Schon gewusst…?

Im „Wikinger Museum Haithabu“ kann man ein Wikinger-Dorf besuchen, das so authentisch nachgebaut ist, dass man glaubt, man wäre mit einer Zeitmaschine angereist

Zur Seite des Museums geht es hier entlang: Wikinger Museum Haithabu

  • Ich wollte es nicht dargestellt haben, als wäre dieses Heil produzierbar. Es ist. Oder es ist nicht.
    Es gehorcht nicht. Aber es wirkt.

    Gut, dann haben wir wohl aneinander vorbei geredet ^^


    Wobei mich angesichts der christlichen Vita des Herrn Grönbech dessen Begründung für das angegeben interessieren würde.

    Diesem Fazit geht das gesamte Kapitel über Heil voraus, in dem Grönbech verschiedene Sagastellen anführt. Speziell vor dieser Stelle führt er das Beispiel von Thorolf Kveldulfsson an, der dem König Harald I. eine Absage der Gefolgschaft mit der Begründung schickt, dass ihr Heil untereinander nicht kompatibel sei.


    Und dazu muss ich noch eine Lanze für Grönbech brechen:
    Gerade zu seiner Zeit hatte fast jeder Religionswissenschaftler eine "christliche Vita". Das schmälert sein Werk nicht, denn im Gegensatz zu den allermeisten Forschern hat er sich bemüht wirklich die Psychologie hinter der Religion zu verstehen. Er geht dabei nicht ganz so kleinschrittig - wissenschaftlich vor wie man es heute fordern würde, das kann man bei so einem Ziel auch nicht, aber er gibt genug Beispiele aus der Überlieferung um seine Thesen zu stützen.


    Zur Zeit wird es wohl nicht mehr nachgedruckt, sollte aber ganz günstig noch zu bekommen sein, falls Interesse besteht.


    https://www.amazon.de/Kultur-R…und+religion+der+germanen



    Und nebenbei bemerkt ist er neben Baetke einer der wenigen, die das Heil überhaupt im besonderen behandeln 8|


    Scheint wohl etwas anrüchig zu sein in moderner Zeit...

  • @Ulfberth
    Das wir das Glück haben als so unterschiedliche Charaktere hier Meinungen auszutauschen und das Du noch eine riesen Portion Fachwissen oben drauf packst, als Sahnehäubchen sozusagen, macht dieses Forum aus.


    @Hrodgar
    "Ich wollte es nicht dargestellt haben, als wäre dieses Heil produzierbar. Es ist. Oder es ist nicht."
    Deine Geschichte ist nach meiner Interpretation eben genau der Beweis für das Gegenteil. Angenommen Du kämest aus einer sehr schlechten Familie und / oder hattest eine sehr schlechte Kindheit, was dann? Was würde verhindern, dass Du Dich hinsetzt, Dein Leben und Deine Fähigkeiten selbst planst und es Dir dann selbst erarbeitest? Aus Deinem Beispiel der erste Hilfe Kurs, der eh allen Eltern empfohlen wird. Auch das Ganze Drumherum ist menschengemacht. Sicherlich ist es nicht leicht, so etwas selber zu starten und auf zu bauen aber speziell als Vater kennst Du ja die Einstellung: Was muss, das muss!


    Wenn jemand eben nichts davon hat und sein Kind stirbt, weil Papa keine erste Hilfe gelernt hat, dann ist es nicht angebracht, auf die Ahnen zu zeigen. Jeder kann der Erste sein und bei manchen Dingen hat man die Pflicht.


    Ich glaube, wir haben damit tatsächlich fast alle möglichen Einstellungen hier vertreten. Ich fürchte allerdings, dass eine tiefere Diskussion ohne die Inspiration durch einen Schluck Met schwer möglich sein wird.

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Deine Geschichte ist nach meiner Interpretation eben genau der Beweis für das Gegenteil.

    Hej Matze,
    oberflächlich betrachtet magst Du Recht haben, klingt es plausibel. Entspricht es der pädagogischen Maxime, daß in jedem Kind ein kleiner Mozart stecke.

    Angenommen Du kämest aus einer sehr schlechten Familie und / oder hattest eine sehr schlechte Kindheit, was dann?

    Dann wäre mein Kind schon zweimal tot. Oder garnicht geboren, weil ich mich oftgenug zuor selbst habe retten müssen... wer weis...

