Neuer Tempel für Jupiter Perunus in der Ukraine

Schon gewusst…?

Im „Wikinger Museum Haithabu“ kann man ein Wikinger-Dorf besuchen, das so authentisch nachgebaut ist, dass man glaubt, man wäre mit einer Zeitmaschine angereist

Zur Seite des Museums geht es hier entlang: Wikinger Museum Haithabu

  • Obwohl die Ukraine nicht direkt zum Imperium gehörte, waren zu Zeiten des Augustus die Krim und die gesamte Küste des asowschen Meeres von Rom abhängige Gebiete und dementsprechend auch dessen Einfluss ausgesetzt.

    Inwiefern dass auch die Religion beeinflusste weiß ich leider nicht, aber die Römer waren garantiert weit vor den Slawen in dieser Region.

  • Über die Griechen/Byzantiner gelangte auch so einiges an römisches Kulturgut zu den Slawen.


    Das römische Rosenfest im Mai/Juni beispielsweise oder noch berühmter ist der lateinsiche Begriff „Kalendae” (der erste Tag des Monats, später vor allem des Monats Januar zur Bezeichnung des im ganzen Römischen Reich gefeierten Neujahrsfestes), der entweder direk taus dem Lateinischen oder über die griechische Entlehnung Καλάνδαι (Kalandai) in die slawischen Sprachen gelangte und dort verschiedene Bedeutungen erlangte, die sich jedoch immer auf die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag bzw. auf die dann ausgeübten Bräuche bezogen:

    - kolęda (PL) „Weihnachtslied, Weihnachtsgeschenk"

    - koleda (CZ) „Zeit von Weihnachten bis Epiphanien”

    - kóloda (DSB*) „Neujahrsgeschenk”.

    - kolèda (BG) „Christi Geburt”

    - koléda (SL) „Hausbegängnisse zwischen dem 25.12. und dem 6.1., Glückwunschlieder”

    - kóleda/koléda (SH) 1. „Weihnachtslied”, 2. regional „Weihnachten”, 3. „großes Weihnachtsbrot”

    - коляда (koljada) (UK**) „von Liedern begleitete Hausbegängnisse in den Weihnachtstagen”


    Bei den Albanern bezeichnen kolëndër und kolëndra „Nacht vor Christi Geburt”, „Nacht vor dem Neujahrstag”, „spezielles Weihnachtsgebäck”. Und bei den Rumänen (Rumänisch = romanische Sprache wie Latein oder Französisch) bedeutet colindă „Weihnachten” oder „Neujahrslied”.


    Von den Polen übernahmen die Litauer diesen Begriff. Weihnachten heißt bei ihnen kolędos.


    Das neugriechische κάλαντα (kalanta) steht für „Glückwunschlieder und Lobgesänge am Vorabend von Christi Geburt”.


    In slawischen Liedern wurde Koljada auch personifiziert , geradeso wie in Deutschland die Frau Faste, und daraus leitete man einen heidnsichen Wintersonnenwendgott der Slawen ab.


    Quelle: REITER (2009, S. 82-87)



    Sind wir deswegen alle Römer und Griechen? Nö. Eine gewisse Dominanz römisch-griechischer Kultur in Europa lässt sich allerdings nicht leugnen.











    *DSB = Niedersorbisch

    **Diese Bezeichnung existiert auch im Russischen. Im Belarussischen schreibt man каляда.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Heil dir, Iwan!

    Ich gehe mal davon aus, das lateinische Begriffe wohl auch unabhängig von den Römern, über die katholischen Priester, in die verschiedenen Sprachen gelangt sein könnten.

    Ich betrachte mich zwar definitiv nicht als Römer, aber Stadtbauplanung, fliessendes Wasser und die Kanalisation halte ich schon für sinnvolle Errungenschaften.

    Ich erinnere mich da an Zeiten, mit Plumsklo und Wasser aus dem See holen* - muss nich sein!


    * und erstmal abkochen, wegen Streptokokken.

  • Wenn die Sache komplett schief läuft, wird demnächst weltweit, nur noch auf russisch gebetet und zwar zu Wladimir- sol invictus, dem jede Woche am Putinstag, Wodka und Zupfkuchen dargebracht werden müssen!

    Ich geh schon mal nen Sprachkurs machen und dann zu "Getränke Hoffmann"

    - sicher ist sicher!!!

  • Wäre eine Alternative zum Mammon-Kult aus Amiland...


