Vom Zwang, "Gutes zu tun"

Schon gewusst…?

Die Dächer ihrer Häuser deckten die Wikinger für eine effektive Wärmedämmung mit Grassoden.
Im Inneren des Hauses brannte immer ein offenes Feuer. Rundherum bauten die Wikinger Bänke, die Schlaf- und Sitzplätze für die gesamte Familie boten.

  • Ich habe manchmal das Gefühl, dass aus unterschiedlichen Richtungen immer mehr Druck auf andere ausgeübt wird, "Gutes zu tun" - wobei "gut" hier jeweils im Ermessen der missionierenden Personen liegt und ganz unterschiedliche Formen annehmen kann: Blut spenden, Veganer sein, Selbstversorger werden, sich für wohltätige Zwecke engagieren...


    Nicht falsch verstehen, ich finde es gut, dass sich Menschen auf unterschiedliche Arten engagieren und es dazu auch vielfältige Möglichkeiten gibt. Was mich stört, ist der gefühlte Druck, der von diesen Leuten oft auf diejenigen ausgeübt wird, die das nicht tun - oder vielleicht auch nur auf andere Weise und nicht in dem Punkt, der dem Missionar gerade wichtig ist.


    Beispiel Blut spenden. Ich kippe schon beim normalen Blutabnehmen regelmäßig aus den Latschen oder generell, wenn jemand irgendwie medizinisch an mir fummelt. Deswegen kommt das für mich nicht in Frage, dazu kommen irrationale spirituelle Gründe.
    Bei den Blutspende-Pastoren ziehen derartige "lächerliche" Befindlichkeiten natürlich überhaupt nicht, es gibt soooo viele Menschen, die dringend genau dein Blut brauchen (von wegen, da habe ich anderes gehört, aber egal), und wie kannst du bloß nur an dich selbst denken!!!11 :Val2:


    Die Grundstimmung lässt mich regelrecht wünschen, dass ich eh kein Blut spenden darf, was möglicherweise sogar der Fall ist, aber ich habe das nie abklären lassen - ich will ja eh nicht. Aber um ein wasserdichtes Alibi Argument zu haben und nicht quasi neben Kinderschänder an die Wand gestellt zu werden, wäre das sehr willkommen.


    Und ich finde, das darf nicht sein. Noch leben wir in einem Land, in dem wir sowas aus gutem Grund selbst bestimmen dürfen.


    Das gleiche ist es mit allem anderen, was denen, die es betreiben, vermeintlich eine "Holier than thou" - Haltung erlaubt, mittels derer all jene, die nicht spenden, Veganer werden, vom eigenen Acker leben oder sich ehrenamtlich engagieren können oder - ja, es muss erlaubt sein! - es nicht wollen mehr oder weniger zu Abschaum erklärt werden. Mit emotionalen Appellen an die Moral und persönliche Integrität wird dann versucht, die renitente Person auf den rechten Weg zu bringen - und wehe wenn nicht...


    Ich frage mich aber - und nun euch: Kann es sein, dass ich da einfach ein persönliches Problem habe (mit Abgrenzung, Wahrnehmung...) oder empfindet ihr das auch so, dass die Holier than thou - Bewegung (ich mag den Ausdruck :D ) immer penetranter wird?

  • Hallo Koshka,
    Darf ich dich fragen: Warum misst du dich an den Anderen? Wer sagt denn, dass du nicht "richtig tickst"? Mein Rat an Dich; lebe dein Leben so, wie du es für dich richtig empfindest! Ohne Angst zu haben, dass Du falsch denkst! Sobald du versuchst, es den Anderen recht zu machen, bist du nicht mehr DU Selbst. Denke für dich etwas um..... es muss dir gut gehen... mit deinem Tun, deinem Handeln und deinen Gedanken. Alles andere wirst du nie erfüllen können. Du wirst es nie Anderen recht machen können... egal wie sehr du dich anstrengst.... Also lass es... lebe dein Leben nach deinen Vorstellungen und Wünschen und alles Andere ist nur Beiwerk. Ich hoffe, dass ich mich verständlich machen und dir dadurch eine Hilfestellung geben konnte. Grüße Bernd

