Immer wieder Sonntags

Schon gewusst…?

Jarl, verwandt mit dem englischen „Earl“, dem deutschen Grafen entsprechend, war ab der Germanischen Eisenzeit (375 n. Chr.) bis ins Hochmittelalter ein Fürstentitel in den nordischen Ländern. Es ist daher eher unwahrscheinlich das es einen Jarl im Gebiet des heutigen Deutschland gab.

  • Hallo liebes Forum,


    heute einmal wieder ein Video. Als Kind habe ich eigentlich ganz gern die Serien Xena und Hercules geschaut... obwohl ich nie verstanden habe, wieso Gewandung und Gebäude so vollkommen ungriechisch waren... Na, egal. Die Götter schneiden in dieser Serie ja nicht besonders gut ab. Als grausam und rachsüchtig werden sie geschildert. Ausnahmen bestätigen die Regeln, so zum Beispiel die indischen Gottheiten Krischna und Hanuman und auch der nordische Gott Baldur, der als mitfühlend und den Menschen wohlgesonnen beschrieben wird. Ich wünsche gute Unterhaltung und lasst euch von den Ungenauigkeiten (Loki als Sohn Odins, Thor als dummer Haudegen, malende Nornen, Wikinger in der Antike) nicht stören. Im Vergleich zu anderen Götter wirken die Asen sehr sympathisch, als zusammenhaltende Familie, im Gegensatz zu der zerstrittenen Familie der olympischen Götter (im Xena-und-Hercules-Universum).


    Ich wünsche gute Unterhaltung und einen schönen Sonntag!


    Teil 1


    Teil 2




    Wenn Balder ein Licht- und Sonnengott ist, ob seine Frau Nanna dann eine Art Mondgöttin sein könnte? Ich frage nur, weil ihr Name Ähnlichkeiten mit anderen indoeuropäischen Namen aufweist: Diana/Jana und Janus in Italien waren auch Lichtgottheiten und Nanna(r) war der sumerische Mondgott (die Sumerer aus Mesopotamien sprachen genauso wie die Perser eine indoeuropäische Sprache. Bei den semitischen Akkadern und Arabern zum Beispiel hieß Nanna(r) Sin.)

  • Ich habe eine schöne Abbildung von Balder gesucht und fand diesen Artikel:
    http://www.nieuwsblad.be/cnt/blbbi_02447511


    2016 haben sich die Riesen Balder und Nana, nach 38 Jahren des Zusammenlebens und einem gemeinsamen Sohn ("Robke"), endlich das Jawort gegeben, sowohl im Rathaus wie in der Kirche (Flandern soll ja katholisch sein).


    Riesen (also riesige Puppen) sind anscheinend in Flandern (dem Teil Belgiens, wo Niederländisch/Flämisch gesprochen wird) eine folkloristische Tradition. Diese Balder- und Nana-Riesen kommen aus der Stadt Boutersem, die sich etymologisch von "Baldersheim" ableitet (die Stadt selbst macht das).


    Ich finde es lustig. Ich stelle mir Balder zwar eher wie einen nordischen Apoll vor, aber trotzdem: ich finde es doch schön.


    Balder:
    http://www.baasgansendonck.be/…uzen/boutersem-balder.jpg


    Nana:
    http://www.baasgansendonck.be/…reuzen/boutersem-nana.jpg


    Balder und Nana mit Sohn "Robke":
    https://nbocdn.akamaized.net/A…8/31/Reuzen_Boutersem.jpg


    Etwas größere Darstellung:
    http://bdg-vzw.eu/lander/_MG_2157.JPG

  • Wenn Balder ein Licht- und Sonnengott ist, ob seine Frau Nanna dann eine Art Mondgöttin sein könnte? Ich frage nur, weil ihr Name Ähnlichkeiten mit anderen indoeuropäischen Namen aufweist: Diana/Jana und Janus in Italien waren auch Lichtgottheiten und Nanna(r) war der sumerische Mondgott (die Sumerer aus Mesopotamien sprachen genauso wie die Perser eine indoeuropäische Sprache. Bei den semitischen Akkadern und Arabern zum Beispiel hieß Nanna(r) Sin.)

    Hmmmm, ich finde es toll, dass Du den Moondaspekt reinbringst. Seltsamerweise würde ich Baldur selbst auch sehr stark dem Mond zuordnen, auch wenn das nicht üblich ist. Ob ich Nanna da thematisch überhaupt "verorten" kann, hab ich mich auch schon gefragt. Vielleicht könnte ich mir über "Mann im Mond" denken, dass er "nur" der Mann ist und dann wäre es passend. Ist gerade so ein Gedanke, den ich habe. [Für mich gehört er eigentlich zu mehreren Männern auf dem Mond, die in meinem Erleben wirklich vorhanden sind, woraus ich dann kurzschließe, dass er Mondaspekte hat, aber das kann ja auch schon ein Denkfehler sein.]


    Ob ich -egal ob Mond oder Sonne zu Baldur- dann das Paar eigentlich als Mond-Sonne-Paar sehen möchte, keine Ahnung. Aber immerhin werden sie eher nicht gegenläufig geschildert in der großen Geschichte von Baldurs Tod, sie stirbt ihm dann ja schnell hinterher. Das müsste dann moderner Zusatz der Skalden sein, der den Ursprung verkennt. Oder, falls alt, wäre es eher ein Hinweis, dass sie nicht entgegengesetzten Gestirnen zugeordnet sind. Ist aber auch nur ein Versuch, es mit Logik einzukreisen.


    Die Geschichte, die Du aus Belgien gefunden hast, ist klasse. Wie machst Du das, Du findest die tollsten Sachen. :thumbsup:

  • Wie machst Du das, Du findest die tollsten Sachen.

    Danke, Du lässt mich erröten. Das Glück ist wohl den Dummen. Daher nenne ich mich ja Iwan-Dummerjan :-). Ich habe wirklich nur "Balder" eingegeben in Google.images. Und da sah ich dann dieses hölzerne Haupt...



    Deine Anführungen mit dem Mann im Mond finde ich aber interessant. Der sanfte Balder passt irgendwie wirklich gut zum Mond. Als Lichtgott wäre ja auch das Mondlicht seins.


    Doch vielleicht liegt mein Fehler auch darin, dass die germanischen Götter, die uns aus der Dichtung bekannt sind, eben nicht mehr so fest mit den Naturerscheinungen verbunden waren? Das Sonnenlicht und alle guten Eigenschaften der Sonne können zwar Baldur und auch Freyr zugeschrieben werden, doch die eigentliche Sonne ist Sól bzw. Sunna...


    Ich drehe mich wohl im Kreise...

  • Doch vielleicht liegt mein Fehler auch darin, dass die germanischen Götter, die uns aus der Dichtung bekannt sind, eben nicht mehr so fest mit den Naturerscheinungen verbunden waren? Das Sonnenlicht und alle guten Eigenschaften der Sonne können zwar Baldur und auch Freyr zugeschrieben werden, doch die eigentliche Sonne ist Sól bzw. Sunna...

    Verkehrt ist nichts, nur die Frage, wer guckt von wo auf eine Sache.


    Die Sonne z. B. wird auch als das Auge Odins angesehen, und ich finde das stimmt, ich würde sie schon als seine Tochter ansehen. Das heißt aber nicht, dass andere Geschichten nicht stimmen. Meinetwegen können da dann noch andere Götter Sonnenaspekte haben, aber die Sonne ist Sunna, Sol, sie ist eine Göttin. Alles andere kommt da höchstens nebendran für mich.


    Später ist dann aber in den Dichtungen wohl was anderes wichtig geworden. Weil die Hörer eben auch große Geschichten HÖREN wollten, Kino war noch nicht erfunden, aber Skaldik war das Gegenstück. Und ich kann mir schon denken, dass der Bauer gleichzeitig seine alten Kulte pflegte und trotzdem gern auch die anderen Geschichten gehört hat. Moderne Heiden gucken ja auch gerne Filme mit Göttern, die nicht "korrekt" sind, aber trotzdem gefallen. Da werden die Heiden früher auch nicht anders gewesen sein.


    Und wer weiß, wie man drüber geschnackt hat, wenn der Skalde wieder weitergezogen ist. Also einer hat die Lieder gerade schon auswendig vorgetragen und war begeistert. Und ein anderer hat dann gesagt, naja, aber das stimmt doch alles gar nicht. Den Knoten werden wir auch nicht mehr lösen, wir machen auch nur wieder viele Neue rein.

  • Ich glaube, zur japanischen Sonnengöttin und Patronin der Kaiser habe ich noch nichts geteilt?


    https://www.youtube.com/watch?v=lTMaB6WZ4Co


    https://www.youtube.com/watch?v=GiOQNhIRmw4



    Amaterasu(-ō-mi-kami) (天照大神 „Am Himmel scheinende große erlauchte Göttin“) heißt die Sonnengöttin der Japaner.


    Sie ist eine Tochter der Urgottheiten Izanagi und Izanami (nun ja, eigentlich nur des Izanagi) und ihre beiden Brüder sind Tsukiyomi, der Mondgott, und Susanoo, der Sturmgott (eine typische Dreieinheit, Sonne, Mond und Wind/Sturm, die sich auch in anderen Mythologien und in späteren Märchen wiederfindet. Anstelle des Sturmes/Windes tritt zuweilen auch der Morgen- und Abendstern). Sonne und Mond als Geschwisterpaar kennt man ja auch bei den Germanen und den Griechen.


    Als ihr Bruder Susanoo dereinst die Haut eines toten Ponys durchs Dach in eben jenes Zimmer warf, in dem seine Schwester Amaterasu gerade mit ihren Dienerinnen webte und dabe wohl eine dieser Dienerinnen erschlug, flüchtete die Sonnengöttin panisch in eine Höhle, wo sie sich verbarg und weigerte, hinaus zu treten. Nun herrschte Dunkelheit in der Welt. Die Götter überlegten, was zu tun sei und griffen zu einer List: die Göttin Amenouzume tanzte herrliche Tänze (wohl auch mit obzönen und erotische Gesten, ähnlich wie Baubo bei Demeter, als diese ihre Tochter suchte) vor der Höhle und alle Götter und Göttinnen fielen ihr bei, man freue sich, weil man eine neue Sonne gefunden hätte. Göttin Amaterasu wurde neugierig (vielleicht auch eifersüchtig) und spähte aus ihrer Höhle, wo sie ihr eigenes Spiegelbild in einem von den Göttern vorgehaltenen Spiegel sah. Schnell riss man sie aus der Höhle heraus und fortan würde sie wieder strahlen.


    Auch mit ihrem anderen Bruder, Mondgott Tsukiyomi, soll sie zerstritten sein: er habe dereinst die Göttin der Nahrung getötet und weil Amaterasu von dieser Tat so angewidert war, wollte sie ihn nicht mehr sehen. So entstanden wohl Tag und Nacht. Auch die Balten erklären den Wechsel von Tag und Nacht als Zerwürfnis der beiden großen Himmelskörper. Sonst gilt Sturmgott Susanoo als Mörder der Nahrungsgöttin und Tsukiyomi eher als ein beliebter, mit vielen Schreinen verehrter Gott, der im Shinto-Buddhismus mit dem hoch verehrten Buddha Amida-Nyorai gleichgestellt wird.