    Was würde verhindern, dass Du Dich hinsetzt, Dein Leben und Deine Fähigkeiten selbst planst und es Dir dann selbst erarbeitest?

    Eben das habe ich mich oft genug angesichts vieler real existierender Menschen gefragt.
    Ich bin in der Beobachtung dazu gekommen, daß es die Grundhaltung ist. Die Grundhaltung einer Sippe gibt dem Kind mit: Alles Driss-egal, ich gehe auf hartz-4, alles ist gut.
    Oder die einem Kind mitgibt, nach den 9 Tugenden zu leben.


    Es ist eben realiter nicht so, daß die Kinder von Taugenichtsen zu besseren Menschen werden aus ihrem Willen heraus. Weil dieser Wille meist fehlt.
    Und ich rede hier von meiner weiteren Verwandtschaft und von Leuten, die meine Eltern schon aus der Sippe ausgestoßen haben, weil deren Charakter das Heil unserer Kinder beschädigt hätte.
    Dasind eben jene, die das gebotene Heil ablehnen.


    Ich weis, daß die Pädagogen das nicht gerne hören, daß es nicht mainstream ist. Aber es ist nunmal so. Wissen die Götter, warum.





    Jeder kann der Erste sein und bei manchen Dingen hat man die Pflicht.

    Könnte, wenn er denn wollte.
    Zum "können" gehört nicht nur die äußere Gegebenheit, sondern auch das innere Wollen.
    Eben das Glück und die Tugend.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Schön geschrieben! Manchmal helfen aber eben Menschen wie Du dem Verlorenen, den Weg doch wieder zu finden, wenn auch mit sehr viel Anstrengung. Früher haben die Gemeinschaften so etwas automatisch gemacht aber heute fehlt diese Steuerung.


    Aber es gibt sie noch, die Menschen, die sich sogar von ihren Eltern abwenden weil sie genau wissen, dass sie es alleine besser haben. Auch das selektive Ändern des Freundeskreises ist eine Pflichtlektion in vielen Programmen zur Selbstentwicklung. Niemand hat behauptet, dass es leicht ist, die Frage ist eher: Ist es als Göttertreue nicht sogar unsere Pflicht, diesen Weg eben nach Kräften zu bestreiten?


    Und genau da liegt der Schlüssel zu meiner Auslegung des Asatru und auch der historischen Quellen. Der Einfachheit halber (und weil ich faul bin) beschränke ich mich gerne aufs Havamal, dass eben oft zu Fleiß und harter Arbeit, auch an sich selbst, aufruft. Da steht eben nicht "Trinke, wenn Dein Vater getrunken hat" sondern, dass sich alle, unabhängig von den Ahnen, vernünftig benehmen sollen. Und wer zu viel trinkt, findet vielleicht genau dort die Kraft, damit aufzuhören und so die Grundlage für das Heil in seinem neuen Leben zu legen. Wahrscheinlich kennt Ulfberth aber auch einen viel besseren Text mit mehr Kraft ;).


    In den USA gibt es seitens der Asatru viele Hilfsprogramme für Gefängnisinsassen, Drogenabhängige und Veteranen, die ihre Heimkehr nicht alleine schaffen. All diese Menschen haben ihr Heil mehr oder weniger verspielt und trotzdem gibt es immer wieder leuchtende Beispiele, dass man es eben doch schaffen kann. Zumal, mit der Unterstützung einer starken Gemeinschaft.

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • Schön geschrieben! Manchmal helfen aber eben Menschen wie Du dem Verlorenen, den Weg doch wieder zu finden, wenn auch mit sehr viel Anstrengung.


    Aber es gibt sie noch, die Menschen, die sich sogar von ihren Eltern abwenden weil sie genau wissen, dass sie es alleine besser haben. Auch das selektive Ändern des Freundeskreises ist eine Pflichtlektion in vielen Programmen zur Selbstentwicklung.


    Ist es als Göttertreue nicht sogar unsere Pflicht, diesen Weg eben nach Kräften zu bestreiten?

