Christliches und magisches Weltbild im Widerstreit

Schon gewusst…?

Mjölnir (isländisch; aus altnordisch Mjǫllnir, Bedeutung umstritten, womöglich „Malmer“, „Blitz“ oder „glänzende Blitzwaffe“) heißt in der germanischen Mythologie ein Kriegshammer, die magische Waffe des Gottes Thor, mit der dieser die Feinde der Götter, vor allem die Thursen (Riesen) und die Midgardschlange, bekämpfte.

  • Christliches und magisches Weltbild im Widerstreit


    Während der Phase ihrer Ausbreitung in der Spätantike und im frühen Mittelalter war die christliche Kirche allenthalben mit anderen Glaubensformen konfrontiert. Diese waren teilweise – wie die altägyptischen Religion – hochentwickelt und Jahrtausende alt, teilweise – wie der Mithraskult – jung und von hoher Dynamik. In Europa trafen die christlichen Missionare zunächst auf die Glaubensvorstellungen der keltischen, germanischen und slawischen Völker, die neben einigen Hauptgottheiten eine Vielzahl von Neben- und Lokalgöttern kannten, daneben Kulte um heilige Plätze, Bäume, Quellen, Steine etc. Von der Antike (Dok. 1) bis hinein ins hohe Mittelalter (Dok. 38) besitzten wir Zeugnisse von solchen vorchristlichen religiösen Verhältnissen auf dem Boden des heutigen Deutschland.


    Der Umgang mit diesen nichtchristlichen Vorstellungen war für die Missionare des frühen Christentums nicht gerade einfach. Mit seinem universalen Heilsanspruch waren konkurrierende Kulte unvereinbar, besagte doch das Erste Gebot des christlichen Gottes: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! – ein Gebot, das im Hinblick auf das Thema Zauberei eine überragende Rolle spielen sollte: Augustinus ordnete jede Form der Zauberei, Wahrsagerei oder des Aberglaubens unter die Idolatrie ein (Dok. 25), und alle katholischen Theologen nach ihm, aber auch die großen Reformatoren wie Martin Luther (Dok. 61) oder Jean Calvin behandelten die Zauberei in ihren Dekalog-Kommentaren unter dem Ersten Gebot.


    Im Frühmittelalter stellte sich den Missionaren eine geradezu herkulische Aufgabe, sollten sie doch nicht nur Anhänger gewinnen, sondern alle anderen Kulte und Religionen ersetzen und auslöschen. Daß dies nicht selten mit brachialer Gewalt geschah, ist bekannt und wird auch an einigen der hier präsentierten Quellen in Bezug auf den Moselraum (Dok. 26), auf die Sachsen (Dok. 32–34) und die Elbslawen (Dok. 38) verdeutlicht. Daß man eine neue Religion nicht nur mit Gewalt einführen kann, sondern durch geschmeidige Akkulturation und Angebote attraktiv machen muß, wird ebenfalls deutlich. Die Missionsinstruktionen des Papstes Gregor I. (Dok. 27) zeigen dies deutlich. Daß die christliche Religion bei aller Bekämpfung heidnischen Aberglaubens in vielfältiger Form selbst mit magischen Vorstellungen durchsetzt worden ist, wird von jüngsten Untersuchungen bestätigt, die nachweisen, daß gewisse Formen der Magie bewußt von der frühmittelalterlichen Kirche adaptiert worden sind, um den schwierigen Akkulturationsprozeß der heidnischen Bevölkerung zu erleichtern1.


    Der Glaube an die Möglichkeit zauberischer Einflußnahme stellte sozusagen ein Gegenstück zum modernen Fortschrittsglauben dar, der ebenfalls trotz zahlreicher Rückschläge eine optimistische Erwartungshaltung der Menschen ermöglichte. Magie schien alle Möglichkeiten zu eröffnen: Feinde konnten magisch besiegt werden, Fesseln konnten gelöst werden, Freia und Wodan dienten dem Heilzauber wie später christliche Heilige (Dok. 3). Die Merseburger Zaubersprüche finden ihre direkte Kontrafaktur im Trierer Pferdesegen, wo der spätgermanische Hauptgott Wodan durch Christus ersetzt wird (Dok. 4).


    Gemeinsam war allen germanischen Völkern der Glaube an die Kraft der Zauberei, also auch der schädlichen Zauberei. Diesen Glauben teilten sie mit den benachbarten keltischen und slawischen Völkern, und selbst in der Hochkultur des Römischen Reiches mußte Schadenzauber gesetzlich unter Strafe gestellt werden, wenn auch manche Intellektuelle zur Zeit der Republik an der Macht jeglicher Zauberei zweifelten. Alle germanischen Volksrechte kennen Bestimmungen gegen Zauberei, beispielsweise die Lex Baiuvariorum, welche eine Form der zauberischen Ernteschädigung (aranscarti) unter Strafe stellte (Dok. 29). Obwohl durch die Christianisierung des frühen Mittelalters die alten Werte in Frage gestellt worden waren, hielten Teile der Bevölkerung daran fest. Im Jahr 1090 wurden bei Freising gegen den Willen der Kirche drei Wettermacherinnen am Isarstrand verbrannt, und vieles an diesem – allerdings damals noch illegalen – Vorgang erinnert an spätere Hexenprozesse. Nur die inneren Wirren um die Sedisvakanz des Freisinger Bischofsstuhls machten die Verbrennung der vermeintlichen Zauberinnen möglich. In dem komplizierten Verfahren spiegeln sich die verbreiteten Ängste vor Zauberei wider. Die Kirche akzeptierte die Hinrichtungen keineswegs, sondern bezeichnete die Frauen als »Märtyrerinnen« (Dok. 5).


    Volksglaubensvorstellungen waren auch nach der Christianisierung sehr mächtig. Die Legenda aurea, berichtet im 13. Jahrhundert vom Nachtmahl für die guten Frauen (Dok. 7), und für den gleichen Brauch finden wir zahlreiche Belege noch im 15. (Dok. 11) und in Resten auch in unserem Jahrhundert. An bestimmten Tagen werden Schalen mit Essen und Getränk nachts an bestimmten Plätzen, meist in der Stube, aufgestellt: ein »heidnisches« Opfer an die guten Geister, die Holden, die Perchten, die Alfen. Voll von heidnischen Vorstellungen sind auch die Götterlieder der älteren Edda, die ins 13. Jahrhundert datiert wird, aber ältere, vorchristliche Vorstellungen überliefert. In ›Der Seherin Weissagung‹ hören wir von magischen Bäumen und Quellen, von weisen Frauen, von Zauber, Wahrsagung und Losdeutung, vom Hauptgott Odin (der im Süden Wodan hieß), von den durch die Luft reitenden Walküren, vom Unhold Loki, von der Kraft der Erde und vom Zauber der Ähre. In ›Odins Runenlied‹ finden wir Zauberworte in Stabreim, lesen von Asen-Göttern, Alfen, Zwergen und Riesen, die bis ins 17. Jahrhundert hinein im Volksglauben herumspukten. Im ›Zaubergedicht‹ schließlich sind Anwendungsmöglichkeiten der Zauberei aufgezählt, die sich über Jahrhunderte hinweg wenig verändert haben. Wie die Merseburger Zaubersprüche enthält es auch den Heil-, Binde- und Lösezauber, außerdem die heidnischen Götter der Asen und der Alfen sowie die »Zaunreiterinnen«. Diese »Unholden« werden hinweggezaubert, und auch sonst sollte die Magie »nütz den Erdensöhnen« sein. Jahrhunderte nach der Christianisierung waren die heidnisch-zauberischen Mächte immer noch präsent. Im 13. Jahrhundert polemisierte »Der Stricker«, ein süddeutscher Intellektueller, gegen die Vorstellung von Unholden und bezeugte eben dadurch ihre Allgegenwart (Dok. 6). Er stand mit seiner Skepsis auf ebenso verlorenem Posten wie Jahrhunderte später Montaigne (Dok. 217). Zu Ende des 13. Jahrhunderts überliefert uns der Deutschordensritter Hugo von Langenstein in seiner Dichtung ›Martina‹ den oberdeutschen Begriff »Hexe« (Dok. 8).


    Auf Anfang des 14. Jahrhunderts wird ein aufschlußreicher deutschsprachiger Nachtsegen gegen die Unholden datiert, dessen genaue geographische Zuordnung unklar ist. Mit einem christlichen Segen werden hier die heidnischen Vorstellungen dämonisiert: Die Nachtfahrt, die Schwarzen und die Weißen (die die guten genannt werden), die zum Blocksberg reiten, die Bilwisse, die Zaunreiter, die Unholden, »Truttan unde Wutan, Wutanes her und alle sine man«, »Alb und elbelin«, »Albes swestir unde vatir«, »Albes mutir, trute und maren«, »Albes kint, ir wihtelin«. All diese heidnischen Götter und Dämonen sollen gebannt werden: »Ich beswere dich, ungehüre ...« (Dok. 9). Ähnliche Vorstellungen finden wir auch ganz im Süden des deutschen Sprachraumes, in einem Gedicht des Südtiroler Richters und Dichters Vintler. Perchten, Trutten, Elben, Schrätel und »Unhollen« lebten im 15. Jahrhundert noch überall in den Vorstellungen der Bevölkerung, wobei Intellektuelle wie Vintler allerdings deutliche, nicht nur religiös motivierte Kritik an diesem Volksglauben üben konnten (Dok. 10).


    Eine detaillierte Erläuterung der Verstöße gegen das erste Gebot hält fest: Den »Schrätelen« wird nachts und an bestimmten Tagen Speise und Trank geopfert, Wahrsagerei wird betrieben, Zauberer machen angeblich Wetter und fliegen durch die Lüfte (Dok. 11). Fühlt man sich verzaubert, so besucht man einen Wahrsager oder eine Wahrsagerin, der oder die auch zur Bewältigung des Zauberverdachts innerhalb der magischen Volkskultur rät: »Kunt sie das Wetter machen, so mug und kunt sie's wieder wenden auch.« (Dok. 12, 13, 14, 18).


    Ein solches Vertrauen auf Magie und die eigene Kraft war im 16. Jahrhundert noch keineswegs marginal. Selbst führende, wenn auch unorthodoxe Gelehrte wie Paracelsus vertraten im Prinzip die gleiche Ansicht (Dok. 13). Und schon dem Autor des ›Hexenhammers‹ war bekannt, daß die Bevölkerung auch ohne Inquisition mit den vermeintlichen Verhexungen umgehen konnte (Dok. 12). Eben dies erschien ihm jedoch als ein Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub: Anstelle der katholischen Priester fungierten irgendwelche Volksmagier als populäre Heilsvermittler – dies konnte nur eine Machenschaft des Teufels sein.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Die Vorherrschaft der »magischen Volkskultur« blieb erstaunlicherweise trotz Inquisition, Reformation und Gegenreformation relativ ungebrochen. Calvinisten wie der Verfolgungsgegner Herman Witekind warfen zwar magische und katholische Riten in einen Topf, zeigen aber gleichwohl die Lebendigkeit und die tiefe Verankerung solchen Denkens (Dok. 17). Zaubersegen aus Sachsen vom Ende des 16. Jahrhunderts belegen, daß dort sogar zu diesem Zeitpunkt noch »Alb und Elbin« sowie die »Unholden« als Gegenpole zu den christlichen »Göttern« Jesus und Maria eine Rolle spielten (Dok. 19). Bayerische Quellen der gleichen Zeit belegen die Verehrung eines »Pürbeßbaums« durch die Bevölkerung, geradezu unglaublich nach fast tausend Jahren – wohl teilweise recht oberflächlichen – »Christentums«. Die Bevölkerung wallfahrtet zu einem heiligen Baum und verrichtet dort Opferhandlungen, als gäbe es keine christlichen Kirchen und Priester (Dok. 20). Ähnliche Kulthandlungen werden in der gleichen Region über hundert Jahre früher schon als Teufelsdienst bekämpft (Dok. 45). Überall in der Bevölkerung Mitteleuropas wurde gezaubert; je zwei Fälle aus protestantischen (Schleswig und Sachsen; Dok. 15, 19) und katholischen Gebieten (Südtirol und Franken; Dok. 21, 23) wurden als Beispiele ausgewählt. Besser als zahlreiche weitere Einzelbeispiele kann der Fall des Pustertaler Wirtes Christoph Gostner die Lebendigkeit der »magischen Volkskultur« an der Wende zum 17. Jahrhundert zeigen. Gostner war einer jener Spezialisten, zu dem die Ratsuchenden von weither anreisten und der in allen Lebenslagen Hilfe wußte. Wir können seine Denkweise und seine Hilfsmittel von ihm selbst kennenlernen (Dok. 21).


    An dieser Stelle sind vielleicht einige Worte zur Bedeutung der »magischen Volkskultur« in der frühen Neuzeit nützlich. Die Zauberprozesse des 16. Jahrhunderts offenbaren die intensive Beschäftigung einzelner Personen mit Magie. Nicht selten können lange Zauberformeln ohne Gedächtnisstütze rezitiert werden. Irrig wäre jedoch die Ansicht, dabei habe es sich um eine ausschließlich gesprochene Kultur gehandelt. Zauberutensilien und Zaubersprüche wurden allenthalben hergestellt und gehandelt, nachgefertigt oder abgeschrieben, verschenkt, benutzt und abgewandelt. Naturgemäß spielten Heil- und Schriftkundige bei der Herstellung und Verbreitung von Zaubermedien eine besondere Rolle: Scharfrichter, Hufschmiede, Quacksalber, Hebammen und Kräuterweiber als Naturkundige auf der einen Seite, Schulhalter, aber auch Ratsherren, Richter und Pfarrer, im Prinzip jeder des Lesens und Schreibens Mächtige, auf der anderen Seite. Gemäß der immanenten Struktur der Zauberkunst galt ein Zauber nämlich als um so wirkungskräftiger, je komplizierter er war. Schriftlichkeit bot hier enorme Vorteile, da sie den korrekten Gebrauch der Zauberhandlungen zu garantieren schien.


    Zauberkundige Personen waren nicht selten in weitem Umkreis bekannt. Magier vom Schlage des Christoph Gostner (Dok. 21) waren die tragenden Pfeiler der frühneuzeitlichen »magischen Volkskultur«. In der Bevölkerung genossen sie einiges Ansehen, da sie die Hoffnung auf Abhilfe in allen möglichen individuellen Nöten nährten. Man könnte sagen, daß sie eine Art säkulares Priestertum ausübten, mit Beicht- und Aussprachemöglichkeit, mit der Beziehung zu übersinnlichen Mächten und der Fähigkeit, zu magischen Kulthandlungen anzuleiten, nach einem relativ einheitlichen, traditionellen, aber doch geheimen Muster. Säkular deshalb, weil es nicht auf jenseitige, sondern auf diesseitige Bedürfnisse ausgerichtet und dadurch viel mehr auf die täglichen Lebensbedürfnisse der Menschen zugeschnitten war. Zudem verlangten die Zauberkundigen keine Unterwerfung unter genormte Glaubensbekenntnisse mit ungewisser Auswirkung auf die aktuelle Notlage, sondern versprachen Hilfe zur Selbsthilfe in aktuellen Lebensfragen2. Unter diesen Umständen verwundert die Feindschaft vieler Obrigkeiten gegen die Zauberer und Wahrsager nur wenig. Der Stadtrat von Nürnberg führte in den 1530er Jahren einen jahrelangen Kampf gegen eine Kunigund Hirtin, die sogenannte »Zauberin von Dormitz« – das Dorf lag gerade außerhalb des reichsstädtischen Herrschaftsgebietes. Als immer mehr Nürnberger Bürger ihren Weg nach Dormitz nahmen, sah der Stadtrat seine und die Autorität der Kirche in Gefahr (Dok. 80). Die volkstümlichen Zauberer wurden von vielen geistlichen und weltlichen Obrigkeiten als Konkurrenz empfunden, die ohne irgendeine Legitimation die Hierarchie der etablierten Autoritäten störte. Um »Aberglauben« nach der herkömmlichen Definition handelte es sich bei der magischen Volkskultur der frühen Neuzeit ganz offensichtlich nicht, auch nicht um einen unvollkommenen Technik-Ersatz, wie man lange Zeit in der Sekundärliteratur bis hin zu Keith Thomas anzunehmen gewohnt war. Stuart Clark argumentierte kürzlich in einem lesenswerten Aufsatz in ›Past & Present‹, bei der magischen Volkskultur habe es sich um keinen Religions- oder Technologieersatz, sondern eben um eine alternative Weltanschauung gehandelt, die im Widerspruch stand zur damaligen offiziellen Religion3.


    Bei dem Reichtum des magischen Volksglaubens ist die Klage der religiösen Reformer über die Unwissenheit in Glaubensfragen zu Beginn des 17. Jahrhunderts nicht von der Hand zu weisen (Dok. 22). Es ist fraglich, ob der Synonymwortschaft für Christus in der Bevölkerung ähnlich reichhaltig war wie der für die Hexen. Und die rührenden etymologischen Bemühungen des Johannes Prätorius geben uns weniger zu denken als die Intensität der magischen Volkskultur noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts: Der »Drudenfuß« (Pentagramm) erreichte offenbar in der Bevölkerung fast die Bedeutung des Kreuzzeichens (Dok. 25).
    Eines der verbreitetsten Bildmotive der christlichen Kunst ist die Versuchung des heiligen Antonius durch Dämonen. Der Eremit Antonius war einer jener ägyptischen Christen, die sich bewußt der Einwirkung der alten Götter aussetzten und subjektiv deren Anfechtungen widerstanden. Ihre zahllosen bildlichen Darstellungen erinnern jedoch in keiner Weise mehr an ihre ursprünglich sehr realen Vorbilder. Ähnlich stark verwischt wurden die Spuren der vorchristlichen europäischen Glaubensvorstellungen, welche durch die spezifische Optik der christlichen Missionare gleichsam künstlich vereinheitlicht wurden, um sie wirksamer bekämpfen zu können. Kultstätten der älteren Gottheiten wurden systematisch zerstört. Solche Nachrichten haben wir über keltische (Dok. 26), germanische (Dok. 32) und slawische Heiligtümer (Dok. 38) im heute deutschsprachigen Raum. Einheimische Gottheiten wurden durch christliche ersetzt (Dok. 27). Nur ausnahmsweise werden einheimische Gottheiten überhaupt erwähnt, wie in dem berühmten sächsischen Taufgelöbnis, wo zur Verdeutlichung für die Bekehrten die alten Götter – Donar, Wotan, Saxnot und alle Unholden – mit dem christlichen Teufel und seinen Dämonen gleichgesetzt werden (Dok. 33). Wichtig für unser Thema ist, daß die Unholden hier wie in der Edda noch eindeutig übermenschliche Wesen verkörpern.


