Immer wieder Sonntags

Schon gewusst…?

Die Wikinger glaubten, dass Nordlichter die aufblitzende Rüstung und Speere der Walküren seien, die auftauchten, um getötete Kämpfer einzusammeln.

  • Hallo Forum,


    leider ist die Sonne schon untergegangen, doch weil der 25. Dezember dieses Jahr auf einen Sonntag stattfand, möchte ich gerne damit anfangen, jeden Sonntag etwas zu der Sonnengottheit zu schreiben oder zu teilen.


    Der Sonntag gilt uns als christlicher Ruhetag und ohne den Christen hätte Kaiser Konstantin diesen Tag auch sicherlich nicht zum offiziellen Ruhetag gemacht. Allerdings nicht nur wegen der Christen, sondern auch für die Heiden, von denen viele Sonnenanbeter waren (jedenfalls am Kaiserhof), sodass der Sonntag die Heiden und Christen einte. Der ursprüngliche Ruhetag der Juden war (und blieb) der Samstag, doch die Christen gedachten am ersten Wochentag (dem Sonntag) das Abendmal ihres Herrn Jesus Christus.


    Der Sonnenkult war aber eben auch bei den Heiden populär. Seit ca. 275 nach Christus (also relativ spät) feierte man auch den Geburtstag der Sonne, der vorher zwar berechnet, aber nicht groß festlich begangen wurde (die Römer feierten vom 17. Dezember bis zum 23./30. Dezember ihr Saturnalienfest).


    Den Anfang möchte ich machen mit dem Hymnos an den Sonnengott von Proklos, einem Neuplatonisten aus Lydien (Türkei) aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, also fast schon aus dem Frühmittelalter, der den alten Göttern treu blieb. Frei Übersetzung aus dem Altgriechischen (und Englischen) von mir:


    [marks]König des geistlichen Feuers, mit Deinen goldenen Zügeln in den Händen,
    Höre mich an, Herrscher des Lichts, der uns des Lebens Quell‘ erschließt,
    Unerschütterliches Gesetz wahrt im Reich der Materie,
    Du, der Du hoch oben aus Deinem Wagen unter allen Deine Schätze verteilst,
    Höre mich an! In der Mitte hast Du, hoch über dem Äther, Deinen Sitz,
    Dein lichtspendender Kreis ist das strahlende Herz der Welt,
    Geisterquickend füllt Deine Vorsehung alles, was da ist.
    Und die Wandersterne, mit den von Dir geschenkten Feuern als Gürtel,
    Stürzen in unermüdlichem und unablässigem Reigen
    Lebensspendende Tropfen, den Irdischen zum Segen.
    Das ganze Geschlecht der Jahreszeiten erwacht nach ewigen Gesetzen erneut,
    Gerade so wie Dein Gespann sich in stetiger Wiederkehr zeigt.
    Dieser ganze entsetzliche Kampf zwischen dem einen und dem anderen Element
    Legte sich, sobald Dein leuchtender Kreis sich zeigte.
    Sogar die drei Schicksalsgöttinnen schonen Dich
    Und, so es Dein Wille ist, ändern sie die Richtung ihres Gespinst.
    Von Dir stammt der Apoll, der götterentzückende Sänger,
    König der Leier, der, die Saiten in wundersamen Klängen spielend,
    Des mühseligen Werdens Wogen in den Schlaf wiegt.
    Dein Sohn auch ist der Gott der Heilkunst, freundlich ob seiner Gaben,
    Abwehr des Bösen und stetig der Gesundheit Segen verteilend,
    Füllt er mit Harmonie, die das Leid zum Schweigen bringt, die Welt.
    Dich verherrlichen die Menschen als ruhmreichen Vater des Bacchus.
    Dich, in den Tiefen der Wälder, als Attis, Gott der Verzückung.
    Andere huldigen Dir in ihren Liedern als den schönen Adonis.
    Angst vor Deiner Peitsche erfüllt, sobald Du sie drohend erhebst,
    Das Heer der bösen Dämonen, die die Menschheit Unglück bringen,
    Uns Leid zufügen und unsere Seele tief betrüben, sodass wir
    Immer weiter auf den Wogen des schwer vorwärts treibenden Lebens
    Arbeiten, vom Leibe schwer, töricht nach dem Joch des Zwangs verlangend
    Und die allstrahlende Halle des thronenden Vaters vergessend.
    Jedoch, Du Hervorragendster aller Götter, Glückseliger, mit einem Kranz aus Feuer,
    Abbild des Schöpfers aller Ding, der Du unsere Seelen empor trägst,
    Höre mich an und reinige mich, Herrscher, gnädig jeglicher Sünde,
    Nimm mein Gebet an, dass ich hier spreche, tränenüberströmt;
    Bitte, behüte mich vor Strafe und mildere, voller Erbarmung,
    Das alles erblickende Auge der strengen Rachegöttin!
    Mögest Du mir auch weiterhin beistehen und Unglück weit von mir halten,
    Und meiner Seele das Reine Licht, das Alleserquickende, schenken!
    Treibe weit von mir den Nebel, der den Sterblichen Unheil bringt!
    Schenke meinen Gliedern erquickend die segenreiche Gesundheit!
    Lasse mich zu Ehren kommen, die meinen Vätern würdig sind,
    Lasse mich auch der Musen, der Schöngelockten, Gunst erwerben!
    Bin ich in meiner Frömmigkeit aufrichtig, so schenke mir doch ewigen Wohlstand,
    Gerade so, wie Du, Herrscher, es möchtest, denn Du kannst alles vollbringen;
    Kraft ist schließlich Dir zu eigen, Kraft, die keine Grenzen kennt.
    Sollte durch die wirbelnden Spulen des ewig drohenden Geschicks
    Und, vom Laufe der Sterne bestimmt, mir ein Unheil bevorstehen,
    So wehre Du selbst es von mir ab – Deine Kraft übersteigt alles![/marks]


