Aberglaube: Exorzismus

Schon gewusst…?

Loki / Loptr ist geborener Thurse, aber durch Blutsbruderschaft mit Wodan / Odin zudem ein Ase. Er ist Gott des Feuers und der List und beschwört das Ende der Asen durch den Tod Balders herauf.

  • Ich bin mir grade unsicher in welchen Teil des Forums ich das Thema packen sollte, aber das kann zur not ja noch verschoben werden :rolleyes:


    Nachdem ich nach den heutigen Nachrichten im ZDF eigentlich das Thema "Aberglaube: Exorzismus" aufgreifen wollte, habe ich nun festgestellt, dass dieser Sender heute (1708.2017) einen Bericht gesendet hat welcher schon in ähnlicher Form am 01.12.2016 auf 3Sat ausgestrahlt wurde.
    Bericht vom 01.12.2016
    Bericht vom 17.08.2017


    In diesen Berichten geht es um den Exorzismus-BOOM in Polen.
    Scheinbar befürwortet durch den Vatikan -so zumindest dem Bericht zu entnehmen.
    Meine umfangreiche Recherche (den ersten Fund in Google, der vielversprechend aussah :ugly: ) nach hat..


    Zitat

    ...der Vatikan hat die „Internationale Vereinigung der Exorzisten“ offiziell anerkannt. Schon unter Papst Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. hatte die katholische Kirche wieder deutlich mehr Teufelsaustreiber zugelassen.

    Gut, das stammt aus der FAZ aber zumindest steht es da seit 2014 :whistling:



    Zitat von Unbekannt

    Exorzismus der, ist die Behandlung einer erfundenen Krankheit, bei der sich die Befallenen merkwürdig verrenken. Symptome dieser Krankheit sind unter anderem: -Glühen der Augen; -das lustige Drehen des Kopfes, wie bei einem Karussell um 360 Karusselleinheiten; -das Sprechen mit verstellter Stimme, oder noch lustiger, in Sprachen, die man eigentlich gar nicht beherrscht.

    Bevor die Exorzisten überhaupt Teufelsaustreibungen durchführen können, muss der zuständige Bischof seine Zustimmung erteilen.
    ;Pfaffe; -Hierauf wird zumindest in dem aktuelleren Bericht hingewiesen.


    Ich bin erstaunt, dass so etwas trotz der heutigen Aufklärung weltweit noch geschieht.
    Für mich ist es in soweit Aberglaube, dass die Menschen an etwas nicht-greifbarem fest halten oder daran Glauben, da es ihnen glaubhaft gemacht wird.

    Die Natur gab uns eine Zunge,
    aber zwei Ohren, so dass wir
    doppelt so viel hören können als wir sprechen.
    :wwiggle:

  • Exorzismus.


    1. Wort und Begriff. Das Wort Exorzismus hängt etymologisch ebenso mit dem griechischen Wort für Schwur (?????) zusammen wie das deutsche Wort »Beschwörung« mit dem deutschen Wort »Schwur«, und ursprünglich hatten beide Worte auch die gleiche Bedeutung; doch wird heute das Wort Exorzismus in engerem Sinn gebraucht als das Wort Beschwörung. Für letzteren Begriff nehmen wir ungefähr die Bestimmung von Frl. Schusser (0. 1, 1109) an; nur möchte ich statt »Herbeirufung« »Anrufung« sagen, da der Zweck der Beschwörung auch, wie die Verf. richtig Sp. 1129 sagt, die Verjagung der angerufenen Macht sein kann, die schon zugegen ist und nicht erst herbeigerufen zu werden braucht. Exorzismus ist aber viel enger, nämlich die Beschwörung einer besonderen Macht, um sie zu vertreiben; der Exorzismus wirkt apotropäisch.


