Heide - Berufung auf Erfahrung, Quellen, Büchern oder...?

Schon gewusst…?

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  • Wie jeder persönlich zu den Göttern steht bleibt jedem selbst überlassen, aber ich finde es nicht gut, und vor allem nicht fair gegenüber Neueinsteigern, wenn persönliche Ansichten allgemeingültig formuliert stehen bleiben, als würden sie "das" Heidentum darstellen. Wenn man etwas über "das" Heidentum erzählen will, dann muss man zu den Quellen gehen, alles andere ist persönliche Interpretation. Legitim, aber eben persönlich.


    Man kann sich nicht über Esos beschweren, die das Heidentum uminterpretieren, und dann gleichzeitig die Quellen als unwichtig abtun. Wenn man es anders macht oder sieht ist das schön für einen, man wird seine Gründe haben, aber man sollte sich dann bitte bewusst sein, dass man da eben ein bisschen abweicht.


    Ich möchte nicht wissen wie viele Heiden schon an der Frage verzweifelt sind wann sie denn - eben wie Mose (oder der Namenlose Held :whistling: ) - von einem Gott erwählt werden :rolleyes: Wahrscheinlich schon fast so viele wie Möchtegern-Krieger auf ihren Platz in Walhall warten.


    Das lustige ist halt, dass das was in den Quellen erhalten ist meist (noch) viel Bodenständiger ist als das was sich Neuheiden so ausdenken.


    Welcher Gott ist dein Fulltrui? Dein Vertrauter? Ganz einfach der Gott auf den du (im Moment) am meisten vertraust. surprise surprise :D

  • Ich habe nie behauptet, extrem bibelfest zu sein (im sinne von "biblos"=Buch), und auch nie behauptet, dass meine Ansicht dazu das Dogma des Heidentums ist.


    Ich habe auch in meinen Beiträgen bewusst die Worte "ich", "mir", "meins" etc. benutzt, was, denke ich, sehr exakt zeigt, dass es esich dabei um MEINE persönliche Sicht handelt, und nicht um ein "man" im allgemeinen Sinne.


    Und sicher macht jeder, auch mit Kenntnis aus Büchern, denn auch da ist das Spektrum ja breit und die eigene Sicht setzt sich aus der persönlichen Auswahl der Literatur zusammen, sein eigenes Ding. Alles andere wäre, aufgrund der auch Entwicklung der Welt und des Lebens und seiner Umstände und Realitäten, die heute sich doch an vielen Stellen gravierend von denen unserer Ahnen unterscheiden, meiner Meinung nach fahrlässig und würde meinem Glauben nicht gerecht, wenn ich das außer Acht lassen würde. Die Götter sind heute eben auch anders als "damals", so, wie unser Leben heute ein anderes ist, als damals.


    Manche Sorgen, Ängste, Nöte, Freuden, Leidenschaften sind gleich oder ähnlich, weil sie fundamental ins Leben eingreifen und eben auch fundamental im Menschen verankert sind, andere sind neu, völlig anders, weil die Thematik, das Lebensfeld, ein gänzlich anderes ist, u.a. auch, weil es "so etwas" früher einfach schlicht nicht gab.


    Ich denke, jeder soll es so handhaben, wie es ihm "beliebt", was "richtig" und was "falsch" ist, das können wir nicht feststellen (oder vielleicht erst, wenn unserem irdischen Leben die Lampen ausgehen), belegen oder gar beweisen, wie manche Heidenfürsten es gerne tun. Zumindest ich schreibe das niemandem vor, ich beschreibe schlicht, wie es MIR damit ergangen ist. Nimm es so, oder lass es.

  • Ach Helsger, warum bist Du eigentlich immer so gereizt?


    Ich habe mich dabei auf Cals Aussage bezogen.


    Das ist absolut legitim und in Ordnung.
    Verwechsle das aber bitte nicht mit der Fulltrui-Sache. Da isses genau andersrum: Der Gott/die Göttin erklärt DIR, dass du ihn/sie künftig an der Backe hast. Und das ist beileibe nicht immer angenehm.

