Aberglaube: Nachzehrer

Schon gewusst…?

Bei Asatro handelt es sich um einen dänisch-schwedischen Neologismus bestehend aus asa, dem Genitiv Plural von dänisch æser bzw. schwedisch äser „Ase“ und tro „Glaube“. Das nordische Wort tro ist etymologisch verwandt, doch nicht bedeutungsgleich mit dem deutschen Wort Treue sowie dem englischen Wort truth „Wahrheit“. Der Begriff Asatro taucht erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Schriften der skandinavischen Nationalromantiker auf.

  • Nachzehrer


    Der Nachzehrer ist eine besondere Klasse der Wiedergänger (s.d.); man glaubt von ihm, er ziehe auf irgend eine Art seine Angehörigen oder auch andere Menschen nach sich in den Tod. Der Grund liegt, wie bei den anderen Wiedergängern, in der Bosheit des Toten, in seiner Gier nach »Leben« oder nach weiterem Verbundensein mit den Angehörigen. Und da nach primitiver Anschauung Leben = Blut ist, so kann die Vorstellung entstehen, der Tote sauge den Lebenden das Blut aus1), indem er leibhaftig zurückkehrt und sich auf die Schlafenden legt (Vampir). Er kann sie aber auch durch Fernzauber nachziehen, indem er ihnen vom Grab aus auf geheimnisvolle Art die Lebenskraft auszehrt, oder indem er an seinen eigenen Gliedern und Kleidern zehrt und damit die immer noch mit ihm verbunden gedachten Verwandten nachzieht. Besonders droht diese Gefahr, wenn die Lebenden sich in die Gewalt des Toten geben, indem sie sich etwas von dessen Eigentum aneignen oder umgekehrt dem Toten etwas von ihrem Eigentum mitgeben (s. Grabbeigabe, Leiche, Leichenkleidung, Leichenwaschung). Dies ist die deutlichere Form des Nachziehens; undeutlicher liegt derselbe Glaube vor im Nachsterben: Unzählige Male, fast gedankenlos, wird bei den Bestattungsbräuchen der Nachsatz wiederholt: wenn dies oder jenes bei den Riten getan oder versäumt wird, so stirbt bald oder innert einer bestimmten Frist wieder jemand aus der Familie, dem Hause oder der Gemeinde. Und hiebei glaubte man ursprünglich wohl nichts anderes, als daß der Tote selbst, der sich vernachlässigt oder beleidigt glaubte, den Todesfall verursache. So hängt der Glaube an den Nachzehrer mit dem Glauben an die wiederkehrenden Toten zusammen, von denen gewisse Klassen (wie die plagenden, Krankheit verursachenden oder direkt tötenden Toten) sehr nahe mit dem Nachzehrer verwandt sind.

    Eine verblaßte Art des Nachzehrens ist das »Nachsterben«, d.h. der etwas unbestimmte Glaube, daß ein Todesfall einen oder mehrere andere nach sich ziehe, ohne daß dabei immer der Tote verantwortlich gemacht wird. So der Glaube, daß der Tod sein zweites Opfer verlange2), oder daß, wenn es in einer Familie einmal »anfängt«, bald mehr Todesfälle eintreten3). Stirbt einer in einer Gasse oder auf einem Platz, so sterben in der Gasse oder auf dem Platz drei weitere Personen nach4). Sterben Wöchnerinnen, Eheleute, so folgen zwei weitere in nächster Zeit5). In Bosnien wird, wenn in einem Haus schnell nacheinander zwei Personen gestorben sind, und damit nicht eine dritte nachfolge, auf der Schwelle ein Tier geopfert6), auf Zakynthos legt man in diesem Fall dem zweiten Toten eine Puppe in den Sarg7). Manchmal heißt es deutlicher: der Tote holt den nach, den er besonders lieb hatte, oder der Tote geht nicht gern allein8). Im ersten Lebensjahre verstorbene Kinder kehren unter der Schwelle um, d.h. holen ein Familienmitglied binnen einem Jahre nach9). In Hannover glaubte man, ein Verstorbener könne Gott bitten, daß er einen andern nachkommen lasse; man nannte das »anbraweln«10).

