heidnischer Traumfänger

Schon gewusst…?

Der norwegische König Olav I. Tryggvason drohte im 10. Jahrhundert damit, alle Isländer in Norwegen töten zu lassen, nachdem ihm der aus Island zurückgekehrte Missionar Þangbrandr (Thangbrand) mitgeteilt hatte, dass wenig Aussicht auf eine Christianisierung des Landes bestehe.

  • Ich hatte sie dann gefragt, ob es da nicht etwas "nordischeres" in der Art gäbe, weil das ganze ja auch irgendwann, nicht mehr viel, mit dem europäischen Heidentum zu tun hat, auf das sich die Wicca immer so gern berufen

    -dann aber ständig bei anderen Kulturen und Religionen, rund um den Erdball klauen, bis man irgendwann soviel Multi-Kulti hat, das bei diesem Mischmasch, von keiner Kultur oder Religion mehr viel übrig bleibt!!!

    Hört, hört. Nichts gegen die amerikanischen Ureinwohner, aber tatsächlich finde ich es in solchen Fällen Schade, dass man an einheimischen Bräuchen vorbeigeht. Jetzt nicht ein Mal wegen eventueller kultureller Aneignung oder so. Wie gesagt, auch die alten Germanen lebten nicht in einem Vakuum und übernahmen Bräuche ihrer Nachbarn. Oder waren selbst gebende Partei.


    Aber dennoch : mich regen die faszinierenden Kulturen aus der Ferne eher dazu an, Mal selbst zu schauen, nach dem, was man hier hat.


    In Osteuropa gibt es ja die Flechtgebilde aus Stroh,die diesen Zweck erfüllen.


    Aber ob die (ihr) slawischen Heiden, wohl grossartig davon begeistert wären, wenn man jetzt zwar, die Religion der Indianer in Ruhe lässt, dafür aber "Raubbau" bei den Slawen betreibt, obwohl man ansonsten kaum bis gar nichts, mit dieser Religion zu tun hat?!

    In Osteuropa leben nicht nur Slawen, sondern auch Balten, Rumänen, Esten, Ungarn und hie und da noch Deutsche.


    Und sooooooo fremd ist das slawische Heidentum dem germanischen, keltischen, baltischen, griechischen, römischen nun auch wieder nicht.

  • Heil die, Iwan!

    Sind Rumänen und Ungaren, keine Slawen? Ich glaub das Ungarische, ist linguistisch irgendwie mit dem finnischen verwandt- oder wie war das noch?

    Im übrigen, ist das für mich ein bisschen so, wie wenn ich zum Brötchen kaufen, extra nach Potsdam fahren würde, obwohl der Bäcker bei mir um die Ecke in Berlin genug Brötchen hat.

    1. würde ich den Potsdammern, ihre Brötchen wegfressen (obwohl die vieleicht nur'n bisschen anders geformt sind, als unsere- aber deswegen nicht unbedingt besser, oder schlechter schmecken)

    und

    2. würde der Bäcker bei uns, auf seiner Wahre sitzen bleiben, weil es bei allen Leuten, plötzlich als "schick" gilt, ihre Brötchen in Potzdam zu kaufen.

  • Heil dir, Ulfberth!

    Ein sehr, naja- langer Beitrag!

    Nee- ohne Scheiss; sehr ausführlich und gut recherchiert!

    Wenn man über Traumfänger

    (also die Lösung des Problems) redet, ist es bestimmt hilfreich, erst einmal bei den Alptraumdämonen

    (dem Ursprung des ganzen) anzufangen!


    Heil dir, Grout!

    Was'n jez schon wieder?

    Zitat: kotz!

  • Ulfberth :goodpost:

    Sind Rumänen und Ungaren, keine Slawen? Ich glaub das Ungarische, ist linguistisch irgendwie mit dem finnischen verwandt- oder wie war das noch?

