Aberglaube: Tau

Schon gewusst…?

Allsherjargode (Allsherjargoði) ist eine isländischer Titel. Das es diesen Titel im germanischen Glauben außerhalb Islands gab, ist sehr unwahrscheinlich und nicht belegt.

  • 1. Einleitung

    2. Über die Entstehung des Taus

    3. Fruchtbarkeit und Tau

    4. Der Tau in der Volksmedizin

    5. Sonstiges.

    6. Alte Volksbräuche.


    1. Einleitung. Tau ist im Volksglauben als eine Art Lebenswasser empfunden, das mit bestimmten magischen Kräften auf das Irdische wirkt. Schon in den, freilich nurmehr geringen, Überresten von Beschreibungen des Taufalls wird das deutlich, daß es sich beim Tau um etwas Lebendiges handelt: es sind in den dafür in der Oberpfalz gebrauchten Redensarten fast nur Verben der Tätigkeit verwendet. So macht der Tau Rosenkränze, perlt, sitzt auf dem Zaun, tränkt die Wiesen, färbt das Gras, frißt das Schuhleder, zündet die Lichtlein an (= schillert im Sonnenlicht)1). Gemeint ist in den meisten Fällen unter Tau der Morgent.; aber auch Abendt. und Nachtt. kommen häufig vor. Die Wirkung des Taus ist im besonderen Maße förderlich; von schädlichem Tau ist selten die Rede, wobei es sich obendrein meist nicht um echten Tau zu handeln scheint. Der förderlichen Wirkung des Taus sind vor allem Kühe und deren Milch samt der daraus gewonnenen Butter unterworfen. Der zweite Bereich, in dem Tau eine ganz große Rolle spielt, ist die Volksmedizin. In der Fruchtbarkeit fördernden Kraft ist der Tau den ähnlichen Eigenschaften des Regens (s.d.) verwandt. Die Tatsache, daß man im Volk glaubt, daß der Tau an bestimmten Tagen und in den dazu gehörigen Nächten, wie der Neujahrs-, Karfreitags-, Oster-, Pfingst-, Johannis- und Weihnachtsnacht, sowie am 1. Mai besonders starke Wirkung habe, zeigt seinen überirdischen Herkunftsbereich2). Er gehört irgendwie zu einer göttlich-dämonischen Welt; auch zauberische Verwendung deutet darauf hin.

    2. Über die Entstehung des Taus. Mannhardt erklärte in seinen Germanischen Mythen den Tau für die Himmelsmilch, die Donar aus den Wolkenkühen mit seinem Blitz melke3). Das ist u.a. aus den Bezugsetzungen zwischen dem Tau und den Kühen sowie dem durch Tauzusatz erzeugten Butterüberfluß im Volksglauben erschlossen, aber natürlich unbelegt und steht dahin. Es gibt im Volksglauben keinerlei Erklärungen mehr, die man als ausgesprochen heidnisch ansprechen kann. Lediglich einige christliche Überreste führen zu einer solchen Anschauung unserer Vorfahren; mehr als der Glaube an die himmlische Herkunft des Taus ist aber nicht daraus zu erkennen. Alles andere ist christliche Zutat. Verhältnismäßig hohen Alters dürfte die Ansicht sein, daß der Tau aus dem Paradies stamme4). Die andern Erklärungen sind inhaltlich jünger. In der ehemaligen Provinz Posen sind die Leute in manchen Gegenden der Meinung, der Tau sei die Tränen der Engel und der Seelen des Fegfeuers, die über die Sünden der Menschen auf Erden vergossen werden; in den Tau-losen Zeiten seien die Sünden der Menschen zu groß, und die Tränen reichten (zur Erlösung?) nicht aus5). In der Oberpfalz (Neuenhammer) sieht man im Tau die Tränen der gefallenen Engel, die jünger und unerfahren dem Lucifer allzu leichtfertig gefolgt sind und nun jeden Abend und Morgen darob weinen. Indem sie vor und nach der Sonne fliegen, haben sie die Freude, auf kurze Zeit noch den farbigen Glanz ihrer Tränen in der Sonne zu sehen; es soll sie an ihren eigenen früheren Glanz erinnern. Am Morgen, wenn die Sonne kommt, verbergen sich die Geisterchen in dem Schutz der Frauenmäntelchen und sehen da noch die Tränen glitzern, bis diese von der Sonne aufgezehrt sind. Dann haben die Engelchen kein Existenzrecht mehr und müssen sich in die Räume zwischen Himmel und Erde zurückziehen, bis die Sonne wieder untergeht. Aber das Naß vom Himmel haben sie der Erde gebracht6).