    Proclus' Hymns: Essays, Translations, Commentary - Rudolphus Maria Berg - Google Boeken of proclus helios&f=false

  • Hallo Forum und frohes neues Jahr,


    ich sollte vielleicht von Sól und Sunna sprechen, doch möchte ich zunächst von der baltischen Sonnengöttin erzählen, die mir auf Anhieb sympathisch war.


    Saule gilt als oberste Göttin der Letten, Litauer und Prußen und soll besonders als Schutzgöttin und himmlische Amme von Waisen auftreten. Zudem liebt sie grüne Schlangen, die zu ihren Ehren von den Menschenkindern gehalten werden. Beim Anblick einer toten Schlange muss sie weinen. Vielleicht gehörte ursprünglich der Eber auch zu einem ihrer Sonnentiere, denn die Römer kannten ein Volk der Ästier, das trotz der Namensähnlichkeit mit den Esten heute eben mit den Balten identifiziert wird. Diese Ästier sollen die Große Göttin angebetet und zu ihren Ehren Eber-Amulette getragen haben. Diese große Göttin könnte ja die Sonnengöttin sein. Der Eber wäre eine Schnittstelle zu Freyr und Freyja.


    Die Göttin Saule lebte auf dem Himmelsberg, wo ihr Nachbar der Gott Dievs/Dievas war, dessen Namen wohl in dasselbe Paradigma indoeuropäischer Namen wie der des Zeus, Jupiter und Tiwaz gehört. Beide, Saule und Dievs, wurden als Gutsherren dargestellt, beiden wurden zwei Töchter bzw. zwei Söhne zugedacht, die miteinander liiert sind. Dievs soll auch um die Sonnegöttin gebuhlt haben.


    Der Mondgott (Meness, Menulis, Menu) gilt oft als ihr Gemahl, die Sterne und die Erde sind die gemeinsamen Töchter von Sonne und Mond. Nur der Morgenstern soll ein Liebeskind der Sonnegöttin und des Donnergottes Perkunas gewesen sein, der übrigens sonst als Gemahl der Erde gilt und somit Saules Schwiegersohn ist. Erbost über ihren Ehebruch, mied der Mond sie und zeigte sich nur nachts. Nach anderen Erzählungen war aber gerade der Mond Schuld an der Scheidung, weil er dem Morgenstern nachstellte, woraufhin Perkunas ihn in die Nacht verbannen haben soll. Wer auch immer Urheber der Trennung gewesen sein mochte, beide wollten ihre gemeinsame (scheinbar noch minderjährige) Tochter, die Erde, sehen und deswegen teilten sie sich die Zeit mit ihr: Saule sah ihre Tochter am Tage, Menulis in der Nacht. So gesehen erklärten sich die Balten Tag und Nacht als die "Mitelternschaft" oder "Co-Parenting" von Sonne und Mond!