    Dagegen hatte ursprünglich das entsprechende griechische Wort ?????????? (ebenso ????????) die weitere Bedeutung »Beschwörung«, ohne daß ein apotropäischer Zweck damit unbedingt verbunden war. So im Zauberpapyrus I 80 S. 6: »Du aber beschwöre (????????) ihn mit folgendem Spruch, damit er unentwegt bei dir bleibe.« Eine solche Beschwörung wird ???????? (I 92 S. 8) und ?????????? (I 133 p. 10) genannt. Dagegen Pap. mag. IV 1239 S. 114 handelt es sich mit ???????? ??, ?????? um eine Dämonenvertreibung, ebenso IV 3007 ff. S. 170 mit ?????? und ????????1). Das Wort ????? selbst hat nicht nur die Bedeutung »Eid«, sondern auch »Zauberspruch, Beschwörungsformel«2). Da das Wort Exorzismus heute durchaus die apotropäische Bedeutung hat, so gehört der Exorzismus in die erste Gruppe der 0. 1, 375 f. oder in die zweite Gruppe der 0. 1, 1288 ff. aufgezählten vier kultischen oder magischen Handlungen, also unter die Apotropaia, worunter kultische oder magische Maßnahmen zu verstehen sind, durch welche böse Einflüsse, Mächte, Geister usw. ferngehalten, wenn sie sich nahen, oder vertrieben werden sollen, wenn sie bereits da sind; so möchte ich, etwas anders als 0. 1, 129, die Definition geben. Auf den Exorzismus war also auch in dem Art. Abwehrzauber wenigstens hinzuweisen. Exorzismus bedeutet also die direkte, gewaltsame Vertreibung der anwesenden bösen Geister, mögen diese sich nun in einem Menschen, einem Tier, in einem Bauwerk oder Grundstück oder sonstwo befinden. Eine indirekte Vertreibung findet z.B. vermittelst des Sündenbockes (s.d.) statt und gehört nicht hierher; s. auch Übertragung. Der Mensch, der diese Vertreibung vornimmt, ist der Exorzist (?????????? Anth. Pal. XI 427; Ap.-Gesch. 19, 13). Wenn also die apotropäisch-kathartischen Riten entweder vertreibend oder prophylaktisch wirken können3), so dient der Exorzismus dem ersten Zweck. Und wenn es Apotropaia gibt, die sich gegen orendistische Kräfte wenden (z.B. Maßnahmen gegen den bösen Blick, Fesselung oder Pfählung des Toten, Abwaschen von Befleckungen u.a.m.), so richtet sich der Exorzismus lediglich gegen persönliche böse Geister. Er setzt also den Glauben an solche voraus. Demnach ist also der Exorzismus mit einem strengen Monotheismus (s.d.) eigentlich nicht vereinbar, wenn man nämlich mathematisch eins gleich eins nimmt und unter Monotheismus den Glauben (nicht an ein höchstes Wesen, sondern) an einen einzigen Gott versteht, neben dem es keine andern, auch keine bösen Götter mehr gibt. Doch hat sich vielfach in der Theologie und in der durch sie beeinflußten Religionswissenschaft ein laxerer Gebrauch des Wortes Monotheismus breit gemacht, so daß sogar etwa gesagt werden kann4): »Die Galla sind bis zu einem gewissen Grade monotheistisch. Sie nehmen das Wirken guter und böser Geister an und verehren die Toten.« So findet sich denn der Exorzismus sowohl bei polytheistischen wie bei den sogenannten monotheistischen Völkern auch im offiziellen Ritual.




    2. Verbreitung des Exorzismus: Apotropäisch-kathartische Riten sind überall zu Hause, wo der Glaube an schädigende, unreine Kräfte und böse Geister lebendig ist, und wo man an böse Geister glaubt, gibt es auch einen Exorzismus - Hier einige Nachweise über den Exorzismus außerhalb des neueren deutschen Aberglaubens.