  • Koshka, lass dich bloß nicht von anderen in eine Schublade pressen... das machen die schon sobald du mit irgend jemanden zusammen kommst. Zieh dein Ding durch... ohne Angst oder Befürchtung was andere darüber sagen oder denken. Dadurch zeigst du Stärke und ziehst auch damit die richtigen Menschen in dein Leben, die dich verstehen und dir gut tun. Es ist nicht leicht... das sagt keiner... aber es ist der einzig richtige Weg... wenn man seinen Weg geht. Ich wünsche dir viel Kraft, Mut und den Sieg über dich selbst und über die Meinung anderer. LG Bernd

  • Also, diese "HTY"-Leute sind bei uns auf dem Ländle in jedem Dorf zu finden. Und die machen das alle auch nur aus Eigenutz um sich moralinbesoffen über andere zu stellen.


    Ich bin unregelmässiger Blutspender, ich gehe spenden wenn mir danach ist, mich jemand begleitet oder ich mir einfach den Aufwand fürs Abendessen sparen will. Habe ich keine Lust mich pieksen zu lassen gehe ich nicht so einfach.


    Lange habe ich mich genötigt gefühlt gutes zu tun, aber nur weil ich das Bild was andere von mir haben zwanghaft verbessern wollte. Und das darf eigentlich nicht der Anreiz sein.


    Mittlerweile bin ich aber so weit das mir das egal ist was eine feste Clique von Hinterwäldlern von mir denkt. Ich mache was gutes wenn ich will und wann ich es will.


    Sein ganzes Selbstbewusstsein auf dem Ruf den man bei anderen hat aufzubauen ist einfach nur ungesund.

  • Hey Koshka,


    es gibt sicher genug Leute die nicht missionieren. :).


    Vielleicht liegt es am eigenen Umfeld um sich von der gleichen einheitlichen Masse abheben zu können.


    Da entwickeln sich große Selbstdarsteller in ihren kleinen Welten. Siehe Facebook.


    In meinem Umfeld restaurieren wir gerade Boote im etwas größeren Stil.
    Dabei merke ich, dass sich die ältere Generation ü 50 gerne hervorhebt, auch wenn diese oft alles gegen die Wand fährt . Mich persönlich nervt so ein Gehabe. Ich möchte persönlich keine Anerkennung für das was ich da mache. Der Lohn ist ein gutes Ergebnis und dass, das Kollektiv gut zusammen gearbeitet hat.


    In diesem Sinne.... leben und leben lassen;). Nicht nur du musst Toleranz zeigen, sondern auch diejenigen die es einfordern. Du kannst ja auch wählen mit welchen Menschen du dich im privaten umgibst. :)


    P.s.: Ich möchte nicht alle ü 50er über einen Kamm scheren.

  • Es gibt Regeln.
    1. Kannst Du effektiv helfen?(meißt nein)
    2. Hast Du Zeit und Möglichkeit?
    (Geld und Möglichkeit nach Afrika zu fahren um einen Tierquäler zu meucheln?)
    3. Nutzt Du Dir oder dem Problem?
    Ich weiß ich hab noch was vergessen.....
    Fällt mir wieder ein.
    Sicher ist,das ich aus dem Zwang raus komme.....

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Geht es nur um den Zwang, was Gutes zu tun oder fallen da auch andere Dinge mit rein?
    Also zwingen lassen, etwas Gutes zu tun, was mir innerlich widerstrebt, hab ich nicht. Aber ich habe zunehmend das Gefühl, dass es so gewisse Sachen gibt, die man "machen muss" um überhaupt irgendwie dazu zu gehören.

  • Ja @Ravena, ich glaube das spielt da mit rein. Es geht auch weniger um mein direktes Umfeld, sondern um Diskussionen, die ich zum Beispiel in Foren mitkriege - das zähle ich in dem Fall mal zum erweiterten (virtuellen) Umfeld.


    Da ich inzwischen gelernt habe, mich aus solchen Gesprächen lieber raus zu halten, werde ich auch nicht mehr direkt angegangen. Ich kriege aber mit, dass es anderen so geht und kann die dahinter steckende Haltung auch ohne Streit aus den Formulierungen rauslesen. Es wird deutlich, dass erwartet wird, wer nicht beispielsweise durch Blut spenden "seine Bürgerpflicht" tut (überspitzt von mir so formuliert), darf das nur mit triftigem Grund und solle dann doch gefälligst auf andere Weise helfend tätig werden. Von manchen Diskussionsteilnehmern wird gar in vorauseilendem Gehorsam eifrig berichtet, was man denn ersatzweise tut, weil man das andere nicht kann.