    Der Familienvater und Priester des Poltawer Tempels ist, wie nicht wenige seiner Landsleute, russischer Muttersprachler, aber eben kein Russe, sondern Ukrainer. Ich habe mich mit ihm schon Mal auf Russisch unterhalten (über Facebook damals).



    Was ich aber eigentlich schreiben wollte: der ostslawische Zaubervogel Sirin ist noch ein schönes Beispiel von „post-antiker” Beeinflussung durch die griechische Kultur, da es in der griechischen Mythologie die Sirenen gab, schöne, aber todbringende Meeresnymphen mit Vogelkörper und Mädchenantlitz: https://de.wikipedia.org/wiki/Sirin


    Im Übrigen kann ich mir vorstellen, dass die Skandinavier im Ostseeraum und auch in Kiew ob ihrer Götterwelt eine ähnliche Faszination hervorriefen wie die Griechen der antiken Mittelmeerwelt. Vom baltischen Hauptheiligtum im legendären Romowe habe ich schon gelesen, dass es dem schwedischen Uppsala nachempfunden sein soll und dass Patollo, Perkuno und Potrimpo die baltischen Entsprechungen zu Odin, Thor und Freyr seien. Der slawische Perun soll in Kiew von der Vorstellung Thors, die die Waräger aus Skandinavien mitbrachten, nachhaltig geprägt worden sein.


    Vielleicht gilt dies ja auch für den Tempel von Charenza (Garz oder Ginst) auf Rügen, wo Rugievit, Porenut und Porevit verehrt wurden, zumal für diese Götter auch die Namen Rinvit, Turupid und Puruvit überliefert sind. Rugievit/Rinvit und Porevit/Puruvit sagen erst Mal nichts, die Namen Rugievit/Rinvit werden als „Herr der Rügier/Ranen” gedeutet. Er wurde von den Chronisten jedenfalls mit Mars verglichen, dem Kriegsgott. Porevit/Puruvit soll ein Gott des Waldes und der Geburt gewesen sein (Fruchtbarkeit). Porenut wird als Hafengott gedeutet, wegen des mittelalterlichen Hafens Pore auf Rügen. Aber auch als „Sohn des Peruns”, des Wettergottes. Sein Alternativname Turupid könnte von Thor hergeleitet sein. So träfen wir hier auf Rügen vielleicht auch die rügenslawische Entsprechung der Uppsalaer Trias Odin (=Rugievit/Rinvit, der Kriegsgott und Herr der Insel); Thor (=Porenut/Turupid, der Wettergott, der über die Reisen und den Handel wacht) und Freyr (=Porevit/Puruvit, der Vegetationsgott der die Geburten regelt).

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Im Übrigen kann ich mir vorstellen, dass die Skandinavier im Ostseeraum und auch in Kiew ob ihrer Götterwelt eine ähnliche Faszination hervorriefen wie die Griechen der antiken Mittelmeerwelt.

    Alle Völkerschaften im antiken Mittelmeerraum wie auch im frühmittelalterlichen Ostseeraum hatten natürlich ihre eigenen Götter, Geister, Riten und Bräuche. Aber nicht alle hatten unbedingt so schillernde Dichtungen über das Leben ihrer Götter. So meinte ich das mehr.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Heil dir, Iwan!

    Überall und zu jederzeit, wo Menschen des Abends am Feuer sitzen, werden wohl auch Mythen und Legenden die Runde machen- und weiter gesponnen! Gerade was die Götter angeht, die man ja gerne vermenschlicht, um sich besser mit ihnen identifizieren zu können!

    Was heute noch davon bekannt ist, ist natürlich eine andere Sache.

  • Ob ich nun klug handle, sei dahingestellt, aber sei's drum.

    Auch wenn es ein Kult ist, muss der Glaube daran vorhanden sein. Ohne den Glauben daran das der Zirkus dem man um irgendeinen Kult macht etwas bewirken könnte, kann man es ja gleich ganz sein lassen. Denn ohne den Glauben an die Existenz an einen oder mehrere Götter, für die man irgendeinen Kult macht, ist mir Ehrerbietung in erster bis vierter Instanz völlig wurscht.

    Das ist natürlich wahr. Ohne einen Glauben daran, dass es Götter gebe, deren Wohlwollen man durch Gebete und Opfergaben erlangen konnte, wären wohl niemals Götterkulte entstanden (die ja auch mit Aufwand und Kosten verbunden waren).