    Mit einiger Berechtigung wird man die Zwangsmissionierung der Sachsen zunächst für oberflächlich halten dürfen, und dies wird in nicht viel geringerem Maße auch für jene Völker gelten, deren Oberschichten freiwillig zum Christentum überwechselten. Das »christliche Mittelalter« mag für weite Teile der Bevölkerung weit weniger christlich gewesen sein, als man dies aufgrund der Literatur dieser Zeit annehmen würde. Knapp unter der Oberfläche hielt sich eine Vielzahl kultischer Verrichtungen und magischer Vorstellungen, von deren Existenz die frühmittelalterlichen »Bußbücher« berichten (Dok. 28, 37). Diese Bußbücher waren praktische Handreichungen für Beichtväter, welche die einzelnen Sünden klassifizierten und ihnen Kirchenbußen in unterschiedlichen Höhen zuordneten. Sinnvollerweise mußten diese Bußbücher engen Kontakt mit der Glaubenswirklichkeit bewahren, sonst wären sie in der seelsorgerischen Praxis nur von geringem Nutzen gewesen. Auch wenn es stimmt, wie in Teilen der Literatur immer wieder betont wird, daß die Poenitentiale sehr traditionsverhaftet waren und namentlich auf dem Gebiet der Aberglaubensbekämpfung ein Großteil der Verfehlungen fast wortwörtlich bereits in einer Kompilation des Cäsarius von Arles aus dem 6. Jahrhundert zu finden ist4, so beweisen doch spätere Zusätze, daß der Kontakt zur Realität nicht verlorenging (Dok. 31, 37). Frühmittelalterliche Quellen zeigen, daß auch die gesellschaftliche Oberschicht der Konsultation von Zauberern – auch Zauberweibern – aus dem Volk nicht abgeneigt war (Dok. 30), und die Strafbücher der Reichsstadt Augsburg vermitteln uns noch im frühen 17. Jahrhundert den gleichen Befund5. Die Strafbestimmungen der Kirche gegen solche Volksglaubensvorstellungen enthielten im frühen Mittelalter allerdings noch nicht die Todesstrafe (Dok. 28, 35). Theoretisch war dies auch in den sogenannten Volksrechten nicht der Fall (Dok. 29), doch in der Praxis bestanden hier ältere Rechtsvorstellungen (Dok. 5), die sich im Hochmittelalter in nunmehr christlicher Einkleidung wieder durchsetzten (Dok. 39, 41, 43). Allerdings gab es auch in der mittelalterlichen Kirche durchaus »aufgeklärte« Strömungen, die nicht an Zauberei glauben wollten, und sei es nur deshalb, weil Zauberer den Klerikern in der Bevölkerung ernsthaft Konkurrenz machten (Dok. 30, 36, 37). Die weltliche Macht assistierte der Kirche bei der Bekämpfung heidnischer Bräuche (Dok. 31, 32, 34).

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Doch trotz der permanenten und harten Gegnerschaft und der Bemühungen vermutlich von Generationen von Seelsorgern gelang es der Kirche weder, die verhaßten magischen Praktiken der Bevölkerung abzustellen, noch die teilweise monströsen Volksglaubensvorstellungen zu beseitigen. Heidnische Götter wie Wotan spielten zwar direkt spätestens seit dem hohen Mittelalter keine Rolle mehr, doch Vorstellungen wie die von den nächtlichen Fahrten des »Wuotens Heer« oder »Wütis Heer«, der »Wilden Jagd«, der »Gerechten Schar« und der »Nachtfahrt« der »Unholden«, der Frau »Huldie« oder »Berchte«, der nachts Schüsseln mit Mahlzeiten auf den Tisch gestellt wurden, um sie günstig zu stimmen, bleiben in der Bevölkerung lebendig6. Mit derartigem Feenglauben beschäftigte sich der zuerst von Regino von Prüm (ca. 840–915) aufgeführte Canon Episcopi, welcher den Glauben an nächtliche Fahrten bestimmter Frauen mit heidnischen Göttinnen zur teuflischen Illusion erklärt (Dok. 36). Bischof Burchard von Worms erläuterte hundert Jahre später, daß die dort erwähnte römische Göttin Diana »hier« vom Volk in seiner Dummheit striga holda genannt werde (Dok. 37). Über Gratians Dekrete gelangte diese Traumtheorie in das kanonische Recht. Er diente später zahlreichen Schriftstellern und Theologen als Schlüsseltext bei dem Bemühen, den Hexenflug für irreal zu erklären (Dok. 10, 44, 69, 105).


    In Deutschland blieb diese Ablehnung der Möglichkeit des Hexenfluges bis ins 15. Jahrhundert hinein bei der Geistlichkeit erhalten7, und auch danach glaubte wohl immer nur ein Teil des Klerus und der Gebildeten daran. In Teilen der europäischen theologischen Literatur, namentlich den Handbüchern der Inquisition, vollzog sich in diesem Punkt seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts eine für die Hexenfrage folgenschwere Veränderung, derzufolge unter bestimmten Prämissen nun die Möglichkeit des Fluges akzeptiert wurde. Dies war eine Wendung um 180 Grad8. Generell wandelte ja die Theologie auf einem schmalen Grat zwischen einer Geringschätzung und einer Überschätzung der Möglichkeiten teuflischer und zauberischer Einflußnahme. Dies zeigen nicht nur die Bestimmungen der Bußbücher oder Nachrichten aus Chroniken des frühen und hohen Mittelalters, sondern auch die Äußerungen der hohen Theologie, der Patristik und Scholastik.


    Bei der Bekämpfung des zurückgehenden heidnischen Glaubens und des sich davon ablösenden und übrigbleibenden »Aberglaubens« basierte die theologische Doktrin seit der Spätantike auf der Anschauung, daß Zauberei prinzipiell möglich sei, jedoch nicht aus eigener Kraft des Menschen, sondern nur auf der Grundlage einer heimlichen, ausdrücklichen oder impliziten Verständigung des Menschen mit einem Dämon. Darunter wurden zunächst die als Teufel betrachteten heidnischen Götter, später direkt der Teufel des Christentums verstanden. Diese Lehre vom Dämonenpakt geht als eine Art semiotischer Theorie auf den in Nordafrika und Oberitalien lebenden Kirchenlehrer Augustinus (354–430) zurück. Seiner Ansicht nach waren abergläubische Handlungen oder die Benutzung magischer Gegenstände (z.B. Amulette) zwar an sich wirkungslos, stellten aber eine Art Kommunikationsmittel mit den Dämonen dar und bewirkten den stillschweigenden Abschluß eines Dämonenpakts durch den Willen des Ausübenden und die dem Dämon gegebenen Zeichen9. Augustins Lehre vom Dämonenpakt (Dok. 25) wurde in der scholastischen Literatur sehr einflußreich und auch maßgebend für die Einordnung von Magie und Zauberei bei dem wichtigsten Theologen des Hochmittelalters, Thomas von Aquin (1225–1274). Nach neunhundert Jahren spielte die direkte Auseinandersetzung mit konkurrierenden heidnischen Religionen in Europa keine Rolle mehr. Um so erschreckender ist es daher, wenn Thomas von Aquin die augustinische Pakttheorie jetzt auf den Volksaberglauben anwendet und ausdifferenziert in pacta expressa und pacta tacita (ausdrückliche bzw. stillschweigende Dämonenpakte). Jede auch noch so kleine abergläubische Handlung sah der »Doctor Angelicus« auf einem Teufelspakt gegründet, selbst dann, wenn der Ausübende das nicht weiß (pactum tacitum). Die mit Gottes Erlaubnis handelnden Dämonen können auf Erden alles bewirken. Bei Thomas von Aquin »ist der Aberglaube nun in der Tat zu einer unheimlichen Bedrohung gemacht worden – wie es dann auch der spätmittelalterliche Hexenwahn so empfunden hat«10.


    Nach der theologischen Doktrin gab es somit keinen wesentlichen Unterschied zwischen heidnischen Götzendienern, häretischen Teufelsanbetern und Zauberern. Das tertium comparationis bildet der Teufelsdienst. Magische Delikte werden in den am Dekalog orientierten Bußbüchern stets unter dem ersten Gebot abgehandelt, da sie gemäß der augustinischen Lehre als »Idolatrie« galten (Dok. 44, 45). Noch bei Martin Luther und den anderen Reformatoren ist dies der Fall. Bereits im 9. Jahrhundert hatte Erzbischof Hrabanus Maurus von Mainz in einem Exodus-Kommentar die maleficos (Zauberer) zu Häretikern erklärt, und genauso sah es auch der Canon episcopi, der in diesem Punkt die Schranken seiner Zeit nicht übersteigen konnte (Dok. 36). Mit den im Hochmittelalter beginnenden Ketzerverfolgungen gelangte deshalb auch das Zauberthema zu neuer Aktualität. Bereits den aufständischen norddeutschen Bauern, den Stedingern, wurde ein Ketzersabbat angedichtet (Dok. 40), der dem späteren Hexensabbat (Dok. 50, 54 und 146) ziemlich ähnlich sah. Während der ältere ›Sachsenspiegel‹ die Zauberer nach archaischer Weise noch wegen ihrer Zauberei verbrannt wissen wollte (Dok. 39), ist es bei dem wenig später kompilierten ›Schwabenspiegel‹ bereits die Ketzerei des Teufelsbundes, die im Vordergrund steht (Dok. 41). Der Theorie nach waren alle abergläubischen und zauberischen Handlungen Teufelswerk; sie wurden jedoch in großem Umfang praktiziert und von Juristen, Schriftstellern und Klerikern in mühevoller Kleinarbeit bekämpft. Noch bestimmten Hinrichtungen nicht die Tagesordnung.


    Analysen: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. (vgl. Behringer-Hexen, S. 21 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


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  • Volksglaube und Volksmagie


    1. Tacitus: Heilige Frauen bei den Germanen, 1. Jahrhundert n. Chr.


    Die Germanen glauben sogar, den Frauen wohne etwas Heiliges und Seherisches inne; deshalb achten sie auf ihren Rat und hören auf ihren Bescheid. Wir haben es ja zur Zeit des verewigten Vespasian erlebt, wie Veleda lange Zeit bei vielen als göttliches Wesen galt. Doch schon vor Zeiten haben sie Albruna und mehrere andere Frauen verehrt, aber nicht aus Unterwürfigkeit und als ob sie erst Göttinnen aus ihnen machen müßten.


    Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur [Wodan]; sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen. Herkules [Donar] und Mars [Zio] stimmen sie durch bestimmte Tiere gnädig. Ein Teil der Sueben opfert auch der Isis. Worin der fremde Kult seinen Grund und Ursprung hat, ist mir nicht recht bekannt geworden; immerhin beweist das Zeichen der Göttin – es sieht wie eine Barke aus –, daß der Kult auf dem Seewege gekommen ist.


    Im übrigen glauben die Germanen, daß es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken.


    Auf Vorzeichen und Losorakel achtet niemand so viel wie sie ...


    2. Heiliger Wulfram: Gründe für die Verweigerung der Taufe bei den Friesen, um 700


    Der Herzog [der Friesen] Radbod selbst war schließlich geneigt, die Taufe zu empfangen. Er zögerte aber immer noch und verlangte von dem Bischof, er solle ihm unter seinem Eide sagen, wo die verstorbenen Könige und Häuptlinge des Friesenstammes weilten: in jenem himmlischen Reiche, das er selbst erlangen solle, wenn er glaube und getauft werde, oder in der höllischen Verdammnis, von welcher der Bischof spreche. Darauf erwiderte der Mann Gottes: »Täusche dich nicht, edler Fürst. Bei Gott ist die Schar seiner Erwählten. Aber deine Vorgänger, die Friesenfürsten, die gestorben sind, ohne das Sakrament der Taufe empfangen zu haben, die haben unbedingt das Urteil der Verdammnis zu empfangen ...« Als dies der ungläubige Herzog hörte, der schon zum Taufbecken geschritten war, zog er den Fuß zurück von dem gnadenbringenden Quell und sagte, er könne nicht die Gemeinschaft missen mit allen, die vor ihm über die Friesen geherrscht hätten, und wolle nicht mit einer kleinen Zahl von Armen im Himmelreich sitzen. Deshalb könne er der neuen Lehre keinen Glauben schenken und wolle lieber bei dem bleiben, was er so lange mit dem ganzen Stamme der Friesen festgehalten habe.


    3. Die Merseburger Zaubersprüche, vor 750


    Erster Merseburger Spruch


    Einst ließen sich die Idisen nieder, setzten sich hierhin und [setzten sich] dorthin. Einige fesselten [die Feinde], andere hemmten [das feindliche] Heer, wiederum andere lösten die Fesseln [des Freundes]: löse dich aus den Fesseln, entflieh den Feinden!


    Zweiter Merseburger Spruch


    Phol und Wodan ritten in den Wald. Da verrenkte sich Balders Fohlen einen Fuß. Da besprach ihn Sindgund [und] Sunna, ihre Schwester, da besprach ihn Frija [und] Volla, ihre Schwester, da besprach ihn Wodan, so gut wie [nur] er es konnte: wie die Verrenkung des Knochens, so die des Blutes, so die des ganzen Gliedes! Knochen an Knochen, Blut zu Blut, Glied an Glied, als ob sie zusammengeleimt wären!


    4. Der Trierer Zauberspruch: Ein Pferdesegen in christlichem Gewand, 10. Jahrhundert


    Zauberspruch gegen die Pferdekrankheit, die man bei uns »Lahmen« nennt


    Christus und der heilige Stephan kamen in die Stadt Salonia: Dort wurde das Pferd des heiligen Stephan [von einer Krankheit] befallen. So wie Christus das Pferd des heiligen Stephan von dieser Krankheit befreit hat, so möge ich mit Christi Hilfe dieses Pferd wiederherstellen. Vater unser.


    O Christus, befreie durch deine Gnade dieses Pferd von seiner Krankheit oder Lahmheit, wie du das Pferd des heiligen Stephan zu Salonia geheilt hast! Amen.


    5. Die Verbrennung von Zauberinnen bei Freising, 1090


    Als im Jahre 1090 Meginward und Hermann um das Bistum [Freising] stritten und keines Menschen Sinn Recht und Unrecht unterschied, wurden die Einwohner von Vötting von Neid aufgereizt zu teuflischer Wut entflammt gegen drei arme Weiber, als seien sie Giftmischerinnen und Verderberinnen von Menschen und Frucht. Sie ergriffen dieselben frühe, als sie noch im Bette lagen, unterzogen sie der Wasserprobe, fanden aber keine Schuld an ihnen. Da geisselten sie dieselben grausam und wollten ihnen ein Geständnis von einigen Dingen, die sie ihnen lügenhaft vorwarfen, erpressen, aber sie konnten es nicht. Darauf gingen einige von ihnen zu dem Volke von Freising und bewogen den Rudolf und den Konrad, dass sie Haufen Volkes zusammenbrachten. Und sie kamen über die Weiber, griffen sie und führten sie nach Freising. Und wiederum geisselten sie dieselben, konnten aber kein Geständnis der Giftmischerei von ihnen erpressen. Da führten sie dieselben an das Ufer des Isarflusses und verbrannten sie alle drei zusammen; eine von ihnen ging mit einem lebenden Kind schwanger. Und so erlitten sie im Feuer den Märtyrertod am 18. Juni [1090] und wurden von einem Blutsverwandten an dem Ufer begraben. Später trugen sie ein Priester und zwei Mönche hinweg und begruben sie im Vorhofe von Weihenstephan in der Hoffnung, dass sie in Wahrheit der christlichen Gemeinschaft würdig seien.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 6. Der Stricker: Zweifel an der Existenz von Zauberei und Unholdenflug, um 1230


    waz ein unholde wære?
    daz gehôrt ich nie gelesen,
    waz ein unholde müge wesen.
    daz ein wîp ein chalp rite,
    daz wæren wunderliche site,
    ode rit ûf einer dehsen,
    ode ûf einem hûspesem
    nach salze ze Halle füere;
    ob des al diu welt swüere,
    doch wolde ich sîn nimmer gejehen,
    ich enhet ez mit mînen ougen gesehen,
    wand sô würde uns nimmer tiure
    daz salz von dem ungehiure.
    ob ein wîp einen ovenstap überschrite
    und den gegen Halle rite
    über berge und über tal,
    daz si tæte deheinen val,
    daz geloube ich niht, swer daz seit,
    und ist ein verlorniu arbeit.
    und daz ein wîp ein sib tribe
    sunder vleisch und sunder ribe,
    dâ niht inne wære,
    daz sint allez gelogniu mære.
    daz ein wîp ein man über schrite
    und im sîn herze ûz snite,
    wie zæme daz einem wîbe,
    daz si snite ûz einem lîbe
    ein herze und stieze dar in strô,
    wie möhter leben ode werden frô?
    ein mensche muoz ein herze haben,
    ez habe saf od sî beschaben.


    7. Legenda aurea: Nachtmahl für die guten Frauen, 1264


    Sant Germanus wart eines nahtes geherberget in eines erberen mannes hus. Der hies des obendes einen disch bereiten, do sú woltent schloffen gon. Dis fúrwunderte sant Germanum. do seitent sú, es were eine gewonheit daz die frowen die des nahtes farent gewonlich in daz hus koment; den were der tisch bereit. Hie von wachet sant Germanus. Do sach er daz uil túfel in menschen personen koment und sattent an den tisch.


    8. Die Zaubermacht der »Hexse« in Hugo von Langensteins ›Martina‹, Ende 13. Jahrhundert


    Dez keisirs muot was herte
    Und sprach von hoferte
    »Wa ist diu unrehte,
    Diu valsche, nicht diu slehte,
    Die unvertige cristen,
    Diu mit ir zovbirlisten
    Uns wenet hie gehœnen
    Vnd sich selbin krœnen.
    Si wolt vns vberwinden
    Machen vns ze kinden
    An der rehten warheit.


