Schon gewusst…?

Allsherjargode (Allsherjargoði) ist eine isländischer Titel. Das es diesen Titel im germanischen Glauben außerhalb Islands gab, ist sehr unwahrscheinlich und nicht belegt.

  • Wie immer lohnt sich ein Blick in die Etymologie...

    Eben:
    "Das gemeinger. Adj. mhd.,ahd. heil >>gesund, unversehrt, gerettet<<, got. hails >>gesund<<, engl. whole >>ganz, völlig, vollständig, heil<<, schwed. hel >>ganz<< ist mit der kelt. Sippe von kymr. coel >>vorzeichen<< und baltoslaw. Sippe von russ. celyi >>ganz; vollständig; groß; bedeutend; heil, unversehrt<< verwandt."
    [Dr. Matthias Wermke et al. (Hrsg): Duden, Herkunftswörterbuch, Ethymologie der deutschen Sprache, 3.Aufl., bibliographisches Institut Brockhaus, Mannheim, Seite 329]


    "MHD. heil >>Glück, [glücklicher] Zufall; Gesundheit [..]aisl. heill >>günstiges Vorzeichen, Glück, Gesundheit<< beruhen auf einem germ. s-Stamm *haillz, dessen Bedeutung nicht sicher Bestimmbar ist. Unter dem Einfluß des Christentums nahm >Heil< auch die Bedeutung von >>erlösung von den Sünden und Gewährung der ewigen Seligkeit<< an. [..]"
    [ebd.]



    Soweit nur zur Vollständigkeit.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Wie immer lohnt sich ein Blick in die Etymologie...


    https://www.dwds.de/wb/Heil#et-1

    Witzig, in der Computergenerierten Verbindungswolke ist "Offensive" eines der wichtigsten Wörter....

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

    Einmal editiert, zuletzt von Matze ()

  • Witzig, in der Computergenerierten Verbindungswolke ist "Offensive" eines der wichtigsten Wörter...

    Ja, ist es. Schlimm. Diese computergenerierten Wortfelder sind ein Einfallstor für eine Orwell'sche sprachfaschistische Fremdsteuerung. Wer die Algoritmen in der Hand hat, der hat die Ergebnisse in der Hand.
    Ich traue dem nicht.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Und was wollt ihr damit jetzt sagen? In wie weit widerspricht das dem Eintrag im etymologischen Wörterbuch des Deutschen

    Nej, das widerspricht nicht. Es gergänzt nur: Mir ist der Bezug zu "heil sein" im Sinne von "ganz, vollständig sein" wichtig, der eben auch in der ethymologischen Herleitung des Adjektivs zum Ausdruck kommt.
    In dem von Dir verlinkten Beitrag kommt das meines Erachtens zu kurz. Hier wird sehr schnell in die mythologisch-magische Denkweise verwiesen.


    Das aber macht genau die Spannbreite des Themas aus: Heil bestehend aus unbeeinflussbarem, göttergegebenem auf der einen Seite und machbarem, selbst-bewirkbarem auf der anderen Seite.
    Ernte ist eben Ackerarbeit UND gutes Wetter.


    Das andere, die computerbasierten Bedeutungsfelder, das ist nur ein Nebengespräch... Nimm es wie "tucheln mit dem Sitznachbar"... damit bin ich schon in der Schule immer unangenehm aufgefallen. Verzeih bitte. Hat mit dem Thema nichts zu tun.


    LG
    Hrodgar

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Was aber gezeigt wird, ist, dass die "ganzheitliche" Auffassung erst im Mittelhochdeutschen diese Bedeutung erlangt, also ab 1000, in absolut christlicher Zeit.


    Im Althochdeutschen, im Altenglischen, Altsächsischen und Altnordischen ist die primäre Bedeutung "Glück", in den letzten drei Sprachen besteht sogar ein Synonym mit "Vorzeichen", was wohl klar auf das Schicksal verweist.
    Eine moralische Komponente in der Bedeutung von Heil ist offenbar erst im 16 Jh. auszumachen.

  • m Althochdeutschen, im Altenglischen, Altsächsischen und Altnordischen ist die primäre Bedeutung "Glück", in den letzten drei Sprachen besteht sogar ein Synonym mit "Vorzeichen", was wohl klar auf das Schicksal verweist.

    stimmt...

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • m Althochdeutschen, im Altenglischen, Altsächsischen und Altnordischen ist die primäre Bedeutung "Glück", in den letzten drei Sprachen besteht sogar ein Synonym mit "Vorzeichen", was wohl klar auf das Schicksal verweist.

    Es ergibt sich nur eine Verknüpfung zwangsläufig: Das, was der eine tut ist für den anderen die Einstiegsvoraussetzung in das Leben, in eine Situation oder in eine eigene Entscheidung.Wenn das aber so ist, dann ist die heutige Tat nicht ohne auswirkung auf das Morgige Schicksal, oder?
    Und auch, was ich heute tue beeinflußt zum Teil, was ich morgen vorfinde.
    Wenn ich mein Haus da baue, wo seit Jahrtausenden erst Kelten und dann Germanen und dann Römer gesiedelt haben, brauche ich mich nicht wundern, daß das eine vom Unwetter überdurchschnittlich verschonte Ecke meiner Heimat ist. (Ich habe das "Glück").
    Wenn ich Lüge und Misgunst in meiner Familie einsetze, brauche ich mich nicht wundern, wenn ich auf dem Altenteil einsam bin.
    Wenn ich so viel Liebe und Güte meinen Kindern entgegenbringe, wie meine Eltern das bei mir taten, ist die WAHRSCHEINLICHKEIT hoch, daß ich Treue und Liebe bis zum letzten Atemzug erfahre. Wenngleich mich meine Erfahrung lehrt, daß auch solchermaßen geliebte Kinder sich zu haßerfüllten Erwachsenen entwickeln können.



    Zurück zur Ethymologie:
    Die Bedeutung im Moralischen sehe ich für mich als minder relevant an. Mir ist die adjektivische Bedeutung sehr wichtig: gesund, vollständig, ganz...
    Hier wird der Ansastz gut faßbar, daß es eben nicht nur eigenes tun und nicht nur "Schicksal" ist, was zum heil-Sein nötig ist. Sondern eben beides.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Was aber gezeigt wird, ist, dass die "ganzheitliche" Auffassung erst im Mittelhochdeutschen diese Bedeutung erlangt, also ab 1000, in absolut christlicher Zeit.


    Im Althochdeutschen, im Altenglischen, Altsächsischen und Altnordischen ist die primäre Bedeutung "Glück", in den letzten drei Sprachen besteht sogar ein Synonym mit "Vorzeichen", was wohl klar auf das Schicksal verweist.
    Eine moralische Komponente in der Bedeutung von Heil ist offenbar erst im 16 Jh. auszumachen.

    Das ist extrem spannend und das würde ich dann unter Evolution verbuchen. Andererseits kann ich mir das gar nicht vorstellen, da das dann nie zu diesem starken Volk hätten führen können. Sehr spannend!

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Andererseits kann ich mir das gar nicht vorstellen, da das dann nie zu diesem starken Volk hätten führen können.

    Würde ich umgekehrt sehen. In vorchristlicher Zeit war das Heil das Wohlergehen. Ging es mir schlecht, war das Un-Heil. Mit dem christlichen Heilsbegriff hat sich das völlig gewandelt. Unabhängig von Lebensumständen erhalte ich das (ewige) Heil, und wenn dann alles schief geht, ist es im Zweifel Märtyrertum.


    Heil als Substantiv, als fassbare Tatsache, hat sich zusammengezogen auf ein Adjektiv und trägt dort weiterhin die Bedeutung des Wohlergehens. Und hat sich andererseits als Substantiv immens vergrößert und trägt dort eine vorher völlig unbekannte Größe, die sich real nicht zeigen muss, aber da ist, weil sie geglaubt wird.


    Mit dieser absoluten Größe im Rücken kann ich die Welt erobern. Weil kein Unglück an sich mehr Anzeichen von Un-Heil sein muss. Ein Heil, das nicht zerstört werden kann durch eine Missernte, weil es was anderes, Höheres ist. Das ist eine starke Kraft der Seele, wenn man daran glaubt.

  • Wir reden sehr theoretisch über Heil und Unheil. Wie sieht es aber mit dem persönlichen Heil und Unheil aus?
    Was tut ihr konkret, wenn Unheil über euch kommt?
    Muss man demnach Heil immer wieder wie ein Ritual überprüfen, muss man Heil immer wieder erneuern (entschuldigt, ich finde kein besseres Wort, bin heute ein Crashworddummy :S ), damit es beständig bleibt?


    Und eine andere Frage ist... es kann sich schon längst Unheil eingeschlichen haben, aber es wird gar nicht bemerkt, im schlimmsten Falle wird es als Heil wahrgenommen.
    Bestimmte psychische Erkrankungen lassen ja darauf schliessen, dass die Personen sich als "heil" und "vollständig" wahrnehmen, aber dennoch Unheil über sich, im schlimmsten Fall über andere bringen.


    Verliert das Wort dann seine Bedeutung? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man sich des Heils eigentlich nicht sicher sein kann. Denn Wahrnehmung ist in diesem Fall ja ein zweischneidiges Schwert...

  • Was tut ihr konkret, wenn Unheil über euch kommt?

    Gut: ganz konkret:


    Krankheit, egal ob physisch oder psychisch.
    Zusammenstehen hilft heilen.
    nicht-Wegsehen hilft heilen.
    Rücksichtnahme hilft heilen.
    Wodan Opfer bringen hilft heilen.
    Medizin / Psychologie hilft heilen.
    Richtige Lagerung hilft heilen.
    richtige Nahrung hilft heilen.


    Heilung ist ein Geschenk.
    Medicus curat, natura sanat. Der Arzt pflegt, die Natur heilt.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Mit dieser absoluten Größe im Rücken kann ich die Welt erobern. Weil kein Unglück an sich mehr Anzeichen von Un-Heil sein muss. Ein Heil, das nicht zerstört werden kann durch eine Missernte, weil es was anderes, Höheres ist. Das ist eine starke Kraft der Seele, wenn man daran glaubt.

    Ich stimme zwar nicht zu, finde Deine Beiträge aber immer spannend argumentiert und sie beleuchten alles aus einer ganz anderen Perspektive. Danke!


    Wir reden sehr theoretisch über Heil und Unheil. Wie sieht es aber mit dem persönlichen Heil und Unheil aus?
    Was tut ihr konkret, wenn Unheil über euch kommt?
    Muss man demnach Heil immer wieder wie ein Ritual überprüfen, muss man Heil immer wieder erneuern (entschuldigt, ich finde kein besseres Wort, bin heute ein Crashworddummy :S ), damit es beständig bleibt?

    Ganz konkret versuche ich ständig vorbereitet zu sein und einen Plan B und optimaler Weise C parat zu haben. Ich habe einen gesunden Stamm an Versicherungen und arbeite fleißig, um sie zu bezahlen. Gleichzeitig versuche ich, ein "guter Mensch" zu sein. Das heißt auch, dass ich mich auf konkrete Situationen vorbereite, die ich aller Wahrscheinlichkeit nach erwarten kann. Gesunde Ernährung, regelmäßige Besuche beim Arzt, als so Kram eben. Ich bin höflich zu meinen Mitmenschen, wenn sie es denn verdienen.