    3. Exorzismus in Glaube und Aberglaube, Religion und Magie. Der Exorzismus wird als religiöse Handlung und als Zauberhandlung betrieben; der Priester und der Zauberer nimmt ihn vor; er findet sich bei uns als religiöses Mittel in der katholischen Kirche und als abergläubische Veranstaltung im heutigen deutschen Volksbrauch. So können wir also auch heute noch einen kirchlich gebilligten und einen von der Kirche verworfenen (volkstümlichen) Exorzismus unterscheiden5). Nur die Betrachtung des letzteren gehört hierher; aber auch der erstere muß berücksichtigt werden aus zweifachem Grund: einmal, weil eine Abgrenzung des einen vom andern gegeben werden bzw. die verschiedenen Gesichtspunkte, unter denen beide betrachtet und beurteilt werden können, besprochen werden müssen, dann, weil die Erscheinungsformen beider Arten von Exorzismus große Ähnlichkeiten zeigen. Um die Unterscheidung des religiösen vom magischen Exorzismus ruhiger beleuchten zu können, wenden wir uns zunächst einem nichtchristlichen Kulturkreis zu, dem antiken, wo dieser Unterschied ebenfalls schon vorhanden ist und wo wir bereits den dreifachen überhaupt möglichen Standpunkt, den man dem Exorzismus gegenüber einnehmen kann, antreffen. So macht Plato einen scharfen Unterschied zwischen dem Weihepriester, der mit seiner göttlichen Kraft den vom Wahnsinn Befallenen vermittelst Gebeten, Sühne- und Weihemitteln heilte, etwa den Priestern des Dionysos, und auf der andern Seite den Winkelpriestern und Zauberern, die ähnliche Wirkungen durch ähnliche Mittel wie jene hervorzurufen versprachen6). Und in der Tat kannte man bei den Griechen sowohl den Exorzismus als kultische Handlung, vorgenommen durch die Priester bestimmter Gottheiten, als auch den Exorzismus als Zauber7).


    Diesen Standpunkt, den Plato vertritt, der die eine Art des Exorzismus billigt, die andre Art verwirft, wollen wir den theologischen Standpunkt nennen. Als Vertreter einer zweiten Anschauung tritt uns ein Arzt aus der Schule des Hippokrates entgegen, der in seiner Schrift über die »heilige Krankheit« jegliche Art von Exorzismus verwirft und bei Krankheiten allein den Arzt helfen läßt8); das ist der wissenschaftliche Standpunkt, der den Glauben an Dämonen und dämonische Besessenheit ablehnt und also auch den Exorzismus in keinerlei Form anerkennt. Und der dritte Standpunkt ist der volkstümliche, der im Prinzip keinen Unterschied zwischen religiösem und magischem Exorzismus macht, sondern nach Bedarf einen Priester des Dionysos oder der Kybele oder einen Zauberer beizieht, da er von der Wirkung jeglichen Exorzismus überzeugt ist. Genau so liegen die Verhältnisse auch noch heute, wo von der katholischen Kirche der Exorzismus der Kirche von dem des Aberglaubens unterschieden wird, und wo auch jede der zwei andern genannten Anschauungen ihre Vertreter findet. Wie weit also der Exorzismus in das Gebiet der Religion oder des Aberglaubens fällt, darüber wird die Entscheidung je nach dem Standpunkt des Beurteilers, für den es, wie wir sahen, eine dreifache Möglichkeit gibt, verschieden ausfallen.


    Wir müssen dabei zwei Fragen streng auseinanderhalten: 1. Was ist magischer, was ist religiöser Exorzismus? Welcher Exorzismus gehört in das Gebiet der Zauberei und des Aberglaubens und welcher in das Gebiet der Religion? 2. Welcher Exorzismus beruht auf richtigem Glauben und Anschauungen und welcher auf falschem? Welcher Exorzismus ist berechtigt und welcher nicht? - Wir betrachten diese Fragen von jenem dreifachen Standpunkt aus.