    3. Fruchtbarkeit und Tau a) Tau und Butter stehen in innigster Wechselbeziehung. Tau am Maimorgen deutet auf ein gutes Butterjahr7). Tauzusatz im Butterfaß steigert u. U. das Quantum ins Ungemessene; denn die magische Kraft des Taus wirkt sich besonders auf den Butterreichtum aus8). In den Erzählungen erscheinen Frauen als hervorragend begabt, Tau zu diesem Zwecke auszuwerten. Es sind meist Hexen9); daß gerade sie hier Einfluß haben, ist sicher herabwürdigende Deutung des aliquid sanctum, das nach Tacitus den germanischen Frauen teilweise innegewohnt hat10). Der ostfriesische Bauer oder seine Frau streichen am 1. Maimorgen vor Sonnenaufgang das t.feuchte Gras auf ein Bettuch und pressen aus diesem den Tau in eine Butterkarne. Sie erhalten dann soviel ›Schepel vull‹ als Bauern in der Nachbarschaft wohnen11). Meistens beschäftigt sich der Volksglaube aber mit der Möglichkeit, durch Stehlen des Taus auf den Wiesen des Nachbars sich dessen Milch und Buttersegen anzueignen; in diesem Falle spricht man von den Hexen und ihren Künsten. Man erzählt das in der mannigfaltigsten Form in Deutschland. Eine Schleswig-holsteinsche Sage berichtet, wie eine solche Hexe in einem Linnenlaken - dieses streichen die Hexen meist vor Sonnenaufgang über eine betaute Wiese des Nachbars (daher Taustreicher, -schlepper genannt) - Tau sammelte und die Flüssigkeit in einem Krug auswrang. Davon tat sie jedesmal, wenn sie buttern wollte, einen Löffel voll ins Faß mit den Worten »Uet elk hues en läpel vull«. Sie nahm damit den Besitzern jener Felder so viel Butter. Als einmal der Knecht buttern mußte, nahm er ebenfalls davon, brauchte aber in der Formel statt ›läpel‹ fälschlicherweise das Wort ›schäpel‹. Da floß ihm die Butter im Übermaß aus dem Faß, und man wußte nicht, wohin mit so viel Butter12). Nach einer anderen Sage aus dem Butjadingerland in Oldenburg war ein Arbeiter noch spät abends am Mähen. Die anbrechende Nacht war die Johannisnacht. Als er nun müde war, legte er sich hin, um auszuruhen. Kaum aber hatte er sich gelegt, da kam eine alte Frau, zog ein Betttuch hinter sich her auf das Land, fing damit den Tau auf und wrang es in einen Topf. Der Arbeiter, dem diese alte Hexe bekannt war, wußte, daß sie mit diesem Tau den Bauern die Butter stehlen konnte, nahm ihr den Topf weg und trug ihn nach seinem eigenen Hause. Am folgenden Morgen wollte er Butter machen, tat aber statt einiger Tropfen von diesem probaten Zusatz den ganzen Topf voll hinein, und als er nun anfing zu buttern, ging alles von Butter über und über13). Es ist folgerichtig, wenn die Butterbehexung, die übrigens schon bei Burchard von Worms erwähnt wird und auch in den Hexenakten eine Rolle spielt14), auch auf die Kühe übertragen wird. Auch hier ist wiederum der Tau das vornehmste Mittel dazu. So verlieren z.B. Kühe, die von Hexen enttautes Gras fressen, ihre Milch. Wer in der Dämmerung Tau in der Nähe eines Gehöftes mit Kühen in ein Gefäß sammelt, und dazu »Ich sammle den Nutzen« spricht, behext die Kühe15). In böhmischem Aberglauben erlangen Hexen durch Tausammeln in den Holzschlägen der Kühe die Macht, daß sie bei den Kühen, die dort geweidet haben, die Milch herausmelken können16). Ähnlich mäht bei Teplitz der Bauer das betaute Gras seines Nachbars in der Frühe des Tages und läßt es seine Kühe fressen, damit sein Vieh gute, das des Nachbars schlechte Milch gebe17).