    Natürlich folge ich nicht wörtlich irgendwelchen 9 oder 10 Tugenden / Geboten aber ich versuche vernünftig und positiv in Situationen zu gehen. Aber eben auch mit einem wachen Auge, dass nie die Wahrscheinlichkeiten aus dem Blick verliert. Ich schätze auch die kleinen Dinge und die Natur. Wir essen fast nur Bio (echtes Bio, unabhängig von Zertifikaten) und versuchen nur regional beim Erzeuger zu beziehen, soweit möglich.


    In diesem Kontext sind negative Ereignisse oft halb so wild. Dinge passieren, dass gehört zum Leben und es ist gut so. Sonst könnten wir die schönen Tage gar nicht schätzen. Passiert etwas, übernehme ich die Verantwortung und tue, was ich tun kann. Reicht das nicht, akzeptiere ich es und beginne mit Plan B / C und arbeite mit dem, was nun unabdingbar passiert. Genau wie die aktuellen Veränderungen der Gesellschaft, die hoffentlich jeder in seine Planungen einbezieht und sich vorbereitet. Prepping ist heute Pflicht, wie ja auch die Bundesregierung letztes Jahr offiziell bekannt gegeben hat.


    Verliere ich meinen Job, habe ich ein Netzwerk und eine Reputation, reicht das nicht, suche ich eben mit normalen Bewerbungen einen Neuen. Verliere ich ein Bein, geht es eben in die Physio und es wird mit einer Proteste geübt. Natürlich werde auch ich in solchen Zeiten verdammt traurig sein und die Hilfe meiner Lieben brauchen aber unter dem Strich geht es immer irgendwie weiter.


    Wir leben schon in verdammt sicheren Zeiten, auch wenn es eine abfallende Kurve ist, sind wir noch verdammt weit oben. Noch.

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Matze,
    Ich verstehe, was Du meinst. Aber ich denke, vorbereitet sein ist eher unter "Gefahrenabwehr" zu sehen. In diesem Sinne denke ich sehr genau wie Du. Also meine Familie und ich wir leben so.


    Konkret:
    Ob in einer Gemeinschaft Unheil bewältigbar ist, hängt von dem Unheil ab und von der heilsamen, heilvollen Zusammenarbeit in der Gemeinschaft. Das ist aber kein Zufall, sondern resultiert aus einer Einstellung im Gemeinsinn. Man kann es mit gelebten 9 Tugenden in Verbindung bringen, die eine Gemeinschaft zu einstellen, daß sie im Ernstfall Schlicksalsschläge absorbiert, statt zu zersplittern.
    Aber zu dem muß ein geschnektes Heil der Götter kommen.


    Daß meine Älteste den Plötzlichen Kindstod überlebt hat, lag sicher daran, daß ich sie beatmet habe.
    Daß ich aber vor dem Herzstillstand bei ihm im Zimmer war, lag an dem Hund, der vor ihrer Türe schlief und der, durch innere Eingebung, nach mir gerufen hat.
    Und daß ich seinen Hilfeschrei trotz Maibowle verstanden habe, lag an meiner Verbundenheit über die Artgrenzen hinaus.
    Und daß ich diese Verbundenheit habe, lag an meinem Vater, der mich diese Verbundenheit gelehrt hat.


    So kommt eins zum anderen.
    Am Ende war der Hund ein Geschenk. Das Timing ein Geschenk. Dieses Kind ein Geschenk. ...
    Eben Heil
    Aber alles Heil der Götter hätte nichts genutzt, ohne die Bereitschaft und Fähigkeit, es in Heilung umzusetzen.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Aber alles Heil der Götter hätte nichts genutzt, ohne die Bereitschaft und Fähigkeit, es in Heilung umzusetzen.

    Danke für den Beitrag!

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Das ist extrem spannend und das würde ich dann unter Evolution verbuchen. Andererseits kann ich mir das gar nicht vorstellen, da das dann nie zu diesem starken Volk hätten führen können.