    Da sehe ich die Verbindung zu dem von Ravena geschilderten Eindruck, dass es Dinge zu geben scheint, die man machen muss, um nicht im Abseits zu stehen.


    Es geht jetzt auch gar nicht so sehr um ein akutes persönliches Problem, sondern mich interessiert vor allem, ob andere diesen Druck ähnlich empfinden oder ob es wie gesagt eher ein Problem von mir ist, dass ich mich von sowas sogar als stiller Mitleser so massiv unter Druck gesetzt fühle, dass ich mich dabei ertappe, mir schon mal Rechtfertigungen zurecht zu legen, für den Fall der Fälle. :S

  • Ich kann ja derzeit nur von "hier" sprechen. Hier ist es eigentlich unausgesprochene Pflichtveranstanstaltung, wenigstens im Frauenturnverein mitzumachen, damit man überhaupt irgendeinen Kontakt zur Aussenwelt hat und nicht dumm angeschaut wird.
    Manchmal glaube ich aber, diese Vereine sind nur Vorwände, um sich einfach über den neuesten Klatsch und Tratsch austauschen zu können und wer dabei nicht mitmacht, wäre so oder so draussen. Ich bin gerade dabei, mich zu informieren, ob es so etwas gibt, was mich auch wirklich interessiert. Also im Turnverein wäre ich absolut schlecht aufgehoben und es würde wohl eher den Klatsch und Tratsch einheizen als alles andere.


    Dass ich etwas machen möchte, was mich interessiert, ist aber ein anderes Blatt Papier. Hier ist so etwas wie: Du musst Deine Freizeit schon so gestalten, wie wir das wollen, ansonsten hast Du schlechte Karten, einfach ein Muss.
    Nun habe ich also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich habe auch ehrlich gesagt, nicht die Energie für mehr "müssen". Da halte ich mich einfach raus. Ich bin nicht auf der Erde, um anderen ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sondern in erster Linie muss ich leben. Und wenn ich gut leben kann, dann gut. Aber schlechter will ich nicht. Also möchte ich von dem Mainstream eigentlich weg. Es passt auch einfach nicht. Ich passe derzeit in kein gangbares Klischee was die Gesellschaft so als gangbar ansieht. In zehn Jahren sieht es vielleicht anders aus, derzeit bin ich ein Einzelgänger.
    Ich mag mich auch nicht mehr verbiegen und wenn ich noch so ein sozialer Mensch bin und soziale Kontakte vermisse.


    Mir scheint das ganze eine Einbahnstrasse, in der die Leute den Blick für rechts und links und andere Wege als ihre Eigenen verloren haben. Ich möchte aber weiterhin rechts und links gucken und die Seitenwege erkunden.


    Und der Wert "etwas Gutes tun", wird so häufig gar nicht mehr gesehen. Alle müssen am Besten mit "Nadel im Arm durchs ganze Dorf laufen und zeigen: Hier ich lass mir 300 Liter Blut abzapfen, schau, ich bin nicht nur gut, ich bin der/die Beste".
    Um was geht es da eigentlich wirklich?
    Jeder Mensch will sich gut fühlen und nun spriessen solche offensichtlichen Veranstaltungen hervor, wo man allen zeigen kann, "wie gut man ist". Aber im tiefsten Innen? Ist nichts für mich.
    Gut fühle ich mich, wenn ich in einer Aufgabe versinken kann, wie ein Kind im schönsten Spiel. - In der heutigen "Zeig wer Du bist-Zeit" schwer umzusetzen.

  • Es geht auch weniger um mein direktes Umfeld, sondern um Diskussionen, die ich zum Beispiel in Foren mitkriege - das zähle ich in dem Fall mal zum erweiterten (virtuellen) Umfeld.


    Es wird deutlich, dass erwartet wird, wer nicht beispielsweise durch Blut spenden "seine Bürgerpflicht" tut (überspitzt von mir so formuliert), darf das nur mit triftigem Grund und solle dann doch gefälligst auf andere Weise helfend tätig werden.

