Eine Frage zur Christianisierung

Schon gewusst…?

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  • Hallo,


    Ich hätte mal ne Frage zur Christianisierung.
    Es wird ja immer gesagt Germanen bzw. die Nordmänner hätten das Christentum angenommen weil ihnen die Vorstellung vom "Himmel" gefallen hat.


    Ist das überliefert oder ist das eine moderne Theorie?

  • Ich glaube mich errinnern zu koennen, dass die meisten Uebertritte von irgendwelchen Herrschen entweder durch Gewalt/Außenpolitik vollzogen wurden oder auch einfach durch Innenpolitische Ueberlegungen zustande kommen.
    Wenn die Mehrheit der Bevoelkerung bereits christlich ist, dann ist es einfacher als christlicher Herrscher...


    Schaetze diese Sichtweise, also der Himmel ist so toll, als eine reine "romantische" Theorie ein.


    P.S.: Da war ja noch die Sichtweise, dass der christliche Gott allmaechtig war und somit der bessere Unterstuetzer war. Was fuer Herrscher vor Schlachten/Kriege natuerlich sehr verfuehrerisch wirken kann oder auch der einfache der Bauer, der damit zu beeindrucken war. Die großen Uebertritte sollten aber politisch motiviert worden sein.

  • Wie und warum die Christianisierung erfolgt ist, lässt sich nicht allgemein sagen.


    Manche Könige ließen sich aus Machtgründen taufen und zwangen die Bevölkerung, es ihnen gleichzutun. Denn im Christentum wurde ihre Herrschaft als ,,von Gott gegeben" legitimiert. Ein Beispiel hierfür ist Olaf Tryggvason.


    Manche Herrscher wurden tatsächlich christlich und ließen das Volk von Missionaren bekehren.


    Andere Privatpersonen ließen sich wegen der Taufgeschenke taufen. Bei den Chatten, glaub ich, gab es damals für jeden neuen Täufling ein Leinenhemd. Sehr viele ließen sich nur taufen, um das Hemd abzusahnen. Es wird sogar berichtet, dass manche Heiden sich deshalb bis zu sieben Mal haben taufen lassen.... und diese Leute waren dann keine überzeugten Christen.


    Manchen hat vielleicht tatsächlich gefallen, dass bei den Christen jeder in den Himmel kommt. Ohne reiche Grabbeigaben etc...


    Ich persönlich glaube aber, dass das eher wenig gewesen sind.


    Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass einige Heiden sich nicht taufen lassen wollten. Zum Beispiel der Friese Radbod, der vor dem Taufbecken im letzten Moment die Taufe verweigerte.



    Wenn mir noch mehr einfallen sollte, schreib ich noch mehr.... ;) :thumbup:

  • Damals geschah das selbe, das jetzt auch passiert. Die bestehende Religion überholt sich selbst, ist abgenudelt und wird langweilig.
    Dann kommen rhetorisch enorm geschulte Vertreter einer neuen, verbesserten Religion. Einer Religion der Unterschicht. Und die war zu dieser Übergangszeit nunmal gewaltig. Eine Religion mit Heilsversprechen war damals was absolut Neues: Ganz egal, was du für Scheisse auch bauen magst, erzähls deinem Mönchlein und alles ist vergeben und vergessen, das neue, verbesserte Walhalla reloaded ist dir auf alle Fälle sicher und steht plötzlich jedermann offen. Ohne, dass du dich groß anstrengen musst. Und dort sind König und Bettler gleich, keinem fehlts an was.
    Dazu kommt noch die Neugier der Menschen auf alles, das neu ist und ihnen angepriesen wird.
    Die Botschaft des Urchristentums ist ja so falsch nicht. Der Mist ging erst später, weit nach der Christianisierung los. Und so hatten die ersten Missionare relativ leichtes Spiel. Zumindest diejenigen, die nicht auf Opfersteinen landeten.. ;)