    Warum nicht, und was ist an den Germanen stärker als an anderen Völkern?

  • Daß meine Älteste den Plötzlichen Kindstod überlebt hat, lag sicher daran, daß ich sie beatmet habe.
    Daß ich aber vor dem Herzstillstand bei ihm im Zimmer war, lag an dem Hund, der vor ihrer Türe schlief und der, durch innere Eingebung, nach mir gerufen hat.
    Und daß ich seinen Hilfeschrei trotz Maibowle verstanden habe, lag an meiner Verbundenheit über die Artgrenzen hinaus.
    Und daß ich diese Verbundenheit habe, lag an meinem Vater, der mich diese Verbundenheit gelehrt hat.

    Ich möchte den Bogen zum Sippenheil spannen:
    Daß ich mein Kind völlig entspannt beatmet habe lag daran, daß ich entspannt geblieben bin.
    Daß ich entspannt geblieben bin lag daran, daß ich gelernt habe, in Gefahrenmomenten ruhig zu bleiben.
    Daß ich gelarnt habe, in Gefahrenmomenten ruhig zu bleiben lag daran, daß meine Eltern mich als Kind nicht überbehütet haben. Und daran, daß mein Vater mir das antrainiert hat.
    Daß meine Eltern so waren lag daran, daß sie ein großes Vertrauen in das Schicksal haben.
    Daß mein Vater mir das antrainiert hat lag daran, daß er schon so erzogen worden war: Als starker, selbstbestimmter Junge.


    In dieser Art wirkt sich das, was meine Großeltern an Grundlagen gelegt haben aus bis in meine Kinder hinein. Das Vertrauen in das Schicksal - sie würden gesagt haben "Gottvertrauen", ich "Göttervertrauen", das über Generationen gelebt und weitergegeben wird, bestimmt die Fähigkeit meiner Kinder, aus "Heil" = "glückliche gegebenheiten" auch "Heilung" werden zu lassen.


    Beispiel gefällig?
    vor einigen Wochen: Ich liege auf dem Wohnzimmerboden herum und telefoniere mit der Tierärztin. Der Hund ist schwer krank. (inzwischen gerettet).
    Meine jüngste, 11, hat einen Lampion aus Filz gebaut, ihn ohne Sicherheitsabnahme mit einem Teelicht bestückt, aufgehängt und in Betrieb genommen.
    Plötzlich fällt das Ding runter, landet neben mir und geht in Flammen auf: Siedendes Wachs, Filz...Feuer...
    Ich springe auf, gehe nach dem Kleinfeuerlöscher greifen, drehe mich um, da ist die Kleine schon aufgesprungen und hat eine leere Müslischale erfolgreich als Feuerlöschmittel eingesetzt.
    Ich brauchte nichtmal mein Telefonat unterbrechen sondern nur noch die Glut ablöschen.
    Als ich fertig bin mit Telefonieren, hat sie schon den Löschschaum beseitigt und außer einem eingebrannten Wachsfleck im Holzboden ist das Ding erledigt. Und der stört nicht.



    So, woher hat sie das?
    Warum ist dieses Kind so eiskalt abgebrüht?
    Warum hat sie nicht geschrieen und ist weggelaufen?
    Ganz einfach: Meine ganze Familie ist so. Sie hat es von mir weitergegeben bekommen. Aber es ist nicht mein Ruhm, sondern der Ruhm, das Heil, das die Sippe aufgebaut hat durch die Generationen.



    Was ist dabei "Glück"?
    Daß mich das Ding nicht im Gesicht erwischt hat.
    Daß eine Müslischale nicht weggeräumt war.