    Letztendlich sagt das aber leider nur, dass es irgendwo auf der Welt eine unangenehme Person gibt, die es eben geschafft hat, eine Anhängerschaft zu erwerben. Leider ist unsere Welt und unsere Geschichte voll von solchen unangenehmen Personen. Wobei diese Person nicht unbedingt unangenehm zu sein braucht. Sie hat eben einfach eine andere Meinung.


    Es wird leider immer eine dominierende Gesellschaftsschicht geben, die den anderen Mitgliedern der Gesellschaft ihre Sichtweisen bewusst oder unbewusst aufzwingt, beziehungsweise deren Sichtweisen oftmals auch von anderen Gesellschaftsschichten übernommen werden. In der Antike, wo eher eine Krieger-Mentalität herrschte (ja, auch in Rom und Griechenland), in der Ruhm und Ehre und Besitz für die eigene Person, Familie, Stamm, Stadt, Volk, ... an erster Stelle stand, da haben freigelassene, erfolgreiche Sklaven ihren finanziellen Erfolg und ihre zurückgewonnene Freiheit auch erstmal so demonstriert, indem sie sich selbst Land und Sklaven kauften, es also ihren früheren Herren gleichtaten. Dasselbe in Grün sehen wir ja auch noch heute. Die bürgerlichen Ideale aus dem neunzehnten Jahrhundert wurden von der Arbeiterschicht übernommen, weil sie eben als prestigeträchtig empfunden wurden. Das Kind in den Musikunterricht schicken, ferne Reisen unternehmen, ... mal davon abgesehen, dass diese Dinge an und für sich genommen ja nicht schlecht zu sein brauchen.


    Der langen Rede, kurzer Sinn... ich weiß es nicht mehr... doch, eben, dass es immer dominante und sowieso auch unangenehme Menschen geben wird. Und Menschen mit unterschiedlichen Meinungen. Als nicht-dominanter oder als toleranter oder gleichgültiger Mensch (ich bewege mich in diesem Spektrum) und auch als ein Mensch, der zwar aus antiker Sicht wohl eher der Plebs angehört (ich habe weder Besitz noch eine große Sippe und muss mich für meinen Lebensunterhalt verdingen, bin also quasi ein Höriger, ein Lohnsklave aus antiker Sicht (und wohl nicht nur aus dieser)), räume ich ein, dass ich, gerade durch das Heidentum und ihrer Verehrung der Verstorbenen, den Drang in mir habe, meiner Familie, wenn möglicherweise vielleicht auch keinen Ruhm, doch jedenfalls keine oder so wenig wie möglich Schande zu bringen. Anderseits bin ich, ebenfalls bedingt durch mein Heidentum, auch ein Epikureer und versuche Unangenehmes einfach zu meiden, da, wo es geht, da, wo es Themen betrifft, an denen ich vorbeigehen kann. Mein Manismus zwingt mich teilweise zu einem gewissen Konformismus der Gesellschaft gegenüber, mein Epikurismus befreit mich etwas von diesem. (Ich will nicht sagen, dass die Totenverehrung per se zu Konformismus führt. Wenn jemandes Eltern oder Großeltern zum Beispiel nicht konform der gesellschaftlichen Regeln lebten, ehrt man diese nicht, indem man sich diesen Regeln streng anpasst.)


    Ich komme schon wieder vom Hundertsten ins Tausendste und missachte dabei womöglich die eine oder andere Rechtschreibregel.