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • Tatsächlich muss das (Ur)christentum auf die Unterschichten, die sozial Schwächeren, die sozial Abgehängten attraktiv und eindrucksvoll gewirkt haben, auf jene die vom Ahnenkult oder von den Kulten der herrschenden Schicht ausgeschlossen waren, die dazu noch vom Schutz eines Stammes oder einer Familie ausgeschlossen waren. Die christliche Gemeinschaft war da doch wie ein Surrogat, der christliche Gott ein wahres Wunder: allmächtig, mächtiger also als die Heidengötter, und dennoch soll er einen jeden einzelnen Menschen geliebt haben. Das war eine Vorstellung, die den Heiden (jedenfalls den Mediterranen, bei den Germanen mag es meinetwegen ganz anders gewesen sein) fremd war. Das traditionelle Bild der Götter wurde von der Mythologie bestimmt, von der Dichtkunst. Die Götter waren mächtige Wesen und zudem unsterblich, doch es gab der Mythologie nach seitens der Götter keine Pflicht gegenüber den Menschen. Die Menschen konnten das Wohlwollen eines oder mehrerer Götter erlangen durch die regelmäßige kultische Verehrung, durch Gebete und Opfergaben usw. Und hin und wieder sollen die Götter besondere Menschen ausgewählt haben und unter ihrem Schutz gestellt haben, diesen oftmals auch ein paradiesisches Nachleben beschert haben. Doch das waren eher die Ausnahmen. Konkurrenz bekamen die traditionellen mythologisch erklärten Stammes- und Staatsgötter zunächst von den Göttern der Mysterienkulte, wie da wären Isis und Mithras. Ähnlich wie Christus waren auch Isis und Mithras in den Augen ihrer Anhänger allmächtig und zugleich wie liebende und fürsorgliche Eltern und bescherten ihren Anhängern ein besseres Leben im Dies- wie im Jenseits. Doch man musste in ihren Kulten eingeweiht werden, musste das geheime Wissen erlangen und verstehen. Christus gestaltete alles einfacher, vereinfachte die Rituale und Zeremonien, vereinfachte alles auf den einfachen Glauben. Mehr nicht (zunächst). Glauben und aufrichtiges Bereuen und leben nach den Geboten Christi.

  • Ein interessanter Roman dazu ist vielleicht Quo Vadis. Spielt zur Zeit Neros und zeigt gewissermaßen die Christianisierung einiger römischer Patrizier und natürlich der Sklaven. Ist natürlich keinesfalls wissenschaftlich, aber wenn man die Attraktivität mal anschauen möchte, finde ich es ganz gut dargestellt. ^^

    "Egal was passiert, du darfst niemals so tief sinken,

    den Kakao durch den sie dich ziehen, auch noch zu trinken!" :D

  • Ein guter Roman, warum sich die Wikinger haben taufen lassen ist "Die Abenteuer des Röde Orm".


    Ansonsten funktionieren die Menschen doch leider recht einfach, eine kleine Lüge hier, ein kleines Versprechen da, die Aufnahme in eine neue exklusive Gruppe und schon vergessen sie was ihnen eins lieb und teuer war...

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Damals geschah das selbe, das jetzt auch passiert. Die bestehende Religion überholt sich selbst, ist abgenudelt und wird langweilig.
    Dann kommen rhetorisch enorm geschulte Vertreter einer neuen, verbesserten Religion. Einer Religion der Unterschicht. Und die war zu dieser Übergangszeit nunmal gewaltig. Eine Religion mit Heilsversprechen war damals was absolut Neues: Ganz egal, was du für Scheisse auch bauen magst, erzähls deinem Mönchlein und alles ist vergeben und vergessen, das neue, verbesserte Walhalla reloaded ist dir auf alle Fälle sicher und steht plötzlich jedermann offen. Ohne, dass du dich groß anstrengen musst. Und dort sind König und Bettler gleich, keinem fehlts an was.
    Dazu kommt noch die Neugier der Menschen auf alles, das neu ist und ihnen angepriesen wird.
    Die Botschaft des Urchristentums ist ja so falsch nicht. Der Mist ging erst später, weit nach der Christianisierung los. Und so hatten die ersten Missionare relativ leichtes Spiel. Zumindest diejenigen, die nicht auf Opfersteinen landeten.. ;)

    Sehe ich ähnlich. :thumbup:
    Nun zu Deinem letzten Satz: Zumindest diejenigen, die nicht auf Opfersteinen landeten.. ;)

    Und wenn nur einer von denjenigen, die nicht geopfert oder erschlagen wurden es schaffte und bei oder in der Nähe dieser heiligen Stätten vom christlichen Gott predigte und nicht von den Göttern sofort gestraft wurde dafür - das machte schnell die Runde denke ich und beeindruckte so manchen Göttergläubigen.