  • A. Vom theologischen Standpunkt aus oder speziell vom Standpunkt der katholischen Kirche aus wird der kirchliche Exorzismus streng vom magischen Exorzismus geschieden, dieser verworfen und jener gebilligt, wenn auch nicht, wie es scheint, wenigstens in der Gegenwart, gerade mit besonderem Eifer gefördert und betätigt. Zum magischen Exorzismus gehört hiernach jeder Exorzismus, der nicht von einem Vertreter der Kirche vorgenommen wird, also auch z.B. der Exorzismus, den Plato als religiösen Exorzismus dem zauberischen gegenüberstellt, d.h. jeder nichtkirchlich-katholische Exorzismus in jeglicher Form. Denn der wesentliche Unterschied zwischen beiden Exorzismusarten liegt nach dieser Anschauung in der Macht begründet, womit er ausgeübt wird: in der Macht Gottes, die weder im Exorzismus des Zauberers noch in dem des heidnischen Priesters wirksam ist. Hierüber werden sich freilich die Vertreter des Exorzismus aus beiden Lagern, aus dem katholischen und aus dem magischen bzw. heidnischen, nicht einigen, da jeder Exorzist seine Kraft für die wirkungsvolle hält, und wer ihn um Hilfe anruft, wird ihm beipflichten. So ist ja auch der Vorwurf der Magie den Wunderhandlungen einer fremden Religion gegenüber uralt; der Heide Kelsos hat die evangelischen Wunder als Zauberei bezeichnet und ebenso Origenes die antiken Wunder9). Dazu ist zu bemerken, daß die Kraft, mit der der Exorzismus von den Dienern der Kirche und denen des Zaubers vorgenommen wird, häufig dieselbe ist, exorzisieren ja doch auch häufig die »Braucher« unter Anrufung Gottes oder Christi, was selbstverständlich von der Kirche wieder als Mißbrauch verworfen wird. Literatur zum kirchlichen Exorzismus s.u.

    Nr. 4. - Die katholische Unterscheidung zwischen kirchlichem und nichtkirchlichem Exorzismus ist also dieselbe, wie etwa zwischen kirchlich gebilligten geweihten Medaillen, Skapulieren usw. und volkstümlichen Amuletten; s. hierüber 1, 377 f. Und wie ebenda gesagt ist, daß zwar der Protestantismus keine amulettähnlichen heiligen Gegenstände kennt, sich aber Amulette doch auch in der protestantischen Bevölkerung finden, so gibt es auch in der protestantischen Kirche zwar keinen Exorzismus, aber da der Teufels- und Dämonenglauben auch der protestantischen Bevölkerung nicht fehlt, kommen auch bei ihr gelegentlich exorzistische Handlungen vor.



    B. Für den volkstümlichen Standpunkt ist zu bemerken, daß wir hier jeden Exorzismus als wirksam angewendet finden, daß man an die Kraft des Dieners der Kirche wie an die des Brauchers glaubt, daß jedoch das Bewußtsein für die Unterscheidung dessen, was kirchlicher Exorzismus und was Zauberei bzw. von der Kirche verboten ist, häufig vorhanden ist.


    C. Vom dritten Standpunkt aus verwirft man jeden Dämonen- und Teufelsglauben und hält somit jeden Exorzismus für unberechtigt. Gleichwohl kann man auch von diesem Standpunkt aus einen Unterschied zwischen religiösem und abergläubischem, magischem Exorzismus machen, wie man ja auch hier einen Unterschied zwischen Religion und Magie, Gebet und Zauberspruch usw. macht. Der Unterschied wird nach dieser Auffassung wesentlich in der Stellung des Exorzismus zur offiziellen Religion liegen10). Der religiöse Exorzismus wird von den offiziellen Vertretern der Religion und der Kirche, der magische Exorzismus von denen vorgenommen, die sich persönlich durch eigene Kraft und Kenntnisse dazu für berechtigt halten. Hier ist also religiöser Exorzismus nicht nur der Exorzismus der katholischen Kirche, sondern auch der Exorzismus, wie ihn ein Dionysos- oder Kybelepriester vornahm. Ein weiterer Unterschied läßt sich von diesem Standpunkt aus nicht feststellen, wenn freilich die Zugehörigkeit zur offiziellen Kirche dem religiösen Exorzismus auch in der äußern Erscheinung einen besondern Stempel aufprägt. Im übrigen besteht kein prinzipieller Unterschied weder in den angewandten Mitteln noch in dem damit verfolgten Zweck, und ebenso liegt hier wie dort der gleiche Glaube an die Existenz böser Dämonen und an die Wirkung einer starken Kraft, wodurch jene vertrieben werden, zugrunde. Hinsichtlich dieser Kraft aber eine Unterscheidung zwischen zweierlei Exorzismus zu machen, ist nicht Sache des auf diesem Standpunkt stehenden Beurteilers, da dies nicht Sache der Wissenschaft, sondern des Glaubens und der Theologie ist.