    Es ist vielleicht gar nicht schlecht, für sich selbst Argumente zurechtzulegen, warum man dieses oder jenes nicht tut. Mein Bruder spendet aus Solidarität zur LGTB-Gemeinschaft (was mich übrigens sehr überrascht hat) kein Blut. Er empfindet den Ausschluss jener Gemeinschaft, der er selbst zwar nicht, aber Angehörige von ihm angehören, als von Vorurteilen behaftet. Ich persönlich halte nicht viel von all den Hilfeaktionen für Afrika. Nicht, weil ich etwas gegen Afrikaner*innen hätte, aber weil ich die teilweise perfide finde, für mich ist das teilweise eine weichgespülte Variante des einzigen Kolonialismus Europas (der im übrigen mit dazu beigetragen hat, dass es im schwarzen Kontinent so sch**** ist). Im 19. Jahrhundert haben die Europäer dort vieles durcheinander gebracht, um ihre imperialistischen Bedürfnisse zu befriedigen; im 20.-21. benutzen sie den Kontinent, um ihre wohltätigen Bedürfnisse zu befriedigen. Das finde ich einfach ekelhaft, weil man die Menschen so auch in eine abhängige, untergeordnete Position drängt und nicht auf Augenhöhe mit ihnen steht. Und dazu kommt noch, und das ist ein mehr persönlicher Grund, dass es in Europa auch Menschen gibt, viele Menschen, die der Hilfe bedürfen: Rumänien und Moldawien, an diese Länder tue ich da denken. Doch leider denkt der Durchschnittsbürger bei Rumänen nur an Bettler und Diebe, nicht an hilfebedürftige Mitmenschen. Aber gut, diese Diskriminierung von Osteuropäern (auch durch Ostdeutsche übrigens, wie ich immer wieder erfahren darf) scheint ja genauso salonfähig zu sein wie die von übergewichtigen Menschen. An ihr, nämlich an der Diskriminierung von Osteuropäern, haftet doch noch diese alte, zutiefst abergläubische Vorstellung, dass man mit Elend und Armut nicht in Berührung kommen sollte, sie könnten übertragbar sein.


    Puh... Wieder nur Selbstdarstellung, oder hat es jemandem geholfen?


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

  • Jawoll.


    Aber stimmt schon, es ist so. Und wenn es nicht das "Du musst aber auch mal..." ist, sondern eher die Selbstbeweihräucherung "Also, iiiiich mach ja immer..."


    Ich fühle mich davon weniger unter Druck gesetzt, als das ich für mich ganz persönlich entscheide, was ich freiwillig machen will.


    Das geht übrigens schon im Kleinen los "Hasse ma ne Spende für den und den Kollegen, der geht, hat Geburtstag, hört auf."
    "Nee."
    "Aber Du musst doch auch blablabla Gemeinschaft blablabla Kollegen."
    "Nee. Nur, weil ich hier 6 h am Tag rumsitze, heißt das nicht, dass ich auch jeden als Freund ansehe. Ich bin hier, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mehr nicht."


    Blöde Blicke garantiert. Genau wie sich eingeschlichen hat, dass man nach seinem Geburtstag was mitzubringen hat. Ähm. Nein. Ich hab hier ein paar wenige Leute, die ich etwas mehr mag und mit denen ich auch (innerhalb der Arbeitszeit) freundschaftlich agiere, aber deswegen muss ich nicht alle an mein Herz drücken.

  • Ich lese daraus, dass es hier vielen nicht egal ist, was andere für eine Meinung über dich haben. Leute..... wir haben uns schon distanziert, als wir den Weg der alten Sitten beschritten haben. Wenn du diesen Weg lebst, dann bist du schon ausserhalb der normalen Gesellschaft. Es geht im Leben nicht darum, anderen zu gefallen, sondern selbst zu leben. Mit Leben meine ich, jeden Tag dankbar zu sein, dass man selbst gesund ist.... dass man zu Essen und zu Trinken, sowie ein Dach über dem Kopf hat. Leben heißt bewusst zu leben... alles jeden Tag neu zu erfahren... ohne Vorurteile oder Meinung. Wir leben jeden Moment im hier und jetzt... und nicht im gestern oder morgen. Gerade jetzt liest du das was ich geschrieben habe. Werdet Euch bewusst, dass das Jetzt gerade stattfindet.

  • Vielleicht verstehe ich Dich da falsch, ich bin heute eh etwas neben der Spur. Aber das, was Du schreibst (was ja durchaus richtig ist) hat doch nichts damit zu tun, ob ich mit anderen interagiere, und vor allem, wie weit ich mit anderen interagiere.


    Ich bin mir selbst und der Welt in der ich lebe durchaus bewusst, trotzdem kann ich aber doch sehen, in wie weit ich auf andere zugehe. Blödes Beispiel, aber wenn mein Haus- und Hofsupermarkt mir sagt, er fände es total klasse, wenn ich für Fleisch und Wurst jetzt meine eigenen Behälter mitbringe, finde ich das eine super Sche und folge dem gern, ohne mich unter Druck gesetzt zu fühlen, weil ich jetzt was gegen Plastikmüll unternehmen soll. Wenn mir aber irgendein Hansel vorwirft, ich sei Leichenfresser, weil ich Schnitzel mag, dann nicke ich und dreh mich um. Wenn ich im Trollmodus bin, hol ich die Axt raus.


