Aberglaube: Dreiblumensegen

Schon gewusst…?

Allsherjargode (Allsherjargoði) ist eine isländischer Titel. Das es diesen Titel im germanischen Glauben außerhalb Islands gab, ist sehr unwahrscheinlich und nicht belegt.

  • Dreiblumensegen1). Der Zweck dieses in Deutschland äußerst beliebten Segens ist in der Regel Blutstillung2), seltener Diebe oder Feinde3) zum Stehen zu bringen oder (s.u.) die »Rose« zu besegnen. Der älteste Beleg ist französisch (der einzige in dieser Sprache?) aus der Schweiz vom Jahre 1429: »Sur lai fosse nostre seigneur Ilia trois fleurs: l'une de grace, l'autre de volunté et l'autre por li sanc guarir« (etc.)4). – Deutsche Belege treffen wir erst vom 16. Jh. an. Beispiele: »Es giengen auss 3 gilgen (Lilien) guot, sie giengen Gott dem Herrn auss sinem hertzen; dass erst ist sein Tugent, dass ander ist sein Mugent (Vermögen), dass dritt ist sein [Will] also guot; stand still, du wildes bluot«5) (um 1617). – »Am Himmel stehen drei Blumen, die eine heißt Wohlgemut, die ander heißt Demut, die dritte heißt Gottes Wille; Blut, stehe stille«6). – »Es stunden drey Rosen auf unsers Herrn Gottes Grab, die erste ist mild, die ander ist gut, die dritte stelt dir dein Blut«7). Die Blumen sind in der Regel Rosen, seltener Lilien (diese meist am hl. Grabe) oder Blumen, Blümelein (am Grabe oder im Gottesgarten). Der Ort, an dem sie stehen (aus dem sie wachsen) ist Gottes Herz (seit dem 16. Jh.)8), auch Haupt, Mund, oder sein Grab oder sein Garten (dieser sicher unursprünglich), seltener anderswo, vgl. unten.

    Die Namen oder Eigenschaften: Sehr gewöhnlich und völlig zweckmäßig werden drei (zwei) Eigenschaften genannt, die Gottes Macht und Wille zum Helfen ausdrücken. So: Gottes Tugend, Mugend, Wille (Tugend: Heilkraft) (um 1600)9); (Gottes) Macht, Kraft, Wille; (Gottes) Güte, Gemüte, Wille (und Verdrehungen wie Jugend für »Tugend«, Geblüte für »Gemüte«, Mut Blut Wille). – Oft ist jedoch dies verdunkelt, so daß die zwei ersten Glieder eher menschliche Eigenschaften bezeichnen: Demut Wohlgemut (tatsächlich ein Krautname) Gottes Wille; statt Wohlgemut auch Wehmut (sogar moralisierend z.B. Hoffnung Geduld Gottes Wille); Demut doch auch auf Christus gedeutet: »Creutz-temuth .. sein Liebesblut,.. ein ehrlicher Wille«. Für Gottes Wille steht manchmal das gleichdeutige »Sibylle«, von gelehrter Hand gesetzt, dann volkstümlich in »Subul« und »Sevilla« verdreht. – Das Endglied ist recht häufig »die dritte stillt dir das Blut« (»heißt Blut-steh- stille« o. ä.), vgl. schon die altfranz. Variante, auch die Dreifrauensegen (s.d. § 3); dann reimen sich gewöhnlich das zweite und das dritte Glied, »gut (auch: -mut): Blut« bzw. »Wille: stille«. Eine Form wie etwa »gut: wohlgemut: Blut« hält Ebermann11) für die Grundform unseres Segens; aber die (anders gereimten) Formen, die – für zwei oder alle Glieder – Gottes Macht und guten Willen ausdrücken, sind sowohl früher bezeugt als auch religiös kräftiger.

    Andere Formen: Die Blumen sind Gott Vater, Sohn und Hl. Geist12). Sie sind dreifarbig, z.B. weiß- schwarz-rot (Blut- oder Rosensegen)13); dies ist den Wurm- oder den Augensegen entlehnt. – Eine Gruppe, gewöhnlich Rosen- oder Gichtsegen, drückt Tätigkeiten (Geschehnisse) aus, nach Art der Dreifrauensegen, teilweise auch von den Brandsegen (s.d. § 1b) beeinflußt; z.B. »U.H. Jesus ging über Land und trug drei Rosen in seiner Hand; die eine flog, die andere zog, die dritte verschwand« usw.14).

    Der D. ist jedenfalls nach den Ostseeländern (estnisch handschriftlich) und nach Dänemark (wenige Belege) gewandert; im hohen Norden sind die Spuren sehr schwach15).

    Ursprung. Mit Ebermann kann man den Segen als formell dem Typus von den drei Frauen nachgebildet auffassen, d.h. dann dem älteren marcellinischen Typus (Dreifrauens. § 1), denn die jüngeren Dreifrauensegen (§ 3) sind nicht aus früherer Zeit als die Blumensegen bezeugt, auch nicht an sich klarer und einheitlicher. Sicher haben sich später beide Segengruppen gegenseitig beeinflußt. – Inhaltlich hat Ebermann Parallelen aus dem Volksliede (bes. dem weltlichen) herangezogen16): Beliebtheit der Lilien und Rosen und des Rosengartens (d.h. des Himmels), Blumen auf dem Grabe des (der) Geliebten. Letztlich liegt sicher christliche Blumensymbolik hinter dem Segen; schon Mone wies auf Bilder hin, wo aus Gottes (Jesu) Haupt drei Lilien hervorstehn17). Religiöse Lieder (vom 16. Jh. an bekannt) bieten Paralleles: Drei Lilien wachsen im Himmel auf einem Zweige18): Vater, Sohn u. Hl. Geist19). Maria hat uns drei Rosen gebracht; nämlich das Jesuskind, das hl. Abendmahl und den Gekreuzigten20). Die bibl. Anknüpfung bot Jes. 11, 1. – Losch21), von der Form mit dem Grabe ausgehend, fand hier altes Heidentum: das Leben des getöteten Balder dauert in den Blumen fort. Vgl. aber Segen § 17.

    Ohrt. [Lexikon: Dreiblumensegen. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, S. 4353 (vgl. HWA Bd. 2, S. 422 ff.)]