    Die Sonnegöttin soll vor allem zur Sommersonnenwende verehrt worden sein, mit großen Feiern und - wie bei den Slawen - der Suche nach dem geheimnisvollen und magischen Farnkraut. Die Wintersonnenwende galt als ihre Rückkehr und auch an den Tages- und Nachtgleichen wurden ihr zu Ehren Feste abgehalten. Sie soll auch Motiv gewesen sein zahlreicher "Dainas", lettischer Volkslieder.


    In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag!


    Leander

  • Ich meine von einer Geschichte gelesen zu haben, in der die beiden Söhne von Dievs die Sonnengöttin retten und ihr in der Mitte des Meeres eine kleine Hütte bauen... Diese Mythen sind doch so schon avantgardistisch, nicht?... muss noch einmal schauen.

  • Liebes Forum,


    die Sonne ist zwar schon untergegangen, aber es ist immer noch Sonntag.


    Über die germanische Sonnengöttin weiß ich leider beschämend wenig... Sunna heißt sie (vermutlich) im Merseburger Zauberspruch, wo da die verschiedenen Göttinnen und Wodan das Pferd Balders/Phols heilen zu versuchen. Ihre Schwester dort wird Sinthgunt genannt oder auch Sinhtgunt, was dann als "Sie, die durch die Nacht geht" gedeutet (Wikipedia-Aussage, erwischt...) und wodurch sie, gerade in Kombination mit Sunna als Mondgöttin gedeutet werden könnte. Wobei wir als Mondgottheit ja der Sonnengöttin Mani aus der Edda kennen, und der ist eine männliche Gottheit. Vielleicht sind Sunna und Sinthgunt auch die Sonnen- bzw. Mondgöttin der Südgermanen und sind Sól und Mani die Sonnengöttin und der Mondgott der Nordgermanen, ich weiß es nicht?


    Von der Göttin Sól aus der Edda weiß ich leider nicht mehr zu erzählen, als wie alle hier schon wissen (wahrscheinlich sogar besser als ich...): Tochter des Riesen Mundilfari, die zur Strafe des Hochmutes ihres Vaters den Sonnenwagen fahren muss. Mundilfari hatte es nämlich in seinem väterlichen Stolz ob der Schönheit seiner Kinder gewagt, seine Tochter "Sonne" und seinen Sohn "Mond" zu nennen. Ob Mundilfari auf die historische Figur Mark Anton zurückgeht, dessen Kinder bei der legendären Königin Kleopatra auch "Sonne" und "Mond" hießen, halte ich für ausgeschlossen und wahrscheinlich bin ich der erste und letzte der den Link Mundilfari - Mark Anton legt. Seine Frau heißt - laut französischem und griechischem Wikipedia - Glaur. Vielleicht eine Deformierung von Kleoptara? :saint:


    Jedenfalls hat die Sól zwei Pferde: Alsvidr (der Allgeschwinde) und Arvakr (der Frühwache) und ihr Gemahl heißt Glenr, mit welchem sie dann wahrscheinlich jene Tochter hat, die nach dem Weltuntergang an Sóls Stelle scheinen wird. An Ragnarök wird nämlich der Wolf Skól, der sie seit Anfang an verfolgt, die Sonnengöttin einholen und verschlingen. Ab und zu droht er sie schon einzuholen, das heißt dann Sonnenfinsternis und dann machen wir auf der Erde alle einen Heidenlärm, um den Wolf zu vertreiben und die Sonnengöttin zu retten. So war es in alter Zeit, heutzutage kaufen wir uns dann potthässliche Brillen in der Hoffnung, so viele Fashionvictims würden ihn den Appetit verderben... Schlechter Witz.


    Quelle: Aus dem Stegreif von verschiedenen Mythologiebüchern und bisschen Wikipedia.


