Glaube und Gewissen

Schon gewusst…?

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  • Hallo zusammen


    Mit dem Gewissen arbeiten ja so einige Sekten, um ihre Mitglieder gefügig zu halten.


    Grundsätzlich halte ich Gewissen für eine gute Sache, es sei denn, es wird zum Machtmissbrauch verwendet.


    Wieviel Gewissen aber ist okay, was ist in unserem Glauben ungerechtfertigt?


    Ich musste mich einer Notlüge bedienen und ich weiß, dass ich mich innerlich damit wieder die nächsten Tage rumschlagen werde. Obwohl es ganz sicher kein Weltuntergang ist.


    Andererseits lese ich in letzter Zeit wie gewissenlos mit manchen Dingen umgegangen wird.


    Dinge, die ich wirklich für mehr als nur fragwürdig halte.


    Wieviel Gewissen haltet ihr in unserem Glauben für okay, wieviel ist zu wenig und ab wann wird es zuviel des Guten?
    Macht ihr Unterschiede, wem gegenüber ihr ein schlechtes Gewissen habt und wem gegenüber nicht?

  • Das Gewissen ist nun auch etwas sehr individuelles. Wenn einer ein furchtbar schlechtes Gewissen hat, findet wer anders dasselbe völlig normal.
    Für mich macht es schon einen Unterschied, wem gegenüber ich ein schlechtes Gewissen habe, oder haben müsste oder könnte.
    Mal angenommen, ich würde fremdgegangen sein, würde ich meinem Chef gegenüber kein schlechtes Gewissen haben, meiner Frau gegenüber schon. Wenn mir jemand Übles will, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Gewissens demjenigen gegenüber rapide......

  • Nachdem mein Handy gerade den ganzen Text geschluckt hat die Kurzform.


    Ich fange mal mit der Notlüge an.
    Es ist selten, dass wir als Menschen die reine Wahrheit immer sagen und das zu jedem, jeder Tageszeit und in jeder Situation. Eine Notlüge verwendet man ja meist dann, wenn man eine bestimmte Situation nicht irgendwie verschärfen möchte. Fängt ja schon mit dem eigenen Kind an, welches stolz sein erstes gemaltes Meisterwerk zeigt und man eigentlich nicht mal erkennt wie rum man es halten muss, oder der Kollege auf Arbeit, der einen eigentlich nervt, den man doch beim betreten des Büros einen guten Morgen wünscht (nur Beispiele jetzt), man kann versuchen diese und andere Notlügen zu vermeiden oder die Wahrheit auf anderen Art und Weise wiederzugeben. Wenn es jedoch den anderen in Person betrifft.. Beispiel "ich war anstelle mit meinem Freund mit einer guten Bekannten abends unterwegs" , erzähle es aber nicht so, dann ist das für mich schon eher keine Notlüge mehr.


    Also die Notlüge eher als etwas, was weder mir noch dem anderen irgendwie schaden könnte...... Oder versuchen darauf zu verzichten und es mit anderen Worten sagen.


    Gewissen....
    Was ist das?
    Bevor man sich irgendwie und irgendwann selbst entwickelt, ist doch das Gewissen ein Produkt aus unserer Erziehung, aus unserem erlebten und aus dem was wir uns selbst vorstellen.
    Es entstammt einen Wertekonstrukt das so vielfältig ist wie die Sandkörner am Meer. Also sollte man sich eher erst einmal klar darüber sein , ob es wirklich das eigene Gewissen ist was da zu einem spricht, oder ob es die Vielzahl an Erwartungen anderer Personen sind, die vielleicht noch an uns gestellt werden.


    Das eigene Gewissen schlummert meist tief in uns und wird von dem anderen, den Gruppengewissen unterdrückt.


    Wenn man dieses Gruppengewissen abschütteln kann, dann weiß man, daß das richtige einen plagt. Aber es ist wie immer, nicht wirklich einfach und man muss sich lossagen von dem Gefühl die Erwartungen der anderen erfüllen zu müssen.


    Im Endeffekt muss ich mir selbst in die Augen schauen können und mir sagen können, dass ich etwas für mich richtig getan habe, weil ich es so empfinde.
    Meine Erfahrung zeigt mir, dass meine, Vorstellung dabei nicht wirklich immer konform mit denen meiner Familie, Arbeit usw. Geht. Logischerweise muß ich dann allerdings auch mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben.....