    Weisst, ich hab mir mal versucht vorzustellen, wie ich reagieren würde, wenn ich in so einer Sippe leben würde und dann käme so ein Mönchlein daher und würde im Stammesheiligtum rhetorisch brilliant von seinem allmächtigen Gott predigen und nix passiert - kein Blitz, der den Frevler niederstreckt etc.
    Und wenn das dann die Runde macht und die Machtlosigkeit meiner Götter so gekonnt unterstrichen wird....


    Zur damaligen Zeit hat man halt auf solche Sachen sehr geachtet, denke ich.. Da waren "machtlose" Götter schnell "Geschichte".
    Ob es so war, weiss ich nicht, ist nur ein Gedanke von mir.


    Merle

  • Zitat von Merle

    dann käme so ein Mönchlein daher und würde im Stammesheiligtum rhetorisch brilliant von seinem allmächtigen Gott predigen und nix passiert - kein Blitz, der den Frevler niederstreckt etc.

    Och, mir würde das nichts ausmachen. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Strafen der Götter sich nicht sofort, sondern in einem ganzen Zeitraum ereignen....

  • Och, mir würde das nichts ausmachen. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Strafen der Götter sich nicht sofort, sondern in einem ganzen Zeitraum ereignen....

    Ich sehe das heute auch ein bisschen anders. :)


    Ich denke zu allen Zeiten - auch heute! - haben "Seelenfänger" und "Heilsbringer" Erfolge, wie man immer wieder sieht.
    Und wenn vielleicht auch grad noch die Sippenoberhäupter etc. sich für den "stärkeren Gott" zu interessieren begannen, ist mancher da automatisch mitgezogen - so wie es heute auch noch läuft.


    Merle

  • Zitat von Merle

    Und wenn vielleicht auch grad noch die Sippenoberhäupter etc. sich für den "stärkeren Gott" zu interessieren begannen, ist mancher da automatisch mitgezogen -

    Die haben allein schon deshalb mitgezogen, weil sie ihrem Anführer durch ihren Treueeid zur Gefolgschaft verpflichtet waren...


    Deshalb haben sich die Missionare ja so darum bemüht, möglichst einflussreiche Herren für sich zu gewinnen. Bonifatius wurde ja auch durch einen christlichen Herrscher gedeckt, als er die Donareiche fällte. Darauf wäre eigentlich die Todesstrafe gestanden, aber jener Herrscher bedrohte alle mit dem Tod, die an Boni und seinen Helfern Hand angelegt hätten.


    Einfache Sache: der Anführer sagt wo es langgeht. Auch was die Religionszugehörigkeit angeht.

  • Ein interessanter Roman dazu ist vielleicht Quo Vadis. Spielt zur Zeit Neros und zeigt gewissermaßen die Christianisierung einiger römischer Patrizier und natürlich der Sklaven. Ist natürlich keinesfalls wissenschaftlich, aber wenn man die Attraktivität mal anschauen möchte, finde ich es ganz gut dargestellt. ^^

    Ein wirklich wunderbarer Roman, gehört absolut zu meiner Lieblingslektüre, doch man sollte ihn mit Vorsicht genießen. Henryk Sienkiewicz war einer der Schriftsteller des 19. Jh., die das römische Reich als Kulisse zu einer (erneuten) Hinwendung zum Christentum nahmen, zudem verwebte er den Stoff auch mit nationalromantischen Gefühlen. Die Protagonistin Lygia, die vorbildliche Christin mit der Schönheit einer heidnischen Göttin, steht bei Sienkiewicz für sein Heimatland Polen. Die Lygier waren ein Volksstamm, der auf dem Territorium des heutigen Polens siedelte (interessantes Off-Topic: wer sich die Müße machen möchte: im deutschen und englischen Wikipediaartikel wird der Stamm der Lygier eindeutig als ostgermanisch bezeichnet. Auf dem polnischen und russischen Wikipedia ist das nicht so eindeutig...)


    Es gibt noch andere solcher Romane: Die letzten Tage von Pompeji von Edward Bulwer-Lytton aus 1834 beispielsweise. Davon gibt es auch eine wunderschöne Verfilmung aus dem Jahre 1984, mit wirklich eindrucksvollen Bildern einer antiken italienischen Stadt und der schönen Schauspielerin Olivia Hussey in der Rolle der angehenden Isis-Priesterin und späteren Christin Ione.




