Heilige Pflanzen: Aronstab

Schon gewusst…?

Es sind derzeit leider keine Texte verfügbar.
  • Aronstab

    (Zehrwurz, Teigkraut; Arum maculatum)


    1. Botanisches


    Zu den Arongewächsen (Arazeen) gehörende Frühjahrspflanze mit glänzenden, pfeilförmigen Blättern. Der Blütenkolben, der verschiedenartig ausgebildete Blüten trägt, ist von einer weißlichen tütenförmigen Blütenscheide umgeben. Der Aronstab hat giftige Eigenschaften. Er wächst besonders in Süd- und Mitteldeutschland in schattigen Laubwäldern, unter Gebüsch und in Parken1).



    2. Bei dem Namen Aronstab2) dachte man wohl an den blühenden Stab des Hohenpriesters Aaron in der Bibel3). In dem Blütenkolben sieht man das ganze Leiden Christi (die Marterwerkzeuge) ähnlich wie in der Passionsblume (Passiflora) oder im Kopf des Hechtes4) (s.d.).



    3. In Süd- und Mitteldeutschland liest man aus der Gestaltung des Blütenkolbens das Orakel für die kommende Ernte ab (»Zeigkraut«): Der obere Teil des Kolbens bedeutet das Getreide, die darauf folgenden das Heu, die männlichen Blüten das Obst, die weiblichen die Trauben u.ä.5). Wenn der Aronstab tropft (Wasserausscheidung aus den Blättern?), wird schönes Wetter6).



    4. Der Aronstab wird am Himmelfahrtstag (oder auch an Pfingsten) gesucht7); er soll dann besonders heilkräftig sein und wird offenbar auch als Aphrodisiacum benutzt (vielleicht nach dem einem männlichen Gliede ähnlichen Blütenkolben, nach dem der Aronstab auch den alten Namen »Pfaffenpint« = penis sacerdotis führt). Aronstab ist auch ein Bestandteil eines Mittels, um die Liebe eines Mädchens zu erwerben8). Vielleicht ist der Aronstab auch das »Zehrwurzelkraut«, das die Mädchen, wenn sie zum Tanze gehen, in die Schuhe legen und dabei sprechen: »Zehrwurzelkraut, ich zieh dich in meine Schuh, ihr junge Gesellen lauft alle zu«!9).



    5. Wenn der Aronstab gegen Gespenst und »Toggeli« (Alp) unter die Hausschwelle und Wiege gelegt wird10), so dürfte dies vielleicht auf eine Verwechslung des »Aruns« (schweizerischer Volksname des Aronstabs) mit »Alraun« (s.d.) zurückgehen. Aronstab und Bibernell (s.d.) werden in der Sage als Zaubermittel genannt11).



    6. Wer den Aronstab mit den Fingern berührt und diese dann an die Augen führt, kann erblinden12). Das Kauen der Aronstabwurzel hilft gegen Schwindel13). Kinder, die an Bindehautentzündung der Augen leiden, müssen in einem Säckchen aus Leinwand die Wurzeln des Aronstabs an hausgewobener Schnur um den Hals tragen14). Das Pulver von Aronstab wird gegen den Biß toller Hunde auf die Wunde gestreut15). Ein ganzes Schaf vermag man zu essen und zu verdauen, wenn man beim Zubettgehen und Aufstehen ein haselnußgroßes Stück der Aronstabswurzel ißt oder es um den Hals hängt16).



    Lexikon: Aronstab. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (vgl. HWA Bd. 1, S. 599 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Arum maculatum L.

    (syn. Arum immaculatum, A. italicum, A. malyi, A. orientale, A. pyrenaeum, A. trapezuntium, A. vulgara, A. zelebori); Aronstab (syn. Aron, Aronsblume, Aronskelch, Aronskraut, Entenschnabel, Eselsohren, Fieberwurz, Freßwurz, Frostwurz, Deutscher wilder Ingwer, Johannishaupt, Kalbsfuß, Kuhwurz, Papenkind, Pfaffenblut, Pfaffenpint, Pfingstblume, Skarnitzelblume, Poperagrothwurz, Veronikenwurz, Zahnkraut, Zahnwurz, Zehrwurz),


    Fam.: Araceae (Aronstabgewächse).


    Vork.: feuchte Laubwälder in Mittel- und Südeuropa.


    Droge: Ari maculati rhizoma (syn. Rhizoma Aronis, Radix Ari, Tubera Ari); Aronknollen (syn. Aronwurzel, Zehrwurzel), der Wurzelstock mit den Wurzeln.


    Inh.: Aroin, ein Gemisch von Scharfstoffen, Stärke (ca. 70 %), Bassorin (18 %), Lectinen und Lipiden.


    Anw.: volkstümlich als Stomachikum und Tonikum; äußerlich bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren.


    Hom.: Arum maculatum HAB1, die frischen, vor der Entwicklung der Blätter gesammelten unterirdischen Teile. Anw.-Geb.: Erkrankungen der Atemwege sowie Kehlkopfkatarrh.


    Histor: Die durch Kochen entgifteten stärkereichen Knollen dienten in Notzeiten als Nahrungsmittel. Der Name Arum ist vermutlich ägyptischen Ursprungs, abgeleitet von aron, wobei auch ein Zusammenhang mit dem Hohepriester Aron des Alten Testaments bestehen könnte. Damit verbindet sich auch die deutsche Sage »Als Josua und Kaleb ins gelobte Land geschickt wurden, nahmen sie einen Stab und trugen an ihm die große Weintraube und die anderen Früchte jenes Landes. Nachdem sie dieselben abgeladen, steckten sie den Stab in die Erde und an dieser Stelle wuchs nachher die Aronswurzel«.


    Arum maculatum, Aronstab


    Lexikon: Arum maculatum. Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen (vgl. LAD Bd. 1, S. 79 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen
Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Geht einfach!
Neues Benutzerkonto erstellen
Anmelden
Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmelden