Kultureller Zerfall

Schon gewusst…?

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  • Apropos Pizza.. was mich wirklich verwunderte, war die Tatsache, dass die Italiener in ihrem eigenen Land nicht mehr ihre eigenen Gerichte kochen können oder wollen und die selbst zubereiteten Gerichte italienischer schmecken.
    Was ist da los?

  • Apropos Pizza.. was mich wirklich verwunderte, war die Tatsache, dass die Italiener in ihrem eigenen Land nicht mehr ihre eigenen Gerichte kochen können oder wollen und die selbst zubereiteten Gerichte italienischer schmecken.
    Was ist da los?

    ist mir auch schon aufgefallen als ich in Rom war.
    Ich vermute mal, dass die Tourismus Gebiete rund um die Hotels keine italienischen Gerichte mehr mit der originalen Würze anbieten.
    Ich vermute mal da muss man schon etwas suchen oder brauch einen Geheimtipp von nem Einheimischen.
    Das gleiche gilt übrigens auch für andere typische Urlaubsländer wie Türkei.

  • Ich fahre doch in ein Land, weil ich Land, Leute und Kultur kennen lernen möchte. Warum bleibe ich, insofern ich das nicht möchte, dann eben in Deutschland und suche mir dort einen tollen Ort, um heimischen Urlaub zu machen?
    Ich war vom Italienurlaub irgendwie enttäuscht, obwohl es trotzdem sehr cool war (meine Jungs und so dabei). Es war nicht nur das Essen. Am See deutsche Touristen, die um jeden Preis die "doofen Deutschen" haben raushängen lassen müssen, ich habe mich geschämt.
    An jeder Ecke Tourianimationsprogramm a la "Ballermann".
    Nun, natürlich gabs auch die typisch regionale Landschaft. Wenigstens das. Trotzdem war ich irgendwie melancholisch betroffen.
    Ich meine: ich fahre woANDERS hin, weil es dort ANDERS ist und sein soll.
    So wie ich nicht verstehe, dass man sich in Deutschland an der Nordsee Palmen in den Garten setzt, so verstehe ich das andersherum auch nicht.
    Okay,.... ich komme vom Thema ab. Sorry fürs OT.

  • Da ich es auch in Deutschland so erlebt habe und es gerade nicht in "Was esst ihr gerade" passt, lager ich es mal aus.
    Vielleicht wird es ja wirklich ein spannendes Thema. :)

  • Ich glaube da kommt es darauf an, ob man an einem Tourismus-Spot ist oder nicht. Das Problem ist auch weniger der kulturelle Verfall des jeweiligen Landes, als vielmehr die Globalisierung (wobei das eine das andere bedingen kann).


    Warum sollte ich am tropischen Strand auf das kühle Hopfen-Malz-Getränk verzichten, das ich so gerne mag? Wenns doch eh in ein paar Stunden eingeflogen werden kann...


    Und warum sollte ich die Sprache lernen und mich mit den Gepflogenheiten der Einheimischen länger dort lebenden beschäftigen, wenn es da eh eine dauerhafte Gemeinschaft meiner Kultur gibt. Ist doch viel bequemer.


    Und im Urlaub wollen die meisten es halt bequem haben. ^^

  • Aber das, was @Kendra sagt, ist doch gerade das Problem der Deutschen und nicht beispielsweise der Italiener.
    Auf der anderen Seite zeigen aber auch die Deutschen ganz gerne Nationalchauvinismus (im Endeffekt, auch wenn es im Grunde Bequemlichkeit ist), indem sie gerne voraussetzen, dass man im anderen Land schon auch Deutsch oder zumindest Englisch sprechen wird. Wozu sich die Mühe machen und zumindest die wichtigsten Redewendungen lernen? :rolleyes:
    Ich mag das nicht. Nicht nur aus Respekt gegenüber dem Gastgeberland, sondern auch, weil man sich doch dann die ganze Zeit wie ein Fremdkörper fühlt.


    Und das mit dem Wunsch nach Bequemlichkeit kann ich halt so überhaupt nicht nachvollziehen. Ich bin da mehr bei Ravena: Wenn ich eh alles so haben will wie daheim, muss ich doch gar nicht erst wegfahren.
    Ich verstehe aber auch die Leute nicht, die All Inclusive machen. Da fährste in ein anderes Land und bist die ganze Zeit nur in der abgeschotteten Scheinwelt deines Hotels. :wirr:


    Oder auch die abgeschotteten Enklaven von Expats vermutlich jeder Nationalität in jedem Land der Welt. Warum auswandern und dann deutsche, norwegische, britische oder sonstwas für Ghettos bilden?