    Ja, ich pflichte Dir in all diesen Dingen bei.
    Ich würde es aber nicht als "Heil produzieren" bezeichnen. Sondern als "heilen helfen".
    Das Heil des betroffenen sehe ich dann in der ihm gegebenen oder verbliebenen Kraft, seinem Mut, seiner Entschlossenheit...
    Und es wäre für den, der Helfen kann eine Heilsschädigende Tat, wenn er die Unterstützung verweigert. Dann würde er das, was ihm an Heil gegeben ist, nicht nutzen, nicht annehmen. Das würde ich mir in einer solchen Situation sehr genau überlegen, ob das gerechtfertigt ist.

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
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  • Dann würde er das, was ihm an Heil gegeben ist, nicht nutzen, nicht annehmen. Das würde ich mir in einer solchen Situation sehr genau überlegen, ob das gerechtfertigt ist.

    Weiss man eigentlich aus überlieferten Texten, was denen passiert, die Hilfe verweigern oder so tun als ob sie helfen und es gar nicht tun?

  • Weiss man eigentlich aus überlieferten Texten, was denen passiert, die Hilfe verweigern oder so tun als ob sie helfen und es gar nicht tun?

    Aus dem Havamal:

    • Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren
      Und Gabe gelten mit Gabe.
      Hohn mit Hohn soll der Held erwidern,
      Und Losheit mit Lüge
      .
    • Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren,
      Ihm selbst und seinen Freunden.
      Aber des Feindes Freunde soll niemand
      Sich gewogen erweisen.
    • Weißt du den Freund, dem du wohl vertraust
      Und erhoffst du Holdes von ihm,
      So tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm,
      Und suche manchmal sein Haus heim.
    • Weißt du den Mann, dem du wenig vertraust
      Und erhoffst doch Holdes von ihm,
      Sei fromm in Worten und falsch im Denken
      Und zahle Losheit mit Lüge.
    • Weißt du dir wen, dem du wenig vertraust,
      Weil dich sein Sinn verdächtig dünkt,
      Den magst du anlachen, und an dich halten:
      Die Vergeltung gleiche der Gabe.


    Letztenendes ist es ein Ringschluß: Wer sich als nichtgebend, nichthelfend, geizig und karg an Gaben verhält, der wird, wenn er Hilfe braucht, keine bekommen oder einen Hohen Preis dafür zahlen.


    Die Grundeinstellung steht gleich am Anfang:

    • Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen:
      Wo soll er sitzen?
      Atemlos ist, der unterwegs
      Sein Geschäft besorgen soll.
    • Wärme wünscht der vom Wege kommt
      Mit erkaltetem Knie;
      Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer,
      Der über Felsen fuhr.
    • Wasser bedarf, der Bewirtung sucht,
      Ein Handtuch und holde Nötigung.
      Mit guter Begegnung erlangt man vom Gaste
      Wort und Wiedervergeltung.
    • Witz bedarf man auf weiter Reise;
      Daheim hat man Nachsicht.
      Zum Augengespött wird der Unwissende,
      Der bei Sinnigen sitzt.

    Die Zählung ist hier irgendwie verdorben worden vom PC. Ist natürlich nicht immer vers 1 bis 5...

    Die Stärke des Wolfes ist das Rudel
    Die Stärke des Rudels ist der Wolf
    :wwiggle:
    --- Wer im Wolfshain jemals ging hinein, wird niemals mehr ein Sklave sein ---

  • Stimmt, Hrodgar. Das Einfachste liegt manchmal so nah. :facepalm:
    Gibt es denn in den Sagas irgend etwas, was solche Geschichten erzählt?
    Abgesehen von Märchen.

  • Wenn das Heil unter anderem das Glück ist, ist hamingja dann Bestandteil des Heils oder was eigenes?

    Diese Frage stelle ich mir auch schon seit drei Tagen und ich habe keine befriedigende Antwort gefunden :D


    Es gibt verschiedene Glücksvorstellungen, Heil ist das Glück das von innen heraus wirkt, das glückliche Gelingen, das Wohlergehen insgesamt wenn man so will. Und dann gibt es noch das Glück das von Außen wirkt, also bspw ein Schwerthieb der glücklich an deinem Helm abgleitet und dich nicht verletzt.


    Die Frage ist also, ob die Hamingja eine Personifizierung des (Sippen)Heils ist, ober ein klassischer Schutzgeist.




    Interessant ist vielleicht auch zu wissen, dass es unser heutiges Wort Glück damals garnicht gab, weshalb uns das Nachvollziehen bzw Definieren wohl so schwer fällt :D



    https://www.dwds.de/wb/Gl%C3%BCck#et-1