    Wie gesagt, schön wenn das viele so empfinden, ich bezweifle auch nicht, dass Cal es gut meinte, aber es kann doch nicht sein, dass man als Einsteiger direkt so eine subjektive Meinung quasi als Rüge rein geballert bekommt, obwohl nichts der gleichen überliefert ist.

  • Wie gesagt, schön wenn das viele so empfinden, ich bezweifle auch nicht, dass Cal es gut meinte, aber es kann doch nicht sein, dass man als Einsteiger direkt so eine subjektive Meinung quasi als Rüge rein geballert bekommt, obwohl nichts der gleichen überliefert ist.

    Da hatta ja Recht. Ich verorte das mal unter "ist untergegangen, weil textlich und nicht im direkten Gegenüber".


    Ist ja so, ich selber bin ja auch recht unerfahren, lese mich durch, wo immer ich etwas finde, und bei manchen Aussagen frage ich mich dann (verunsichert, wie ich halt so bin) "Frollein, machst Du das jetzt falsch? Ist das allgemeingültig? Muss ich das machen wie der/die das sagt? (Auch ein Grund, warum ich ein eher ambivalentes Verhältnis zu etwaigen Facebookgruppen habe. Und einigen websites.


    Als jemand, der schon länger in der Materie steckt, ist aber auch die eigene Ansicht schneller mal als allgemeingültig dargestellt, als man es eigentlich vor hat. Glaube ich.

  • Doch, das kann sehrwohl sein, wenn man keine Buchreligion hat. Erleb das, was einige hier bereits erlebt haben, und du brauchst keine geschriebenen Dogmen mehr.
    Und ja, der Cal hat das durchaus gut gemeint und keinesfalls jemanden eine Rüge reingeballert. Aber es ist halt wiedermal das uralte, blöde Beispiel, dass es sehr schwierig ist, einem von Geburt an Blinden nen Regenbogen zu erklären.
    Und ich hab jetzt nicht gesagt, dass der Threadersteller blind ist. :ugly:

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • Jaja natürlich Erfahrung bla bla.


    Vielleicht bist Du ja auch blind, weil du immernoch Götzen anbetet, oder immer noch nicht erkannt hast, dass alles Gott ist, oder dass gar nichts Gott ist, oder oder oder....



    Es gibt 7 Millarden Menschen auf der Welt und weil man selbst eine Erfahrung gemacht hat, müssen alle anderen natürlich auch diese Erfahrung machen, denn sonst sind sie doof und unfähig und spirituell verkümmert. :facepalm:


    Und ja, wir haben in dem Sinne mittlerweile leider eine Buchreligion, denn die mündliche Tradition ist ausgestorben. Selbst weite Teile des Aberglaubens sind ausgestorben. Ohne die pösen pösen Quellen würde hier niemand auch nur den Namen eines einzigen germanischen Gottes kennen.


    Wenn Geza sagt Riesen sind Teufel ist das ultrakomisch, weil er hat ja so einen Christenkomplex. Wenn Cal sagt Götter erwählen sich ihre Menschen und bürden sich ihnen auch mal gerne auf, ist das lebendiges Heidentum. :thumbup:


    Ein dreifaches Hoch auf die Heidenheit!



  • @Ulfberth


    :boybrav:




    Jaja natürlich Erfahrung bla bla.

    Hatten wir vor Jahren schonmal... :D

    Vielleicht bist Du ja auch blind, weil du immernoch Götzen anbetet, oder immer noch nicht erkannt hast, dass alles Gott ist, oder dass gar nichts Gott ist, oder oder oder....

    Womöglich?

    Es gibt 7 Millarden Menschen auf der Welt und weil man selbst eine Erfahrung gemacht hat, müssen alle anderen natürlich auch diese Erfahrung machen, denn sonst sind sie doof und unfähig und spirituell verkümmert.

    Nö.