    Dest war daz were mir leit
    Daz uns div hexse ertorte
    Und vnsir ê zerstorte,
    Mit zouberlichen tucken
    Uns [solt] von sinnen zucken,
    Bringen ze ungelimpfe,
    Ze spote und ze schimpfe.
    Si wolt uns ubirschalken
    Mit zobircraft erwalken
    Und machen uns ze affen ...


    Du hast hie ane fristen
    Mit dinen zoberlisten
    Daz folc hie betoubit,
    Der sinne gar beroubit.


    Du bist in widerzeme
    Hegxe gar ungeneme.«


    9. Der Nachtsegen im Codex latinus monacensis 615, 13./14. Jahrhundert


    Daz saltir deus brunnon
    daz hoyste numen dyuuion
    daz helige sancte spiritus,
    daz salus sanctus dominus
    daz mize mich noch hint bewarn
    vor den bosen nachvarn
    un muze mich bicrizen
    vor den svarcen und' wizen,
    dy di guten sin genant,
    unde zu dem brochelsberge sin gerant.
    vor den pilewizze,
    vor den mon ezzen,
    vor den wege schriten,
    vor den zcun riten,
    vor den clingenden ho golden,
    vor allen uneholden.
    gloczan unde lodowan
    Truttan unde wutan,
    wutanes her un alle sine man,
    dy di reder unde dy wit tragen
    geradebrech un irhangin,
    ir sult won hinnen gangen.
    alb unde elbelin,
    ir sult nich lenger bliben hin:
    albes svestir und vatir,
    ir sult uz varen obir de gatir:
    albes mutir trute und mar
    ir sult uz zu den virsten varen:
    noc mich dy mare druche,
    noc mich dy trute zeiche,
    noc mich dy mare rite,
    noc mich dy mare bescrite.
    alb mit diner crummen nasen,
    ich vorbithe dir aneblasen,
    ich vorbite dir alb ruche
    cruchen und anehucchen.
    albes kinder, ir withelin
    lazet uwer tastin noch mir sin.
    und du clage mutir,
    gedenke min zu gute.
    herbrote und herbrant
    vart uz in eyn andir lant.
    du ungetruwe molken stellen
    du salt minir tur vor velen;
    daz biner und daz vuz spor
    daz blibe mit dir do vor:
    du salt mich nich beruren,
    du salt mich nich zuwuren,
    du salt mich nicht enscehen,
    den lebenden fuz abemehen,
    daz herce nicht uz sugen,
    eynen stroswizs dorin schuben;
    ich vorspige dich hute und alle tage,
    ich trete dich bas wan ich dich trage;
    nu hin balde du unreyniz getuaz,
    wan du weusens hy nicht has;
    ich besuere dich ungehure,
    bi dem wazzere und bi dem fure,
    und alle dine genozen
    bi dem namen grozen
    des fisses, der da zelebrant
    an der messe wirt genannt.
    ich besuere dich vil sere
    bi dem miserere,
    bi dem laudem deus,
    bi dem voce meus,
    bi dem de profundis,
    bi dem haben cohountus,
    bi dem nunc dimittis,
    bi dem benedictus,
    bi dem magnificat,
    bi dem aller trinitat,
    bi dem resalin also her:
    daz du vare obir mer
    und mich gerures numermer.
    Amen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 10. Hans Vintler: Der Glaube an Perchten, Trutten, Elben, Alp und die Unholden, Südtirol Anfang 15. Jahrhundert


    ... und das man allain got sol eren,
    wann er ist chünig, chaiser ob allen herren.
    Aber das velscht man ietz gar ser,
    wann des ungelauben ist mer,
    wann sein iemant chan gesagen.
    ich wais ir vil, die da haben
    ganzen gelauben an zauberei,
    und wissent doch wol da pei,
    das zauberei got ist unwert ...
    dannoch vindet man ze diser vrist
    die zauberei dannoch phlegen.
    etleich die wellen pheil aussegen,
    so wellen dise den teufel pannen,
    das si in pringen guet zesamen.
    so wellen etleich warsagen
    und wellen vil den teufel fragen,
    wa lige golt und edel gestain.
    so haben etleich gemain
    mit der pösen Erodiana.
    so glauben vil an Diana,
    die do ain valsche gottin ist,
    und etleich mainen haben den list,
    das si die leut chunnen schiessen
    durch alles gemäur, und etleich giessen
    wachseine pild manigerlai ...
    so nutzen etleich den alraun,
    und etleich gelauben an die fraun,
    die do haisset Percht mit der eisnen nas ...
    und etleich haben den beibis.
    so spricht maniger tummer leib,
    die trutte sei ain altes weib
    und chumme die leute saugen.
    und etleich die gelauben,
    der alpe minne die leute.
    so sagt auch maniger ze teute,
    er hab den orken und elben gesehen.
    und etleich die jehen,
    das schrattel sei ain claines chint,
    und sei als ring als der wint,
    und sei ain verzweivelter gaist ...
    und etleich sein also gelart,
    das si nemen mit gewalt
    an sich chatzengestalt.
    so vindt man zaubrerin unrain,
    die den leuten den wein
    trinken aus den kellern verstollen.
    die selben haisset man unhollen.
    so sein dann etleiche,
    wann si sehen ain leiche,
    so raunen si dem totten zue
    und sprechen: »nu chum morgen frue
    und sag mir, wie es dir dort gee!«
    ... so varen etleich mit der var
    auf kelbern und auf pöcken
    durch stain und durch stöcken ...
    der teufel ist gar ain grosser schalk.
    darumb sol man im getrawen nicht.
    dannoch maniger zu mir spricht:
    »es ist nicht pös, das ich ta tue.
    es gen nuer guete wort darzue.«
    darumb sol man die gueten wort
    nicht alzeit nutzen ze fort,
    das man got damit nöten well,
    das er den teufel aus der hell
    sull haissen chunftige ding sagen.
    er wär nicht für ainen got ze haben,
    solt im gepieten ain altes weib,
    der do verfluecht ist all ir leib.
    nu waiss ich das maniger heiliger man
    hat grosse arbeit darumb muest han ...
    das im got ain haimleichait
    hat geoffent aus seiner taugenhait,
    und ob das also sein solt,
    das ain altes weib got zwingen wolt,
    so wär er chnecht und si wär herr.


    11. Die Definition von Zauberei in der katechetischen Literatur, Mitte 15. Jahrhundert


    Einen Zauberer oder zauberin erkennet man alzo.


    Die kunfftige ding wollen sagen von ettlichen geschieht oder gesicht. Die glauben haben an das loz puch, an warsager etc. Dy glauben haben an die not wurckende planeten oder stern haben noch der gepurt oder nach den zaichen der sunnen. Die am ersten jar monden des abentz ein tisch mit guter speyß seczen die nach den schreteln. Die caractern pinden an den hals oder etwa anders. Die glauben haben an etliche poße tag ym jar. Die unter dy turswell etwas wegraben oder wnn er snarcht. Die uber die krancken zawberlich lieder singen, sprechen oder hengen. Die glauben dar an haben, ob sie ez selber nit thun, Die mit dem astrolabio kunfftig ding wollen sehen. Die in laßen in die hende sehen oder in daz fewr oder wenn die vogel fliegen oder hennen kreen oder vogelgeschray. Die in segen lazen oder ander gesegen für die geswulst. Die dj poßen gaist anruffen jn gote und treten von gote. Die die stern an sehen und tag, wenn man ein ee will machen, pauen oder pflanczen. Die über krancken kinder segen sprechen mit zaichen und niemant hat yn gewalt geben .... Item die hagel und slach regen machen. Die potten mit dem hyndern ym visch pach. Die oben auz varen und die farend schuler .... Die auff der panck faren. Item dj auff dem mantel hin faren, die auf dem sail gen.


    12. Heinrich Kramer / Institoris im ›Hexenhammer‹: Das Heilen von Verhexung und die Angst der Oberschichten vor Verhexung, 1486


    Es ist nämlich allgemein gebräuchlich, daß solche Behexte zu abergläubischen Frauenzimmern laufen, von denen sie sehr häufig befreit werden; und nicht durch Priester oder Exorzisten .... Diese existieren nämlich sehr zahlreich, und es finden sich immer innerhalb einer oder zweier deutscher Meilen welche in diesem Gebiet, die offenbar heilen, was auch immer andere Hexen schädigen. Manche [bewirken] diese Heilungen schlechthin jederzeit; andere rühmen sich, durch Schadenszauber Verletzte nur vom letzten Quatember an zu heilen; wieder andere können nur mit Zustimmung der Hexe heilen, die den Schadenszauber zugefügt hat. Und dies merken sie aufgrund des ausdrücklichen, mit dem Dämon eingegangenen Paktes; darum [geschieht es] daß sie jenen, die zwecks Wiedererlangung der Gesundheit zu ihnen kommen, verborgene Dinge zu offenbaren pflegen. Denn sie offenbaren ihnen sofort die Gründe ihres Unglücks, indem sie sagen, sie seien wegen der mit der Nachbarin oder einer anderen Frau oder mit einem Mann ausgetragenen Zänkereien oder Streitigkeiten an sich oder ihren Gütern [durch den Schadenszauber] verletzt worden .... In der Stadt Speyer legte ein Kaufmann dar, daß ihm folgender Fall zugestoßen sei: »Als ich mich«, sagte er, »im Schwabenland in einer Adelsburg aufhielt und eines Tages nach dem Frühstück in Begleitung zweier Bedienter, um mich zu entspannen, über eine Wiese schritt, kam [uns] eine Frau entgegen; und als sie noch weit entfernt ging und von den beiden Dienern erkannt wurde, sagte einer von ihnen: ›Schütze dich schnell mit dem Zeichen des Kreuzes!‹ und ähnlich wurde auch der andere auf der anderen Seite dazu ermahnt. Als ich aber nach dem Grund dieser Furcht fragte, antworteten sie: Siehe, die schlimmste Hexe der ganzen Provinz kommt uns jetzt entgegen. Sie kann die Menschen durch den bloßen Blick verhexen«. Da wurde ich ärgerlich und prahlte, daß ich solche niemals gefürchtet hätte. Doch kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, da fühlte ich, daß ich schwer am linken Fuß verletzt war, so daß ich den Fuß ohne heftigen Schmerz nicht vom Fleck bewegen und keinen Schritt mehr tun konnte, weshalb auch die anderen durch einen Boten schleunigst für mich ein Pferd aus der Burg kommen ließen und mich dorthin zurückbrachten. Als aber drei Tage hindurch die Schmerzen zunahmen, gingen die besagten Bewohner, welche begriffen, daß mir ein Schadenszauber angetan worden war, eine Wegstrecke von einer Meile zu einem bestimmten Bauern und erzählten ihm von dem Fall. Von diesem wußten sie, daß er durch eine Kunst Schadenszauber aufheben [konnte].

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 13. Theophrastus Paracelsus: Das Erkennen und Behandeln von angehexten Krankheiten, 1531


    Weiter geschiehts auch oft, daß ein Mensch an einem oder beiden Augen blind wird, auch oft an einem oder beiden Ohren hörlos, stumm, sprachlos, krumm, hinkend oder gar getötet, was alles durch Gottes Verhängnis durch solche Erzzauberer geschieht. Welches alles magische Eingriffe sind, die durch die Ascendenten geschehen und vollbracht werden. Darauf sollen nun die Ärzte Achtung geben: wo sich solche übernatürliche dolores und Krankheiten zutragen, daß sie das nicht für natürlich ansehen und halten und ihre apothekerische Arznei dazu brauchen, denn sie müßten – wie gar vielen geschehen ist – damit zu Spott und Schanden werden, – die haben dann die Ausrede gehabt: es ist ein Kreuz oder Straf von Gott, da kann kein Arzt helfen.
    O mein lieber Meister Jäckel, es ist nit, wie du meinst. Es ist eine Straf durch böse verzweifelte Leute und Erzzauberer, die doch aus Gottes Verhängnis geschieht. Darum muß ein Arzt auf die Zeichen Achtung geben, an was er solches erkennen und urteilen soll, auf daß er wisse, wessen er sich unterstehen kann oder auch was für eine Arznei er brauchen soll.


    Erstens soll er den Patienten fragen, wie ihm solches zugestoßen sei, wie und wann, wie solches einen Anfang genommen habe, was die Ursach sein könnte: Fallen, Werfen, Schlagen oder Stoßen, oder ob sonst eine natürliche Ursach – aus den Flüssen oder bösem Geblüt – gespürt werden möchte. Ists nun deren keines, so frag er, ob der Patient einen Feind oder Mißgönner, der im Geschrei oder Verdacht wäre, etwa für einen Zauberer oder Hexer gehalten würde, hab. Sagt er Ja dazu, jetzt kannst du annehmen, daß ihm so, wie oben gemeldet worden ist, geschehen wäre.

    Wie aber einem solchen wiederum geholfen werden mag, ist einem jeden Arzt, der da ein perfekter medicus sein will, hoch und von nöten zu wissen. Denn weder Galen noch Avicenna haben von dieser Kur gewußt noch geschrieben. Deshalb folgt nun die Kur auf diese Weis: daß demselben anders nicht geholfen werden kann als wiederum, wie ihm der Schad oder Schmerzen zugefügt worden ist, das ist durch den Glauben und durch die Imagination, und ist der Proceß so, daß er gleich ein solch Glied, Hand oder Fuß oder ein anderes dergleichen Glied mache, wie das seine ist, an dem er Schmerzen leidet. Oder ein ganzes Bild von Wachs, und dasselbige schmiere, salbe, verbinde, und den Menschen nit; wo dann Schmerzen wie Beulen, Striemen, blaue Mäler sind, da hilfts, und wird dem Menschen solches vergehen. Ist aber der Mensch dermaßen bezaubert, daß er sorgt, er komme um ein Aug, um das Gehör, um seine Mannheit, werde stumm, krumm, lahm, so er in festem Glauben ein ganzes Bild von Wachs machen, und die Imagination stark in das Bild gesetzt und im Feuer nach rechter Ordnung gar verbrannt! Und laßt euch das hie nicht verwundern, daß einem verzauberten Menschen so leicht zu helfen sei, tut nicht wie die Sophisten der hohen Schulen, die ihr Gespött darauf treiben und sprechen, es sei impossibile, sei auch wider Gott und die Natur, – dieweil es auf keiner Hohen Schule gelehrt werde.


    Deswegen folgt aus dem, daß der medicus nicht alles, das er können und wissen soll, auf den Hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muß auch zuzeiten zu alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen mehr unachtsamen Leuten in die Schul gehen und von ihnen lernen, denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen denn alle Hohen Schulen.

    14. Besuch bei einer Wahrsagerin, Nördlingen 1534


    Zum ersten bin ich gewest bei einer Wahrsagerin, selbdritt. Hat sie die erste Red gethon, ich hab viel Aerzet gehabt. Und ehe ich mit ihr gredt hab, hat sie mein[en] Handel vorhin halbig gewist. Nach dem hat sie Brillen [= Kristallsteine] auf den Tisch thon. Do hab ich sie gefragt: »Ich wolt gern wissen, liebe Fraw, ob meiner Frawen Anliegen ein thons Ding wer oder nit.« Do hat sie aber angefangen und gsagt, wie es gelegt sei worden ...


    Nach dem hab ich gsagt: »Liebe Fraw, womit wer ihr doch zu helfen? Wisset ihr nichts?« Hat sie gesagt: »Die ihr solches gethon, die mug und kunt ihr helfen. Dan darumb kunt sie das Wetter machen, so mug und kunt sie's wieder wenden auch.«


    15. Der Zauber der »Toverschen« Anne Jurgens, Schleswig 1548


    Dusse Anna bekende frigwillich, dath ße darby gewesth was, alse ehr Moder unde Metke Fustkenn dath Tuch van der Dodengebente unde andern Knaken, Har unde dergelichen in dhen lemen Putte geferdigett unde togericht hadden. Sze hadde aversth dar nich bygewesth, ock nicht geweten, dath ße de Putte under Matz Gotkenn unde Hans Moldeneth Hus-Sulle setten wolden. Wen ße dath geweten hadde, dath ith Hans Moldenett scholde gegulden hebben, wolde ße emhe woll hebben gewarnett, wente he hadde ehrer Moder, ehr unde erhen Kynderen vele Gudes gedan, wowoll ovell belonett.


    Noch bekende dusse Anna, dath ße myth Este Andersenn unde Kay Mollerkun Hanße Petersenn tho Tabalch syne Hustede vorkerett, vortrollett hadden, dat dar nichts uppe gedien kunde unde scholde.


    Ock sede ße henfurder, datt Este Andersenn unde Kay Mollerkun eyn wassen Kyndeken hadden, wylkers Her Johan Brade tho Flensborch, ehr he vorbrandth, gedofft hadde, unde weme ße wes Boses dhon unde byfogen wolden, in des Namen steken ße datt wassen Kyndeken voll Natels. Duth wuste Anna vorgemeltt, dath Kyndeken by den beyden was unde dath ße dar Trollerige mede dreven ...


    16. Brief eines Bürgers über die Kraft der Erdmännchen, Leipzig 1575


    Brüderliche Liebe und Treue und sonst alles Gute bevor, lieber Bruder. Ich habe dein Schreiben überkommen und zum Theile genug wohl verstahn, wie daß du, lieber Bruder, an deinem Huse oder Hove Schaden gelitten hast, daß deine Rinder, Schweine, Kühe, Pferde, Schaafe alles absterben, dein Wein und Bier versäure im Keller, und deine Nahrung ganz und gar zuruckgeht, und du ob dem allem mit deiner Hausfrauen in großer Zwietracht lebest, welches mir von deinetwegen ein groß Herzeleid ist zu hören. So habe ich mich nu von deinetwegen höchlich bemühet und bin zu den Leuten gangen, die solcher Dingk Verstand haben, hab Rath von deinetwegen bei ihnen suchen wöllen und hab sie auch darneben gefraget, woher du solches Unglück haben müßest. Da haben sie geantwortet, du hättest solches Unglück nicht von Gott, sondern von bösen Leuten, und dir könne nicht geholfen werden, du hättest denn ein Alruniken oder Ertmänneken, und wenn du solches in deinem Haus oder Hove hättest, so würde es sich mit dir wol bald anders schiken. So hab ich mich nu von deinetwegen ferner bemühet und bin zu den Leuten gangen, die solches gehabt haben, als bey unserm Scharffrichter und habe ihm dafür geben als nemlich mit 64 Thaler und des Budels Knecht ein Drinkgeld. Solches soll dir nu aus Liebe und Treue geschenket seyn. Und so solltu es lernen, wie ich dir schreibe in diesem Brieve.


