Neuer Tempel für Jupiter Perunus in der Ukraine

Schon gewusst…?

Jarl, verwandt mit dem englischen „Earl“, dem deutschen Grafen entsprechend, war ab der Germanischen Eisenzeit (375 n. Chr.) bis ins Hochmittelalter ein Fürstentitel in den nordischen Ländern. Es ist daher eher unwahrscheinlich das es einen Jarl im Gebiet des heutigen Deutschland gab.

  • Hallo,


    ich wusste nicht direkt, wo ich das hintun sollte.


    In der Ukraine wird in ungefähr zwei Monaten ein Tempel eingeweiht, dem Gott Jupiter „Perunus“ zu Ehren. Die Verehrer sind keine Rodnovery-, sondern Nova-Roma-Anhänger, doch der Beiname „Perunus“ lässt darauf schließen, dass sie sich ihrer slawischen Heimat bewusst sind. Sie haben ein Gelände gekauft und dort zunächst einen Altar errichtet, und nun im Sommer soll der Tempel endlich fertig sein. Es sollen noch weitere Altäre und Tempel folgen.


    Hier ist die Website:
    http://templvm.org/his_vision_goals.html


    Hier sind Bilder des Tempelbaus:
    https://www.facebook.com/photo…1437043852&type=3&theater


    Gruß,
    Iwan

  • Interessanter Bericht und Artikel,
    Aber irgendwie, frag mich nicht wie, hab ich Zweifel, dass sie dabei an ihre slawischen Wurzeln dachten, auch wenn die Namensgebung darauf schließen lässt.... Aber wenn man den Text ihre Seite liest, bekennen sie sich ja recht streng zum römischen Glauben.


    Aber, ein interessantes Projekt muss man sagen und Hut ab für die Initiative und Energie, die die Menschen dort reinstecken.


    Ist vermutlich der "Vorteil" wenn der Glaube von allen Beteiligten in ungefähr die gleiche Richtung geht. Der Zusammenschluß funktioniert dann, zumindest temporär wesentlich besser....


    Werde ich mir abspeichern und mal weiter beobachten was daraus wird.


    Danke fürs Teilen

  • Danke fürs Teilen

    Kein Problem. Dessen das Herz voll ist, läuft der Mund über, wie es schön heißt. :D


    Tatsächlich wusste ich nicht genau, wo ich diesen Thread verorten sollte. Der Poltawaer Juppiter-Perunus-Kult kann betrachtet werden als moderne Variante von dem, was im Römischen Reich tatsächlich üblich war: eine Romanisierung - oder eher Hellenisierung, denn auch die römischen Kulte waren ursprünglich eher animistisch und bilderlos - bestehender Kulte. Man denke nur an den Mars Lenus im Trevererland oder auch an diesen Kult des Merkur in Tawern, wo der gallorömische Tempel vermutlich auf dem Territorium eines älteres Heiligtums gebaut wurde:



    Wie die ansässige (keltische?) Bevölkerung damals darüber dachte, ist natürlich nicht direkt attestiert. Einige werden es als schändlich empfunden haben, andere werden von der architekturalen Fertigkeit beeindruckt gewesen sein. Wohl je nach dem, wie man eben zur römischen Besetzung (oder „Befreiung aus der Barbarei”) stand.


    Es handelt sich bei dem Tempelkult in Poltawa also tatsächlich um einen Mischkult, zugleich aber auch um gelebte Geschichte. Wie im alten Rom opfert der Tempelpriester auch in Poltawa zu jedem Iden des Monats (oder auch zu jedem Vollmond) dort dem Jupiter, doch das größte Tempelfestival soll dort die im Juli stattfindende „Woche des Perun” sein, während der dort auch tatsächlich die zeremonielle Opferung eines Stieres stattfindet. Zu diesem Ereignis kommen anscheinend nicht nur slavorömische, sondern auch slawische Heiden.


    Im Wesentlichen wird der Tempel privat vom Tempelpriester finanziert, auch wenn Spenden immer willkommen sind. Diese werden nicht nur von der Poltawaer Kultgemeinde, sondern von Heiden und Sympathisanten aus der ganzen Welt erbracht. Zudem besteht die Möglichkeit, ein Gebet zu Juppiter-Perunus oder anderen Göttern aufschreiben und verlesen zu lassen - vollkommen kostenlos. Auch Opferriten sind möglich, doch dafür werden dann natürlich schon die Kosten in Rechnung gebracht. Auch gibt es eine kleine Manifaktur wo Hauskapellen im römischen Stil, sogenannte Lararien oder Lararia, hergestellt werden, die aber im Vergleich zu anderen Anbietern wirklich sehr preisgünstig sind, zumal sie schon bemalt sind. Also hier wird kein Geld mit dem Heidentum gemacht, dieser Mensch macht dies wirklich aus Freude an der Verehrung der Götter.