    Rein von der Sprache her gesehen sind Rumänen Romanen so wie die Franzosen, Italiener, Spanier, Katalanen und Portugiesen (Latein-Europäer, wenn man so will). Und die Ungarn sind - wie Du selbst schriebst - sprachlich den Finnen verwandt. Umgeben von slawischen Völkern stehen die Rumänen und Ungarn, ganz so wie einige Deutsche und Österreicher aus den Grenzgebieten den Slawen natürlich nahe.


    Im übrigen, ist das für mich ein bisschen so, wie wenn ich zum Brötchen kaufen, extra nach Potsdam fahren würde, obwohl der Bäcker bei mir um die Ecke in Berlin genug Brötchen hat.

    1. würde ich den Potsdammern, ihre Brötchen wegfressen (obwohl die vieleicht nur'n bisschen anders geformt sind, als unsere- aber deswegen nicht unbedingt besser, oder schlechter schmecken)

    und

    2. würde der Bäcker bei uns, auf seiner Wahre sitzen bleiben, weil es bei allen Leuten, plötzlich als "schick" gilt, ihre Brötchen in Potzdam zu kaufen.

    Nur, dass man nicht in Berlin kauft, sondern im Hohen Norden. Aber von der Sprache her sind die im Hohen Norden natürlich den Deutschen näher. Lustig, dass Du just zwei deutsche Städte mit slawischen Namen heranziehst. Aber ich weiß schon, was Du meinst. Es gibt übrigens auch einige Heiden slawischer Zunge und Nationalität, die Ásatrúar sind. Und warum auch nicht. Der nordische Thor soll das Bild des slawischen Perun stark beeinflusst haben.

  • Heil dir, Iwan!

    Ja, ich hätte auch Düsseldorf und Köln als Beispiel nehmen können, oder vieleicht passender: Österreich und Ungarn,

    oder so.

    In Russland scheint es viele Asatruer zu geben, oder zumindest Leute, die sich für altnordische Mythologie begeistern. Mir ist aufgefallen, das sehr viele heidnische- germanische Produkte, die auf Etsy angeboten werden, von Russen gefertigt wurden!

    Hat vermutlich mit den Rus zu tun, obwohl ich nicht glaube, das die dort ausser ihrem Namen, viel hinterlassen haben.

  • Hat vermutlich mit den Rus zu tun, obwohl ich nicht glaube, das die dort ausser ihrem Namen, viel hinterlassen haben.

    Ein russischer Asatruar attestierte Mal, dass er Rodnovery für Asatru aufgab, weil es einfach zu wenig Informationen zum altslawischen Heidentum gebe. Die Authenzität des Buches von Veles wird längst nicht von allen anerkannt. Mythen wie die der Skandinavier und der Griechen sind von den slawischen Göttern kaum bis gar nicht erhalten. Der (ost)slawische Volksglaube hingegen ist ziemlich reich an Vorstellung und Bräuchen, die nicht ganz so christlich sind. :-)

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Heil euch!

    Ich wollte noch eine Problematik, beim Thema "Kulturaneignung" aufzeigen und zwar gerade, was Deutsche und Slawen betrifft:

    Der deutsche Ritterorden war es ja, der spätestens ab dem 10. Jahrhundert, massenhaft Zwangstaufen bei den heidnischen Slawen (z.T. auch Balten) durchsetzte, um unter dem Mantel "religiöser Rechtschaffenheit", die sogenannten Ostgebiete unter deutsche Herrschaft zu bringen! Das das ganze nicht ohne Blutvergießen

    (beispielsweise die Slawenaufstände von 983) von statten ging, kann sich wohl jeder selbst denken!

    Und wenn nun die "Nachfahren" dieser Ritter, daherkommen und sich am slawischen Brauchtum und dergleichen bedienen, nur weil sie in ihrem eigenen Kulturkreis, nichts zu dem jeweiligen Thema finden- vieleicht auch noch "heidnische Praktiken", die damals von den Christlich-Deutschen Besatzern, bei Strafe verboten wurden, könnte ich das schon verstehen, wenn manch einer, so etwas vielleicht doch eher mit gemischten Gefühlen betrachtet.