    Wenn du den Erdmann in deinen Hause oder Hove überkömmest, so laß es drey Tage ruhen, ehr du darzu gehest. Nach den drey Tagen so hebe es uff und bade es in warmen Wasser. Mit dem Bade solltu besprengen dein Vieh und die Sullen deines Hauses, da du und die Deinen übergehen, so wird es sich mit dir wol bald anders schiken und du wirst wol wiederum zu dem Deinen kommen, wenn du dieses Ertmänneken wirst zu Rate halten. Und du solt es alle Jahr viermal baden, und so oft du es badest, so solt du es wiederum in sein Seiden-Kleidt winden und legen es bey deinen besten Kleidtern, die du hast, so darfstu Ihme nicht mehr thun. Das Bad, darinn du es badest, ist auch sonderlich gut, wann eine Frau in Kindsnöthen ist und nit geberen kann, daß sie ein Löffel voll davon trinket, so bärt sie mit Freuden und Dankbarkeit. Und wann du für Richt oder Rath zu thun hast, so steke den Ertmann bei dir unter rechten Arm, so bekömmstu eine gerechte Sach, sie sey recht oder unrecht. Hiemitt Gott befohlen.


    Datum Leipzig Sontag vor Faßnacht 1575. Hanß N.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 17. Hermann Witekind: Katholische Zauberei und Volksaberglaube, Heidelberg 1585


    Dieses mißbrauchs / aberglaubens / teuffelswirckung ist die pfaffenschafft in Pabstumb voll gewesen / vnd derhalben auch bey dem gemeinen Mann im schwang gangen: vnd noch bey vns Euangelischen viel darvon vberig ist. Was war in der Messe das fuernembste anders / dann der zauberische segen / da der Pfaff / die fuenff wort oder acht syllaben / Hoc est enim corpus meum, vbers brot sprach / hauchete darauff / machet mit dem kin drey kreutz darueber / meint damit wuerd auß dem brot der leib Christi. Gleicher weiß verwandelt er den Wein im kelch ins blut Christi / so doch den worten vnd syllaben solch vermoegen nicht geben ist. Banneten den heiligen Geist ins tauffwasser / ins weihewasser / ins saltz / ins oele / ins wachs / in kreuter / in stein / in holtz / in erdboden / wann sie kirchen / altar / kirchhoefe weiheten: segneten fladen / fleisch / eyer etc. Weiheten am Osterabend auch das feuwer / daß keinen schaden thete: so ich doch / leider / erlebt hab / daß fuenff tage darnach vnser flecke in grund verbrannte. Deß feuwers Natur ist vnd bleibt / wanns verwarloßt wirdt / so machts brunst. Taufften vnd heiligten die glocken / gaben ihnen damit die krafft / daß sie durch jren klang die boesen geister verjagten / die vngewitter stilleten / verhinderten daß sie keinen schaden theten / so weit der klang gehoeret ward. Ja wol / ich habs gesehen / daß bey mir / in vnserem kirchlein der donner den Gloeckner in dem er leutet erschlug / lag todt / hatt das seil noch in der hand. Wer kans alle erzelen was sie deß gauckelwercks vnd betrugs getriben haben. Wan ein Beuwerin ein krancke kuh hatte / kam der Pfarherr mit seinem rochet oder Chorrock vnd breuijr / gieng in stall / lase vber die kuh / besprengt sie mit weihwasser / machet, kreutz darueber / gab jr geweihet Saltz ein. Ob sie davon gesund ward / weiß ich nicht.


    Bey dem gemeinen mann ward deßgleichen aberglaubens vnn mißbrauchs kein zal. Blutet einem die nase zuviel / oder war einer verwund / so stillet mann das blut mit heiligen worten / vom stechen vnd Blutfluß vnsers Herren am kreutze. Hatte einer sonst etwan einen schaden am leib / so nam ein alt weib einen kreutzpfenning oder gulden / bestreiche den schaden damit / mummelt etliche woerter darzu / das halff dann wie man meinte. Ein edelfraw / mir nicht vnbekannt / ließ jrem mann ein ring machen / darinn inwendig dise wort auß dem Euangelisten gegraben waren / Os non cominuetis ex eo, das ist / Jr solt jm kein bein zerbrechen. Der ring behuetet jren mann / daß er nie kein bein zerbrach wie wol er offt gefehrlich mit seim gaul fiele. Wann einer den anfang S. Johanns Euangelien geschriben am halß trug / so thet jhm kein boeser geist nicht: war frey fuer der fallenden seuche / fuerm donnerschlag vnd anderm vbel. Arme leute hiengen jhren Kindern in eim tuechlein ein bißlein Brot an halß / wie sie noch bey vns thun.


    Die andern segner vnd beschwerer koennen schwerter vnd waffen also bezaubern vnd zurichten / daß sie nicht schneiden / stechen / oder sonst verwunden / wie jr natur vnd eigenschafft ist: koennen auff schwertschneiden tantzen mit blossen fuessen on verletzung: beschweren anderer bogen vnd buechsen daß sie fehlen / segnen die jre daß sie treffen: davon auch zuvor gesagt. Jo. St. ein pfaffe vnd berhuembter Astronomus hatte ein gesegnets kraut / wann er das an ein schloß hielte / so gieng es auff / darzu es Gott nicht hatt wachsen lassen / hatte solche krafft auch vom segen nit. Der Teuffel war dabey / der zohe die schloesser auff. Etliche koennen mit beschweren die meuß vnd ratzen auß den heusern zusammen locken / dz sie jnen heuffig nachlauffen / wie die fercklein der saw. Fuehren sie hinauß ins wasser vnd erseuffen sie. Ob es aber rechte meuß seyn oder ein gespenst / dz mogen die erfahrn vnd wissen die solche gesellen darzu mieten / ob sie darmit weniger meuß nachmals in jren heusern spueren dann zuvor. Diß alles / vnd was deß mehr ist / streitet wid Gottes ordnung / welche ist die natur.


    18. Ratschlag, die Hexe Anna Enzensbergerin zur Rücknahme ihres Zaubers zu zwingen, Oberstdorf 1586


    Solle derohalben zu ihr, Anna [= der Hexe], gehen Und sie drei malen umb Gottes und des jüngsten Gerichts willen bitten, daß sie ir helfen welle, so müesse sie ihr helfen. Welches auch geschehen.


    19. Sächsische Zaubersegen, 1588 und 1597


    Zwene Segen, die Alben zu- vnd abzubringen
    (3. August 1588)


    Gehet hin, jhr alb vnd Elbin, zu N.
    sollt jhme sein hertze zubrechen,
    seine gliedmas schwechen;
    eher alle glocken klingen,
    alle messe singen
    vnd eher die Euangelien werden gelesen
    vnd ehe jhr alle berge gestigen
    vnd ehe jhr alle beume bladen
    vnd ehe jhr alle wasser waden
    sie sollen jm sein blut verzehren,
    das ehr nitt mehr kan kiefen.


    Der ander Segen, die alben abzubringen


    Eß ging sich aus ein Alb vnd Albinen,
    ein zwarg vnd ein zwargin;
    die gingen mitteinander.
    Da sprach Jhesus vnd maria:
    Wohin jhr alb vnd albin?
    Wir wollen hin gehn vnd sein gliedmas schwechen.
    Da sprach Jhesus vnd maria:
    Das soltt jhr nitt thun,
    Jhr sollet alle beuhme bladen
    vnd alle wasser waden
    vnd alle berge stigen,
    vnd alle gottesengel sollt jhr mieden;
    vnd alle glocken werden klingen
    vnd alle messe singen
    vnd alle Euangelien gelesen
    sollen jhme sein gesundtheitt widder nesen.


    Segen der Margaretha Lönnecken bei Anzauberung der Unholden (1597)


    Jch bringe dir die vnholden zu,
    das du habst weder rast noch ruhe,
    das sie mogen riethen vnd splieten
    jhn deinem fleisch vnd blut,
    das du weder rast noch ruh habst
    jhn aller teuffel nahmen.


    20. Rentamtsprotokoll über die Volkswallfahrt zum Pürbeßbaum, Osterhofen 1594


    In disem Gericht Pflegen die gmainen Leüth Ir Andacht und Walfarth undter ainem Paum, Pürbeß Paum genannt, Im Hart gelegen, zehallten, Wie dann derselb Paum mit Allerlay altem Lumpenwerch umbhenngt. Weil aber diss fir ein blosse Superstition anzesehen und zehallten, Ist es der F. Regierung zuberichten bevolchen worden.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 21. Der Pustertaler Volksmagier Christoph Gostner, 1595


    a) Protokoll des Verhörs


    ... 2. Fr. Mit was khunst er denen leuthen, so besessen gewest, bei des von Winckhelhoven zeiten, davor und darnach die teuffel austrieben, wie dieselbige leuth geheissen, von denen ers ausgetrieben?


    Antw. Er zeigt an, das er von einem hechten das hertz und die leber genomen und die besessne leuth, so bese geister bei ihnen gehabt, damit geraucht und ein kholschwartze henne mitten von einander gerissen und auff den kopf gelegt und darzu genomen gewürtz, nagelen, zimmet, muscatblüe, muscatnussen und solhes alles zu bülffer gestossen und eingeben, so das hirn gesterckht und seien die bese geister von solchen aussgetriben worden, als von denen persohnen Lucassen Fürhäbter und Jergen Kholer, beden in Vilgratten, Hanssn Weber, maurer in Ahrenbach. Solches ist bei des herren Künigls zeitten beschehen und in obgemelte straff ainkhomen und in zeit des Winckhelhovers khünn er nit wissen, das er teuffel ausgetriben, aber es sein wol etliche zu ihm khomen, denen das hürn geschwunden; denselben hab er vorbeschribens pulfer eingeben und hab dieselben, so nit geister bei sich gehabt, geholffen und bei dem ietzigen herren pfleger, der ihme solches verbotten, hab er dessen nit gebraucht.


    3. Fr. Wie offt er und zu was zeitten er dem weiter gewerth und wan er ihme gewerth sambt seiner vorigen hausfrauen, wohin ers getriben oder auff was geburg ers nider gehen gemacht?
    Antw. Zeigt an, er khünne nit wissen, wie offt er gewert, allein wan [er] das wetter also dickh und schwartz habe gesehen daher gehn, hab er gewerth als meist er hab khundt und gemacht und dasselbig wider zurücklich und hinderisch getrieben auff das höchste gebürg, da khein han kräth, kein mader meet, da khein ox lieet, da khein pluemb blieet, das es niemandt kheinen schaden thuet, und wie er vermein, so werde der schaur gleich zu wasser.
    Wie und wass gestalt er aber sollich wetter vertreiben thüe, auch sich sein hausfrau deshalben beim herren pfarrer zu Innichen verantwurth, hat er solches in schrift übergeben, signiert mit A.


    4. Fr. Ob ers gesehen, das das wetter umb und umb gangen und sich volgents auff das hohe gebürg begeben?


    Antw. Sagt und vermeldt: Wan man die vier evangeli list, so gees gleich umb und umb und verschwindt, das er ein oder zweimal gesehen; wohin es aber verschwindt, das wiß er nit.


    5. Fr. Warumber er beim iungsten wetter in Sexten nit auch gewerth?


    Antw. Sagt, sei trunckhen gewest dieselbig nacht und hab nichts darumben gewist: wo er aber nit bezecht gewest wer, so wol er got zu gehilffen haben genomen und vleiß ahnkhert haben, demselben zu wehren.


    Fr. 6. Wan er sein khunst gebraucht hat, ob das wetter nie schaden gethan?


    Antw. Vermeldt sei ihme nit müglich, wan es sein halß guldt, wo es hinkhomen, khunne auch nit wissen, ob es ainichen schaden gethon oder nit und wie er vermein, so werde es gleich zu wasser.


    Fr. 7. Ob er den besen geist nie beschworen oder bannt und umb was er ihnen beschworen oder bannt?


    Antw. Hab nie khein besen geist beschworen oder gebandt, man habs ihnen bei zeiten des herrn Künigls wol auch bezigen gehabt, aber es sei nit also, es sei nit guet damit ahnzugeen, sei schwartz, hab aber nie khein gsehen, allein was [er] aber von seiner vorigen hausfraw hab gehert sagen, die hab einen gesehen under ain totenbaar, darinnen ein weib gelegt, hineinschlieffen und solches einem diernlein gezeigt; da sei das diernl darvon erschrockhen, das mans kricken miessen.


    Fr. 8. Ob er sein khunst nie anderen verthrauth oder sehen lassen; ob er sich gegen ander leuthen dergleichen khünst zu khünnen nie berüehmt und ob er in einem und anderm nie kheine mithilffen gehabt oder bederfft und wer dieselbigen gewesen?


    Antw. Vermeldt, es sei offt geschehen, das er sein kunst anderen vertrauth und sehen lassen, dene, so es begert und recept über landt geschickht geen Botzen und Traburg und vil leuthen für allerlei kranckheiten geholfen, dan er habe büecher gleich schier wie ein doctor, darauß nemme er solche khünst und recept und sei erst newlich einer von Meran vor 14 tagen dagewest, so in beiden schinckhen die glidsucht und wildnuss gehabt, ein salben, so mit alt ehel, loröl, weißkranewittöl, patrolumin(?) und baldsambd gemacht gewest, geben und hab dem pfleger auf dem Ritten, so Georg Rössel geheißen, auch also geholffen und in dem faal nie kheinen anderen mitgehilffen gehabt und nie kheinen darzu bederfft; allein zum kreiter klauben hab er je den sonn und sein vorige hausfraw und die schnuer geschickht.


    Fr. 9. Wer ihn sein khunst gelernt?


    Antw. Hab ertznei- und doctorbuecher, daraus er seine khünst erlernt, die heissen als: das Tistulierbuch Alberti Magni, des Alberti Magni kreutherbuch, der Frawen Rosengarten, de Frasti Wundt- und Arzneibuch, item mehr die Khunst genant die Saltzbergin, damit man reverender zu schreiben die frantzosen in 24 tagen curieren und vertreiben khan, mehr ein büchel von indianischen holtz für die leuth, die gar feist in leib sein, damit man ain soll curieren; und dise büecher hab er alle ahnhaimbs zum theil obenauff in einer truchen und zum theil in tisch liegen.


    10. Fr. Ob man nit ender seines raths gepflegt, leuth inner und außer landts, wan haimbliche totschläg, diebställ, schaden und dergleichen beschechen, nach ihme geschickht oder zu hauß khomen, wer solches gethon habe und wie sie heißen, die seines raths gepflegt und zu was zeit sie es gethon?


    Antw. Man hab nie ein solches an ihn begert und niemandts khumen, allein von diebstal wegen sei man wol khumen, hab aber kheinen nichts geholffen und hernach dieselbig zetl verbrendt und selber nichts darauff gehalten und khünne nit wissen, wer dieselbigen alle gewesen, es sei nun bei 19, 20 und 30 jahren, das es geschehen und ihme seider abgefallen und seien seider wol auch leuth khomen und solches von ihme begert, hab er denselben zu bescheidt geben, er khunne ihnen nit helffen, es sei reverender alles erlogen, es helff nicht und der herr pfleger wolle solches auch nit haben.


    11 Fr. Waß er darzu gerathen?


    12. Fr. Was khunst er zu solcher wissenheit gebraucht?


    Antw. auf 11. und 12. Was er darzu braucht, das sei das; er sei in ein stal gangen und gegen den morgen nider knieet und gesagt: »O Herr Jesu Christ, ich knie auff disen mist, schickh du dem dieb, ders gestolen hat, der besisten teufel drei, der erst zwing dich, der ander dring dich, der drit gehe dir in deine schuech, das dir dieb so wundt und wee sei mit dem gestolenen guet, alß deiner mutter ist gewesen, da sie dich hat bracht auff disen erdboden mit ihren krachenden lenden und henden, also lendt ich dich, das du also muest herwider bringen in namen gottes vatters, sonns und dess heiligen geistes.«


    13. Fr. Ob ers khünt habe, das einer oder eine das ander lieb haben miessen und ob ers braucht?


    Antw. Habs nit khünt, das einer oder eine das ander hab miessen lieb haben, habs auch nie selbst gebraucht.


    14. Fr. Ob er nit khunstbuecher hab und wo dieselbigen sein und wers im geben?


    Antw. Seine büecher hab er zwei das tistulier- und kreutherbuch vom Ridler, gewesten chorherren zu Inchen, khaufft, die andere hab er vor lengst von den buechfuereren in Lorentzer marckht khaufft.


    15. Fr. Was man ihme, wan er einem gerathen, davon geben?


    Antw. Was er einem gerathen, habe ihme eines ain kreitzer oder umb ein kreitzer air, je einer mehr und weniger geben und offt eins nur gedanckht und wan es besser werde, ime etwas zu schenkhen verheißen.


    16. Fr. Was krankheit Georg Stängele oder Nolt ferten gehabt, da er ime geholffen und wie er ihme geholffen?


    Antw. Dem Georg Nolten sei das hürn gesessen oder geschwunden; deme habe er mit dem gewürtz und der zerrissenen schwartzen henne geholffen, wie hievor im anderen punckhten begriffen.


    17. Fr. Ob er in curierung etlicher krankheiten, schäden, geschoß oder schläg, vergicht und dergleichen segen, spruch gebraucht und was es für segen oder sprüch gewesen sein?


    Antw. In curierung der krankheiten hab er für wildes geschoß, für vergicht und schläg die segen sprüch gebraucht, das er anhaimbs geschribner hab und auswendig nit ahnzeigen khünn, und wan man solches well haben, so welle ers wol hergeben.