  • Naja wenn ich schon so gedrängt werde zu kommentieren. Templvm ist ja ein Projekt zum aufleben lassen des römischen Glaubens, der Religio Romana. Wie man das jetzt mit den Kelten und Slaven in Verbindung bringen möchte erschließt sich mir nicht vollständig. Nicht weil ich es für Blödsinn halte, sondern weil es darüber und die Vermischung der Glaubensrichtungen einfach zu wenig Informationen gibt. In heutiger Zeit im Neuheidentum Jupiter und Perun als eine Gottheit zu betrachten kann man jetzt machen, fände es aber sehr schade wenn Templvm diese Richtung einschlägt. Vielleicht packt man dann noch Donar und Zeus mit in den Tempel, dann ist man auf der sicheren Seite.

  • Das hat nichts mit Multikulti zu tun. Das ist einfach Synkretismus. Es handelt sich bei dem germanischen, slawischen, baltischen, römischen, griechischen Heidentum im Prinzip auch nicht um verschiedene Glaubensrichtungen. Mit Glauben ist ja sowieso mal nichts, weil es dazu das „Credo” im Heidentum fehlt. Ob nun Germanen oder Römer oder sonstige Völkerschaft: die Vorstellungen über das Göttliche war nicht grundverschieden. Und auch bei den Kultpraktiken waren sich im Grunde sehr ähnlich.


    Mit Rodnovery hat es aber tatsächlich weniger zu tun, mehr mit der römischen Tradition. Auch ganz einfach, weil vom römischen Heidentum faktisch gesehen viel mehr Informationen erhalten sind als von allen anderen Heidentümern Europas. Und dass Zeus, Jupiter, Taranis, Donar, Perun und Perkun nun vollkommen verschiedene Gottheiten seien, das halte ich für ziemlich kompliziert.


    Natürlich wäre es schöner, wenn man genug Info zu den Ritualen der verschiedenen Völkerschaften hätte, dann könnte man den Göttern nach alter, vorväterlicher Sitte opfern. Aber in Anbetracht der gegebenen Umstände, dass uns das Wissen um die Kulthandlungen der eigenen germanischen oder keltischen oder slawischen Vorfahren verlorenging, sehe ich nur zwei Optionen, die mehr oder weniger zu einem authentischen Ergebnis führen würden: Entweder beruft man sich auf neuzeitliches Brauchtum und Folklore und wird der Schwerpunkt auf die kleine Mythologie verlegt, oder man schließt sich einem stärkeren Volk an, dessen Riten noch gut bekannt sind und wiederbelebbar. Zumal es auch Germanen im römischen Reich gab, die noch immer ihre eigenen germanischen Götter verehrt haben und kein Problem darin sahen, wenn die Römer von Merkur, Herkules und Mars sprachen und damit die germanischen Hauptgötter meinten.

  • Und damit befinden wir uns wieder im Reich der Spekulation und eigener Interpretation. Wir wissen nicht ob es früher so war, wir wissen nicht ob die Götter verschmolzen wurden oder schon immer die gleichen gewesen sind, wir wissen nicht ob es in ganz Europa ein einheitlicher Glaube mit gleichen Göttern in nur lokalen Anpassungen war, wir wissen faktisch nicht viel bis sehr wenig. Weshalb es egal ist ob man sich einbildet den alten Glauben rekonstruieren zu können oder einfach selbst einen erfindet. Sollen sie machen was sie wollen und was sie für richtig halten.

  • wir wissen nicht ob die Götter verschmolzen wurden

    Nun, das ist ziemlich gut belegt, dass Götter miteinander verschmolzen wurden. Wobei man sagen muss,

    wir wissen nicht ob es in ganz Europa ein einheitlicher Glaube mit gleichen Göttern in nur lokalen Anpassungen war,

    Wieder dieses Wort „Glaube”... Das ist doch im Zusammenhang mit dem Heidentum höchst irrelevant.


