Wie (er)lebt Ihr heimatliche Kultur?

Schon gewusst…?

Walhall (altnord. Valhöll ‚Wohnung der Gefallenen‘), auch Valhall, Walhalla oder Valhalla, eventuell verknüpft oder identisch mit dem Götterpalast Valaskjalf, ist in der nordischen Mythologie der Ruheort der in einer Schlacht gefallenen Kämpfer, die sich als tapfer erwiesen haben, der sogenannten Einherjer.

  • Angeregt durch @Matze 's Post in "Deutschland, deine Themen, möchte ich mal einen Thread dazu beginnen, ohne über den Verlust an Kultur zu jammern, sondern mit dem Versuch, Positives zu zeigen.



    Ich selbst lebe deutsche Kultur in meiner Jagdhornbläsergruppe, in der wir Jagd- und Volkslieder, aber manchmal auch völlig unheidnische Choräle spielen.
    So gelingt zwar der Sprung zum Heidnischen eher nicht, aber dennoch ist es ein Stück Heimat und heimatliche Kultur, die ich so gern bewahren und weitertragen möchte. ^^
    In meinem Dorf gibt es aller zwei Jahre ein ( zur Freude von Genderfans und radikalen Feministinnen) "Altweibersommerfest"
    Meist im September, auf private Initiative einiger Damen in meinem Alter, daher und des Termins wegen der Name..........
    Hier werden alte Handwerke, jedes mal ein Thema, vorgestellt, mit Möglichkeiten, es selbst zu probieren, und mit Verkauf vieler schöner selbstgemachter Dinge zum Selbstkostenpreis, Kaffee und Kuchen von den Dorfbewohnern selbst gebacken ......
    Abends spielen Musikanten aus der Region auf, am Lagerfeuer........
    Eines der schönsten Dorffeste, die ich kenne, da hier der Kommerz keine Rolle spielt.


    Soweit einmal ein kleiner Einblick in mein kulturelles Leben.... ;)

  • Heimatliche Kultur (er)leben.


    Jo. Dazu muss ich sagen, die Kultur, die sich hier vermischt, ist zu einen die münsterländische und zum anderen der Ruhrpott. Offiziell ist die Grenze zum Ruhrgebiet 7 km entfernt und beginnt in Hamm.


    Was haben wir hier an Kultur? Ich selber spiele, wie wahrscheinlich noch nicht oft genug erwähnt, Trompete, allerdings nicht in einer traditionellen Truppe, auch nicht großartig Orchester, wir spielen überall (von Karneval über Schützenfest bis hin zu Beerdigungen (kein Witz)) und wir spielen alles (von "Tief im Münsterland" über "Glück auf, der Steiger kommt" bis "Atemlos" (unsäglich)).


    Ich glaube, der größte "kulturelle" Bereich ist hier Karneval und Schützenfeste, das wird schon lange und sehr exzessiv gefeiert. Etwas "eigenständiges" ist der "Pöttkes- und Töttkenmarkt", der einmal im Jahr stattfindet. In früherer Zeit gab es hier eigentlich immer nur Bauern und Handwerk und seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts den Bergbau, wobei letzterer seit 20 Jahren nur noch als Erinnerung gilt. Der Pöttkesmarkt ist eine Erinnerung an die Zeit, als hier ganz viele Emaillierwerke waren. Deswegen gibt es traditionell auch jedes Jahr ein neues "Pöttken", also einen Topf.
    Dazu dann noch Töttken, ein Gericht das früher aus einem kompletten Kalbskopf (inkl. Hirn) und Magen bestand, heute greift man auf die Schulter zurück, gegart mit Zwiebeln, Lorbeer und Nelken.


    Im Grunde genommen nicht unbedingt "alte" Traditionen, wenn man bedenkt, dass mein Städtchen bereits im Jahre 850 urkundlich erwähnt wurde und auch Mitglied der Hanse war.

  • Leider ändert sich das Verständnis vom Begriff Kultur, selbst bei mir auf der niederrheinischen Platte, immer mehr zum Negativen.
    Man versteht es mittlerweile mehr als Grund mal andere Sorten von Alkohol und Essen in sich reinzuschaufeln. Und viele Eltern, darunter meine, scheinen da auch keinen Wert drauf zu legen, ist Papa bei den Schützen tut es auch der Sohn.