    18. Fr. Ob er gestolen gueth nie gemacht widerkhomen, wen und zu was zeit?


    Antw. Hat vorhin dises punkhtens halber wie in 10 punkht begriffen, anzeigung gethan.


    19. Fr. Ob er sein hausfraw, son oder ander leuth davon kheines nie gelernet?


    Antw. Hab sein hausfraw oder seinen sohn dessen nicht kheins gelernet oder iemandt andern, dan sein sonn geh seinem handwerckh nach und gebrauch sich dessen nicht.


    20. Fr. Ob er khein schatz graben helffen oder darinnen gerathen und wem?


    Antw. Sei zu Braunegg beim Schwartzen Adler so wol auch in Ennebergis mit und bei gewest, das man schätz hat gesucht und graben, aber nichts gefunden; darzu sei ein beschwerbuch gebraucht, so er beihendig hat und ihme ein priester zu Braunegg geschenckht; das sei bei zeiten des herren Künigls beschehen und auch in vorbeschriben straff khomen.


    21. Fr. Ob er sich prillenstein, galgenmändler und weibler oder dergleichen berüembth oder gebraucht und auch die leuth damit verfüerth und gegen wen er sich dessen gebraucht?


    Antw. Prilnstein hab ihme der Georg von Graben geschenckt, hab nichts damit gethan, wiss nit, zu was er gut sei; aber der sigwurtzen hab er sich wol gebraucht hinzugeben; sei schon zu hof als der herr von Spaur pfleger gewest, abgehandelt worden; sollen glückhsamb sein bei eim zu tragen.


    22. Fr. Ob er nit gerathen und gesagt, was einem künfftiglichen begegnen möchte, was er für ein glückh oder unglückh haben werde?


    Antw. Was einem khunfftig begegnen möchte, wisse er selber nit, geschweigen, das er andern darvon sagen khenne und wiss nichts um solches füstelwerckh.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • b) Gostners Zauber-Inventar


    Nr. 1 Erstlichen ein recept, wan die milch verzaubert ist sambt einem messer darbei mit allerlei characteres von einer klingen ainis henckherschwerdt sein solle sambt zweien darbei ligenden zetelen.
    Nr. 2 Ain buechl, darinnen S. Ciprians gebet für die zauberei, darinnen auch die 4 evangelien, auch wie man den weichbrunnen macht, desgleichen von denen, so unsinnig, die besen geister und dem alpen zu vertreiben.
    Nr. 3 Mehr ein buechel, darinnen die ahnruffung: der engell gebet, ittem die beschwerung der bildnuß von den kinder und alten leuthen fürs wilde geschoß, desgleichen wan zwai ehemenschen nit mit einander mügen zu schaffen haben und verzaubert sein, was man brauchen soll; und für alle zauberei soll man bibergallen bei sich tragen; mehr ein segen für die 11 vergicht sambt anderen mehr khünsten für die zaubereien.
    Nr. 4 Ittem sechs, allerding newgeschribene zettel und recept für den kindtersiechtumb, zauberei, wildnussen und afel sambt etlichen darinnen vermelten exemplen, so zusammen gebunden.
    Nr. 5 Ein kleine zetel, so das buech die geburth Christi genant würdt, sambt etlichen evangelien.
    Nr. 7 Ain recept und khunst für die ungerisch krankheit und brein.
    Nr. 8 Sprüchle fur den wurmb am finger und vich.
    Nr. 9 Ain zetel der planeten standt.
    Nr. 10 Ittem ein zetel in quardt von zwen bögen lang, thut meldung von den farben sam.
    Nr. 11 Mehr ein zimblich kleines, duckhes buechlein, so vor im eingang sein namen steet, für die besen geister, alpen und zauberei den leiten und vich zu vertreiben, ittem ein spruch für das schießen und stechen; ittem das ein gefangner ledig würdt, ittem das einer, so etliche wort bei ihm tragt, weder gefangen noch erhangen soll werden, ittem die zaubereien zu vertreiben, beschwerung der besen geister auß ainem hauß zu vertreiben, ain segen für das vergicht und hinfallenden siechtag, ain wetter segen, darzu auch ein messer gebraucht würdt, ain khunst für die frantzosen; item ain todten beschwerung mit sambt den caracteren und urlaub gebung; item so einer einen schatz graben oder den teufel beschweren will, wie man khertzen zu schätz graben soll machen, ain khunst, wo ein verborgnes guet liget, wie mans finden soll; ittem wie man die zwen heilige engell Uriel und Samuel beschweren soll und vil andere mehr künstlen für allerlei krankheiten.
    Nr. 12 Ain recept und ein zetl dabei, wan man einem was entfrembt, das ers herwider mueß bringen und das man den dieb im schlaff mueß sehen.
    Nr. 13 Ein zetl, wan eins buelen will, was man fur stickhln brauchen soll.
    Nr. 14 Ittem fünf zusamen gebundene zetel, wan ein mensch mit dem besen geist besessen ist.
    Nr. 15 Ittem ein kleines zedele oder khünst, das man einem zu mallen mueß bringen.
    Nr. 16 Ittem drei zedelen mit sanct Joannes evangelium, vier kleine zetelen; wan ein fraw die roten rosen zu vil hat, sol dieselbig die geschribenen caracteres auff dem kopf tragen, so sein, Rotschneiders sohn geschriben; ittem zwei zetelen, wan ein mensch ainem andern was bittet und die caracteren in der gerechten handt tragt, so es gewert werden, und sonst andere khleine zedeln mit allerlei caracteres; dabei ist aber verzeichnet, zu was sie zu gebrauchen, alles zusammen gebunden.
    Nr. 17 Ittem gar ein kleines buechl, darinnen ein wundt segen und Christoph geschriben hat.
    Nr. 18 Mehr ein buechel, darinnen ein wundt segen mit allerlei carackhteres.
    Nr. 19 Aber ein kleines buechel, darinnen die abschrifft von dem brieff, so got selber geschriben, darinnen ain siben wort und andere gebet sein.
    Nr. 20 Mehr ein kleines buechel, darinnen begriffen der brieff, den der babst von kinig Carl seinem brudern gesandt hat, und segen, das einem an seel und leib nicht schaden khan, und steet der namen Christoff darinnen.
    Nr. 21 Item ein segen auff einem halben bogen, wan ein mensch vermeindt worden oder beser zungen entgolten hat.
    Nr. 22 Aber ein kleines buechlin, darinnen etliche ertznei stückhlen begriffen.
    Nr. 23 Item ein alts buechel, ist vor im eingang begriffen der brieff, so vom himmel khomen, item mehr hernach khünstlen, so da ist, wan einer ein naterzung nimbt und last zehen messen darüber lesen und nimbts hernach in den mund und blost sie in das schloß, so geet es auff; ittem wan einer ein feder von einer haustauben aus der lingen flügl nimbt und hengt sie an ein roten seiden faden und hengts an das haus, so mag niemandts erwachen; item wan einer wissen will, wie es umb ein ding geschehen sei oder wie es sich endet mit sprechung etlicher segen, desgleichen wan man wissen will, von wem ein fraw schwanger sei etc.; verrer ein khünstl, das eine einen mueß lieb haben; ain stückhl, das ein mensch drei tag schlaffen mueß und andere mehr ertznei stückhlen und stehet zu end dises buechel Cristan Hueber, miller am Steg zu Brunegg.
    Nr. 24 Ittem mehr ein kleines, zimblich dickhes buechlein, darin gar vil ertzneien, auch wie man gold machen und das hoch wetter segnen soll.
    Nr. 25 Ain kurtzweil oder lesebuechel von etlichen heiligen.
    Nr. 26 Ittem ein buechel, so Gotschners sohn mit seiner hand geschrieben und vorn im eingang mit seltzamen zeichen begriffen, das einem die geister underthenig sein muessen mit darauff volgender beschwerung der geister, das sie ein iungckhfraw oder gelt bringen sollen; mer zunechst darnach ein experiment; so ainer einen dienstlichen geist des luffts will haben, der ohne allen schaden dem menschen dient an allen enden und stetten, so soll er ihme also thun, wie im büchel geschriben, ain kreiß auf ein junckhfraw pergamen mit fledermeuß bluet auff ein fenster gegen auffgang der sunnen und die zwen schuech auß einer hundtshauth gemacht (welliche darbei als gemacht und wie die vermuetung und ansehen derselben ist, vieleicht darzu gebraucht worden sind) anlögen solle und die drei teufels namen in den tenckhen schuech legen: Astarat, Hergel, Beltzebolich, darauff gehet die beschwerung im büchel. Und weil sich diser punckhtmachung des kraiß auf caracteres auff junckhfraw bargamen geschriben zu sein referiert, so sein derselbigen drei befunden, wider in solches büchel hineingelegt und allem ansehen nach zum theil mit fledermauß blut geschriben worden und dises experiment, so an ainem newen pfinstag nacht, samstag nacht angefangen werden, so khumen die geister gern und in menschlicher gestalt. Darnach müg ers alle nacht thun, wan einer was bedarff, aber man mueß den kreiß allweg auffm fenster lassen oder haben, sitzen die drei geister herumb. Spricht der erst: Was wilstu?, so spricht der beschwerer, er soll ime 5000 fl. bringen, so bringt ers, und die khunst steht in dem büchel mit disen worten. Ich hab offt versucht und bin mit meiner khunst khomen zu dem heiligen grab; ich hab es auch zuwegen gebracht zu Paris in Franckhreich auff der hohen schuel von einem jungen edelmann, der ist gewesen aus Franckhreich und ich Hanß Ebenstockh habe es offt versucht und bin nit reich worden. Darbei sein auch darneben drei andere ledige teuffels beschwerung, so Gostners sohn geschriben, alles zusammen gebunden, signiert.
    Nr. 27 Ittem in einem kleinen buechel ein beschwerung zu S. Corona, umb was man bittet, das sie es bringt und da lasset; mehr in einem anderen sollichen büchl und widerumb in zweien anderen in quart, so Gostners sohn geschriben, dergleichen beschwerungen und gebet zu S. Corona, sovil einer abcontrafactur derselbigen S. Corona und zweien anderen junckfrawen, so in sprechung und beschwerung derselben auch hierzu villeicht möchte gebraucht worden sein oder nit, ist noch nit so weit in erfarung gebracht und besser nachgedacht werden; alles zusammengebunden.
    Nr. 28 Mehr ein kleines buechel darinnen stehet, wan ainer ain gaist in ainer gestalt und gesichts eines pockhs bannen will, der ihn wo er will hinfuert, oder bringen mueß, waß eins begert, es sei fraw oder mann, was er dazu gebrauchen soll, so Gostners sonn selbst geschriben; daneben auch, das ime ein ding im schlaff fürkhomen solle.
    Nr. 29 Ittem wan einer waß heimliches wissen wolt, das es ihme im traumb der engel solt fürkhomen, soll er den brieff, wan er schlaffen geet, under das haubt legen mit 6 darauff volgenden gebetten.
    Nr. 30 Ittem ein beschwerung von dem geist Venus und alles, was einer begert und mit ihme geleutet, das ers thue, beinebens auch ein andere zedel von widhopfen und beschwerung, das ein schener jüngling khumen und ein lidernen sackh foll mit gelt, so nimmer lehr würdt, bringt; auch darbei ein scharnitzelen mit schwartzen pulver.
    Nr. 31 Ittem mehr zwo khleine in quart eingebundene büchlein, darauff aller engel gebet, und das Gostners sonn geschriben, und sovil under anderen gefunden worden, das die heimlicheit dess schatz, den er zu wissen begert, wo und wass stat verborgen, wo er gefunden mag werden, und so der währen in der stat der besen geist, sollen sie underrichtung geben.
    Nr. 32 Aber ein dinnes buechl in quart, wie man den farbensamen soll finden und zuwegen bringen mit 15 beschwerungen alles den reichtumb ahnbelangt.
    Nr. 33 Ittem in einem binkhelen sein anfangs underschidliche bonnen für zauberei eingemacht in einem bapir schwartze rauchzeltlen, mehr in einem anderen bapir ein weisser pulverstain und waisses pulver, mehr in einem scharnitzelen ein anders pulver und wider in einem andern papir schwartzes rauchstöckhlen; zu was sachen es zu gebrauchen, ist nit dabei befunden worden.
    Nr. 34 Ain zedelen, das er khein recht verlieren mag und alle gewinnen, darüber solle ein new und andere messen gesprochen und bei ihme getragen werden.
    Nr. 35 Ittem ein abschrifft ainer uhrkhundt von herren Balthasar Laner, das er in der fasten möge fleisch essen, dabei auch ein bevelh von herren Hannss Künigl und seiner frawen unter des Rotschneiders und Christoffen Steindls gegen Georgen Scherlingers schwebender sachen, auch des Steindls weinschenckhen anbetreffende und andere zedelen seins gefüerten rechts halben; zusammengebunden.
    Nr. 36 Auff ein halben bogen etliche künstlen, darunder eine begriffen, wan einer spilt, das er nit verlieren soll.
    Nr. 37 In einem papir etliche kleine baindlein, ist aber derzeit uhnbewust, von was sie sein, aber dem ansehen nach so mechten sie von einem jungen kindl sein; auch etliche breite höltzlein, ist aber nichts dabei geschriben, für was sachen es zu gebrauchen, sambt einem alten pargameen, darauff vil allerlei seltzame sachen und caracteres sein; zusamengebunden.
    Nr. 38 Ittem ein vertrag gegen Hansen Pyegler, mehr ein vertrag gegen die talmenig von Sexten, ain abbitts uhrkhunt dess Mathesen Mittereckhers halben, mer ein wappenbrieff von weilandt herren Mathiasen Wertwein sambt einer sonderen legitimation und anderen mehr übergebnen urkhunten, alles zusammengebunden und signiert.
    Nr. 39 Ain register, was dem Gotschner sein ietzige hausfraw Barbara Grasmanig zugebracht hat.
    Nr. 40 Auff ein halben bogen begriffen, was man thun soll, das man ein unholdin khan bekhomen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Nr. 41 Ittem ein urkhundt Balthasar Päler, gewesten pfleger zu Heunfels mit einfüerung oder inserierung auch von herren Künigl seligen an Päler aussgangenen bevelchs, das er sich umb alle seine vergangne handlung mit ihme herren verglichen und abkhomen, sei er begnadt und solang er sich wolhalte in der herrschaft Heunfelss zu wohnen bewilliget worden und sein Vellers insigel verfertigt in dato den 30. martii des 77. jars.
    Nr. 42 Ittem in ainem pintgl zusamen gebunden, was zwischen Christophen Gostner und seiner hausfrawen gegen Christan Kircher, Mesner und seinem weib, auch zuvor Mathesen Kircher, Hueter, für geloffen, was Gostner suppliziert und von gericht hinausgenomen, alles die sachen anbelangt.
    Nr. 43 Ain signatur vom herren pfleger zu Heunfels, auch der würdt in Sexten gegen dem Summerer gefirndten beschwer vom 29. Juni anno 94 beschehen.
    Nr. 44 Ittem etliche zusammen gebundene alte kalender, gesangbuecher und dergleichen vom berichts wegen.
    Nr. 45 Ain pindtl zusamengebunden schrifften, alles seine gefuerte rechtfertigungen anbetreffende.
    Nr. 46 Ain kreuterbuch in folio eingebunden.
    Nr. 47 Ain altes distilierbuech, die Composita und Simplicia geheißen.
    Nr. 48 Ain evangelienbuch in folio, genant der Spangenberger.
    Nr. 49 Christoffen Gostners schuldbuech in folio, darinnen sein drei zinssbüchlein des ausgelihenen gelts vom 93, 94 und 95 jar.
    Nr. 50 Ain zetl eines gedings gegen Blasien Sagmeister auf das 94 jar.
    Nr. 51 Ain tirolische landtordnung in folio eingebunden.
    Nr. 52 Drei zangelen zum zenden auszubrechen, drei kleine druchelen, darinnen etliche flieden sein, in ainem kleinen pargamenteschl allerlei zetelen mit caracteren, ist nit dabei geschriben, was es ist.
    Nr. 53 Ain kleines buechel mit wundtsegen.
    Nr. 54 Ain zetele mit allerlei caracteren für zauberei, darinnen auch, daz ain die leit lieb haben, die ains ansehen und das einer kheinen freundt noch richter soll fürchten.
    Nr. 55 Ain kleines buechel, darinnen segen für allerlei sein, auch wer dieselbigen caracteres bei ihme tragt, der würdt nit gefangen, desgleichen so er zu gericht geet, bedarff er sich kheiner unrechten urtl zu beförchten, auch kein beses wetter nit schaden; ittem wer gefangen würdt, der khombt auß, auch ist er vor schießen sicher und vor besen menschen, es sein merder, straßenrauber, für gifft und schafft und das ainem khein waffen nit schneidt; und dises buechel hat Gostners sonn geschriben, wie dan auch sein namen darin geschriben ist und gebraucht würdt haben.
    Nr. 56 Mehr ein zetele für zauberei vor schießen, schlagen und vor gefenckhnuß, darbei noch in ainem gar kleinen buechel aintweders von einer bibergall oder khindts nebelen ist.
    Nr. 57 Ain bischele zusamengebundene würmb.
    Nr. 58 In ainem papir zusamengebunden fünf galgenmandler, und ist bei einem ieden ein kreitzer gebunden, so zuvor in ein öl lamben in kirchen geworffen und wider heraus genomen worden sein sollen.
    Nr. 59 Ittem ein scätele mit allerlei seltzamen hamergatungen, darunder zum theil halbe galgenmandler sein sollen, ist khein zetel darbei, zu was ein iedes zu gebrauchen sei.
    Nr. 60 Item in einem kleinen scatelen von galgen mandler und dergleichen.
    Nr. 61 Ein grünes eingebundenes buechel für die pestilentz und dergleichen krankheiten.
    Nr. 62 Ain kleine viereggete in silber eingefaßte cristall, sagt, hab die nie gebraucht; der herr Cristoff Moritz von Vels hab ihme geschenckht; ain recept und beschwerung der cristallen oder prillensteins, auch so einem etwas gestolen würdt oder sonst verlohren hat.
    Nr. 63 In ainem gestrickhten sackhl ain kuglete cristallen oder prilenstein zu nechstbeschribner beschwerung gehörig, sagt, hab die wol einmal gebraucht, darinnen nichts gesehen oder ausgericht; in ainem söckhel ein dreieggete cristallen, so uhngever einer spang lang sein möchte, sagt, hab die einmol probiert, aber nichts ausgerichtet und nicht gebraucht, und dan ein glid von einer keten, ob zuvermueten, das es ein kettin von einem galgen sei, soll gut sein, sporen daraus zu machen, gehn die roß gestrackhs, und in einem kleinen söckhele etliche würmb, gradt von denen würmen, so er selbst gepannt und seindt dess die wort: Osia, osia, osia, du schalckhafftige schlang, stehe still, wie der Jordan stuend, da S. Joannes unseren lieben herren getaufft hat in namen Gottes vatters, sohns und heiligen geists. Ain strickhl, daran einer gehangen, so der Maurer zu Ollang hergebracht; mehr ein kreiterbuch, sagt, hab es wohl gebraucht, den kreuteren darinnen nachzusuechen.
    Nr. 64 Aber ain klaines ertzneibuechel, habs auch gebraucht.
    Nr. 65 Ain kleines gedruckhtes buechel dess indianischen holtz, sagt, habs nie gebraucht, hab nie kheins an sich begert.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 22. Anhaltende Unwissenheit in Glaubensfragen, Bayern 1608


    Brief des Bischofs von Freising an Herzog Maximilian von Bayern, 14. Juli 1608.