  • Mein sogenanntes schlechtes Gewissen hat ganz klare Grenzen. Ist genauso wie mit der Toleranz. Ich lasse mich nicht verantwortlich machen für Sachen die ich nicht getan habe und für die ich aus ganz natürlichen Gründen nichts kann.
    Auch wenn diese Tatbestände noch so schrecklich sind. Wenn ich sie nicht verursacht habe, brauche ich kein schlechtes Gewissen haben. Das lasse ich mir auch nicht einreden.


    Und würde das im AsaTru ganz gezielt mit dem schlechten Gewissen des Glaubens losgehen, fliegen diese Leute sofort aus meinem Leben raus.


    Wenn ich jemanden aus Schusseligkeit versetze, ist ein schlechtes Gewissen vorprogrammmiert, na klar, auch wenn ich zu spät erscheine, wenn ich jemanden unbeabsichtigt weh tu, ja, dann gibt es schlechtes Gewissen, aber ansonsten, ne geht nicht.


    Donars Segen mit euch


    Uwe

    Wer davon lebt einen Feind zu bekämpfen,
    hat ein Interesse daran, das der Feind am Leben bleibt.
    Friedrich Nietsche

  • Nachtrag...
    Gewissen im Glauben....


    Tja... Aufrecht, ehrlich, stark.... ;-)


    Ok, mal ernsthaft...


    Ehrlich zu sein, gehört für mich einfach dazu, allerdings auch mit den daraus resultierenden Konsequenzen.


    Die Götter waren bzw. sind auch nicht (mit seltenen Ausnahmen) immer ehrlich, sie versuchen auch immer zwar ehrlich zu leben, aber bekommen es auch nicht immer hin. Sie machen genau so Fehler und verschweigen diese oder geben sie anders wieder.
    Aber es plagt sie auch nicht immer ihr Gewissen. Kommt es doch auch darauf an zu wem...


    So denke ich auch, dass unsere Vorfahren ein anderes empfinden dafür hatten und sich nicht so sehr den Kopf gemacht haben wie wir es heute machen.

  • Ich bin selbständiger Handwerker. Was bitte soll ich mit einem Gewissen?? :ugly:

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • So denke ich auch, dass unsere Vorfahren ein anderes empfinden dafür hatten und sich nicht so sehr den Kopf gemacht haben wie wir es heute machen.

    Verzeihung wenn ich das mal so sage, das mit dem schlechten Gewissen ist auch so ein Gutmenschenproblem und/oder hat was mit dieser widerlichen political Correctness zu tun. Viele Menschen machen sich einfach viel zu viel Kopfzerbrechen über Sachen wo eigentlich so gut wie nichts passiert ist oder Sache die man gerade noch so hinbekommen hat.


    Donars Segen mit euch


    Uwe

    Wer davon lebt einen Feind zu bekämpfen,
    hat ein Interesse daran, das der Feind am Leben bleibt.
    Friedrich Nietsche

  • Das Gewissen ist in meiner persönlichen Definition die innere Stimme die, im Idealfall vor einer Tat, bewertet ob es sich um Recht oder Unrecht handelt. Daher gibt es für mich nicht viel oder wenig Gewissen, es ist einfach da. Was variiert ist höchstens wie konsequent ich auf diese innere Stimme höre. Handle ich danach fühle ich mich gut, handle ich nicht danach fühle ich mich schlecht und überdenke bei der nächsten Gelegenheit mein Handeln. Erzeugt das was ich tun möchte Leid ist die Wahrscheinlichkeit hoch dass mein Gewissen sagt: "Neee du, lass mal." Ich würde nicht sagen dass potentielles Leid ein absolutes Ausschlusskriterium ist, in dem Fall brauch ich aber einen verdammt guten Grund. Und zum Glück komme ich nie wirklich in solche Situationen.


    Was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann und was nicht entscheide ich selbst. Ich hinterfrage meine Motive und die Sinnhaftigkeit meiner Moralvorstellungen immerzu kritisch. Für mich ist das wichtig um zu gewährleisten dass ich mit meinem Gewissen so weit wie möglich im Einklang bin. Was die Götter davon halten ist mir zwar wichtig, aber ist nicht das wichtigste. Sie werden nicht meine Richter sein. Ich will keine meiner Taten auf meine Religion schieben sondern für alles aus ganzem Herzen die volle Verantwortung übernehmen. Für die Fehler und für die richtigen Entscheidungen.