    Daher ist es bei mir leider fast unmöglich geworden Kultur als Teil einer Gruppe zu erleben, denn die Optionen wären:

    • Schützenvereine: Ich sehe das so, wenn ich kein Christ bin trete ich in keinen christlichen Verein ein. Entweder ganz oder gar nicht. Die vernachlässigen auch alle das Brauchtum und beschränken ihre Tätigkeiten aufs Saufen und das Freikaufen von allen Aktivitäten die nichts damit zu tun haben. Und ich würde mich schämen einem Verein beizutreten der nach den Fanatikern Martin,Bonifatius oder Paulus benannt sind.
    • Feuerwehr: sind vielleicht zwei mal im Jahr im Einsatz, sonst auf Manöver welche vor allem in der nächsten Kneipe in der Nähe der Trainingspläze zu finden sind, stattfinden. Und ich so laut mit den Augen rollen würde wenn ein Mann im Zaubererkostüm mich oder meine Ausrüstung mit Wasser besprühen würde.
    • Chöre oder Heimatverein: alles in Kirchenhand.
    • Jäger: würde mich reizen, hab aber keine Knete für das alles und ohne Vitamin B würde ich eh nirgendwo reinkommen.
    • Fussball: nicht wirklich Kultur, sonst aber die selben Proleten wie überall auch. Wirklich interessante Gespräche führe ich, jetzt ohne Scheiss, im Gym.


    Heisst wenn ich Kultur erleben möchte verlasse ich meine direkte Heimat und begebe mich ins Umland oder die Stadt. Es gibt immer wieder interessante Ausstellungen im Heimatmuseum. Die arbeiten seriös und werden nicht pampig wenn man sie auf die heidnischen Ursprünge diverser Traditionen anspricht.
    Ich lese gerne Sagen oder Gedichte, zuletzt des Knaben Wunderhorn und bald mal Grimms Sagensammlung.


    Wandere gern durch die Landschaft und schaue mir die alten Höfe an, die mächtigen Bäume in den Dorfkernen, grinse wenn ich die alten Michaels oder Martinskapellen auf Hügeln stehen sehe (nicht euer Hügel ihr Ursapatoren) wandel zwischen den alten Hallen der Tonindustrie oder streife ewig lang durch die Wälder. Oder laufe Kultur oder Lehrpfade.


    So erleb ich Kultur. Bin auch dankbar für jedes Kind das ich in Museen oder ähnlichem sehe. Von den Kindern die sich auf dem Ascheplatz balgen oder auf der Kirmes( Kerwa oder wie auch immer) rumlungern erwarte ich nichts mehr.

  • Ich glaube wir deffinieren den Begriff "Schützenverein" unterschiedlich. Du denkst wohl eher an einen Schiessverein. Das das mit meinem Glauben und moralischen Vorstellungen nicht vereinbar ist, ist wohl klar:

  • Schwierig zu beantworten, weil sehr umfangreich. Das wäre es sicher auch für die Autoren der vorhergehenden Beiträge so gewesen, hättet ihr nicht den Großteil vergessen. :P


    Kultur zu leben, ist doch nicht explizit auf bestimmte, abgrenzbare Handlungen begrenzt. Jeder einzelne Gedanke ist kulturell geprägt, die Zubereitung des Mittagessens schon, die Art wie wie mit unseren Nachbarn sprechen, unser Verständnis von Anstand und seinem Gegenteil. So tief wurzelt, was wir in Kunst und Freizeitgestaltung ausgeprägt erst als Kultur betrachten.


    Selbst die Liebe zum Wald, die Paradigmen beim Handwerken und wie wir unsere Leben absichern ist typisch Deutsch. Also, wo soll ich anfangen, wenn ich darüber berichten soll, wie ich deutsche Kultur lebe.
    Ich bin nämlich Teil der deutschen Kultur.
    Wenn ich in den Urlaub fahre, selbst wenn es um Holland geht, kann ich die Unterschiede deutlich spüren. Auch ohne strikte Definition aller meiner kulturellen Anteile.


