Die Magie der Kelten

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  • Die Magie der Kelten


    Plinius hatte die Magie des keltischen Britannien als sehr hochstehend angesehen, er stellte die keltischen Druiden über die persischen Magi. Auch andere antike Geschichtsschreiber waren vom Geheimwissen der Kelten fast ebenso beeindruckt wie von dem der Chaldäer, Ägypter und Perser: Diodorus Siculus, Hippolytus, Clemens von Alexandria u.a. betonen, dass Pythagoras sein Geheimwissen bei den Priestern der gallischen Kelten erworben habe.



    Das gälische Wort für Magie, Bricht, ist ein Synonym für Zauberspruch und zu isländisch bragr = Dichtkunst, magischer Reim, zu stellen. Der magische Akt, also die Zauberhandlung, heißt Druidheachd. Dieser Terminus bezeichnet meist den Wetterzauber, den bereits die mythische Rasse der Tuatha Dé Danaan, Kinder der Göttin Danu, bei ihrer Invasion von Irland anwandten. Mit Hilfe von dichtem Nebel, Sturm, Blutregen etc. versuchten sie die Ureinwohner, die Fir-Bolg, zurückzudrängen. Doch auch diese waren mit magischen Fähigkeiten ausgerüstet und machten den magischen Unwettern der Tuatha Dé Danaan ein Ende.

    Wetterzauber als Abschreckungsmittel kam nicht nur gegen feindliche Invasoren bzw. unfreundliche Könige im eigenen Land zum Einsatz, sondern auch gegen die christlichen Missionare, die mit heftigen Schneefällen oder plötzlicher undurchdringlicher Finsternis zur Umkehr gezwungen werden sollten.28

    Die Druiden besaßen weiters die zwei Gaben der Verwandlung: einerseits die der eigenen und andererseits die anderer Menschen. In der altirischen Schrift Rennes Dindsenchas29 verzaubert das altirische Pendant zur Kirke mit Namen »Die raue Dalb« drei Männer und deren Frauen in Schweine. Die Kinder des Lir werden in der gleichnamigen Erzählung des Mabinogion30 von ihrer Stiefmutter Aeife in Schwäne verwandelt. Der Anlass für dieses beliebte Motiv des internationalen Erzählgutes ist die Strafe für ein Vergehen (Tabuverletzung) oder aber ein Akt der missgünstigen Willkür eines beleidigten Zauberers bzw. einer Zauberin. In der Geschichte von Pwyll31 tauscht dieser die Gestalt mit Arawn, dem König der Unterwelt. Aus einem Lied des walisischen Barden Taliesin geht hervor, dass er ebenfalls die Gabe der Verwandlung besaß. Hintereinander verwandelt er sich in einen Geier, einen Adler und eine schöne Pflanze. Die Metamorphosen des einäugigen Balor kommen durch die Intrige seiner untreuen Frau zustande, die ihn zuerst in ein Mühlenpferd verwandelt. Der schweren Arbeit müde, flüchtet der Unglückliche in die Wälder, wo ihn die rachsüchtige Frau aufspürt und in einen Wolf verwandelt. In Wolfsgestalt reißt er das Vieh seiner Frau, worauf sie ihn endgültig zur Strecke bringen will. Sein Schwiegervater verspürt Mitleid, doch die böse Frau behauptet, er habe auch eines der Kinder getötet. Da schlägt ihn der König mit seinem (Zauber-)Stab und er erhält seine menschliche Gestalt wieder.32

    Die betrügerische Frau spielt oft die Rolle der Initiatorin der Zauberhandlung, so auch in der Geschichte des Magiers Earl Gerald Fitzgerald, den dessen Frau zu einer Vorführung seiner Verwandlungsfähigkeiten überredet, was ihm letztlich den Tod bringt.33

    Noch im 12. Jahrhundert berichtet der Kirchenmann Giraldus Cambrensis über in Tiere verwandelte Menschen, die durch ihr von den Tieren abweichendes Verhalten kenntlich sind. In dem von ihm erwähnten Beispiel bittet ein durch Zauberei in einen Wolf Verwandelter mit menschlicher Stimme um Hilfe für seine verwundete Gefährtin. Die Wölfin bittet den Priester um die Gewährung der Kommunion, die er einem Tier zuerst verweigern will, bis sie das Fell ein wenig lüpft und er den menschlichen Körper darunter durchschimmern sieht.34

    Die Göttin Ceridwen erwischte eines Tages ihren Diener Gwion, als er verbotenerweise ein paar Tropfen aus dem Kessel mit dem Trank der Dichtkunst nahm. Sogleich erlangte er universales Wissen, was ihm aber offenbar nach Meinung der Göttin nicht zustand. Sie verfolgte ihn, der sich in Tiergestalt verwandelte, ebenfalls in immer neuer Gestalt. Schließlich machte sie ihm in Hennengestalt den Garaus: Sie verschlang ihn. Aus dieser Einverleibung, die einer Schwangerschaft gleichkam, ging der Dichterseher Taliesin hervor.