    Manche Wissenschaftler meinen, Amaterasu sei ursprünglich eine männliche Gottheit gewesen und erst eine Kaiserin lies sie zur Göttin machen, um ihre Herrscheransprüche zu untermauern. Doch da es auch bei den Germanen und Balten und vielleicht auch bei den Kelten (Sulis) Sonnengöttinnen gab, warum soll es nicht auch bei den Japanern eine gegeben haben? Der rote Punkt in der japanischen Flagge verweist auf die Sonnengöttin Amaterasu. Am 17. Juli wird ihr Fest gefeiert in Japan, mit vielen Straßenprozessionen.


    Hauptquelle: Wikipedia.


    Ihr Hauptschrein ist in Ise und wird alle zwanzig Jahre abgerissen und neu aufgebaut.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Guten Morgen,


    ich sehe, dass ich hier schon ziemlich lange nichts mehr gepostet habe...


    Dann teile ich Mal ein englischsprachiges Video zum Sonnenkult Japans. Reiht sich an meinen vorherigen Kommentar.



    Die Doku ist auf Englisch, doch vielleicht hilft es, wenn man die Untertitel einschaltet. Die sind zwar ebenfalls auf Englisch, doch können vielleicht helfen. Es sei denn, man spricht überhaupt kein Englisch.


    Ich bin wie immer beeindruckt.

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  • Vielleicht interpretiere ich auch zu viele hinein, aber mir gefällt, wie der dieser Dichter aus dem 17. - 18. Jh. in seinem Gedicht oben immer wieder ins Heidentum zu entgleisen scheint.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Ich werde nicht ganz schlau, wer denn nun genau folgendes Gedicht verfasst hat... Das Internet nennt einen F. R. Krais, anderswo lese ich Friedrich Julius Krais, dann wieder nur Julius Krais. Letzterer lebte von 1807 bis 1878 und war ein evangelischer Pfarrer und ein schwäbischer Dichter. Das könnte daher passen. Sein naturmetaphorisches Gedicht unten könnte eine Metapher für Christus sein, der ja nicht selten mit der Sonne assoziiert wird, sogar „Sonne der Gerechtigkeit” genannt wird. Die „Mutter des Lebens” könnte sich dementsprechend hier vielleicht nicht auf die Sonne, sondern auf Maria beziehen, deren Licht ihr Sohn Jesus Christus wäre. Wie dem auch sein, ich als oller Heide fasse das Gedicht naturpoetisch auf. :-)


    PS: Dieses Gedicht ist auch in einem christlichen Forum Gegenstand einer Diskussion. ;-)

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Ist zwar weder Fastnachtzeit noch Sonntag, aber trotzdem:


    Zitat


    Das Anflehen der Sonne um gutes Wetter während des Schleicherlaufens ist 1890 entstanden. Damals drohte angeblich schlechtes Wetter. Spaßvögel aus Oberhofen und Pfaffenhofen erlaubten sich den Telfern den Rat zu geben, "morgen die Sunna" vorauszutragen, "nochher hobt´s ös s'schianste Wetter". Der damalige Fasnachtsobmann, der akademische Bildhauer Joseph Pöschl, ging auf den Jux ein und am Sonntag Früh wurde diese durch das Dorf getragen. Seither gab es nachweislich keine verregnete Fasnacht.


    https://www.schleicherlaufen.at/die-gruppen/die-sonne


    die-sunna_2010.jpg

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Iwan-Dummerjan Sehr interessanter Brauch...! Gibt's den auch anderenorts

    Da bin ich überfragt und wandere im Tal der Ahnungslosen. Ich fand ihn auf einer allgemeinen Google-Suche nach "Sonnenanbetung". Wie ich die Hintergrundgeschichte verstanden habe, geht dieser Brauch ja auf einen Scherz. In seinem Wesen ist er natürlich durch und durch heidnisch, aber eben in dieser Form nicht uralt. Ich schlage vor, Du führst diesen Tiroler Brauch erst Mal in Österreich ein, gibst ihn von da an die bayerischen User weiter, diese an Firnwulf und von Firnwulf kommen sie nach Ulfberth und Widulf und Kendra und Future Raffy der neue , und von dort dann weiter zu mir und Locsley ... so wirkt es authentisch!