    From all the things I've lost, I miss my mind the most...


    hvars þú böl kannt kveðu þat bölvi at ok gefat þínum fjándum frið

  • Gewissen kommt schon mit der Verehrung der Ahnen. So möchte ich meinem Ahnenbaum nichts Schändliches anhängen und bin bei vielen wichtigen Lebensentscheidungen auf deren Segen erpicht.


    Das Gewissen kommt da aber auch aus der Verantwortung gegenüber meinem eigenen Heil und dem meiner Familie. So lange ich lebe, hängt das Heil meiner Familie mit von mir ab. So hängen Entscheidungen stehts auch davon ab.


    An weiterer Stelle kommt mein Gewissen aus dem von mir vermutetem Interesse der Götter und ihrer Werte. Eben um ihnen nicht ungewollt auf die Füße zu treten.


    Es sind aber auch Interessen meiner Introjekte, die letztlich in mein Gewissen einfließen.


    Gewissen ist generell vielschichtig.
    Ja, für mich ziehe ich Gewissen aus meinen religiösen Weltanschauungen, aber auch darüber hinaus.
    Nicht selten kollidiert im Gewissen auch mal was.
    Ich halte aber gerade religiös geprägtes Gewissen für unersetzbar. Es ermöglicht gewissentliche Entscheidung über die rein egoistischen Interessen hinaus.

    Was die Welt dir nicht gab,
    das kann die Welt dir nicht nehmen!

  • Gewissen komma, das schlechte.


    Boah, das ist bei mir echt so eine Sache. Ich bin von klein auf damit aufgewachsen, dass ich sowieso an allem Schuld bin. Ich plage mich also schon immer mit einem dauerhaft schlechten Gewissen. Und das ist nicht aus einem christlichen Glaubensdings (die Erbsünde) entstanden, sondern eher aus der übermäßigen Verehrung von Bacchus (im übertragenen Sinne) gemeint.


    Meine Kaffeetante hat zwei Jahre gebraucht, um mir folgenden Satz einzuprägen:"Es ist nicht Deine Schuld"


    Ich habe mir also angewöhnt, ganz klar zu definieren, ob ich etwas damit zu tun habe und ob ich etwas hätte aus meiner Sicht anders, oder richtiger machen können.


    Derzeit befinde ich mich in einem Lebenskonstrukt, in dem ich unglücklich bin. Das hat einige Jahre gebraucht, um es zu erkennen. Und jetzt kommt mein neu gepoltes Gewissen und fragt mich, ob ich das mit MIR vereinbaren kann.


    Während ich also gelernt habe, mich nicht sofort schuldig zu fühlen (was ja das schlechte Gewissen zeigt), fühle ich mich nun sehr mir gegenüber schuldig. Ich habe ein schlechtes Gewissen mir gegenüber. Und das belastet mich stärker, als ein schlechtes Gewissen anderer gegenüber wegen einer Ausrede. Oder so.


    Und damit dann mal zum Thema Glaube und Gewissen. Ich denke nicht, dass die Götter es mir krumm nehmen, wenn ich eine Ausrede benutze, weil ich meinem Arbeitskollegen freundlich gegenüber trete, statt ihm zu sagen, dass ich ihn scheiße finde. Aber ich denke, dass sie kopfschüttelnd danebensitzen, weil ich nicht den Arsch in der Hose habe, mich aus meinem schlechten Gewissen mir gegenüber aufgrund der derzeitigen Situation zu befreien.


    Damit meine ich nicht, dass die Götter applaudieren, wenn ich über Leichen gehe, um mein Ziel zu erreichen. Ein schlechtes Gewissen ist sicher angebracht, wenn ich mein Gegenüber nachhaltig Schaden zufügen kann (oh, warte, jetzt weiß ich, woher es kommt). Aber wenn ich eine "Notlüge" benutze, damit es meinem Gegenüber besser geht, ohne dass es im Nachhinein knallt, dann ist das auch mit dem Gewissen gut zu vereinbaren. Und mit den Göttern.


    Was für ein Geschwurbel. Sorry dafür.

  • Ich denke den Göttern ist das egal, ob wir ein gutes oder schlechtes Gewissen haben, solange wir sie Ehren.
    Sie haben sich auch Entscheidungen getroffen die sie im nachgang mit ihrem Gewissen ausbadern mussten.





    Jeder ist anders gebaut bei sowas. Ich habe ein Kollegen der ist so trocken, der hat glaub ich garkein Gewissen, wo ich wieder öfter drüber nachdenke ob das so gut war was ich gemacht habe (was eigentlich auch sehr doof ist), aber auch sowas ist irgendwo ein lernprozess ^^

  • Während ich also gelernt habe, mich nicht sofort schuldig zu fühlen (was ja das schlechte Gewissen zeigt), fühle ich mich nun sehr mir gegenüber schuldig. Ich habe ein schlechtes Gewissen mir gegenüber.