    ... daß sogar auch die Alten, vil weniger die Jungen weder das Heilig Vaterunser, Ave Maria und den Christlichen Glauben, Schweigens die Zehen Gebott, mit den rechten vollkommnen Worten ... petten, noch vilweniger aber die geringste fundamenta Ires Catholischen Glaubens, erkhantnuß der heiligen Meß, der heiligen Siben Sacramenten, der Siben Todtsünden unnd der gleichen mehr [besitzen und darüber] ... gar wenig oder gar nicht wissen ...

    23. Die zehn Segen der Frau Hans Höchstetters, Hochstift Würzburg 1621


    1. Ein Seegen für ein Reisenden, wan einer einen von weithem siehet, daruor im graust, soll er heimlich sagen:


    Grüß dich Gott Man,
    Bistu stärckher alß Gott, so greif mich an,
    So sey Gott der Vatter mit mir,
    Gott der Sohn mit dir,
    Und Gott der heilige Geist mit vnß Beiden,
    Auff daß wir mit friedt voneinander scheiden.
    Das zehl ich dir zur Buß, im Nahmen Gott deß Vatters,
    undt des Sohnß vndt Gott des h. Geists.


    Sagt, hab solchen Seegen von Jörgen Heim von Vrpheld gelehrnet, vnd auf der Reiß einer Frauen, so sie nicht kendt, wider gelehrnet, vnd an sich offt probiert befundten.


    2. Ein Seegen, wan einer in den Krieg zeugt, daß er gewiß vnverletzt wider heimkombt ...


    3. Ein Seegen, daß einem den Tag kein Vnglückh widerfehrt ...


    4. Ein Seegen auff Ostertag vor der Sonnen Auffgang vnder dem Blauen Himmel nackhend vors Fieber zu jagen, soll ein gantz Jahr probirt seyn.


    Heut ist der heilig Ostertag das ist wahr,
    Gott behüt mich vnd mein Gesindt das gantz Jahr,
    Vorß Froer, vor die Rütteln
    Vnnd 77 Ritteren,


    Die zehl Ich mir N.N. (sie müßen alle im Hauß mit Nahmen genennet werden) zur Buß im Nahmen Gott deß Vatters u.s.w.


    Sagt, wiß nicht von wem sie solches gelehrnet, vnndt hab auch niemand anderß gelehrnet. NB. Hiebey gemelt worden, daß nach Endt aller Seegen 5 pater noster, 5 Ave Maria vndt 3 Creto (wie die Verhafftin gemelt) muß gesprochen werden.


    5. Ein Seegen vor die Rote Plattern in Augen, darüber sie (Inquisitin) auß anhalten deß Herrn Pfarrers alhie [Marktheidenfeld] eingezogen worden, wie solcher im ersten Bericht weitter wirdt zu sehen sein, sag, daß sie solchen Seegen von einer Frawen zu Amerbach gelehrnt, hobß an Niemanden alß an deß Hrn. Pfarrers Mutter vndt deß Itzigen Schulmeisters Frauen alhie, welche sie augenscheinlich von der Plintheit wie der Schulmeister bezeugt, geholffen, probirt.


    6. Ein Seegen vor den Veitswurm ...


    7. Ein Seegen vor dem Brandt ...


    8. Ein Seegen, so einem etwaß am Leib auffscheust, so nimbt sie Ihren rechten Daumen, trückht darauff vnndt spricht:


    Uffschuß die liebe Frau, mit Ihrem rechten Daumen wider niterschlug, Unheil, Uffschuß, Du sollt nicht vffgehen, du sollt wider verschwinden, das gebeut dir Maria vndt Ihr liebes Kindt, das zehl Ich dir N.N. zur Bueß im Nahmen Gott des Vatters u.s.w.
    Hat solchen Seegen an Hanß Haßfurth seel. gebraucht und an sich offt probirt, weiß nicht, wo sie den gelehrnt.


    9. Ein Seegen von Zahnwehe auf den h, Ostertag ante ortum solis nackhend vnder den Freyen Himmel zu sprechen ...


    10. Ein Seegen vor den fließenden Haarwurm ...


    24. Johannes Prätorius: Der Drudenfuß im Volksglauben, 1666[s]


    Wie Alp der gewöhnlichste und allgemeinste Nähme ist bey uns Teutschen ... Also schicket sichs nachm A.B.C., daß er auch zu Oberst zu stehen kömmt. Aber es fraget sich, woher er rühre? Martinius d.I. vermaynet, daß Alpe so viel sey, als Alb quasi alba: Denen Niederländern Alven, als weren sie weisse Weiber, Nymphen, Teuffelische Sagae, welche im weissen Habit als die Trauer-Weiber zu erscheinen pflegen und davon auch die Unverständigen im Schlafe vermeynen gedrucket zu werden ...


    Aber daran zweiffele ich sehr, weil es ein urahlt Teutsches Wort ist ... daher solcher Aberglaube noch bey etlichen Weibern, daß sie solch Heydnisches Zeichen des Druyden-Fußes oben und unten an die Wiegen mit eingelegtem Holz oder Farben machen, wider die Hexerey, die aber für alle Christen wollen geachtet seyn, die machen zum Häupten I.H.S., unten aber einen Stern mit fünff Zacken, wollen also Christentum mit Belial vergleichen.


    Nehmlich der Alpfuß siehet also auß, wie es auch den Knaben so bekannt ist, angesehen sie nicht selten (nach dem: Narren Hände bemahlen anderer Leute Wände) es an alle Wände und Örter auß Vorwitz schreiben; umb einen Versuch zu thun, ob sie es in einem Zuge malen können: Drumb sie unterweylen miteinander wetten ... Und wer weiß, ob die Creutze, so das Weibervolck am Walpurgis-Abend hin und wieder an Thüren, Gemächern, Kisten und Kasten anmahlen, nicht auch ein Fünff-Ort seyn soll ... Ich solte glauben, daß der Pythagoras und die Druyden ein solches auß einer uhralten Tradition behalten haben, aber ohne Verstande.


    Analysen: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland (vgl. Behringer-Hexen, S. 21 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Bekämpfung des Unglaubens durch Kirche und Staat im Mittelalter


    25. Des Hl. Augustinus Lehre vom Teufelspakt


    Alles das ist Aberglaube, was von den Menschen eingerichtet wurde und sich auf die Herstellung und Verehrung von Götzenbildern bezieht oder auf die Verehrung eines Geschöpfes oder eines Teils eines Geschöpfes wie Gott oder auf Beratschlagungen oder gewisse Abmachungen (›pacta‹) von Zeichen, die mit Dämonen abgeschlossen wurden, wie es die Bemühungen der magischen Künste sind ... Dazu gehören die Bücher der Eingeweide- und Vogelschauer ..., auch alle Amulette und ›Heilmittel‹ ..., tausende nichtigster Einhaltungen ... Zu dieser Art des verderblichen Aberglaubens sind ebenso die Nativitätssteller und Astrologen zu rechnen ... Auch diese Ansichten sind auf dieselben gleichsam Abmachungen (›pacta‹) und Übereinkünfte mit Dämonen zurückzuführen. Deshalb nämlich wird es geschehen, daß nach einem geheimen göttlichen Ratschluß die nach Bösen begierigen Menschen wegen der Vergehen ihres Willens zum Spott und Betrug den sie verspottenden und betrügenden pflichtvergessenen Engeln ausgeliefert werden, denen der unterste Teil der Welt gemäß der vortrefflichen Ordnung der Dinge aufgrund des Gesetzes der göttlichen Vorsehung unterworfen ist ... Also sind alle derartigen Künste eines nichtigen oder schädlichen Aberglaubens aufgrund einer verderblichen Gemeinschaft von Menschen und Dämonen als gleichsam Pakte einer treulosen und hinterlistigen Freundschaft zutiefst zurückzuweisen und zu meiden; ›nicht weil‹ – wie der Apostel sagt – ›das Götzenbild (wirklich) etwas sei, sondern weil man, was man opfert, den Dämonen opfert und nicht Gott.


    26. Der Hl. Wulfilaich zerstört ein Diana-Heiligtum, Trier 585


    Ich begab mich alsdann in das Gebiet der Stadt Trier, und auf dem Berge, auf dem ihr jetzt seid, baute ich mir mit eigener Hand die Wohnung, die ihr seht. Ich fand hier damals ein Bild der Diana vor, das das abergläubische Volk abgöttisch verehrte. Ich errichtete mir auch eine Säule, auf der ich unter großen Schmerzen ohne alle Fußbekleidung stand. Wenn dann die Winterszeit kam, litt ich bei der eisigen Kälte dergestalt, daß mir von dem heftigen Frost öfters die Nägel an den Füßen abgingen und in meinem Bart das gefrorne Wasser wie Zapfen herunterhing.« In jener Gegend soll nämlich der Winter häufig sehr strenge sein.
    Da ich ihn darauf eindringlich fragte, was ihm als Speise und Trank gedient und wie er die Götzenbilder auf jenem Berge umgestürzt habe, sagte er: »Zu Speise und Trank diente mir ein wenig Brot und Kohl und etwas Wasser. Als aber die Menge aus den benachbarten Höfen herbeizuströmen begann, predigte ich unablässig, es sei nichts mit der Diana, nichts mit den Bildern, nichts mit dem Götzendienst, den sie trieben; unwürdig auch seien jene Lieder, die sie beim Weine und ihren schwelgerischen Gelagen sängen; würdig sei es allein, dem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Opfer des Dankes darzubringen. Ich betete auch zum öfteren, der Herr möchte das Götzenbild zerstören und dies Volk aus der Finsternis erretten. Es überwand endlich Gottes Barmherzigkeit ihren bäurischen Sinn, sie neigten ihr Ohr zu den Worten meines Mundes, verließen ihre Götzen und folgten dem Herrn. Da sammelte ich eine Zahl von ihnen um mich, und es gelang mir, mit ihrer Hilfe jenes gewaltige Götzenbild, das ich mit eigener Kraft nicht zertrümmern konnte, zu stürzen; denn die andern Bilder, die kleiner waren, hatte ich schon selbst in Stücke gehauen. Als nun die Menge zu dem Bilde der Diana herbeikam, legten sie Stricke um dasselbe und suchten es umzureißen; aber alle ihre Anstrengung war vergeblich. Da eilte ich nach der Kirche, warf mich zur Erde und flehte unter Tränen zu der Gnade Gottes, da menschliche Macht dies Bild nicht stürzen könnte, möchte die Kraft des Himmels selbst es vernichten. Und als ich nach dem Gebet die Kirche verließ und zu den Arbeitern kam, da stürzte das Bild, sobald wir den Strick ergriffen und zum erstenmal anzogen, sofort auf die Erde; und ich ließ es mit eisernen Hämmern zerschlagen und zu Staub zermalmen.


    Zu derselbigen Stunde aber, als ich fortging, um etwas zu essen, war mein ganzer Leib vom Scheitel bis zur Fußsohle so mit bösen Blattern bedeckt, daß nicht ein Finger breit von ihnen frei war. Ich ging darauf allein in die Kirche und entkleidete mich vor dem heiligen Altare. Denn ich hatte daselbst ein Fläschchen Öl, das ich von der Kirche des heiligen Martinus mitgebracht hatte; damit salbte ich mir mit eigener Hand alle Glieder und verfiel alsbald in Schlaf. Um Mitternacht erwachte ich, stand auf, um mein Gebet zu verrichten, und fand meinen Körper ganz rein, als ob ich nie von Schwären befallen gewesen wäre. Da erkannte ich, daß nur der Haß des bösen Feindes diese Plage über mich gebracht hatte.«


    27. Papst Gregor I.: Missionsinstruktionen aus dem Jahr 601


    Seinem geliebtesten Sohne, dem Abt Mellitus, Gregorius, der Knecht der Knechte Gottes.


    An den sehr geliebten Sohn, den Abt Mellitus, Gregor, Knecht der Knechte Gottes.
    Nach der Abreise unserer Gefährten, die bei Dir sind, sind wir sehr besorgt geworden, weil wir nichts über den glücklichen Verlauf Eurer Reise gehört haben. Wenn Euch also der allmächtige Gott zu dem sehr ehrwürdigen Mann und unserem Bruder, dem Bischof Augustin geführt haben sollte, sagt ihm, was ich in der Sache der Engländer lange überlegt und bedacht habe; nämlich, daß die Heiligtümer der Götzen bei diesem Volk keineswegs zerstört werden müssen, daß aber die Götzenbilder, die sich darin befinden, zerstört werden sollen, daß Wasser geweiht und in diesen Heiligtümern versprengt, daß Altäre gebaut, Reliquien niedergelegt werden. Denn wenn diese Heiligtümer gut gebaut sind, müssen sie notwendigerweise vom Dämonenkult in die Verehrung des wahren Gottes verwandelt werden, damit dieses Volk, wenn es sieht, daß diese seine Heiligtümer nicht zerstört werden, den Irrglauben aus dem Herzen verbannt und, den wahren Gott erkennend und bewundernd, mit mehr Zutrauen an den Orten zusammenkommt, an die es gewöhnt ist. Und da sie viele Rinder als Opfer für die Dämonen zu schlachten pflegen, muß für sie auch daraus eine andere Feier werden: daß sie sich am Tag der Weihe oder am Tag der heiligen Märtyrer, deren Reliquien dort niedergelegt sind, Hütten aus Baumzweigen um diejenigen Kirchen bauen, die aus den Heiligtümern entstanden sind, und den Festtag mit frommen Festmahlen begehen und nicht mehr Tiere dem Teufel opfern und zum Lobe Gottes für ihr Essen Tiere schlachten und dem Geber der Dinge für ihre Sättigung Dank sagen, damit sie, wenn ihnen äußerlich einige Freuden erhalten bleiben, den inneren Freuden leichter zustimmen können. Denn zweifellos ist es unmöglich, schwerfälligem Verstand alles auf einmal wegzunehmen, da ja auch derjenige, der den höchsten Gipfel besteigen möchte, Schritt für Schritt und nicht in Sprüngen nach oben kommt .... Es ist also notwendig, daß Deine Liebe dies dem erwähnten Bruder sagt, damit er, der gegenwärtig dort eingesetzt ist, erwägt, wie er alles ordnen soll. Gott möge dich unversehrt bewahren, wertester Sohn.
    Gegeben am 17. Juli, im 19. Jahr der Herrschaft unseres Herrn Mauricius Tiberius, des allerfrommsten Augustus, im 18. Jahr nach dem Konsulat dieses Herrn, in der 4. Indiktion.


    28. Frühmittelalterliche Straffestsetzung für Zauberei, 668


    De his, qui immolant daemonibus


    Wer den bösen Geistern opfert in kleinen Dingen, tue ein Jahr lang Buße, wer in großen Dingen, 10 Jahre.
    Die Frau, die ihre Tochter aufs Dach oder in den Backofen legt zur Heilung des Fiebers, büße 5 Jahre
    Wer da, wo jemand gestorben ist, zur Gesundheit der Lebenden und des Hauses Getreidekörner verbrennt, büße 5 Jahre.
    Wenn eine Frau teuflische Zauberei oder Wahrsagerei treibt, büße sie ein Jahr, oder 120 oder 40 Tage, je nach der Größe ihrer Schuld.
    Nach der kanonischen Regel haben diejenigen, die Zeichen-, Los- und Traumdeuterei oder welch sonstige Wahrsagerei nach der heidnischen Sitte treiben oder solche Leute in ihr Haus einführen, um da ein Stück ihrer Zauberkunst auszuführen, es mit 5 Jahren zu büßen, wenn sie aus dem Klerus sind.


    Wer eine geopferte Speise verzehrt und es gesteht, soll vom Priester mit Rücksicht auf seine Person etc. beurteilt werden.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 29. Lex Baiuvariorum: Bestimmungen gegen aranscarti, frühes 8. Jahrhundert


    Titel XIII, cap. 8: Si alterius initiaverit messem / Wenn einer die Getreide-Ernte eines anderen besprochen hat.


    Wenn einer mit Zauberkünsten (maleficis artibus) eines anderen Getreide-Ernte besprochen hat (initiaverit), was man aranscarti nennt, und ertappt worden ist, der büße mit 12 Schillingen. Und er muß für ein Jahr dessen Familie, dessen ganzes Anwesen und das Vieh versorgen.


    Und wenn jener Mensch von seinem Gut in jenem Jahr verloren hat, so muß er es ersetzen. Und wenn er es leugnen wollte, muß er mit 12 Eideshelfern (sacramentalibus) schwören oder sich mit einem gegürteten Kämpfer (campione cincto) messen, das bedeutet: im Zweikampf.


    Titel XIV cap. 15. De iniuste usis
    Und wenn jemand in gesetzwidriger Weise die Kuh eines anderen gefährdet, was wir »sweizcholi« nennen, unterliegt er demselben Richterspruch.