    4. Geschichte des Exorzismus Von einer eigentlichen geschichtlichen Entwicklung der Erscheinungsformen des Exorzismus kann naturgemäß keine Rede sein, da Zweck, Mittel und äußere Formen im wesentlichen konstant sind und zu allen Zeiten in ähnlichen Formen vorkommen, nur daß gelegentlich in den Exorzismusformeln und in der Anwendung dieser oder jener Mittel eine Änderung, auch in der kirchlichen Praxis, eintrat. Er findet sich auch im europäisch-christlichen Kulturkreis als kirchlicher und volkstümlicher Exorzismus von den Anfängen des Christentums bis zur heutigen Zeit. Dagegen hat sich der Glaube an die Wirksamkeit des Exorzismus insofern geändert, wodurch auch die Häufigkeit seiner Anwendung gemindert wurde, daß auf die Blütezeit des Exorzismus im MA. (s. a. Hexenhammer) seine stärkere Bekämpfung und Zurückdrängung im 18. und 19. Jh. folgte, wie auch hier die Lehre von der Existenz des Teufels (s.d.) und der bösen Geister mehr und mehr angegriffen wurde. Die Mehrzahl der Fälle von Besessenheit und Exorzismus aus neuester Zeit stammen wohl aus Bayern.


    Die protestantische Kirche kennt offiziell keinen Exorzismus Bereits in der ersten Zeit der Reformation finden sich Stimmen für und gegen den Teufels- und Dämonenglauben, ein Streit, der auch heutigentages im protestantischen Lager noch nicht ganz entschieden ist, und in dem manche noch der Auffassung Luthers folgen. Und so werden gelegentlich auch von protestantischen Pfarrern noch Exorcismen ausgeführt, wie z.B. durch den bekannten11) Joh. Christ. Blumhardt in Möttlingen bei Calw um die Mitte des 19. Jhs.12). Aus den älteren Streitigkeiten über den Exorzismus im protestantischen Lager nenne ich noch die zwei Schriften: »Vom Exorcismo. Das dieser ohne Verletzung des Gewissens bey der Tauffe mag gebraucht und behalten werden. Etliche Tractätlein: 1. J. Menii, 2. Lutheri Vorrede über das Tauffbüchlein, 3. Die Gebet bey der Tauff zu Cölln an der Sprew, 4. Zwei Episteln T. Heshusii, 5. Epistel Ph. Melanchthonis, 6. J. Coleri Büchlein. Weil sich itzo etliche unterstehen, denselben auszumustern.« O.O. 1590. Und: »Ch. Kittelman, Von dem Exorcismo d.i. Von den Worten: ›Fahre aus, du unreiner Geist, und gib Raum dem heiligen Geist.‹ Daraus zu ersehen, das ermelter Exorcismus in unsern Kirchen behalten werde, und W. Amling zu Anhalt kein Ursachen gehabt denselben abzuschaffen.« O.O. 1591. Aber noch 1893 wehrte sich der Kongreß der Irrenärzte gegen die auch von protestantischer Seite vertretene Ansicht, die Irrsinnigen seien dämonisch Besessene13).