    Die wohl eigenartigste Verwandlungserzählung im Mabinogion ist in der Erzählung von Math, Sohn des Mathonwy35 enthalten. Math, eigentlich eine göttliche Figur, ist hier Prinz von Gwynedd, dessen Neffen Gwydion und Gilvaethwy seiner Magd Schande antun. Zur Strafe verwandelt er sie in Hirsch und Hinde, Eber und Sau und Wolf und Wölfin, die in verwandelter Gestalt Junge zur Welt bringen.

    Die Illusionskunst, gälisch sian, gehörte ebenfalls zu den Fähigkeiten der Magier. Diese illustrieren Geschichten von wunderbaren Schlössern, voll von köstlichen Speisen und Getränken, die für müde Wanderer bereitstehen, die das Gebotene genießen, jedoch am nächsten Tag in einer hässlichen Ruine im Staub erwachen. Mit Liebe zum Detail malen die altirischen Erzählungen die einfachen Materialien aus, die diese fantastische Illusion erzeugen können. Manche Varianten haben auch eine quasi-psychologische Erklärung für dieses Phänomen parat, sie spielen auf Vorstellungen an, die wir heute als »Massenhypnose« bezeichnen würden.

    Von Hochschulen bzw. Seminaren der Druidenzauberei ist auch einige Male die Rede, u.a. im Buch der vier Meister, an einem Ort, der die Stadt der Weisen genannt wurde.36 Andere Hinweise sprechen von Zusammenkünften der Druiden zu bestimmten Zeiten, zur Auffrischung ihres Wissens – also eine Art Symposion? Die Versammlungsplätze erhielten später einen christlichen »Überbau« in Form von Klöstern und Kirchengebäuden, eine Entwicklung, die auch auf dem Kontinent in Bezug auf germanische Kultstätten erfolgte.

    Neben den Magiern druidischer Provenienz war noch ein anderer Typus des Zauberers bekannt, wie z.B. die Sagenfigur des Zauberers Calatin37, der Stammvater von 27 Ungeheuern und des Clans Calatin. Dieses Geschlecht trachtete, sich mit anderen Ungeheuern zu verbinden. Es besaß vielerlei magische Fähigkeiten, darunter auch die Kenntnis der Gifte. Calatin fiel durch den Helden Cú Chulainn, was dessen Feindin, die Königin Mebd, derart erboste, dass sie die Töchter des Calatin nach Babylonien entsandte, um die magische Kunst zu erlernen. Die Zurückgekehrten ließ sie die erworbene Kunst an dem Erbfeind Cú Chulainn demonstrieren. Durch allerlei Zauberspuk und Illusionen versuchten sie, ihn zu vernichten, aber vergeblich. Eine der Frauen verwandelte sich in die Gestalt einer der Geliebten des Helden und brachte die Entwicklung in Gang, die letztlich zu seinem Tod führte.38

    Von Gwydion, dem Neffen des Magierprinzen Math, war bereits die Rede. Math bringt Llew Llaw Gyffes, den späteren Pflegesohn des Gwydion, bei einem Keuschheitsordal – er lässt die Prinzessin Arianhod über seinen Zauberstab39 schreiten – »zur Welt«. Für Llew versteigen sich die Magier Math und Gwydion sogar dazu, eine Frau aus Blumen zu erschaffen, »Blodeuwedd«, was so viel wie Blumengesicht heißt. Diese betrügt ihren gutgläubigen Ehemann mit Goronwy Pyr, der sie veranlasst, ihrem Ehemann das Geheimnis, wie er getötet werden kann, zu entlocken.40

    Heilzauber war u.a.41 verbunden mit dem altirischen Gott Diancecht, der eine Quelle mit Heilpflanzen präpariert hatte, sodass alle verwundeten Krieger, die in dieser Quelle badeten, geheilt aus ihr entstiegen. Der berühmte Kessel der Wiedergeburt machte aus toten Kriegern zwar keine richtig lebendigen, doch kampffähige Krieger.42

    Der Druide Merlin, den Geoffrey von Monmouth Merlin Ambrosius nennt, übertrifft die Magier des Vortigern an prophetischer Kraft, besitzt die Gabe der Verwandlung, beherrscht den Wetterzauber und verfügt auch über medizinisches und pharmazeutisches Wissen.43

    Die magischen Fähigkeiten dürfen nicht unabhängig vom keltischen Feenglauben betrachtet werden, als dessen Ursprung das magische Wissen angesehen wird. Die Menschen erwerben die Kunst durch Kontakt mit den Fairies, die sie nur Auserlesenen weitergeben. Die christliche Magie richtet ihre Kräfte gegen diesen Feenzauber. »The Druids of Ireland appear to us above all as magicians and prophets. They foretetell the future, they interpret the secret will of the fées, they cast lots.«44