    30. Vita Corbiniani: Der Kampf des Heiligen mit einem Zauberweib, Freising 720


    Eines Tages, als der Gottesmann in die Stadt gehen wollte, um in die Kirche der heiligen Maria, an der wir nach Gottes Willen Dienst tun, die Vesper zu feiern, kam ihm ein Bauernweib, das dem Gottesmann schon lange bekannt war, weil sie im Rufe der Zauberei stand, mit geschenktem Gut entgegen. Mit ihr gingen Männer, die Fleisch aufgepackt hatten und auch noch ein lebendes Stück Vieh führten. Als der Gottesmann die Zauberin sah, wollte er genau von ihr wissen, woher sie komme. Da behauptete das boshafte Weib, ein Sohn des Herzogs, in der Blüte der Jugend stehend, sei durch geheimnisvolle Erscheinungen böser Geister heimgesucht worden, und sie habe ihm durch ihre verdammenswerten Zaubersprüche und betrügerischen Künste die Gesundheit wieder verschafft. Der Gottesmann erschrak zutiefst über ihre Rede. Dann packte ihn der Zorn. Er sprang vom Pferd und verprügelte das alte Weib mit eigener Hand; alle Geschenke aber, die ihr gemacht worden waren, ließ er am Tor der Stadt an die Armen verteilen. Er verzichtete darauf, die Stadt zu betreten; in sein Haus zurückgekehrt, beklagte er unablässig die Wortbrüchigkeit der Herzogin. Jenes Weib aber, die Verbündete des alten Feindes wie die Schlange im Paradiese, lief, sobald sie sich wieder erholt hatte, mit zerrauftem Haar zur Herzogin und zeigte sich ihr heulend mit blutbeschmiertem Gesicht. Jene ergrimmte bei ihrem Anblick und wies mit wutverzerrten Zügen die Anwesenden auf die Spuren der Mißhandlung hin. Sie suchte mit Gift den Bischof aus dem Weg zu räumen; ihrem Manne sagte sie noch nichts davon ...


    31. Dekret des Frankenkönigs Karlmann gegen heidnische Bräuche, 742


    Wir verordnen, daß ... jeder Bischof in seiner Diözese mit Hilfe des Grafen ... darauf bedacht sei, daß das Volk keine heidnischen Bräuche pflegt ... Losdeuter und heidnische Priester, Amulette und Vorzeichen, Beschwörungen und heidnische Opfer, die dumme Menschen neben den Kirchen ..., Gott und seine Heiligen zum Zorn reizend, verüben, oder jene gotteslästerlichen Feuer, die man nied fyr nennt, sollen sie verbieten.


    32. Karl der Große zerstört das heidnische Heiligtum der Sachsen, 772


    König Karl aber beschloß, nachdem er den Reichstag zu Worms gehalten hatte, die Sachsen zu bekriegen; er zog unverweilt dahin, verwüstete alles mit Feuer und Schwert, eroberte die Feste Aeresburg und zerstörte das Götzenbild, das die Sachsen Irminsul nannten. Als er sich hier drei Tage lang bei der Zerstörung aufhielt, begab es sich, daß bei der anhaltenden heitern Witterung alle Bäche und Quellen in der Umgegend vertrockneten und gar kein Trinkwasser mehr aufzutreiben war. Um das Heer aber nicht länger vom Durst leiden zu lassen, geschah es, wie man glaubt, durch göttliche Fügung, daß eines Tags, als alles wie gewöhnlich um Mittag ausruhte, aus dem Berge, in dessen Nähe das Lager war, eine solche Wassermasse in dem Bett eines Waldstroms hervorbrach, daß das ganze Heer genug hatte. Nachdem das Götzenbild zerstört war, zog der König an die Weser und ließ sich dort von den Sachsen zwölf Geiseln stellen. Dann kehrte er nach dem Frankenlande zurück und feierte Weihnachten und Ostern in Haristall.


    33. Das sächsische Taufgelöbnis, um 772


    Widersagst du dem Teufel? Und er [der Täufling] antwortet: Ich widersage dem Teufel.
    Und allem Teufelsopfer? Er antwortet: Und ich widersage allem Teufelsopfer.
    Und allen Teufelswerken? Er antwortet: Und ich widersage allen Werken und Worten des Teufels, dem Donar und dem Wotan und dem Saxnot und allen den Unholden, die ihre Genossen sind.
    Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater? Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater.
    Glaubst du an Christ, Gottes Sohn? Ich glaube an Christ, Gottes Sohn.
    Glaubst du an den Heiligen Geist? Ich glaube an den Heiligen Geist.


    34. Dekrete Karls des Großen gegen die heidnischen Bräuche der Sachsen, 775–790


    1. Es wurde beschlossen, daß die Kirchen Christi, die nunmehr in Sachsen errichtet werden und Gott geweiht sind, keiner geringeren, sondern in höherer und größerer Ehre gehalten werden sollen, als die Heiligtümer der heidnischen Götzen ....
    6. Wenn jemand, nach Art der Heiden, getäuscht durch den Teufel, glauben würde, daß irgendein Mann oder eine Frau eine striga sei und Menschen verzehre, und sie deswegen verbrenne oder deren Fleisch zum essen gibt oder sie selbst ißt, wird mit der Todesstrafe bestraft werden ....
    8. Wer sich künftig im Volk der Sachsen ungetauft verstecken will und zur Taufe zu kommen unterläßt und Heide bleiben will, soll mit dem Tod bestraft werden.
    9. Wenn einer einen Menschen dem Teufel geopfert und nach Art der Heiden den Dämonen angeboten hat, der möge des Todes sterben ....
    14. Wenn aber jemand für diese todeswürdigen Verbrechen, die er heimlich begangen hat, freiwillig zu einem [christlichen] Priester Zuflucht genommen hat und nach abgelegtem Geständnis Buße tun wollte, soll er nach dem Zeugnis des Priesters von der Todesstrafe freigesprochen werden ....
    21. Wenn einer bei den Quellen, Bäumen oder Hainen ein Gelöbnis abgelegt hat oder etwas nach heidnischer Weise geopfert hat und zur Ehre der Dämonen speist, [der bezahle], wenn er von Adel ist 60 Schillinge, ein Freigeborener 30 Schillinge, ein Lite 15 Schillinge. Wenn sie aber nichts gehabt haben werden, woraus sie persönlich zahlen könnten, mögen sie in den Dienst der Kirche gegeben werden, bis die Schillinge abgeleistet wären.
    22. Wir befehlen, daß die Leiber der christlichen Sachsen auf die Friedhöfe der Kirchen und nicht nach den Grabhügeln der Heiden gebracht werden.
    23. Wir haben beschlossen, die heidnischen Priester [divinos] und Zauberer [sortilegos] den Kirchen und Geistlichen auszuliefern.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 35. Kanon 15 der Synode von Reisbach, Diözese Freising 799/800


    Über die Zaubersprüche, Vorzeichen und Weissagungen und über die, welche Stürme oder andere zauberische Schäden [maleficia] verüben, hat das heilige Konzil beschlossen, daß, wo auch immer man sie ergriffen haben wird, der Archypresbyter jener Diözese darauf sehen möge, daß mit sorgfältigster Prüfung festgehalten werde, wenn sie fest die Untaten bekennen, die sie begangen haben. Aber unter einer solchen maßvollen Behandlung möge [denoch] die gleiche Strenge angewendet werden, daß sie nicht das Leben verlieren, sondern im Gefängnis erhalten werden mögen, bis sie durch Gottes Eingebung die Ausmerzung ihrer Sünden geloben. Und daß sie keinesfalls aufgrund irgendwelcher Geldzahlungen von Freunden oder centenarien ohne eingehende Untersuchung entlassen werden sollten. Und wenn sie das getan haben werden, ihr Archypresbyter, wenn sie das erfahren haben werden, mögen sie keinesfalls wagen, es dem Bischof zu verheimlichen, und sie sollen von den Bischöfen, wie es billig ist, dafür belangt werden.


    36. Canon Episcopi: Der Irrglaube vom Unholdenflug, um 900


    Die Bischöfe und deren Diener sollen mit allen Kräften darauf hinarbeiten, daß sie die schädliche und vom Teufel erfundene böse Zauberei aus ihren Gemeinden völlig auslöschen, und wenn sie einen Mann oder eine Frau in der Nachfolge eines derartigen Verbrechens finden, sollten sie den schändlich Entehrten aus den Pfarreien hinauswerfen ...


    Auch jenes darf nicht übergangen werden, daß gewisse verbrecherische Frauen, wenn sie sich wieder dem Satan zugewandt haben und durch Täuschungen und Trugbilder der Dämonen verleiten ließen, glauben und beteuern, sie ritten zu nächtlicher Stunde mit der heidnischen Göttin Diana [oder mit Herodias] und einer unzähligen Menge von Weibern auf gewissen Tieren und durchmessen im Schweigen der tiefen Nacht viele Räume der Erde. – Sie gehorchten Dianas Befehlen wie einer Herrin und würden in bestimmten Nächten zu deren Dienst gerufen. Aber wenn diese nur alleine in ihrer Untreue zugrundegegangem wären und nicht noch viele Menschen mit sich in den Untergang des Unglaubens gezerrt hätten. Denn eine ungezählte Menge meint – durch diese falsche Meinung getäuscht –, dies sei wahr, und weicht, indem sie dies glaubt, vom Weg des wahren Glaubens ab und fällt in den Irrtum der Heiden zurück, weil sie meint, es gebe etwas Göttliches oder eine Wundermacht außerhalb des einen Gottes. Deshalb müssen die Priester in den ihnen anvertrauten Gemeinden dem Volk mit allem Nachdruck predigen, daß sie erkennen, daß dies in jeglicher Weise falsch sei und daß nicht vom göttlichen, sondern von einem bösen Geist solche Trugbilder den Gläubigen aufgedrängt würden. Wenn aber Satan selbst, der sich in die Gestalt eines Lichtengels verwandelt, den Sinn jeglichen Weibchens in Beschlag genommen und dieses sich durch tiefsten Unglauben unterjocht hat, dann wandelt er sich sofort in die Erscheinung und Ähnlichkeit verschiedener Personen und und führt den Gefangenen durch jegliche Abwege, indem er ihn im Schlaf verspottet, bald Heiteres, bald Trauriges zeigt, bald bekannte, bald unbekannte Personen. Und wenn er das zuläßt, vermutet der Ungläubige, dies geschehe nicht im geistigen, sondern im körperlichen Bereich. Denn wer wird nicht im Schlaf und durch nächtliche Gesichte außerhalb seiner selbst geführt und sieht vieles im Schlaf, was er im Wachsein nie gesehen hat? Wer aber ist so dumm und abgestumpft, daß er glaubt, dies alles, was allein im geistigen Bereich geschieht, gehe auch körperlich vor sich? Zumal der Prophet Ezechiel die Erscheinungen des Herrn im Geiste, nicht im Körper sieht, und der Apostel Johannes sieht und hört, wie er selbst sagt, die apokalyptischen Zeichen im Geiste, nicht körperlich: »Sogleich war ich im Geiste.« Und Paulus wagt nicht zu sagen, er sei im Körper entrückt worden.


    37. Burchardus: Corrector sive medicus, Worms um 1010


    a) Überreste heidnischen Glaubens


    63. Machtest du Zauberbinden oder Zaubersprüche und sonstige Zaubereien, wie jene verschiedenen Verzauberungen, die gottlose Menschen, die Schweinehirten oder Ochsentreiber, bisweilen auch die Jäger ausführen, indem sie Teufelssprüche über Brod, Kräuter oder verschiedene Bäuschen sprechen und sie entweder in einem Baum verstecken oder auf einem Kreuzweg hinlegen, damit ihre Tiere, besonders die Hunde von der Pest und der Seuche verschont bleiben, die anderen sie aber bekommen? ...
    66. Kamst du zum Beten an einen anderen Ort als in die Kirche oder an einen vom Bischof oder Priester geweihten Ort, nämlich zu Quellen oder zu Felsen oder zu Bäumen oder auch zu Scheidewegen, und nahmst du ein Licht oder eine Fackel mit und zündetest du sie an zur Verehrung des Ortes, oder trugst du Brot oder eine andere Opferspeise weg, oder verzehrtest du sie dort, oder suchtest du irgendwelches Heil für deinen Leib oder deine Seele? Tatest du es oder stimmtest du zu, büßest du es 3 Jahre lang ...
    69. Glaubtest du, es gäbe Frauen, die durch allerlei böse Künste und Zaubersprüche den Sinn gewisser Menschen umändern, Haß in Liebe, Liebe in Haß verwandeln oder das Vermögen anderer Menschen durch ihre Zaubermittel sich verschaffen könnten? Glaubtest du es oder stimmtest du zu, büßest du es ein Jahr lang.
    70. Glaubtest du, es gäbe Frauen, die es bewirken können, was manche, vom Teufel Betörte notwendig und pflichtgemäß tun zu müssen versichern, nämlich daß sie mit einer Schar von Dämonen in Weibergestalt, welche die Torheit des Volkes hier die »striga Holda« nennt, in gewissen Nächten auf gewissen Tieren ausreiten, und sich deren Gemeinschaft zuschreiben lassen? Wenn du an diesem Aberglauben teilhattest, büßest du es 1 Jahr lang.


    b) Bestrafung von Wahrsagern und Zauberern


    Weissager, welche zukünftige Dinge zu wissen vorgeben, sollen gepeitscht und dann aus dem Bezirke ausgewiesen werden, und Jeden soll der Bann treffen, der Wahrsager und Zauberer zu Rathe gezogen hat; aus der Kirchengemeinschaft sollen ausgeschlossen werden Zauberer, Wettermacher oder solche, welche durch Anrufung von Dämonen die Gemüther der Menschen verändern zu können glauben; Weiber, welche solches thun und vorgeben, sie können die Gesinnung der Menschen, den Haß in Liebe, die Liebe in Haß umändern, und daß sie Nachts auf Thieren reiten, sollen aus der Pfarrei ausgewiesen werden; die Priester sollen die Gläubigen belehren, daß Zauberkünste den Menschen in einer Krankheit keine Heilung verschaffen, ebenso wenig die Thiere vor Krankheit und Tod schützen können, sondern daß sie Fallstricke und Nachstellungen des alten Feindes sind, durch welche er das gläubige Volk zu berücken strebt. Sollte sich gleichwohl Jemand ein Verbrechen hierin zu Schulden kommen lassen, so soll er, wenn er Priester ist, degradirt, wenn Laie, gebannt werden.


    38. Zerstörung der Heiligtümer der Elbslawen durch den Bischof von Lübeck, Januar 1156


    Es traf sich aber, daß wir auf unserem Zuge in einen Wald kamen, welcher der einzige in jenem Lande ist; denn dasselbe besteht ganz aus einer Ebene. Da sahen wir unter sehr alten Bäumen heilige Eichen, welche dem Prove, dem Gotte jenes Landes, geweiht waren; diese umgab ein freier Hofraum und ein sehr sorgfältig aus Holz gebauter Zaun, in dem sich zwei Pforten befanden. Denn außer den Hausgöttern und den Götzen, die jedes einzelne Dorf im Überfluß hatte, war dieser Ort das Heiligtum des gesamten Landes, und für denselben ein besonderer Oberpriester, sowie besondere Feste und verschiedene Arten von Opfern bestimmt.


    Dort pflegte am zweiten Tage jeder Woche das Volk mit dem Priester und dem Fürsten zum Gerichte zusammenzukommen. Der Eintritt in den Hofraum war allen verwehrt, außer dem Priester und denen, die opfern wollten, oder die von Todesgefahr bedrängt wurden; denn diesen wurde Schutz und Zuflucht hier niemals verweigert. Die Slaven haben nämlich solche Ehrfurcht vor ihren Heiligtümern, daß sie nicht dulden, daß der Bezirk eines solchen mit Blut, sei es auch von Feinden, befleckt werde. Zum Eid lassen sie es selten kommen; denn schwören ist bei ihnen beinahe so viel wie sich verschwören, nämlich den rächenden Zorn der Götter auf sich herabrufen.


    Die Slaven haben vielerlei Götzendienst; denn sie stimmen nicht alle in derselben Art von Aberglauben überein. Die einen stellen nämlich phantastische Götzenbilder in den Tempeln zur Schau aus, wie z.B. das Götzenbild zu Plön, welches sie Podaga nennen; andere bewohnen Wälder und Haine, wie der Gott Prove zu Aldenburg; von solchen gibt es keine Bilder. Viele Götzen stellen sie auch mit zwei, drei oder noch mehr Köpfen dar.


    Bei aller Mannigfaltigkeit derjenigen Götter aber, denen sie Fluren und Wälder, Leiden und Freuden zuschreiben, leugnen sie doch nicht, daß ein Gott im Himmel über die übrigen herrsche; dieser vor allen gewaltige aber, sagen sie, sorge nur für die himmlischen Angelegenheiten, die anderen aber gehorchen ihm, indem sie die ihnen von ihm übertragenen Ämter verwalten; sie seien aus seinem Blute entsprossen, und jeder Gott stehe um so höher, je näher er diesem Gott der Götter stehe.


    Als wir an diesen Hain und an diesen Ort der Unheiligkeit kamen, ermahnte uns der Bischof, daß wir tüchtig daran gehen möchten, den Hain zu zerstören. Er selbst sprang vom Pferde und zerschlug mit seinem Stabe die ausgezeichnet verzierten Vorderseiten des Tores; darauf traten wir in den Hof und häuften alle Zäune um jene heiligen Bäume herum auf, und machten einen Scheiterhaufen, den wir anzündeten, jedoch nicht ohne Besorgnis, von den Eingeborenen überfallen zu werden; allein Gott schützte uns ...


    Am folgenden Sonntag kam das ganze Volk des Landes auf dem Markte zu Lübeck zusammen; dort fand sich auch der Bischof ein, und hielt an die versammelte Menge eine Anrede, in der er sie ermahnte, die Götzen aufzugeben und den einigen Gott, der im Himmel ist, zu verehren, und sich taufen zu lassen und den bösen Werken zu entsagen, nämlich dem Berauben und Morden der Christen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 39. ›Sachsenspiegel‹: Bestimmung gegen Zauberer, um 1225


    Swelk cristen man ungeloubich ist oder mit zoubere umme geit oder mit vergiftnisse, unde des virwunnen wirt, den sol man uph der hurt burnen.