    Nachzehrer im eigentlichen Sinn kann man die Toten nennen, von denen deutlich gesagt wird, daß sie Lebende auf irgend eine Art nachholen, ein Spezialfall davon ist der Vampir. In altnordischen Geschichten wird einfach erzählt, daß bösartige Tote die Lebenden krank machen oder töten11). Der Tote ist also, wie im Glauben anderer Völker, Urheber der Krankheiten12).

    Bei den eigentlichen Nachzehrern wird meist der Grund angegeben, warum sie es sind, oder die Anzeichen, woran man sie erkennt; zu diesen gehören: Weichbleiben, offene Augen, offener Mund, rote Lippen (s. Leiche A. 4–6). Wenn man dem Toten den Daumen nicht aus der Hand tut, wird er ein Nachzehrer13). Wenn es heißt: den Männern, die eine weiße Milz oder Leber haben, sterben mehrere Frauen, so ist dies nicht Nachzehrerglaube, wie Hoops annimmt14). Auch wenn die Nachzehrer als Tiere auftreten, scheint eine Vermischung mit dem Werwolfglauben vorzuliegen15).

    Neuntöter sind Kinder, die mit Zähnen oder mit einer doppelten Reihe von Zähnen geboren werden. Sie sterben bald und holen ihre nächsten 9 Verwandten nach oder verursachen Pest, wenn man ihnen nicht den Kopf abschneidet16). Eine andere Art sind die Doppelsauger, Zwiesäuger, d.h. Kinder, die innerhalb 24 Stunden nach der Entwöhnung noch einmal die Mutterbrust erhalten haben, dann verwesen ihre Lippen oder die ganze Leiche im Grabe nicht17) (vgl. Alp 6 u. 7). Andere Namen sind: Totenküsser, Dodelecker, Blutsauger18).

    Oft ist der Nachzehrer schon im Leben eine unheimliche oder böse Person19). Ein Nachzehrer kann aber auch jeder harmlose Tote werden, wenn man nicht bei der Einkleidung und Sarglegung sorgfältig verhütet, daß ihm irgend etwas von der Kleidung zu nahe an oder gar in den Mund gerät. Darum sorgt man, daß keine Bänder, Schleifen, Kleider- oder Totentuchzipfel, auch keine Blumen ins Gesicht oder in den Mund hängen20); als Grund wird angegeben: sonst sterbe die ganze Familie nach21), oder der Tote könnte am jüngsten Tag Christum nicht sehen22). Häufig aber heißt es deutlicher, der Tote kaue, zehre und schmatze daran, und damit ziehe er alle seine Angehörigen nach sich23). Auch vom ersten, der an einer Seuche stirbt, glaubt man, er sitze aufrecht im Grabe und verzehre das Laken; solang er das tut, hört das Sterben nicht auf24). Manchmal glaubten die Leute dieses Schmatzen der Toten im Grabe zu hören, im 16. Jh. öffnete man darum die Gräber und fand die Toten, wie sie ihre Kleider aufgefressen hatten25). Hört man solches Schmatzen, so stirbt bald jemand aus der Familie des Toten26). Schon der aufgebahrte Tote beginnt mit Leckbewegungen27). Vom Doppelsauger heißt es, er zehre nicht nur an seinem Gewand, sondern er sauge sich seine Brust aus, zehre an seinem Fleisch und schließlich sauge er (im Grab) auch seinen Verwandten das Blut aus, bis sie ihm nachfolgen28), oder die Leute im Dorf sterben an einer Epidemie; Hoops berichtet, er komme auch aus dem Grab, um an den Lebenden zu zehren, das ist dann schon der Vampir29). Die Kassuben glauben, wenn ein Kind mit einem »Mützchen« geboren werde, müsse man ihm dieses abnehmen, verbrennen und das Pulver eingeben, sonst werde es ein Nachzehrer; es richte sich im Grabe auf, verzehre das Fleisch an Händen und Füßen und das Sterbehemd, steige dann aus dem Grab, verzehre (aber es heißt auch, er sauge Blut, s.u.) die näheren, dann die weiteren Verwandten, schließlich läute er nachts die Kirchenglocken, und alles müsse sterben, so weit der Schall reiche30). Nach schlesischem Glauben steigt der Nachzehrer (Strzygi) nachts auf den Kirchturm, und soweit sein Blick reicht, sterben die Menschen, die im Alter stehen, das die Leiche erreicht hatte31). Er kommt an die Fenster der Schlafenden und kann sie durch Fragen töten32). Den Ursprung dieses Nachzehrer-Glaubens will man im Aussterben ganzer Familien bei Epidemien sehen33); aber schon vorher muß der Glaube an böse Tote, die Krankheit und Tod bringen, bestanden haben.