    Und ja, wir haben in dem Sinne mittlerweile leider eine Buchreligion, denn die mündliche Tradition ist ausgestorben. Selbst weite Teile des Aberglaubens sind ausgestorben. Ohne die pösen pösen Quellen würde hier niemand auch nur den Namen eines einzigen germanischen Gottes kennen.

    ...siehe Pipi Intro-Song

    Wenn Geza sagt Riesen sind Teufel ist das ultrakomisch, weil er hat ja so einen Christenkomplex. Wenn Cal sagt Götter erwählen sich ihre Menschen und bürden sich ihnen auch mal gerne auf, ist das lebendiges Heidentum.

    Exakt! du verstehst schnell! :thumbup:

    Ein dreifaches Hoch auf die Heidenheit!

    Da bin ich mit dabei! :prost:

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

    Einmal editiert, zuletzt von Cal ()

  • Ich möchte nicht vom Topic ablenken, finde Folgendes aber wichtig:


    Doch, das kann sehrwohl sein, wenn man keine Buchreligion hat.


    Und ja, wir haben in dem Sinne mittlerweile leider eine Buchreligion, denn die mündliche Tradition ist ausgestorben. Selbst weite Teile des Aberglaubens sind ausgestorben. Ohne die pösen pösen Quellen würde hier niemand auch nur den Namen eines einzigen germanischen Gottes kennen.


    Die Heiden, egal ob Griechen oder Chatten oder oder, mögen keine Bibel und keinen Prediger von der Kanzel gehabt haben, sehr wohl hatten sie eine Tradition und ein Familienoberhaupt am heimischen Herd, der/die das religiöse Oberhaupt der Familie war und sehr wohl darauf achtete, dass die von den Vätern und Müttern überlieferten Bräuche beachtet wurden.


    Individualismus und Persönliches ist ja voll im Trend, sicherlich auch nicht ganz unwichtig, aber dennoch sollten wir uns tatsächlich einmal davon verabschieden, dass das Heidentum vollkommene Freiheit war und das Christentum eine Zwangsjacke. Der christliche Gott wurde als allumgegenwärtig aufgefasst und es bedürfte keiner alten Gebete, Beschwörungen, bestimmter Tage oder Bedingungen, um zu ihm zu beten. Ich denke, für viele Menschen von damals muss gerade das Christentum wie eine freiere Religion gewirkt haben, die viel weniger rituelle Vorschriften kannte als die von den Vätern und Müttern ererbte. Glaubensmäßig gesehen war sie dann wieder eine unfreiere Religion, doch als man das merkte, war es eben schon zu spät.


    Wie dem auch sei: auch ich halte es nicht für vorteilhaft, wenn auf Fragen von NeueinsteigerInnen immer im Sinne des neuheidnischen Credo „Tue, was Du willst” reagiert wird. Das mag ja angenehm sein, ist auch heidnisch (alles was nicht christlich oder jüdisch ist, ist schließlich heidnisch), aber wenn man sich entschließt, einer bestimmten Tradition zu folgen, ist es doch normal, wenn man sich da an die jeweiligen Kriterien hält. Bei den modernen römischen und hellenistischen Heiden ist dies eigentlich nie Gegenstand einer Diskussion. Vielleicht weil da die Quellen auch zugänglicher sind, ich weiß es nicht.

    2 Mal editiert, zuletzt von Iwan-Dummerjan ()

  • My2Cent:
    @Ulfberth hat Recht. Aber eben nicht nur...


    Ich halte UPG für wichtig aber sie ist eben persönlich und sollte von anderen Menschen mit Vorsicht und kritisch betrachtet werden. Weil etwas für mich stimmt, muss es für andere nicht mal Sinn ergeben.



    Etwas vollkommen anderes ist die professionelle Wiederbelebung des Glaubens, wie sie die Norroena Society betreibt, ein großer Gegensatz zur Rekonstruktion, die eben fast ausschließlich auf die Quellen setzt. Ich finde beide Richtungen spannend und verfolge beide neugierig.


    UPG Allgemeingültigkeit unterstellen oder Quellen erfinden wie die Kreislauffamiliensaga mag ich aber nicht.