    Ganz explizit kann ich aber hier beitragen, dass ich gerne deutsche Lieder singe, pfeife und höre. Dass ich es liebe zu drechseln und bei meinen Werken immer wieder auf eine typisch deutsche Form zurück greife. Zum Beispiel mache ich Schüsseln und Teller nach traditionellen Abbildern.
    Ich feier auch die Feste wie sie traditionell fallen (die heidnischen Originale). Wenns dafür angebracht ist, schmücke ich meine Wohnung auch traditionell.
    Deutsche Sagen und Märchen liebe ich ebenso wie deutsche Dichtkunst und verschlinge so etwas.
    Vor allem und maximalst, liebe ich den Wald. Und diese Liebe muss kulturell bedingt sein, weil schon seit Jahrhunderten besungen.

  • @WulfazHerdja


    Da hast Du natürlich recht, auch, dass z.B. meine Ausführungen nur einen Bruchteil meines kulturellen Lebens ausmachen. Alles aufzuzählen würde den Rahmen wohl sprengen.Und manches erscheint einem derart selbstverständlich, dass man es selbst gar nicht als Teil seiner Kultur wahrnimmt.
    Den Wald liebe ich auch, und das nicht nur beruflich. Und es stimmt, in anderen Ländern, selbst in welchen, wo es Wald gibt, wird er weniger besungen als hierzulande.
    Auch das Handwerk ist gelebte Kultur. Ein Beispiel, was mir stark auffällt, ist die unterschiedliche Form der Sensenbäume in verschiedenen Landstrichen. Und ergonomisch sind sie alle.......... :D
    Auch da versuche ich noch ein wenig die Kultur zu bewahren, und ich mähe gern noch mit der Sense und dengle sie auch selbst auf einem hier üblichen traditionellen Dengelbock......

  • ohne über den Verlust an Kultur zu jammern

    Ist Jammern nicht auch ein urdeutsches Kulturgut?

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • - Ich lerne und lehre über Deutsche Geschichte


    - Ich lese deutsche Autoren.


    - Ich bin dabei meine Bildungslücken in Sachen Malerei und klassische Musik zu schließen


    - Ich gehe ab und an ins Theater


    - Ich gucke auch deutsche Filme und wenn ich dazu gezwungen werde auch mal einen Tatort :/


    - Ich wandere durch unsere Kulturlandschaft


    - Ich liebe den Wald


    - Ich besichtige historische Gebäude


    - Ich mag Altstädte


    - Ich besuche die traditionelle Kirmes im Nachbarstädtchen, die schon seit 500 Jahren statt findet und traditionell in einem riesigen Besäufnis endet


    - Die fast ebenso alte Kirmes im nächsten Ort habe ich auch besucht als es sie noch gab. (Die gründet(e) sich auf die Sage, dass 1554 eine Wacholderdrossel die Mörder eines städtischen Boten verraten haben soll.)


    - Ich mag Weihnachtsmärkte und Handwerkermärkte, am liebsten in alten Schlössern oder Altstädten


    -Ich besuche den rheinischen Karneval (obwohl ich nicht so den Karnevalshumor teile, aber beeindruckend ist es schon, wie die Städte da aus dem Häuschen sind ^^ )


    - Ich hasse Kölsch (Ja, außerhalb von Köln hat das Tradition. Zumindest auf der rechten Rheinseite :whistling: )


    - Ich mag (echtes) Bier, auch unser bergisches Landbier


    - Ich mag die typisch Bergische Kaffeetafel und jeder außenstehende Gast hat sie gefälligst auch zu mögen, deshalb zeigen wir sie ihm ja!!!! :vikinghammer:


    - Ich mag rheinischen Sauerbraten und Pillekuchen


    - Ich mag alle Arten von Bratwurst


    - Ich proste Leuten beim trinken zu und wünsche vor dem Essen guten Appetit oder Hunger


    - Ich versuche die Begrüßungsrituale meiner Heimat zu ergründen. Ich glaube am Wochenende grüßt man sich auf den Wegen, in der Woche nicht, außer früh Morgens (Die Leute haben dann Urlaub?). Achtung Sonderegel: Reiterinnen grüßen Immer.