    Verschiedene Abwehrmittel werden gegen das Nachzehren angewandt. Die Totenmünze (s. Grabbeigabe) dient als solches. Wenn man dem Toten nicht seinen Zehrpfennig in den Mund gibt, wird er ein Nachzehrer34); oder man gibt ihm einen »Kreuzpfennig« mit35); oder man legt ihm eine Münze oder einen Stein in den Mund, damit er sich daran die Zähne zerbeiße36). Man befestigt einen Bogen Papier unter das Kinn der Leiche37), oder man nimmt zu diesem Zwecke ein Brett38), ein Stück grünen Rasen39) oder eine Zitrone40). Beim Hinaustragen solcher Leichen wird auch die Haustürschwelle gehoben, so daß der Sarg drunter durch getragen wird41) (s. Leichenzug B I). In Schlesien wurde 1899 ein Mann, weil er mit Zähnen geboren war, mit dem Gesichte nach unten begraben42). In Ungarn nagelte man einen an einer unbekannten Krankheit Gestorbenen mit Händen und Füßen und durchs Herz an den Sarg, weil ein solcher die Verwandten anstecke43). In Braunschweig (18. Jh.) pflöckte ein Bauer einem Toten einen Stock durch Zunge und Mund, weil er fürchtete, nachgezogen zu werden44).

    Nicht immer helfen diese Mittel, und wenn man von dem unheimlichen Wirken des Nachzehrers überzeugt ist, so öffnet man das Grab und sticht ihm mit einem Spaten den Kopf ab45); dabei fließt Blut, oder der Tote quiekt wie ein Ferkel46). Daß es sich bei diesem Köpfen nicht nur um sagenhafte Berichte handelt, beweisen die Belege bei Mannhardt u.a. Gewöhnlich hört dann nachher das Sterben oder die Pest auf. Auch mit Pfählen oder Verbrennen ging man gegen Nachzehrer vor47) (s. unten Vampir).

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Als Vampir möchte ich mit Jellinek und Klapper48) nur die Klasse von Wiedergängern bezeichnen, von denen ausdrücklich gesagt wird, daß sie den Lebenden das Blut aussaugen. Somit trenne ich davon die lebenden Vampire, die oft schon im Volksglauben mit Hexen, Werwolf und ähnlichen Wesen vermischt werden49), ferner Wiedergänger, die die Lebenden plagen, krank machen und direkt töten (altnord. Sagas), solche die zu den Frauen zurückkehren (Braut v. Korinth) und mit ihnen Kinder zeugen, Wiedergänger, die Vieh melken oder töten, oder die Menschen nur als Spuk schrecken.

    Der Name Vampir kommt im Deutschen zum erstenmal 1732 vor50). Anlaß dazu gaben Berichte über serbische Vampire; es wurde viel darüber geschrieben, und die Frage soll sogar der preußischen Akademie vorgelegt worden sein51). Er ist aus dem Serbischen übernommen worden, soll aber vielleicht aus dem Türkischen stammen52). In einer der 1732 erschienenen Schriften, die mir vorliegt53) heißt es: »Auch sogar das Wort Vampir ist uns nicht bekannt, was es für ein Wort seye, was es bedeute, woher es komme«.

    Deutsche Namen sind: Gier, Gierhals, Gierrach, Begierig, Unbegier, seltener Blutsauger54).

