Wenn die Faulheit siegt...

Schon gewusst…?

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  • Moin moin allerseits.


    Ich habe vor dieses Jahr wieder ins Reanactment ein zu steigen.
    Unglücklicher Weise habe ich neben Meiner neuen Arbeit und meinen anderen Hobbys nicht mehr wirklich die Zeit, meine Darstellung selber komplett neu an zu legen.
    Deswegen wollte ich mal nachfragen, ob ihr gute Schneider für FrühMi Klamotten kennt, bei denen ich meinen Kram in Auftrag geben könnte.


    Danke schon mal im voraus. :)

    Ich wage alles was dem Manne ziemt;
    Wer mehr wagt ist kein Mann!

  • Hat bei mir eher weniger mit Faulheit zu tun, sondern mit absoluter Unfähigkeit was Textilgestalten angeht (dank Pflichtfach in der OS sogar schriftlich attestiert XD), aber wenn du meinst wulfila .

    Die frage war ja nur, ob hier jemanden einen Schneiderling kennt, der darin Erfahrung hat und das gegen Bezahlung anfertigen kann. Ein einfaches "Nein, leider nicht.", hätte es auch getan.

  • Ich würd mal sagen, du wartest noch ein paar Monate, besuchst uns wieder in Haithabu und wir gehen zu Bettina.

    Da krichste vernünftige Stoffe, vernünftig verarbeitet und zu einem fairen Preis. :)

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • :winkewinke: ;)



    Die frage war ja nur, ob hier jemanden einen Schneiderling kennt, der darin Erfahrung hat und das gegen Bezahlung anfertigen kann.


    Ich würd mal sagen, du wartest noch ein paar Monate, besuchst uns wieder in Haithabu und wir gehen zu Bettina.

    Da krichste vernünftige Stoffe, vernünftig verarbeitet und zu einem fairen Preis.


    Es könnte durchaus sein, dass es dann in Haithabu 1-2 Leute gibt, denen Du den Stoff dann gleich zur handwerklich geschickten Weiterverarbeitung in die Hände drücken kannst *raun


    Bis dahin können wir (ich spreche jetzt einfach mal ganz frech für den lieben Cal mit :whistling:) Dir gerne bei der Findung Deines historischen Ichs behilflich sein, das brauch nämlich manchmal auch seine Zeit ;)


    Hast Du schon konkrete Vorstellungen?

    "I live my dream today,
    I lived it yesterday
    an I´ll be living yours tomorrow
    So don´t look at me that way"
    :whistling:

  • Danke Cal und Hagrun.:*

    Erstmal nichts ausgefallenes. 8. evtl. frühes 9. Jahrhundert steht schonmal fest, ich schwanke da aber noch ein wenig zwischen sächsischem Kerl und Degen (also Unter- und Mittelklasse der freien Männer).

    Was die Kleidung angeht unterscheiden sich die beiden eher weniger, außer das Degen (und der Fro, also "Herr") wohl noch häufig Klappenröcke zusätzlich zur Tunika und allgemein aufwändigere Webmuster trugen. Größter Unterschied ist wieder Bewaffnung und Rüstzeug.

    Da die Darstellung eh zivil sein soll tendiere ich aber eher zum Kerl.


  • Dein Spoiler spoilert nicht richtig ;)

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  • Die Bauchbinde ist interessant. Kenn ich so nicht. Hast du da mehr Infos drüber?

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • Das ist eine Fascia Ventralis aus der römischen Legionstracht. Legionäre trugen sie, um den Druck der Gürtel auf die Magengegend zu verringern und die Körperregion auf langen Märschen vor Schürfwunden sowie die Kleidung vor Abnutzung zu schützen. Im Buch selbst steht dazu nichts, das musste ich nachschlagen.:/

    Ist bei den Angelsachsen sowieso nur für die Anfänge der Siedlungszeit belegt und wurde wohl von der in Britannien etablierten römischen Mode übernommen, passt aber zeitlich auch, da die Schuhe im Buch auf das frühe 5. Jahrhundert datiert werden.


    Die Knielange Tunika ist ebenfalls eine Anpassung an römische Mode die so auch bei den Festlandsachsen und Franken vorkam aber anders als die Fascia Ventralis bis ins 10. Jahrhundert fast unverändert genutzt wurde.