    "A sane and normal society is one in which people habitually disagree, because general agreement is relatively rare outside the sphere of instinctive human qualities." C.G. Jung

    "Ich verlasse mich darauf, dass die Götter auch wollen, dass wir überleben. Sie werden uns nicht im Stich lassen, wenn wir sie nicht vergessen" Fortabt Sjael

  • ich habe manchmal den Eindruck, es haben manche "Anfänger" gewisse Ängste etwas "Falsch" zu machen. Es wäre ihnen recht wenn es ein "allgemeingültiges Nachschlagewerk" geben würde. Oder noch besser einen "Guru" den man als Lehrer sehen kann.
    Um in seinen eigenen Ansichten zu wachsen sollte jeder Mensch den "Austausch" mit seinen Mitmenschen suchen, was wiederum hier im Forum ja hervorragend funktioniert. Auch wenn man sich mal missversteht oder sich zu "grob" angesprochen fühlt. Im Grunde habe ich bis jetzt immer interessante und inspirierende Antworten auf meine Fragen erhalten.

  • Wer bin ich denn das ich anderen zu sage wie sie zu glauben haben, wäre ja noch besser !! Ich mein, wegen so was bin ich ja nicht mehr Mitglied in diesem komischen Verein der sich Christen nennt.


    Da fehlt mir die Qualifikation für, weil ich möcht' nicht über meine Cousinen rüberrutschen. :P

  • Wie jeder persönlich zu den Göttern steht bleibt jedem selbst überlassen, aber ich finde es nicht gut, und vor allem nicht fair gegenüber Neueinsteigern, wenn persönliche Ansichten allgemeingültig formuliert stehen bleiben, als würden sie "das" Heidentum darstellen. Wenn man etwas über "das" Heidentum erzählen will, dann muss man zu den Quellen gehen, alles andere ist persönliche Interpretation. Legitim, aber eben persönlich.

    Im Grunde gebe ich dir recht. Das kann verwirren.
    Leider ist eine Antwort recht schnell und unabsichtlich so formuliert, dass sie als allgemein gültig interpretiert werden könnte. Ist mir wahrscheinlich auch schon zig mal passiert.
    Dem zugrunde liegt aber oft auch schon die Fragestellung - "Wie seht ihr das?" etc...


    Nichts desto trotz, werde ich für meinen Teil künftig genau darauf achten, wenn ich in Frage-Threads antworte.



    Zitat von Ulfberth

    Das lustige ist halt, dass das was in den Quellen erhalten ist meist (noch) viel Bodenständiger ist als das was sich Neuheiden so ausdenken.

    Da stelle ich mal die gewagte These auf, dass Heiden jeder Epoche/Zeit relativ gesehen jeweils selbst Neuheiden waren.
    Und da gehe ich noch weiter und behaupte, dass jeder Quelle eine persönliche Note, Sichtweise oder sogar Interpretation inne wohnt.
    Ist es nicht so, dass sich das Heidentum gerade NICHT durch Quellen, sondern persönliche Erfahrungen definiert?


    Sogar heidnisches Brauchtum befindet sich doch im Fluss. Das wird in vorwiegend "heidnischen Zeiten" nicht anders gewesen sein. In jeder Generation wird sich das Brauchtum vom Vererbten weg entwickelt haben.
    Das macht heidnisches Glauben aber nicht unglaubwürdiger, wie Kritiker das sehen würden. Sondern authentischer.



    Zitat von Ulfberth

    Welcher Gott ist dein Fulltrui? Dein Vertrauter? Ganz einfach der Gott auf den du (im Moment) am meisten vertraust. surprise surprise

    Einseitig gesehen, möglicherweise. Aus göttlicher Sicht ist das Unfug. Die Götter besitzen logischerweise einen freien Willen, eigene Interessen und Vorlieben. Ein Gott, dem ich persönlich über alle Maßen vertrauen, muss dieses Vertrauen noch lange nicht erwidern. Es wäre sogar vermessen, das anzunehmen.
    Ist es da nicht viel sicherer, das mit dem jeweiligen Gott auszuhandeln bzw auf eine Handreichung zu warten?

