Schon gewusst…?

Die politische Organisation der Wikinger gleicht am ehesten einem demokratischen System.
In Island tagte vor über 1000 Jahren zudem das „Thingvellir“, das als eines der ältesten Parlamente der Welt gilt.

  • Welche Bedeutung haben Heil und Un-Heil für uns heute, wie verstehen wir diese Begriffe? Hier der interessante Beitrag, der die Frage auslöste:


  • Welche Bedeutung haben Heil und Un-Heil für uns heute, wie verstehen wir diese Begriffe?

    Heil bezieht sich für mich auf einen Gesamtzustand: Körper, Geist, Seele, Einklang mit den Göttern/der Familie ("Sippe")- das Gesamtpaket ... :be_cool:



    Also eine Art "Ganzsein"... Daher ja auch der sprachverwandte englische Begriff "whole" (ganz)... :thumbup:



    Das sind meiner Meinung nach die wesentlichen Pfeiler, auf denen das persönliche Heil ruht... Wenn eins davon wankt, kann sich das auf die anderen Bereiche auch auswirken...und es kommt in der Folge zu Un-Heil...



    Jeder kennt das: Ist man physisch krank, leidet auch die Psyche drunter, krankt der Geist, hat das auch oft körperliche Auswirkungen... Das Gesamtwohlbefinden ist auf alle Fälle aus dem Gleichgewicht...



    Daher wünscht(e) man sich auch in den alten (-vor den 1930ern :facepalm: ) Grußformen "Heil", also Wohlsein, Ganzsein, Glück in allen Lebensbereichen... :handshake: :sun:



    Zum Un-Heil: Wenn einer der Pfeiler, auf dem das persönliche Heil ruht, wackelt, bin ich bemüht, mein Heil wieder herzustellen, indem ich...


    1) Die Götter um Kraft/Segen bitte


    2) Die Ärmel hochkrempel & mich dann eben ans Werk mache, besagten Pfeiler wieder aufzurichten...(-keine schweinischen Gedanken ;) !) und...

    3) Wenn nötig Family & Friends (-"Sippenheil") um Rat/Hilfe/Unterstützung bitte...



    Denn wenn einer dieser Bereiche komplett ins Negative gerät, dann hat das auf die anderen Säulen einen Dominoeffekt & kann einen so ins Un-heil stürzen, dass man da ganz schwer wieder rauskommt...



    In diesem Sinne... wünsche ich euch allen "Heil! :prost: "

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

    4 Mal editiert, zuletzt von HANGATYR ()

  • Ich nehme aus dem Jagdthread meine Antwort auf Nemos Einlassung auch mal hier herüber. Ich denke, zwischen diesen Positionen spannt sich das Thema auf.


    Meines Erachtens ist es damit so bestellt:
    Wir sind von der Natur als rudelbildendes Säugetier ins Leben gewollt.
    Nicht als Herdentier, dem es relativ schnuppe ist, wenn der Löwe den Herdengenossen reißt. Sondern als Rudeltier, also zusammenarbeitend, arbeitsteilend, wie die Wölfe.


    Wenn ich die Natur, und damit die Götter, als allerletztes Normativ anerkenne, dann unterwerfe ich mich dieser Ordnung. Dann ist der Rudelgenosse meine Mission. Dann brauche ich, um "ganz", "vollständig" zu sein den Schulterschluß, den Frieden, das gemeinsame Wohlergehen.
    Schon der (heidnische) Philisoph Aristoteles hat es in der Antike in das Wort gefasst, der Mensch ein ein "Zoon Politikon", ein staatenbildendes Tier. (Erweiterte Bedeutung von "Polis" als Staatsgemeinschaft beachten).


    Wenn ich diesen Gedanken weiter verfolge und in unserer Natur die Landkarte für ein ethisches und auch ein glückliches Leben sehe, dann ist für das "Heilsein", das Glücklichsein, das sich-vollständig-Fühlen nötig, in einer Gemeinschaft voller Frieden und Wohlergehen zu leben.
    Das, wiederum, deckt sich mit meiner emotionalen Wirklichkeit: Einfach beieinander sein, Freiheit genießen und geben. Das macht glücklich. Streit, Intriege, Missgunst...das macht mich krank, bringt Unheil, macht Heilung nötig. Oder Verteidigung. Oder beides.