    - Ich feiere Ostern (Der Osterhase ist eine Deutsche "Erfindung" )


    - Ich begehe mit meinem Neffen Nikolaus und St. Martin


    - Ich stelle Maibäume auf. (Hier in der Region gibt es auch den Brauch, dass man Mini-Maibäume (mit Kreppband geschmückte junge Birken im Topf) heimlich vor die Türe seiner Angebeteten platziert)


    -Ich lasse Leute nicht schnell in meinen inneren Freundeskreis


    - Ich lege Wert auf Pünktlichkeit


    - Ich leide unter der Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn


    - Am Bahnsteig halte ich möglichst mind. 1m. Abstand zu anderen Personen.


    - An öffentlichen Plätzen in Bussen etc. rede ich nach Möglichkeit nicht laut.


    - Ich komme nicht auf die Idee einer Frau hinterherzupfeipfen, und sei sie noch so hübsch. (Schonmal drüber nachgedacht woher die Wörter "Macho" und "Pascha" kommen? Kleiner Tipp: Deutsch sind sie nicht :whistling: )


    - Ich nutze das gesamte Sortiment dieser Handzeichen



    - Ich liebe Haustiere


    - Ich trenne meinen Müll


    -Ich höre gerne Sage und Märchen


    - Ich liebe Romantik. Die richtige Romantik



    - Ich bin Idealist


    - Ich bin Pantheist


    - Zum Abendbrot esse ich auch mal nur ein Brot (dessen Sorte auch mal variieren kann =O )


    - Ich bin direkt, ehrlich und "derb" (Ich weiß nicht, ob man das Wort in ganz Deutschland gleich verwendet :D )


    - Ich bin in einer gesetzlichen Krankenkasse ( Schon von Bismarck 1883 eingeführt)


    - Protzen ist mir zu wider.


    - Achja, ich spreche Deutsch 8o



    Ich glaube das war erstmal was mir so direkt einfällt :D



    Kultur zu leben, ist doch nicht explizit auf bestimmte, abgrenzbare Handlungen begrenzt. Jeder einzelne Gedanke ist kulturell geprägt, die Zubereitung des Mittagessens schon, die Art wie wie mit unseren Nachbarn sprechen, unser Verständnis von Anstand und seinem Gegenteil. So tief wurzelt, was wir in Kunst und Freizeitgestaltung ausgeprägt erst als Kultur betrachten.


    DANKE! :anbet:

  • Also hier läuft alles integrativ.
    Da organisiert die Musikschule einen Tanz gegen die einheimischen Wildschweine mit den Gästen.......
    Beim Anglerverein wird aktiv darauf hingearbeitet,das man zum Angeln nen Angelschein braucht......
    Einheimische Spezialitäten,da sind wir traditionell.
    Lungenhaschee mögen wir.
    Die anderen eher nicht.
    Ansonsten mogeln wir uns durch....Berlin ist so nahe.....

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Hmmmmm ... meinte da mal nicht eine Frau Aydan Özoğuz, dass eine spezifische deutsche Kultur jenseits der Sprache nicht identifizierbar wäre? Soweit ich mich erinnere war die Dame damals Integrationsbeauftrage der Bundesregierung.


    Schon damals habe ich mich gefragt, wie man Migranten zur Integration verhelfen kann, wenn man die Kultur des Gastlandes nicht kennt oder in Abrede stellt.


    Noch mehr wunderte mich, dass die sogennannten Kulturschaffenden, die eben nicht bloß in der deutschen Sprache tätig sind, dazu schwiegen, wo doch manch einer unter ihnen ist, der sonst stets die große Klappe hat.


    Ja ich weiß, daraufhin wollte jemand die Dame "entsorgen". Das ist aber nicht das Thema hier und ich halte solche Äußerungen ihr wie jedermann gegenüber für daneben, wie natürlich auch wenn solche Anmerkungen von Kahrs oder Gabriel kommen.

    Aber der Tempel, der sich in Wolken verliert, heilig der Artemis, ließ alles andere verblassen.

  • Zugegeben, Traditionen leben ist hier im ländlichen Grenzgebiet Niederbayern - Österreicht relativ einfach.


    Wir feiern in unserer Familie die Feste und Bräuche, wie wir sie von Oma kennen. Außer den Stall räuchern, dass machen wir nicht mehr - haben keinen.


    Meine Familie nimmt an den Veranstalltungen der Gemeinden (Sonnwendfeuer, Perchten, ...) teil. In der Verwandschaft betet niemand mehr zu den alten Göttern aber wir legen wert darauf, dass den Kindern erklärt wird woher die Bräuche stammen.