Von den Germanen genutzte Begräbnisformen

Schon gewusst…?

Asatrú oder Forn Siðr ist eine polytheistische Religion. Die Hauptgottheiten der Ásatrúarmenn gehören für gewöhnlich zu den beiden Geschlechtern der Asen und Wanen. Entsprechend der germanischen Mythologie werden jedoch am Ende des sogenannten Wanenkrieges alle uns namentlich bekannten Wanengötter in die Reihen der Asen aufgenommen. So ist der Glaube an die Wanen, die Vanatrú, als integraler Bestandteil der Ásatrú zu sehen und nicht als separater Glaube zu verstehen.

  • Domarring


    Domar-, Dommer- oder Richterringe sind Steinkreisgräber die in Norwegen und Südschweden vorkommen. Sie bestehen meist aus 5, 7, 9 oder 12 Findlingen, können aber auch aus über 30 Steinen bestehen. Der größte Domarring hat einen Durchmesser von 33 Metern.
    Sie enthielten häufig ein oder mehrere Brandgräber und wurden von ca. 500 v.Chr. bis 1100 n.Chr. genutzt.



    https://de.wikipedia.org/wiki/Domarring



    Baumsarg


    Ein Baumsarg wurde aus einem einzigen Baumstamm gearbeitet, indem man diesen halbierte und von innen aushölte. Der Tote wurde dann mit entsprechenden Grabbeigaben hineingelegt und z.B. in einem Hügelgrab, Röse, etc. beigesetzt.
    Baumsärge gab es bereits zur Bronzezeit und ihr gebrauch setzte sich bis ins Mittelalter fort.



    https://de.wikipedia.org/wiki/Baumsarg

  • Quellenlage zu germanischen Begräbnisriten nach Walter Baetke:


    Zitat von Tacitus Germania 27.

    Es gibt kein Prunken mit Leichenbegräbnissen. Nur darauf achtet man, daß die Leichen berühmter Männer im Feuer gewisser Holzarten verbrannt werden. Den Scheiterhaufen beladen sie nicht mit einer Menge von Decken und Wohlgerüchen: jedem werden seine Waffe beigegeben, bei manchem ein Pferd mit verbrannt. Ein Rasenhügel erhebt sich über dem Grab.

    Wenn ein Heruler gestorben war, mußte seine Gattin, wenn sie etwas auf Tugend Anspruch machte und einen guten Namen hinterlassen wollte, sich am Grabhügel ihres Gemahls bald nach seinem Begräbnis erdrosseln. Wenn sie es nicht tat, so erwartete sie das Schicksal, für die übrige Zeit ihres Lebens ehrlos zu sein und von den Gesippen ihres Gatten verachtet zu werden.

    Wenn sie (die Heruler) nämlich alt oder Krank werden, dürfen sie nicht mehr leben, sondern sobald jemand altersschwach oder krank wird, muß er seine Verwandten bitten, daß sie ihn sobald wie möglich vom Leben zum Tode bringen. Dann türmen die einen Scheiterhaufen auf, auf dem der Betreffende Platz nimmt, und schicken einen Heruler mit einem Dolch zu ihm; derselbe darf aber nicht mit ihm verwandt sein, denn ein Verwandter darf den Todesstreich nicht führen. Ist die Tat vollführt und der Täter herabgestiegen, zünden sie den Scheiterhaufen an allen vier Enden an; ist die Flamme erloschen, werden die Knochen gesammelt und dem Schoß der Erde übergeben.

    Zitat von Ynglingasaga 8.

    So bestimmte er (Odin), daß alle Toten verbrannt würden, und daß all ihre bewegliche Habe mit auf den Scheiterhaufen gelegt werden sollte. Denn er sagte, jeder solle mit so reichem Besitz nach Walhall kommen, als auf seinem Scheiterhaufen bei ihm gewesen sei. Dort sollte er auch die Schätze besitzen, die er in der Erde vergraben hätte. Die Asche aber sollte man in die See streuen oder in die Erde vergraben.

  • Zitat von Heimskringla

    Bald drauf starb König Hakon auf demselben Felsstein, auf dem er geboren war... Seine Freunde brachten seinen Leichnam nach Seim in Nord-Hardanger. Sie errichteten dort einen großen Hügel und legten dort den König hinein in voller Waffenrüstung und in seiner besten Kleidung, doch ohne anderes Gut. Sie sprachen solche Sprüche über seinem Grabe, wie es der Brauch bei heidnischen Männern war, und verwiesen ihn nach Walhall. Eyvind, der Skaldenverderber, dichtete ein Lied über des Königs Hakon Tod und auch darüber, wie er in (Walhall) bewillkommt wurde.