    b) Aber auch für Schweine18), Schafe19), Pferde20) u.a. ist der Tau sehr förderlich. Nach polnischer Ansicht wird Wild fett: das macht der Tauregen, der im Herbst fällt und den es frühmorgens beim Abgrasen der Wiesen und des Waldgrases genießt21). Auch künstlich führt man dem Vieh Tau zu; im OA. Aalen gibt man ihm Tau auf Brot zu fressen22). In Stralsund stellte man eine Garbe in der Mittwinternacht ins Freie, damit der Weihnachtst. darauf falle und durch das so benetzte Futter das Vieh fruchtbar werde23). Aus Böhmen wird ein anderer Ritus berichtet (Wlaschimir Chlum bei Kaurim). Tau soll die Kühe gesund erhalten und viel Milch geben lassen. Nach einem Gebet strich an einem Kreuzweg der Bauer nachts nackt Tau mit einem Tuch vom Gras und legte das Tuch auf seine mitgeführte Kuh. Das zu Hause ausgepreßte Wasser gab er seinen Kühen zum Saufen, wodurch der Milchertrag außerordentlich gut wurde24). Auch Weinberge werden durch Tau befruchtet25), ebenso Felder26). Doch existiert hier auch die Vorstellung, daß der Tau, wenn echter Tau gemeint ist, schädlich sei und man ihn vom Korn abschütteln müsse27). Auffällig ist, daß man in der Oberpfalz an ein gutes Honigjahr glaubt, wenn viel Tau vom Himmel fällt28). Denn hier besteht die einzige Parallele zu einem antiken auf den Tau bezüglichen Aberglauben, dem der Honig als Himmelst. gilt29). Dem guten Tau gegenüber ist nur selten von schädlichem Tau die Rede, wobei zweifellos, wie schon gesagt, etwas anderes gemeint sein dürfte. Dringend wird in der Oberpfalz vor giftigem Tau bei Sonnenfinsternis gewarnt, s. Finsternisse Sp. 151530). Schädlichen Tau auf blühendem Getreide vertreibt man durch Glockenläuten31). Stinkendem Tau fiel einmal eine ganze Viehherde zum Opfer32).

    4. Der Tau in der Volksmedizin. Die Wunderkraft des Taus äußert sich bei Mensch und Tier sowohl in heilender wie prophylaktischer Hinsicht. Abgesehen von so allgemeinen Anschauungen wie denen, daß der Tau alle Unreinlichkeit des Leibes an sich zieht, wenn man in ihm barfuß geht33), oder daß Mädchen, die im Tau baden, ihre verlorene Jungfernschaft wiedererhalten34), kennt man, über fast ganz Deutschland verbreitet, Regeln, die den Tau in direkter Verbindung mit verschiedenen Krankheiten nennen. Auch hier spielen die oben genannten t.kräftigen Tage eine besondere Rolle35).

    a) Beim Menschen heilt der Tau, der je nach dem von Leichensteinen36) - nach anderer Vorschrift darf er nicht von Leichensteinen stammen, sondern muß aus den Vertiefungen der groben auf den Kirchhöfen herumliegenden Steine genommen werden37) -, Rosen38), Roggen, der noch nicht blüht39), Weizen40) oder Gänseblümchen41) oder in der Nähe eines Flusses gesammelt sein muß42), Sommersprossen43), Augenleiden44), Fieber und Krämpfe45), krumme Beine46) und erfrorene Glieder47). Ferner vertreibt er die Unreinlichkeiten der Haut, wie Ausschlag, die Grieseln, Krätze, Warzen und Geschwüre48). Er heilt auch offene Wunden49), Hautabschälungen50), Schwindsucht51) und Rheumatismus52). Manche Regeln beschreiben die Heilungszeremonien ganz einfach. Man wäscht mit Tau zuweilen bei zunehmendem Mond53) die kranke Stelle oder das Gesicht oder trinkt ihn. Andere Verfahren sind umständlicher. Man muß barfuß durch den Tau gehen, Gebete sprechen, sich einen Hollerzweig in der Früh ins Gesicht schlagen54) u.ä. Die Handlung ist heilig. In der Erzählung von einer durch Brandwunden gequälten Frau, deren eine Hand gar nicht heilen wollte, ist es sogar ein Engel, der das Heilungsverfahren durch Tau und Gebet beschreibt55). An einer anderen Stelle tritt die heidnische Grundlage der Mitteilung noch deutlicher heraus, indem eine alte Frau den Heilungsweg für das blinde Auge eines Kindes angibt56).