    40. Angebliche Teufelsanbetung in Norddeutschland durch die aufständischen Stedinger Bauern, 1233


    Wenn ein Neuling aufgenommen wird und zuerst in die Schule der Verworfenen eintritt, so erscheint ihm eine Art Frosch, den manche auch Kröte nennen. Einige geben ihm einen schmachwürdigen Kuß auf den Hintern, andre auf das Maul und ziehen die Zunge und den Speichel des Tieres in ihren Mund. Dieses erscheint zuweilen in gehöriger Größe, manchmal auch so groß wie eine Gans oder Ente, meistens jedoch nimmt es die Größe eines Backofens an. Wenn nun der Novize weiter geht, so begegnet ihm ein Mann von wunderbarer Blässe, mit ganz schwarzen Augen, so abgezehrt und mager, daß alles Fleisch geschwunden und nur noch die Haut um die Knochen zu hangen scheint. Diesen küsst der Novize und fühlt, daß er kalt wie Eis ist, und nach dem Kusse verschwindet alle Erinnerung an den katholischen Glauben bis auf die letzte Spur aus seinem Herzen.

    Hierauf setzt man sich zum Mahle, und wenn man sich von ihm erhebt, steigt durch eine Statue, die in solchen Schulen zu sein pflegt, ein schwarzer Kater von der Größe eines mittelmäßigen Hundes rückwärts und mit zurückgebogenem Schwanze herab. Diesen Kater küßt zuerst der Novize auf den Hintern, dann der Meister und so fort alle übrigen der Reihe nach, jedoch nur solche, die würdig und vollkommen sind, die unvollkommenen aber, die sich nicht für würdig halten, empfangen von dem Meister den Frieden.

    Wenn nun alle ihre Plätze eingenommen, gewisse Sprüche hergesagt und ihr Haupt gegen den Kater hingeneigt haben, so sagt der Meister: »Schone uns!« und spricht dies dem Zunächststehenden vor, worauf der dritte antwortet und sagt: »Wir wissen es, Herr!« und ein vierter hinzufügt: »Wir haben zu gehorchen!« Nach diesen Verhandlungen werden die Lichter ausgelöscht und man schreitet zur abscheulichsten Unzucht ohne Rücksicht auf Verwandtschaft. Findet sich nun, daß mehr Männer als Weiber zugegen sind, so befriedigen auch Männer mit Männern ihre schändliche Lust.

    Ebenso verwandeln auch Weiber durch solche Begehungen miteinander den natürlichen Geschlechtsverkehr in einen unnatürlichen. Wenn aber diese Ruchlosigkeiten vollbracht, die Lichter wieder entzündet und alle wieder auf ihren Plätzen sind, dann tritt aus einem dunklen Winkel der Schule, wie ihn diese Verworfensten aller Menschen haben, ein Mann hervor, oberhalb der Hüften glänzend und strahlender als die Sonne, wie man sagt, unterhalb aber rauh, wie ein Kater, und sein Glanz erleuchtet den ganzen Raum. Jetzt reißt der Meister etwas vom Kleide des Novizen ab und sagt zu dem Glänzenden: »Meister, dies ist mir gegeben, und ich gebe dir's wieder«, worauf der Glänzende antwortet: »Du hast mir gut gedient, du wirst mir mehr und besser dienen; ich gebe in deine Verwahrung, was du mir gegeben hast«, und unmittelbar nach diesen Worten ist er verschwunden.

    Auch empfangen sie jährlich um Ostern den Leib des Herrn aus der Hand des Priesters, tragen ihn im Munde nach Hause und werfen ihn in den Unrat zur Schändung des Erlösers. Überdies lästern diese Unglückseligsten aller Elenden den Regierer des Himmels mit ihren Lippen und behaupten in ihrem Wahnwitze, daß der Herr der Himmel gewalttätiger, ungerechter und arglistiger Weise den Luzifer in die Hölle hinabgestoßen habe. An diesen glauben auch die Elenden und sagen, daß er der Schöpfer der Himmelskörper sei und einst nach dem Sturze des Herrn zu seiner Glorie zurückkehren werde; durch ihn und mit ihm und nicht vor ihm erwarten sie auch ihre eigene ewige Seligkeit. Sie bekennen, daß man alles, was Gott gefällt, nicht tun solle, sondern vielmehr das, was ihm mißfällt usw.


    41. ›Schwabenspiegel‹: Bestimmung gegen Teufelsbündler, Augsburg um 1240


    Ez si wip oder man, di mit zouber oder mit worten den tiuvel zu in ladent, die sol man brennen oder swelchen tot der rihtaer wil, der noch erger ist dann brennen, der mit sol im der rihtaer sinen lip nemen, wan er verlougent hat des almachtigen gots und hat sich dem tiuvel ergeben, und alle die ez wizzen und verswigent oder die ez ratent oder lerent, waerdent die des bewaert als recht ist, den sol man das houbet abslahn.


    42. Alemannisches Beichtbuch: Die »Hecse« als Ratgeberin, Anfang 14. Jahrhundert


    Oder [ob du] dih diner schœni ruomtost, das man dih deste lieber hette? unn ob du ie dehein zouber gelerntost? oder geriete? oder gehulfe? odir was das was? unn wie? unn warumbe? unn gegen weme? unn wa mite? unn wie dicke? unn ob du das tete durch holtschaft? oder durch vientschaft? unn ob du ie geloubetost an hecse? unn an lâchenerin? unn an segenerin? unn ob du tete das si dir rieten? unn ob du ie gesegent unn gelâchent wurde? oder gemezen wurde? unn ob du ie bechort wurde? unn von weme? unn wie do du gedechte? unn wie du der bechorunge widerstuonde? vaste oder kranchlich?


    43. Ruprecht von Freising: Zauberei im Stadt- und Landrechtsbuch, 1328


    Thl. I. cap. 113. Von manigerlai puess und ungericht und lasster.


    welich kristn menschnn ungelaubig sein und dy mit zauberey und mit gifft umbgenn dy sol man auf einer hurt prennen. und welicher richter dise untat nicht richt den sol sein obrister richtnn mit diser puess dy der übeltäter verschuld hat.


    44. Predigten gegen die Frauen, die glauben, mit der Diana zu fahren, Zürich Ende 14. Jahrhundert


    Hier umb sülent ellü menschen bekennen und für war wissen, das ein ieklicher mensche, wib oder man, der da haltet oder uebet solich wissagung oder losen von zǒber oder bescherten, oder luppe, oder hezze oder lachnen oder fürsehen oder messen oder der agelster schrien oder vogel sang oder brawen oder wangen iucken, oder von den bathinien oder deheiner hant das ungelǒb ist ...


    Ouch ist das nüt under wegen ze lassene oder ze übersehene das etlich meintetigü wiber, die da nach dem tüvel sathan bekert sint, und mit der tüvel verspottung und mit fantasien oder trügnüsse sint verwiset, das die glǒbent und verjehent das si selber und ein groessü mengi wiben ritten und varen mit der heiden güttinen, dü da heisset dyana oder mit herodiade, uf etlichen walttieren in der nacht stilli dur vil ertriches oder landes. Und das sie irem gebot gehorsam sien als einer gewaltigen frǒwen. Und das sü dü selb güttinne ze benemten nechten rueffe zue irem dienst. Und hie von haltent sü. Und wolti got das dis wiber allein in solicher wis verdorben weren gegen got und nüt vil mit inen gezogen und verwiset hettin in das verderben des boesen unglǒben. Wan ein unzallichü mengi ist mit diser valschen wis betrogen die da glǒbent das es war si, und damit das si es glǒbent ab dem weg gant des rechten glǒben und in gewollen werdent der sche[d]ilichen irrunge der heidenen, das si glǒben und wenen wellen, das ichtes iht goetliches oder goetlicher kraft usserthalb einem waren got si .... Alzchant wandlet er [der böse Geist] denne aber sich in gesteltnüs und in glichheit menger hant personen. Und das gemuet das er gevangen haltet, das betrüget er in dem slaf. Und offenbart im ietzent froelichü ding, denne trurigü, ietz bekam personen, den unbekant, und fuert die dur die wildinen und dur die lender. Und so der unglǒbig geist die trügnüs allein lidet, so haltet er nüt, das dis in dem gemuet gescheh, sunder in dem libe, wan wer ist der mensche der nüt in troemen und in offenbarungen oder gesichten der nechten nüt usgeleitet werde von im selben, da er slaffend meniges sicht das er wachend nie gesach oder villich[t] niemer gesicht?

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 45. Süddeutscher Beichtspiegel: Opferung an Teufel, 15. Jahrhundert


    Und versünd sich der Mensch wider das erst gepot gots menigerlei mal ... Also auch an der perchnacht [die, die] der perickh lassen sein essen oder trinckhen, das es im das selb jar wol gee und in allen dingen soll geluck haben, oder in allen dingen im gelucken soll. Zum fünften mal versünd man sich wider das erst gebot, so man ein kind oder ein gewandt opfert zu aym pilbispawm und da selbs lugel machen. Und das pilbis ist nit anders dan der teufel, Und ist darzue mercken, das die christenleich chirchen schäczt das für ein soliche grosse sündt, das all die leut, die mit dem teuffel machen ein geding, die sind all im pan ... also auch die, die im etwas opfern, und dem schrätlein oder der trat rote schühel.


    46. Der »Richterlich Klagspiegel« über Zauberer, um 1450


    Geschriben steet oben von manschlacht. So aber manschlacht underweilen mit vergifft geschieht und auch mit zauberei, darumb solt du mercken, das die, die das volk maleficos (zaubrer) nennt, und die, die sprechen das sij künnen die schwartzen kunst oder sunst andere verbotene kunst, im latein artem divinandi, sie söllen getöt werden C.l. si nemo et l. ul. divinant autem circa somnia; sy versagen oder treiben kunst aus treumen und aus vogelgeschrei und aus fliegen der vogel. Darumb heissent sy augures. Es soll sy niemant ueber sein schwell lassen geen, sy sol nyemant ratfragen, anders sy werden in insel verwisen und all ir hab gemein geteilt C.l. nemo.
    Item es sol niemant vorsagen, diviniren und solch verboten sach treiben, wann denselben soll das haubt abgeschlagen werden mit eim schwert C.l. nullus et l. nemo et l. culpa.
    Item es heissen etlich auruspices darumb das sy das weter ansehent und divinirent und vorsagent daraus.
    Es sint auch ander, die mit zauberei dem leben der unschuldigen hessig sind und das gemüt der frawen biegen und neigent zu liebe, begird und unkeuscheit. Dieselben söllen den wilden tieren fürgeworfen werden C.l. Multi, oder villeicht mit dem schwert getoet werden. C.e.l. 1, sy moechten auch mit den vorgeschriben rechten von manschlacht getöt werden ff. ad l. Cor. de sic. l. 1 § 1.
    Item zu dieser verclagung wirt ein yetlicher zugelassen, als obs crimen lese majestatis were. Wan solichs versert und verletzt über die massen die majestat. Und ein jeglicher, kein wirdigkeit oder eere angesehen, sol gepeiniget werden umb die warheit ze sagen und wirt er überwunden. Si denegat suum facinus, sit eculio deditus ungulisque sulcantibus latera proferat penas proprio facinore dignas, ut infra e.l. et si excepta. Es sol niemand kein zaubrer selber töten mit seim eigen gwalt, anders er thut zwifach argkwon und verdechtnuß wider in, eintweder er hat ein öffentlichen übeltheter ertötet umb deswillen, das er sein gesellen nit offenbar der strengkeit des rechten und in der billicher frag und erfarung in der pein entzöge und entpfürte, oder villeicht er hat sein eigen veind under einer solichen rache in solichem namen abgethan. C.e.l. ul. Welch aber das weter beschweren umb des willen, das das weter der frucht, die auf dem velde stat, nit schaden tu mit stain und kisel, das man hagel nennt, die sint nit peen sunder Ions wirdig, C.e.l. eorum § nullis vero.


    47. Michael Behaim: Meistergesang über Zauberglauben, 1460


    Hie wil ich Michel Behamer
    Mit singen machen offenber
    Wie ketzer und auch zauberer
    Manchen menschen petoeren,
    Und stellen sich doch in dem schein
    Als ob si frum und geistlich sein;
    Vil manchen si in helle pein
    Verleiten und petauben
    Mit wildem ungelauben
    Und ach artikeln mancherlei
    Und viel zauberstücken dabei.
    Daz als perüret ketzerei,
    Daz ir ein teil solt hoeren.


    Des ersten wurt euch hie benannt
    Vil ungelauben mancherhant,
    Daz mit warsagen wurt bekant
    Von den die sich an nemen
    Künftige ding zu offenbarn;
    Das sie an dem feuer ervarn
    Und an den wolken wellen larn
    Und an des windes wehen;
    Auch mein sie es zu sehen
    An dem wasser und an der erd,
    An dem sand es in kundig werd
    Und mit puncten. Hort waz geverd
    Sölhe ketzer hie gemen ...


    Auch wirt unglaub do mit bewert,
    Das man eins toten sei beswert
    Und zwingt das sie erwider vert
    Und sagt wie ir beschichte.
    Auch wird unglaub da mit gepreut,
    Daz man gelaubet daz die leut
    Zu wolfen werden. Daz sein neut
    Wan ketzerlich unglaben.
    Auch etlich glauben haben,
    Jeglichs haus hab ein schreczlin: wer
    Das ert, dem geb es gut und er;
    Auch vint man das an der
    Berecht naht seinen tisch richte.


    Etlich glaben daz kline kind
    Zu pilweissen verwandelt sind.
    Auch wie die schreczlin so geschwind
    Uf sich reiten und varen.
    Auch sprechen ir etliche me
    Von unholden, ich daz verste,
    Wie das die machen reif und schne,
    Schauren und regens giessen;
    Wie sie mit börsten schiessen,
    Und den leuten ir milch versteln,
    Und den mannen nemen ir gseln
    Und sy zu irer liebe weln
    Mit irem zauber karen ...

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • 48. Lübecker Beichtspiegel: Wetterwicken, Wechselkinder, Werwölfe, Wichtelmännchen, Hulden, Zwerge und Blocksbergritt, 1474 bis 1485


    Hast du gezaubert oder lassen zaubern, gewicket oder lassen wicken?
    Hast du geglaubt an die guten Hulden und an die Wichtelmännchen?
    Hast du nicht geglaubt an die Wetterwicken?
    Hast du keinen Unglauben gehabt, daß die Kinder wären gewechselt?
    Hast du einigen Wind gekauft von einer Zauberin? ...
    Hast du den Leuten Schaden gethan mit teuflischer Kunst?
    Hast du Zauberei oder Wickerei getrieben mit dem heiligen Sacramente?
    Hast du geglaubt, daß die Leute werden zu Wehrwölfen?
    Hast du geglaubt an die guten Hulden?
    Hast du geglaubt an die Zwerge, daß sie die Kinder wegtragen?
    Hast du geglaubt, daß die Leute fahren mit Leib und Seele bei Nachtzeit in ferne Land und werden da unter einander wohl bekannt?
    Hast du geglaubt, daß die Leute kommen des Nachts und drücken andere Leute in dem Schlafe?
    Ein jeglicher Mensch mag sich wohl bedenken und mag das offenbaren seinem Beichtvater.
    Hast du geglaubt an die guten Hulden, oder daß dich die Nachtmar ritte, oder daß du auf einer Ofengabel auf den Blocksberg rittest?
    Lieber Bruder, diese Stücke sind schwere Todsünden, und wer darin stirbt, bringt seine Seele in die ewige Verdammniß; denn den heiligen Glauben soll man nicht beschimpfen.


    Fußnoten


    1 V.I.J. Flint, The Rise of Magic in Early Medieval Europe. Oxford 1991, S. 393–407.


    2 Zur Konkurrenz von Priester und Zauberer vgl. auch Dieter Harmening, Superstitio. Berlin 1979, S. 223f.; Aaron J. Gurjewitsch, Probleme der Volkskultur und Religiosität im Mittelalter, in: ders., Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen. München 1982, S. 352–401, hier S. 366ff.


    3 Stuart Clark, French Historians and Early Modern Popular Culture, in: Past & Present (1983), Nr. 100, S. 62–99.


    4 Harmening, Superstitio, S. 43–75.


    5 Stadtarchiv Augsburg, Strafbücher 1581–1651; Wolfgang Behringer, Hexen verfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der Frühen Neuzeit. München 1987, S. 183.


    6 Wolfgang Behringer, Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar. Eine Geschichte aus der frühen Neuzeit, München 1994.


    7 Sigmund Riezler, Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Stuttgart 1896, S. 31, 71f.


    8 Joseph Hansen, Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung. Leipzig 1900, S. 190ff., 235ff., 303ff., 455ff., 508–514.


    9 Harmening, Superstitio, S. 115ff., 303ff., nach: Augustinus, De doctrina christiana, in: Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum. Wien 1886ff., Bd. 80, S. 1–169, hier Teil 2, S. 20–24. Vgl. Joseph Hansen, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns. Bonn 1901, S. 25–30.


    10 Harmening, Superstitio, S. 308–317, hier S. 317. Harmening bezieht sich auf Thomas von Aquin, Summa theologiae, Bd. II/2, c. 92–96 und Quaestiones disputatae de malo, quaestio 16, articulum 9. Weitere einschlägige Textstellen zieht Riezler, Geschichte der Hexenprozesse, S. 41f., heran. Seiner Ansicht nach muß Thomas von Aquin »als derjenige bezeichnet werden, der am meisten zur Festsetzung dieses Wahnwitzes beigetragen hat«.


    Analysen: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland (vgl. Behringer-Hexen, S. 53 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Klasse! Danke für's reinstellen!

    Ich hab noch mehr in der Art, das beschäftigt sich aber in erster Linie mit den "klassischen" Hexenprozessen, also Teufelsanbetung und Schadenszauber und natürlich Folter. Das Oben hab ich jetzt rausgepickt, weil noch viel Bezug auf vorchristliche Religion und Bräuche genommen wird. Ich Schau den rest mal durch und gucke ob ich da was interessantes finde.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.