    Und wenn nur einer von denjenigen, die nicht geopfert oder erschlagen wurden es schaffte und bei oder in der Nähe dieser heiligen Stätten vom christlichen Gott predigte und nicht von den Göttern sofort gestraft wurde dafür - das machte schnell die Runde denke ich und beeindruckte so manchen Göttergläubigen.


    Zur damaligen Zeit hat man halt auf solche Sachen sehr geachtet, denke ich.. Da waren "machtlose" Götter schnell "Geschichte".
    Ob es so war, weiss ich nicht, ist nur ein Gedanke von mir.

    Zumal dieses Auftreten ja irgendwo sogar in das heidnische Denken passte. Der heimliche Wunsch der Menschen, sich mit den Göttern zu messen, der ist ja latent anwesend in den Mythen. Mir fallen zwar nicht direkt nordische Mythen dazu ein... Vielleicht die von Mundilfari und seinen Kindern... aber die Griechen erzählten sich genug Geschichten von Menschen, die sich mit den Göttern messen wollten. Bellerophon, Orion, Tantalos, ...

  • Daher, auch wenn es für uns, die wir die alten Götter gern haben und sie verehren, wohl eher eine unangenehme Erkenntnis ist, so wird das Christentum für einige Heiden wohl auch wie eine Befreiung gewesen sein.

  • Ich meine gehört zu haben, sie hatten die Wahl zwischen Tot, und Christentum.



    Wobei ja auch bei denn Heidenvölkern der Tot nicht das ende ist. Darum versteh ich nicht, wie das Himmel Argument hätte was ändern sollen, an ihrem glauben.


    Ob Wallhal oder am Göttertisch, der tot war nicht das ende.

  • Es wird ja immer gesagt Germanen bzw. die Nordmänner hätten das Christentum angenommen weil ihnen die Vorstellung vom "Himmel" gefallen hat.


    Ist das überliefert oder ist das eine moderne Theorie?


    Das kommt aus Bedas Kirchengeschichte des englischen Volkes (7. Jhd.)


    In Northumbrien, Nordengland, soll ein angelsächsischer König mit seinen Häuptlingen über die Annahme des Christentums beraten haben, einer der Häuptlinge habe folgendes zu bedenken gegeben:



    "Wenn ich, o König, dieses Leben der Menschen auf Erden hier vergleiche mit der langen Zeit, über die wir nichts wissen, dann scheint es mir so: Du sitzest zur Winterszeit beim Mahl mit Deinem Gefolge und Deinen Dienern. Mitten in der warmen Halle brennt das Feuer, draußen aber toben die winterlichen Schnee- und Regenstürme durchs Land. Da fliegt ein Sperling herein und huscht schnell durch die Halle; kaum ist er zur einen Tür drinnen, ist er zur anderen schon wieder hinaus: In der Zeit wo er in der Halle ist, treffen ihn die Winterstürme nicht, dann aber entschwindet er, aus dem Winter kommend und in den Winter zurückkehrend, Deinen Augen. So ist auch einigermaßen deutlich, was dieses Leben ist: Was ihm folgt und was ihm vorausgegangen ist, davon wissen wir nichts. Wenn also diese neue Lehre darüber etwas Sicheres berichtet, dann verdient sie, wie mir scheint, dass wir ihr folgen."
    Beda, Historia ecclesiastca gentis Anglorum II, c. 13



    Simek schreibt dazu, daher ist es in der Heidenszene recht bekannt. ^^


    Neben der etwas unklaren Lage im Heidentum was das Jenseits angeht, muss man ja auch bedenken, dass das was den Kindern erzählt wird, "Sei lieb und du kommst in den Himmel" eine starke Verkürzung der christlichen Lehre ist. Eigentlich geht es ja darum, dass diese Welt bald untergeht und das Himmelreich auf Erden entstehen wird, in dem es für die Christen kein Leid und keinen Tod mehr gibt.
    Den Verfasser der Völuspa hat das offenbar so imponiert, dass er dieses Motiv mit eingewoben hat.





    Und das hier ist eines der ältesten Kirchenlieder. Da kann man einen gewissen Fokus erkennen, glaube ich. :ugly:


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