    Ja, das kenne ich in allerlei Situationen.
    Ich kann mich unter Umständen aber auch mehr über mich ärgern, weil ich mich durch provokantes Verhalten hab "provozieren lassen". Das ärgert mich mehr als die Provokation selbst. Denn im Grunde ist die provozierende Person doch ein ganz armes Würstchen, das sich letztlich nach Anerkennung sehnt.

  • (...)
    Wieviel Gewissen haltet ihr in unserem Glauben für okay, wieviel ist zu wenig und ab wann wird es zuviel des Guten?
    Macht ihr Unterschiede, wem gegenüber ihr ein schlechtes Gewissen habt und wem gegenüber nicht?


    Interessant. Mein erster Impuls beim Lesen Deiner Frage war es, einen zwingenden Zusammenhang zwischen Glauben und Gewissen für mich selbst zu verneinen. Individuell sicherlich möglich, da der Mensch seine Ansichten nur zu gerne auf seine Götter überträgt. Doch meiner Meinung nach ist das im Grunde lediglich ein künstliches Konstrukt. Bewegen sich die Götter doch außerhalb unserer vollen Verständnisfähigkeit, außerhalb unserer Wertevorstellungen.


    Doch irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dabei etwas übersehen zu haben. Und es drängte sich mir die Ansicht auf, dass Gewissen und mein Glaube ja vielleicht doch irgendwie in Verbindung stehen. Nicht in direkter Weise ("Ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, weil sogar mein Gott das, was ich getan habe, doof findet.") Eher im übertragenen Sinne.


    Auch, wenn es hier sicherlich vielfältige und unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Götter gibt. So vermute ich, dass viele dem Punkt zustimmen würden, dass sie Kräfte der Ordnung sind.


    Und eben diese Funktion erfüllt u. a. auch ein Gewissen innerhalb eines menschlichen Sozialverbandes, innerhalb eines Beziehungsgeflechts. Es meldet sich, wenn man Gefahr läuft, die Ordnung in einer relevanten Beziehung zu gefährden.


    Somit tendiere ich zu der Auffassung, dass ein Gewissen zwar nicht zwingend göttergewollt, doch in gewisser Weise ein in Menschen gespiegelter Funke ihres Naturells ist. Ein Funke freilich, der seinen Glanz nur dann entfaltet, wenn er seiner eigentlichen Aufgabe nachkommt. Den Erhalt einer erstrebenswerten Ordnung. Die für mich persönlich nur in einer Beziehung zu Personen existiert, die für mich wichtig sind.


    Nun gut, vermutlich habe ich hier völlig unverständliches Zeug geschrieben und an Deiner Frage völlig vorbei geantwortet. Allerdings hat diese Frage mich dazu gebracht, meine bisherige Sichtweise nicht nur zu hinterfragen, sondern auch etwas zu ändern. Und dafür möchte ich mich herzlich bei Dir bedanken.

  • Ich musste mich einer Notlüge bedienen und ich weiß, dass ich mich innerlich damit wieder die nächsten Tage rumschlagen werde. Obwohl es ganz sicher kein Weltuntergang ist.

    Hand aufs Herz, möchtest Du in einer Welt leben, in der immer alle die Wahrheit sagen?
    Lügen: jemanden damit schädigen, das wäre für mich übelst. Aber lediglich mich selbst schützen, ist mein gutes Recht.



    Wieviel Gewissen haltet ihr in unserem Glauben für okay, wieviel ist zu wenig und ab wann wird es zuviel des Guten?
    Macht ihr Unterschiede, wem gegenüber ihr ein schlechtes Gewissen habt und wem gegenüber nicht?

    Glaubensbezogenes Gewissen hab ich so eigentlich nicht, ich fühl mich keinem Gott gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet. Ich hab bloß Werte, die teils christlich, teils neuheidnisch und teils wohl auch zeitgeistlich sind, die für mich wichtig sind. Das kratzt dann an meinem Selbstbild, wenn ich das nicht einhalte.


    Schlechtes Gewissen als Gefühl, ja klar, das hab ich auch, aber das sind meist Momente, wo mich was drankriegt, das ist meist völlig unangemessen. Mehr so wie als Kind Angst vor Gewitter.

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