    Zitat von Ynglingasaga 8.

    Über vornehmen Männern aber sollte ein Grabhügel errichtet werden zu ihrem Gedächtnis. Aber zur Erinnerung an besonders mannhafte Männer sollte man Bautasteine errichten. Und dieser Brauch hielt sich noch lange nachher.

    Zitat von Saga von Egil und Asmund Kap. 7

    Eines Tages starb Aran plötzlich, als er in seine Halle ging. Da wurde seine Leiche nach ihrer sitte bestattet.
    Asmuns ließ einen Hügel für ihn Aufwerfen und gab ihm sein Roß mit Sattel und Zaumzeug mit ins Grab, sein Banner und die ganze Rüstung, Hund und Habicht. Aran saß auf einem Stuhl in voller Kriegsrüstung.

    Zitat von Sagabruchstücke Kap. 9

    König Hring ließ da die Leiche König Haralds, seines Gesippen, nehmen ... und ließ sie in den Wagen legen, den König Harald zum Kampfe benutzt hatte. Und danach ließ er einen großen Hügel aufwerfen und ließ dann seine Leiche in dem Wagen, auf dem Pferde, das König Harald zum Kampf benutzt hatte, in den Hügel hineinfahren. Und darauf wurde das Pferd getötet. Und dann ließ König Hring den Sattel nehmen, in dem er selbst geritten hatte, und gab ihn König Harald, seinem Gesippen, und bat ihn zu tun, wie er wolle: nach Walhall zu reiten oder zu fahren.

    Zitat von Egilssaga 58.

    Egil ließ ganz vorn auf der Landspitze einen Grabhügel aufführen. In deisem ward Skallagrim beigesetzt mit waffen, Roß und Schmiedewerkzeugen, die er besaß. Davon verlautet nichts, daß man Schätze in dem Hügel neben ihm niedergelegt habe.

    Zitat von Gislisaga 12.

    Danach rusteten sie sich zur Beisetzung und legten Thorgrim in ein Schiff. Nun warfen sie nach heidnischer Sitte den Hügel darüber auf.

    Zitat von Vatnsdoelasaga 23.

    Ingmund wurde in das Boot von dem Schiffe Stigangi gelegt und prächtig bestattet, wie es damals bei vornehmen Männern Sitte war.

    Zitat von Landnámabók 125.

    Geirmund starb in Geirmundstadir und ist dort in einem Schiff in einem Hügel vom Hof aus seewärts beigesetzt.

  • Zitat von Ynglingatal

    Es liegt der kampfkühne Heerkönig (Olaf Geirstada-Alf) in Geirstad im Hügel begraben.

    Zitat von Scholiast zu Adam von Bremen 144.

    Von den Bestattungen der Heiden ist, obwohl sie nicht an die Auferstehung des Fleisches glauben, dennoch dies denkwürdig, daß sie nach Art der alten Römer ihre Einäscherungen und Totenfeiern mit höchster Andacht begehen. Übrigens legen sie einem Menschen sein Geld, seine Waffen und was er sonst im Leben besonders lieb hatte, mit ins Grab.

    Zitat von Egilssaga 22.

    Sie verantalteten eine Totenfeier für Thorolf, wie es damals Sitte war, die Leiche eines vornehmen Mannes zu bestatten, und setzten auch seinem Andenken Bautasteine (Erinnerungssteine).

    Zitat von Gislisaga 14.

    Und als sie nun die Leichenfeier zugerüstet hatten, wie es Sitte war, ging Thorgrim zu Gisli und sprach: "Es ist Brauch", sagte er, "den Toten die totenschuhe zu binden, wenn sie nach Walhall gehen sollen und ich will es bei Vestein tun."
    Als er es getan hatte, da sprach er: "Ich will mich nicht darauf verstehen, Totenschuhe zu binden, wenn diese sich lösen."

    Zitat von Eyrbyggjasaga 54.

    Als man aber die Nachricht zu Frodisach vernahm, luden Kjartan und thurid ihre Nachbarn dorthin zum Erbmahl. Sie nahmen ihr Julbier und verwandten es für die Totenfeier.

    Zitat von Eyrbyggjasaga 33.

