Heilige Pflanzen: Attich

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  • Attich

    (Feldholder; Sambucus ebulus).


    1. Botanisches


    Mit dem Holunder (Sambucus nigra) nahverwandte, 1 bis 1,5 m hohe Staude, mit unpaarig gefiederten Blättern, weißen Blütendolden und schwarzen Früchten. Hie und da an Waldrändern, auf Waldlichtungen, an Hecken und Zäunen1).



    2. Der Attich findet in der Volksmedizin ab und zu als Sympathiemittel Verwendung; dabei wird er nicht selten »besprochen«, z.B. wenn er einem Vieh gegen Maden gegeben wird2). Der am Karfreitag während der Kirche auf dem Friedhof geholte Attich hilft gegen jede Krankheit3). In Schwaben wird der Attich als Sympathiemittel gebraucht mit den Worten: »Jetzt leg ich dir den Attich; es ist gut vor den Käfer, Wurm, Schmerz und vor den Brand«4). Auch in Frankreich (Montagne noire) wird der Attich gegen Würmer beim Vieh beschworen5). Eine antike Beschwörung des Attichs (ebulus) gegen Schlangenbisse bringt die Schrift des (Pseudo-) Apuleius (4.–5. Jh.)6). Die Wurzel des Attichs, im August bei abnehmendem Mond gegraben, wird den Kindern bei Geschwüren um den Hals gehängt7). Dem Vieh an den Hals gehängt, vertreibt die Attichwurzel die Magenwürmer (wohl die Larven der großen Magenbremse, Gastrophilus equi)8). Für Heilzwecke muß der Attich gesammelt werden am Abend vor Sonnwend, am Sonnwendtag vor Sonnenaufgang oder zwischen den beiden Frauentagen9) oder am Jakobstag10).



    3. Der Attich ist auch eine Pflanze des Abwehrzaubers. Während eines Gewitters wird er verbrannt, um die Hexen durch den Rauch zu vertreiben11). Der am Christinentag (die hl. Christina ist die Patronin gegen Ungeziefer!) ohne Eisen gegrabene und in alle Winkel des Hauses gehängte Attich vertreibt Mäuse und Ratten12). In Siebenbürgen werden Kraut und Beeren gegen Mäuse und Kornwürmer gekocht13).



    4. Um zu erforschen, ob ein Stück Vieh am Leben bleibt oder sterben wird, streut man an Johanni gesammelte Attichblätter in den Stall. Legt sich das Vieh darauf, so wird es leben, bleibt es aber darauf stehen, so wird es zugrunde gehen14).



    5. Der Attich gilt im Elsaß für ein Irrkraut (s.d. und Farn!)15). Zu dieser Meinung hat vielleicht der Umstand beigetragen, daß der Attich manchmal an abgelegenen Waldstellen wächst.


    Lexikon: Attich. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (vgl. HWA Bd. 1, S. 670 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Sambucus ebulus L.

    (syn. Ebulum humile, Sambucus humilis); Zwergholunder (syn. Attich, Eppich),


    Fam.: Caprifoliaceae.


    Vork.: Europa bis Westasien.


    Drogen:


    1. Ebuli folium (syn. Folia Ebuli, Folium Ebuli, Folium Sambuci ebuli, Herba Ebuli); Attichblätter (syn. Eppichblätter, Erdhollerblätter, Zwergholunderblätter), die getrockneten Blätter. Inh.: äther. Öl in Spuren, Bitterstoffe. Anw.: volkstümlich äußerlich als Gurgelmittel bei Entzündungen des Halses sowie für Umschläge bei Gicht und rheumatischen Beschwerden, innerlich als harntreibendes und schweißtreibendes Mittel. Geg.: Die Einnahme größerer Mengen kann zu Übelkeit und Brechreiz führen.


    2. Ebuli fructus (syn. Fructus Ebuli, Fructus Sambuci ebuli); Attichbeeren (syn. Ackerholderbeeren, Eppichbeeren, Zwergholunderbeeren), die reifen, getrockneten oder frischen Früchte. Inh.: Flavonoide, u.a. Cyanidin-3-O-sambubiosid, cyanogene Glykoside, Sterole, äther. Öl in Spuren, aliphatische Alkohole.


    Anw.: volkstümlich als harn- und schweißtreibende Droge, bei Verstopfung und Gicht der Füße. In der Technik als Färbemittel.


    Geg.: Die innerliche Verwendung roher oder ungenügend erhitzter Früchte kann zu starken Reizwirkungen, Übelkeit und Erbrechen führen.


    3. Ebuli radix (syn. Radix Ebuli, Radix Sambuci ebuli); Attichwurzel (syn. Eppichwurzel, Erdhollerwurzel, Zwergholunderwurzel), die getrockneten, im Frühjahr oder Spätherbst geernteten Wurzeln.


    Inh.: Iridoidglykoside, u.a. Ebulosid und Isoswerosid, äther. Öl in Spuren, Catechine, Neolignane, cyanogene Glykoside. Anw.: volkstümlich als harntreibendes Mittel, bei Verstopfung und zur Herbeiführung von Brechreiz.


    Hom.: Sambucus ebulus HAB 34, die frischen, reifen Beeren.


    Histor.: Die Etymologie des Gattungsnamens Sambucus ist unsicher, ebenso die Bezeichnung ebulus. Die deutsche Bezeichnung Attich ist ein Lehnwort aus dem griechischen (akté = Holunder). Die Pflanze fand wie der Schwarze Holunder bereits im griechischen wie im römischen Altertum als Diuretikum, Laxans und als gynäkologisches Mittel Anwendung.


    Sambucus ebulus, Zwergholunder

    Lexikon: Sambucus ebulus. Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen (vgl. LAD Bd. 2, S. 250 ff.)

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

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