    Soweit die Beobachtung der Natur aus meiner Sicht.
    Ich komme darauf zurück: Die Natur, die Götter sind das letzte Normativ. Die Instanz, hinter der ich nicht mehr frage "warum".
    Das ist meine Glaubensentscheidung. Das ist das, was ich für Wert erachte.
    Folge ich diesem Entschluß, kann es mir nicht "egal" sein, ob mein Handeln mit dieser Ordnung der Natur in Einklang steht. Dann decken sich aber auch meine Werte mit der Ordnung der Natur. Dann wird für mich nur noch eines Ehrlos sein: Wider besseres Wissen etwas zu tun, was diese Ordnung durcheinander bringt. Was Chaos bringt. Was eisriesenhaft ist.


    Eine Schwierigkeit besteht jetzt noch: In jeder Situation, in der von mir eine Handlung oder Nicht-Handlung nötig ist, in der ich entscheiden muß, bin ich auf mich gestellt. Ich kann mich nicht wie die Buchreligiösen auf eine Liste von Taten zurückziehen die "verboten" sind und alles andere tun. Ich bin ver-ANTWORT-lich. Ich muß als Heide die Antworten auf all die Fragen des Lebens selbst geben und finden.


    @Nemo schrieb: Ich denke, das, was die Ehre und das Heil einer Person beschädigt, ist, wenn sie ihrem Herzen keine Rechenschaft mehr ablegen kann. Wenn sie sich vor sich selbst verstecken muss, weil sie entgegen ihrer Werte handelt.


    Wenn meine Antworten und Entscheidungen auf dieser beschriebenen Ordnung basieren, dann stimmen diese Sätze von Nemo auch für mich. Dann, aber, fällt "In meinem Herzen Rechenschaft ablegen können" und "der natürlichen Ordnung, den Göttern entsprechend" zusammen in eins. Dann ist das kein Gegensatz mehr. Denn: Ich kann begründen, warum ich in meiner Handlungsentscheidung eine Verwirklichung der Naturordnung sehe.


    In dieser Sache bin ich nur noch bedroht von Irrtum. Vom Fehlermachen. Auch das gehört zu unserem Erbteil.
    Aber glücklicherweise hat uns die Natur ja das Zusammenwirken mit Artgenossen gegeben. Im Gespräch, im Aufeinanderaufpassen, im Feiern der heiligen Feste finde ich Hilfe, die Fehlerquote klein zu halten.
    Daraus resultiert auch der aus meiner Sicht richtige Umgang mit Fehlern: Fehler zu zeigen, daß andere nicht auch darauf hereinfallen. Kulturgeschichtlich nennt man das "tradieren von Wissen". Auch das ist Heil, Ehre. Denn auch ein gut weitergegebener Fehler mehrt das Wohlergehen der Gemeinschaft.


    Kann man aus diesen wirren Gedanken eine einfache Regel aufbauen, die man den Kindern weitergeben kann?
    Ja:
    "Es gibt Taten, die sind für die Gemeinschaft gut, mehren das Wohlergehen. Das sind ehrenvolle Taten!
    Es gibt Taten, die sind für die Gemeinschaft schlecht, die bringen Leid und Zwietracht. Das sind entehrende Taten!
    Es gibt Taten, die berühren die Gemeinschaft nicht. Solche Taten sind einfach Deine eigene Sache, da sollen sich andere raushalten!"


    Wie ich jetzt die Spitzfindigen umgehe, die mithilfe akademischer Wortklauberei argumentieren, daß ja sogar jeder Atemzug "irgendwie auch die anderen betrifft", das habe ich noch nicht raus. Im persönlichen Gespräch reicht da meist ein müdes Lächeln und "Man kan es auch übertreiben!".
    Ich glaube, diese Grenze ist wiederum eine (fehlerbedrohte) Einzelfallentscheidung in der Verantwortung des einzelnen.
    Konflikte entstehen an unterschiedlichen Beurteilungen. Damit müssen wir leben. Das müssen wir aushalten. Die Konflikte zu lösen ist dann wieder eine Heilstat.