    Da die alten Griechen oder Römer ohne Probleme in nicht-griechischen und nicht-römischen Gebieten ihre Tempel bauen konnten, da auch Germanen und Kelten im römischen Reich ihre Götter weiterhin anbeten konnten, dass Götter verschiedener Kulturen miteinander verschmolzen wurden, dass zeigt doch gerade, dass die meisten Heidentümer in Europa nun nicht so großartig verschieden waren. Zumal es im Kult welcher Gottheit auch immer nur um EINE Sache ging: die Verehrung dieser Gottheit. Kein Heilsversprechen für die Gläubigen (von den Mysterienkulten abgesehen), keine Moralvorschriften (insofern sie nicht den direkten Kult betrafen), einfach nur die Verehrung der Gottheit zur Erlangung der Gunst derselbigen Gottheit. Eine identitätsstiftende Funktion konnte ein bestimmter Kult durchaus auch haben, aber dann war dies eine Nebenerscheinung, nicht das Hauptziel des Kults. Der Nerthuskult hatte für die sieben Völker, die ihn anhingen, sicherlich einen identitätsstiftenden Charakter, aber im Kult selbst ging es eben um Nerthus, nicht um diese sieben Völker.

  • Ich meine damit, dass die moderne, christlich-evangelische Definition von „Religion ist gleich Glaube” den antiken, heidnischen Religionen, gerade den Stammesreligionen, meiner Meinung nach nicht gerecht wird.

  • Das mit Glaube im Heidentum musst du mir erklären. Entweder man glaubt an die Götter oder nicht oder doch ganz anders?

    Vielleicht ist Dir bereits aufgefallen, das auch ich wenig von Religion und noch weniger von Glauben spreche, auch wenn sich diese Worte zum besseren Verständnis heutiger Texte nicht immer vermeiden lassen. Tatsächlich ging es um einen Kult, einen Götterkult. Den Göttern war Ehre und Respekt zu erweisen. Darum ging es in erster, zweiter und dritter Instanz. Erst dann kam die Hoffnung sich auch deren Gunst zu sichern.


    Übrigens ist Glaube nicht unbedingt etwas Religiöses, denn sonst wären auch Atheisten gläubig, - nur eben das sie glauben, dass es keine Götter gibt.


    Danke Iwan-Dummerjan, für den Post zum Tempel des Jupiter-Perunus.

    Aber der Tempel, der sich in Wolken verliert, heilig der Artemis, ließ alles andere verblassen.

  • Nein ist mir nicht aufgefallen, um ehrlich zu sein bist du mir allgemein nicht aufgefallen. Was ihr beiden "eurer" Meinung nach als Glaube definiert oder ob für euch zwei ein Glaube mit Heidentum etwas zu tun hat oder nicht, ist euch überlassen. So eine Ansicht kann man sich anhören, als andere Meinung akzeptieren aber nicht als allgemeingültig anerkennen.


    Auch wenn es ein Kult ist, muss der Glaube daran vorhanden sein. Ohne den Glauben daran das der Zirkus dem man um irgendeinen Kult macht etwas bewirken könnte, kann man es ja gleich ganz sein lassen. Denn ohne den Glauben an die Existenz an einen oder mehrere Götter, für die man irgendeinen Kult macht, ist mir Ehrerbietung in erster bis vierter Instanz völlig wurscht. Ob jetzt ein Atheist glaubt das er an nichts glaubt und dies ebenfalls als Glaube definieren, halte ich persönlich an den Haaren herbeigezogen aber gut jedem seine Meinung.


    Um das ganze abzuschließen, fand ich das Wiederbeleben der Religio Romana durch Templvm bisher echt stark. Wenn die jetzt anfangen alle möglichen Götter in ihren Tempeln per Untermiete zu integrieren finde ich das jetzt ... sehr schade. Solln die machen was sie für richtig halten, ist ja nicht meine Baustelle.

  • Zum ersten Teil kann ich nur sagen: einfach Bücher zum Thema lesen.


    Zum letzten Absatz: keine Ahnung, wo du das jetzt mit den vielen verschiedenen Göttern herholst. Der Tempel selbst ist dem Iuppiter Perunus geweiht, einer synkretischen Gottheit zusammengesetzt aus dem römischen Iuppiter und seiner slawischen Entsprechung Perun. Im Tempelbezirk werden noch weitere Altäre zu Ehren der Götter errichtet. Alles in römischen Stil und mit römischen Götternamen.