    Auffällig ist, daß der Glaube an den eigentlichen Vampir auf deutschem Boden verhältnismäßig selten ist und hauptsächlich in ehemals slavischen Gebieten oder solchen, die an die Slaven grenzen, vorkommt, so daß man annehmen muß, das Zentrum dieses Glaubens liege auf slavischem Gebiet, und er sei von hier aus übertragen worden, falls er nicht bei den Deutschen ursprünglich auch vorhanden gewesen, dann aber ausgestorben ist; denn der Nachzehrer erscheint manchmal als eine Art Vampir, nur daß er durch Fernzauber wirkt. In der englischen Sage erscheint zwar vereinzelt schon im 12. Jh. ein richtiger Vampir, d.h. ein Toter, von dem man annimmt, er habe vielen das Blut ausgesogen, weil er beim Ausgraben sehr viel Blut enthält. Es scheint mir aber, der Beweis sei nicht geglückt, daß dieser englische Glaube über Skandinavien von den Slaven her übernommen worden sei. Denn in den altnordischen Geschichten fehlt eben der richtige Blutsauger55).

    In Westpreußen, unter den Kassuben und Deutschen glaubt man, wenn sich bei einem Toten Blutflecken auf dem Gesicht, besonders aber an den Fingernägeln zeigen, wenn die Leiche langsam erkaltet, oder wenn ein Mensch mit Zähnen oder einer Glückshaube auf die Welt gekommen sei, oder wenn er mit Groll im Herzen gestorben sei, so werde er ein Vampir. Die Leiche behält ein rotes Gesicht, das linke Auge bleibt offen, sie verwest nicht. Er frißt im Grab seine Kleider und sein Fleisch, steigt dann nachts heraus und saugt seinen Verwandten das Herzblut aus, so daß sie nacheinander sterben müssen; schließlich läutet er die Totenglocke, und soweit der Klang reicht, stirbt alles. Man muß ihn ausgraben, ihm den Kopf abschneiden und ihm diesen zwischen die Beine legen. Dabei fließt Blut, was ein sicheres Zeichen des Vampirismus ist56). Manchmal fällt er auch die Herden an; oder es heißt, er liebe besonders das Blut von Jungfrauen57). In der Lausitz und in Schlesien muß der Leiche nicht nur der Kopf abgeschlagen, sondern auch das Herz mit einem Pfahl durchbohrt und zu Asche verbrannt werden, die man dann aufs Grab streut58). In Westpreußen wurde noch im 18. Jh. die Leiche eines Herrn von Wollschläger, den man für einen Blutsauger hielt, weil mehrere Verwandte ihm nachstarben, von einem Verwandten geköpft; von dem herausspringenden Blut mußte dieser in einen Becher auffangen (Das Blut mußten wohl die Familienangehörigen trinken). Der Kopf wurde der Leiche zwischen die Füße gelegt59).

    Die andern Fälle von Vampirglauben, die aus deutschen Gebieten berichtet werden, möchte ich alle nicht hierher rechnen, weil es sich entweder um plagende Wiedergänger oder Nachzehrer handelt60). Auch nicht eigentlich Vampirismus enthält die Sage von Aswit und Asmund, da der Tote den Lebenden auffressen will61). Nahe verwandt damit ist der Glaube an Hexen, die Menschenherzen verzehren62).

    Viel weiter verbreitet und lebendiger ist der Glaube an Vampire auf slavischem Boden, in Böhmen, Polen, Serbien, Kleinrußland, Dalmatien, Bulgarien; auch bei den Griechen63).