    Lg
    Hrodgar

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

    Einmal editiert, zuletzt von Hrodgar () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Heil bezieht sich für mich auf einen Gesamtzustand: Körper, Geist, Seele, Einklang mit den Göttern/der Familie ("Sippe")- das Gesamtpaket ...

    Schade, daß man nur ein "Gefällt mir" setzen kann! Dieser ganze Beitrag hätte ein Dutzend von mir bekommen.
    :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost: :goodpost:

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  • Der Form halber:


    Die Posts von @HANGATYR und @Hrodgar zusammen spiegeln meine Antwort sehr gut wieder, nur wesentlich fundierter und besser formuliert, als ich das gekonnt hätte.

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Heil ist eigentlich eine Verbindung der Konzepte von Ehre und Glück. Es äußert sich zwar in großen Taten und verschafft Ansehen, was dann nicht selten das Heil wiederum mehrt, sein Vorhandensein ist aber eher etwas magisches.
    So wird es auch als heilvoll angesehen, wenn man Glück mit dem Wetter hat (bspw bei einer Überfahrt) oder beim Fischen etc. Andererseits ist das Heil verloren, wenn man bspw Missernten einbringt. Das sind alles Bereiche auf die das menschliche Handeln nur bedingt Einfluss hat. Deshalb wird auch für Heil geopfert und Heil gewünscht.
    Davon abgesehen kann das Heil (oder Unheil!) auch von einer Person zur anderen übergehen. Das sehen wir bspw in Familien und auch bei den Königen und Heerführern.


    Das Heil nur auf das eigene Handeln zu beschränken greift mir da zu kurz. Wenn man unbedingt will, könnte man das Konzept eher mit dem des Manas als mit dem des Karmas vergleichen.

  • Das Heil nur auf das eigene Handeln zu beschränken greift mir da zu kurz.

    Ja, das verstehe ich.
    Die dem Thread zugrundeliegende Fragestellung war aber gewesen, inwieweit das eigene Handeln auf das Heil Einfluß nimmt. So hatten wir das aus dem "Jagdthread" ausgekoppelt. Es geht also primär um das Handeln. Leider kommt das im Titel nicht rüber.


    Den vor Dir ergänzten Aspekt nehme ich jer gerade zum Anlass für Bittopfer. Es sagt aus: "Der Teil den Heils, für den ich mit meinem Handeln verantwortlich und damit auch zuständig bin, will ich leisten. Ich bitte die Götter um den anderen, den vom mir nicht durch Handeln erzielbaren Teil."



    Wenn man unbedingt will, könnte man das Konzept eher mit dem des Manas als mit dem des Karmas vergleichen.

    Wenn man unbedingt will, kann man es mit dem jüdischen Shalom vergleichen: Wenn ich meinen Bund mit den Göttern / mit dem "Fultrui" Jahweh verletze, verletze ich meinen Shalom. Dann brauche ich mich nicht wundern, wenn ich "pech" im Leben habe, wenn "Unheil" über mich hereinbricht.




    LG Hrodgar

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    Einmal editiert, zuletzt von Hrodgar () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Die dem Thread zugrundeliegende Fragestellung war aber gewesen, inwieweit das eigene Handeln auf das Heil Einfluß nimmt. So hatten wir das aus dem "Jagdthread" ausgekoppelt. Es geht also primär um das Handeln. Leider kommt das im Titel nicht rüber.

    Genau diese Spannung hat das Thema für mich interessant gemacht. Denn ich selbst neige sehr stark der Sicht zu, dass Heil in einem Schicksal verankert ist, dem man sich nur bedingt entgegenstellen kann (wenn es Un-Heil ist) oder dem man nur in Grenzen nachhelfen kann (wenn es Heil ist).


    Trotzdem -eigentlich im Widerspruch zu meinem tiefen Glauben- würde ich wie Nemo notfalls auch Göttern widerstehen, wenn etwas in mir einer Sache einfach nicht folgen kann.