    Was die Welt dir nicht gab,
    das kann die Welt dir nicht nehmen!

  • Ist es nicht so, dass sich das Heidentum gerade NICHT durch Quellen, sondern persönliche Erfahrungen definiert?


    Sogar heidnisches Brauchtum befindet sich doch im Fluss. Das wird in vorwiegend "heidnischen Zeiten" nicht anders gewesen sein. In jeder Generation wird sich das Brauchtum vom Vererbten weg entwickelt haben.

    Wie Iwan schon anmerkte täuscht das. Tacitus berichtet bspw von einem Wagenumzug und tausend Jahre später haben wir aus Schweden ähnliche Kunde. Die Mysterien von Eleusis wurden ebenfalls über tausend Jahre lang abgehalten und der Grundaufbau der Opfer ist sogar in jeder mir bisher bekannten Kultur zu jeder Zeit ziemlich ähnlich.Nur weil man Dinge nicht aufgeschrieben hat waren sie nicht beliebig. Der germanische Stabreim hatte bspw. wahrscheinlich auch den Sinn, dass man sich durch die Alliterationen die Zeilen besser wortgetreu merken kann. Sicherlich gab es räumliche und zeitliche Variationen, vor allem was Mythen angeht, im Kern bleiben sie jedoch ziemlich gleich.


    Wie gesagt, diese mündliche Tradition ist weitestgehend leider abgerissen, uns bleibt glücklicherweise die Alternative der Quellen um wieder an der Tradition anzuknüpfen.


    Spirituelle Erfahrungen sind neben der Tradition das zweite Standbein eigentlich einer jeden Religion. Bei den Offenbarungsreligionen kommt nur noch der (unbedingte) Glaube hinzu.



    Und da gehe ich noch weiter und behaupte, dass jeder Quelle eine persönliche Note, Sichtweise oder sogar Interpretation inne wohnt.


    Sicherlich, deshalb ist die Quellenkritik ja so wichtig, aber etwas anderes bleibt uns nicht.



    Einseitig gesehen, möglicherweise. Aus göttlicher Sicht ist das Unfug. Die Götter besitzen logischerweise einen freien Willen, eigene Interessen und Vorlieben. Ein Gott, dem ich persönlich über alle Maßen vertrauen, muss dieses Vertrauen noch lange nicht erwidern. Es wäre sogar vermessen, das anzunehmen.
    Ist es da nicht viel sicherer, das mit dem jeweiligen Gott auszuhandeln bzw auf eine Handreichung zu warten?


    Das wurde aus dem Kontext gerissen, weil der Faden abgetrennt wurde. Ich habe mich damit hierrauf bezogen:



    Also in den.....sage ich das böse Wort? ... in den Quellen .... ist das Verhältnis zum "Freundgott" einfach dadurch charakterisiert, dass der bestimmte Gott besonders viele Opfer erhält und besonders oft oder großzügig darauf regiert hat. Das Vertrauen bezieht sich also auf die Reaktion dieses Gottes und angedeutet wird auch, dass dieses Vertrauen brechen kann...

  • ich habe manchmal den Eindruck, es haben manche "Anfänger" gewisse Ängste etwas "Falsch" zu machen. Es wäre ihnen recht wenn es ein "allgemeingültiges Nachschlagewerk" geben würde. Oder noch besser einen "Guru" den man als Lehrer sehen kann.
    Um in seinen eigenen Ansichten zu wachsen sollte jeder Mensch den "Austausch" mit seinen Mitmenschen suchen, was wiederum hier im Forum ja hervorragend funktioniert. Auch wenn man sich mal missversteht oder sich zu "grob" angesprochen fühlt. Im Grunde habe ich bis jetzt immer interessante und inspirierende Antworten auf meine Fragen erhalten.