    Aber weder Müslischale noch Flugbahn hätten uns retten können,

    • wenn nicht meine Sippe von alters her die Abgebrühtheit angesichts der Gefahr zur Tugend erklärt hätte.
    • Wenn nicht mein Vater mich schon gelehrt hätte, die Kinder von klein an als vollwertige Menschen an die Verantwortung zu gewöhnen und ernst zu nehmen.
    • Wenn nicht mein Großvater schon den "schiefen Blicken" getrotzt hätte, wenn er seine Kinder so ausbildet.
    • Wenn die Mainstreamgesellschaft mit ihrer Trennung von "Kinderwelt" und "Erwachsenenwelt" sich breit gemacht hätte in unserer Familie.


    So sind es die Tugenden von

    • Tapferkeit in der Gefahr
    • Standhaftigkeit in der Anfeindung
    • Vertrauen in die eigene Kraft
    • Vertrauen in die nachwachsende Generation
    • vertrauen in die vorangegangene Generation, die eigenen Ahnen

    ...die das Heil, das die Götter geben, zur Blüte führen können.


    Es ist: Der Bund aus Menschen und Göttern.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Aber es ist nicht mein Ruhm, sondern der Ruhm, das Heil, das die Sippe aufgebaut hat durch die Generationen.

    Und da liegt der casus knacktus. Historisch betrachtet hätte man nicht gesagt, dass man Heil willentlich so aufbauen kann wie "Ruhm" oder Erfolg, man hätte gesagt, dass der "Ruhm", der Erfolg aus dem Heil erwächst.


    Wilhelm Grönbech drückt das schön aus:


    "Und hier stehen wir vor einer tief verwurzelten Eigentümlichkeit in der Psychologie des alten Charakters. Der Gedanke, dass die Kraft kommt, wenn man bloß ernsthaft will, oder umgekehrt, dass die Kraft vielleicht vorhanden ist, aber der Wille fehlt, hatte keine Geltung für den Nordländer. Alle seine Eigentümlichkeiten rühren von der Art seines Heils her: Halsstarrigkeit und Mut, Stolz wie Neigung, dem Größeren zu dienen, Gewaltsamkeit und Unumgänglichkeit, wie auch Furchtlosigkeit. Das Heil ist die Sinnesart, der Charakter und der Wille."


    Wilhelm Grönbech: Kultur und Religion der Germanen. Reprint Verlag Leipzig. 2011. S. 166



    und


    "Jedes Heil hat seine eigene Art. Mit einem ausgeprägten Vieh-Heil auf Fischfang zu ziehen, würde das selbe Resultat zeitigen, als wenn man versuchte Dorsche mit einer Flugschar zu angeln. Im Osten herrschen und Fruchtbarkeit spenden zu wollen mit einem Heil das im Westen zu Hause war, ebenso verdreht und ebenso unmöglich[...]"


    Ebenda S. 176




    p.s. ich möchte hier niemandem seine persönliche Weltsicht schlechtreden, aber mir ist es wichtig, dass in solchen Themen auch die (streng) historische Sicht geschildert wird, damit Interessierte sich eine eigene Meinung bilden können und nicht nur einen Dschungel von persönlichen Interpretationen vorfinden (die nicht als solche gekennzeichnet sind).

  • Wir reden sehr theoretisch über Heil und Unheil. Wie sieht es aber mit dem persönlichen Heil und Unheil aus?
    Was tut ihr konkret, wenn Unheil über euch kommt?
    Muss man demnach Heil immer wieder wie ein Ritual überprüfen, muss man Heil immer wieder erneuern (entschuldigt, ich finde kein besseres Wort, bin heute ein Crashworddummy ), damit es beständig bleibt?

    Ich glaub ja an das zugeteilte Maß des Heiles. Daraus folgt dann höchstens, dass ich es verfehlen kann.


    Unheil: ich würde das von Un-Heil unterscheiden. Unheil als Unglück oder Katastrophe kann ich ertragen, wenn ich mir Gewissheit verschaffe, dass es sein muss. Un-Heil als Verlust des Lebensplans wäre in meinen Augen was anderes.