  • Na, dann ist ja die Thorsberghose exakt das passende Beinkleid für deinen Altsachsen. Da empfehle ich doch einen Spontanbesuch im Schloss Gottorf und dann im Thorsberger Moor - in letzterem ist ein archäologischer Rundweg mit sehr guten Erklärtafeln.

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  • Ich habe gestern in der Nachtschicht nochmal alle relevanten Abschnitte gelesen und fasse mal zusammen, was ich bis jetzt für einen Westfalen Anfang des 9. Jahrhunderts herausgefunden habe:


    - etwa knielange, ärmellose Untertunika, ungefärbter Leinen (ohne Hose als Arbeitsgarnitur getragen)

    - knielange Obertunika mit eng zulaufenden Ärmeln, gefärbte Wolle,

    - Thorsberghose, gefärbte Wolle; da würde ich aber in Anlehnung an die Funde aus Dätgen und Marx-Etzel die "Füße" weglassen

    - Wadenwickel mit 64-90mm Breite, Violett(?) gefärbt (das buch spricht von "purple")

    - Ledershuhe nach Fund aus Banstead Down, da fehlt mir noch das Schnittmuster... ansonsten ähnliche nach Oseberg

    - dünner Ledergürtel, ca. 15mm Breite, unverzierte Messingschnalle und Beschläge.


    Am Gürtel:
    - Langsax (Hauptwaffe, Statussymbol der Freien) ca. 50cm lang mit "broken Back" und einfach gehaltener Scheide.

    - kleines Arbeitsmesser

    - Ledertasche, Inhalt: Pflegeausrüstung (Ohrlöffel, Kamm (sind Bartkämme belegt? XD), Flintstahl und Zunder

    - Ledersäckchen für Kleinkram


    Offene Fragen:

    Die Thorsberghose hat ja Laschen rund um die Hüfte, nimmt man zur Befetsigung einen Gürtel oder eher eine Kordel?


    Wie verhält es sich mit den Borten an der Obertunika? Ich könnte mir Vortellen, dass Breite und Ausführung etwas über den Geldbeutel (und damit Status) des Trägers verraten und würde daher zu Schmaleren tendieren.

  • P.s.

    Für mich als Glatzkopf noch wichtig:


    - Kopfbedeckungen

    Im Buch ist die Rede von phyrgischen Mützen (Anfang der Siedlungszeit), der pannonischen Kappe und Kappen aus Schafsfell sowie Hüten aus Stroh. Für die letzten beiden fehlen aber genaue Beschreibungen bzw. Abbildungen, also lasse ich das erstmal weg.

  • Respekt. Da hast du ja hübsch was zusammengetragen :goodpost:


    Nun - der Streit über die Ärmel von Untertuniken ist ein endloser. Mangels brauchbarem Fundmaterial gilt es hier rauszufinden, wie es gewesen sein könnte, sprich, was sich in der Praxis bewährt hat. Ohne Anspruch auf Richtigkeit hab ich für mich Halbarmtuniken festgelegt. Bei Woll-Übertunika seh ich absolut keinen Grund, warum die Untertunika überhaupt Ärmel haben soll. Reine Materialverschwendung. Allerdings lass ich im Sommer gern mal die Wolle weg, lauf nur in der Untertunika rum und find das einfach vorzeigbarer.


    Ebenso der ewige Streit über die eng geschnittenen Ärmel der Obertunika. Für Hochstatus, der nicht arbeiten muss, seh ich das vielleicht noch ein. Aber für eine Normalo-Darstellung, die anpackt, sollte man die Ärmel im wahrsten Sinne schonmal hochkrempeln können. Ich weiß, dass einige Päbste auf facebook jeden zerfleischen, der keine engen Ärmel trägt. Den würd ich gern mal 50 Heringe ausnehmen lassen und dann weiterdiskutieren.... ;)


    Bei der Hose ist als "Zuziehband" eine getundelte Kordel das Praktischste, das es gibt. Sehr elastisch, fast wie ein Gummizug. Aber die Geschmäcker sind da verschieden.


    Violett/purple ist schwierig. Man kann es färben, ist aber von der Farbigkeit her eher dem Adel vorbehalten. Entweder du importierst Purpurschnecken aus dem Mittelmeerraum oder eine spezielle Flechtenart der britischen und norwegischen Atlantikküste. Mach die Beinwickel eher grünlich/bräunlich, das ist ne einfache Kraut- und Rübenfärbung und bei Matschwetter sehr dankbar.