    Unter den Mitteilungen über prophylaktische Verwendung des Taus durch die Menschen steht zunächst eine Mecklenburger Nachricht, wonach junge Mädchen am Abend vor Ostern ein Linnen im Garten ausbreiten und sich morgens mit dem darauf gefallenen Tau waschen, weil dies das ganze Jahr vor Krankheit bewahre57). In der ehemaligen Provinz Posen (Kr. Obornik) genießen die Frühaufsteher auf dem Lande den Tau, wohl um der Gesundheit willen58). Ebenda sind es wiederum junge Mädchen, die sich am Fluß auf einer Wiese an Pfingsten mit Tau bestreichen, um das Jahr über keinen Ausschlag im Gesicht zu bekommen59). Im Sarganserland schützte früher, als man daselbst noch Weizen baute, Tau vor Kropf60), in Mecklenburg vor Sommersprossen61), ebenso geschieht es in Schlesien, wenn man am Karfreitagmorgen das Gesicht in Tau badet (Breslau, Lauban)62). Vor allem aber glaubt man im Taubad ein wirksames Mittel gegen Behexung gefunden zu haben; dabei die t.kräftigen Tage zu beachten ist wichtig63). Daß auch nichtdeutsche Völker diese abwehrende Kraft des Taus kennen, beweist u.a. der Glaube der Sizilianer, daß Benetzung (des Gesichts?) mit frischem Morgent. des Himmelfahrtstages das ganze Jahr vor Kopfschmerz schützt64).

    b) Unter den Tieren sind die Pferde und Kühe durch den Tau in gesundheitlicher Hinsicht besonders beeinflußbar. Wer in Havixbeck im Münsterland am Stephanstag Karren mit Häcksel unter den blauen Himmel stellt, damit der Tau darauffällt, dem werden die Pferde im ganzen Jahr nicht krank65). Auch hier dürften etliche Vorschriften zu beachten sein. Ein Jude wollte einst ein blindes Pferd mit Tau heilen. Er ging frühmorgens mit dem Tiere auf das Feld und benetzte ihm die Augen mit Tau; dann begab er sich stillschweigend wieder nach Haus. Als er nachsehen wollte, ob das Pferd sehend sei, hatte es weder Augen noch Schwanz, was die Leute der Umgebung auf Mißbrauch des Taus schließen ließ (polnische Mitteilung aus Schrimm, ehem. Prov. Posen)66). Nach anderer Überlieferung bewahrt man das Vieh vor Krankheiten, indem man selbst in der Walpurgisnacht seine Hände mit Tau reibt und zwar vor Sonnenaufgang (s. d.) und dabei dreimal spricht: »Jetzt wasche ich meine Hände im Walberntau, das hilft fürs gah, fürs blah, für'n unflat«. Bekommt ein Tier das Jahr über eine dieser Krankheiten, so legt man seine t.geweihten Hände auf das kranke Tier und spricht dreimal: Ich hab meine Hände gewaschen im Walberntau, das hilft usw. wie oben. Dabei schlägt man jedesmal das Tier auf den Bauch67). Auch Futter fürs Vieh, das man in den Festnächten in den Tau legt (besonders beliebt ist die Dachtraufe), bewahrt das Vieh vor aller Krankheit68). Damit die Kühe keine Blähung kriegen, wäscht man sich am Ostersonntagmorgen mit Tau (Moes bei Bühl)69).

    5. Sonstiges. a) Helfender Tau Wie sonst gibt es auch zum Tau noch einigen Volksglauben, der sich außerhalb der zwei beschriebenen Hauptbereiche bewegt. In Bentheim zieht man am Himmelsfahrtsmorgen aus, um den Tau zu treten, weil man davon ganz allgemein Glück erwartet70). Den Mädchen machte der Tau in der Oberpfalz den Liebsten gefällig71); er läßt sie auch die Gedanken der Männer erraten (Posen)72) und fördert ihre Klugheit und Schönheit73). In der Provinz Posen gilt das Wäschebleichen im Tau als bei weitem besser als das Bleichen mit Wasser bei Tage74). Nach einer ebendaher stammenden polnischen Mitteilung hilft der Tau in der Johannisnacht dazu, böse Geister, Gespenster und Hexen zu erkennen75). Dasselbe kennt man auch in Schleswig-Holstein76). Auch in anderer Hinsicht ist der Tau ein Weissagungsmittel. Wie man an ihm in der Oberpfalz ein gutes Butter- und Honigjahr erkennen kann77), so in Mecklenburg ein gutes Flachsjahr78). In Oldenburg zeigt Tau, der auf ein linnenes Laken fällt, daß ein Verbrecher errettet werden kann79). Fällt der Tau in der Weihnachtsnacht auf ein vors Fenster gelegtes Brot, so schimmelt dieses nicht; es scheint gleichzeitig als ein Schutzmittel gegen Menschen- und Tierkrankheiten zu gelten80).