    Für mich ist das keine geradlinige Sache, sondern ein Knäuel oder Knoten aus unterschiedlichen Teilansichten.

  • Denn ich selbst neige sehr stark der Sicht zu, dass Heil in einem Schicksal verankert ist, dem man sich nur bedingt entgegenstellen kann (wenn es Un-Heil ist) oder dem man nur in Grenzen nachhelfen kann (wenn es Heil ist).


    Das ist auch die Sicht die in den Quellen vermittelt wird. Bei Neuheiden sehe ich ganz stark die Tendenz, dass die Rolle des Schicksal heruntergespielt wird. Das entspricht unserem Zeitgeist, weil uns von klein auf erzählt wird, dass wir alles schaffen können, wenn wir nur wollen.


    Die Menschen damals lebten aber in dem Bewusstsein, dass du jederzeit durch eine schlechte Ernte, eine Krankheit, einen Sturm oder einen Überfall aus dem Leben gerissen werden kannst, ohne etwas dafür zu können.
    Diese Gefahren sind hierzulande minimiert, weshalb die Kraft des Individuums stärker in den Mittelpunkt rückt.
    Böse Zungen würden vielleicht sagen, dass sie überschätzt wird. ^^


    Und damit versuche ich die Ausgangsfrage



    Welche Bedeutung haben Heil und Un-Heil für uns heute, wie verstehen wir diese Begriffe?


    zu beantworten @Hrodgar

  • Heil ist eigentlich eine Verbindung der Konzepte von Ehre und Glück.

    Zu dem Aspekt "Glück" möchte ich gerne noch etwas sagen.


    Glück hat immer zwei Seiten: Das Geschehen, dass wir, wie Ulfberth richtig sagt, nicht beeinflussen und unseren Umgang damit. Regen ist für den einen Glück und für den anderen Pech. Der Aufbau einer perfekten Kurve im Börsenhandel mit sämtlichen Indikatoren passend in eine Richtung ist sehr viel Glück... bringt aber nichts, wenn man die Indikatoren gar nicht gelernt hat. Und schließlich bringt der beste Wind nichts, wenn man entweder so im Stress ist, dass man sofort los muss und nicht auf den Wind warten kann oder, was manchen Leuten ständig passiert, sie schlecht vorbereitet sind und dadurch bei tollstem Wind nicht loskommen, weil dann noch schnell XY gemacht werden muss.


    Bei vielen Menschen, die man umgangssprachlich als "Scheißemagneten" bezeichnet, findet man mit etwas Suche mangelnde Vorbereitung als Ursache in vielen Situationen. Andererseits sind Menschen, die erstaunlich leicht durchs Leben kommen (also nicht die Typen, denen alles egal ist), oft gut vorbereitet, belesen und wissen einfach viel besser mit Situationen umzugehen. Die gezielte Selbstabhärtung durch das regelmäßige Verlassen der Komfortzone zahlt sich in solchen Moment hundertfach aus.


    Eine Bekannte hat zum Beispiel aktuell einen Wasserschaden und für sie geht die Welt unter. Andere Bekannte hatten das vor ein paar Jahren und die haben sich tatsächlich gefreut und die "gespendete" Sanierung und die paar Tage Urlaub im Hotel als Geschenk genommen.


    Erkläre doch mal bitte jemand Derek Weida, dass der Verlust eines Beines eine Tragödie ist... irgendwie hat der das noch nicht so richtig verstanden.




    "Glück" oder "Pech" sind natürlich zum Teil nicht beeinflussbar aber deswegen die Verantwortung dafür abgeben, ist nach meiner Einstellung nicht in Ordnung. Am Ende zählt doch eigentlich nur unser Umgang damit.


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  • Wie gesagt, unsere Welt und die damalige Welt. Der Verlust eines Beins hätte damals mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Tod bedeutet, ein überfluteter Keller möglicherweise den Verlust der Wintervorräte, die dir niemand mit einem schönen Hotelaufenthalt ersetzt hätte ^^



    Klar, das Schicksal ist endgültig, gerade deshalb muss es ertragen werden so gut es geht. Das ist die Botschaft der meisten Sagas, aber bei den heutigen "großen Kriegern" bin ich mir nicht immer sicher, ob sie die volle Tragik dahinter verstehen...