    Hier ist allerdings ein schönes Bild von der Sonnengöttin:
    4SkollpersuesSol.jpg
    Mir gefällt an diesem Bild vor allem, dass es das "kindliche", "primitive", nahezu "dadaistische" Denken von früher heraufbeschwört: Die Sonne ist eine Frau in einem flammenden Wagen, die durch die Luft fliegt. Schön, richtig märchenhaft.


    Germanic Mythology: Texts, Translations, Scholarship ist übrigens eine Website, die Darstellungen der germanischen Götter sammelt, sowohl aus heidnischer Zeit wie auch aus späteren Zeiten (20., 19. und vorherige Jahrhunderte). Gerade die Darstellungen aus dem 15.-18. Jahrhundert finde ich ja sehr interessant.


    Ich wünsche euch einen schönen Sonntagabend!


    Leander

  • Hallo ihr lieben Heiden!


    Zwölf Uhr ist zwar schon vorbei, aber trotzdem erzähle ich noch ein Märchen vom Sonnengott, frei nach Ovid.


    "Es war einmal eine schöne Prinzessin in Persien, diese war so lieblich und gütig, dass der Gott der Sonne selbst sich in sie verliebte, gerade er, dessen Glut die Erde sonst erwärmte, wurde nun von einer ganz anderen Glut erhitzt. So trug es sich zu, dass die Sonne im Orient gerne schon früher aufging oder noch zögerte, ehe sie des Abends in den Fluten des Weltmeers unterging, nur um die liebliche Prinzessin aus der Ferne erblicken zu können.


    Schlussendlich erlag der Sonnengott vollends der Liebe Allmacht und beschloss, der Angebeteten seine Liebe zu bekunden. Abends saß die Prinzessin in ihrem Gemach und spann emsig die Wolle, da betrat ihre Mutter, die Königin, der Tochter Räume, zwölf Mägde folgten ihr. Sie küsste die Tochter auf die mädchenhafte Stirn, wie das eine Mutter zu tun pflegt, und schickte die Mägde hinaus, wie das eine Fürstin zu tun pflegt. Sobald die Dienerinnen das Gemach der Prinzessin verlassen hatten, änderten sich die Worte der Königin. Voller Liebe waren sie, doch nicht der Liebe, die eine Mutter ihren Kindern entgegenbringt. So offenbarte der Sonnengott sich der persischen Prinzessin und machte ihr den Hof.


    Doch mochte er der Liebe noch so frönen, so war sie, die Liebe, ihm doch nicht hold. Das kam so: Als die Liebesgöttin sich in ihren Schwager, den Kriegsgott, verliebte und sich heimlich mit ihm traf, so blieb dies der Sonne, die alles sieht, nicht verhehlt und sie erzählte dies dem gehörnten Gemahl der Zypriotin, und verspielte sich und den Seinigen damit aller Liebe Gunst.


    So sollte das Glück mit der Perserprinzessin jäh enden, denn die Hölle kennt keine Wut wie die eines verschmähten Herzens. Eine Meerjungfrau liebte den Sonnenjüngling schon seit vielen hundert Jahren mit einer Feuerbrunst, die der seiner eigenen gleichkam, doch erwiderte dieser diese Liebe nicht. Als sie nun von ihrer sterblichen Nebenbuhlerin erfuhr, trieben Liebeskummer und Eifersucht das sonst friedliche Wesen zu frevelhaften Taten. So berichtete sie dem König der Perser, was sich des Nachts im Gemach seiner Tochter abspielte. Außerordentlich groß war des Königs Wut ob der verlorenen Jungfräulichkeit der Tochter, außer aller Maßen ihre Bestrafung: Lebendig begrub er die eigene Tochter. Und während sie die Hände in schierer Verzweiflung zum Himmel emporhob, musste der Sonnengott leidsam mit ansehen, was seiner Geliebten angetan wurde. Von seiner Bahn abweichen dürfte er nicht, er unterlag den Naturgesetzen und dem Schicksal.


    Auf dem Grab wuchs ein Weihrauchbaum. Und auch die Meerjungfrau, der diese Rache nichts gebracht hatte, denn war sie ihm vorher gleichgültig, so war sie dem Sonnenjüngling nun verhasst. Sie siechte in sinnloser Sehnsucht nach ihm dahin, nur von Tränen und Tau genährt, und ward zu einer Blume, die ihren Kopf immer zur Sonne kehrt."