    Zu Vampiren werden gottlose Menschen64), Werwölfe65), ungetauft gestorbene Kinder66), Tote, in die am 40. Tag ein böser Geist fährt67), Leichen, worüber eine Katze oder sonst ein Tier gegangen68) (vgl. Leichenwache); der Vampir hat 2 Herzen oder Seelen, von denen eine weiterlebt69). Man erkennt die Vampirleiche an allerlei unheimlichen Lebenszeichen: die Glieder bleiben beweglich, das Gesicht rot, das linke Auge offen, die Leiche verwest nicht70). 1725 beobachtete man bei der Pfählung eines Vampirs außer andern Lebenszeichen (Bluten) auch penis erectio71). Zunächst zehren sie im Grab an ihren Kleidern und Gliedern72). Dann aber steigen sie nachts heraus, fallen die Leute an und legen sich besonders ihren Verwandten auf die Brust, um ihnen das Blut auszusaugen73). Sie saugen oder fressen auch an Toten74). Seine Frau besucht der Vampir, ohne ihr zu schaden; sie kann von ihm sogar Kinder bekommen, aber diese haben keine Knochen75). Von dem ausgesogenen Blut wird der Vampir aufgeblasen wie ein gefüllter Schlauch76). In Mähren glaubt man beobachten zu können, wenn der Vampir aus dem Grabe steigt: es fängt etwas zu wühlen an, wie eine Henne in einem Aschenhaufen, dann wächst es wie ein Schaf77).

    Als Abwehrmittel gegen den Vampir werden dieselben gebraucht wie gegen andere Wiedergänger (s.d.). In Böhmen wurde 1336 einer gepfählt; dabei brüllte er fürchterlich, zog die Füße zusammen und vergoß reichlich Blut. Erst als man ihn verbrannte, hörte alles Übel auf78). Gewöhnlich wird angegeben, man müsse die Leiche ausgraben und ihr mit dem Spaten den Kopf abstechen79); solche Fälle kamen bis in neueste Zeit wirklich vor80). Man soll den Kopf der Leiche zwischen die Beine legen oder Erde zwischen Kopf und Rumpf streuen81). Häufig wurde auch die Leiche gepfählt82), speziell mit einem Pfahl aus Dornholz83), Espenholz84), Eschenholz85). Oder der Leiche wird eine Nadel oder ein Nagel in den Leib getrieben, oder sie wird im Sarg angenagelt86). Wenn alles nicht hilft, wird die Leiche verbrannt87). Manche Maßregeln werden auch schon vor dem Begräbnis getroffen, wenn man vermutet, der Tote könnte ein Vampir werden: man legt einen dornigen Stock neben die Leiche88), die Leiche wird verkehrt in den Sarg gelegt89), sie erhält Erde oder einen Kiesel in den Mund90). Man legt ihr ein Stück Geld in den Mund, Kreuze von Espenholz auf die Brust, unters Kinn und unter die Arme und Erde vom Grab auf die Brust91). Man streut Mohn- oder Hirsekörner in den Sarg, aufs Grab oder auf den Weg bis zum Grab, angeblich weil der Vampir die Körner zählen müsse und dadurch bis zum Morgengrauen aufgehalten werden92). Man wickelt ihn in ein Fischernetz oder gibt ihm einen Strumpf mit, damit er sich mit dem Maschenaufknüpfen aufhalte93). Wenn von Geschwistern eines stirbt, wird ein Stein genau im Gewicht der Überlebenden auf das Grab gewälzt, damit der Nachzehrer glaube, sein Opfer liege bereits auf ihm im Grabe94).

    Der Glaube an blutsaugende Tote findet sich auch bei außereuropäischen Völkern95). Die auffallendste Parallele treffen wir in Afrika: Zauberer werden nach ihrem Tode Blutsauger; sie saugen auch die Milch aus Tieren und Menschen und quälen die Leute im Schlaf durch Aufhocken. Bei zunehmendem Monde gewinnen sie an Kraft. Während mondlosen Tagen muß man sie vernichten. Man findet sie im Grab unverwest mit offenen Augen. Am sichersten vernichtet man sie durch Feuer, man hört sie dabei stöhnen; oder man schießt ihnen eine Zauberladung in den Leib, dabei bluten sie; oder man pfählt sie mit einer Pfahlgabel über den Hals an den Boden96).

    Der Grund des Nachzehrer- und Vampirglaubens liegt in der Vorstellung vom fortlebenden Toten und seiner Gier nach Leben, das er besonders im Blut zurückzugewinnen hofft97); darum bleibt er auch unverwest und behält andere Anzeichen eines unheimlichen Weiterlebens.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.


  • Lexikon: Nachzehrer. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (vgl. HWA Bd. 6, S. 812 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.