    Als sie ankamen, überzeugte sich Arnkel, daß sein Vater tot auf dem Hochsitz saß. Allen Leuten aber war unheimlich zumute, denn Thorolf sah scheußlich aus im Gesciht. Arnkel ging nun hinein in das Gemach un weiter die Zwischenwand entlang hinter thorolf. Er hieß alle sich in acht nehmen, daß sie jenem nicht vorn gegenüberträten, ehe er die Totenhilfe gewährt hätte.



    Nun faßte Arnkel den Thorolf an den Schultern, aber er merkte wohl, daß er alle seine Kraft zusammennehmen mußte, ehe er ihn hinunterbringen konnte. Darauf wand er Thorolf ein Tuch um deinHaupt und verfuhr mit ihm nach alter Sitte. Dann ließ er die Wand hinter ihm duchbrechen und ihn durch die Öffnung hinausbringen. Es wurden nun Ochsen vor einen Schlitten gespannt, und Thorolf wurde auf diesen gelegt. Sie zogen ihn aufwärts ins Thosatal. Nur mit großer Mühe konnte man ihn an die Stelle schaffen, wo er ruhen sollte. Darauf schichtete man reichlich Erde über ihn...

    Zitat von Saga von Erik dem Roten 5.

    Es war Brauch gewesen auf Grönland, seit das Christentum dorthin gekommen war, die Leute auf dem Hof, wo sie starben, in ungeweihter Erde zu bestatten. Man stellte ihnen einen Pfahl auf die Brust und zog diesen heraus, wenn der Priester dazu kam. Man goß dann Weihwasser darauf und sang Gebete über den Leichen, aber sehr verspätet. Man brachte nun die Toten in die Kirche beim Erichsfjord, und die Priester sangen gebete über ihnen.

    - aus "Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen" von Walter Baetke; B. II. 14. "Begräbnis", S. 96-101.

  • Grabkisten


    Bei Grabkisten handelt es sich um mehrere schwere, gespaltene Steinplatten, die Kistenförmig in den Boden eingelassen sind und mit einer oder mehreren Deckplatten verschlossen wurden. Bronzezeitliche Grabkisten finden sich auch innerhalb der damaligen Grabhügel. Meist wurden sie für Einzelbestattungen benutzt, in größeren Exemplaren fanden aber auch bis zu 10 Leichnahme Platz.

    In Dänemark traten sie häufig in der Stein- bis Bronzezeit auf, in Norwegen vom 2.-5. Jahrhundert und in Schweden vom 6. bis ins 12. Jahrhundert.

    Einige Grabkisten weisen zudem vor allem an Kopfsteinen und Deckplatte, aber auch an den Seitensteinen reiche Verziehrungen im germanischen Tierstil und/oder Runeninschriften auf (ähnlich einiger angelsächsischer "Hogbacks").


    Eskilstunakista.JPG


    https://de.wikipedia.org/wiki/Grabkisten_in_Nordeuropa

  • Bannung der Toten durch Steine


    In zwei Gräbern auf Seeland, Dänemark, fand man Frauen, die mit vergleichsweise wertvollen Grabbeigaben beigesetzt wurden. Darüber hinaus wurden auf beiden Frauenleichen Findlinge platziert. Archäologen sehen darin in Verbindung zu den Schriftzeugnissen der Steinigung von schändlichen und Hexen den Versuch, die Wiederkehr dieser Frauen aus dem Grab zu verhindern.



    Das Grab von Gerdrup


    Ausrichtung N-S, Köpfe Richtung Norden.

    Die ca. 40 jährige Frau trug ein Messer, sowie ein Nadeletui am Gürtel und ihr wurde ein Speer an die Seite gelegt. Mit etwas Abstand lag zu ihrer Rechten zusätzlich eine Männerleiche (35-40 Jahre alt), derren Verletzungen im Genick auf einen Tod durch den Strick hinweisen. Der Mann wurde wohl an den Fußgelenken gefesselt, was damit erklärt wird, dass er nachsätzlich in einem etwas zu kurzen Grab beigesetzt wurde und es sich damit bei ihm um einen Sklaven handeln könnte. Auf seiner Brust lag ein kleineres Messer, was ihm im nachleben dabei hätte helfen sollen, die Fußfessel zu durchtrennen.