  • alles gut, @Tatar. Niemand will Dir Vorschriften machen und mir liegt das ganz fern. Du kannst gern deine eigenen Ansichten haben. Unbenommen bleiben mir auch meine Ansichten. Diese befinden sich im Einklang mit den Überlieferungen und den Forschungen, weshalb ich diese für mich als genau richtig empfinde.


    Zum Schluss stimme ich Dir natürlich zu, man glaubt an die Exuístenz der Götter oder eben nicht. So gesehen spielt das 'Glauben' natürlich eine Rolle.



    Wenn die jetzt anfangen alle möglichen Götter in ihren Tempeln per Untermiete zu integrieren finde ich das jetzt ... sehr schade.

    Das wäre keine Seltenheit. Das Hauptheiligtum der Römer war der Tempel der Trias, auch Jupitertempel genannt. In ihm wurden neben Jupiter Optimus Maximus auch Juno Regina und Minerva verehrt. (Ich kann mir bei diesen Worten ein Lächen nicht verdrücken, denn ich spüre noch heute, wie sich die Steine des Tempels anfühlen.)


    Im Tempel von Delphi, der Apollo geweiht war, befand sich ein Altar des Poseidon und das Feuer der Hestia. Die Römer und Griechen sahen manche Sache eben ziemlich weit gefasst.

    Aber der Tempel, der sich in Wolken verliert, heilig der Artemis, ließ alles andere verblassen.

  • Am Poltawaer Tempel, am 12. April 2022:



    Der Sohn ist beim Tempel geblieben. Die Eltern und die jüngeren Brüder sind auch gen Westukraine/Westen geflohen. Sind noch zwei weitere Videos auf dem YouTube-Kanal des Tempels seit Ausbruch des Krieges. Deshalb.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Heil euch!

    Kann mir jemand sagen, ob die Römer überhaupt bis in die Siedlungsgebiete der Slawen vorgedrungen sind; also ob die Römer dort überhaupt Einfluss auf Kultur und Religion hatten?

    Im Rheinland z.B.,wo ja tatsächlich römische bzw. römisch- germanische Götteridole (beispielsweise in Form des Matronenkultes) und dergleichen gefunden wurden, kann ich das ja noch irgendwie nachvollziehen, oder in Gebieten, die früher zur römischen Provinz Gallien oder Britannien gehörten. Denn auch die "römische Epoche" hat ja dort ihre Spuren hinterlassen und kann somit als Teil der dortigen Kultur und Religion betrachtet werden.

    Aber wie war das denn jetzt eigentlich damals in der heutigen Ukraine?

  • Zitat

    Sewastopol


    Die küstennahen Regionen der Krim wurden ab dem 7. Jh. v. Chr. von griechischen Kolonisten besiedelt. In der Nähe des heutigen Stadtzentrums errichteten Griechen aus Milet zunächst ein Emporion, und ab dem späten 5. Jh. v. Chr. bauten Siedler aus Herakleia Pontike die Siedlung mit dem Namen Kalamita zur bedeutendsten Polis der Taurischen Chersonesos aus. Unter der Herrschaft von Rom und Byzanz bewahrte die Stadt ihren griechischen Charakter bis zur Zerstörung im 14. Jahrhundert und der nachfolgenden Besiedlung durch Tataren. Nach der russischen Eroberung der Krim wurde die Stadt im Jahre 1783 vom russischen Konteradmiral schottischer Herkunft Thomas Fomich McKenzie neu gegründet. Zarin war damals (1762–1796) Katharina die Große.


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/…ntike_bis_zur_Sowjetunion


    Die hellenistische (römisch-griechisch) Kultur verlor auch nach dem Fall des Römischen Reiches nicht gänzlich ihren Glanz. Und römisch-griechische Götter begegnen uns in der Kunst und Architektur heutzutage auch außerhalb den Grenzen des ehemaligen Römischen Reiches. Ob das einem nun gefällt oder nicht.


    Ich bleibe dabei. Was die Poltawer da machen, unterscheidet sich auch nicht viel von dem, was zunächst im von Alexander dem Großen eroberten Orient und später in den römischen Provinzen geschah. Ob einem das nun zusagt, ist Geschmackssache. Der hellenistischen (oder klassizistischen) Architektur und bildende Kunst begegnet man ohnehin in fast jeder europäischen, russländischen oder amerikanischen Großstadt.