    b) Feindlicher Tau Windeln vertragen den Tau nicht; man soll sie nicht in den Tau hängen, sonst bekommen die kleinen Kinder Bauchweh (Simmenthal)81). Wo Tau hinfällt, findet man bestimmt keine Schätze; diese bekunden ihre Nähe vielmehr dadurch, daß an der Stelle des Morgens kein Tau liegt (Schwaben)82). Schafe soll man in Polajewo (Prov. Posen) nicht auf die Weide treiben, wenn noch Tau liegt, sonst sterben sie (polnische Notiz)83).

    c) Tau und Zauber. Außer den erwähnten Fruchtbarkeitszaubern wird noch folgendes berichtet: In Ehingen kann man einen dadurch langsam töten, daß man die Fußstapfen des betreffenden Menschen, namentlich auf einer betauten Wiese, ausschneidet und in den Rauch hängt; in dem Maße als der Rasen dörre, sieche der Unglückliche dahin84). In Mähren (Gegend von Podol) gilt als Gegenmittel gegen die magische Kraft t.sammelnder Männer, daß man ihnen ihre irdenen Töpfe zerschlägt, wodurch sie nicht nur alle Macht verlieren sollen, sondern auch bald sterben und nach dem Tode sich in Nachteulen und Kuckucke verwandeln85). d) Wetter und Tau Nach einer deutschen Mitteilung aus dem Kreise Obornik in Posen regnet es an dem Tage, an dem morgens kein Tau liegt; liegt Tau, so bleibt das Wetter schön. In der Oberpfalz schließt man aus Abendt. auf einen kühlen Morgen am folgenden Tag86).

    6. Alte Volksbräuche. Kuhn, Sagen 2, 164 f. erzählt von einem alten westfälischen Festbrauch zu Pfingsten. Die Pferdejungen steckten die Pfingstweide aus, und es war gefährlich, seine Pferde dort vor der allgemeinen Einweihung an Pfingsten weiden zu lassen. Zu dieser Einweihung saßen am 1. Pfingsttag alle Pferdejungen auf und ritten zu dieser Pfingstweide. Wer dort zuerst ankam, wurde ›däwestruch‹ (Taustrauch) genannt und an einigen Orten auf einen Strauch gesetzt und durch den Tau ins Tal gezogen. Wer zuletzt ankam, hieß Pfingstmocke. Die Pferde des ersten bekamen Maienkränze, die des letzten Blumen. Dann gab es Wettrennen87). Daß Fruchtbarkeitszauber hier vorliegt, dürfte sicher sein; aber die näheren Zusammenhänge sind nicht mehr klar. Ähnlich ist ein alter Brauch in Groningen, in einem Teil von Gelderberg und in Südholland, wo sich im Mai oder am 1. Pfingsttag das Volk im Feld versammelt und mit Laubwerk und Blumen bekränzt, was man ›daauwtrappen‹ (Tautreten) oder ›daauwslaan‹ (Tauschlagen) nennt88).

    87) Nr. 461. 88) Mannhardt Mythen 29; Müllenhoff Sagen 565 Nr. 573. - Hier verdient ein eigenartiger Brauch im oberösterreichischen Mühlviertel Erwähnung. Dort üben Gruppen von je fünf bis sechs Burschen am Vorabend und um zwei Uhr morgens in der Johannisnacht ein Geißelschnalzen. Wer dabei den Takt nicht hält, wird durch den Morgent. gezogen und führt das ganze Jahr hindurch den Spottnamen »Tauwascher«. Scheinbar verdächtigte man ursprünglich denjenigen, welcher bei diesem Abwehrakt gegen die Hexen nicht Takt halten konnte, daß er selbst zu diesen gehöre, selbst ein Taustreicher sei. Doch kann hier auch der Rest eines Regenzaubers (s.d.) vorliegen (Geramb Brauchtum 62 nach G. Jungbauers privater Mitteilung).

    7. Zusammenhang zwischen den deutschen Anschauungen und denen der umliegenden Völker besteht, wie die gelegentlichen Hinweise zeigten. Verbindungen, die zur Antike führen, sind nur ganz selten zu finden89). Wir dürften in dem Volksglauben zum Tau mithin verhältnismäßig reine germanische Vorstellungen natürlich oft nicht ohne christlichen Firnis erhalten haben.

    Stegemann. [Lexikon: Tau. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, S. 23507 (vgl. HWA Bd. 8, S. 683 ff.)]