    Auch die Grundlage des kirchlichen Exorzismus ist in neuerer Zeit in ihrer Festigkeit bezweifelt worden. Er beruht ja auf den bekannten evangelischen Erzählungen, bei denen es sich nach der Auffassung der katholischen Kirche um wirkliche Dämonenaustreibungen handelt, eine Ansicht, die hier naturgemäß keine Wandlung erfahren hat14), während andere in ihnen lediglich Berichte von Heilungen natürlicher Krankheiten oder bloße legendarische Erzählungen erblicken, wie sie auch im Bereich der antiken Wundererzählungen vorkommen. Der orthodoxe Protestantismus nähert sich der katholischen Auffassung. In der katholischen Kirche ist die Wirklichkeit der Besessenheit zwar kein förmlich erklärter Glaubenssatz, aber sie ist »nach der Lehre der hl. Schrift, nach der Übereinstimmung aller heiligen Väter, nach einigen Synodalaussprüchen, sowie nach so manchen Maßnahmen, Einrichtungen und Anordnungen der Kirche als ein geoffenbartes Dogma, als ein dogma revelatum zu qualifizieren«15). Und so hat die Kirche auch einen eigenen ordo exorcistatus bestellt, dem die offizielle Gewalt der Dämonenbeschwörung übertragen ist, und den jetzt jeder Priester (als die zweite unter den vier niederen Weihen) besitzt. Das Rituale Romanum gibt die genauen Anweisungen16). Die katholische Pastoralmedizin erkennt ebenso die Möglichkeit der dämonischen Besessenheit (s.d.) wie die Berechtigung des kirchlichen Exorzismus an17). - Über die Stellung der modernen Psychologie s. T.K. Oesterreich, Die Besessenheit 1921. - Daß Heilungen solcher, die sich für besessen halten, durch Exorzismus vorkommen, ist natürlich unbestreitbar, ebenso wenig bestreitbar aber auch der Schaden, der vom Exorzismus auf den Exorzisierten und seine Umwelt ausgehen kann.




    5. Verwendung und Mittel des Exorzismus Der Exorzismus kann überall da eintreten, wo das Dasein böser Geister angezeigt ist, die vertrieben werden sollen. So kann es also ein Exorzisieren von Menschen und Tieren, aber auch von Feldern, Grundstücken, Haus, Hof und Ställen geben, auch ein Vertreiben von Dämonen, die beim Gewitter tätig sind. Wie man hier überall apotropäische Gegenstände, Amulette, Talismane (s.d.) u. dgl. als prophylaktische Mittel anbringen kann, so kann auch hier ein Exorzismus ausgeübt werden, wenn böse Geister bereits vorhanden sind. S. etwa Art. Glocke, landwirtschaftliche Segen, Stall, Vieh, Wetterbann usw. Da Zaubern nichts anderes ist, als die Zauberkraft, das Orenda des Zauberers gegen das Orenda eines anderen anwenden, so soll beim Exorzismus durch die stärkere Kraft des Exorzisten die Kraft der Dämonen besiegt und diese vertrieben werden; es ist also ein Kampf gegen die Dämonen, die sich zur Wehr setzen. Als Mittel des Exorzisten kann man folgende Gruppen nennen, die alle in Sonderartikeln behandelt werden. Es sind dieselben vier Gruppen, die auch im Kult eine Rolle spielen18).


    A. Rein akustische Mittel: Geschrei, Lärm mit Instrumenten, Glocken, Musik.
    B. Worte: Beschwörungsformel, Zauberspruch, Gebet, orendistische und heilige Sprüche und Namen, Beschimpfungen.
    C. Körperbewegungen: Drohende Gebärden, Kreuzeszeichen, Hauchen und Blasen, Umgang, Tanz, Nacktheit.
    D. Orendistische oder heilige Gegenstände: Amulette, Kräuter, Kreuz, Heiligenbilder, Bibel, Reliquien, Weihwasser, sonstige apotropäische Dinge wie Eisen, Salz,


    Feuer usw.; Räucherungen. - Dazu tritt das Orenda, das Charisma des Exorzisten und seine Kenntnisse, über die er verfügen muß. Jede dieser Gruppen von exorzistischen Mitteln findet sowohl im religiösen wie im zauberischen Exorzismus Verwendung; Formeln des kirchlichen Exorzismus werden auch in volkstümlichen Beschwörungen angewandt19). - Über die volkstümliche Beliebtheit der Kapuziner beim Exorzismus s.d. Art.




    Pfister.





    HWA Bd. 2, S. 1098 ff.