    Ich will damit auch nicht sagen, das ein germanischer Heide, ausschließlich germanisches Kulturgut für seine rituelle Praxis, verwenden darf/ sollte, oder ein Celtoi, sich nur auf die Kelten berufen darf, aber man sollte solche Sachen, vieleicht im Hinterkopf behalten, bevor man etwas aus einer ähnlichen Naturreligion übernimmt, die aber trotzdem nicht die eigene ist!

    Immerhin hat man ja den jeweiligen Begriff (z.B. Asatruer) und die dazugehörige Religion und Kultur, für sich selbst, ja auch ganz bewusst gewählt!

  • Vergisst Du nicht, dass viele Deutsche auch slawische und baltische Vorfahren haben ? Bei uns einheimischen Ostdeutschen hat sicherlich jeder auch Wenden in seinem Familienstammbaum. Ich denke daher sogar, dass das slawische Brauchtum mir persönlich näher steht, als das skandinavische... Einer meiner Urgroßväter hatte auf jedenfall einen slawischen Familiennamen, der auch in Tschechien und Polen weitverbreitet ist (bei den Lausitzer Serben eher weniger). Für jemanden in Niedersachsen oder dem Rheinland mag das anders aussehen, aber im Osten und in Österreich sind alle Deutschsprachigen nicht automatisch (nur) Nachfahren einztiger Besatzer... Es gab Ehen zwischen Deutschen und Slawen/Balten, es gab Wenden und Prußen, die ihre Kinder in deutscher Sprache erzogen, um ihnen mehr Chancen zu bieten... gibt es heute noch: eine ehemalige russische Kollegin spricht mit ihrem Sohn zu Hause auch Deutsch, Russisch lernt er bei der Oma und Uroma... Ich selbst könnte das nicht, meine Kinder in einer Fremdsprache erziehen, egal, wie gut ich sie beherrsche, aber jedem das seine...


    Im Übrigen haben wir einen Thread zu kultureller Aneignung...

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Wie ich das mitbekommen habe auf dem Internet, gibt es auch nicht wenige slawische Leute, die sich mit Heidentum und Ethnien befassen und die die Österreicher und Deutschen aus dem östlichen Bundesländern pauschal als germanisierte Slawen sehen*, was ja auch nicht ganz stimmt, es haben sich Germanen und Slawen zusammengetan in den Grensgebieten, so wie das in allen Grensgebieten erfolgt.


    Sobald diese Art der Diskussion auftritt, weiss ich doch auch immer, weshalb das hellenische und römische Heidentum mich immer wieder zu sich sieht : in den Vielvölkerstaaten der Griechen (unter Alexander) und später der Römer wurde Ethnie ein weit weniger diskutiertes Topic. Von kultureller Aneignung ganz zu schweigen.




    *Ich räume ein, ich habe selbst vor nicht allzu langer Zeit so eine Phase gehabt, wo ich mich allzu gern als germanisierter Slawe identifizierte (Du erinnerst dich, Ulfberth ?). Die Phase ist vorbei und ich sehe mich ethnisch als wendisch-deutsch oder slavodeutsch.

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Gut! Nur zum Abschluss:

    Ich meinte auch eher, das man es mit der Vermischung vieleicht nicht zu stark übertreiben sollte- sonst wacht man eines Tages auf und muss feststellen, das man sich inzwischen, als

    buddhistischen Wikinger- Römer- Kelten- Indianer- Wicca- Inuit- Balten bezeichnet, der nebenbei aber auch noch Voodoo und Santeria praktiziert, ohne überhaupt noch zu wissen, wie das eigentlich so gekommen ist.

    ICH HABE FERTIG!