man kann etc.
    Sozialkompetenz eben.


    Nur viele dieser Glaubensgemeinschaften (nicht alle!), zumindest die Mitglieder, sind ebenfalls von ihrer Sache überzeugt.
    Sie glauben ebenfalls, etwas Gutes zu tun - Seelen zu retten und ihren Kindern etwas zu vermitteln.


    Wo will man da die Grenze ziehen?
    ...und vor allem:
    wie soll ein solches Verbot z.B. aussehen, damit es nicht nach belieben
    von jedem auch gegen solche - aus meiner Sicht sinnvollen Dinge - ausgelegt werden kann?

  • wo würdest Du die Grenzen ziehen wollen, was okay ist und was nicht.


    Ich zitiere mich mal selbst:

    die Nutzung von Kindern für intellektuelle Zwecke die sie noch nicht verstehen können


    Da hast du schon recht, für die Betreuung von sozial schwachen Kindern ist ja im Endeffekt ein Nutzen für das Kind gegeben indem man den Leuten vor Augen hält, wofür ihre Hilfe gut ist. Ob das Kind das komplett durchblickt, bleibt aber fraglich. Aber vielleicht dann, wenn es das Resultat spürt und sieht.


    Aber nochmal zum Ausgangsbeispiel: Die haben geklingelt und das erste was die Mutter sagte war, "Der Lukas möchte Ihnen einen Zettel geben." Ohne Erklärung, nichts. Erst dann kam die Harke hintenrum. Die hat ihn wirklich nur mitgeschleppt um überhaupt Zettel loszuwerden, weil man ja einem Kind nichts ablehnen möchte. Erbärmlich bis zum Ende von der Mutter. Da kann für das Kind einfach kein Nutzen bei herauspringen.

    Ich bin im Auftrag Odins unterwegs.
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    - Kommissar Schenk, Tatort 'Odins Rache'

  • Zitat

    Die haben geklingelt und das erste was die Mutter sagte war, "Der Lukas möchte Ihnen einen Zettel geben." Ohne Erklärung, nichts. Erst dann kam die Harke hintenrum. Die hat ihn wirklich nur mitgeschleppt um überhaupt Zettel loszuwerden, weil man ja einem Kind nichts ablehnen möchte. Erbärmlich bis zum Ende von der Mutter. Da kann für das Kind einfach kein Nutzen bei herauspringen.


    Kann es sein, dass du in dem Moment etwas baff warst? Aber dein Bericht ist mir eine Hilfe, vielleicht sollte ich mich für solche Situationen wappnen. Die Mutter mal zusammensch... und ihr mit dem Jugendamt drohen. Eine sehr reizvolle Idee. :evil:
    Ach ja: Das meine ich ernst. Es ist KEINE Ironie.