    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


    Iwan der Dumme

  • Uh, das ist aber gruselig. Woran man sieht, dass die Götter eben nicht über allen Dingen stehen (können). Wohingegen genau dieses oftmals von unseren direkten Verwandten - anderen Menschen oftmals erwartet wird.
    Es wuchs ein Weihrauchbaum auf dem Grab? Ferner, um die Wunden (des/der Herzen) zu heilen!?
    Und welche Blume wurde denn die Meerjungfrau? Ists das Gänseblümchen? Die schliessen sogar des Nachts ihre Blüten. Wäre ja dann nahe dem Sonnengott Baldur, woraufhin sich der mythologische Kreis wieder schliessen würde.

  • Es wuchs ein Weihrauchbaum auf dem Grab? Ferner, um die Wunden (des/der Herzen) zu heilen!?


    Oder Weihrauchpflanze, jedenfalls damit sie auch zum Himmel kommen kann, zu den Göttern.


    Und welche Blume wurde denn die Meerjungfrau?


    Ovid, bzw. der Übersetzer, spricht von einer "roten violenähnlichen (veilchenähnlichen?)" Blume...? Keine Ahnung, kenne mich Botanik nicht aus. Jedenfalls keine Sonnenblume :-).

  • Ovid, bzw. der Übersetzer, spricht von einer "roten violenähnlichen (veilchenähnlichen?)" Blume...? Keine Ahnung, kenne mich Botanik nicht aus. Jedenfalls keine Sonnenblume :-).


    Hmmm. Naja die Gänseblümchen können im Angesicht der Sonne auch rotfarben/violett werden.
    Schau mal:



  • Hallo!


    Die alten Ägypter verehrten außer den Nil auch die Sonne, sogar als höchste Gottheit. Der Sonnengott hat viele Namen und Gestalten. Am Morgen soll er Khepri oder Chepri sein und in Gestalt eines Käfers die Sonne dem Himmel hinaufwälzen. Mittags hat er die Gestalt eines ausgewachsenen Mannes (Ra) und zum Abend die eines alten Mannes (Atum?). Auch heißt es, der Sonnengott liefere sich jede Nacht einen Kampf auf Leben und Tod mit einer Monsterschlange namens Apep oder Apophis.


    Nach der Theogonie aus Heliopolis, der Hauptstadt des Ra-Kults, erschuf Ra die Welt, die Götter und die Menschen. Die Menschen stammten aus seinen Tränen, die Götter aus seinem Speichel oder Semen. Sein Sohn ist Schu (Luft) und Tefnut (Feuchtigkeit). Schu und Tefnut zeugten gemeinsam den Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut. Diese liebten sich so leidenschaftlich, dass die Kinder Nuts nicht geboren werden konnten. Auf Geheiß des Ra trennte Schu, der Gott der Luft, Nut (Himmel) und Geb (Erde), indem er seine Tochter hochhob.



    Schönen Sonntag,


    Iwan Leander

  • In China gab es einmal zehn Sonnen, zehn Sonnenjünglinge.


    Die sollten alle nacheinander am Himmel aufgehen. In ihrem jugendlichen Leichtsinn erschienen sie einmal alle zehn am Himmel und die Erde drohte natürlich zu verbrennen. Da kam ein Bogenschütze, wohl göttlicher Natur, und erschoss neun von zehn Sonnen, daher haben wir heute nur noch eine Sonne am Himmel.



    Gruß,


    Iwan-Leander

  • Ist das nicht herrlich ?
    Die schönsten Geschichten gibt es im Heidentum...
    ^^
    Wie kann man nur solch` eine schöne Religion/Mythologie hinter sich lassen...bzw. in heutiger Zeit nicht wieder aufleben lassen ?

    Es könnte auch sein, dass ihr das erste Mal auf der Welt seid
    und eure Vergangenheit noch vor euch liegt.


    Boualem Sansal, algerischer Schriftsteller

  • Eine Hymne an den Sonnengott auf Altgriechisch. Der Autor war der Herr Mesomedes von Kreta:



    Ich finde sie sehr schön. Griechisch ist eine hübsche Sprache. Und die Buchstaben sehen ein wenig aus wie die russischen :-).