  • Das ist auch die Sicht die in den Quellen vermittelt wird. Bei Neuheiden sehe ich ganz stark die Tendenz, dass die Rolle des Schicksal heruntergespielt wird. Das entspricht unserem Zeitgeist, weil uns von klein auf erzählt wird, dass wir alles schaffen können, wenn wir nur wollen.

    Die Beobachtung teile ich. Ich sehe auch denselben Grund dahinter.

    Die Menschen damals lebten aber in dem Bewusstsein, dass du jederzeit durch eine schlechte Ernte, eine Krankheit, einen Sturm oder einen Überfall aus dem Leben gerissen werden kannst, ohne etwas dafür zu können.

    Ich möchte ergänzen: Heute leben auch viele Menschen in diesem Bewußtsein. Ich zum Beispiel.

    Diese Gefahren sind hierzulande minimiert, weshalb die Kraft des Individuums stärker in den Mittelpunkt rückt.
    Böse Zungen würden vielleicht sagen, dass sie überschätzt wird.

    Das, wiederum, halte ich für eine Masche der Industrie und der Mächtigen: Der sogenannte "Individualismus" ist m.E. eine ideologische Überhöhung der Individualität. Aber nicht, um jedem zu vermitteln, er kann alles schaffen, wenn er sich nur anstrengt. Sondern vielmehr um ihn durch die Hintertüre in der Gefühl der Einsamkeit und der Solidaritätslosigkeit zu schürzen und ihm dann "Sicherheit" zu verkaufen in form von Produkten, die ihm wieder "Anerkennung" sichern oder in Form von Regierungshandeln.
    Aber ja, der "Chacka, Du schaffst das Hype" ist unangemessen.

    Andererseits sind Menschen, die erstaunlich leicht durchs Leben kommen (also nicht die Typen, denen alles egal ist), oft gut vorbereitet, belesen und wissen einfach viel besser mit Situationen umzugehen. Die gezielte Selbstabhärtung durch das regelmäßige Verlassen der Komfortzone zahlt sich in solchen Moment hundertfach aus.

    Ja. So lebe ich.


    Ich denke, daß das Schicksal einfach das ist, was uns "geschickt" wird, was wir als "Material unseres Lebens" vorfinden. Das ist so, wie es ist. Was wir daraus machen ist eine andere Frage.
    Ich habe Menschen erlebt, die meinten an einer Nagelbettentzündung so sehr zu leiden, daß sie Siuzid in Betracht gezogen haben.
    Ich habe vor 4 Jahren im Garten einen offenen Unterschenkelbruch erlitten. Aus Doofheit. Ich erinnere mich immernoch gerne an den Tag. Das war sooooo kurzweilig. Und wie viele liebe Menschen in an diesem Tag getroffen habe: Sanis, Ärzte, Schwestern... War echt in Ordnung. Na ja, das bischen Schmerzen...egal.
    Ich war innerlich vorbereitet und habe "das beste draus gemacht". So bin ich erzogen, aufgewachsen. Deswegen fand ich das lustig, habe mich wohl gefühlt.
    Sorry, das Beispiel ist für manchen krass. Aber es zeigt meine Einstellung zu Schicksal und eigenem Entschluß.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
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  • "Glück" oder "Pech" sind natürlich zum Teil nicht beeinflussbar aber deswegen die Verantwortung dafür abgeben, ist nach meiner Einstellung nicht in Ordnung. Am Ende zählt doch eigentlich nur unser Umgang damit.

    Jein. Deine starken Worte haben in sich die deutliche Perspektive, dass man eigentlich alles wuppen kann, liest sich so. Da möchte ich nur anfügen, dass das nicht so ist, es gibt vieles, das man nicht stemmen kann. Weshalb es aber trotzdem nicht Un-Heil sein muss, nur eben erfolglos.