    Ich frage mich aber, was denn nun so schlimm daran sein soll, die uns bekannten Bräuche weiterzugeben? Ist es nun so vermessen, andere Heiden zu warnen, dass man nach einheimischen Volksglauben beispielsweise keine Holunderzweige ins Hause nehmen soll, da sie den Tod brächten? Klar kann man dies nun als Aberglauben abtun, aber aus Wikingerzeit stammt nun einmal nicht so viel mehr an überlieferten Riten. Und vieles im Volksglauben ähnelt tatsächlich den uns bekannten Riten aus der Antike. Für mich ist der deutsche Volksglauben, wie er im 19. Jh. niedergeschrieben wurde und wie er wohl noch bis ins 18. Jh. verbreitet war, hie und da sicherlich noch bis heute, für mich ist dieser Volksglauben das Heidentum aus unseren Tagen. Kein Erbe der germanischen Religion, obgleich sicherlich einiges davon eingesickert ist, aber eben der Volksglauben unserer direkten Vorfahren der letzten Jahrhunderte.


    Und dieser Volksglaube, oder lieber: dieses Volksbrauchtum ist sehr wohl dokumentiert, dafür gibt es Überlieferungen und Quellen.


    Wer bin ich denn das ich anderen zu sage wie sie zu glauben haben, wäre ja noch besser !! Ich mein, wegen so was bin ich ja nicht mehr Mitglied in diesem komischen Verein der sich Christen nennt.

    Es geht doch überhaupt nicht um den Glauben! Die Gleichsetzung Religion = Glaube ist nicht allgemeingültig, sondern christlich. Es sind uns von den heidnischen Kulturen keine Glaubenssätze bekannt. Bei den heidnischen Schriftkulturen Europas war Religion zunächst die Pflege der von den Vorfahren ererbten religiösen Bräuchen. Ulfberth hat es oben schon beschrieben. Man hat sich an die alten Riten gehalten.


    Was der Einzelne glaubte, war unerheblich. In dieser Hinsicht ist das Heidentum tatsächlich frei. Niemand hat zu buchstäblich zu glauben, dass im Zentrum des Universums eine riesige Weltesche steht oder das der Himmel auf dem Atlasgebirge in Marokko ruht. Man kann daran glauben, es wird aber niemals von irgendeinem heidnischen Priester kontrolliert werden. Kern der heidnischen Religionen waren die jeweiligen Riten, nicht irgendein Glaube, irgendeine Hingabe.


    Ist es nicht so, dass sich das Heidentum gerade NICHT durch Quellen, sondern persönliche Erfahrungen definiert?

    Nein. Das Heidentum, wie ich es kennengelernt habe, eben aus Berichterstattung, aus Büchern, definiert sich eher durch Ritualismus und Tradition.


    Sogar heidnisches Brauchtum befindet sich doch im Fluss. Das wird in vorwiegend "heidnischen Zeiten" nicht anders gewesen sein. In jeder Generation wird sich das Brauchtum vom Vererbten weg entwickelt haben.
    Das macht heidnisches Glauben aber nicht unglaubwürdiger, wie Kritiker das sehen würden. Sondern authentischer.

    Natürlich befindet sich alles im Fluss. Darüber diskutiert auch keiner. Aber damit sich etwas entwickeln kann, sollte man doch erst einmal die Grundlagen kennen. Und darum geht es mir ein wenig. Neulinge haben doch ein Recht darauf, dass man sein Wissen mit ihnen teilt.


    Ich verstehe es manchmal nicht... Was ist denn schöner, als etwas zu tun, von dem man weiß, dass es bereits die eigenen Großeltern usw. getan haben? Sicherlich werden diese nicht Wotan oder Donar angerufen haben, viele werden sogar noch gläubige Christen gewesen sein, aber auch dann werden sie doch wohl noch ein paar Dinge aus dem Volksglauben gekannt haben.