    Durch den Speer und den erhängten "Sklaven" gehen einige nun davon aus, dass es sich bei der Dame um eine Seherin mit Bezug zu Odin gehandelt haben könnte. Aus Furcht vor diesem möglicherweise zauberkundigen Weib, legte man ihr drei große Findlinge auf den Körper: einen auf die Brust, einen auf die Schienbeine, der dritte befand sich etwas abseits auf Hüfthöhe zur Linken.

    gerdrup1.jpg


    https://www.smithsonianmag.com…mother-and-son-180976032/


    Grab A505 von Trekroner-Grydehoj


    Ausrichtung auch hier N-S.

    Im Grab befanden sich sich insgesamt drei Leichen:

    Zitat von Leszek Gardela - (Magic) Staffs in the Viking Age

    - Individuum I; 35-40 jährige Frau. Skelett fragmentarisch vorhanden als Teile von Schädel, Hüfte, Beinknochen und Kniescheibe. Bei Fund waren die Knochen disartikuliert. Mit dem Individuum werden keine Grabbeigaben assoziiert.

    - Individuum II; 35-40 jähriger Mann. Skelett voranden in Form von zwei Oberschenkelknochen und der rechten Hälfte der Hüfte. Mit dem Individuum werden keine Grabbeigaben assoziiert.

    - Individuum III; 25-30 jährige Frau, ca. 166cm groß. Skelett gut erhalten, keine anzeichen auf Erkrankungen oder Gebrechen. Allerdings ist zu vermerken, dass sich ihr Schädel nicht anatomisch korrekter Anordnung befand - er stand auf dem foramen magnum mit dem Gesicht in Richtung Westen. Es ist nicht sicher, ob es sich hierbei um die originale Ausrichtung des Schädels im Grab handelt, oder dieser Zustand erst später eintrat. Nichtsdestotrotz erscheint die letztere Annahme wahrscheinlicher, da ihr ein großer Stein auf Schädel und Torso gelegt oder geworfen wurde.

    Die Individuen I und II befanden sich über Individuum III in einer Lage aus Sand und mittelgroßen Steinen. Am tiefstgelegenen Punkt maß das Grab 2,60m x 1,48m und enthielt neben Individuum III noch einen aufrechten Stein sowie Überreste eines halben Hundes zu ihren Füßen. In der Nähe des Hundes fand man Teile eines ausgewachsenen Schafes, Zähne eines Schaf-Fötus und den Unterkiefer eines weiteren Hundes. Teile eines dritten Hundes fanden sich in einer leicht über der Frau erhöhten Lage.

    Die Beigaben bestanden aus drei Messern: eines in/auf einer Truhe, eines bei besagter Truhe und eines auf dem Bauch der Frau;

    einem unidentifizierbaren Eisenstab (als Ritualstab ausgeschlossen);

    Teilen einer Eisenkette, die mit dem ersten Hund zu ihren Füßen in Verbindung gebracht wird;

    eisernen Beschlägen, möglicherweise einer Truhe;

    Eisennägeln mit einem Ring; einem hölzernen Eimer mit Eisengriff und einem bronzenen Gegenstand in Form einer Pfeilspitze, dessen Spitze jedoch aus Eisen bestand.


    Diese bronzene Pfeilspitze deutet man als vorderes Ende eines Ritual- oder Zauberstabes (ähnlich dem Speer aus Gerdrup).

    Über die Frau wurde nachträglich ein ausgewachsenes Pferd gelegt und auf dieses zwei große Findlinge, wovon einer auch für die unnatürliche Position des Kopfes der Frau verantwortlich ist und ihr Gesicht verdecken sollte.

    Aufgrund dieser Prozedur und der vielen Opfertiere geht man auch bei ihr von einer Seherin aus, die man in ihrem Grab festhalten wollte.


    Alle Angaben aus: Leszek Gardela - (Magic) Staffs in the Viking Age; Studia Medievalia Septentrionalia 27

  • Grabsitten der Altsachsen


    Vor der Völkerwanderungszeit finden sich im Gebiet des alten Sachsens vor allem Brandgräberfelder mit Urnenbestand, seltener auch nur Scheiterhaufenreste. Vorhandene Urnen wuren dabei nur knapp unter der Erdoberfläche beigesetzt.

    Leichenbrandreste weisen, selbst wenn man die Verringerung durch das Feuer bedenkt, nur wenige Beigaben auf und Kindergräber konnten biser gar nicht ausgemacht werden.

    Die Größe der Brandgräberfelder ist insofern ungewöhnlich, dass in ihrer Nähe kaum Siedlungen nachweisbar sind. Man erklärt sich diesen Umstand daraus, dass mehrere, teils weit verstreute Höfe diese Felder gemeinschaftlich nutzten und weiterführten.