  • Fällt mir mein letzter Aufenthalt im Schwarzwald ein. Wollte orginalen Schinken mitbringen.
    In den Touristenhochburgen gabs nur den Aldi-Schrott.


    Der Hotelbesitzer schickte mich zu einem Metzger im Dorf.
    Das war Qualität.


    Und für mich ein Grund im Urlaub die Touristenfallen zu meiden und das Drumherum zu erforschen.

  • Ich finde es auch schlimm, wenn man ein Land besucht und sich überhaupt nicht auf die Kultur und Gewohnheiten des Landes einlässt.
    Ganz furchtbar sind die Leute, die dann nur darüber motzen, dass alles nicht so gut wie zu Hause ist.
    Einen schlimmen Fremdschämmoment hatte ich in der Bretagne, als eine deutsche Familie lautstark auf eine arme Verkäuferin einredete, natürlich auf Deutsch, und sich darüber beschwerte, dass das Brot viel zu weich war, man wolle „richtiges“ Brot. Oh welch Klischee!


    Dass dann die Touristenorte ihre Angebote dem Geschmack der Besucher anpassen, ist ja eigentlich logisch.

  • Es scheint als ob eine Blase über der Vergangenheit liegen soll. So als hätte es bestimmte Dinge zwar gegeben, aber wir überlassen sie eben einfach dem Zahn der Zeit.. bis es gänzlich in Vergessenheit geraten ist.
    So kann man Geschichte natürlich auch vertuschen. Irgendwann weiss niemand mehr, warum vor der alten Schule ein Kirschbaum gepflanzt wurde, irgendwann weiss man nicht einmal mehr, dass da überhaupt mal ein Kirschbaum stand.


    Wozu diente in alten Zeiten dieses und jenes Gebäude? Wer wohnte darin? Schlimmer noch.. irgendwann, weiss niemand mehr, dass dort vielleicht mal ein Gebäude stand, das historischen Wert hatte. Es mag ja Kirchenbücher geben, aber da steht auch nur die Hälfte drinnen, aber zu den einzelnen Geschichten von Dörfern und Städten? Da wird wohl nur das übrig bleiben, was sich sowieso schon in die großen Sagenbücher durchgesetzt hat.

  • Wozu diente in alten Zeiten dieses und jenes Gebäude? Wer wohnte darin? Schlimmer noch.. irgendwann, weiss niemand mehr, dass dort vielleicht mal ein Gebäude stand, das historischen Wert hatte.


    Die Bürgerinitiative eines kleines Fachwerkdörfchen an der Düssel hat da etwas ganz wunderbares gemacht, indem sie an jedem Haus eine Tafel angebracht haben, wann es erbaut wurde und wozu es früher diente. Dorfschmiede, Schule, Gemeindehaus, Pfarrhaus usw.
    Eigentlich echt kein Aufwand, schafft aber Bewusstsein. ^^

  • Geschichtsunterricht bspw. warum wird sowas nicht in den Schulunterricht eingeführt? Oder hatte das jemand von euch? Also ich nicht.

  • Erlebe ich immer wieder in den Hotels im Ausland, dass Deutsche sehr oft auf ihren heimatlichen Gewohnheiten bestehen wie z.b. langweilige Semmeln, Schinken, Marmelade und vielleicht noch ein weich gekochtes Ei zum Frühstück. Schon so einige Diskusionen erlebt, wo deutsche Gäste sich im Ausland beim Hotelpersonal lautstark über die Angebote zum Frühstück beschwerten, da sie sich unbedingt ihren gewohnten Frass einbildeten statt sich auf regionale Kost einzulassen. Ich finde so was furchtbar und muss mich da immer fremdschähmen.


    Meine Frau und ich suchen uns im Ausland immer Restaurants aus, wo auch die Einheimischen zum Essen gehen und weniger die Touristen.

    »Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit.«
    (Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770 - 1831)

  • Geschichtsunterricht bspw. warum wird sowas nicht in den Schulunterricht eingeführt? Oder hatte das jemand von euch? Also ich nicht.


    In der Grundschule hatte ich mal ein bisschen was zur Stadtgeschichte, war aber auch eine politisch unkorrekte Schule. Da kam sogar der Jäger und hat ausgestopfte Tiere präsentiert, damit die Kinder sie mal gesehen haben. 8o


    Auf weiterführenden Schulen? Regionalgeschichte? Haha guter Witz.