    Heil ist für mich auch nicht identisch mit Glück im modernen Sinn. Heil ist für mich, beim Untergang der Titanic noch einen Platz im Rettungsboot bekommen zu haben. Glück (modern) wäre es gewesen, wenn man die Abfahrt verpasst hätte.

  • Jein. Deine starken Worte haben in sich die deutliche Perspektive, dass man eigentlich alles wuppen kann, liest sich so. Da möchte ich nur anfügen, dass das nicht so ist, es gibt vieles, das man nicht stemmen kann. Weshalb es aber trotzdem nicht Un-Heil sein muss, nur eben erfolglos

    Da sagst Du etwas sehr wichtiges, was mich einen Leitsatz erinnert, den man oft hört und viel zu selten Beachtung schenkt:


    Es gibt kein Scheitern, nur Lektionen.


    Habe ich mein Ziel nicht erreicht, weiß ich, dass dieser Weg nicht zum Ziel führt und kann den nächsten versuchen oder das Ziel ändern.


    Leid ist natürlich ein anderes und viel komplexeres Thema, zu komplex, als dass ich es in aller Tiefe besprechen möchte. Aber auch hier zeigt sich natürlich das Thema Vorbereitung. Und damit ist nicht nur aber auch, ein umfassender Versicherungsschutz gemeint, der natürlich durch gute Arbeit finanziert werden will.


    Habe ich gute Freunde, die ihr Leben im Griff haben und geistig gesund stark und stabil sind und die mir helfen können? Sind meine Familienmitglieder gut situiert oder kämpfen die mehr gegen sich selbst und ich habe es in der Vergangenheit verpasst, ihnen zu helfen? Falls ich mich von meiner Familie abgewendet habe, habe ich für eine alternative Gemeinschaft um mich herum gekämpft und sie aufgebaut?


    In einigen großen Gemeinschaften gibt es eine Art privatisiertes Sozialsystem, dass sogar finanziell und natürlich betreuend eingreift. Ein System, dass für Deutschland natürlich erst mal vollkommen unrealistisch klingt. Aber im Gegenteil, machen wir nicht genau das oft in Familien? Warum eigentlich nicht auch in der Gemeinschaft? Es klingt erst mal unüblich aber ist das nicht nur der anerzogene Individualismus, der uns in Abhängigkeiten treiben soll, den wir in unserem Charakter hätten rechtzeitig bekämpfen müssen?


    Hier zeigt sich in der Summe wieder sehr deutlich, wie abhängig der Ausgang von Ereignissen von unseren Taten ist. Natürlich sind wir alle nicht perfekt, sonst wären wir Odin. Aber jeder von uns kann sein Heil durch Taten mehren und manchmal ist die Tat so etwas einfaches wie das Abschließen einer Hausratversicherung. Und manchmal ist es so eine komplexe Lebensaufgabe, wie der Aufbau einer funktionierenden, großen Kindred.

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  • In einigen großen Gemeinschaften gibt es eine Art privatisiertes Sozialsystem, dass sogar finanziell und natürlich betreuend eingreift. Ein System, dass für Deutschland natürlich erst mal vollkommen unrealistisch klingt. Aber im Gegenteil, machen wir nicht genau das oft in Familien? Warum eigentlich nicht auch in der Gemeinschaft? Es klingt erst mal unüblich aber ist das nicht nur der anerzogene Individualismus, der uns in Abhängigkeiten treiben soll, den wir in unserem Charakter hätten rechtzeitig bekämpfen müssen?

    Jenseits vom individuellen Heil und dem Heil so einer Gruppe sagt das aber auch sehr viel über das Un-Heil unserer Gesellschaft, wenn das nötig wird. Der Zug unserer Kultur (Europa, Westen) ging ja dahin, dass die Sippen und Clans, Großstämme usw. mehr und mehr im Staat aufgingen bzw. der Staat die Übersippe wurde. Voraussetzung war, dass der Staat Sicherungsfunktionen an sich zog (bzw. historisch hatte diese Rolle die Kirche, der Staat ist halt nach und nach in deren Rolle geschlüpft).