    Bei Borten hast du zweierlei Macharten zur Verfügung. Einmal die aufwändigen Brettchenborten, die meiner Meinung nach Erkennungsmerkmal einer Hochstatusdarstellung sein sollten und die einfacher gewebten, nicht minder schönen Kammborten. Entscheidend ist auch hier wieder das Material und die Farbe, weniger die Breite. Für eine 25 mm breite Borte brauch ich 250 Seidenfäden, kann sie aber auch mit 20 Wollfäden weben. Du verstehst?


    Vielleicht macht es bei deinem Darstellungsraum auch Sinn, dass du dich mal mit den Friesen beschäftigst. Die haben auch ganz nette Mützen im Regal. Ausserdem war Dorestad DAS Zentrum der Diamantköperweberei und dieser, in der anderen FrühMi-Welt hoch gehandelte Stoff durchaus Alltagsklamotte.

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  • Ich sagte ja, an der Faulheit liegt's bei mir nicht. ^^


    Die Arbeitstauglichkeit der gesamten Garnitur steht bei mir momentan nicht an erster Stelle, sondern eher die Ausgehtauglichkeit und, dass ich mich darin wohl fühle. Sollte sich daraus eine richtige Darstellung mit Lagerleben und Handwerk o.Ä. entwickeln wird halt ein wenig umgestellt.8)

    Bei der Weite der Ärmel kommt es also auch darauf an, was sich für mich am besten anfühlt.

    Die Untertunika wird wohl ärmellos bleiben, zum Einen wegen der von dir angeführten Punkten, zum Anderen weil ich die auch als Probestück selbst fertigen wollte, zumal sie nicht genäht, sondern nach thorsberger Vorbild geschnürt werden soll und... naja, ohne Ärmel kann ich eine Sache weniger versauen.:P


    Für den bzw. die Gürtel habe ich noch ausreichend Leder, bekäme ich also auch selbst hin. Nur die Breite macht mir etwas sorgen. Ich habe vorhin ein wenig online gestöbert, aber Schnallen und Beschläge unter 2cm zu bekommen scheint ein wenig schwer. Und dabei habe ich das historische Maß schon aufgerundet.:(


    Bei den Wickeln stand, dass sie am häufigsten "purple" gefunden wurden, kann aber auch damit zusammenhängen, dass, wie du schon sagtest, die meisten gut erhaltenen Gräber wirklich von der Oberschicht stammen. Vielleicht meint die Autorin aber auch krapprot oder blau, da die Farbbezeichnung im Englischen ja ein wenig weit ausgedehnt ist.:wacko:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Line_of_purples

    Was die farben angeht bin ich aber noch komplett unentschlossen. Da werde ich die obige Darstellung einige Male ausdrucken und verschieden kolorieren.


    Diamantköper steht auch im Büchlein, aber dann ist mir das Kaptorga-Video eingefallen, in dem er sich so darüber ausgekotzt hat, dass jeder Depp das trägt weil "Diamantköper ist Beste!!1!!11", das hat mich dan ein wenig abgeschreckt. :D

    Aber da hast du selbstredend recht, ich wohne ja wirklich direkt an der Grenze zum friesischen Siedlungsraum, da macht so eine Webung schon Sinn.

    Wobei da die Frage wäre, ob O-Tunika, Hose oder Rechteckmantel daraus gemacht werden sollte. Mehrere Stücke könnten ein wenig over-the-top wirken.

    Ich meine in Ostfriesland gab es sogar einen friesischen Reenectment-Verein, schaue aber nochmal nach.

    Die können da garantiert ein wenig Auskunft geben.:thumbup:

  • Hier könnte man nach Schuhen im richtigen Zeitalter fündig werden.

    Adresse alt: Am Klostersee 11 neu: Zum Strandbad 21

    14797 Kloster Lehnin Kontakte

    E-Mail: snorri.varnarsson@gmx.de

    Tel: 03382 741091


    Tel: 03382 741091

  • Ich habe vorhin ein wenig online gestöbert, aber Schnallen und Beschläge unter 2cm zu bekommen scheint ein wenig schwer.

    Dann schau doch mal bei Paul vorbei: http://www.re-enactment.com/in…in_page=index&cPath=58_63

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

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