    Aufgrund dessen, was ich mir zusammengelesen habe ûber das (vorwiegend mediterrane) Heidentum, schien es allerdings für die Heiden nicht notwendig, ihren Glauben zu bekennen oder zu beweisen. Ob man den Göttern opferte weil man an sie glaubte oder einfach weil es Tradition war, war jeder Person selbst überlassen, Hauptsache, man nahm eben Teil an die öffentlichen Opferrituale. Das ist eben der Unterschied zum Christentum beispielsweise.


    Es ging hier aber natürlich um die Götterkulte verschiedener Völker. Es lässt sich natürlich nicht zu 100% beweisen, aber die ziemlich friedliche Koexistenz verschiedener Götterkulte in der Antike, vor allem in der Zeit des hellenistischen und römischen Reiches (beides Vielvölkerstaaten), lässt darauf schließen, dass den heidnischen Kulten, obgleich sie verschiedenen Kulturen angehörten, verschiedenen Göttern geweiht waren und auch verschiedene Rituale hatten, am Ende doch dasselbe Grundprinzip teilten: die Verehrung einer Gottheit zur Erlangung deren Wohlwollens. Einem germanischen Legionär im römischen Heer werden in den Städten Galliens und des Mittelmeerraums Kultformen begegnet sein, die er so in der Gestaltung wohl von zu Hause aus nicht kannte, ihm wird aber sicherlich das Grundprinzip „Ich gebe, aufdass Du gebest” (Do ut des) nicht vollkommen fremd gewesen sein. Es taucht ja sogar noch im deutschen Volksglauben vieler Jahrhunderte später wieder auf:


    "Wenn kleine Kinder kränkeln, dann müssen die Eltern Wolle und Brot in einen Wacholderbusch einer anderen Feldlfur bringen und dabei sprechen:

    Ihr Hollen und Hollinen

    Hier bringe ich Euch etwas zu spinnen,

    Und etwas zu essen

    Und meines Kindes vergessen.” (HDA, 1987, Bd. 9, unter „Wacholder”)


    Guten Morgen, Fliederstrauch [=Holunderstrauch], Du viel Gute,

    ich bringe Dir Bier und Brot,

    Du sollst mir helfen aus aller Not,

    und so Du mir helfen wirst,

    werde ich morgen auch wieder bei Dir sein.”

    https://books.google.be/booksi…%20viel%20gute%22&f=false


    Vergleichbare Gebete sind gut dokumentiert für die alten Römer: http://www.novaroma.org/religi…rites_and_rituals.html.de.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • In heutiger Zeit im Neuheidentum Jupiter und Perun als eine Gottheit zu betrachten kann man jetzt machen, fände es aber sehr schade wenn Templvm diese Richtung einschlägt. Vielleicht packt man dann noch Donar und Zeus mit in den Tempel, dann ist man auf der sicheren Seite.

    Die Gleichsetzung eigener Götter mit denen anderer Völker ist kein neuheidnischer "Frevel", sondern existierte auch schon in heidnischer Zeit. Das muss man nicht mögen, das muss man auch nicht unterschreiben, man sollte es aber auch nicht verbieten wollen oder so tun, als handle es sich um eine Verfälschung, denn von einer Vermischung von Glaubensrichtungen kann hier nicht die Rede sein, da bei allen kulturellen und kultischen Unterschieden der Glaube der heidnischen Völker immer derselbe war: durch Verehrung der Götter deren Wohlwollen zu erlangen.


    Im Poltawaer Tempel werden Jupiter und Perun nicht als separate Gottheiten verehrt, sondern als eine. Vom Kult des einheimischen Slawengottes ist außer Name und Feiertag (Ende Juli) nichts weiter bekannt, die alten Rituale sind verloren. Dann kann man entweder neue für Perun erschaffen oder man übernimmt die besser dokumentierten Kultformen verwandter Völker, wie eben der Römer. Kann man mögen, muss man nicht. Der Poltawaer Tempelpriester ist ein Anhänger der Religio Romana, selbst aber slawischer Herkunft und ehrt seine slawischen Ahnen eben dadurch, dass er auch als Anhänger der römischen Kultformen seine nicht-italische Herkunft nicht verleugnet und den Donnergott der Römer eben mit dem Donnergott der Slawen gleichsetzt. Ich vermisse diese Flexibilität teilweise bei anderen Cultores oder Hellenisten. Ich finde das Schade, dass so etwas als "Verfälschung" dargestellt wird... Waren Mars Lenus aus Trier und Hercules Magusanus aus dem Land der Batawier denn falsche Götter?