    Ich überhöhe den Begriff des Heils da durchaus etwas nach christlichem Vorbild. Für mich zählt nicht nur das materielle Wohlergehen (okee, sagt sich leicht in einem Land, wo die Öffnungszeiten des Sozialamtes im Telefonbuch stehen), sondern die Überzeugung von der Verbindung mit "meinen Geistern".


    Heil ist da für mich eine Kreuzung von materieller Sicht und transzendenter Sicht auf Götter und Geister. Deshalb möchte ich das bei anderen Menschen auch gar nicht beurteilen.


    Überprüfen kann man das Heil eigentlich nicht, es ist das, was man in der Summe des Gelingens von außen sieht (klassische Sicht) und es ist das, was man auch innerlich findet (moderne, esoterische Ergänzung).

  • Und da liegt der casus knacktus. Historisch betrachtet hätte man nicht gesagt, dass man Heil willentlich so aufbauen kann wie "Ruhm" oder Erfolg, man hätte gesagt, dass der "Ruhm", der Erfolg aus dem Heil erwächst.

    Ja, da liegt's:
    Ich wollte es nicht dargestellt haben, als wäre dieses Heil produzierbar. Es ist. Oder es ist nicht.
    Es gehorcht nicht. Aber es wirkt. Durch die Generationen hidurch wirkt es in der Art, die ich geschildert habe.
    Aber eine einzige Generation, die sich - weshalb auch immer - weigert, dieses Heil anzunehmen, die sich irgendwelchen Ideologien verschreibt, reicht aus, um das Heil abreißen zu lassen.

    Wilhelm Grönbech drückt das schön aus:


    "Und hier stehen wir vor einer tief verwurzelten Eigentümlichkeit in der Psychologie des alten Charakters. Der Gedanke, dass die Kraft kommt, wenn man bloß ernsthaft will, oder umgekehrt, dass die Kraft vielleicht vorhanden ist, aber der Wille fehlt, hatte keine Geltung für den Nordländer. Alle seine Eigentümlichkeiten rühren von der Art seines Heils her: Halsstarrigkeit und Mut, Stolz wie Neigung, dem Größeren zu dienen, Gewaltsamkeit und Unumgänglichkeit, wie auch Furchtlosigkeit. Das Heil ist die Sinnesart, der Charakter und der Wille."


    Wilhelm Grönbech: Kultur und Religion der Germanen. Reprint Verlag Leipzig. 2011. S. 166

    Ich meinte, die Sinnesart, den Charakter und den Willen meine Sippe angeführt zu haben.
    Sag mal, reden wir aneinander vorbei oder gebrauchen wir die Sprache so unterschiedlich? Mir will kein Widerspruch einleuchten... Am Feuer sitzend ürde ich uns jetzt erstmal einen Nachschub an Bier holen.
    Kann auch sein, daß ich auf'm Schlauch stehe.
    Mir ist es wichtig herauszuarbeiten, daß man durch puren Willen das Heil einer Sippe ruinieren kann. Daß man also wachsem sein muß, nicht träge und nachlässig oder gar von übler Gesinnung zu werden.
    Das halbe Havamal steht voll von solchen Warnungen.


    p.s. ich möchte hier niemandem seine persönliche Weltsicht schlechtreden, aber mir ist es wichtig, dass in solchen Themen auch die (streng) historische Sicht geschildert wird, damit Interessierte sich eine eigene Meinung bilden können und nicht nur einen Dschungel von persönlichen Interpretationen vorfinden (die nicht als solche gekennzeichnet sind).

    Was mich angeht: Ich fühle mich nicht schlechtgeredet sondern habe das Gefühl, sehr gute Gesprächspartner zu haben. Das Braten im eigenen Saft bringt meist nichts Neues. Insofern danke ich Dir, Ulfbert. :-)


    Wobei mich angesichts der christlichen Vita des Herrn Grönbech dessen Begründung für das angegeben interessieren würde.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---