    Im 5. und 6. Jahrhundert setzten dann vermehrt Körperbestattungen ein, wobei die Urnenbeisetzungen regional sogar vollkommen verschwanden. Die Nähe zu früheren Brandgräberfeldern weist auf eine (zumindest gedacht) weitergeführte Tradierung. Bei den Körpergräbern, die in der Regel eine Süd-Nord-Ausrichtung aufweisen (Kopf im Süden, Füße im Norden; bei den Nordgermanen ist es meist umgekehrt), kommen auch Grabbeigaben häufiger vor, wobei Schmuck- und Alltagsgegenstände auch durch Waffen und Gefäße mit Nahrung ergänzt werden. Aber auch Tiere wie Hunde oder Pferde wurden in Einzelfälllen, ebenfalls in Süd-Nord-Lage, neben ihren (vermutlichen) Herren bestattet.

    Ein besonders Prachtvolles Grab aus dem Grenzgebiet zum Merowingerreich wird in "Die Sachsen des frühen Mittelalters" wie folgt geschildert:

    Zitat von Torsten Capelle

    Als Exponent dieses regionalen und chronologischen Spannungsfeldes kann die im frühen 7. Jahrhundert erfolgte überaus reiche Körperbeisetzung eines etwa fünfzigjährigen großgewachsenen Mannes in Beckum gelten, dessen aktive Zeit noch im ausgehenden 6. Jahrhundert gelegen hat. Etwa 200m von einem unmittelbar voraufgehendem stark fränkisch betonten Gräberfeld bildet diese den Beginn einer neuen kleinen Gräbergruppe. Der in einem Sarg in einer 2,1m breiten, 3,2m langen und 1,5m tiefen Grabgrube Bestattete lag auf seinem Schild (im Kampf gefallen?). eine Lanze und ein fränkischer Wurfspieß (Ango) lagen wegen ihrer Größe auf dem Sarg. Am Körper trug der tote einen Sax und ein prächtiges Ringknaufschwert, dass zu einer kleinen Gruppe von Norditalien bis nach Mittelschweden verbreiteter Prunkschwerter aus sozial herausragenden Gräbern vorwiegend des 6. Jahrhunderts gehört. Weitere bemerkenswerte Beigaben waren ein mit goldenen und silbernen Preßblechen verziertes Holzschälchen, drei goldene Riemenschnallen, eine Bronzeschale, ein gläserner Spitzbecher sowie die goldene barbarische Nachprägung einer Münze Justinians.

    Die Zusammensetzung des Inventars, vor allem der Waffen, zeigt eine führende Persönlichkeit aus der Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert, die mit ähnlicher Ausstattung auch bei den Nordleuten, Angelsachsen, Franken, Thüringern, alemannen und Langobarden vorkommen kann. Als sächsische erweist sich die Bestattung gegenüber der nahen fränkischen Welt insbesondere durch die Orientierung (annähernd Süd-Nord), durch die große Zahl von acht zugeordneten, in holzverschalten Gruben beigesetzten Reitpferde mit Trensen und Zaumzeugen sowie durch geopferte jüngere Hengste ohne Zaumzeug und Geschirr. Diese Grablege dokumentiert in eindrucksvoller Weise eine sächsische Expansion bis zur Lippe.

    Die meisten Gräber lagen in ungefähr einem Meter Tiefe, wiesen gelegentlich Baumsärge auf und waren wahrscheinlich oberirdisch gekennzeichnet, wobei die genaue Form nicht bekannt ist (angesprochen wurden hölzerne oder steinerne Markierungen sowie kleinere Hügel über den einzelnen Gräbern). Für eine solche Kennzeichnung spricht einerseits die gleichmäßige Positionierung der Gräber, zum anderen aber auch, dass einige jüngere Gräber dicht an bestimmten, bereits bestehenden Körpergräbern angelegt wurden (evtl. wegen verwantdschaftlicher Beziehungen?).


    Mit dem Glaubenswechsel änderte sich ab dem 9. Jahrhundert auch die Grabsitte der alten Sachsen. Grabbeigaben nahmen wieder ab, Tierbeisetzungen verschwanden (zumindest von den Friedhöfen) und die von Süd nach Nord ausgerichteten Gräberfelder wichen westostorientierten Reihengräberfeldern. Ein Beispiel für diesen Traditionswechsel bietet das Gräbserfeld von Ketzendorf bei Buxtehude (8. bis 10. Jahrhundert).