    Man braucht sich nicht einzubilden, dass die Geschichte bei uns vorbei wäre. Die Mächtigen haben immer versucht eine nützliche Ideologie in die Köpfe ihrer Untertanen zu pflanzen und so auch heute.
    Nur jetzt ist das eben Kosmopolitismus.
    Wir würfeln die gut ausgebildeten Leute aus dem einen Land mit den schön billigen Arbeitern aus dem anderen Land zusammen und verkaufen dann (offiziell) in einem dritten Land, wo wir die wenigsten Steuern zahlen. Klappt nicht gut, wenn Leute an ihrer Heimat hängen, den Wohnort nicht gerne wechseln wollen oder gar erwarten, dass für ihre Region auch was raus springt.
    Seiner Heimat kann man aber nur verbunden sein wenn man sie kennt... also wo setzt man die Axt an?


    Ein Dekan hat uns mal erzählt, dass es als Misserfolg gilt, wenn eine Universität ihre Studenten vor allem aus ihrem näheren Umfeld bezieht. Internationalität ist das Diktat, regionale Gefühlsduselei steht da nur im Weg.

  • Also ich weiss nur, dass wir immer im größeren Umkreis "unsere" Kultur gesucht haben. Baron Münchhausen, der Rattenfänger von Hameln, Aschenputtel, Schneewittchen...
    Das war auch schön und gut, aber hatte jetzt eher weniger mit der Geschichte des Dorfes an sich zu tun.


    Zudem finde ich Unterricht immer so zusammenhangslos. Allgemein. Nimmt man in Geschichte meinethalben die eigene Stadt, das eigene Dorf durch, sollte man das in Erdkunde genauso handhaben. Und Deutsch.. Biologie.


    [irony]Und nein mit Biologie des Dorfes meine ich nicht: "Wer hat mit Frau Meier geschlafen?" [/irony]

  • Ich hatte noch das Glück, Geschichtsunterricht zu geniessen wie es eigentlich sein soll. Unser Geschichtslehrer fing mit der Ur-und Frühgeschichte an - die Museumsbesuche waren jedesmal spannend für mich - und machte kontinuierlich weiter. Wobei die Zeit ab Gröfatz nur kurz angerissen wurde.


    Als meine Kinder in die Schule kamen, war es genau umgedreht - da hat es offensichtlich vor 1900 keinerlei kulturgeschichtliche Entwicklung gegeben, die im Lehrplan Gnade gefunden hätte. Doch die Ära Gröfatz wurde in Dauerschleife gepaukt.
    Also bekamen meine Kiddies von mir Geschichtsunterricht verpasst, der ihnen richtig Spass machte. :)
    Und was heute in den Schulen als Geschichtsunterricht gelehrt wird, da wage ich nicht drüber nachzudenken.


    Und zum Thema Land und Leute kennenzulernen: Da brauch ich gar nicht bis ins Ausland schauen. So mancher Einheimische kennt die Shoppingmeilen in den grösseren Städten oder den Weg zu Supermarkt besser als das eigene Dorf, in dem er lebt.


    In der Zeit, in der ich noch viel unterwegs war hab ich festgestellt: Am besten lernte ich Land und Leute kennen, wenn ich gewandert bin oder mit dem Radl unterwegs war.
    Da bekam ich Sachen zu sehen, die krieg ich im Auto kaum oder gar nicht mit. Und leichter Kontakt zu den Einheimischen fand ich dadurch allemal.


    Ich kann mich noch an eine Fahradtour durch die Eifel erinnern. In einem kleinen Dörfchen machte ich Pause unter der Dorflinde. Nach einer Weile kam aus einem Haus, das gegenüberstand, eine Frau, die sich zu mir setzte und mich anfing auszufragen wo ich herkomme und wo es hingehen soll.
    Irgendwann brachte sie mir einen Pott Kaffee mit Milch und Zucker und ein Stück selbstgebackenen Rührkuchen.
    Und dann fing sie an von der Gegend zu erzählen. Und gab mir auch noch ein paar Tips, wo ich unbedingt noch vorbeischauen sollte.
    An diesem Nachmittag habe ich sehr viel über die dortigen Einheimischen und ihre Geschichte erfahren. Und ein paar sehr interessante Sehenswürdigkeiten entdeckt.


    Und wenn ich heut irgendwo bin und wirklich Land und Leut und auch deren Küche - bin halt ein Leckermaul!- kennenlernen will, geh ich wandern. :D


    Merle

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