    Dass das System aus mehreren Gründen immer mehr eiert und wackelt, ist offensichtlich (augenfällig zu wenige Kinder, zu viele Einwanderer ins System, die anteilig bei den Einzahlern unterrepräsentiert sind). Das ist unser Un-Heil als Gesellschaft, dass wir so weit runtergekommen sind bzw. weiter abwärts trudeln.


    Wenn das Trend wird, so wie Du es schilderst, gleichen wir uns in fataler Weise den Einwanderern aus der arabischen Welt an, die ja bis heute das Clandenken immer noch an erste Stelle setzen (was ein wichtiger Grund ist, warum sie keine stabilen Staaten oder sowas wie ernstzunehmende Demokratie hinkriegen). Könnte man direkt streiten, ob das jetzt unsererseits Rückkehr zu alten Zeiten ist oder man einfach nur auf einen Geist reinfällt, der uns unserer Errungenschaft beraubt, wenn wir dem von dir skizzierten Weg dann irgendwann mehrheitlich folgen, weil der Staat es nicht mehr leisten kann.

  • Oha, wir schrammen schon wieder an der Politik entlang ;). Ich ziehe mich aus diesem Strang mit dem Staat ein wenig zurück und verweise nur auf die Gesellschaft von vor 50 Jahren und wie viele Aufgaben damals von "Gemeinschaften" wie der Familie übernommen wurden, die heute vom Staat erwartet werden.

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  • Ja. Dachte ich auch. Besser wir lassen das in diesem Thema draussen, so weit es eben geht.

    Ja, besonders PARTEI-Politik.
    Andererseits zeigt es eines: Leben aus einer religiösen Werteeinstellung heraus erfasst meine politische Willensbildung unweigerlich.
    (Sehe Thema: Politik: ist das Wichtig).


    Zurück zum Heil:
    Ich habe ein Wyrd, ein mitgegebenes. Etwas, was gewissermaßen die "Startposition" in meinem Leben ist. Ich habe Gaefa. Das, was mir auf meinem Lebensweg vor die Füße fällt. Begegnungen, Glück, Pech, Krankheit, Heilung.
    Daß dieses gut sein mag, darum bitte ich im Opfer.
    Was ich allerdings daraus mache, ist ebenfalls Heilbestimmend. Für mich und für meine Gemeinschaften: Sippe, Arbeitsplatz, Gesellschaft...
    Je größer die Gemeinschaft, desto mehr Menschen wirken auf das Gemeinschaftsheil ein. Jeder kennt das, der in einem Verein ist: Bei 50 Aktiven kann man 2 Unsoziale Pöbler ertragen. Umpolen... Wären es 25 würden sie den ganzen Rest umpolen.
    Auf der anderen Seite ist mein Wirken wieder ein Stück vom Wyrd meiner Nachkommen, ein Stück vom Gaefa meiner Zeitgenossen.
    So trage ich verantwortung für "das Rudel", ich meine Heilstat Heil für das Rudel. Und das Rudel ist voraussetzung für mich, bestimmt meine Ausgangsposition. Die Heilstaten des Rudels sind mit-verantwortlich für mein Heil.


    Warum schreibe ich "Rudel"? Um an den Spruch in meiner Signatur anzuknüpfen. Um anzuknüpfen an das, was ich andernorts schrieb über das "Gedachtssein als Rudeltier".


    So, ich muß mich aufmachen, werde heute unterwegs sein.
    Vielleicht finde ich unterwegs noch eine viertel Stunde...


    LG
    Hrodgar.


    PS: Ich habe lange nach einem Heidenforum gesucht, in dem man achtsam miteinander diskutiert, um des gemeinsamen Zugewinns willen.
    Hier im Forum, so habe ich den Eingruck nach ein paar Tagen, überwiegt diese Haltung. Das prägt die Gespräche, wirkt zurück auf den einzelnen. Ist heilsspendend. Wie wir miteinander umgehen, ist eine praktische Lehrstunde zu dem, was ich in diesem Beitrag geschrieben habe.
    Danke an Euch.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
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