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Cäsar berichtet in seinem Gallischen Krieg45, dass die Anwärter für das Druidentum zwanzig Jahre im Studium als Novizen verbringen mussten. Im Echtra Condla oder Abenteuer des Connla findet sich folgende Aussage einer Fee zum Druidentum: »Druidism is not loved, little has it progressed to honour on the great strand when his law shall come it will scatter the charms of Druids from journeying on the lips of black lying demons.«46

    Als eine der schillerndsten Figuren des altirischen Epos darf der Magier Cú Roi gelten. Die Sagen um ihn setzen mit dem achten Jahrhundert47 ein. Er besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten, z.B. ist er praktisch unverwundbar, da er seine Seele außerhalb seines Körpers versteckt hält. Von der Tochter Conchobars Bláthíne verraten, kann der Held Cú Chulainn das Seelentier des Magiers, einen Salm, der sich nur alle sieben Jahre zeigt, töten.

    In einer anderen Geschichte48 gerät er abermals mit Cú Chulainn aneinander. Sein Anliegen, den besten Helden von Ulster herauszufinden, trägt er dem Helden und dessen Gefährten mit einer drastischen Geste vor: Er lässt sich den Kopf abschlagen, nimmt diesen unter den Arm und verschwindet mit der Drohung, ein Gleiches am nächsten Tag an den Helden von Ulster zu vollziehen. Cú Chulainn ist wieder als Einziger im Stande, sich aus der brenzligen Situation zu befreien.49

    Wie Odin, aber auch sein Antagonist Cú Chulainn, den der Druide Cathbad in der Magie instruierte, kann Cú Roi seine Gestalt wandeln.50

    Auch in der irischen Legende spielt Simon Magus eine dubiose Rolle. Allerdings übernimmt er die Rolle des Druiden und Beraters des Druiden Mag Ruith und hilft bei der Herstellung des magischen fliegenden Rades, dessen er sich bei seinem Flug über den Petersplatz bedient haben soll.51

    Die irischen Heiligen konnten zwar nicht ihre Gestalt wandeln, waren dafür aber wahre Wundermänner. Mit ihren »Kollegen«, den Druiden, ließen sie sich auf Wettkämpfe ein. Von St. Patrick erzählt man, dass er einen Druiden in die Luft erhob und dann niederfallen ließ. In einer anderen Sage ließ er die Hütte eines Druiden mit feuchtem Holz, die eigene mit ganz trockenem Reisig umgeben und beide anzünden. Patrick blieb unversehrt, während der Druide bei lebendigem Leib verbrannte.52

    Bei den mantischen Methoden, die die Kelten vielfältig in ihren Prophezeiungen anwandten, ist zum Beispiel das taghairm zu erwähnen, bei dem der Seher in die frisch ausgeweidete Haut eines Bullen kroch53 und von den Männern wie ein Baumstamm hin und her geschwenkt wurde, wobei diese ihm Fragen stellten. Diesem Ritus lag die Vorstellung zu Grunde, dass die Freunde des Sehers, die Feen, ihm in dieser qualvollen Lage zu Hilfe kämen, indem sie die gestellten Fragen beantworteten.

    Eine andere Variante des als taghairm bekannten Ritus beschreibt Gustav Meyrinck in seinem Roman Der Engel vom westlichen Fenster. Es handelt sich um die äußerst grausame Tötung von schwarzen Katzen, die bei lebendigem Leibe geröstet werden und durch ihr Geschrei auch andere Katzen herbeilocken, bis schließlich der Teufel in Gestalt eines großen Katers herbeieilt und nach dem Begehr fragt. Es ist dies keine mantische, sondern eine magische Operation, eine Form des Höllenzwanges.54

    Rein magische Literatur der keltischen Stämme ist nicht erhalten, doch finden sich z.B. im Schwarzen Buch von Caermarthen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts Hinweise auf magische Praktiken. Das Buch enthält einen Dialog zwischen Merlin und Taliesin.

    Das Buch von Ballymore (ca. 1391) des Salomon von Aroma und Manus Tometach enthält Hinweise auf die Existenz der bereits erwähnten Druidenschule.55

    Das im vorigen Jahrhundert verschollene Rote Buch von Appin soll sich vornehmlich mit Heilmethoden auseinander gesetzt haben, wozu auch Heilzauber- und Segenssprüche gehörten. Michael Scotus sagte man den Besitz eines Exemplars des Buches nach, das eine dermaßen mächtige okkulte Ausstrahlung gehabt haben soll, dass man zum Schutz einen eisernen Reifen um den Kopf tragen musste.56

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Fußnoten

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

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