    Das Thema "unter Druck gesetzt fühlen, etwas Gutes zu tun" hat ja nichts damit zu tun, dass ich ja - im Gegensatz zu vielen anderen - den alten Weg beschreite. Es sei denn, ich fühle mich meinem Arbeitskollegen, der gerade vom Herrgott da oben sprach, erhabener gegenüber, weil ich ja kein kleines dummes Schaf bin, sondern einem anderen Glauben anhänge.


    Für mich persönlich sind das zwei unterschiedliche Themen. Das eine ist der Druck, der, sicherlich auch durch soziale Medien, von außen aufgebaut wird (sei Hipster, Hipster sind toll, bist Du kein Hipster, stirbt irgendwo ein Kätzchen), das andere bin ich und mein persönliches Empfinden. Ich bin ich, also reagiere ich so und so auf diesen Druck von außen.


    Oder wir haben halt aneinander vorbeigeredet. Kann auch sein :)



    dass es hier vielen nicht egal ist, was andere für eine Meinung über dich haben

    Stümmt, es interessiert mich bei einem einem kleinen Teil der Menschen, die mir nahe sind auf jeden Fall, was sie von mir halten. Weil, vielleicht sehe ich mich auch ganz anders und halte mich für viel toller, als ich bin. Und wenn meine Freunde mir das sagen, ist mir das wichtig :)

  • Liebe Dreizehn,
    ich verstehe was du meinst. ich habe lange Zeit auch so gedacht. Eine Erkenntnis musste oder durfte ich lernen: "sei wie du bist... denn genauso bist du richtig!"
    Ich hatte viele "Freunde", solange ich mit dem Schwarm geschwommen bin. Erst als ich mich selbst in Frage stellte... mein Leben, mein Handeln und mein Tun... erst dann begann ich, mich selbst wieder zu finden. Als ich diesen Abschnitt endlich bewältigen konnte, waren viele der lieben Freunde nicht mehr da. Diejenigen aber, die noch da waren, sind die echten und wahren Freunde und oder Familie. Ich wünsche dir wirklich so viel Kraft, du selbst zu sein. Du hast es sicher nicht nötig, "Everybodys Darling" zu sein. Steh zu dir selbst und was dich ausmacht... und du ziehst andere, gleichdenkende Menschen in dein Leben. Und glaube mir.... alles andere wäre Betrug an dir selbst... das sind meine Erfahrungen. LG Bernd

  • Du verstehst mich nicht.


    Ich BIN ich selbst. Da mache ich mir gar keine Sorgen drum. Ich habe meinen Weg gefunden - der scheint aber nicht so ganz Deiner Vorstellung zu entsprechen. Mach Dir keine Sorgen um mich, ich finde mich schon ganz in Ordnung. Und glaube mir, meine Freunde auch. Die echten und die in meinem Kopf...


    Ich bin raus aus dem Thema. Sorry @Koshka, ich wollte nichts zuspammen. Hab ja meinen Senf oben schon weitergegeben. Jetzt wird es mir gerade etwas zu bunt.

  • Warum agierte ich mit meinem Umfeld? Weil der Mensch halt, trotz der immer mehr um sich greifenden Isolation und der Egomanie ein Herdentier ist. Warum helfe ich jemandem? Weil der Mensch normalerweise sozial dazu neigt, auch die Schwächen mit zu stützen, solange das Wohl der Herde an sich nicht in Schieflage oder Gefahr gerät.


    Aber alle Dinge, die ich auf diese Art und Weise mache, mache ich nicht, um mich damit selbst zu beweihräuchern, o.ä. Ich verbalisiere das auch (bis auf jetzt hier im Thema) nicht. Es ist in dem Moment gut und richtig, es hilft "jemandem", der diese Hilfe, Unterstützng, whatever, in diesem Moment braucht. Punkt. Und nach dem "Getan" ist das für mich schon so - unpräsent - dassnich da im Nachhinein auch nix mehr zu erzählen, erklären, nichts zum "Brüsten" habe.


    Ich muss prinzipiell gar nix. Ich selbst entscheide. Naja, ich krieg auch das alles nicht wirklich in Worte, also, in solche, die es wirklich präzise darstellen würden. So "unpräsent" ist dieser vermeintliche Zwang für mich.