  • Kleiner Nachtrag


    Man braucht nicht unbedingt an einer heidnischen Tradition anzuknüpfen, um Heide zu sein. Ein Mensch, der noch nie in einem Buch etwas übers Heidentum nachgeschlagen hat, dafür aber in den Wald geht und dort an Felsen, Bäumen oder Quellen kleine Opfer für welche Götter oder Geister auch immer darbringt, ganz so, wie es sich für diesen Menschen anfühlt, der ist für mich genauso ein Heide, wie ein Mensch, der sich zum Beispiel für die Germanen interessiert, alles möglich zum Thema „germanische Religion” liest und dann aufgrund seiner Lektüre eben sich an das spärlich Überlieferte hält.


    Der Unterschied in meinen Augen zwischen beiden ist einfach, dass dieser eben ein germanischer Heide ist, jener einfach nur ein Heide ohne ausgesprochene kulturelle Zugehörigkeit.


    Nun muss allerdings dazu gesagt werden, dass die Bräuche nun auch oft nicht so weit hergeholt waren. Ich denke einmal, auch wenn man ohne vorher Bücher gewälzt hat, kann man von der Schönheit der Natur zu rituellen Handlungen inspiriert werden und können diese jenen der Alten gleichen ohne dass man sich dessen bewusst ist.

  • [...] Neulinge haben doch ein Recht darauf, dass man sein Wissen mit ihnen teilt. [...]

    Den Satz finde ich schön.


    Und ist es nicht so, dass wir gerade jetzt (um mal bei dem "im Fluss sein" Sache zu bleiben), die größten Möglichkeiten haben, alte Traditionen, Riten, Gebräuche etc zu erfahren und zu lernen, Dank des Internet können wir uns ja wirklich so umfassend umschauen, wie wir es wollen.


    @Iwan-Dummerjansprach ja freundlicherweise die Großeltern und so an. Alles Liebe an meine Ahnen, sie haben mir einiges mitgegeben, nur leider nicht das, was ich explizit über die alten Götter wissen wollte. Oder will. Und gerade das persönliche, so denke ich mir, bringt doch erst Leben in die Materie. Klar kann ich mir stapelweise Bücher aus der Bibliothek holen, aber wenn ich in einem Kaff wie diesem hier lebe, fehlen mir persönliche Meinungen dazu. Die hole ich mir hier in diesem Forum.


    Lange Rede, kurzer Sinn:



    [...] Aber damit sich etwas entwickeln kann, sollte man doch erst einmal die Grundlagen kennen. Und darum geht es mir ein wenig.[...]

    Schön, wenn man sich auf niedergeschriebene Quellen begründen kann. Ist auch wichtig. Aber wenn jemand sich nicht gerade durch die Edda arbeiten will oder wissenschaftliche Abhandlungen über Grundlagen durchackern will, ist der persönliche Austausch am schönsten. Und die Grundlagen, die man sich aus solchen Gesprächen holen kann, sind irgendwie (meine Meinung) am herzlichsten. Oder menschlichsten. Oder wie auch immer. Emotionaler.


    Und da greift dann die Aussage

    [...]Leider ist eine Antwort recht schnell und unabsichtlich so formuliert, dass sie als allgemein gültig interpretiert werden könnte. Ist mir wahrscheinlich auch schon zig mal passiert.
    Dem zugrunde liegt aber oft auch schon die Fragestellung - "Wie seht ihr das?" etc...


    [...]

    Ich sollte jetzt mal arbeiten^^


    Ist halt spannend gerade.

  • Nein. Das Heidentum, wie ich es kennengelernt habe, eben aus Berichterstattung, aus Büchern, definiert sich eher durch Ritualismus und Tradition.

    Ritualismus und Tradition schließen doch eigene Erfahrungen nicht aus. Das wäre ja auch echt schlimm, weil das einen Mangel an Feedback und somit eine recht schmale oder sogar fehlende Bindung zu den Göttern belegen würde.
    Wenn man z.B. Rituale nur so versteht, dass man sie programmatisch abspult des Rituals wegen, tritt man doch gar nicht wirklich mit jenen in Kontakt, an die das jeweilige Ritual adressiert ist.
    Oder versteh ich da was falsch. ;-)

    Was die Welt dir nicht gab,
    das kann die Welt dir nicht nehmen!

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