    Bei Apoll-Balder-Chors-Dazbog, ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


    Iwan-Leander

  • Heidnisches Disney:



    Diese beide leider nur auf Englisch...:



    Einmal editiert, zuletzt von Iwan-Dummerjan ()

  • Verfilmung und Variante des Märchens "Die drei goldenen Haare des Teufels" aus 1982, Tschechoslowakei. Statt dem Teufel gehören die Haare hier dem Sonnenkönig:



    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


    Leander

  • Liebes Forum,


    heute, am 5. März, feierte man vor vielen Jahrhunderten im römischen Reich das Frühlingsfest der Isis, die ihren Anbeterinnen und Anbetern als Allgöttin galt und die wie die nordische Frigg den Flachs und vor allem ihren Sohn liebt(e), für den sie alles zu tun bereit war/ist. Isis‘ Sohn (Harpokrates/ Horapollon) sowie ihr Gatte (Osiris-Sarapis) galten beide als Sonnengötter, Isis selbst wurde – mit ihren Kuhhörnern – mit der Mondgöttin verbunden.


    Im Isisroman „Metamorphosen“, auch bekannt als „Der goldene Esel“, des Apuleius steht ein schönes Gebet an die Göttin:


    „Du freilich heilige und ewige Retterin des Menschengeschlechts, stets bist du mildtätig gegenüber den dich verehrenden Sterblichen, du verleihst deine süße Mutterliebe dem Schicksal der Unglücklichen. Kein Tag, keine einzige Nacht und nicht einmal ein kleiner Moment vergehen frei von deinen Wohltaten, so dass du auf dem Meer und auf dem Land die Menschen beschützt und nachdem du die Stürme in ihren Leben vertrieben hast, streckst du ihnen deine heilbringende Rechte aus, durch die du sogar die unentrinnbar geschwungenen Fäden der Fata zurückziehst, die Stürme des Schicksals besänftigst und den schädlichen Lauf der Sterne zügelst. Dich verehren die Himmelsbewohner, dich verehren die Götter der Unterwelt, du drehst den Erdkreis, erleuchtest die Sonne, lenkst die Welt und betrittst den Tartarus. Dir werden die Gestirne antworten, für dich kehren die Jahreszeiten wieder, für dich freuen sich die göttlichen Wirkmächte, dir gehorchen die Elemente. Auf dein Nicken hin wehen die Winde, nähren uns die Wolken mit ihrem Wasser, sprießen die Samen hervor, wachsen die Knospen. Vor deiner Erhabenheit erschaudern die Vögel, die im Himmel fliegen, die wilden Tiere, die in den Bergen umherirren, die Schlangen, die sich im Boden verbergen, sowie die Untiere, die im Meer schwimmen. Doch ich habe einen zu kleinen Geist um dich zu lobpreisen, und ein zu geringes Erbe um Opfer hinzuzuziehen. Auch habe ich nicht die Reichhaltigkeit der Stimme um diese Dinge zu auszusprechen, die ich im Bezug auf deine Erhabenheit fühle. Hierfür reichen keine tausend Münder und ebenso viele Zungen, oder eine ewige Reihung unermüdlicher Worte. Also werde ich mich darum kümmern, was ein freilich gottesfürchtiger, aber ansonsten armer Mann bewirken kann: Ich werde mir deine göttlichen Gesichtszüge und dein allerheiligstes Wirken in den in den abgeschiedenen Gebieten meines Herzens bergen und sie mir, während ich sie ewiglich bewache, vorstellen.“
    Quelle: Apuleius.pdf



    Ein Römermuseum in Spanien(?) veranstaltet offenbar jedes Jahr ebenfalls ein „Navigium Isidis“:




    Und der Film „Die letzten Tage von Pompeji“ (1984) fängt ebenfalls mit dem Frühlingsfest der ägyptischen Göttin an (Minuten 4:09 bis 12:05):


    Für diesen Thread, der ja eigentlich dem Sonntag und der Sonnengottheit geweiht ist, möchte ich noch folgendes hymnische Gebet an Helios aus der Liturgie des Isis-und-Sarapis-Kults mit euch teilen, das ich dem Werk von Reinhold Merkelbach (Seite 194 Isis Regina--Zeus Sarapis - Reinhold Merkelbach - Google Boeken ) entnahm:


    „Haltet alle eure Stimme still im Munde zurück: Ihr Vögel, die ihr in der Luft hin- und herfliegt, seid still; ihr Delphine, hört auf, über die Meeresfläche zu springen; bleibt stehen, ihr Fluten der Ströme und ihr rinnenden Bäche; ihr geflügelten Vögel alle, steht still unter dem Äther; ihr Schlangen in den Höhlen, fürchtet euch, wenn ihr den Ruf hört; ihr dämonischen Seelen im Totenreich, haltet zitternd Schweigen. Das Weltall selbst staunt über diese Worte, wie sie noch nie gehört wurden:


    König, Vater des Alls, komm gnädig zu mir; Sonnenkäfer, dich rufe ich an, den goldhaarigen Gott, das unsterbliche Licht; Sonnenkäfer, der Du für alle Götter und Menschen ein großes Wunder bist; sei gnädig, Herr, der Du in dir den flammenden Atem des Feuers hast, Herr des Aufgangs, Titan, der Du feurig auftauchst.“

    Aus Reinhold Merkelbach, Isis Regina – Zeus Sarapis, 2001, S. 194-195


    "Sonnenkäfer" ist sicherlich eine Anspielung auf Chepri oder Khepri, einen ägyptischen Sonnengott, der in Gestalt eines Käfers die Sonne den Himmel hinaufrollt, also der Gott der Morgensonne.


    In diesem Sinne: Einen schönen heidnischen Sonntag euch allen!


    Iwan-Leander

  • Hi,


    im alten Rom fand am 19. März ein Fest genannt "Quinquatrus" statt, dass außer dem Gott Mars auch der Göttin Minerva geweiht war, zumindest ehrten die Zünfte an diesem Tag ihre Schutzgöttin. Durch die Gleichung mit der griechischen Athene wurde Minerva in der lateinischen Literatur auch zur Göttin der Weisheit und des Kriegs, im römischen Kult blieb sie vorrangig die Göttin der Handwerker. Später beteiligten sich auch die Lehrer an diesem Fest - vielleicht eben durch die Identifizierung mit der Weisheitsgöttin Athene.


    Nach dem Christen Pirmin von Reichenau sollen die Germanen/Alemannen seiner Zeit noch heidnische Bräuche gepflegt haben, worunter beispielsweise das Anrufen der Göttin Minerva beim Weben. Sicherlich eine Interpretatio Romana einer germanischen Göttin und gemeint könnte die Göttin Holda oder Berchta oder Frîja (Frigg) gemeint sein, die ja ebenfalls eine göttliche Textilbearbeiterin war.


    Kaiser Julian, der versuchte, das Heidentum erneut zur Staatsreligion zu machen (mit dem Sonnengott als höchsten Allgott und dem Neoplatonismus als Theologie), stellte Minerva/Athene als Pronoia ("Vorsehung") dem König Helios zur Seite.


    Ob die keltische Göttin Sulis, die im heutigen England zu römischer Zeit verehrt wurde und mit der Minerva verschmolz, eine Sönnengöttin war, weiß ich eigentlich nicht. Der Name "Sulis" ähnelt seiner Form nach natürlich dem germanischen Namen/Substantiv "Sól", dem lateinischen "Sol" und dem baltischen "Saulé". Der deutschsprachige Wikipediaartikel zur Göttin Sulis stellt sie allerdings schon als Sonnengöttin dar und berichtet auch noch von den Suleviae, einer Gruppe von Sonnen- und Heilgöttinnen: Sulis – Wikipedia
    Sulis Minerva hatte im heutigen Bath ein Quellheiligtum, eine Art Spa, wo die Menschen hin pilgerten und durch Baden im Quellwasser Heilung ihrer Krankheiten erhofften: 3671155968_c23b640eea.jpg


    Natürlich erinnert Minerva-Athene in ihrer Rüstung auch ein wenig an die Walküren, bzw. an die Wagner-Vorstellungen der Walküren.


    Hier ein Bild einer bemalten Minerva-Statuette: