Das Nibelungenlied

Schon gewusst…?

Es sind derzeit leider keine Texte verfügbar.
  • Einundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Kriemhild zu den Heunen fuhr


    Die Boten laßt reiten, / so tun wir euch bekannt,

    Wie die Königstochter / fuhr durch das Land,

    Und wo von ihr Geiselher / schied mit Gernot:

    Sie hatten ihr gedienet, / wie ihre Treue gebot.


    Sie kamen an die Donau / gen Vergen nun geritten.

    Da begannen sie um Urlaub / die Königin zu bitten,

    Weil sie wieder wollten / reiten an den Rhein.

    Da mocht es ohne Weinen / von guten Freunden nicht sein.


    Geiselher der schnelle / sprach zu der Schwester sein:

    »Schwester, wenn du jemals / bedürfen solltest mein,

    Was immer dich gefährde, / so mach es mir bekannt

    Dann reit ich dir zu dienen / hin in König Etzels Land.«


    Die Verwandten alle / küßten sie auf den Mund.

    Minniglich sich scheiden / sah man da zur Stund

    Die schnellen Burgunden / von Rüdigers Geleit.

    Da zog mit der Königin / manche wohlgetane Maid,


    Hundert und viere; / sie trugen schön Gewand

    Von buntgewebten Zeugen; / manch breiten Schildesrand

    Führte man der Königin / nach auf ihren Wegen.

    Da bat auch um Urlaub / Volker der zierliche Degen.


    Über die Donau kamen / sie jetzt gen Bayerland:

    Da sagte man die Märe, / es kämen angerannt

    Viel unkunder Gäste. / Wo noch ein Kloster steht,

    Und der Innfluß mündend / in die Donau niedergeht,


    In der Stadt zu Passau / saß ein Bischof.

    Herbergen leerten sich / und auch des Fürsten Hof:

    Den Gästen entgegen / gings auf durch Bayerland,

    Wo der Bischof Pilgerin / die schöne Kriemhilde fand.


    Den Recken in dem Lande / war es nicht zu leid,

    Als sie ihr folgen sahen / so manche schöne Maid.

    Da kos'ten sie mit Augen / manch edeln Ritters Kind.

    Gute Herberge / wies man den Gästen geschwind.


    Dort zu Pledelingen / schuf man ihnen Ruh;

    Das Volk allenthalben / ritt auf sie zu.

    Man gab, was sie bedurften, / williglich und froh:

    Sie nahmen es mit Ehren; / so tat man bald auch anderswo.


    Der Bischof mit der Nichte / ritt auf Passau an.

    Als es da den Bürgern / der Stadt ward kundgetan,

    Das Schwesterkind des Fürsten, / Kriemhild wolle kommen,

    Da ward sie wohl mit Ehren / von den Kaufherrn aufgenommen.


    Als der Bischof wähnte, / sie blieben nachts ihm da,

    Sprach Eckewart der Markgraf: / »Unmöglich ist das ja:

    Wir müssen abwärts reiten / in Rüdigers Land:

    Viel Degen harren unser: / ihnen allen ist es bekannt.«


    Nun wußt auch wohl die Märe / die schöne Gotelind:

    Sie rüstete sich fleißig / und auch ihr edel Kind.

    Ihr hatt' entboten Rüdiger, / ihn bedünk es gut,

    Wenn sie der Königstochter / damit tröstete den Mut


    Und ihr entgegenritte / mit seiner Mannen Schar

    Hinauf bis zur Ense. / Als das im Werke war,

    Da sah man allenthalben / erfüllt die Straßen stehn:

    Sie wollten ihren Gästen / entgegen reiten und gehn.


    Nun war gen Everdingen / die Königin gekommen.

    Man hatt im Bayerlande / von Schächern wohl vernommen,

    Die auf den Straßen raubten, / wie es ihr Gebrauch:

    So hätten sie die Gäste / mögen schädigen auch.


    Das hatte wohl verhütet / der edle Rüdiger:

    Er führte tausend Ritter / oder wohl noch mehr.

    Da kam auch Gotelinde, / Rüdigers Gemahl;

    Mit ihr in stolzem Zuge / kühner Recken große Zahl.


    Über die Traune kamen sie / bei Ense auf das Feld;

    Da sah man aufgeschlagen / Hütten und Gezelt,

    Daß gute Ruhe fänden / die Gäste bei der Nacht.

    Für ihre Kost zu sorgen / war der Markgraf bedacht.


    Von den Herbergen / ritt ihrer Frau entgegen

    Gotelind die schöne. / Da zogen auf den Wegen

    Mit klingenden Zäumen / viel Pferde wohlgetan.

    Sie wurde wohl empfangen; / lieb tat man Rüdigern daran.


    Die sie zu beiden Seiten / begrüßten auf dem Feld

    Mit kunstvollem Reiten, / das war mancher Held.

    Sie übten Ritterspiele; / das sah manch schöne Maid.

    Auch war der Dienst der Helden / der Königstochter nicht leid.


    Als zu den Gästen kamen / die in Rüdigers Lehn,

    Viel Schaftsplitter sah man / in die Lüfte gehn

    Von der Recken Händen / nach ritterlichen Sitten.

    Da wurde wohl zu Danke / vor den Frauen geritten.


    Sie ließen es bewenden. / Da grüßte mancher Mann

    Freundlich den andern. / Nun führten sie heran

    Die schöne Gotlinde, / wo sie Kriemhild sah.

    Die Frauen dienen konnten, / hatten selten Muße da.


    Der Vogt von Bechelaren / ritt zu Gotlinden hin.

    Wenig Kummer schuf es / der edeln Markgräfin,

    Daß sie wohl geborgen / ihn sah vom Rheine kommen.

    Ihr war die meiste Sorge / mit großer Freude benommen.


    Als sie ihn hatt' empfangen, / hieß er sie auf das Feld

    Mit den Frauen steigen, / die er ihr sah gesellt.

    Da zeigte sich geschäftig / mancher edle Mann;

    Den Frauen wurden Dienste / mit großem Fleiße getan.


    Da ersah Frau Kriemhild / die Markgräfin stehn

    Mit ihrem Ingesinde: / sie ließ nicht näher gehn:

    Sie zog mit dem Zaume / das Roß an, das sie trug,

    Und ließ sich aus dem Sattel / heben schleunig genug.


    Den Bischof sah man führen / seiner Schwester Kind,

    Ihn und Eckewarten / hin zu Frau Gotelind.

    Es mußte vor ihr weichen, / wer im Wege stund.

    Da küßte die Fremde / die Markgräfin auf den Mund.


    Da sprach mit holden Worten / die edle Markgräfin:

    »Nun wohl mir, liebe Herrin, / daß ich so glücklich bin,

    Hier in diesem Lande / mit Augen euch zu sehn:

    Mir konnt in diesen Zeiten / nimmer lieber geschehn.«


    »Nun lohn euch Gott,« sprach Kriemhild, / »viel edle Gotelind.

    So ich gesund verbleibe / mit Botlungens Kind,

    Mag euch zugute kommen, / daß ihr mich habt gesehn.«

    Noch ahnten nicht die beiden, / was später mußte geschehn.


    Mit Züchten zueinander / ging da manche Maid;

    Zu Diensten waren ihnen / die Recken gern bereit.

    Sie setzten nach dem Gruße / sich nieder auf den Klee:

    Da lernten sich kennen, / die sich fremd gewesen eh.


    Man ließ den Frauen schenken. / Es war am hohen Tag;

    Das edle Ingesinde / der Ruh nicht länger pflag:

    Sie ritten, bis sie fanden / viel breiter Hütten stehn.

    Da konnten große Dienste / den edeln Gästen geschehn.


    Über Nacht da pflegen / sollten sie der Ruh.

    Die von Bechelaren / schickten sich dazu,

    Nach Würden zu bewirten / so manchen werten Mann.

    So hatte Rüdiger gesorgt, / es gebrach nicht viel daran.


    Die Fenster an den Mauern / sah man offen stehn;

    Man mochte Bechelaren / weit erschlossen sehn.

    Da ritten ein die Gäste, / die man gerne sah;

    Gut Gemach schuf ihnen / der edle Rüdiger da.


    Des Markgrafen Tochter / mit dem Gesinde ging

    Dahin, wo sie die Königin / minniglich empfing.

    Da war auch ihre Mutter, / Rüdigers Gemahl;

    Liebreich empfangen wurden / die Jungfrauen allzumal.


    Sie fügten ihre Hände / in eins und gingen dann

    Zu einem weiten Saale, / der war gar wohlgetan,

    Vor dem die Donau unten / die Flut vorübergoß.

    Da saßen sie im Freien / und hatten Kurzweile groß.


    Ich kann euch nicht bescheiden, / was weiter noch geschah.

    Daß sie so eilen müßten, / darüber klagten da

    Die Recken Kriemhildens; / wohl war es ihnen leid.

    Was ihnen guter Degen / aus Bechlarn gaben Geleit!


    Viel minnigliche Dienste / der Markgraf ihnen bot.

    Da gab die Königstochter / zwölf Armspangen rot

    Der Tochter Gotlindens / und also gut Gewand,

    Daß sie kein beßres brächte / hin in König Etzels Land.


    Obwohl ihr war benommen / der Nibelungen Gold,

    Alle, die sie sahen, / machte sie sich hold

    Noch mit dem kleinen Gute, / das ihr verblieben war.

    Dem Ingesind des Wirtes / bot sie große Gaben dar.


    Dafür erwies Frau Gotlind / den Gästen von dem Rhein

    Auch so hohe Ehre / mit Gaben groß und klein,

    Daß man da der Fremden / wohl selten einen fand,

    Der nicht von ihr Gesteine / trug oder herrlich Gewand.


    Als man nach dem Imbiß / fahren sollt hindann,

    Ihre treuen Dienste / trug die Hausfrau an

    Mit minniglichen Worten / Etzels Gemahl.

    Die liebkos'te scheidend / der schönen Jungfrau zumal.


    Da sprach sie zu der Königin: / »Dünkt es euch nun gut,

    So weiß ich, wie gern es / mein lieber Vater tut,

    Daß er mich zu euch sendet / in der Heunen Land.«

    Daß sie ihr treu gesinnt war, / wie wohl Frau Kriemhild das fand!


    Die Rosse kamen aufgezäumt / von Bechelaren an.

    Als die edle Königin / Urlaub hatt' empfahn

    Von Rüdigers Weibe / und von der Tochter sein,

    Da schieden auch mit Grüßen / viel der schönen Mägdelein.


    Sie sahn einander selten / mehr nach diesen Tagen.

    Aus Medelick auf Händen / brachte man getragen

    Manch schönes Goldgefäße / angefüllt mit Wein

    Den Gästen auf die Straße / und hieß sie willkommen sein.


    Ein Wirt war dagesessen, / Astold genannt,

    Der wies sie die Straße / ins Österreicherland

    Gegen Mautaren / an der Donau nieder:

    Da ward viel Dienst erboten / der reichen Königin wieder.


    Der Bischof mit Liebe / von seiner Nichte schied.

    Daß sie sich wohl gehabe, / wie sehr er ihr das riet,

    Und sich Ehr erwerbe, / wie Helke einst getan.

    Hei! was sie großer Ehren / bald bei den Heunen gewann!


    An die Traisem kamen / die Gäst in kurzer Zeit.

    Sie zu pflegen fliß sich / Rüdigers Geleit,

    Bis daß man die Heunen / sah reiten über Land:

    Da ward der Königstochter / erst große Ehre bekannt.


    Bei der Traisem hatte / der Fürst von Heunenland

    Eine reiche Feste, / im Lande wohlbekannt,

    Mit Namen Traisenmauer: / einst wohnte Helke da

    Und pflag so hoher Milde, / als wohl nicht wieder geschah,


    Es sei denn von Kriemhilden; / die mochte gerne geben.

    Sie durfte wohl die Freude / nach ihrem Leid erleben,

    Daß ihre Güte priesen, / die Etzeln untertan.

    Das Lob sie bei den Helden / in der Fülle bald gewann.


    König Etzels Herrschaft / war so weit erkannt,

    Daß man zu allen Zeiten / an seinem Hofe fand

    Die allerkühnsten Recken, / davon man je vernommen

    Bei Christen oder Heiden; / die waren all mit ihm gekommen.


    Bei ihm war allerwegen, / so sieht mans nimmermehr,

    So christlicher Glaube / als heidnischer Verkehr.

    Wozu nach seiner Sitte / sich auch ein jeder schlug,

    Das schuf des Königs Milde, / man gab doch allen genug.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Zweiundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Kriemhild bei den Heunen empfangen ward


    Sie blieb zu Traisenmauer / bis an den vierten Tag.

    Der Staub in den Straßen / derweil nicht stille lag;

    Aufstob er allenthalben / wie in hellem Brand.

    Da ritten Etzels Leute / durch das Österreicherland.


    Es war dem König Etzel / gemeldet in der Zeit,

    Daß ihm vor Gedanken / schwand sein altes Leid,

    Wie herrlich Frau Kriemhild / zöge durch das Land.

    Da eilte hin der König, / wo er die Minnigliche fand.


    Von gar manchen Sprachen / sah man auf den Wegen

    Vor König Etzeln reiten / viel der kühnen Degen,

    Von Christen und von Heiden / manches breite Heer.

    Als sie die Herrin fanden, / sie zogen fröhlich einher.


    Von Reußen und von Griechen / ritt da mancher Mann:

    Die Polen und Walachen / zogen geschwind heran

    Auf den guten Rossen, / die sie herrlich ritten.

    Da zeigte sich ein jeder / in seinen heimischen Sitten.


    Aus dem Land zu Kiew / ritt da mancher Mann,

    Und die wilden Peschenegen. / Mit Bogen hub man an

    Zu schießen nach den Vögeln, / die in den Lüften flogen;

    Mit Kräften sie die Pfeile / bis zu des Bogens Ende zogen.


    Eine Stadt liegt an der Donau / im Österreicherland,

    Die ist geheißen Tulna. / Da ward ihr bekannt

    Manche fremde Sitte, / die sie noch niemals sah.

    Da empfingen sie gar viele, / denen noch Leid von ihr geschah.


    Es ritt dem König Etzel / ein Ingesind voran,

    Fröhlich und prächtig, / höfisch und wohlgetan,

    Wohl vierundzwanzig Fürsten / mächtig und hehr:

    Ihre Königin zu schauen, / sie begehrten sonst nichts mehr.


    Ramung der Herzog / aus Walachenland,

    Mit siebenhundert Mannen / kam er vor sie gerannt.

    Wie fliegende Vögel / sah man sie alle fahren.

    Da kam der Fürst Gibeke / mit viel herrlichen Scharen.


    Hornbog der schnelle / ritt mit tausend Mann

    Von des Königs Seite / zu seiner Fraun heran.

    Sie prangten und stolzierten / nach ihres Landes Sitten.

    Von den Heunenfürsten / ward auch da herrlich geritten.


    Da kam vom Dänenlande / der kühne Hawart

    Und Iring der schnelle, / vor allem Falsch bewahrt;

    Von Thüringen Irnfried, / ein weidlicher Mann:

    Sie empfingen Kriemhilden, / die so viel Ehre gewann,


    Mit zwölfhundert Mannen: / die zählte ihre Schar.

    Da kam der Degen Blödel / mit dreitausend gar,

    König Etzels Bruder / aus dem Heunenland:

    Der ritt in stolzem Zuge, / bis er die Königin fand.


    Da kam der König Etzel / und Herr Dieterich

    Mit seinen Helden allen. / Da sah man ritterlich

    Manchen edeln Ritter / bieder und auch gut.

    Davon ward auch Kriemhilden / gar wohl erhoben der Mut.


    Da sprach zu der Königin / der edle Rüdiger:

    »Frau, euch will empfangen / hier der König hehr.

    Wen ich euch küssen heiße, / dem sei der Kuß gegönnt:

    Wißt, daß ihr Etzels Recken / nicht alle gleich empfangen könnt.«


    Da hob man von der Mähre / die Königin hehr.

    Etzel der reiche, / nicht säumt' er länger mehr:

    Er schwang sich von dem Rosse / mit manchem kühnen Mann:

    Voller Freuden kam er / zu Frau Kriemhilden heran.


    Zwei mächtige Fürsten, / das ist uns wohlbekannt,

    Gingen bei der Frauen / und trugen ihr Gewand,

    Als der König Etzel / ihr entgegenging,

    Und sie den edlen Fürsten / mit Küssen gütlich empfing.


    Sie schob hinauf die Binden; / ihre Farbe wohlgetan

    Erglänzt' aus dem Golde. / Da sagte mancher Mann,

    Frau Helke könne schöner / nicht gewesen sein.

    Da stand in der Nähe / des Königs Bruder Blödelein.


    Den riet ihr zu küssen / Rüdiger der Markgraf reich,

    Und den König Gibeke / Dietrichen auch zugleich:

    Zwölf der Recken küßte / Etzels Königin;

    Da blickte sie mit Grüßen / noch zu manchem Ritter hin.


    Während König Etzel / bei Kriemhilden stand,

    Taten junge Degen, / wie Sitte noch im Land:

    Waffenspiele wurden / schön vor ihr geritten;

    Das taten Christenhelden / und Heiden nach ihren Sitten.


    Wie ritterlich die Degen / in Dietrichens Lehn

    Die splitternden Schäfte / in die Lüfte ließen gehn

    Hoch über Schilde / aus guter Ritter Hand!

    Vor den deutschen Gästen / brach da mancher Schildesrand.


    Von der Schäfte Krachen / vernahm man lauten Schall.

    Da waren aus dem Lande / die Recken kommen all

    Und auch des Königs Gäste, / so mancher edle Mann!

    Da ging der reiche König / mit der Königin hindann.


    Sie fanden in der Nähe / ein herrlich Gezelt.

    Erfüllt war von Hütten / rings das ganze Feld:

    Da war nach den Beschwerden / Rast für sie bereit.

    Da geleiteten die Helden / darunter manche schöne Maid


    Zu Kriemhild der Königin, / die dort danieder saß

    Auf reichem Stuhlgewande: / der Markgraf hatte das

    So prächtig schaffen lassen, / sie fandens schön und gut.

    Da stand dem König Etzel / in hohen Freuden der Mut.


    Was sie zusammen redeten, / das ist mir unbekannt:

    In seiner Rechten ruhte / ihre weiße Hand.

    So saßen sie in Minne, / als Rüdiger der Degen

    Dem König nicht gestattete / Kriemhildens heimlich zu pflegen.


    Da ließ man unterbleiben / das Kampfspiel überall:

    Mit Ehren ward beendet / der laute Freudenschall.

    Da gingen zu den Hütten, / die Etzeln untertan;

    Herberge wies man ihnen / ringsum allenthalben an.


    Den Abend und nachtüber / fanden sie Ruhe da,

    Bis man den lichten Morgen / wieder scheinen sah.

    Da kamen hoch zu Rosse / viel Helden ausersehn.

    Hei! was sah man Kurzweil / zu des Königs Ehren geschehn!


    Nach Würden es zu schaffen / der Fürst die Heunen bat.

    Da ritten sie von Tulna / gen Wien in die Stadt;

    In schönem Schmucke fand man / da Frauen ohne Zahl;

    Sie empfingen wohl mit Ehren / König Etzels Gemahl.


    In Überfluß und Fülle / war da für sie bereit,

    Wes sie nur bedurften. / Viel Degen allbereit

    Sahn froh dem Fest entgegen. / Herbergen wies man an:

    Die Hochzeit des Königs / mit hohen Freuden begann.


    Man mochte sie nicht alle / herbergen in der Stadt:

    Die nicht Gäste waren, / Rüdiger die bat,

    Daß sie Herberge / nähmen auf dem Land.

    Wohl weiß ich, daß man immer / den König bei Kriemhilden fand.


    Dietrich der Degen / und mancher andre Held,

    Die hatten ihre Muße / mit Arbeit eingestellt,

    Auf daß sie den Gästen / trösteten den Mut;

    Rüdger und seine Freunde / hatten Kurzweile gut.


    Die Hochzeit war gefallen / auf einen Pfingstentag,

    Wo der König Etzel / bei Kriemhilden lag

    In der Stadt zu Wiene. / Fürwahr so manchen Mann

    Bei ihrem ersten Manne / sie nicht zu Diensten gewann.


    Durch Gabe ward sie manchem, / der sie nicht kannte, kund.

    Darüber zu den Gästen / hub mancher an zur Stund:

    »Wir wähnten, Kriemhilden / benommen wär ihr Gut,

    Die nun mit ihren Gaben / hier so große Wunder tut.«


    Diese Hochzeit währte / siebzehn Tage lang.

    Von keinem andern König / weiß der Heldensang,

    Der solche Hochzeit hielte: / es ist uns unbekannt.

    All, die da waren, / die trugen neues Gewand.


    Sie hatten nie gesessen / daheim in Niederland

    Vor so manchem Recken; / auch ist mir wohlbekannt,

    War Siegfried reich an Schätzen, / so hatte er doch nicht

    So viel der edeln Recken, / als sie hier sah in Etzels Pflicht.


    Wohl gab auch nie ein König / bei seiner Hochzeit

    So manchen reichen Mantel, / lang, tief und weit,

    Noch so gute Kleider, / als man hier gewann,

    Die Kriemhildens willen / alle wurden vertan.


    Ihre Freunde wie die Gäste / hatten einen Mut;

    Sie dachten nichts zu sparen, / und wärs das beste Gut.

    Was einer wünschen mochte, / man war dazu bereit;

    Da standen viel der Degen / vor Milde bloß und ohne Kleid.


    Was einer tat aus Milde, / das war doch gar ein Wind

    Gegen Dietrichen: / was Botlungens Kind

    Ihm gegeben hatte, / das wurde gar verwandt.

    Da beging auch große Wunder / des milden Rüdiger Hand.


    Auch aus Ungarlande / der Degen Blödelein

    Ließ da ledig machen / manchen Reiseschrein

    Von Silber und von Golde: / das ward dahin gegeben.

    Man sah des Königs Helden / so recht fröhlich alle leben.


    Des Königs Spielleute, / Werbel und Schwemmelein,

    Wohl an tausend Marken / nahm jedweder ein

    Bei dem Hofgelage / (oder mehr als das),

    Als die schöne Kriemhild / bei Etzeln unter Krone saß.


    Am achtzehnten Morgen / von Wien die Helden ritten.

    In Ritterspielen wurden / der Schilde viel verschnitten

    Von Speeren, so da führten / die Recken an der Hand:

    So kam der König Etzel / mit Freuden in der Heunen Land.


    In Heimburg der alten / verblieb man über Nacht.

    Da konnte niemand wissen / recht des Volkes Macht,

    Mit welchen Heerkräften / sie ritten durch das Land.

    Hei! was schöner Frauen / man in seiner Heimat fand!


    In Misenburg der reichen / fing man zu segeln an.

    Verdeckt war das Wasser / von Roß und auch von Mann,

    Als ob es Erde wäre, / was man doch fließen sah.

    Die wegemüden Frauen / mochten sich wohl ruhen da.


    Zusammen war gebunden / manches Schifflein gut,

    Daß ihnen wenig schaden / Woge mocht und Flut;

    Darüber ausgebreitet / manch köstlich Gezelt,

    Als ob sie noch immer / beides hätten, Land und Feld.


    Nun ward auch in Etzelnburg / die Märe kundgetan:

    Da freute sich darinnen / beides, Weib und Mann.

    Etzels Ingesinde, / das einst Frau Helke pflag,

    Erlebte bei Kriemhilden / noch manchen fröhlichen Tag.


    Da stand ihrer harrend / gar manche edle Maid,

    Die seit Helkens Tode / getragen Herzeleid.

    Sieben Königstöchter / Kriemhild noch da fand;

    Durch die so ward gezieret / König Etzels ganzes Land.


    Herrat die Jungfrau / noch des Gesindes pflag,

    Helkens Schwestertochter, / in der viel Tugend lag,

    Dietrichs Verlobte, / eines edeln Königs Sproß,

    Die Tochter Nentweinens, / die noch viel Ehren genoß.


    Auf der Gäste Kommen / freute sich ihr Mut;

    Auch war dazu verwendet / viel kostbares Gut.

    Wer könnt euch des bescheiden, / wie Etzel saß seitdem?

    Den Heunen ward nicht wieder / eine Königin so genehm.


    Als der Fürst mit seinem Weibe / geritten kam vom Strand,

    Wer eine jede führte, / das ward da wohl benannt

    Kriemhild der edeln: / sie grüßte desto mehr.

    Wie saß an Helkens Stelle / sie bald gewaltig und hehr!


    Getreulichen Dienstes / ward ihr viel bekannt.

    Die Königin verteilte / Gold und Gewand,

    Silber und Gesteine; / was sie des überrhein

    Zum Heunenlande brachte, / das mußte gar vergeben sein.


    Auch wurden ihr mit Diensten / ergeben allzumal

    Die Freunde des Königs / und denen er befahl,

    Daß Helke nie, die Königin, / so gewaltiglich gebot,

    Als sie ihr dienen mußten / bis an Kriemhildens Tod.


    Da stand in solchen Ehren / der Hof und auch das Land,

    Daß man zu allen Zeiten / die Kurzweile fand,

    Wonach einem jedem / verlangte Herz und Mut:

    Das schuf des Königs Liebe, / dazu der Königin Gut.


    Wenn sie daran gedachte, / wie sie am Rheine saß

    Bei ihrem edeln Manne, / ihre Augen wurden naß:

    Doch hehlte sie es immer, / daß es niemand sah,

    Da ihr nach manchem Leide / so viel der Ehren geschah.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Dreiundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Kriemhild ihr Leid zu rächen gedachte


    In so hohen Ehren, / das ist alles wahr,

    Wohnten sie beisammen / bis an das siebte Jahr.

    Eines Sohns war genesen / derweil die Königin:

    Das schien König Etzel / der allergrößte Gewinn.


    Bis sie es erlangte, / ließ sie nicht ab davon,

    Die Taufe mußt empfangen / König Etzels Sohn

    Nach christlichem Brauche; / Ortlieb ward er genannt.

    Darob war große Freude / über Etzels ganzem Land.


    Der Zucht, deren jemals / zuvor Frau Helke pflag,

    Fliß sich Frau Kriemhild / darauf gar manchen Tag.

    Es lehrte sie die Sitte / Herrat die fremde Maid;

    Die trug noch in der Stille / um Helke schmerzliches Leid.


    Vor Heimischen und Fremden / war sie wohlbekannt;

    Es hieß, so gut und milde / hab eines Königs Land

    Nie eine Frau besessen: / das hielten sie für wahr.

    Des rühmten sie die Heunen / bis an das dreizehnte Jahr.


    Nun wußte sie, daß niemand / ihr feindlich sei gesinnt,

    Wie oft wohl Königinnen / der Fürsten Recken sind,

    Und daß sie täglich mochte / zwölf Könige vor sich sehn.

    Sie vergaß auch nicht des Leides, / das ihr daheim war geschehn.


    Sie gedachte noch der Ehren / in Nibelungenland,

    Die ihr geboten worden, / und die ihr Hagens Hand

    Mit Siegfriedens Tode / hatte gar benommen,

    Und ob ihm das nicht jemals / noch zuleide sollte kommen.


    »Es geschäh, wenn ich ihn bringen / möcht in dieses Land.«

    Ihr träumte wohl, ihr ginge / bei Etzel an der Hand

    Geiselher ihr Bruder; / sie küßt' ihn allezeit

    In ihrem sanften Schlafe: / das ward zu schmerzlichem Leid.


    Der üble Teufel war es wohl, / der Kriemhilden riet,

    Daß sie in Freundschaft / von König Gunther schied

    Und ihn zur Sühne küßte / in Burgundenland.

    Aufs neu begann zu triefen / von heißen Tränen ihr Gewand.


    Es lag ihr an dem Herzen / beides, spat und fruh,

    Wie man mit Widerstreben / sie doch gebracht dazu,

    Daß sie minnen mußte / einen heidnischen Mann:

    Die Not hatt ihr Hagen / und Herr Gunther angetan.


    Wie sie das rächen möchte, / dachte sie alle Tage:

    »Ich bin nun wohl so mächtig, / wem es auch mißbehage,

    Daß ich meinen Feinden / mag schaffen Herzeleid:

    Dazu wär ich dem Hagen / von Tronje gerne bereit.


    Nach den Getreuen jammert / noch oft die Seele mein;

    Doch die mir Leides taten, / möcht ich bei denen sein,

    So würde noch gerochen / meines Friedels Tod.

    Kaum kann ich es erwarten,« / sprach sie in des Herzens Not.


    Es liebten sie alle, / die dem König untertan,

    Die Recken Kriemhildens; / das war auch wohlgetan.

    Ihr Kämmerer war Eckewart: / drum ward er gern gesehn.

    Kriemhildens Willen / konnte niemand widerstehen.


    Sie gedacht auch alle Tage: / »Ich will den König bitten,«

    Er möcht ihr vergönnen / mit gütlichen Sitten,

    Daß man ihre Freunde / brächt in der Heunen Land.

    Den argen Willen niemand / an der Königin verstand.


    Als eines Nachts Frau Kriemhild / bei dem König lag,

    Umfangen mit den Armen / hielt er sie, wie er pflag,

    Der edeln Frau zu kosen; / sie war ihm wie sein Leib:

    Da gedachte ihrer Feinde / dieses herrliche Weib.


    Sie sprach zu dem König: / »Viel lieber Herre mein,

    Ich wollt euch gerne bitten, / möcht es mit Hulden sein,

    Daß ihr mich sehen ließet, / ob ich verdient den Sold,

    Daß ihr meinen Freunden / wäret inniglich hold.«


    Da sprach der mächtge König, / arglos war sein Mut:

    »Des sollt ihr inne werden: / was man den Helden tut

    Zu Ehren und zu Gute, / mir geschieht ein Dienst daran,

    Da ich von Weibesminne / nie beßre Freunde gewann.«


    Noch sprach zu ihm die Königin: / »Ihr wißt so gut wie ich,

    Ich habe hohe Freunde: / darum betrübt es mich,

    Daß mich die so selten / besuchen hier im Land:

    Ich bin allen Leuten / hier nur als freundlos bekannt.«


    Da sprach der König Etzel: / »Viel liebe Fraue mein,

    Däucht' es sie nicht zu ferne, / so lüd ich überrhein,

    Die ihr da gerne sähet, / hierher zu meinem Land.«

    Sie freute sich der Rede, / als ihr sein Wille ward bekannt.


    Sie sprach: »Wollt ihr mir Treue / leisten, Herre mein,

    So sollt ihr Boten senden / gen Worms überrhein.

    So entbiet ich meinen Freunden / meinen Sinn und Mut:

    So kommen uns zu Lande / viel Ritter edel und gut.«


    Er sprach: »Wenn ihr gebietet, / so laß ich es geschehn.

    Ihr könntet eure Freunde / nicht so gerne sehn,

    Der edeln Ute Kinder, / als ich sie sähe gern:

    Es ist mir ein Kummer, / daß sie so fremd uns sind und fern.«


    Er sprach: »Wenn dirs gefiele, / viel liebe Fraue mein,

    Wollt ich als Boten senden / zu den Freunden dein

    Meine Fiedelspieler / gen Burgundenland.«

    Die guten Spielleute / ließ man bringen gleich zur Hand.


    Die Knappen kamen beide, / wo sie den König sahn

    Sitzen bei der Königin. / Da sagt' er ihnen an,

    Sie sollten Boten werden / nach Burgundenland.

    Auch ließ er ihnen schaffen / reiches herrliches Gewand.


    Vierundzwanzig Recken / schnitt man da das Kleid.

    Ihnen ward auch von dem König / gegeben der Bescheid,

    Wie sie Gunthern laden sollten / und die ihm untertan.

    Frau Kriemhild mit ihnen / geheim zu sprechen noch sann.


    Da sprach der reiche König: / »Nun hört, wie ihr tut:

    Ich entbiete meinen Freunden / alles, was lieb und gut,

    Daß sie geruhn zu reiten / hierher in mein Land.

    Ich habe noch gar selten / so liebe Gäste gekannt.


    Und wenn sie meinen Willen / gesonnen sind zu tun,

    Kriemhilds Verwandte, / so mögen sie nicht ruhn

    Und mir zuliebe kommen / zu meinem Hofgelag,

    Da meiner Schwäger Freundschaft / mich so sehr erfreuen mag.«


    Da sprach der Fiedelspieler, / der stolze Schwemmelein:

    »Wann soll euer Gastgebot / in diesen Landen sein,

    Daß wirs euern Freunden / am Rhein mögen sagen?«

    Da sprach der König Etzel: / »In der nächsten Sonnewende Tagen.«


    »Wir tun, was ihr gebietet,« / sprach da Werbelein.

    Kriemhild ließ die Boten / zu ihrem Kämmerlein

    Führen in der Stille / und besprach mit ihnen da,

    Wodurch noch manchem Degen / bald wenig Liebes geschah.


    Sie sprach zu den Boten: / »Ihr verdient groß Gut,

    Wenn ihr besonnen / meinen Willen tut

    Und sagt, was ich entbiete / heim in unser Land:

    Ich mach euch reich an Gute / und geb euch herrlich Gewand.


    Wen ihr von meinen Freunden / immer möget sehn

    Zu Worms an dem Rheine, / dem sollt ihrs nie gestehn,

    Daß ihr mich immer sahet / betrübt in meinem Mut;

    Und entbietet meine Grüße / diesen Helden kühn und gut.


    Bittet sie zu leisten, / was mein Gemahl entbot,

    Und mich dadurch zu scheiden / von all meiner Not.

    Ich scheine hier den Heunen / freundlos zu sein.

    Wenn ich ein Ritter hieße, / ich käme manchmal an den Rhein.


    Und sagt auch Gernoten, / dem edlen Bruder mein,

    Daß ihm auf Erden niemand / holder möge sein:

    Bittet, daß er mir bringe / hierher in dieses Land

    Unsre besten Freunde; / so wird uns Ehre bekannt.


    Sagt auch Geiselheren, / ich mahn ihn daran,

    Daß ich mit seinem Willen / nie ein Leid gewann:

    Drum sähn ihn hier im Lande / gern die Augen mein;

    Auch will ich all mein Leben / ihm zu Dienst verpflichtet sein.


    Sagt auch meiner Mutter, / wie mir Ehre hier geschieht;

    Und wenn von Tronje Hagen / der Reise sich entzieht,

    Wer ihnen zeigen / die Straßen durch das Land?

    Die Wege zu den Heunen / sind von frühauf ihm bekannt.«


    Nun wußten nicht die Boten, / warum das möge sein,

    Daß sie diesen Hagen / von Tronje nicht am Rhein

    Bleiben lassen sollten. / Bald ward es ihnen leid:

    Durch ihn war manchem Degen / mit dem grimmen Tode gedräut.


    Botenbrief und Siegel / ward ihnen nun gegeben;

    Sie fuhren reich an Gute / und mochten herrlich leben.

    Urlaub gab ihnen Etzel / und sein schönes Weib;

    Ihnen war auch wohlgezieret / mit guten Kleidern der Leib.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Vierundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten


    Als Etzel seine Fiedler / hin zum Rheine sandte,

    Da flogen diese Mären / von Lande zu Lande:

    Mit schnellen Abgesandten / bat er und entbot

    Zu seinem Hofgelage; / da holte mancher sich den Tod.


    Die Boten ritten hinnen / aus der Heunen Land

    Zu den Burgunden, / wohin man sie gesandt

    Zu dreien edeln Königen / und ihrer Mannen Heer,

    Daß sie zu Etzeln kämen; / da beeilten sie sich sehr.


    Zu Bechlaren ritten / schon die Boten ein.

    Ihnen diente man da gerne / und ließ auch das nicht sein:

    Ihre Grüße sandten / Rüdger und Gotelind

    Den Degen an dem Rheine / und auch des Markgrafen Kind.


    Sie ließen ohne Gaben / die Boten nicht hindann,

    Daß desto sanfter führen, / die Etzeln untertan.

    Uten und ihren Söhnen / entbot da Rüdiger,

    Ihnen so gewogen hätten / sie keinen Markgrafen mehr.


    Sie entboten auch Brunhilden / alles, was lieb und gut,

    Ihre stete Treue / und dienstbereiten Mut.

    Da wollten nach der Rede / die Boten weiter ziehn;

    Gott bat sie zu bewahren / Gotlind die edle Markgräfin.


    Eh noch die Boten völlig / durchzogen Bayerland,

    Werbel der schnelle / den guten Bischof fand.

    Was der da seinen Freunden / hin an den Rhein entbot,

    Davon hab ich nicht Kunde; / jedoch sein Gold also rot


    Gab er den Boten milde. / Als sie wollten ziehn,

    »Sollt ich sie bei mir schauen,« / sprach Bischof Pilgerin,

    »So wär mir wohl zumute, / die Schwestersöhne mein:

    Ich mag leider selten / zu ihnen kommen an den Rhein.«


    Was sie für Wege fuhren / zum Rhein durch das Land,

    Kann ich euch nicht bescheiden. / Ihr Gold und ihr Gewand

    Blieb ihnen unbenommen; / man scheute Etzels Zorn:

    So gewaltig herrschte / der edle König wohlgeborn.


    Binnen zwölf Tagen / kamen sie an den Rhein

    Gen Worms in die Feste, / Werbel und Schwemmelein.

    Da sagte mans dem König / und seinen Mannen an,

    Es kämen fremde Boten; / Gunther zu fragen begann.


    Da sprach der Vogt vom Rheine: / »Wer macht uns bekannt,

    Von wannen diese Gäste / ritten in das Land?«

    Davon wußte niemand, / bis die Boten sah

    Hagen von Tronje: / der begann zu Gunthern da:


    »Wir hören Neues heute, / dafür will ich euch stehn:

    Etzels Fiedelspieler, / die hab ich hier gesehn;

    Die hat eure Schwester / gesendet an den Rhein:

    Ihrer Herren willen / sollen sie uns willkommen sein.«


    Sie ritten ohne Weilen / zu dem Saal heran:

    So herrlich fuhr wohl nimmer / eines Fürsten Fiedelmann.

    Des Königs Ingesinde / empfing sie gleich zur Hand;

    Herberge gab man ihnen / und bewahrte ihr Gewand.


    Ihre Reisekleider waren / reich und so wohlgetan,

    Sie mochten wohl mit Ehren / sich so dem König nahn;

    Doch wollten sie nicht länger / sie dort am Hofe tragen.

    »Ob jemand sie begehre?« / ließen da die Boten fragen.


    Da waren auch bedürftige / Leute bei der Hand,

    Die sie gerne nahmen: / denen wurden sie gesandt.

    Da schmückten mit Gewanden / so reich die Gäste sich,

    Wie es Königsboten / herrlich stand und wonniglich.


    Da ging mit Urlaube / hin, wo der König saß,

    Etzels Ingesinde: / gerne sah man das.

    Herr Hagen gleich den Boten / vom Sitz entgegensprang,

    Sie freundlich zu begrüßen: / des sagten ihm die Knappen Dank.


    Da hub er um die Kunde / sie zu befragen an,

    Wie Etzel sich gehabe / und die ihm untertan.

    Da sprach der Fiedelspieler: / »Nie besser stands im Land,

    Das Volk war niemals froher: / das sei euch wahrlich bekannt.«


    Er führte sie dem Wirte zu. / Der Königssaal war voll:

    Da empfing man die Gäste, / wie man immer soll

    Boten freundlich grüßen / in andrer Könge Land.

    Werbel der Recken / viel bei König Gunthern fand.


    Der König wohlgezogen / zu grüßen sie begann:

    »Willkommen, beide Fiedler, / die Etzeln untertan,

    Mit euern Heergesellen: / wozu hat euch gesandt

    Etzel der reiche / zu der Burgunden Land?«


    Sie neigten sich dem König. / Da sprach Werbelein:

    »Euch entbietet seine Dienste / der liebe Herre mein

    Und Kriemhild eure Schwester / hierher in dieses Land;

    Sie haben uns euch Recken / auf gute Treue gesandt.«


    Da sprach der reiche König: / »Der Märe bin ich froh.

    Wie gehabt sich Etzel,« / der Degen fragte so,

    »Und Kriemhild meine Schwester / in der Heunen Land?«

    Da sprach der Fiedelspieler: / »Das mach ich gern euch bekannt.


    Besser wohl gehabten / sich Könge nirgend mehr

    Und fröhlicher, das wisset, / als die Fürsten hehr

    Und ihre Degen alle, / Freund und Untertan.

    Sie freuten sich der Reise, / da wir schieden hindann.


    Nun Dank ihm für die Dienste, / die er mir entbeut,

    Ihm und meiner Schwester: / gern erfahr ich heut,

    Daß sie in Freuden leben, / der König und sein Lehn;

    Meine Frage war nach ihnen / in großen Sorgen geschehn.«


    Die beiden jungen Könige / waren auch gekommen,

    Die hatten diese Märe / eben erst vernommen.

    Geiselher der junge / die Boten gerne sah

    Aus Liebe zu der Schwester; / gar minniglich sprach er da:


    »Ihr Boten sollt uns beide / hochwillkommen sein:

    Kämet ihr nur öfter / geritten an den Rhein,

    Ihr fändet hier der Freunde, / die ihr gerne möchtet sehn;

    Euch sollte hier zulande / wenig Leides geschehn.«


    »Wir versehn uns alles Guten / zu euch,« sprach Schwemmelein;

    »Ich könnt euch nicht bedeuten / mit den Worten mein,

    Wie minnigliche Grüße / euch Etzel hat gesandt

    Und eure edle Schwester, / die da in hohen Ehren stand.


    An eure Lieb und Treue / mahnt euch die Königin

    Und daß ihr stets gewogen / war euer Herz und Sinn.

    Zuvörderst euch, Herr König, / sind wir hierher gesandt,

    Daß ihr geruht zu reiten / zu ihnen in der Heunen Land.


    Auch sollen mit euch reiten / Herr Geisler und Gernot.

    Etzel der reiche / euch allen das entbot,

    Wenn ihr nicht kommen wolltet / eure Schwester sehn,

    So möcht er doch wohl wissen, / was euch von ihm wär geschehn,


    Daß ihr ihn also meidet / und auch sein Reich und Land.

    Wär euch auch die Königin / fremd und unbekannt,

    So möcht er selbst verdienen, / ihr kämet ihn zu sehn:

    Wenn ihr das leisten wolltet, / so wär ihm Liebes geschehn.«


    Da sprach der König Gunther: / »Nach der siebten Nacht

    Will ich euch bescheiden, / was ich mich bedacht

    Hab im Rat der Freunde; / geht derweilen hin

    Zu eurer Herberge / und findet gute Ruh darin.«


    Da sprach wieder Werbel: / »Könnt es nicht geschehn,

    Daß wir unsre Fraue, / die reiche Ute, sehn,

    Eh wir müden Degen / fragten nach der Ruh?«

    Da sprach wohlgezogen / der edle Geiselher dazu:


    »Das soll euch niemand wehren; / wollt ihr vor sie gehn,

    So ist auch meiner Mutter / Will und Wunsch geschehn:

    Denn sie sieht euch gerne / um die Schwester mein,

    Frau Kriemhilde: / ihr sollt ihr willkommen sein.«


    Geiselher sie brachte / hin, wo er Uten fand.

    Die sah die Boten gerne / aus der Heunen Land

    Und empfing sie freundlich / mit wohlgezognem Mut.

    Da sagten ihr die Märe / die Boten höfisch und gut.


    »Meine Frau läßt euch entbieten,« / sprach da Schwemmelein,

    »Dienst und stete Treue, / und wenn es möchte sein,

    Daß sie euch öfter sähe, / so glaubet sicherlich,

    Wohl keine andre Freude / auf Erden wünschte sie sich.«


    Da sprach die Königin Ute: / »Das kann nun nicht sein.

    So gern ich öfter sähe / die liebe Tochter mein,

    So wohnt zu fern uns leider / die edle Königin;

    Nun geh ihr immer selig / die Zeit mit Etzeln dahin.


    Ihr sollt mich wissen lassen, / eh ihr von hinnen müßt,

    Wann ihr reiten wollet; / ich sah in langer Frist

    Boten nicht so gerne, / als ich euch gesehn.«

    Da gelobten ihr die Knappen, / ihr Wille solle geschehn.


    Zu den Herbergen gingen / die von Heunenland.

    Der reiche König hatte / die Freunde nun besandt.

    Gunther der edle / fragte Mann für Mann,

    Was sie darüber dächten. / Wohl manche huben da an,


    Er möge wohl reiten / in König Etzels Land.

    Das rieten ihm die Besten, / die er darunter fand.

    Hagen nur alleine, / dem war es grimmig leid.

    Zum König sprach er heimlich: / »Mit euch selbst seid ihr im Streit.


    Ihr habt doch nicht vergessen, / was ihr von uns geschehn:

    Vor Kriemhilden müssen wir / stets in Sorge stehn.

    Ich schlug ihr zu Tode / den Mann mit meiner Hand:

    Wie dürften wir wohl reiten / hin in König Etzels Land?«


    Da sprach der reiche König: / »Meiner Schwester Zürnen schwand:

    Mit minniglichem Kusse, / eh sie verließ dies Land,

    Hat sie uns verziehen, / was wir an ihr getan;

    Es wäre denn, sie stände / bei euch, Herr Hagen, noch an.«


    »Nun laßt euch nicht betrügen,« / sprach Hagen, »was auch sagen

    Diese Heunenboten: / wollt ihrs mit Kriemhild wagen,

    Da verliert ihr zu der Ehre / Leben leicht und Leib:

    Sie weiß wohl nachzutragen, / dem König Etzel sein Weib!«


    Da sprach vor dem Rate / der König Gernot:

    »Ihr mögt aus guten Gründen / fürchten dort den Tod

    In heunischen Reichen; / ständen wir drum an

    Und mieden unsre Schwester, / das wär übel getan.«


    Da sprach zu dem Degen / der junge Geiselher:

    »Da ihr euch, Freund Hagen, / schuldig wißt so sehr,

    So bleibt hier im Lande / euer Heil zu wahren;

    Nur laßt, die sichs getrauen, / mit uns zu den Heunen fahren.«


    Darob begann zu zürnen / von Tronje der Held:

    »Ich will nicht, daß euch jemand / sei bei der Fahrt gesellt,

    Der an den Hof zu reiten / sich mehr getraut als ich:

    Wollt ihrs nicht bleiben lassen, / ich beweis' es euch sicherlich.«


    Da sprach der Küchenmeister / Rumold der Degen:

    »Der Heimischen und Fremden / mögt ihr zu Hause pflegen

    Nach euerm Wohlgefallen: / da habt ihr vollen Rat:

    Ich wüßte nicht, daß jemand / euch dahin vergeiselt hat.


    Wollt ihr nicht Hagen folgen, / so rät euch Rumold,

    Der ich euch dienstlich / gewogen bin und hold,

    Daß ihr im Lande bleibet / nach dem Willen mein

    Und laßt den König Etzel / dort bei Kriemhilden sein.


    Wo könntet ihr auf Erden / so gut als hier gedeihn?

    Ihr mögt vor euern Feinden / daheim geborgen sein.

    Ihr sollt mit guten Kleidern / zieren euern Leib,

    Des besten Weines trinken / und minnen manches schöne Weib.


    Dazu gibt man euch Speise, / so gut sie in der Welt

    Ein König mag gewinnen. / Euer Land ist wohl bestellt:

    Der Hochzeit Etzels mögt ihr euch / mit Ehren wohl begeben

    Und hier mit euern Freunden / in guter Kurzweile leben.


    Und hättet ihr nichts anderes / davon zu zehren hier,

    Ich gäb euch eine Speise / die Fülle für und für:

    In Öl gesottne Schnitten. / Das ist, was Rumold rät,

    Da es gar so ängstlich, / ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.


    Hold wird euch Frau Kriemhild / doch nimmer, glaubet mir:

    Auch habt ihr und Hagen / es nicht verdient an ihr.

    Und wollt ihr nicht verbleiben, / wer weiß, wie ihr's beklagt:

    Ihr werdets noch erkennen, / ich hab' euch Wahrheit gesagt.


    Drum rat ich euch zu bleiben. / Reich ist euer Land:

    Ihr könnt hier besser lösen, / was ihr gabt zu Pfand,

    Als dort bei den Heunen: / wer weiß, wie es da steht?

    Verbleibt hier, ihr Herren: / das ist, was Rumold euch rät.«


    »Wir wollen nun nicht bleiben,« / sprach da Gernot

    »Da es meine Schwester / so freundlich uns entbot

    Und Etzel der reiche, / was führen wir nicht hin?

    Die nicht mit uns wollen, / mögen bleiben immerhin.«


    »In Treuen,« sprach da Rumold, / »ich will der eine sein,

    Der um Etzels Hofgelag / kommt nimmer überrhein.

    Wie setzt' ich wohl das Beßre / aufs Spiel, das ich gewann?

    Ich will mich selbst so lange / am Leben lassen als ich kann.«


    »So denk' ich's auch zu halten,« / sprach Ortwein der Degen:

    »Ich will der Geschäfte / zu Hause mit euch pflegen.«

    Da sprachen ihrer viele, / sie wollten auch nicht fahren:

    »Gott woll euch, liebe Herren, / bei den Heunen wohl bewahren.«


    Der König Gunther zürnte, / als er ward gewahr,

    Sie wollten dort verbleiben, / der Ruhe willen zwar:

    »Wir wollens drum nicht lassen, / wir müssen an die Fahrt;

    Der waltet guter Sinne, / der sich allezeit bewahrt.«


    Zur Antwort gab da Hagen: / »Laßt euch zum Verdruß

    Meine Rede nicht gereichen: / was auch geschehen muß,

    So rat ich euch in Treuen, / wenn ihr euch gern bewahrt,

    Daß ihr nur wohlgerüstet / zu dem Heunenlande fahrt.


    Wenn ihr's euch unterwindet, / so entbietet euer Heer,

    Die Besten, die ihr findet / und irgend wißt umher.

    Aus ihnen allen wähl ich dann / tausend Ritter gut:

    So mag euch nicht gefährden / der argen Kriemhilde Mut.«


    »Dem Rate will ich folgen,« / sprach der König gleich.

    Da sandt er seine Boten / umher in seinem Reich.

    Bald brachte man der Helden / dreitausend oder mehr.

    Sie dachten nicht zu finden / so großes Leid und Beschwer.


    Sie ritten hohes Mutes / durch König Gunthers Land.

    Sie verhießen allen / Ross' und Gewand,

    Die ihnen geben wollten / zum Heunenland Geleit.

    Da fand viel gute Ritter / der König zu der Fahrt bereit.


    Da ließ von Tronje Hagen / Dankwart den Bruder sein

    Achtzig ihrer Recken / führen an den Rhein.

    Sie kamen stolz gezogen; / Harnisch und Gewand

    Brachten viel die schnellen / König Gunthern in das Land.


    Da kam der kühne Volker, / ein edler Spielmann,

    Mit dreißig seiner Degen / zu der Fahrt heran.

    Ihr Gewand war herrlich, / ein König mocht' es tragen.

    Er wollte zu den Heunen, / ließ er dem Könige sagen.


    Wer Volker sei gewesen, / das sei euch kund getan.

    Es war ein edler Herre; / ihm waren untertan

    Viel der guten Recken / im Burgundenland;

    Weil er fiedeln konnte, / ward er der Spielmann genannt.


    Hagen wählte tausend, / die waren ihm bekannt;

    Was sie in starken Stürmen / gefrommt mit ihrer Hand

    Und sonst begangen hatten, / das hatt' er oft gesehn;

    Auch alle andern mußten / ihnen Ehre zugestehn.


    Die Boten Kriemhildens / der Aufenthalt verdroß;

    Die Furcht vor ihrem Herren / war gewaltig groß;

    Sie hielten alle Tage / um den Urlaub an.

    Das gönnt' ihnen Hagen nicht: / das ward aus Vorsicht getan.


    Er sprach zu seinem Herren: / »Wir wollen uns bewahren,

    Daß wir sie reiten lassen, / bevor wir selber fahren

    Sieben Tage später / in König Etzels Land;

    Trägt man uns argen Willen, / das wird so besser gewandt.


    So mag sich auch Frau Kriemhild / bereiten nicht dazu,

    Daß uns nach ihrem Rate / jemand Schaden tu.

    Will sie es doch versuchen, / so fährt sie übel an:

    Wir führen zu den Heunen / manchen auserwählten Mann.«


    Die Sättel und die Schilde / und all ihr Gewand,

    Das sie führen wollten / in König Etzels Land,

    War nun bereit und fertig / für manchen kühnen Mann.

    Etzels Spielleute / rief man zu Gunthern heran.


    Da die Boten kamen, / begann Herr Gernot:

    »Der König will leisten, / was Etzel uns entbot.

    Wir wollen gerne kommen / zu seiner Lustbarkeit

    Und unsre Schwester sehen; / daß ihr des außer Zweifel seid.«


    Da sprach der König Gunther: / »Wißt ihr uns zu sagen,

    Wann das Gastgebot beginnt, / oder zu welchen Tagen

    Wir erwartet werden?« / Da sprach Schwemmelein:

    »Zur nächsten Sonnenwende, / da soll es in Wahrheit sein.«


    Der König erlaubte, / das war noch nicht geschehn,

    Wenn sie Frau Brunhilden / wünschten noch zu sehn,

    Daß sie mit seinem Willen / sprächen bei ihr an.

    Dem widerstrebte Volker: / da war ihr Liebes getan.


    »Es ist ja Frau Brunhild / nun nicht so wohlgemut,

    Daß ihr sie schauen möchtet,« / sprach der Ritter gut.

    »Wartet bis morgen, / so läßt man sie euch sehn.«

    Sie wähnten sie zu schauen, / da konnt es doch nicht geschehn.


    Da ließ der reiche König, / er war den Boten hold,

    Aus eigner hoher Milde / daher von seinem Gold

    Auf breiten Schilden bringen; / wohl war er reich daran.

    Ihnen ward auch reiche Schenkung / von seinen Freunden getan.


    Geiselher und Gernot, / Gere und Ortewein,

    Wie sie auch milde waren, / das leuchtete wohl ein:

    So reiche Gaben boten / sie den Boten an,

    Daß sie's vor ihrem Herren / nicht getrauten zu empfahn.


    Da sprach zu dem König / der Bote Werbelein:

    »Herr König, laßt die Gaben / nur hier im Lande sein.

    Wir könnens nicht verführen, / weil uns der Herr verbot,

    Daß wir Geschenke nähmen: / auch tut es uns wenig not.«


    Da ward der Vogt vom Rheine / darüber ungemut,

    Daß sie verschmähen wollten / so reichen Königs Gut.

    Da mußten sie empfahen / sein Gold und sein Gewand,

    Daß sie es mit sich führten / heim in König Etzels Land.


    Sie wollten Ute schauen / vor ihrer Wiederkehr.

    Die Spielleute brachte / der junge Geiselher

    Zu Hof vor seine Mutier: / sie entbot der Königin,

    Wenn man ihr Ehre biete, / so bedünk es sie Gewinn.


    Da ließ die Königswitwe / ihre Borten und ihr Gold

    Verteilen um Kriemhildens, / denn der war sie hold,

    Und König Etzels willen / an das Botenpaar.

    Sie mochtens wohl empfahen: / getreulich bot sie es dar.


    Urlaub genommen hatten / nun von Weib und Mann

    Die Boten Kriemhildens; / sie fuhren froh hindann

    Bis zum Schwabenlande: / dahin ließ Gernot

    Seine Helden sie begleiten, / daß sie nirgend litten Not.


    Als die von ihnen schieden, / die sie sollten pflegen,

    Gab ihnen Etzels Herrschaft / Frieden auf den Wegen,

    Daß ihnen niemand raubte / ihr Roß noch ihr Gewand.

    Sie ritten sehr in Eile / wieder in der Heunen Land.


    Wo sie Freunde wußten, / da machten sie es kund,

    In wenig Tagen kämen / die Helden von Burgund

    Vom Rheine hergezogen / in der Heunen Land.

    Pilgerin, dem Bischof, / ward auch die Märe bekannt.


    Als sie vor Bechlaren / die Straße niederzogen,

    Da ward um die Märe / Rüdger nicht betrogen,

    Noch Frau Gotelinde, / die Markgräfin hehr.

    Daß sie sie schauen sollten, / des freuten beide sich sehr.


    Die Spielleute spornten / die Rosse mächtig an.

    Sie fanden König Etzeln / in seiner Stadt zu Gran.

    Gruß über Grüße, / die man ihm her entbot,

    Brachten sie dem Könige: / vor Liebe ward er freudenrot.


    Als Kriemhild der Königin / die Märe ward bekannt,

    Ihre Brüder wollten / kommen in ihr Land,

    Da ward ihr wohl zumute: / sie gab den Boten Lohn

    Mit reichlichen Geschenken; / sie hatte Ehre davon.


    Sie sprach: »Nun sagt mir beide, / Werbel und Schwemmelein,

    Wer will von meinen Freunden / beim Hofgelage sein,

    Von den höchsten, die wir luden / hierher in dieses Land?

    Sagt an, was sprach wohl Hagen, / als ihm die Märe ward bekannt?«


    »Er kam zu ihrem Rate / an einem Morgen fruh;

    Wenig gute Sprüche / redet' er dazu,

    Als sie die Fahrt gelobten / nach dem Heunenland:

    Die hat der grimme Hagen / die Todesreise genannt.


    Es kommen eure Brüder, / die Könge alle drei

    In herrlichem Mute. / Wer mehr mit ihnen sei,

    Darüber ich des weitern / euch nicht bescheiden kann.

    Es will mit ihnen reiten / Volker der kühne Fiedelmann.«


    »Des mag ich leicht entbehren,« / sprach die Königin,

    »Daß ich auch Volkern sähe / her zu Hofe ziehn!

    Hagen bin ich gewogen, / der ist ein Degen gut:

    Daß wir ihn schauen sollen, / des hab ich fröhlichen Mut.«


    Hin ging die Königstochter, / wo sie den König sah.

    Wie minnigliche Worte / sprach Frau Kriemhild da:

    »Wie gefallen euch die Mären, / viel lieber Herre mein?

    Wes mich je verlangte, / des soll nun bald vollendet sein.«


    »Dein Will' ist meine Freude,« / der König sprach da so:

    »Ich wär der eignen Freunde / nicht so von Herzen froh,

    Wenn sie kommen sollten / hieher in unser Land.

    Durch deiner Freunde Liebe / viel meiner Sorge verschwand.«


    Des Königs Amtleute / befahlen überall

    Mit Gestühl zu schmücken / Pallas und Saal

    Für die lieben Gäste, / die da sollten kommen.

    Durch die ward bald dem König / viel hoher Freude benommen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Fünfundzwanzigstes Abenteuer


    Wie die Könige zu den Heunen fuhren


    Wie man dort gebahrte, / vernahmt ihr nun genug.

    Wohl kamen nie gefahren / in solchem stolzen Zug

    So hochgemute Degen / in eines Königs Land;

    Sie hatten, was sie wollten, / beides, Waffen und Gewand.


    Der Vogt vom Rheine kleidete / aus seinem Heergeleit

    Der Degen tausendsechzig, / so gab man uns Bescheid,

    Und neuntausend Knechte / zu dem Hofgelag;

    Die sie zu Hause ließen, / beweinten es wohl hernach.


    Da trug man ihr Geräte / zu Worms übern Hof.

    Wohl sprach da von Speier / ein alter Bischof

    Zu der schönen Ute: / »Unsre Freunde wollen fahren

    Zu dem Gastgebote: / möge Gott sie da bewahren.«


    Da sprach zu ihren Söhnen / Ute die Fraue gut:

    »Ihr sollet hier verbleiben, / Helden hochgemut.

    Geträumt hat mir heute / von ängstlicher Not,

    Wie all das Gevögel / in diesem Lande wäre tot.«


    »Wer sich an Träume wendet,« / sprach dawider Hagen,

    »Der weiß noch die rechte / Kunde nicht zu sagen,

    Wie es mög am besten / um seine Ehre stehn:

    Es mag mein Herr nur immer / mit Urlaub hin zu Hofe gehn.


    Wir wollen gerne reiten / in König Etzels Land:

    Da mag wohl Köngen dienen / guter Helden Hand,

    So wir da schauen sollen / Kriemhildens Hochzeit.«

    Hagen riet die Reise; / doch ward es später ihm leid.


    Er hätt' es widerraten, / nur daß Gernot

    Mit ungefügen Reden / ihm Spott entgegenbot.

    Er mahnt' ihn an Siegfried, / Frau Kriemhildens Mann;

    Er sprach: »Darum steht Hagen / die große Reise nicht an.«


    Da sprach von Tronje Hagen: / »Nicht Furcht ists, daß ichs tu.

    Gebiete ihr es, Helden, / so greift immer zu:

    Gern will ich mit euch reiten / in König Etzels Land.«

    Bald ward von ihm zerhauen / mancher Helm und Schildesrand.


    Die Schiffe standen fertig / zu fahren über Rhein:

    Was sie von Kleidern hatten, / trugen sie darein.

    Sie fanden viel zu schaffen / bis zur Abendzeit;

    Sie huben sich von Hause / zur Reise freudig bereit.


    Sie schlugen auf im Grase / sich Hütten und Gezelt

    Jenseits des Rheines, / wo das Lager war bestellt.

    Da bat noch zu verweilen / Gunthern sein schönes Weib;

    Sie herzte nachts noch einmal / des Mannes weidlichen Leib.


    Flöten und Posaunen / erschollen morgens fruh

    Den Aufbruch anzukündigen: / da griff man bald dazu.

    Wem Liebes lag im Arme, / herzte des Freundes Leib.

    Mit Leid trennte viele / bald des König Etzel Weib.


    Der schönen Ute Söhne, / die hatten einen Mann,

    Der kühn war und bieder; / als man die Fahrt begann,

    Sprach er zu dem Könige / geheim nach seinem Mut.

    Er sprach: »Ich muß wohl trauern, / daß ihr die Hofreise tut.«


    Er war geheißen Rumold, / ein Degen auserkannt.

    Er sprach: »Wem wollt ihr lassen / Leute nun und Land?

    Daß niemand doch euch Recken / wenden mag den Mut!

    Die Mären Kriemhildens / dauchten mich niemals gut.«


    »Das Land sei dir befohlen / und auch mein Söhnelein;

    Und diene wohl den Frauen: / das ist der Wille mein.

    Wen du weinen siehest, / dem tröste Herz und Sinn;

    Es wird uns nichts zuleide / Kriemhild tun, die Königin.«


    Eh man schied von dannen, / beriet der König hehr

    Sich mit den höchsten Mannen; / er ließ nicht ohne Wehr

    Das Land und die Burgen: / die ihrer sollten pflegen,

    Zum Schutze ließ er denen / manchen auserwählten Degen.


    Die Rosse standen aufgezäumt / den Mannen wie den Herrn:

    Mit minniglichem Kusse / zog da mancher fern,

    Dem noch in hohem Mute / lebte Seel und Leib.

    Daß mußte bald beweinen / manches weidliche Weib.


    Wehruf und Weinen / hörte man genug;

    Auf dem Arm die Königin / ihr Kind dem König trug:

    »Wie wollt ihr so verwaisen / uns beide auf einmal?

    Verbleibt uns zuliebe,« / sprach sein jammerreich Gemahl.


    »Frau, ihr sollt nicht weinen / um den Willen mein,

    Ihr mögt hier ohne Sorgen / in hohem Mute sein;

    Wir kommen bald euch wieder / mit Freuden wohl gesund.«

    Sie schieden von den Freunden / minniglich zur selben Stund.


    Als man die schnellen Recken / sah zu den Rossen gehn,

    Fand man viel der Frauen / in hoher Trauer stehn;

    Daß sie auf ewig schieden, / sagt' ihnen wohl der Mut.

    Zu großem Schaden kommen, / das tut niemanden gut.


    Die schnellen Burgunden / begannen ihren Zug.

    Da ward in dem Lande / das Treiben groß genug:

    Beiderseits der Berge / meinte Weib und Mann.

    Wie auch das Volk gebarte, / sie fuhren fröhlich hindann.


    Niblungens Helden / zogen mit ihnen aus

    In tausend Halsbergen: / die hatten dort zu Haus

    Viel schöne Fraun gelassen / und sahn sie nimmermehr.

    Siegfriedens Wunden, / die schmerzten Kriemhilden sehr.


    Nur schwach in jenen Zeiten / war der Glaube noch;

    Es sang ihnen Messe / ein Kaplan jedoch.

    Der kam gesund zurücke, / obwohl aus großer Not;

    Die andern blieben alle / dort im Heunenlande tot.


    Da lenkten mit der Reise / auf den Mainstrom an

    Hinauf durch Ostfranken / die Gunthern untertan.

    Hagen war ihr Führer, / der war da wohlbekannt;

    Ihr Marschall war Dankwart, / der Held von Burgundenland.


    Da sie von Ostfranken / gen Schwanefelde ritten,

    Da konnte man sie kennen / an den herzlichen Sitten,

    Die Fürsten und die Freunde, / die Helden lobesam.

    An dem zwölften Morgen / der König an die Donau kam.


    Da ritt von Tronje Hagen / den andern all zuvor:

    Er hielt den Nibelungen / zumal den Mut empor.

    Bald sprang der kühne Degen / nieder auf den Strand,

    Wo er sein Roß in Eile / fest an einem Baume band.


    Die Flut war ausgetreten, / die Schifflein verborgen:

    Die Nibelungen kamen / da in große Sorgen,

    Wie sie hinüber sollten: / das Wasser war zu breit.

    Da schwang sich zur Erde / mancher Ritter allbereit.


    »Übel,« sprach da Hagen, / »mag dir wohl hier geschehn,

    König an dem Rheine; / du magst es selber sehn.

    Das Wasser ist ergossen, / zu stark ist seine Flut:

    Ich fürchte, wir verlieren / noch heute manchen Recken gut.«


    »Hagen, was verweis't ihr mir?« / sprach der König hehr,

    »Um eurer Hofzucht willen / erschreckt uns nicht noch mehr.

    Ihr sollt die Furt uns suchen / hinüber in das Land,

    Daß wir von hinnen bringen / beides, Ross' und Gewand.«


    »Mir ist ja noch,« sprach Hagen, / »mein Leben nicht so leid,

    Daß ich mich möcht ertränken / in diesen Wellen breit:

    Erst soll von meinen Händen / ersterben mancher Mann

    In König Etzels Landen, / wozu ich gute Lust gewann.


    Bleibt hier am Wasser, / ihr stolzen Ritter gut;

    So geh ich und suche / die Fergen bei der Flut,

    Die uns hinüber bringen / in Gelfratens Land.«

    Da nahm der kühne Hagen / seinen festen Schildesrand.


    Er war wohl bewaffnet: / den Schild er bei sich trug;

    Sein Helm war aufgebunden / und glänzte hell genug.

    Überm Harnisch führt' er / eine breite Waffe mit,

    Die an beiden Schärfen / aufs allergrimmigste schnitt.


    Er suchte hin und wieder / nach einem Schiffersmann.

    Da hört' er Wasser rauschen; / zu lauschen hub er an.

    In einem schönen Brunnen / tat das manch weises Weib:

    Die gedachten da im Bade / sich zu kühlen den Leib.


    Hagen ward ihrer inne, / da schlich er leis heran;

    Sie eilten schnell von hinnen, / als sie den Helden sahn.

    Daß sie ihm entrannen, / des freuten sie sich sehr.

    Da nahm er ihre Kleider / und schadet' ihnen nicht mehr.


    Da sprach das eine Meerweib, / Hadburg war sie genannt:

    »Hagen, edler Ritter, / wir machen euch bekannt,

    Wenn ihr uns dagegen / die Kleider wiedergebt,

    Was ihr auf dieser Reise / bei den Heunen erlebt.«


    Sie schwammen wie die Vögel / schwebend auf der Flut.

    Da daucht ihn ihr Wissen / von den Dingen gut:

    So glaubt' er um so lieber, / was sie ihm wollten sagen.

    Sie beschieden ihn darüber, / was er begann sie zu fragen.


    Sie sprach: »Ihr mögt wohl reiten / in König Etzels Land.

    Ich setz euch meine Treue / dafür zum Unterpfand:

    Niemals fuhren Helden / noch in ein fremdes Reich

    Zu so hohen Ehren: / in Wahrheit, ich sag es euch.«


    Der Rede war da Hagen / im Herzen froh und hehr:

    Die Kleider gab er ihnen / und säumte sich nicht mehr.

    Als sie umgezogen / ihr wunderbar Gewand,

    Vernahm er erst die Wahrheit / von der Fahrt in Etzels Land.


    Da sprach das andre Meerweib / mit Namen Siegelind:

    »Ich will dich warnen, Hagen, / Aldrianens Kind.

    Meine Muhme hat dich / der Kleider halb belogen,

    Und kommst du zu den Heunen, / so bist du übel betrogen.


    Wieder umzukehren, / wohl wär es an der Zeit,

    Dieweil ihr kühnen Helden / also geladen seid,

    Daß ihr müßt ersterben / in der Heunen Land;

    Wer da hinreitet, / der hat den Tod an der Hand.«


    Da sprach aber Hagen: / »Ihr trügt mich ohne Not:

    Wie sollte das sich fügen, / daß wir alle tot

    Blieben bei dem Hofgelag / durch jemandes Groll?«

    Da sagten sie dem Degen / die Märe deutlich und voll.


    Da sprach die eine wieder: / »Es muß nun so geschehn;

    Keiner wird von euch allen / die Heimat wiedersehn

    Als der Kaplan des Königs: / das ist uns wohlbekannt,

    Der kommt geborgen wieder / heim in König Gunthers Land.«


    Ingrimmen Mutes / sprach der kühne Hagen:

    »Das ließen meine Herren / schwerlich sich sagen,

    Wir verlören bei den Heunen / Leben all und Leib.

    Nun zeig uns übers Wasser, / allerweisestes Weib.«


    Sie sprach: »Willst du nicht anders, / und soll die Fahrt geschehn,

    So siehst du überm Wasser / eine Herberge stehn:

    Darin ist eine Ferge / und sonst nicht nah noch fern.«

    Weiter nachzufragen, / des begab er nun sich gern.


    Dem unmutvollen Recken / rief noch die eine nach:

    »Nun wartet, Herr Hagen, / euch ist auch gar zu jach;

    Vernehmt noch erst die Kunde, / wie ihr kommt durchs Land.

    Der Herr dieser Marke, / der ist Else genannt.


    Sein Bruder ist geheißen / Gelfrat der Held,

    Ein Herr im Bayerlande; / nicht so leicht es hält,

    Wollt ihr durch seine Marke: / ihr mögt euch wohl bewahren

    Und sollt auch mit dem Fergen / gar bescheidentlich verfahren.


    Der ist so grimmes Mutes, / er läßt euch nicht gedeihn,

    Wollt ihr nicht verständig / bei dem Helden sein.

    Soll er euch über holen, / so bietet ihm den Sold;

    Er hütet dieses Landes / und ist Gelfraten hold.


    Und kommt er nicht beizeiten, / so ruft über Flut

    Und sagt, ihr heißet Amelrich; / das war ein Degen gut,

    Der seiner Feinde willen / räumte dieses Land:

    So wird der Fährmann kommen, / wird ihm der Name genannt.«


    Der übermütge Hagen / dankte den Frauen hehr

    Des Rats und der Lehre; / kein Wörtlein sprach er mehr.

    Dann ging er bei dem Wasser / hinauf an den Strand,

    Wo er auf jener Seite / eine Herberge fand.


    Laut begann zu rufen / der Degen über Flut:

    »Nun hol mich über, Ferge,« / sprach der Degen gut,

    »So geb ich dir zum Lohne / eine Spange goldesrot;

    Mir tut das Überfahren, / das wisse, wahrhaftig not.«


    Es brauchte nicht zu dienen / der reiche Schiffersmann:

    Lohn nahm er selten / von jemanden an;

    Auch waren seine Knechte / zumal von stolzem Mut.

    Noch immer stand Hagen / diesseits allein bei der Flut.


    Da rief er so gewaltig, / der ganze Strom erscholl

    Von des Helden Stärke, / die war so groß und voll:

    »Mich, Amelrich hol über; / ich bin es, Elses Mann,

    Der vor starker Feindschaft / aus diesen Landen entrann.«


    Hoch an seinem Schwerte / er ihm die Spange bot,

    Die war schön und glänzte / von lichtem Golde rot,

    Daß er ihn überbrächte / in Gelfratens Land.

    Der übermütge Ferge / nahm selbst das Ruder an die Hand.


    Auch hatte dieser Ferge / habsüchtgen Sinn:

    Die Gier nach großem Gute / bringt endlich Ungewinn.

    Er dachte zu verdienen / Hagens Gold so rot,

    Da litt er von dem Degen / hier den schwertgrimmen Tod.


    Der Ferge zog gewaltig / hinüber an den Strand.

    Welcher ihm genannt war, / als er den nicht fand,

    Da hub er an zu zürnen: / als er Hagen sah,

    Mit grimmem Ungestüme / zu dem Helden sprach er da:


    »Ihr mögt wohl sein geheißen / mit Namen Amelrich;

    Doch seht ihr dem nicht ähnlich, / des ich versehen mich.

    Von Vater und von Mutter / war er der Bruder mein:

    Nun ihr mich betrogen habt, / so müßt ihr dieshalben sein.«


    »Nein! um Gottes willen,« / sprach Hagen dagegen.

    »Ich bin ein fremder Recke, / besorgt um andre Degen.

    So nehmet denn freundlich / hin meinen Sold

    Und fahrt uns hinüber; / ich bin euch wahrhaftig hold.«


    Da sprach der Ferge wieder: / »Das kann einmal nicht sein.

    Viel der Feinde haben / die lieben Herren mein;

    Drum fahr ich keinen Fremden / hinüber in ihr Land.

    Wenn euch das Leben lieb ist, / so tretet aus an den Strand.«


    »Das tu ich nicht,« sprach Hagen, / »traurig ist mein Mut.

    Nehmt zum Gedächtnis / die goldne Spange gut

    Und fahrt uns über, tausend Ross' / und auch so manchen Mann.«

    Da sprach der grimmge Ferge: / »Das wird nimmer getan.«


    Er hob ein starkes Ruder, / mächtig und breit,

    Und schlug es auf Hagen / (es ward ihm später leid),

    Daß er im Schiffe nieder / strauchelt' auf die Knie.

    Solchen grimmen Fergen / fand der von Tronje noch nie.


    Noch stärker zu erzürnen / den kühnen Fremdling, schwang

    Er seine Ruderstange, / daß sie gar zersprang,

    Auf das Haupt dem Hagen; / er war ein starker Mann;

    Davon Elses Ferge / bald großen Schaden gewann.


    Mit grimmigem Mute / griff Hagen gleich zur Hand

    Zur Seite nach der Scheide, / wo er ein Waffen fand:

    Er schlug das Haupt ihm nieder / und warf es auf den Grund.

    Bald wurden diese Mären / den stolzen Burgunden kund.


    Im selben Augenblicke, / als er den Fährmann schlug,

    Glitt das Schiff zur Strömung; / das war ihm leid genug.

    Eh er es richten konnte, / fiel ihn Ermüdung an.

    Da zog am Ruder kräftig / König Gunthers Untertan.


    Er versucht' es umzukehren / mit manchem schnellen Schlag,

    Bis ihm das starke Ruder / in der Hand zerbrach.

    Er wollte zu den Recken / sich wenden an den Strand;

    Da hat er keines weiter: / wie bald er es zusammenband


    Mit seinem Schildriemen, / einer Borte schmal.

    Hin zu einem Walde / wandt er das Schiff zu Tal,

    Da fand er seine Herren / sein harren an dem Strand;

    Es gingen ihm entgegen / viel der Degen auserkannt.


    Mit Gruß ihn wohl empfingen / die edeln Ritter gut,

    Sie sahen in dem Schiffe / rauchen noch das Blut

    Von einer starken Wunde, / die er dem Fergen schlug:

    Darüber mußte Hagen / fragen hören genug.


    Als der König Gunther / das heiße Blut ersah

    In dem Schiffe schweben, / wie bald sprach er da:

    »Wo ist denn, Herr Hagen, / der Fährmann hingekommen?

    Eure starken Kräfte haben / ihm wohl das Leben benommen?«


    Da sprach er mit Verleugnen: / »Als ich das Schifflein fand

    Bei einer wilden Weide, / da löst' es meine Hand.

    Ich habe keinen Fergen / heute hier gesehn;

    Leid ist auch niemand / von meinen Händen geschehn.«


    Da sprach von Burgunden / der König Gernot:

    »Heute muß ich bangen / um lieber Freunde Tod,

    Da wir keinen Schiffmann / hier am Strome sehn:

    Wie wir hinüber kommen, / darob muß ich in Sorgen stehn.«


    Laut rief da Hagen: / »Legt auf den Boden her,

    Ihr Knechte, das Geräte: / ich gedenke, daß ich mehr

    Der allerbeste Ferge war, / den man am Rheine fand:

    Ich bring euch hinüber / gar wohl in Gelfratens Land.«


    Daß sie desto schneller / kämen über Flut,

    Trieb man hinein die Mähren; / ihr Schwimmen ward so gut,

    Daß ihnen auch nicht eines / der starke Strom benahm.

    Einige trieben ferner, / als sie Ermüdung überkam.


    Sie trugen zu dem Schiffe / ihr Gut und ihre Wehr,

    Nun einmal ihre Reise / nicht zu vermeiden mehr.

    Hagen fuhr sie über: / da bracht er an den Strand

    Manchen zieren Recken / in das unbekannte Land.


    Zum ersten fuhr er über / tausend Ritter hehr

    Und seine sechzig Degen; / dann kamen ihrer mehr:

    Neuntausend Knechte, / die bracht er an das Land.

    Des Tags war unmüßig / des kühnen Tronjers Hand.


    Das Schiff war ungefüge, / stark und weit genug:

    Fünfhundert oder drüber / es leicht auf einmal trug

    Ihres Volks mit Speise / und Waffen über Flut:

    Am Ruder mußte ziehen / des Tages mancher Ritter gut.


    Da er sie wohlgeborgen / über Flut gebracht,

    Da war der fremden Märe / der schnelle Held bedacht,

    Die ihm verkündet hatte / das wilde Meerweib;

    Dem Kaplan des Königs ging es / da schier an Leben und Leib.


    Bei seinem Weihgeräte / er den Pfaffen fand

    Auf dem Heiligtume / sich stützend mit der Hand:

    Das kam ihm nicht zugute, / als Hagen ihn ersah;

    Der unglückselge Priester, / viel Beschwerde litt er da.


    Er schwang ihn aus dem Schiffe / mit jäher Gewalt.

    Da liefen ihrer viele: / »Halt, Hagen, halt!«

    Geiselher der junge / hub zu zürnen an;

    Er wollt es doch nicht lassen, / bis er ihm Leides getan.


    Da sprach von Burgunden / der König Gernot:

    »Was hilft euch wohl, Herr Hagen / de Kaplanes Tod?

    Tät dies anders jemand, / es sollt ihm werden leid.

    Was verschuldete der Priester, / daß ihr so wider ihn seid?«


    Der Pfaffe schwamm nach Kräften: / er hoffte zu entgehn,

    Wenn ihm nur jemand hülfe; / das konnte nicht geschehn:

    Denn der starke Hagen, / gar zornig war sein Mut,

    Stieß ihn zu Grunde wieder; / das dauchte niemanden gut.


    Als der arme Pfaffe / hier keine Hilfe sah,

    Da wandt er sich ans Ufer; / Beschwerde litt er da.

    Ob er nicht schwimmen konnte, / doch half ihm Gottes Hand,

    Daß er wohlgeborgen / hinwieder kam an den Strand.


    Da stand der arme Priester / und schüttelte sein Kleid.

    Daran erkannte Hagen, / ihm habe Wahrheit,

    Unmeidliche, verkündet / das wilde Meerweib.

    Er dachte: »Diese Degen / verlieren Leben und Leib.«


    Als sie das Schiff entladen / und ans Gestad geschafft,

    Was darauf besessen / der Könge Ritterschaft,

    Schlug Hagen es in Stücke / und warf es in die Flut:

    Das wunderte gewaltig / die Recken edel und gut.


    »Bruder, warum tut ihr das?« / sprach da Dankwart.

    »Wie sollen wir hinüber / bei unsrer Wiederfahrt,

    Wenn wir von den Heunen / reiten an den Rhein?«

    Hernach sagt' ihm Hagen, / das könne nimmermehr sein.


    Da sprach der Held von Tronje: / »Ich tats mit Wohlbedacht:

    Haben wir einen Feigen / in dieses Land gebracht,

    Der uns entrinnen möchte / in seines Herzens Not,

    Der muß an diesen Wogen / leiden schmählichen Tod.«


    Sie führten bei sich einen / aus Burgundenland,

    Der ein gar behender Held / und Volker ward genannt.

    Der redete da launig / nach seinem kühnen Mut:

    Was Hagen je begangen, / den Fiedler dauchte das gut.


    Als der Kaplan des Königs / das Schiff zerschlagen sah,

    Über das Wasser / zu Hagen sprach er da:

    »Ihr Mörder ohne Treue, / was hatt' ich euch getan,

    Daß mich unschuldgen Pfaffen / eur Herz zu ertränken sann?«


    Zur Antwort gab ihm Hagen: / »Die Rede laßt beiseit:

    Mich kümmert, meiner Treue, / daß ihr entkommen seid

    Hier von meinen Händen, / das glaubt ohne Spott.«

    Da sprach der arme Priester: / »Dafür lob ich ewig Gott.


    Ich fürcht euch nun wenig, / des dürft ihr sicher sein:

    Fahrt ihr zu den Heunen, / so will ich über Rhein.

    Gott laß euch nimmer wieder / nach dem Rheine kommen,

    Das wünsch ich euch von Herzen: / schier das Leben habt ihr mir genommen.«


    Da sprach König Gunther / zu seinem Kapellan:

    »Ich will euch alles büßen, / was Hagen euch getan

    Hat in seinem Zorne, / komm ich an den Rhein

    Mit meinem Leben wieder: / des sollt ihr außer Sorge sein.


    Fahrt wieder heim zu Lande; / es muß nun also sein.

    Ich entbiete meine Grüße / der lieben Frauen mein

    Und meinen andern Freunden, / wie ich billig soll:

    Sagt ihnen liebe Märe, / daß wir noch alle fuhren wohl.«


    Die Rosse standen harrend, / die Säumer wohl geladen;

    Sie hatten auf der Reise / bisher noch keinen Schaden

    Genommen, der sie schmerzte, / als des Königs Kaplan:

    Der mußt auf seinen Füßen / sich zum Rheine suchen Bahn.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Sechsundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Dankwart Gelfraten erschlug


    Als sie nun alle waren / gekommen an den Strand,

    Da fragte König Gunther: / »Wer soll uns durch das Land

    Die rechten Wege weisen, / daß wir nicht irre gehn?«

    Da sprach der kühne Volker: / »Laßt mich das Amt nur versehn.«


    »Nun haltet an,« sprach Hagen, / »sei's Ritter oder Knecht:

    Man soll Freunden folgen, / das bedünkt mich recht.

    Eine ungefüge Märe / mach ich euch bekannt:

    Wir kommen nimmer wieder / heim in der Burgunden Land.


    Das sagten mir zwei Meerfraun / heute morgen fruh,

    Wir kämen nimmer wieder. / Nun rat ich, was man tu:

    Waffnet euch, ihr Helden, / ihr sollt euch wohl bewahren:

    Wir finden starke Feinde / und müssen drum wehrhaft fahren.


    Ich wähnt auf Lug zu finden / die weisen Meerfraun;

    Sie sagten mir, nicht einer / werde wiederschaun

    Die Heimat von uns allen / bis auf den Kapellan;

    Drum hätt' ich ihm so gerne / heut den Tod angetan.«


    Da flogen diese Mären / von Schar zu Schar einher.

    Bleich vor Schrecken wurden / Degen kühn und hehr,

    Als sie die Sorge faßte / vor dem herben Tod

    Auf dieser Hofreise: / das schuf ihnen wahrlich Not.


    Bei Möringen waren / sie über Flut gekommen,

    Wo dem Fährmann Elses / das Leben ward benommen.

    Da sprach Hagen wieder: / »Die ich mir so gewann

    Unterwegs der Feinde, / so greift man ehstens uns an.


    Ich erschlug den Fährmann / heute morgen fruh;

    Sie wissen nun die Kunde. / Drum eilt und greifet zu,

    Wenn Gelfrat und Elsen / heute hier besteht

    Unser Ingesinde, / daß es ihnen übel ergeht.


    Sie sind gar kühn, ich weiß es, / es wird gewiß geschehn.

    Drum laßt nur die Rosse / in sanftem Schritte gehn,

    Daß nicht jemand wähne, / wir flöhn vor ihrem Heer.«

    »Dem Rate will ich folgen,« / sprach da der junge Geiselher.


    »Wer zeigt nun dem Gesinde / die Wege durch das Land?«

    Sie sprachen: »Das soll Volker: / dem sind hie wohlbekannt

    Die Straßen und die Steige, / dem stolzen Fiedelmann.«

    Eh mans von ihm verlangte, / kam er gewaffnet heran.


    Der schnelle Fiedelspieler, / den Helm er überband:

    Von herrlicher Farbe / war sein Streitgewand.

    Am Schaft ließ er flattern / ein Zeichen, das war rot.

    Bald kam er mit den Königen / in eine furchtbare Not.


    Gewisse Kunde hatte / Gelfrat nun bekommen

    Von des Fergen Tode; / da hatt' es auch vernommen

    Else der starke: / beiden war es leid.

    Sie besandten ihre Helden: / die traf man balde bereit.


    Darauf in kurzen Zeiten, / nun hört mich weiter an,

    Sah man zu ihnen reiten, / denen Schade war getan,

    In starkem Kriegszuge / ein ungefüges Heer:

    Wohl siebenhundert stießen / zu Gelfrat oder noch mehr.


    Als das den grimmen Feinden / nachzuziehn begann,

    Die Herren, die es führten, / huben zu jagen an

    Den kühnen Gästen hinterdrein. / Sie wollten Rache haben:

    Da müßten sie der Freunde / hernach noch manchen begraben.


    Hagen von Tronje / richtete das ein

    (Wie konnte seiner Freunde / ein beßrer Hüter sein?),

    Daß er die Nachhut hatte / und die ihm untertan

    Mit Dankwart seinem Bruder; / das war gar weislich getan.


    Ihnen war der Tag zerronnen, / den hatten sie nicht mehr.

    Er bangte vor Gefahren / für seine Freunde sehr.

    Sie ritten unter Schilden / durch der Bayern Land:

    Darnach in kurzer Weile / die Helden wurden angerannt.


    Beiderseits der Straße / und hinter ihnen her

    Vernahm man Hufe schlagen; / die Haufen eilten sehr.

    Da sprach der kühne Dankwart: / »Gleich fallen sie uns an:

    Bindet auf die Helme, / das dünkt mich rätlich getan.«


    Sie hielten ein mit Reiten, / als es mußte sein:

    Da sahen sie im Dunkel / der lichten Schilde Schein.

    Nicht länger stille schweigen / mochte da Herr Hagen:

    »Wer verfolgt uns auf der Straße?« / Das mußte Gelfrat ihm sagen.


    Da sprach zu ihm der Markgraf / aus der Bayern Land:

    »Wir suchen unsre Feinde, / denen sind wir nachgerannt.

    Ich weiß nicht, wer mir heute / meinen Fergen schlug:

    Das war ein schneller Degen; / mir ist leid um ihn genug.«


    Da sprach von Tronje Hagen: / »War der Ferge dein?

    Er wollt uns nicht fahren; / alle Schuld ist mein:

    Ich erschlug den Recken; / fürwahr, es tat mir not:

    Ich hatte von dem Degen / schier selbst den grimmigen Tod.


    Ich bot ihm zum Lohne / Gold und Gewand

    Daß er uns überführe, / Held, in euer Land.

    Darüber zürnt' er also, / daß er nach mir schlug

    Mit starker Ruderstange: / da ward ich grimmig genug.


    Ich griff nach Schwerte / und wehrte seinem Zorn

    Mit einer schweren Wunde: / da war der Held verlorn.

    Ich steh euch hier zur Sühne, / wie es euch dünke gut.«

    Da ging es an ein Streiten: / sie hatten zornigen Mut.


    »Ich wußte wohl,« sprach Gelfrat, / »als hier mit dem Geleit

    Gunther zog vorüber, / uns geschäh ein Leid

    Von Hagens Übermute. / Nun büßt ers mit dem Leben:

    Für des Fergen Ende / soll er selbst hier Bürgschaft geben.«


    Über die Schilde neigten / da zum Stich den Speer

    Gelfrat und Hagen; / sie zürnten beide schwer.

    Dankwart und Else / zusammen herrlich ritten:

    Sie erprobten, wer sie waren: / da wurde grimmig gestritten.


    Wer je versuchte kühner / sich und die Gunst des Glücks?

    Von einem starken Stoße / sank Hagen hinterrücks

    Von der Mähre nieder / durch Gelfratens Hand.

    Der Brustriem war gebrochen: / so ward ihm Fallen bekannt.


    Man hört' auch beim Gesinde / krachender Schäfte Schall.

    Da erholte Hagen / sich wieder von dem Fall,

    Den er auf das Gras getan / von des Gegners Speer.

    Da zürnte der von Tronje / wider Gelfraten sehr.


    Wer ihnen hielt die Rosse, / das ist mir unbekannt.

    Sie waren aus den Sätteln / gekommen auf den Sand,

    Hagen und Gelfrat: / nun liefen sie sich an.

    Ihre Gesellen halfen, / daß ihnen Streit ward kundgetan.


    Wie heftig auch Hagen / zu Gelfraten sprang,

    Ein Stück von Ellenlänge / der edle Markgraf schwang

    Ihm vom Schilde nieder; / das Feuer stob hindann.

    Da wäre schier erstorben / König Gunthers Untertan.


    Er rief mit lauter Stimme / Dankwarten an:

    »Hilf mir, lieber Bruder! / ein schneller starker Mann

    Hat mich hier bestanden: / der läßt mich nicht gedeihn.«

    Da sprach der kühne Dankwart: / »So will ich denn Schiedsmann sein.«


    Da sprang der Degen näher / und schlug ihm solchen Schlag

    Mit einer scharfen Waffe, / daß er tot da lag.

    Else wollte Rache / nehmen für den Mann:

    Doch er und sein Gesinde / schied mit Schaden hindann.


    Sein Bruder war erschlagen, / selber ward er wund;

    Wohl achtzig seiner Degen / wurden gleich zur Stund

    Des grimmen Todes Beute: / da mußte wohl der Held

    Günthers Mannen räumen / in geschwinder Flucht das Feld.


    Als die vom Bayerlande / wichen aus dem Wege,

    Man hörte nachhallen / die furchtbaren Schläge.

    Da jagten die von Tronje / ihren Feinden nach;

    Die es nicht büßen wollten, / die hatten wenig Gemach.


    Da sprach beim Verfolgen / Dankwart der Degen:

    »Kehren wir nun wieder / zurück auf unsern Wegen

    Und lassen wir sie reiten: / sie sind vom Blute naß.

    Wir eilen zu den Freunden: / in Treuen rat ich das.«


    Als sie hinwieder kamen, / wo der Schade war geschehn,

    Da sprach von Tronje Hagen: / »Helden, laßt uns sehn,

    Wen wir hier vermissen, / oder wer uns verlorn

    Hier in diesem Streite / ging durch Gelfrats Zorn.«


    Sie hatten vier verloren; / der Schade ließ sich tragen:

    Sie waren wohl vergolten; / dagegen aber lagen

    Deren vom Bayerlande / mehr als hundert tot.

    Den Tronejern waren / von Blut die Schilde trüb und rot.


    Ein wenig brach aus Wolken / des hellen Mondes Licht;

    Da sprach wieder Hagen: / »Hört, berichtet nicht

    Meinen lieben Herren, / was hier von uns geschah:

    Bis zum Morgen komme / ihnen keine Sorge nah.«


    Als zu ihnen stießen, / die da kamen von dem Streit,

    Da klagte das Gesinde / über Müdigkeit:

    »Wie lange sollen wir reiten?« / fragte mancher Mann.

    Da sprach der kühne Dankwart: / »Wir treffen keine Herberg an.


    Ihr müßt alle reiten / bis an den hellen Tag.«

    Volker, der schnelle, / der des Gesindes pflag,

    Ließ den Marschall fragen: / »Wo kehren wir heut ein?

    Wo rasten unsre Pferde / und die lieben Herren mein?«


    Da sprach der kühne Dankwart: / »Ich weiß es nicht zu sagen.

    Wir können uns nicht ruhen, / bis es beginnt zu tagen;

    Wo wir es dann finden, / legen wir uns ins Gras.«

    Als sie die Kunde hörten, / wie leid war etlichen das!


    Sie blieben unverraten / vom heißen Blute rot,

    Bis daß die Sonne / die lichten Strahlen bot

    Dem Morgen über Berge, / wo es der König sah,

    Daß sie gestritten hatten: / sehr im Zorne sprach er da:


    »Wie nun denn, Freund Hagen? / Verschmähtet ihr wohl das,

    Daß ich euch Hilfe brächte, / als euch die Ringe naß

    Wurden von dem Blute? / Wer hat euch das getan?«

    Da sprach er: »Else tat es, / der griff nächten uns an.


    Seines Fergen wegen / wurden wir angerannt.

    Da erschlug Gelfraten / meines Bruders Hand.

    Zuletzt entrann uns Else, / es zwang ihn große Not:

    Ihnen hundert, uns nur viere / blieben da im Streite tot.«


    Wir können euch nicht melden, / wo man die Nachtruh fand.

    All den Landleuten / ward es bald bekannt,

    Der edeln Ute Söhne / zögen zum Hofgelag.

    Sie wurden wohl empfangen / dort zu Passau bald hernach.


    Der werten Fürsten Oheim, / der Bischof Pilgerin,

    Dem wurde wohl zumute, / als seine Neffen ihn

    Mit so viel der Recken / besuchten da im Land:

    Daß er sie gerne sähe, / ward ihnen balde bekannt.


    Sie wurden wohl empfangen / von Freunden vor dem Ort.

    Nicht all verpflegen mochte / man sie in Passau dort:

    Sie mußten übers Wasser, / wo Raum sich fand und Feld:

    Da schlugen auf die Knechte / Hütten und reich Gezelt.


    Sie mußten da verweilen / einen vollen Tag

    Und eine Nacht darüber. / Wie schön man sie verpflag!

    Dann ritten sie von dannen / in Rüdigers Land;

    Dem kamen auch die Mären: / da ward ihm Freude bekannt.


    Als die Wegemüden / Nachtruh genommen,

    Und sie dem Lande waren / näher gekommen,

    Sie fanden auf der Marke / schlafen einen Mann,

    Dem von Tronje Hagen / ein starkes Waffen abgewann.


    Eckewart geheißen / war dieser Ritter gut.

    Der gewann darüber / gar traurigen Mut,

    Daß er verlor das Waffen / durch der Helden Fahrt.

    Rüdgers Grenzmarke, / die fand man übel bewahrt.


    »O weh mir dieser Schande,« / sprach da Eckewart.

    »Schwer muß ich beklagen / der Burgunden Fahrt.

    Als ich verlor Siegfrieden, / hub all mein Kummer an:

    O weh, mein Herr Rüdiger, / wie hab ich wider dich getan!«


    Wohl hörte Hagen / des edeln Recken Not:

    Er gab das Schwert ihm wieder, / dazu sechs Spangen rot.

    »Die nimm dir, Held, zu Lohne, / willst du hold mir sein:

    Du bist ein kühner Degen, / lägst du hier noch so allein.«


    »Gott lohn euch eure Spangen,« / sprach da Eckewart;

    »Doch muß ich sehr beklagen / zu den Heunen eure Fahrt.

    Ihr erschlugt Siegfrieden; / hier trägt man euch noch Haß:

    Daß ihr euch wohl behütet, / in Treuen rat ich euch das.«


    »Nun mög uns Gott behüten,« / sprach Hagen entgegen.

    »Keine andre Sorge / haben diese Degen

    Als um die Herberge, / die Fürsten und ihr Lehn,

    Wo wir in diesem Lande / heute Nachtruh sollen sehn.


    Vermüdet sind die Rosse / uns auf den fernen Wegen,

    Die Speise gar zerronnen,« / sprach Hagen der Degen:

    »Wir findens nicht zu Kaufe: / es wär ein Wirt uns not,

    Der uns heute gäbe / in seiner Milde das Brot.«


    Da sprach wieder Eckewart: / »Ich zeig euch solchen Wirt,

    Daß niemand euch im Hause / so gut empfangen wird

    Irgend in den Landen, / als hier euch mag geschehn,

    Wenn ihr schnellen Degen / wollt zu Rüdigern gehn.


    Der Wirt wohnt an der Straße, / der beste allerwärts,

    Der je ein Haus besessen. / Milde gebiert sein Herz,

    Wie das Gras mit Blumen / der lichte Maimond tut,

    Und soll er Helden dienen, / so ist er froh und wohlgemut.«


    Da sprach der König Gunther: / »Wollt ihr mein Bote sein,

    Ob uns behalten wolle / bis an des Tages Schein

    Mein lieber Freund Rüdiger / und die mir untertan?

    Das will ich stets verdienen, / so gut ich irgend nur kann.«


    »Der Bote bin ich gerne,« / sprach da Eckewart.

    Mit gar gutem Willen / erhob er sich zur Fahrt

    Rüdigern zu sagen, / was er da vernommen.

    Dem war in langen Zeiten / so liebe Kunde nicht gekommen.


    Man sah zu Bechlaren / eilen einen Degen,

    Den Rüdger wohl erkannte; / er sprach: »Auf diesen Wegen

    Kommt Eckewart in Eile, / Kriemhildens Untertan.«

    Er wähnte schon, die Feinde / hätten ihm ein Leid getan.


    Da ging er vor die Pforte, / wo er den Boten fand.

    Der nahm sein Schwert vom Gurte / und legt' es aus der Hand.

    Er sprach zu dem Degen: / »Was habt ihr vernommen,

    Daß ihr so eilen müsset? / hat uns jemand was genommen?«


    »Geschadet hat uns niemand,« / sprach Eckewart zuhand;

    »Mich haben drei Könige / her zu euch gesandt,

    Gunther von Burgunden, / Geisler und Gernot;

    Jeglicher der Recken / euch seine Dienste her entbot.


    Dasselbe tut auch Hagen, / Volker auch zugleich,

    Mit Fleiß und rechter Treue; / dazu bericht ich euch,

    Was des Königs Marschall / euch durch mich entbot:

    Es sei den guten Degen / eure Herberge not.«


    Mit lachendem Munde / sprach da Rüdiger:

    »Nun wohl mir dieser Märe, / daß die Könge hehr

    Meinen Dienst verlangen: / dazu bin ich bereit.

    Wenn sie ins Haus mir kommen, / des bin ich höchlich erfreut.«


    »Dankwart der Marschall / hat euch kund getan,

    Wer euch zu Hause / noch heute zieht heran:

    Sechzig schneller Recken / und tausend Ritter gut

    Mit neuntausend Knechten.« / Da ward ihm fröhlich zumut.


    »Wohl mir dieser Gäste,« / sprach da Rüdiger,

    »Daß mir zu Hause kommen / diese Recken hehr,

    Denen ich noch selten / hab einen Dienst getan.

    Entgegen reitet ihnen, / sei's Freund oder Untertan.«


    Da eilte zu den Rossen / Ritter so wie Knecht:

    Was sie der Herr geheißen, / das dauchte alle recht.

    Sie brachten ihre Dienste / um so schneller dar.

    Noch wußt es nicht Frau Gotlind, / die in ihrer Kammer war.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Siebenundzwanzigstes Abenteuer


    Wie sie nach Bechlaren kamen


    Hin ging der Markgraf, / wo er die Frauen fand,

    Sein Weib und seine Tochter. / Denen macht' er da bekannt

    Diese liebe Märe, / die er jetzt vernommen,

    Daß ihrer Frauen Brüder / zu ihrem Hause sollten kommen.


    »Viel liebe Traute,« / sprach da Rüdiger,

    »Ihr sollt sie wohl empfangen, / die edeln Könge hehr,

    Wenn sie und ihr Gesinde / vor euch zu Hofe gehn;

    Ihr sollt auch freundlich grüßen / Hagen in Gunthers Lehn.


    Mit ihnen kommt auch einer / mit Namen Dankwart;

    Ein andrer heißet Volker / an Ehren wohlbewahrt.

    Die Sechse sollt ihr küssen, / ihr und die Tochter mein,

    Und sollt in höfschen Züchten / diesen Recken freundlich sein.«


    Das gelobten ihm die Frauen / und warens gern bereit.

    Sie suchten aus den Kisten / manch herrliches Kleid,

    Darin sie den Recken / entgegen wollten gehn.

    Da mocht ein groß Befleißen / von schönen Fraun geschehn.


    Gefälschter Frauenzierde / gar wenig man da fand:

    Sie trugen auf dem Haupte / lichtes goldnes Band

    Und daran reiche Kränze, / damit ihr schönes Haar

    Die Winde nicht verwehten; / sie waren höfisch und klar.


    In solcher Unmuße / lassen wir die Fraun.

    Da war ein schnelles Reiten / über Feld zu schaun

    Von Rüdigers Freunden, / bis man die Fürsten fand.

    Sie wurden wohl empfangen / in des Markgrafen Land.


    Als sie der Markgraf / zu sich kommen sah,

    Rüdiger der schnelle, / wie fröhlich sprach er da:

    »Willkommen mir, ihr Herren, / und die in euerm Lehn.

    Hier in diesem Lande / seid ihr gerne gesehn.«


    Da dankten ihm die Recken / in Treuen ohne Haß.

    Daß sie willkommen waren, / wohl erzeigt' er das.

    Besonders grüßt' er Hagen, / der war ihm längst bekannt;

    So tat er auch mit Volkern, / dem Helden aus Burgundenland.


    Er begrüßt' auch Dankwarten. / Da sprach der kühne Degen:

    »Wollt ihr uns hier versorgen, / wer soll dann verpflegen

    Unser Ingesinde / aus Worms an dem Rhein?«

    Da begann der Markgraf: / »Diese Angst lasset sein.


    All euer Gesinde / und was ihr in das Land

    Mit euch hergeführt habt, / Roß, Silber und Gewand,

    Ich schaff ihm solche Hüter, / nichts geht davon verloren,

    Das euch zu Schaden brächte / nur um einen halben Sporen.


    Spannet auf, ihr Knechte, / die Hütten in dem Feld;

    Was ihr hier verlieret, / dafür leist ich Entgelt;

    Zieht die Zäume nieder / und laßt die Rosse gehn.«

    Das war ihnen selten / von einem Wirt noch geschehn.


    Des freuten sich die Gäste. / Als das geschehen war,

    Und die Herrn von dannen ritten, / legte sich die Schar

    Der Knecht' im Grase nieder: / sie hatten gut Gemach.

    Sie fandens auf der Reise / nicht besser vor oder nach.


    Die Markgräfin eilte / vor die Burg zu gehn

    Mit ihrer schönen Tochter. / Da sah man bei ihr stehn

    Die minniglichen Frauen / und manche schöne Maid:

    Die trugen viel der Spangen / und manches herrliche Kleid.


    Das edle Gesteine / glänzte fern hindann

    Aus ihrem reichen Schmucke; / sie waren wohlgetan.

    Da kamen auch die Gäste / und sprangen auf den Sand.

    Hei! was man edle Sitte / an den Burgunden fand!


    Sechsunddreißig Mägdelein / und viel andre Fraun,

    Die wohl nach Wunsche waren / und wonnig anzuschaun,

    Gingen dem Herrn entgegen / mit manchem kühnen Mann.

    Da ward ein schönes Grüßen / von edeln Frauen getan.


    Die Markgräfin küßte / die Könge alle drei;

    So tat auch ihre Tochter. / Hagen stand dabei;

    Den hieß ihr Vater küssen; / da blickte sie ihn an:

    Er dauchte sie so furchtbar, / sie hätt' es lieber nicht getan.


    Doch mußte sie es leisten, / wie ihr der Wirt gebot.

    Gemischt ward ihre Farbe, / bleich und auch rot.

    Auch Dankwarten küßte sie, / darnach den Fiedelmann:

    Seiner Kraft und Kühnheit wegen / ward ihm das Grüßen getan.


    Die junge Markgräfin / nahm bei der Hand

    Geiselher den jungen / von Burgundenland;

    So nahm auch ihre Mutter / Gunthern den kühnen Mann.

    Sie gingen mit den Helden / beide fröhlich hindann.


    Der Wirt ging mit Gernot / in einen weiten Saal.

    Die Ritter und die Frauen / setzten sich zumal.

    Man ließ alsdann den Gästen / schenken guten Wein:

    Gütlicher bewirtet / mochten Helden nimmer sein.


    Mit zärtlichen Augen / sah da mancher an

    Rüdigers Tochter, / die war so wohlgetan.

    Wohl kos't' in seinem Sinne / sie mancher Ritter gut;

    Das mochte sie verdienen: / sie trug gar hoch ihren Mut.


    Sie gedachten, was sie wollten; / nur konnt es nicht geschehn.

    Man sah die guten Ritter / hin und wider spähn

    Nach Mägdelein und Frauen: / deren saßen da genug.

    Dem Wirt geneigten Willen / der edle Fiedeler trug.


    Da wurden sie geschieden, / wie Sitte war im Land;

    Zu andern Zimmern gingen / Ritter und Fraun zur Hand.

    Man richtete die Tische / in dem Saale weit

    Und ward den fremden Gästen / zu allen Diensten bereit.


    Den Gästen ging zuliebe / die edle Markgräfin

    Mit ihnen zu den Tischen: / die Tochter ließ sie drin

    Bei den Mägdlein weilen, / wo sie nach Sitte blieb.

    Daß sie die nicht mehr sahen, / das war den Gästen nicht lieb.


    Als sie getrunken hatten / und gegessen überall,

    Da führte man die Schöne / wieder in den Saal.

    Anmutge Reden / wurden nicht gescheut:

    Viel sprach deren Volker, / ein Degen kühn und allbereit.


    Da sprach unverhohlen / derselbe Fiedelmann:

    »Viel reicher Markgraf, / Gott hat an euch getan

    Nach allen seinen Gnaden: / er hat euch gegeben

    Ein Weib, ein so recht schönes, / dazu ein wonnigliches Leben.


    Wenn ich ein König wäre,« / sprach der Fiedelmann,

    »Und sollte Krone tragen, / zum Weibe nähm ich dann

    Eure schöne Tochter: / die wünschte sich mein Mut.

    Sie ist so minniglich zu schauen, / dazu edel und gut.«


    Der Markgraf entgegnete: / »Wie möchte das wohl sein,

    Daß ein König je begehrte / der lieben Tochter mein?

    Wir sind hier beide heimatlos, / ich und mein Weib,

    Und haben nichts zu geben: / was hilft ihr dann der schöne Leib?«


    Zur Antwort gab ihm Gernot, / der edle Degen gut:

    »Sollt ich ein Weib mir wählen / nach meinem Sinn und Mut,

    So wär ich solches Weibes / stets von Herzen froh.«

    Darauf versetzte Hagen / in höfischen Züchten so:


    »Nun soll sich doch beweiben / mein Herr Geiselher:

    Es ist so hohen Stammes / die Markgräfin hehr,

    Daß wir ihr gerne dienten, / ich und all sein Lehn,

    Wenn sie bei den Burgunden / unter Krone sollten gehn.«


    Diese Rede dauchte / den Markgrafen gut

    Und auch Gotelinde; / wohl freute sich ihr Mut.

    Da schufen es die Helden, / daß sie zum Weibe nahm

    Geiselher der edle, / wie er es mocht ohne Scham.


    Soll ein Ding sich fügen, / wer mag ihm widerstehn?

    Man bat die Jungfraue / hin zu Hof zu gehn.

    Da schwur man ihm zu geben / das schöne Mägdelein,

    Wogegen er sich erbot / die Wonnigliche zu frein.


    Man beschied der Jungfrau / Burgen und auch Land.

    Da sicherte mit Eiden / des edeln Königs Hand

    Und Gernot der Degen, / es werde so getan.

    Da begann der Markgraf: / »Da ich Burgen nicht gewann,


    So kann ich euch in Treuen / nur immer bleiben hold.

    Ich gebe meiner Tochter / an Silber und an Gold,

    Was hundert Saumrosse / nur immer mögen tragen,

    Daß es wohl nach Ehren / euch Helden möge behagen.«


    Da wurden diese beiden / in einen Kreis gestellt

    Nach dem Rechtsgebrauche. / Mancher junge Held

    Stand ihr gegenüber / in fröhlichem Mut;

    Er gedachte in seinem Sinne, / wie noch ein Junger gerne tut.


    Als man begann zu fragen / die minnigliche Maid,

    Ob sie den Recken wolle, / zum Teil war es ihr leid;

    Doch dachte sie zu nehmen / den weidlichen Mann.

    Sie schämte sich der Frage, / wie manche Maid hat getan.


    Ihr riet ihr Vater Rüdiger, / daß sie spräche ja

    Und daß sie gern ihn nähme: / wie schnell war er da

    Mit seinen weißen Händen, / womit er sie umschloß,

    Geiselher der junge! / Wie wenig sie ihn doch genoß!


    Da begann der Markgraf: / »Ihr edeln Könge reich,

    Wenn ihn nun wieder reitet / heim in euer Reich,

    So geb ich euch, so ist es / am schicklichsten, die Magd,

    Daß ihr sie mit euch führet.« / Also ward es zugesagt.


    Der Schall, den man hörte, / der mußte nun vergehn.

    Da ließ man die Jungfrau / zu ihrer Kammer gehn

    Und auch die Gäste schlafen / und ruhn bis an den Tag.

    Da schuf man ihnen Speise: / der Wirt sie gütlich verpflag.


    Als sie gegessen hatten / und nun von dannen fahren

    Wollten zu den Heunen, / »Davor will ich euch wahren,«

    Sprach der edle Markgraf: / »ihr sollt noch hier bestehn:

    So liebe Gäste hab ich / lange nicht bei mir gesehn.«


    Dankwart entgegnete: / »Das kann ja nicht sein:

    Wo nähmt ihr die Speise, / das Brot und den Wein,

    Die ihr doch haben müßtet / für solch ein Heergeleit?«

    Als das der Wirt erhörte, / er sprach: »Die Rede laßt beiseit.


    Meine lieben Herren, / ihr dürft mir nicht versagen.

    Wohl geb ich euch die Speise / zu vierzehen Tagen,

    Euch und dem Gesinde, / das mit euch hergekommen.

    Mir hat der König Etzel / noch gar selten was genommen.«


    Wie sehr sie sich wehrten, / sie mußten da bestehn

    Bis an den vierten Morgen. / Da sah man geschehn

    Durch des Wirtes Milde, / was weithin ward bekannt:

    Er gab seinen Gästen / beides, Ross' und Gewand.


    Nicht länger mocht es währen, / sie mußten an ihr Ziel.

    Seines Gutes konnte / Rüdiger nicht viel

    Vor seiner Milde sparen: / wonach man trug Begehr,

    Das versagt' er niemand; / er gab es gern den Helden hehr.


    Ihr edel Ingesinde / brachte vor das Tor

    Gesattelt viel der Rosse; / zu ihnen kam davor

    Mancher fremde Recke, / den Schild an der Hand,

    Da sie reiten wollten / mit ihnen in Etzels Land.


    Der Wirt bot seine Gaben / den Degen allzumal,

    Eh die edlen Gäste / kamen vor den Saal.

    Er konnte wohl mit Ehren / in hoher Milde leben.

    Seine schöne Tochter / hatt' er Geiselher gegeben.


    Da gab er Gernoten / eine Waffe gut genug,

    Die hernach in Stürmen / der Degen herrlich trug.

    Ihm gönnte wohl die Gabe / des Markgrafen Weib;

    Doch verlor der gute Rüdiger / davon noch Leben und Leib.


    Er gab König Gunthern, / dem Helden ohnegleich,

    Was wohl mit Ehren führte / der edle König reich,

    Wie selten er auch Gab empfing, / ein gutes Streitgewand.

    Da neigte sich der König / vor des milden Rüdger Hand.


    Gotelind bot Hagnen, / sie durft es ohne Scham,

    Ihre freundliche Gabe: / da sie der König nahm,

    So sollt auch er nicht fahren / zu dem Hofgelag

    Ohn ihre Steuer; / der edle Held aber sprach:


    »Alles was ich je gesehn,« / entgegnete Hagen,

    »So begehr ich nichts weiter / von hinnen zu tragen

    Als den Schild, der dorten / hängt an der Wand:

    Den möcht ich gerne führen / mit mir in der Heunen Land.«


    Als die Rede Hagens / die Markgräfin vernahm,

    Ihres Leids ermahnt' es sie, / daß ihr das Weinen kam.

    Mit Schmerzen gedachte / sie an Nudungs Tod,

    Den Wittich hatt' erschlagen: / das schuf ihr Jammer und Not.


    Sie sprach zu dem Degen: / »Den Schild will ich euch geben.

    Wollte Gott vom Himmel, / daß der noch dürfte leben,

    Der einst ihn hat getragen! / er fand im Kampf den Tod.

    Ich muß ihn stets beweinen: / das schafft mir armem Weibe Not.«


    Da erhob sich vom Sitze / die Markgräfin mild:

    Mit ihren weißen Händen / hob sie herab den Schild

    Und trug ihn hin zu Hagen: / der nahm ihn an die Hand.

    Die Gabe war mit Ehren / an den Recken gewandt.


    Eine Hülle lichten Zeuges / auf seinen Farben lag.

    Bessern Schild als diesen / beschien wohl nie der Tag.

    Mit edelm Gesteine / war er so besetzt,

    Man hätt ihn im Handel / wohl auf tausend Mark geschätzt.


    Den Schild hinwegzutragen / befahl der Degen hehr.

    Da kam sein Bruder Dankwart / auch zu Hofe her.

    Dem gab reicher Kleider / Rüdgers Kind genug,

    Die er bei den Heunen / hernach mit Freuden noch trug.


    Wieviel sie der Gaben / empfingen insgemein,

    Nichts würd in ihre Hände / davon gekommen sein,

    Wars nicht dem Wirt zuliebe, / der es so gütlich bot.

    Sie wurden ihm so feind hernach, / daß sie ihn schlagen mußten tot.


    Da hatte mit der Fiedel / Volker der schnelle Held

    Sich vor Gotelinde / höfisch hingestellt.

    Er geigte süße Töne / und sang dazu sein Lied:

    Damit nahm er Urlaub, / als er von Bechlaren schied.


    Da ließ die Markgräfin / eine Lade näher tragen.

    Von freundlicher Gabe / mögt ihr nun hören sagen:

    Zwölf Spangen, die sie aus ihr nahm, / schob sie ihm an die Hand:

    »Die sollt ihr führen, Volker, / mit euch in der Heunen Land


    Und sollt sie mir zuliebe / dort am Hofe tragen,

    Wenn ihr wiederkehret, / daß man mir möge sagen,

    Wie ihr mir gedient habt / bei dem Hofgelag.«

    Wie sie ihn gebeten, / so tat der Degen hernach.


    Der Wirt sprach zu den Gästen: / »Daß ihr nun sichrer fahrt,

    Will ich euch selbst geleiten: / so seid ihr wohl bewahrt,

    Daß ihr auf der Straße / nicht werdet angerannt.«

    Seine Saumrosse, / die belud man gleich zur Hand.


    Der Wirt war reisefertig / und fünfhundert Mann

    Mit Rossen und mit Kleidern: / die führt' er hindann

    Zu dem Hofgelage / mit fröhlichem Mut:

    Nach Bechlaren kehrte / nicht einer all der Ritter gut.


    Mit minniglichen Küssen / der Wirt von dannen schied;

    Also tat auch Geiselher, / wie ihm die Liebe riet.

    Sie herzten schöne Frauen / mit zärtlichem Umfahn;

    Das mußten bald beweinen / viel Jungfrauen wohlgetan.


    Da wurden allenthalben / die Fenster aufgetan,

    Als mit seinen Mannen / der Markgraf ritt hindann.

    Sie fühlten wohl im Herzen / voraus das herbe Leid:

    Drum weinten viel der Frauen / und manche weidliche Maid.


    Nach den lieben Freunden / trug manche groß Beschwer,

    Die sie in Bechelaren / ersahen nimmermehr.

    Doch ritten sie mit Freuden / nieder an dem Strand

    Dort im Donautale / bis an da heunische Land.


    Da sprach zu den Burgunden / der milde Markgraf hehr,

    Rüdiger der edle: / »Nun darf nicht länger mehr

    Verhohlen sein die Kunde, / daß wir nach Heunland kommen.

    Es hat der König Etzel / noch nie so Liebes vernommen.«


    Da ritt manch schneller Bote / durchs Österreicherland:

    So ward es allenthalben / den Leuten bald bekannt,

    Daß die Helden kämen / von Worms über Rhein.

    Dem Ingesind des Königs / konnt es nicht lieber sein.


    Die Boten vordrangen / mit diesen Mären,

    Daß die Nibelungen / bei den Heunen wären.

    Kriemhild in einem Fenster / stand, die Königin,

    Und sah nach den Verwandten / wie Freunde nach Freunden hin.


    Aus ihrem Heimatlande / sah sie manchen Mann;

    Der König auch erfuhr es, / der sich zu freuen begann.

    »Du sollst sie wohl empfangen, / Kriemhild, Fraue mein:

    Nach großen Ehren kommen / dir die lieben Brüder dein.«


    Als die Königstochter / vernahm die Märe,

    Zum Teil wich ihr vom Herzen / ihr Leid, das schwere.

    Aus ihres Vaters Lande / zog mancher ihr heran,

    Durch den der König Etzel / bald großen Jammer gewann.


    »Nun wohl mir dieser Freude,« / sprach da Kriemhild.

    »Hier bringen meine Freunde / gar manchen neuen Schild

    Und Panzer glänzend helle: / wer nehmen will mein Gold

    Und meines Leids gedenken, / dem will ich immer bleiben hold.«


    Sie gedachte heimlich: / »Noch wird zu allem Rat.

    Der mich an meinen Freunden / so gar gepfändet hat,

    Weiß ich es zu fügen, / es soll ihm werden leid

    Bei diesem Gastgebote: / dazu bin ich gern bereit.


    Ich will es also schaffen, / daß meine Rach' ergeht

    Bei diesem Hofgelage / wie es hernach auch steht,

    An seinem argen Leibe, / der mir hat benommen

    So viel meiner Wonne: / des soll mir nun Entgeltung kommen.«

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Achtundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Kriemhild Hagen empfing


    Als die Burgunden / kamen in das Land,

    Da erfuhr es von Berne / der alte Hildebrand.

    Er sagt' es seinem Herren. / Dietrichen war es leid;

    Er hieß ihn wohl empfangen / der kühnen Ritter Geleit.


    Da ließ der starke Wolfhart / die Pferde führen her:

    Dann ritt mit dem Berner / mancher Degen hehr,

    Sie zu begrüßen / zu ihnen auf das Feld.

    Sie hatten aufgeschlagen / da manches herrliche Zelt.


    Als sie von Tronje Hagen / aus der Ferne sah,

    Wohlgezogen sprach er / zu seinem Herren da:

    »Nun hebt euch von den Sitzen, / ihr Recken wohlgetan,

    Und geht entgegen denen, / die euch hier wollen empfahn.


    Dort kommt ein Heergesinde, / das ist mir wohl bekannt;

    Es sind viel schnelle Degen / von Amelungenland.

    Sie führt der von Berne, / sie tragen hoch den Mut:

    Laßt euch nicht verschmähen / die Dienste, die man euch tut.«


    Da sprang von den Rossen / wohl nach Fug und Recht

    Mit Dietrichen nieder / mancher Herr und Knecht.

    Sie gingen zu den Gästen, / wo man die Helden fand,

    Und begrüßten freundlich / die von der Burgunden Land.


    Als sie der edle Dietrich / ihm entgegenkommen sah,

    Liebes und Leides / zumal ihm dran geschah.

    Er wußte wohl die Märe: / leid war ihm ihre Fahrt:

    Er wähnte, Rüdger wüßt es / und hätt' es ihnen offenbart.


    »Willkommen mir, ihr Herren, / Gunther und Geiselher,

    Gernot und Hagen, / Herr Volker auch so sehr,

    Und Dankwart der schnelle: / ist euch das nicht bekannt?

    Schwer beweint noch Kriemhild / den von Nibelungenland.«


    »Sie mag noch lange weinen,« / so sprach da Hagen:

    »Er liegt seit manchem Jahr / schon zu Tod erschlagen.

    Den König der Heunen / mag sie nun lieber haben:

    Siegfried kommt nicht wieder, / er ist nun lange begraben.«


    »Siegfriedens Wunden / lassen wir nun stehn;

    So lange lebt Frau Kriemhild, / mag Schade wohl geschehn.«

    So redete von Berne / der edle Dieterich:

    »Trost der Nibelungen, / davor behüte du dich.«


    »Wie soll ich mich behüten?« / sprach der König hehr.

    »Etzel sandt uns Boten, / was sollt ich fragen mehr?

    Daß wir zu ihm ritten / her in dieses Land.

    Auch hat uns manche Botschaft / meine Schwester Kriemhild gesandt.«


    »So will ich euch raten,« / sprach wieder Hagen,

    »Laßt euch diese Märe / doch zu Ende sagen

    Dietrich den Herren / und seine Helden gut,

    Daß sie euch wissen lassen / der Frau Kriemhilde Mut.«


    Da gingen die drei Könige / und sprachen unter sich,

    Herr Gunther und Gernot / und Herr Dieterich:

    »Nun sag uns, von Berne, / du edler Ritter gut,

    Was du wissen mögest / von der Königin Mut.«


    Da sprach der Vogt von Berne: / »Was soll ich weiter sagen?

    Als daß ich alle Morgen / weinen hör und klagen

    Etzels Weib Frau Kriemhild / in jämmerlicher Not

    Zum reichen Gott vom Himmel / um des starken Siegfried Tod.«


    »Es ist halt nicht zu wenden,« / sprach der kühne Mann,

    Volker der Fiedler, / »was ihr uns kund getan.

    Laßt uns zu Hofe reiten / und einmal da besehn,

    Was uns schnellen Degen / bei den Heunen möge geschehn.«


    Die kühnen Burgunden / hin zu Hofe ritten:

    Sie kamen stolz gezogen / nach ihres Landes Sitten.

    Da wollte bei den Heunen / gar mancher kühne Mann

    Von Tronje Hagen schauen, / wie der wohl wäre getan.


    Es war durch die Sage / dem Volk bekannt genug,

    Daß er von Niederlanden / Siegfrieden schlug,

    Aller Recken stärksten, / Frau Kriemhildens Mann:

    Drum ward so großes Fragen / bei Hof nach Hagen getan.


    Der Held war wohlgewachsen, / das ist gewißlich wahr,

    Von Schultern breit und Brüsten: / gemischt war sein Haar

    Mit einer greisen Farbe; / von Beinen war er lang

    Und schrecklich von Antlitz: / er hatte herrlichen Gang.


    Da schuf man Herberge / den Burgundendegen;

    Gunthers Ingesinde / ließ man gesondert legen.

    Das riet die Königstochter, / die ihm viel Hasses trug;

    Daher man bald die Knechte / in der Herberg erschlug.


    Dankwart, Hagens Bruder, / war da Marschall:

    Der König sein Gesinde / ihm fleißig anbefahl,

    Daß er es die Fülle / mit Speise sollte pflegen.

    Das tat auch gar willig / und gern dieser kühne Degen.


    Kriemhild die schöne / mit dem Gesinde ging,

    Wo sie die Nibelungen / mit falschem Mut empfing:

    Sie küßte Geiselheren / und nahm ihn bei der Hand.

    Als das Hagen sah von Tronje, / den Helm er fester sich band.


    »Nach solchem Empfange,« / so sprach da Hagen,

    »Mögen wohl Bedenken / die schnellen Degen tragen.

    Man grüßt die Fürsten ungleich / und den Untertan;

    Keine gute Reise haben wir / zu dieser Hochzeit getan.«


    Sie sprach: »Seid willkommen / dem, der euch gerne sieht:

    Eurer Freundschaft willen / kein Gruß euch hier geschieht.

    Sagt, was ihr mir bringet / von Worms überrhein,

    Daß ihr mir so höchlich / solltet willkommen sein?«


    »Was sind das für Sachen,« / sprach Hagen entgegen,

    »Daß euch Gaben bringen / sollten diese Degen?

    So reich wär ich gewesen, / hätt' ich das gedacht,

    Daß ich euch meine Gabe / zu den Heunen hätte gebracht.«


    »Nun frag ich um die Märe / weiter bei euch an:

    Der Hort der Nibelungen, / wohin ward der getan?

    Der war doch mein eigen, / das ist euch wohl bekannt;

    Den solltet ihr mir haben / gebracht in Etzels Land.«


    »In Treuen, Frau Kriemhild, / schon mancher Tag ist hin,

    Den Hort der Nibelungen, / seit ich des ledig bin,

    Ihn ließen meine Herren / senken in den Rhein;

    Da muß er auch in Wahrheit / bis zum jüngsten Tage sein.«


    Die Königin versetzte: / »Ich dacht es wohl vorher:

    Ihr habt mir noch wenig / davon gebracht hieher,

    Wiewohl er war mein eigen, / und ich sein weiland pflag;

    Nach ihm und seinem Herren / hab ich manchen leiden Tag.«


    »Ich bring euch den Teufel!« / sprach wieder Hagen.

    »Ich hab an meinem Schilde / so viel zu tragen

    Und an meinem Harnisch; / mein Helm, der ist licht,

    Das Schwert an meiner Seite: / drum bring ich ihn euch nicht.«


    »Es war auch nicht die Meinung, / als verlangte mich nach Gold:

    So viel hab ich zu geben, / ich entbehre leicht den Sold.

    Eines Mords und Doppelraubes, / die man an mir genommen,

    Dafür möcht ich Arme / zu lieber Entgeltung kommen.«


    Da sprach die Königstochter / zu den Recken allzumal:

    »Man soll keine Waffen / tragen hier im Saal:

    Vertraut sie mir, ihr Helden, / zur Verwahrung an.«

    »In Treuen,« sprach da Hagen, / »das wird nimmer getan.«


    »Ich Begehre nicht der Ehre, / Fürstentochter mild,

    Daß ihr zur Herberge / tragt meinen Schild

    Und ander Streitgeräte; / ihr seid hier Königin.

    So lehrte mich mein Vater, / daß ich selbst ihr Hüter bin.«


    »O weh dieses Leides,« / sprach da Kriemhild:

    »Warum will mein Bruder / und Hagen seinen Schild

    Nicht verwahren lassen? / Gewiß, sie sind gewarnt:

    Und wüßt ich, wer es hat getan, / der Tod, der hielt' ihn umgarnt.«


    Im Zorn gab ihr Antwort / Dietrich sogleich:

    »Ich bin es, der gewarnt hat / die edeln Fürsten reich

    Und Hagen den kühnen, / der Burgunden Mann:

    Nur zu, du Braut des Teufels, / du tust kein Leid mir drum an.«


    Da schämte sich gewaltig / die edle Königin:

    Sie fürchtete sich bitter / vor Dietrichs Heldensinn.

    Sie ging alsbald von dannen, / kein Wort mehr sprach sie da,

    Nur daß sie nach den Feinden / mit geschwinden Blicken sah.


    Da nahmen bei den Händen / zwei der Degen sich,

    Der eine war Hagen, / der andere Dieterich.

    Da sprach wohlgezogen / der Degen allbereit:

    »Eure Reise zu den Heunen, / die ist in Wahrheit mir leid,


    Da die Königstochter / so gesprochen hat.«

    Da sprach von Tronje Hagen: / »Zu allem wird schon Rat.«

    So sprachen zueinander / die Recken wohlgetan.

    Das sah der König Etzel, / der gleich zu fragen begann:


    »Die Märe wüßt ich gerne,« / befrug der König sich,

    »Wer der Recke wäre, / den dort Herr Dietrich

    So freundlich hat empfangen; / er trägt gar hoch den Mut:

    Wie auch sein Vater heiße: / er mag wohl sein ein Recke gut.«


    Antwort gab dem König / ein Kriemhildensmann:

    »Von Tronje ist er geboren, / sein Vater hieß Aldrian;

    Wie zahm er hier gebare, / er ist ein grimmer Mann:

    Ich laß euch das noch schauen, / daß ich keine Lüge getan.«


    »Wie soll ich das erkennen, / daß er so grimmig ist?«

    Noch hatt' er nicht Kunde / von mancher argen List,

    Die wider ihre Freunde / die Königin spann,

    Daß aus dem Heunenlande / ihr auch nicht einer entrann.


    »Wohl kannt ich Hagnen: / er war mein Untertan:

    Lob und große Ehre / er hier bei mir gewann.

    Ich macht' ihn zum Ritter / und gab ihm mein Gold;

    Helke die getreue / war ihm inniglich hold.


    Daher ist mir von Hagen / alles wohlbekannt.

    Zwei edle Kinder bracht ich / als Geisel in dies Land,

    Ihn und von Spanien Walther: / die wuchsen hier heran,

    Hagen sandt ich wieder heim; / Walther mit Hildegund entrann.«


    So gedacht er alter Zeiten / und was vordem geschehn.

    Seinen Freund von Tronje / hatt' er hier ersehn,

    Der ihm in seiner Jugend / oft große Dienste bot;

    Jetzt schlug er ihm im Alter / viel lieber Freunde zu Tod.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Neunundzwanzigstes Abenteuer


    Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal saßen


    Da schieden auch die beiden / werten Recken sich,

    Hagen von Tronje / und Herr Dieterich.

    Über die Achsel blickte / Gunthers Untertan

    Nach einem Heergesellen, / den er sich bald gewann.


    Neben Geiselheren / sah er Volkern stehn,

    Den kunstreichen Fiedler: / den bat er mitzugehn,

    Weil er wohl erkannte / seinen grimmen Mut:

    Er war an allen Tugenden / ein Ritter kühn und auch gut.


    Noch ließ man die Herren / auf dem Hofe stehn.

    Die beiden ganz alleine / sah man von dannen gehn

    Über den Hof hin ferne / vor einen Pallas weit:

    Die Auserwählten scheuten / sich vor niemandes Streit.


    Sie setzten vor dem Hause sich / genüber einem Saal,

    Der war Kriemhilden, / auf eine Bank zutal.

    An ihrem Leibe glänzte / ihr herrlich Gewand;

    Gar manche, die das sahen, / hätten gern sie gekannt.


    Wie die wilden Tiere / gaffte sie da an,

    Die übermütgen Helden, / mancher Heunenmann.

    Da sah sie durch ein Fenster / Etzels Königin:

    Das betrübte wieder / der schönen Kriemhilde Sinn.


    Sie gedacht ihres Leides: / zu weinen hub sie an.

    Das wunderte die Degen, / die Etzeln untertan:

    Was ihr bekümmert hätte / so sehr den hohen Mut?

    Da sprach sie: »Das tat Hagen, / ihr Helden kühn und auch gut.«


    Sie sprachen zu der Frauen: / »Wie ist das geschehn?

    Wir haben euch doch eben / noch wohlgemut gesehn.

    Wie kühn er auch wäre, / der es euch hat getan,

    Befehlt ihr uns die Rache, / den Tod drum müßt er empfahn.«


    »Dem wollt ich immer danken, / der rächte dieses Leid:

    Was er nur begehrte, / ich wär dazu bereit.

    Ich fall euch zu Füßen,« / so sprach des Königs Weib:

    »Rächt mich an Hagen: / er verliere Leben und Leib.«


    Da rüsteten die Kühnen / sich sechzig an der Zahl:

    Kriemhild zuliebe / wollten sie vor den Saal

    Und wollten Hagen schlagen, / diesen kühnen Mann,

    Dazu den Fiedelspieler; / das ward einmütig getan.


    Als so gering den Haufen / die Königin ersah,

    In grimmem Mute sprach sie / zu den Helden da:

    »Von solchem Unterfangen / rat ich abzustehn:

    Ihr dürft in so geringer Zahl / nicht mit Hagen streiten gehn.


    So kühn auch und gewaltig / der von Tronje sei,

    Noch ist bei weitem stärker, / der ihm da sitzet bei,

    Volker der Fiedler: / das ist ein übler Mann:

    Wohl dürft ihr diesem Helden / nicht zu so wenigen nahn.«


    Als sie die Rede hörten, / rüsteten sich mehr,

    Vierhundert Recken. / Der Königin hehr

    Lag sehr am Herzen / die Rache für ihr Leid.

    Da ward bald den Degen / große Sorge bereit.


    Als sie ihr Gesinde / wohlbewaffnet sah,

    Zu den schnellen Recken / sprach die Königin da:

    »Nun harrt eine Weile: / ihr sollt noch stille stehn.

    Ich will unter Krone / hin zu meinen Feinden gehn.


    Hört mich ihm verweisen, / was mir hat getan

    Hagen von Tronje, / Gunthers Untertan.

    Ich weiß ihn so gemutet, / er leugnets nimmermehr;

    So will ich auch nicht fragen, / was ihm geschehe nachher.«


    Da sah der Fiedelspieler, / ein kühner Spielmann,

    Die edle Königstochter / von der Stiege nahn,

    Die aus dem Hause führte. / Als er das ersah,

    Zu seinem Heergesellen / sprach der kühne Volker da:


    »Nun schauet, Freund Hagen, / wie sie dorther naht,

    Die uns ohne Treue / ins Land geladen hat.

    Ich sah mit einer Königin / nie so manchen Mann

    Die Schwerter in den Händen / also streitlustig nahn.


    Wißt ihr, Freund Hagen, / daß sie euch abhold sind?

    So will ich euch raten, / daß ihr zu hüten sinnt

    Des Lebens und der Ehre; / fürwahr, das dünkt mich gut:

    Soviel ich mag erkennen, / ist ihnen zornig zumut.


    Es sind auch manche drunter / von Brüsten stark und breit:

    Wer seines Lebens hüten will, / der tu es beizeit.

    Ich seh sie unter Seide / die festen Panzer tragen.

    Was sie damit meinen, / das hör ich niemanden sagen.«


    Da sprach im Zornmute / Hagen der kühne Mann:

    »Ich weiß wohl, das wird alles / wider mich getan,

    Daß sie die lichten Waffen / tragen in der Hand;

    Vor denen aber reit ich / noch in der Burgunden Land.


    Nun sagt mir, Freund Volker, / denkt ihr mir beizustehn,

    Wenn mit mir streiten wollen / die in Kriemhilds Lehn?

    Das laßt mich vernehmen, / so lieb als ich euch sei.

    Ich steh euch mit Diensten / immer wieder treulich bei.«


    »Sicherlich, ich helf euch,« / so sprach da Volker:

    »Und säh ich uns entgegen / mit seinem ganzen Heer

    Den König Etzel kommen, / all meines Lebens Zeit

    Weich ich von eurer Seite / aus Furcht nicht eines Fußes breit.«


    »Nun lohn euch Gott vom Himmel, / viel edler Volker!

    Wenn sie mit mir streiten, / wes bedarf ich mehr?

    Da ihr mir helfen wollet, / wie ich jetzt vernommen,

    So mögen diese Recken / fein behutsam näher kommen.«


    »Stehn wir auf vom Sitze,« / sprach der Fiedelmann,

    »Vor der Königstochter, / so sie nun kommt heran.

    Bieten wir die Ehre / der edeln Königin!

    Das bringt uns auch beiden / an eignen Ehren Gewinn.«


    »Nein, wenn ihr mich lieb habt,« / sprach dawider Hagen.

    »Es möchten diese Degen / mit dem Wahn sich tragen,

    Daß ich aus Furcht es täte / und dächte wegzugehn:

    Von dem Sitze mein ich / vor ihrer keinem aufzustehn.


    Daß wir es bleiben lassen, / das ziemt uns ganz allein.

    Soll ich dem Ehre bieten, / der mir feind will sein?

    Nein, ich tu es nimmer, / solang ich leben soll:

    In aller Welt, was kümmr ich / mich um Kriemhildens Groll?«


    Der vermessne Hagen legte / über die Schenkel hin

    Eine lichte Waffe, / aus deren Knaufe schien

    Mit hellem Glanz ein Jaspis, / grüner noch als Gras.

    Wohl erkannte Kriemhild, / daß Siegfried einst sie besaß.


    Als sie das Schwert erkannte, / das schuf ihr große Not.

    Der Griff war von Golde, / der Scheide Borte rot.

    Ermahnt war sie des Leides, / zu weinen hub sie an:

    »Ich glaube, Hagen hatt' es / auch eben darum getan.«


    Volker der kühne / zog näher an die Bank

    Einen starken Fiedelbogen, / mächtig und lang,

    Wie ein Schwert geschaffen, / scharf dazu und breit.

    So saßen unerschrocken / diese Recken allbereit.


    Die kühnen Degen beide / dauchten sich so hehr,

    Aus Furcht vor jemandem / wollten sie nimmermehr

    Vom Sitz sich erheben. / Ihnen schritt da vor den Fuß

    Die edle Königstochter / und bot unfreundlichen Gruß.


    Sie sprach: »Nun sagt, Herr Hagen, / wer hat nach euch gesandt,

    Daß ihr zu reiten wagtet / her in dieses Land,

    Da ihr doch wohl wußtet, / was ihr mir habt getan?

    Wart ihr bei guten Sinnen, / ihr durftet's euch nicht unterfahn.«


    »Nach mir gesandt hat niemand,« / sprach er entgegen;

    »Her zu diesem Lande / lud man drei Degen,

    Die heißen meine Herren: / ich steh in ihrem Lehn;

    Bei keiner Hofreise / pfleg ich daheim zu bestehn.«


    Sie sprach: »Nun sagt mir ferner, / was tatet ihr das,

    Daß ihr es verdientet, / wenn ich euch trage Haß?

    Ihr erschlugt Siegfrieden, / meinen lieben Mann,

    Den ich bis an mein Ende / nicht genug beweinen kann.«


    »Wozu der Rede weiter?« / sprach er, »es ist genug:

    Ich bin halt der Hagen, / der Siegfrieden schlug,

    Den behenden Degen: / wie schwer er das entgalt,

    Daß die Frau Kriemhild / die schöne Brunhilde schalt!


    Es wird euch nicht geleugnet, / reiche Königin,

    Daß ich an all dem Schaden, / dem schlimmen, schuldig bin.

    Nun räch es, wer da wolle, / Weib oder Mann,

    Ich müßt es wahrlich lügen, / ich hab euch viel zuleid getan.«


    Sie sprach: »Da hört ihr, Recken, / wie er die Schuld gesteht

    An all meinem Leide: / wie's ihm deshalb ergeht,

    Darnach will ich nicht fragen, / ihr Etzeln untertan.«

    Die übermütgen Degen / blickten all einander an.


    Wär da der Streit erhoben, / so hätte man gesehn,

    Wie man den zwei Gesellen / müss' Ehre zugestehn:

    Das hatten sie in Stürmen / oftmals dargetan.

    Was jene sich vermessen, / das ging aus Furcht nun nicht an.


    Da sprach der Recken einer: / »Was seht ihr mich an?

    Was ich zuvor gelobte, / das wird nun nicht getan.

    Um niemands Gabe laß ich / Leben gern und Leib.

    Uns will hier verleiten / dem König Etzel sein Weib.«


    Da sprach ein andrer wieder: / »So steht mir auch der Mut.

    Wer mir Türme gebe / von rotem Golde gut,

    Diesen Fiedelspieler / wollt ich nicht bestehn,

    Der schnellen Blicke wegen, / die ich hab an ihm ersehn.


    Auch kenn ich diesen Hagen / von seiner Jugendzeit:

    Drum weiß ich von den Recken / selber wohl Bescheid.

    In zweiundzwanzig Stürmen / hab ich ihn gesehn;

    Da ist mancher Frauen / Herzeleid von ihm geschehn.


    Er und der von Spanien / traten manchen Pfad,

    Da sie hier bei Etzeln / taten manche Tat

    Dem König zuliebe. / Das ist oft geschehn:

    Drum mag man Hagen billig / große Ehre zugestehn.


    Damals war der Recke / an Jahren noch ein Kind,

    Da waren schon die Knaben, / wie jetzt kaum Greise sind.

    Nun kam er zu Sinnen / und ist ein grimmer Mann;

    Auch trägt er Balmungen, / den er übel gewann.«


    Damit wars entschieden, / niemand suchte Streit.

    Das war der Königstochter / im Herzen bitter leid.

    Die Mannen gingen wieder: / wohl scheuten sie den Tod

    Von den Helden beiden: / das tat ihnen wahrlich not.


    Wie oft man verzagend / manches unterläßt,

    Wo der Freund beim Freunde / treulich steht und fest!

    Und hat er kluge Sinne, / daß er nicht also tut,

    Vor Schaden nimmt sich mancher / durch Besonnenheit in Hut.


    Da sprach der kühne Volker: / »Da wir nun selber sahn,

    Daß wir hier Feinde finden, / wie man uns kundgetan,

    So laß uns zu den Königen / hin zu Hofe gehn:

    So darf unsre Herren / mit Kampfe niemand bestehn.«


    »Gut, ich will euch folgen,« / sprach Hagen entgegen.

    Da gingen hin die beiden, / wo sie die zieren Degen

    Noch harrend des Empfanges / auf dem Hofe sahn.

    Volker der kühne / hub da laut zu reden an.


    Er sprach zu seinen Herren: / »Wie lange wollt ihr stehn

    Und euch drängen lassen? / ihr sollt zu Hofe gehn

    Und von dem König hören, / wie der gesonnen sei.«

    Da sah man sich gesellen / der kühnen Helden je zwei.


    Dietrich von Berne / nahm da an die Hand

    Gunther den reichen / von Burgundenland;

    Irnfried nahm Gernoten, / diesen kühnen Mann;

    Da ging mit seinem Schwäher / Geiselher zu Hof heran.


    Wie bei diesem Zuge / gesellt war jeglicher,

    Volker und Hagen, / die schieden sich nicht mehr

    Als noch in einem Kampfe / bis an ihren Tod.

    Das mußten bald beweinen / edle Fraun in großer Not.


    Da sah man mit den Königen / hin zu Hofe ziehn

    Ihres edeln Ingesindes / tausend Degen kühn;

    Darüber sechzig Recken / waren mitgekommen:

    Die hatt' aus seinem Lande / der kühne Hagen genommen.


    Hawart und Iring, / zwei Degen auserkannt,

    Die gingen mit den Königen / zu Hofe Hand in Hand;

    Dankwart und Wolfhart, / ein teuerlicher Degen,

    Die sah man großer Hofzucht / vor den übrigen pflegen.


    Als der Vogt vom Rheine / in den Pallas ging,

    Etzel der reiche / das länger nicht verhing:

    Er sprang von seinem Sitze, / als er ihn kommen sah,

    Ein Gruß, ein so recht schöner, / nie mehr von Köngen geschah.


    »Willkommen mir, Herr Gunther, / und auch Herr Gernot,

    Und euer Bruder Geiselher, / die ich hieher entbot

    Mit Gruß und treuem Dienste / von Worms überrhein,

    Und eure Degen alle / sollen mir willkommen sein.


    Laßt euch auch Willkommen, / ihr beiden Recken, sagen,

    Volker der kühne / und dazu Herr Hagen,

    Mir und meiner Frauen / hier in diesem Land:

    Sie hat euch manche Botschaft / hin zum Rheine gesandt.«


    Da sprach von Tronje Hagen: / »Das haben wir vernommen.

    Wär ich um meine Herren / gen Heunland nicht gekommen,

    So wär ich euch zu Ehren / geritten in das Land.«

    Da nahm der edle König / die lieben Gäste bei der Hand


    Und führte sie zum Sitze hin, / wo er selber saß.

    Da schenkte man den Gästen, / fleißig tat man das,

    In weiten goldnen Schalen / Met, Moraß und Wein

    Und hieß die fremden Degen / höchlich willkommen sein.


    Da sprach König Etzel: / »Das muß ich wohl gestehn,

    Mir konnt in diesen Zeiten / nichts Lieberes geschehn

    Als durch euch, ihr Recken, / daß ihr gekommen seid;

    Damit ist auch der Königin / benommen Kummer und Leid.


    Mich nahm immer wunder, / was ich euch wohl getan,

    Da ich der edeln Gäste / so manche doch gewann,

    Daß ihr nie zu reiten / geruhtet in mein Land;

    Nun ich euch hier ersehen hab, / ist mirs zu Freuden gewandt.«


    Da versetzte Rüdiger, / in Ritter hochgemut:

    »Ihr mögt sie gern empfahen: / ihre Treue, die ist gut:

    Der wissen meiner Frauen / Brüder schön zu pflegen.

    Sie bringen euch zu Hause / manchen weidlichen Degen.«


    Am Sonnewendenabend / waren sie gekommen

    An Etzels Hof, des reichen. / Noch selten ward vernommen,

    Daß ein König seine Gäste / freundlicher empfing;

    Danach er zu Tische / wohlgemut mit ihnen ging.


    Ein Wirt bei seinen Gästen / sich holder nie betrug.

    Zu trinken und zu essen / bot man da genug;

    Was sie nur wünschen mochten, / das wurde gern gewährt.

    Man hatte von den Helden / viel große Wunder gehört.


    Der mächtige Etzel hatte / an ein Gebäude weit

    Viel Fleiß und Müh gewendet / und Kosten nicht gescheut:

    Man sah Pallas und Türme, / Gemächer ohne Zahl

    In einer weiten Feste / und einen herrlichen Saal.


    Den hat er bauen lassen / lang, hoch und weit,

    Weil ihn so viel der Recken / heimsuchten jederzeit.

    Auch ander Ingesinde, / zwölf reiche Könge hehr,

    Und viel der werten Degen / hatt' er zu allen Zeiten mehr


    Als je gewann ein König, / von dem ich noch vernahm.

    Er lebte so mit Freunden / und Mannen wonnesam.

    Gedräng und frohen Zuruf / hatte der König gut

    Von manchem schnellen Degen; / drum stand wohl hoch ihm der Mut.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Dreißigstes Abenteuer


    Wie Hagen und Volker Schildwacht standen


    Der Tag war nun zu Ende, / es nahte sich die Nacht.

    Den reisemüden Recken / war die Sorg erwacht,

    Wann sie ruhen sollten / und zu Bette gehn.

    Zur Sprache bracht es Hagen: / Bescheid ist ihnen geschehn.


    Zu dem Wirte sprach da Gunther: / »Gott lass euchs wohlgedeihn;

    Wir wollen schlafen gehn, / mag es mit Urlaub sein.

    Wenn ihr das gebietet, / kommen wir morgen fruh.«

    Der Wirt entließ die Gäste / wohlgemut zu ihrer Ruh.


    Von allen Seiten drängen / man die Gäste sah.

    Volker der kühne / sprach zu den Heunen da:

    »Wie dürft ihr uns Recken / so vor die Füße gehn?

    Und wollt ihr das nicht meiden, / so wird euch übel geschehn.


    So schlag ich dem und jenem / so schweren Geigenschlag,

    Hat er einen Treuen, / daß ders beweinen mag.

    Nun weicht vor uns Recken, / fürwahr, mich dünkt es gut:

    Es heißen alle Degen / und haben doch nicht gleichen Mut.«


    Als in solchem Zorne / sprach der Fiedelmann,

    Hagen der kühne / sich umzuschaun begann.

    Er sprach: »Euch rät zum Heile / der kühne Fiedeler.

    Geht zu den Herbergen, / ihr in Kriemhildens Heer.


    Was habt ihr im Sinne, / es fügt sich nicht dazu:

    Wollt ihr was beginnen, / so kommt uns morgen fruh

    Und laßt uns Reisemüde / heut in Frieden ruhn.

    Ich glaube, niemals werden / es Helden williger tun.«


    Da brachte man die Gäste / in einen weiten Saal,

    Zur Nachtruh eingerichtet / den Recken allzumal

    Mit köstlichen Betten / lang zumal und breit.

    Gern schüf ihnen Kriemhild / das allergrößeste Leid.


    Schmucker Decken sah man / von Arras da genug

    Aus lichthellem Zeuge / und so manchen Überzug

    Aus arabischer Seide, / so gut sie mochten sein,

    Verbrämt mit goldnen Borten; / die gaben herrlichen Schein.


    Viel Bettlaken fand man / von Hermelin gemacht

    Und von schwarzem Zobel, / worunter sie die Nacht

    Sich Ruhe schaffen sollten / bis an den lichten Tag.

    Ein König mit dem Volke / wohl nimmer herrlicher lag.


    »O weh des Nachtlagers!« / sprach Geiselher das Kind,

    »Und weh meiner Freunde, / die mit uns kommen sind.

    Wie gut es meine Schwester / uns auch hier erbot,

    Wir gewinnen, fürcht ich, alle / von ihrem Haß den Tod.«


    »Nun laßt euer Sorgen,« / sprach Hagen der Degen:

    »Ich will heute selber / der Schildwache pflegen

    Und getrau euch zu behüten / bis morgen an den Tag:

    Seid des ohne Sorge: / so entrinne, wer da mag.«


    Da neigten sich ihm alle / und sagten ihm Dank.

    Sie gingen zu den Betten. / Da währt' es nicht lang,

    Bis in Ruhe lagen / die Helden wohlgetan.

    Hagen der kühne / sich da zu waffnen begann.


    Da sprach der Fiedelspieler, / Volker der Degen:

    »Verschmäht ihrs nicht, Hagen, / so will ich mit euch pflegen

    Heut der Schildwache / bis morgen an den Tag.«

    Da dankte Volkeren / der Degen gütlich und sprach:


    »Nun lohn euch Gott vom Himmel, / viel lieber Volker!

    Zu allen meinen Sorgen / wünsch' ich mir niemand mehr

    Als nur euch alleine, / befahr ich irgend Not.

    Ich will es wohl vergelten, / es verwehr es denn der Tod.«


    Da kleideten die beiden / sich in ihr licht Gewand;

    Jedweder faßte / den Schild an seine Hand.

    Sie gingen aus dem Hause / vor die Türe stehn

    Und hüteten der Gäste; / das ist mit Treuen geschehn.


    Volker der schnelle / lehnte von der Hand

    Seinen Schild den guten / an des Saales Wand.

    Dann wandt' er sich zurücke, / wo seine Geige war,

    Und diente seinen Freunden; / es ziemt' ihm also fürwahr.


    Unter des Hauses Türe / setzt' er sich auf den Stein.

    Kühnrer Fiedelspieler / mochte nimmer sein.

    Als der Saiten Tönen / ihm so hold erklang,

    Die stolzen Heimatlosen, / die sagten Volkern den Dank.


    Da tönten seine Saiten, / daß all das Haus erscholl;

    Seine Kraft und sein Geschicke, / die waren beide voll.

    Süßer und sanfter / zu geigen hub er an:

    So spielt' er in den Schlummer / gar manchen sorgenden Mann.


    Da sie entschlafen waren, / und Volker das befand,

    Da nahm der Degen wieder / den Schild an die Hand

    Und ging aus dem Hause / vor die Türe stehn,

    Seine Freunde zu behüten / vor denen in Kriemhilds Lehn.


    Wohl der Nacht inmitten, / wenn es erst da geschah,

    Volker der kühne / einen Helm erglänzen sah

    Fernher durch das Dunkel: / die Kriemhild untertan,

    Hätten an den Gästen / gerne Schaden getan.


    Bevor diese Recken / Kriemhild hatt' entsandt,

    Sie sprach: »Wenn ihr sie findet, / so seid um Gott ermahnt,

    Daß ihr niemand tötet / als den einen Mann,

    Den ungetreuen Hagen; / die andern rühret nicht an.«


    Da sprach der Fiedelspieler: / »Nun seht, Freund Hagen,

    Uns ziemt diese Sorge / gemeinsam zu tragen.

    Gewaffnet vor dem Hause / seh ich Leute stehn:

    Soviel ich mag erkennen, / kommen sie uns zu bestehn.«


    »So schweigt,« sprach da Hagen, / »laßt sie erst näher her,

    Eh sie uns inne werden, / wird ihrer Helme Wehr

    Zerschroten mit den Schwertern / von unser beider Hand:

    Sie werden Kriemhilden / übel wieder heimgesandt.«


    Der Heunenrecken einer, / der gar bald ersah,

    Die Türe sei behütet, / wie schnell sprach er da:

    »Was wir im Sinne hatten, / kann nun nicht geschehn:

    Ich seh den Fiedelspieler / vor dem Hause Schildwacht stehn.


    Er trägt auf dem Haupte / einen Helm von lichtem Glanz,

    Der ist hart und lauter, / stark dazu und ganz.

    Auch loh'n die Panzerringe / ihm, wie das Feuer tut.

    Daneben steht auch Hagen: / die Gäste sind in guter Hut.«


    Da wandten sie sich wieder. / Als Volker das ersah,

    Zu seinem Heergesellen / im Zorn sprach er da:

    »Nun laßt mich von dem Hause / zu den Recken gehn:

    So frag ich um die Märe / die in Kriemhildens Lehn.«


    »Nein, wenn ihr mich lieb habt,« / sprach Hagen entgegen:

    »Kämt ihr aus dem Hause, / diese schnellen Degen

    Brächten euch mit Schwertern / leicht in solche Not,

    Daß ich euch helfen müßte, / wärs aller meiner Freunde Tod.


    Wenn wir dann beide / kämen in den Streit,

    So möchten ihrer zweie / oder vier in kurzer Zeit

    Zu dem Hause springen / und schüfen solche Not

    Drinnen an den Schlafenden, / daß wirs bereuten bis zum Tod.«


    Da sprach wieder Volker: / »So laßt es nur geschehn,

    Daß sie inne werden, / wir haben sie gesehn:

    So können uns nicht leugnen, / die Kriemhild untertan,

    Daß sie gerne treulos / an den Gästen hätten getan.«


    Da rief der Fiedelspieler / den Heunen entgegen:

    »Wie geht ihr so bewaffnet, / ihr behenden Degen?

    Wollt ihr morden reiten, / ihr Kriemhild untertan,

    So nehmt mich zur Hilfe / und meinen Heergesellen an.«


    Niemand gab ihm Antwort; / zornig war sein Mut:

    »Pfui, feige Bösewichter,« / sprach der Degen gut,

    »Im Schlaf uns zu ermorden, / schlicht ihr dazu heran?

    Das ward so guten Helden / bisher noch selten getan.«


    Bald ward auch die Märe / der Königin bekannt

    Vom Abzug ihrer Boten: / wie schwer sie das empfand!

    Da fügte sie es anders, / gar grimmig war ihr Mut.

    Des mußten bald verderben / viel der Helden kühn und gut.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Einunddreißigstes Abenteuer


    Wie die Herren zur Kirche gingen


    »Mir wird so kühl der Harnisch,« / sprach da Volker:

    »Die Nacht, wähn ich, wolle / nun nicht währen mehr.

    Ich fühl es an den Lüften, / es ist nicht weit vom Tag.«

    Da weckten sie gar manchen, / der im Schlafe noch lag.


    Da schien der lichte Morgen / den Gästen in den Saal.

    Hagen begann zu fragen / die Recken allzumal,

    Ob sie zum Münster wollten / in die Messe heut.

    Nach christlichen Sitten / erscholl der Glocken Geläut.


    Der Gesang war ungleich: / kein Wunder mocht es sein,

    Daß Christen mit Heiden / nicht stimmten überein.

    Da wollten zu der Kirche / die in Gunthers Lehn:

    Man sah sie von den Betten / allzumal da erstehn.


    Da schnürten sich die Recken / in also gut Gewand,

    Daß nie Helden wieder / in eines Königs Land

    Bessre Kleider brachten. / Hagen war es leid:

    Er sprach: »Ihr tätet besser, / ihr trügt hier anderlei Kleid.


    Nun ist euch doch allen / die Märe wohl bekannt;

    Drum statt der Rosenkränze / nehmt Waffen in die Hand,

    Statt wohlgesteinter Hüte / die lichten Helme gut,

    Da wir so wohl erkennen / der argen Kriemhilde Mut.


    Wir müssen heute streiten, / das will ich euch sagen.

    Statt seidner Hemden sollt ihr / Halsbergen tragen

    Und statt der reichen Mäntel / gute Schilde breit:

    Zürnt mit euch jemand, / daß ihr wehrhaftig seid.


    Meine lieben Herren, / Freund und Mannen mein,

    Tretet in die Kirche / mit lauterm Herzen ein

    Und klagt Gott dem reichen / eure Sorg und Not;

    Denn wißt unbezweifelt, / es naht uns allen der Tod.


    Ihr sollt auch nicht vergessen, / was je von euch geschah,

    Und steht vor eurem Gotte / andächtig da.

    Laßt euch alle warnen, / gute Recken hehr:

    Es wend es Gott im Himmel, / so hört ihr keine Messe mehr.«


    So gingen zu dem Münster / die Fürsten und ihr Lehn.

    Auf dem heiligen Friedhof, / da hieß sie stille stehn

    Hagen der kühne, / damit man sie nicht schied.

    Er sprach: »Noch weiß ja niemand, / was von den Heunen geschieht.


    Setzt, meine Freunde, / die Schilde vor den Fuß

    Und lohnt es, beut euch jemand / feindlichen Gruß,

    Mit tiefen Todeswunden: / daß ist, was Hagen rät.

    So werdet ihr befunden, / wie's euch am löblichsten steht.«


    Volker und Hagen, / die beiden stellten da

    Sich vor das weite Münster, / was darum geschah:

    Sie wolltens dazu bringen, / daß sich die Königin

    Mit ihnen drängen müsse; / wohl war gar grimmig ihr Sinn.


    Da kam der Wirt des Landes / und auch sein schönes Weib;

    Mit reichem Gewande / war ihr geziert der Leib,

    Und manchem schnellen Degen, / der im Geleit ihr war.

    Da flog der Staub zur Höhe / vor der Königin Schar.


    Als der reiche König / so gewaffnet sah

    Die Fürsten und ihr Ingesind, / wie bald sprach er da:

    »Was seh ich meine Freunde / unter Helmen gehn?

    Leid wär mir meiner Treue, / wär ihnen Leid hier geschehn.


    Das wollt ich ihnen büßen, / wie sie es deuchte gut.

    Wenn ihnen wer beschwerte / das Herz und den Mut,

    So laß ich sie wohl schauen, / es sei mir wahrlich leid:

    Was sie gebieten mögen, / dazu bin ich gern bereit.«


    Zur Antwort gab ihm Hagen: / »Uns ist kein Leid geschehn.

    Es ist der Herren Sitte, / daß sie gewaffnet gehn

    Bei allen Gastgeboten / zu dreien vollen Tagen.

    Was uns hier geschähe, / wir würden es Etzeln klagen.«


    Wohl vernahm die Königin / Hagens Rede da.

    Wie feindlich sie dem Degen / unter die Augen sah!

    Sie wollte doch nicht melden / den Brauch in ihrem Land,

    Wie lang bei den Burgunden / sie den auch hatte gekannt.


    Wie grimm und stark die Königin / ihnen abhold wäre,

    Hätte jemand Etzeln / gesagt die rechte Märe,

    Er hätt' es wohl gewendet, / was nun doch geschah:

    In ihrem hohen Übermut / verschwiegen sie es alle da.


    Da schritt mit vielem Volke / Kriemhild zur Kirchentür;

    Doch wollten diese beiden / weichen nicht von ihr

    Zweier Hände Breite: / das war den Heunen leid.

    Da mußten sie sich drängen / mit den Helden allbereit.


    Etzels Kämmerlinge, / die dauchte das nicht gut:

    Wohl hätten sie den Recken / gern erzürnt den Mut,

    Wenn sie es wagen dürften / vor dem König hehr.

    Da gab es groß Gedränge / und doch nichts anderes mehr.


    Als nach dem Gottesdienste / man auf den Heimweg sann,

    Da kam hoch zu Rosse / mancher Heunenmann;

    Auch war bei Kriemhilden / manche schöne Maid.

    Wohl siebentausend zählte / der Königin Heergeleit.


    Kriemhild mit ihren Frauen / in den Fenstern saß

    Bei Etzeln dem reichen; / gerne sah er das.

    Sie wollten reiten sehen / die Helden auserkannt:

    Hei! was man fremder Recken / vor ihnen auf dem Hofe fand!


    Nun war auch mit den Rossen / der Marschall gekommen.

    Der kühne Dankwart hatte / mit sich genommen

    Der Herren Ingesinde / von Burgundenland.

    Die Rosse wohlgesattelt / man den kühnen Niblungen fand.


    Als zu den Rossen kamen / die Fürsten und ihr Heer,

    Da begann zu raten / der kühne Volker,

    Sie sollten buhurdieren / nach ihres Landes Sitten.

    Da wurde von den Helden / bald gar herrlich geritten.


    Was der Held geraten, / niemanden wohl verdroß:

    Der Buhurd und der Waffenklang / wurden beide groß.

    Zu dem weiten Hofe / kam da mancher Mann;

    Etzel mit Kriemhild / es selbst zu schauen begann.


    Auf den Buhurd kamen / sechshundert Degen,

    Dietrichens Recken, / den Gästen entgegen.

    Mit den Burgunden wollten / sie sich im Spiel ergehn;

    Wollt es ihr Herr vergönnen, / so wär es gerne geschehn.


    Hei, was gute Recken / ritten da heran!

    Dietrich dem Helden / ward es kund getan:

    Mit Gunthers Ingesinde / das Spiel er verbot;

    Er schonte seiner Leute: / das tat ihm sicherlich not.


    Als Dietrichs Gefolge / so vermied den Streit,

    Da kam von Bechlaren / Rüdigers Geleit,

    Fünfhundert unter Schilden / vor den Saal geritten.

    Leid wars dem Markgrafen, / er hätt es gern nicht gelitten.


    Er kam zu ihnen eilends / gedrungen durch die Schar

    Und sagte seinen Mannen, / sie würden selbst gewahr,

    Daß im Unmut wären, / die Gunthern untertan:

    Wenn sie das Kampfspiel ließen, / so wär ihm Liebes getan.


    Als von ihnen schieden / die Helden allbereit,

    Da kamen die von Thüringen, / hörten wir Bescheid,

    Und vom Dänenlande / der Kühnen tausend Mann.

    Von Stichen sah man fliegen / viel der Splitter hochhinan.


    Infried und Hawart / ritten zum Buhurd hin;

    Ihrer harrten die vom Rheine / mit hochfärtgem Sinn.

    Sie tjosteten mit denen / vom Thüringerland:

    Durchbohrt von Stichen wurde / mancher schöne Schildesrand.


    Da kam der Degen Blödel, / dreitausend in der Schar.

    Etzel und Kriemhild / nahmen sein wohl wahr,

    Da vor ihnen beiden / das Waffenspiel geschah.

    Die Königin es gerne / aus Haß der Burgunden sah.


    Sie gedacht in ihrem Sinne, / schier wärs auch so geschehn:

    »Und täten sie wem Leides, / so dürft ich mich versehn,

    Daß es zum Ernste käme: / an den Feinden mein

    Würd ich dann gerochen; / des wollt ich ohne Sorge sein.«


    Schrutan und Gibeke / ritten zum Buhurd auch,

    Hornbog und Ramung, / nach heunischem Brauch.

    Sie hielten vor den Helden / aus Burgundenland:

    Die Schäfte flogen wirbelnd / über des Königssaales Wand.


    Wie sie da alle ritten, / das war doch eitel Schall,

    Von Stößen auf die Schilde / das Haus und den Saal

    Hörte man ertosen / durch manchen Gunthersmann.

    Das Lob sich sein Gesinde / mit großen Ehren gewann.


    Da ward ihre Kurzweil / so stark und so groß,

    Daß den Satteldecken / der blanke Schweiß entfloß

    Von den guten Rossen, / so die Helden ritten.

    Sie versuchten an den Heunen / sich mit hochfärtgen Sitten.


    Da sprach der kühne Volker, / der edle Spielmann:

    »Zu feig sind diese Degen, / sie greifen uns nicht an.

    Ich hörte immer sagen, / daß sie uns abhold sein;

    Nun könnte die Gelegenheit / ihnen doch nicht günstger sein.«


    »Zu den Ställen wieder,« / sprach der König hehr,

    »Ziehe man die Rosse; / wir reiten wohl noch mehr

    In den Abendstunden, / wenn die Zeit erschien.

    Ob dann den Burgunden / den Preis wohl gibt die Königin?«


    Da sahn sie einen reiten / so stattlich daher,

    Es tats von allen Heunen / kein anderer mehr.

    Er hat in den Fenstern / wohl ein Liebchen traut.

    Er ritt so wohlgekleidet / als eines werten Ritters Braut.


    Da sprach wieder Volker: / »Wie blieb es ungetan?

    Jener Weiberliebling / muß einen Stoß empfahn.

    Das mag hier niemand wenden, / es geht ihm an den Leib:

    Was frag ich, ob drum zürne / dem König Etzel sein Weib?«


    »Nicht doch,« sprach der König, / »wenn ichs erbitten kann:

    Es schelten uns die Leute, / greifen wir sie an:

    Die Heunen laßt beginnen; / es kommt wohl bald dahin.«

    Noch saß König Etzel / am Fenster bei der Königin.


    »Ich will das Kampfspiel mehren,« / sprach Hagen jedoch:

    »Laßt diese Frauen / und die Degen noch

    Sehn, wie wir reiten können: / das ist wohlgetan;

    Man läßt des Lobs doch wenig / die Recken Gunthers empfahn.«


    Volker der schnelle / ritt wieder in den Streit.

    Das schuf da viel der Frauen / großes Herzeleid.

    Er stach dem reichen Heunen / den Speer durch den Leib:

    Das sah man noch beweinen / manche Maid und manches Weib.


    Alsbald rückt' auch Hagen / mit seinen Helden an:

    Mit sechzig seiner Degen / zu reiten er begann

    Dahin, wo von dem Fiedler / das Spiel war geschehn.

    Etzel und Kriemhild / konnten alles deutlich sehn.


    Da wollten auch die Könige / den kühnen Fiedler gut

    Unter den Feinden / nicht lassen ohne Hut.

    Da ward von tausend Helden / mit großer Kunst geritten.

    Sie taten, was sie lüstete, / mit gar hochfärtgen Sitten.


    Als der reiche Heune / zu Tode war geschlagen,

    Man hörte seiner Freunde / Wehruf und Klagen.

    Als das Gesinde fragte: / »Wer hat das getan?«

    »Das hat getan der Fiedler, / Volker, der kühne Spielmann.«


    Nach Schwerten und Schilden / riefen gleich zur Hand

    Des Markgrafen Freunde / von der Heunen Land;

    Zu Tode schlagen wollten / sie den Fiedelmann.

    Der Wirt von seinem Fenster / daher zu eilen begann.


    Da hob sich von den Heunen / allenthalben Schall.

    Abstiegen mit dem Volke / die Könge vor dem Saal;

    Zurück die Rosse stießen, / die Gunthern untertan.

    Da kam der König Etzel / den Streit zu schlichten heran.


    Einem Vetter dieses Heunen, / den er da bei ihm fand,

    Eine scharfe Waffe / brach er ihm aus der Hand

    Und schlug sie all zurücke: / er war in großem Zorn.

    »Wie hätt' ich meine Dienste / an diesen Helden verlorn!


    Wenn ihr mir erschlüget / diesen Fiedelmann,«

    Sprach der König Etzel, / »das wäre mißgetan.

    Als er erstach den Heunen, / sein Reiten wohl ich sah,

    Daß es wider seinen Willen / nur durch Straucheln geschah.


    Ihr sollt meine Gäste / mit Frieden lassen ziehn.«

    So ward er ihr Geleite. / Die Rosse zog man hin

    Zu den Herbergen. / Sie hatten manchen Knecht,

    Der ihnen war zu Diensten / mit allem Fleiße gerecht.


    Der Wirt mit seinen Freunden / ging zum Saal zurück;

    Da regte sich kein Zürnen / mehr vor seinem Blick.

    Man richtete die Tische, / das Wasser man auch trug.

    Da hatten die vom Rheine / der starken Feinde genug.


    Unlieb war es Etzeln, / doch folgte manche Schar

    Den Fürsten, die mit Waffen / wohl versehen war,

    Im Unmut auf die Gäste, / als man zu Tische ging,

    Den Freund bedacht zu rächen, / wenn es günstge Zeit verhing.


    »Daß ihr in Waffen lieber / zu Tische geht als bloß,«

    Sprach der Wirt des Landes, / »die Unart ist zu groß;

    Wer aber an den Gästen / den kleinsten Frevel wagt,

    Der büßt es mit dem Haupte, / daß sei euch Heunen gesagt.«


    Bevor da niedersaßen / die Herrn, das währte lang,

    Weil zu sehr mit Sorgen / jetzt Frau Kriemhild rang.

    Sie sprach: »Fürst von Berne, / heute muß ich flehn

    Zu dir um Rat und Hilfe: / meine Sachen ängstlich stehn.«


    Zur Antwort gab ihr Hildebrand, / ein Recke tugendlich:

    »Wer schlägt die Nibelungen, / der tut es ohne mich,

    Wieviel man Schätze böte: / es wird ihm wahrlich leid.

    Sie sind noch unbezwungen, / die schnellen Ritter allbereit.« –


    »Es geht mir nur um Hagen, / der hat mir Leid getan,

    Der Siegfrieden mordete, / meinen lieben Mann.

    Wer den von ihnen schiede, / dem wär mein Gold bereit;

    Entgält es anders jemand, / das wär mir inniglich leid.«


    Da sprach wieder Hildebrand: / »Wie möchte das geschehn,

    Den ihnen zu erschlagen? / Ihr solltet selber sehn:

    Bestünde man den Degen, / leicht gäb es eine Not,

    Daß Arme so wie Reiche / dabei erlägen im Tod.«


    Da sprach dazu Herr Dietrich / mit zuchtreichem Sinn:

    »Die Rede laßt bleiben, / reiche Königin:

    Mir ist von euern Freunden / kein solches Leid geschehn,

    Daß ich sollt im Streite / die kühnen Degen bestehn.


    Die Bitte ehrt euch wenig, / edel Königsweib,

    Daß ihr den Freunden ratet / an Leben und an Leib.

    Sie kamen euch auf Gnade / hierher in dieses Land:

    Siegfried bleibt ungerochen / wohl von Dietrichens Hand.«


    Als sie keine Untreu / bei dem Berner fand,

    Alsobald gelobte sie / Blödeln in die Hand

    Eine weite Landschaft, / die Nudung einst besaß;

    Hernach erschlug ihn Dankwart, / daß er der Gabe gar vergaß.


    Sie sprach: »Du sollst mir helfen, / Bruder Blödelein.

    Hier in diesem Hause / sind die Feinde mein,

    Die Siegfrieden schlugen, / meinen lieben Mann:

    Wer mir das rächen hülfe, / dem wär ich immer untertan.«


    Zur Antwort gab ihr Blödel: / »Herrin, wisset das,

    Ich darf euern Freunden / nicht zeigen solchen Haß,

    Weil sie mein Bruder Etzel / so gerne leiden mag:

    Wenn ich sie bestünde, / der König säh es mir nicht nach.«


    »Nicht also, Herr Blödel, / ich bin dir immer hold:

    Ich gebe dir zum Lohne / mein Silber und mein Gold

    Und eine schöne Witwe, / Nudungens Weib:

    So magst du immer kosen / ihren minniglichen Leib.


    Das Land zu den Burgen, / alles geb ich dir,

    So lebst du, teurer Ritter, / in Freuden stets mit ihr,

    Wenn du die Mark gewinnest, / die Nudung einst besaß.

    Was ich dir hier gelobe, / mit Treuen leist ich dir das.«


    Als Blödel bieten hörte / des Lohnes also viel,

    Und ihrer Schöne willen / die Frau ihm wohlgefiel,

    Im Kampf verdienen wollt er / das minnigliche Weib.

    Da mußte dieser Recke / verlieren Leben und Leib.


    Er sprach zu der Königin: / »Geht wieder in den Saal.

    Eh man es inne werde, / erheb ich großen Schall.

    Hagen muß es büßen, / was er euch hat getan:

    Ich bring euch gebunden / König Gunthers Untertan.«


    »Nun waffnet euch,« sprach Blödel, / »ihr all in meinem Lehn.

    Wir wollen zu den Feinden / in die Herberge gehn.

    Mir will es nicht erlassen / König Etzels Weib:

    Wir Helden müssen alle / verwagen Leben und Leib.«


    Als den Degen Blödel / entließ die Königin,

    Daß er den Streit begänne, / zu Tische ging sie hin

    Mit Etzeln dem Könige / und manchem Untertan.

    Sie hatte schlimme Räte / wider die Gäste getan.


    Wie sie zu Tische gingen, / das will ich euch sagen:

    Man sah reiche Könige / die Krone vor ihr tragen:

    Manchen hohen Fürsten / und viel der werten Degen

    Sah man großer Demut / vor der Königin pflegen.


    Der König wies den Gästen / die Sitze überall,

    Den Höchsten und den Besten / neben sich im Saal.

    Den Christen und den Heiden / die Kost er unterschied;

    Man gab die Fülle beiden, / wie es der weise König riet.


    In der Herberge / aß ihr Ingesind:

    Von Truchsessen ward es / da allein bedient;

    Die hatten es zu speisen / großen Fleiß gepflogen.

    Die Bewirtung und die Freude / ward bald mit Jammer aufgewogen.


    Da nicht anders konnte / erhoben sein der Streit,

    Kriemhilden lag im Herzen / begraben altes Leid,

    Da ließ sie zu den Tischen / tragen Etzels Sohn:

    Wie konnt ein Weib aus Rache / wohl entsetzlicher tun?


    Da kamen vier gegangen / aus Etzels Ingesind

    Und brachten Ortlieben, / das junge Königskind,

    Den Fürsten an die Tafel, / wo auch Hagen saß.

    Das Kind mußt ersterben / durch seinen mordlichen Haß.


    Als der reiche König / seinen Sohn ersah,

    Zu seiner Frauen Brüdern / gütlich sprach er da:

    »Nun schaut, meine Freunde, / das ist mein einzig Kind

    Und das eurer Schwester, / von dem ihr Frommen einst gewinnt.


    Gerät es nach dem Stamme, / es wird ein starker Mann,

    Reich dazu und edel, / kühn und wohlgetan.

    Erleb ich es, ich geb ihm / zwölf reicher Könge Land:

    So tut euch wohl noch Dienste / des jungen Ortliebens Hand.


    Darum bät ich gerne / euch lieben Freunde mein,

    Wenn ihr heimwärts reitet / wieder an den Rhein,

    Daß ihr dann mit euch nehmet / euer Schwester Kind;

    Und seid auch dem Knaben / immer gnädig gesinnt.


    Erzieht ihn nach Ehren, / bis er gerät zum Mann:

    Hat euch in den Landen / jemand ein Leid getan,

    So hilft er es euch rächen, / erwuchs ihm erst der Leib.«

    Die Rede hörte Kriemhild / mit an, König Etzels Weib.


    »Ihm sollten wohl vertrauen / alle diese Degen,

    Wenn er zum Mann erwüchse,« / sprach Hagen entgegen;

    »Doch ist der junge König / so schwächlich anzusehn:

    Man soll mich selten schauen / nach Hof zu Ortlieben gehn.«


    Der König blickt' auf Hagen; / die Rede war ihm leid.

    Wenn er auch nichts erwiderte, / der König allbereit,

    Es betrübt' ihn in der Seele / und beschwert' ihm den Mut.

    Da waren Hagens Sinne / zu keiner Kurzweile gut.


    Es schmerzte wie den König / sein fürstlich Ingesind,

    Was Hagen da gesprochen / hatte von dem Kind.

    Daß sies vertragen sollten, / ging ihnen allen nah.

    Noch konnten sie nicht wissen, / was von dem Recken bald geschah.


    Gar manche, die es hörten / und ihm trugen Groll,

    Hätten ihn gern bestanden; / der König selber wohl,

    Wenn er mit Ehren dürfte: / so käm der Held in Not.

    Bald tat ihm Hagen Ärgeres, / er schlug ihn ihm vor Augen tot.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Zweiunddreißigstes Abenteuer


    Wie Blödel mit Dankwart in der Herberge stritt


    Blödels Recken standen / gerüstet allzumal

    In tausend Halsbergen / betraten sie den Saal,

    Wo Dankwart mit den Knechten / an den Tischen saß.

    Da hob sich unter Helden / der allergrimmigste Haß.


    Als der Degen Blödel / vor die Tische ging,

    Dankwart der Marschall / ihn freundlich empfing:

    »Willkommen hier im Hause, / mein Herr Blödelein:

    Mich wundert euer Kommen: / sagt, was soll die Märe sein?«


    »Du brauchst mich nicht zu grüßen,« / sprach da Blödelein:

    »Denn dieses mein Kommen / muß dein Ende sein

    Um Hagen deinen Bruder, / der Siegfrieden schlug.

    Des entgiltst du bei den Heunen / und andre Helden genug.«


    »Nicht doch, mein Herr Blödel,« / sprach da Dankwart,

    »So möchte sehr uns reuen / zu Hofe diese Fahrt.

    Ich war ein Kind, als Siegfried / Leben ließ und Leib:

    Nicht weiß ich, was mir wolle / dem König Etzel sein Weib.«


    »Ich weiß dir von der Märe / nicht mehr zu sagen;

    Es tatens deine Freunde / Gunther und Hagen.

    Nun wehrt euch, ihr Armen, / ihr könnt nicht länger leben,

    Ihr müßt mit dem Tode / hier ein Pfand Kriemhilden geben.«


    »Wollt ihrs nicht lassen?« / sprach da Dankwart,

    »So gereut mich meines Flehens: / hätt' ich das gespart!«

    Der schnelle kühne Degen / von dem Tische sprang,

    Eine scharfe Waffe zog er, / die war gewaltig und lang.


    Damit schlug er Blödeln / einen schwinden Schwertesschlag,

    Daß ihm das Haupt im Helme / vor den Füßen lag,

    »Das sei die Morgengabe,« / sprach der schnelle Degen,

    »Zu Nudungens Witwe, / der du mit Minne solltest pflegen.


    Vermähle man sie morgen / einem andern Mann:

    Will er den Brautschatz, / wird ihm wie dir getan.«

    Ein getreuer Heune / hatt' ihm das hinterbracht,

    Wie die Königstochter / auf ihr Verderben gedacht.


    Da sahen Blödels Mannen, / ihr Herr sei erschlagen;

    Das wollten sie den Gästen / länger nicht vertragen.

    Mit geschwungnen Schwertern / auf die Knappen ein

    Drangen sie mit Ingrimm: / das mußte manchen gereun.


    Laut rief da Dankwart / all die Knappen an:

    »Ihr seht wohl, edle Knechte, / es ist um uns getan.

    Nun wehrt euch, ihr Armen, / wie euch zwingt die Not,

    Daß ihr ohne Schanden / erliegt in wehrlichem Tod.«


    Die nicht Schwerter hatten, / die griffen vor die Bank,

    Vom Boden aufzuheben / manchen Schemel lang.

    Die Burgundenknechte / wollten nichts vertragen:

    Mit schweren Stühlen sah man / starker Beulen viel geschlagen.


    Wie grimm die armen Knappen / sich wehrten in dem Strauß!

    Sie trieben zu dem Hause / die Gewaffneten hinaus:

    Fünfhundert oder drüber / erlagen drin dem Tod.

    Da war das Ingesinde / vom Blute naß und auch rot.


    Diese schwere Botschaft / drang in kurzer Zeit

    Zu König Etzels Recken: / ihnen wars grimmig leid,

    Daß mit seinen Mannen / Blödel den Tod gewann:

    Das hatte Hagens Bruder / mit den Knechten getan.


    Eh es vernahm der König, / stand schon ein Heunenheer

    In hohem Zorn gerüstet, / zweitausend oder mehr.

    Sie gingen zu den Knechten, / es mußte nun so sein,

    Und ließen des Gesindes / darin nicht einen gedeihn.


    Die Ungetreuen brachten / vors Haus ein mächtig Heer.

    Die landlosen Knechte / standen wohl zur Wehr.

    Was half da Kraft und Kühnheit? / sie fanden doch den Tod.

    Danach in kurzer Weile / hob sich noch grimmere Not.


    Nun mögt ihr Wunder hören / und Ungeheures sagen:

    Neuntausend Knechte / lagen totgeschlagen,

    Darüber zwölf Ritter / in Dankwartens Lehn.

    Man sah ihn weltalleine / noch bei seinen Feinden stehn.


    Der Lärm war beschwichtigt, / das Tosen eingestellt.

    Über die Achsel blickte / Dankwart der Held;

    Er sprach: »O weh der Freunde, / die ich fallen sah!

    Nun steh ich leider einsam / unter meinen Feinden da.«


    Die Schwerter fielen heftig / auf des einen Leib:

    Das mußte bald beweinen / manches Helden Weib.

    Den Schild rückt' er höher, / der Riemen ward gesenkt:

    Mit rotem Blute sah man / noch manchen Harnisch getränkt.


    »O weh mir dieses Leides!« / sprach Aldrianens Kind.

    »Nun weicht, Heunenrecken, / und laßt mich an den Wind,

    Daß die Lüfte kühlen / mich sturmmüden Mann.«

    Da drang er auf die Türe / unter Schlägen herrlich an.


    Als der Streitmüde / aus dem Hause sprang,

    Wie manches Schwert von neuem / auf seinem Helm erklang!

    Die nicht gesehen hatten / die Wunder seiner Hand,

    Die sprangen da entgegen / dem aus Burgundenland.


    »Nun wollte Gott,« sprach Dankwart, / »daß mir ein Bote käm,

    Durch den mein Bruder Hagen / Kunde vernähm,

    Daß ich vor diesen Recken / steh in solcher Not.

    Der hülfe mir von hinnen / oder fände selbst den Tod.«


    Da sprachen Heunenrecken: / »Der Bote mußt du sein,

    Wenn wir tot dich tragen / vor den Bruder dein.

    Dann sieht erst sein Herzeleid / Gunthers Untertan.

    Du hast dem König Etzel / hier großen Schaden getan.«


    Er sprach: »Nun laßt das Dräuen / und weicht zurück von mir,

    Sonst netz ich noch manchem / mit Blut den Harnisch hier.

    Ich will die Märe selber / hin zu Hofe tragen

    Und will meinen Herren / meinen großen Kummer klagen.«


    Er verleidete so sehr sich / dem Volk in Etzels Lehn,

    Daß sie ihn mit Schwertern / nicht wagten zu bestehn:

    Da schossen sie der Speere / so viel ihm in den Rand,

    Er mußt ihn seiner Schwere / wegen lassen aus der Hand.


    Sie wähnten ihn zu zwingen, / weil er den Schild nicht trug;

    Hei, was er tiefer Wurden / durch die Helme schlug!

    Da mußte vor ihm straucheln / mancher kühne Mann,

    Daß sich viel Lob und Ehre / der kühne Dankwart gewann.


    Von beiden Seiten sprangen / die Gegner auf ihn zu.

    Wohl kam ihrer mancher / in den Kampf zu fruh.

    Da ging er vor den Feinden, / wie ein Eberschwein

    Im Walde tut vor Hunden: / wie mocht er wohl kühner sein?


    Sein Weg war stets aufs neue / genetzt mit heißem Blut.

    Wie konnte je ein Recke / allein wohl so gut

    Mit so vielen Feinden streiten / als hier von ihm geschehn?

    Man sah Hagens Bruder / herrlich hin zu Hofe gehn.


    Truchsessen und Schenken / vernahmen Schwerterklang:

    Gar mancher die Getränke / aus den Händen schwang

    Oder auch die Speisen, / die man zu Hofe trug.

    Da fand er vor der Stiege / noch starker Feinde genug.


    »Wie nun, ihr Truchsessen?« / sprach der müde Degen,

    »Nun solltet ihr die Gäste / gütlich verpflegen

    Und solltet den Herren / die edle Speise tragen

    Und ließet mich die Märe / meinen lieben Herren sagen.«


    Wer da den Mut gewonnen / und vor die Stieg ihm sprang,

    Deren schlug er etlichen / so schweren Schwertesschwang,

    Daß ihm aus Schreck die andern / ließen freie Bahn.

    Da hatten seine Kräfte / viel große Wunder getan.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Dreiunddreißigstes Abenteuer


    Wie die Burgunden mit den Heunen stritten


    Als der kühne Dankwart / unter die Türe trat

    Und Etzels Ingesinde / zurückzuweichen bat,

    Mit Blut war beronnen / all sein Gewand;

    Eine scharfe Waffe / trug er bloß an seiner Hand.


    Gerade in der Stunde, / als Dankwart trat zur Tür,

    Trug man Ortlieben / im Saale für und für

    Von einem Tisch zum andern, / den Fürsten wohlgeboren:

    Durch seine schlimme Botschaft / ging das Kindlein verloren.


    Hellauf rief da Dankwart / einem Degen zu:

    »Ihr sitzt, Bruder Hagen, / hier zu lang in Ruh.

    Euch und Gott vom Himmel / klag ich unsre Not:

    Ritter und Knechte / sind in der Herberge tot.«


    Der rief ihm hin entgegen: / »Wer hat das getan?«

    »Das tat der Degen Blödel / und die ihm untertan.

    Auch hat ers schwer entgolten, / das will ich euch sagen:

    Mit diesen Händen hab ich / ihm sein Haupt abgeschlagen.«


    »Das ist ein kleiner Schade,« / sprach Hagen unverzagt,

    »Wenn man solche Märe / von einem Degen sagt,

    Daß er von Heldenhänden / zu Tode sei geschlagen:

    Den sollen desto minder / die schönen Frauen beklagen.


    Nun sagt mir, lieber Bruder, / wie seid ihr so rot?

    Ich glaube gar, ihr leidet / von Wunden große Not.

    Ist der wo hier im Lande, / von dem das ist geschehn?

    Der üble Teufel helf ihm denn, / sonst muß es ihm ans Leben gehn.«


    »Ihr seht mich unverwundet: / mein Kleid ist naß von Blut.

    Das floß nur aus Wunden / andrer Degen gut,

    Deren ich so manchen / heute hab erschlagen:

    Wenn ichs beschwören sollte, / ich wüßte nicht die Zahl zu sagen.«


    Da sprach er: »Bruder Dankwart, / so hütet uns die Tür

    Und laßt von den Heunen / nicht einen Mann herfür.

    So red ich mit den Recken, / wie uns zwingt die Not:

    Unser Ingesinde / liegt ohne Schuld von ihnen tot.«


    »Soll ich Kämmrer werden?« / sprach der kühne Mann,

    »Bei so reichen Königen / steht mir das Amt wohl an:

    Der Stiege will ich hüten / nach allen Ehren mein.«

    Kriemhildens Recken / konnte das nicht leider sein.


    »Nun nimmt mich doch wunder,« / sprach wieder Hagen,

    »Was sich die Heunen / hier in die Ohren sagen:

    Sie möchten sein entbehren, / der dort die Tür bewacht

    Und der die Hofmären / den Burgunden hat gebracht.


    Ich hörte schon lange / von Kriemhilden sagen,

    Daß sie nicht ungerochen / ihr Herzleid wolle tragen.

    Nun trinken wir die Minne / und zahlen Etzels Wein:

    Der junge Vogt der Heunen / muß hier der allererste sein.«


    Ortlieb das Kind erschlug da / Hagen der Degen gut,

    Daß vom Schwerte nieder / zur Hand ihm floß das Blut,

    Und das Haupt herabsprang / der Königin in den Schoß.

    Da hob sich unter Degen / ein Morden grimmig und groß.


    Darauf dem Hofmeister, / der des Kindes pflag,

    Mit beiden Händen schlug er / ihm einen schnellen Schlag,

    Daß vor des Tisches Füße / das Haupt ihm niederflog;

    Es war ein jämmerlicher Lohn, / den er dem Hofmeister wog.


    Er sah vor Etzels Tische / einen Spielmann:

    Hagen in seinem Zorne / lief zu ihm heran.

    Er schlug ihm auf der Geige / herab die rechte Hand:

    »Das habe für die Botschaft / in der Burgundenland.«


    »Ach meine Hand,« / sprach Werbel, Etzels Spielmann:

    »Herr Hagen von Tronje, / was hatt' ich euch getan?

    Ich kam in großer Treue / in eurer Herren Land:

    Wie kläng ich nun die Töne, / da ich verlor meine Hand?«


    Hagen fragte wenig, / und geigt' er nimmermehr.

    Da kühlt' er in dem Hause / die grimme Mordlust sehr

    An König Etzels Recken, / deren er viel erschlug:

    Er bracht in dem Saale / zu Tod der Recken genug.


    Volker sein Geselle / von dem Tische sprang,

    Daß laut der Fiedelbogen / ihm an der Hand erklang.

    Ungefüge fiedelte / Gunthers Fiedelmann.

    Hei, was er sich zu Feinden / der kühnen Heunen gewann!


    Auch sprangen von den Tischen / die drei Könge hehr:

    Sie wolltens gerne schlichten, / eh Schadens würde mehr.

    Doch strebten ihre Kräfte / umsonst dawider an,

    Da Volker mit Hagen / so sehr zu wüten begann.


    Nun sah der Vogt vom Rheine, / er scheide nicht den Streit:

    Da schlug der König selber / manche Wunde weit

    Durch die lichten Panzer / den argen Feinden sein.

    Der Held war behende, / das zeigte hier der Augenschein.


    Da kam auch zu dem Streite / der starke Gernot:

    Wohl schlug er den Heunen / manchen Helden tot

    Mit dem scharfen Schwerte, / das Rüdiger ihm gab:

    Damit brachte er manche / von Etzels Recken ins Grab.


    Der jüngste Sohn Frau Utens / auch zu dem Streite sprang:

    Sein Gewaffen herrlich / durch die Helme drang

    König Etzels Recken / aus der Heunen Land;

    Da tat viel große Wunder / des kühnen Geiselher Hand.


    Wie tapfer alle waren, / die Könge wie ihr Lehn,

    Jedennoch sah man Volkern / voran all andern stehn

    Bei den starken Feinden; / er war ein Degen gut:

    Er förderte mit Wunden / manchen nieder in das Blut.


    Auch wehrten sich gewaltig / die in Etzels Lehn.

    Die Gäste sah man hauend / auf und nieder gehn

    Mit den lichten Schwertern / durch des Königs Saal.

    Allenthalben hörte man / von Wehruf größlichen Schall


    Da wollten die da draußen / zu ihren Freunden drin:

    Sie fanden an der Türe / gar wenig Gewinn;

    Da wollten die da drinnen / gerne vor den Saal:

    Dankwart ließ keinen / die Stieg empor noch zutal.


    So hob sich vor den Türen / ein ungestümer Drang,

    Und von den Schwerthieben / auf Helme lauter Klang.

    Da kam der kühne Dankwart / in eine große Not:

    Das beriet sein Bruder, / wie ihm die Treue gebot.


    Da rief mit lauter Stimme / Hagen Volkern an:

    »Seht ihr dort, Geselle, / vor manchem Heunenmann

    Meinen Bruder stehen / unter starken Schlägen?

    Schützt mir, Freund, den Bruder, / eh wir verlieren den Degen.«


    Der Spielmann entgegnete: / »Das soll alsbald geschehn.«

    Dann begann er fiedelnd / durch den Saal zu gehn:

    Ein hartes Schwert ihm öfters / an der Hand erklang.

    Vom Rhein die Recken sagten / dafür ihm größlichen Dank.


    Volker der kühne / zu Dankwarten sprach:

    »Ihr habt erlitten heute / großes Ungemach.

    Mich bat euer Bruder, / ich sollt euch helfen gehn;

    Wollt ihr nun draußen bleiben, / so will ich innerhalben stehn.«


    Dankwart der schnelle / stand außerhalb der Tür;

    So wehrt' er von der Stiege, / wer immer trat dafür:

    Man hörte Waffen hallen / den Helden an der Hand;

    So tat auch innerhalben / Volker aus Burgundenland.


    Da rief der kühne Fiedelmann / über die Menge laut:

    »Das Haus ist wohlverschlossen, / ihr, Freund Hagen, schaut.

    Verschränkt ist so völlig / König Etzels Tür,

    Von zweier Helden Händen / gehn ihr wohl tausend Riegel für.«


    Als von Tronje Hagen / die Türe sah in Hut,

    Den Schild warf zurücke / der schnelle Recke gut:

    Nun begann er erst zu rächen / seiner Freunde Leid.

    Seines Zorns mußt entgelten / mancher Ritter kühn im Streit.


    Als der Vogt von Berne / das Wunder recht ersah,

    Wie der starke Hagen / die Helme brach allda,

    Der Fürst der Amelungen / sprang auf eine Bank.

    Er sprach: »Hier schenkt Hagen / den allerbittersten Trank.«


    Der Wirt war sehr in Sorgen, / sein Weib in gleicher Not:

    Was schlug man lieber Freunde / ihm vor den Augen tot!

    Er selbst war kaum geborgen / vor seiner Feinde Schar.

    Er saß in großen Ängsten: / was half ihm, daß er König war?


    Kriemhild die reiche / rief Dietrichen an:

    »Hilf mir mit dem Leben, / edler Held, hindann,

    Bei aller Fürsten Tugend / aus Amelungenland:

    Denn erreicht mich Hagen, / hab ich den Tod an der Hand.«


    »Wie soll ich euch helfen,« / sprach da Dietrich,

    »Edle Königstochter? / ich sorge selbst um mich.

    Es sind so sehr im Zorne, / die Gunthern untertan,

    Daß ich zu dieser Stunde / niemand Frieden schaffen kann.«


    »Nicht also, Herr Dietrich, / edler Degen gut:

    Laß uns heut erscheinen / deinen tugendreichen Mut

    Und hilf mir von hinnen, / oder ich bleibe tot.

    Bring mich und den König / aus dieser angstvollen Not.«


    »Ich will es versuchen, / ob euch zu helfen ist;

    Jedoch sah ich wahrlich / nicht in langer Frist

    In so bitterm Zorne / manchen Ritter gut:

    Ich seh ja durch die Helme / von Hieben springen das Blut.«


    Mit Kraft begann zu rufen / der Ritter auserkorn,

    Daß seine Stimme hallte / wie ein Büffelhorn,

    Und daß die weite Feste / von seiner Kraft erscholl.

    Dietrichens Stärke, / die war gewaltig und voll.


    Da hörte König Gunther / rufen diesen Mann

    In dem harten Sturme: / zu horchen hub er an.

    »Dietrichens Stimme / ist in mein Ohr gekommen:

    Ihm haben unsre Degen / wohl der Seinen wen benommen.


    Ich seh ihn auf dem Tische / winken mit der Hand.

    Ihr Vettern und Freunde / von Burgundenland,

    Haltet ein mit Streiten, / laßt hören erst und sehn,

    Was hier Dietrichen / von meinen Mannen sei geschehn.«


    Als so der König Gunther / bat und gebot,

    Da senkten sie die Schwerter / in des Streites Not.

    Das war Gewalt bewiesen, / daß niemand da mehr schlug.

    Er fragte den von Berne / um die Märe schnell genug.


    Er sprach: »Viel edler Dietrich, / was ist euch geschehn

    Hier von meinen Freunden? / Ihr sollt mich willig sehn:

    Zur Sühne und zur Buße / bin ich euch bereit.

    Was euch jemand täte, / das wär mir inniglich leid.«


    Da sprach der edle Dietrich: / »Mir ist nichts geschehn.

    Laßt mich aus dem Hause / mit eurem Frieden gehn

    Von diesem harten Streite / mit dem Gesinde mein.

    Dafür will ich euch Degen / stets zu Dienst beflissen sein.«


    »Was müßt ihr also flehen?« / sprach da Wolfhart,

    »Es hält der Fiedelspieler / die Tür nicht so verwahrt,

    Wir erschließen sie so mächtig, / daß man ins Freie kann.«

    »Nun schweig,« sprach da Dietrich, / »du hast den Teufel getan.«


    Da sprach der König Gunther: / »Das sei euch freigestellt:

    Führt aus dem Hause, / so viel euch gefällt,

    Ohne meine Feinde: / die sollen hier bestehn.

    Von ihnen ist mir Leides / bei den Heunen viel geschehn.«


    Als das der Berner hörte, / mit einem Arm umschloß

    Er die edle Königin: / ihre Angst war groß;

    Da führt' er an dem andern / Etzeln aus dem Haus.

    Auch folgten Dietrichen / sechshundert Degen hinaus.


    Da begann der Markgraf, / der edle Rüdiger:

    »Soll aber aus dem Hause / noch kommen jemand mehr,

    Der euch doch gerne diente, / so macht es mir kund:

    So walte steter Friede / in getreuer Freunde Bund.«


    Antwort seinem Schwäher / gab Geiselher zuhand:

    »Frieden und Sühne / sei euch von uns bekannt;

    Ihr haltet stete Treu, / ihr und euer Lehn.

    Ihr sollt mit euren Freunden / ohne Sorgen hinnen gehn.«


    Als Rüdiger der Markgraf / räumte Etzels Saal,

    Fünfhundert oder drüber / folgten ihm zumal.

    Das ward von den Helden / aus Treue getan,

    Wodurch König Gunther / bald großen Schaden gewann.


    Da sah ein Heunenrecke / König Etzeln gehn

    Neben Dietrichen: / des wollt er Frommen sehn.

    Dem gab der Fiedelspieler / einen solchen Schlag,

    Daß ihm gleich am Boden / das Haupt vor Etzels Füßen lag.


    Als der Wirt des Landes / kam vor des Hauses Tor,

    Da wandt er sich und blickte / zu Volkern empor:

    »O weh mir dieser Gäste: / wie ist das grimme Not,

    Daß alle meine Recken / vor ihnen finden den Tod!


    Ach weh des Hofgelages!« / sprach der König hehr:

    »Da drinnen ficht einer, / der heißet Volker,

    Wie ein wilder Eber, / und ist ein Fiedelmann;

    Ich dank es meinem Heile, / daß ich dem Teufel entrann.


    Seine Weisen lauten übel, / sein Bogenstrich ist rot;

    Mir schlagen seine Töne / manchen Helden tot.

    Ich weiß nicht, was uns schuld gibt / derselbe Spielmann,

    Daß ich in meinem Leben / so leiden Gast nicht gewann.«


    Zur Herberge gingen / die beiden Recken hehr,

    Dietrich von Berne / und Markgraf Rüdiger.

    Sie selber wollten gerne / des Streits entledigt sein

    Und geboten auch den Degen, / daß sie den Kampf sollten scheun.


    Und hätten sich die Gäste / versehn der Leiden,

    Die ihnen werden sollten / noch von den beiden,

    Sie wären aus dem Hause / so leicht nicht gekommen,

    Eh sie eine Strafe / von den Kühnen hätten genommen.


    Sie hatten, die sie wollten, / entlassen aus dem Saal:

    Da hob sich innerhalben / ein furchtbarer Schall.

    Die Gäste rächten bitter / ihr Leid und ihre Schmach.

    Volker der kühne, / hei, was er Helme zerbrach!


    Sich kehrte zu dem Schalle / Gunther der König hehr:

    »Hört ihr die Töne, Hagen, / die dorten Volker

    Mit den Heunen fiedelt, / wenn wer zur Türe trat?

    Es ist ein roter Anstrich, / den er am Fiedelbogen hat.«


    »Es reut mich ohne Maßen,« / sprach Hagen entgegen,

    »Daß ich je mich scheiden / mußte von dem Degen.

    Ich war sein Geselle, / er der Geselle mein,

    Und kehren wir je wieder heim, / wir wollen's noch in Treuen sein.


    Nun schau, hehrer König, / Volker ist dir hold:

    Wie will er verdienen / dein Silber und dein Gold!

    Sein Fiedelbogen schneidet / durch den harten Stahl;

    Er wirft von den Helmen / die hellen Zierden zutal.


    Ich sah nie Fiedelspieler / noch so herrlich stehn,

    Als diesen Tag von Volker / dem Degen ist geschehn.

    Seine Weisen hallen / durch Helm und Schildesrand:

    Gute Rosse soll er reiten / und tragen herrlich Gewand.«


    So viel der Heunendegen / auch waren in dem Saal,

    Nicht einer blieb am Leben / von ihnen allzumal.

    Da war der Schall beschwichtigt, / als niemand blieb zum Streit.

    Die kühnen Recken legten / da ihre Schwerter beiseit.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Vierunddreißigstes Abenteuer


    Wie sie die Toten aus dem Saale warfen


    Da setzten sich aus Müdigkeit / die Herrn und ruhten aus.

    Volker und Hagen, / die gingen vor das Haus

    Über den Schild sich lehnend / in ihrem Übermut:

    Da pflagen launger Reden / diese beiden Helden gut.


    Da sprach von Burgunden / Geiselher der Degen:

    »Noch dürft ihr, lieben Freunde, / nicht der Ruhe pflegen:

    Ihr sollt erst die Toten / aus dem Hause tragen.

    Wir werden noch bestanden, / das will ich wahrlich euch sagen.


    Sie sollen untern Füßen / uns hier nicht länger liegen;

    Bevor im Sturm die Heunen / mögen uns besiegen,

    Wir haun noch manche Wunde, / die gar sanft mir tut.

    Des hab ich,« sprach da Geiselher, / »einen willigen Mut.«


    »O wohl mir solches Herren!« / sprach Hagen entgegen.

    »Der Rat geziemte niemand / als einem solchen Degen,

    Wie unsern jungen Herren / wir heute hier gesehn:

    Ihr Burgunden möget / all darob in Freuden stehn.«


    Da folgten sie dem Rat / und trugen vor die Tür

    Siebentausend Tote, / die warfen sie dafür.

    Vor des Saales Stiege / fielen sie zutal:

    Da erhoben ihre Freunde / mit Jammern kläglichen Schall.


    Auch war darunter mancher / nur so mäßig wund,

    Käm ihm sanftre Pflege, / er würde noch gesund;

    Doch von dem hohen Falle / fand er nun den Tod,

    Das klagten ihre Freunde; / es zwang sie wahrhafte Not.


    Da sprach der Fiedelspieler, / der Degen unverzagt:

    »Nun seh ich wohl, sie haben / mir Wahrheit gesagt:

    Die Heunen sind feige, / sie klagen wie ein Weib,

    Da sie nun pflegen sollten / der Schwerverwundeten Leib.«


    Da mocht ein Markgraf wähnen, / er meint es ernst und gut:

    Ihm war der Vettern einer / gefallen in das Blut;

    Den dacht' er wegzutragen / und wollt ihn schon umfahn;

    Da schoß ob ihm zu Tode / den der kühne Spielmann.


    Als das die andern sahen, / sie flohen von dem Saal.

    Dem Spielmann zu fluchen / begannen sie zumal.

    Einen Speer hob Volker / vom Boden, scharf und hart,

    Der von einem Heunen / zu ihm hinaufgeschossen ward.


    Den schoß er durch den Burghof / zurück kräftiglich

    Über ihre Häupter. / Das Volk Etzels wich

    Erschreckt von dem Wurfe / weiter von dem Haus.

    Vor seinen Kräften hatten / alle Leute Schreck und Graus.


    Da stand vor dem Hause / Etzel mit manchem Mann.

    Volker und Hagen / huben zu reden an

    Mit dem Heunenkönig / nach ihrem Übermut.

    Das schuf bald große Sorge / diesen Helden kühn und gut.


    »Wohl wär es,« sprach da Hagen, / »des Volkes Trost im Leid,

    Wenn die Herren föchten / allen voran im Streit,

    Wie von meinen Herren / hier jeglicher tut:

    Die hauen durch die Helme, / daß von den Schwertern fließt das Blut.«


    So kühn war König Etzel, / er faßte seinen Schild.

    »Nun hütet eures Lebens,« / sprach da Kriemhild,

    »Und bietet Gold den Recken / auf dem Schildesrand;

    Denn erreicht euch Hagen, / ihr habt den Tod an der Hand.«


    So kühn war der König, / er ließ nicht vom Streit,

    Wozu so mächtge Fürsten / nun selten sind bereit.

    Man mußt ihn bei den Riemen / des Schildes ziehn hindann.

    Hagen der grimme / ihn mehr zu höhnen begann.


    »Eine nahe Sippe war es,« / sprach Hagen gleich zur Hand,

    »Die Etzeln zusammen / und Siegfried verband:

    Er minnte Kriemhilden, / eh sie gesehen dich:

    Feiger König Etzel, / warum rätst du wider mich?«


    Diese Rede hörte / die edle Königin.

    Darüber ward unmutig / Kriemhild in ihrem Sinn,

    Daß er so schelten durfte / vor manchem Etzelsmann.

    Wider die Gäste / hub sie aufs neu zu werben an.


    Sie sprach: »Wer von Tronje / den Hagen mir schlüge,

    Und sein Haupt als Gabe / her vor mich trüge,

    Mit rotem Golde füllt ich ihm / Etzels Schildesrand;

    Auch gäb ich ihm zum Lohne / viel gute Burgen und Land.«


    »Ich weiß nicht, was sie zaudern,« / sprach der Fiedelmann.

    »Nie sah ich, daß Helden / so verzagt getan,

    Wo man bieten hörte / also reichen Sold.

    Wohl sollt ihnen Etzel / nimmer wieder werden hold.


    Die hier mit Schimpf und Schanden / essen des Königs Brot

    Und jetzt im Stich ihn lassen / in der größten Not,

    Deren seh ich manchen / so recht verzagt da stehn,

    Und tun doch so verwegen: / sie können nie der Schmach entgehn.«


    Der mächtige Etzel hatte / Jammer und Not:

    Er beklagte seiner Mannen / und Freunde bittern Tod.

    Von manchen Landen standen / ihm Recken viel zur Seit'

    Und weinten mit dem König / sein gewaltiges Leid.


    Darob begann zu spotten / der kühne Volker:

    »Ich seh hier übel weinen / gar manchen Recken hehr.

    Sie helfen schlecht dem König / in seiner großen Not:

    Wohl essen sie mit Schanden / nun schon lange hier sein Brot.«


    Da gedachten wohl die Besten: / »Wahr ist's, was Volker sagt.«

    Von niemand doch von allen / ward es so schwer beklagt

    Als von Markgraf Iring, / dem Herrn von Dänenland,

    Was sich nach kurzer Weile / wohl nach der Wahrheit befand.

    Fünfunddreißigstes Abenteuer.


    Wie Iring erschlagen ward.



    Da rief der Markgraf Iring / aus der Dänen Land:

    »Ich habe nun auf Ehre / die Sinne lang gewandt;

    Auch ist von mir das Beste / in Stürmen oft geschehn.

    Nun bringt mir mein Gewaffen: / so will ich Hagen bestehn.«


    »Das möcht ich widerraten,« / hub da Hagen an,

    »Sonst finden mehr zu klagen, / die Etzeln untertan:

    Springen eurer zwei / oder dreie in den Saal,

    Die send' ich wohlverhauen / die Stiege wieder zutal.«


    »Ich wills darum nicht lassen,« / sprach wieder Iring:

    »Wohl schon oft versucht ich / ein gleich gefährlich Ding.

    Wohl will ich mit dem Schwerte / allein dich bestehn,

    Und wär von dir im Streite / mehr als von jemand geschehn.«


    Da ward gewaffnet Iring / nach ritterlichem Brauch

    Und Irnfried der kühne / von Thüringen auch

    Und Hawart der starke, / wohl mit tausend Mann:

    Sie wollten Iring helfen, / was der Held auch begann.


    Da sah der Fiedelspieler / ein gewaltig Heer,

    Das mit Iringen / gewaffnet zog einher.

    Sie trugen aufgebunden / die lichten Helme gut.

    Da war dem kühnen Volker / darüber zornig zumut.


    »Seht ihr, Freund Hagen, / dort Iringen gehn,

    Der euch im Kampf alleine / gelobte zu bestehn?

    Wie ziemt Helden Lüge? / Fürwahr, ich tadl es sehr.

    Es gehn mit ihm gewaffnet / tausend Recken oder mehr.«


    »Nun straft mich nicht Lügen,« / sprach Hawarts Untertan,

    »Ich will gerne leisten, / was ich euch kundgetan.

    Mein Wort soll um Feigheit / nicht gebrochen sein:

    Sei Hagen noch so greulich, / ich besteh ihn ganz allein.«


    Zu Füßen warf sich Iring / den Freunden und dem Lehn,

    Daß sie allein ihn ließen / den Recken bestehn.

    Das taten sie doch ungern: / ihnen war zu wohl bekannt

    Der übermütge Hagen / aus der Burgunden Land.


    Doch bat er sie so lange, / bis es zuletzt geschah.

    Als das Ingesinde / seinen Willen sah,

    Und daß er warb nach Ehre, / da ließen sie ihn gehn.

    Da ward von den beiden / ein grimmes Streiten gesehn.


    Iring der Däne / hielt hoch empor den Speer;

    Sich deckte mit dem Schilde / der teure Degen hehr;

    So lief er auf im Sturme / zu Hagen vor den Saal.

    Da erhob sich von den Degen / ein gewaltiger Schall.


    Die Speere schossen beide / kräftig aus der Hand

    Durch die festen Schilde / auf ihr licht Gewand,

    Daß die Speersplitter / hoch in die Lüfte flogen.

    Da griffen zu den Schwertern / die grimmen Degen verwogen.


    Die Kraft des kühnen Hagen / war ohne Maßen voll;

    Doch schlug nach ihm Iring, / daß all die Burg erscholl.

    Der Saal und die Türme / erhallten von den Schlägen.

    Es konnte seinen Willen / doch nicht vollführen der Degen.


    Iring ließ Hagen / unverwundet stehn:

    Auf den Fiedelspieler / begann er loszugehn.

    Er wähnt', er sollt ihn zwingen / mit seinen grimmen Schlägen;

    Doch wußte sich zu schirmen / dieser zierliche Degen.


    Da schlug der Fiedelspieler, / daß von des Schildes Rand

    Das Gespänge wirbelte / von Volkers starker Hand.

    Den ließ er wieder stehen; / es war ein übler Mann:

    Jetzt lief er auf Gunther, / den Burgundenkönig an.


    Da war nun jedweder / zum Streite stark genug.

    Wie Gunther auf Iring / und der auf Gunther schlug,

    Das brachte nicht aus Wunden / das fließende Blut.

    Ihre Rüstung wehrt' es, / die war zu fest und zu gut.


    Gunthern ließ er stehen / und lief Gernoten an.

    Das Feuer aus den Ringen / er ihm zu hauen begann.

    Da hätte von Burgunden / der starke Gernot

    Iring den kühnen / beinah gesandt in den Tod.


    Da sprang er von dem Fürsten; / schnell war er genug.

    Der Burgunden viere / der Held behend erschlug,

    Des edeln Heergesindes / aus Worms an dem Rhein.

    Darüber mochte Geiselher / nicht wohl zorniger sein.


    »Gott weiß, Herr Iring,« / sprach Geiselher das Kind,

    »Ihr müßt mir entgelten, / die hier erlegen sind

    Vor euch in dieser Stunde.« / Da lief er ihn an

    Und schlug den Dänenhelden, / daß er zu straucheln begann.


    Er schoß vor seinen Händen / nieder in das Blut,

    Daß sie alle wähnten, / dieser Degen gut

    Schlüg im Streit nicht wieder / einen Schlag mit seinem Schwert.

    Doch lag vor Geiselheren / Iring da noch unversehrt.


    Von des Helmes Schwirren / und von des Schwertes Klang

    Waren seine Sinne / so betäubt und krank,

    Daß sich der kühne Degen / des Lebens nicht besann.

    Das hatte mit seinen Kräften / der kühne Geiselher getan.


    Als ihm aus dem Haupte / das Schwirren jetzt entwich,

    Von dem mächtgen Schlage / war das erst fürchterlich,

    Da gedacht er: »Ich lebe / und bin auch nirgend wund:

    Nun ist mir erst die Stärke / des edeln Geiselher kund!«


    Zu beiden Seiten hört' er / seine Feinde stehn;

    Sie hättens wissen sollen, / so wär ihm mehr geschehn.

    Auch hatt' er Geiselheren / vernommen nahebei;

    Er sann, wie mit dem Leben / den Feinden zu entkommen sei.


    Wie tobend der Degen / aus dem Blute sprang!

    Er mochte seiner Schnelle / wohl sagen großen Dank.

    Da lief er aus dem Hause, / wo er Hagen fand,

    Und schlug ihm starke Schläge / mit seiner kraftreichen Hand.


    Da gedachte Hagen: / »Du mußt des Todes sein.

    Befriede dich der Teufel, / sonst kannst du nicht gedeihn.«

    Doch traf Iring Hagnen / durch seines Helmes Hut;

    Das tat der Held mit Waske: / das war eine Waffe gut.


    Als der grimme Hagen / die Wund an sich empfand,

    Da schwenkte sich gewaltig / das Schwert in seiner Hand.

    Es mußte vor ihm weichen / Hawarts Untertan:

    Hagen ihm die Stiege / hinab zu folgen begann.


    Übers Haupt den Schildrand / Iring der kühne schwang,

    Und wär dieselbe Stiege / drei solcher Stiegen lang,

    Derweil ließ ihn Hagen / nicht schlagen einen Schlag.

    Hei, was roter Funken / da auf seinem Helme lag!


    Doch kam zu den Freunden / Iring noch gesund.

    Da wurde diese Märe / Kriemhilden kund,

    Was er dem von Tronje / hätt' im Streit getan;

    Dafür die Königstochter / ihm sehr zu danken begann.


    »Nun lohne Gott dir, Iring, / erlauchter Degen gut,

    Du hast mir wohl getröstet / das Herz und auch den Mut;

    Nun seh ich blutgerötet / Hagens Wehrgewand!«

    Kriemhild nahm ihm selber / den Schild vor Freud' aus der Hand.


    »Ihr mögt ihm mäßig danken,« / begann da Hagen,

    »Bis jetzt ist viel Großes / nicht davon zu sagen;

    Versucht' er es zum andernmal, / er wär ein kühner Mann.

    Die Wunde frommt euch wenig, / die ich noch von ihm gewann.


    Daß ihr von meiner Wunde / mir seht den Harnisch rot,

    Das hat mich noch erbittert / zu manchen Mannes Tod.

    Nun bin ich erst im Zorne / auf ihn und manchen Mann:

    Mir hat der Degen Iring / gar kleinen Schaden getan.«


    Da stand dem Wind entgegen / Iring von Dänenland;

    Er kühlte sich im Harnisch, / den Helm er niederband.

    Da priesen ihn die Leute / für streitbar und gut:

    Darüber trug der Markgraf / nicht wenig hoch seinen Mut.


    Da sprach Iring wieder: / »Nun, Freunde, sollt ihr gehn

    Und neue Waffen holen: / ich will noch einmal sehn,

    Ob ich bezwingen möge / den übermütgen Mann.«

    Sein Schild war verhauen, / einen bessern er gewann.


    Gewaffnet war der Recke / bald in noch festre Wehr.

    Er griff in seinem Zorne / nach einem starken Speer:

    Damit wollt er Hagen / zum drittenmal bestehn.

    Es brächt' ihm Ehr' und Frommen, / ließ' er das sich vergehn.


    Da wollte sein nicht harren / Hagen der Degen:

    Mit Schüssen und mit Hieben / lief er ihm entgegen

    Die Stiege bis zu Ende; / zornig war sein Mut.

    Da kam dem Degen Iring / seine Stärke nicht zugut.


    Sie schlugen durch die Schilde, / daß es zu lohn begann

    Mit feuerrotem Winde. / Hawarts Untertan

    Ward von Hagens Schwerte / da gefährlich wund

    Durch Helm und durch Schildrand: / er ward nicht wieder gesund.


    Als Iring der Degen / der Wunde sich besann,

    Den Schild rückte näher / dem Helm der kühne Mann.

    Ihn dauchte voll der Schaden, / der ihm war geschehn;

    Bald tat ihm aber größern / der in König Gunthers Lehn.


    Hagen vor seinen Füßen / einen Wurfspieß liegen fand:

    Auf Iringen schoß er / den von Dänenland,

    Daß man ihm aus dem Haupte / die Stange ragen sah.

    Ein grimmes Ende ward ihm / von dem Übermütigen da.


    Iring mußt entweichen / zu seinen Dänen hin.

    Eh man den Helm dem Degen / mochte niederziehn,

    Brach man den Speer vom Haupte, / da naht' ihm der Tod.

    Das beweinten seine Freunde: / es zwang sie wahrhafte Not.


    Da kam die Königstochter / auch zu ihm heran:

    Iring den starken / hub sie zu klagen an.

    Sie beweinte seine Wunden, / es war ihr grimmig leid.

    Da sprach vor seinen Freunden / dieser Recke kühn im Streit:


    »Laßt eure Klage bleiben, / viel hehre Königin.

    Was hilft euer Weinen? / Mein Leben muß dahin

    Schwinden aus den Wunden, / die an mir offen stehn.

    Der Tod will mich nicht länger / euch und Etzeln dienen sehn.«


    Zu Thüringern und Dänen / sprach er hingewandt:

    »Die Gaben, so die Königin / euch beut, soll eure Hand

    Nicht zu erwerben trachten, / ihr lichtes Gold so rot:

    Und besteht ihr Hagen, / so müßt ihr schauen den Tod.«


    Seine Farbe war erblichen, / des Todes Zeichen trug

    Iring der kühne; / ihnen war es leid genug.

    Es konnte nicht gesunden / der Held in Hawarts Lehn:

    Da mußt es an ein Streiten / von den Dänenhelden gehn.


    Irnfried und Hawart / sprangen vor das Haus

    Wohl mit tausend Helden: / einen ungestümen Braus

    Vernahm man allenthalben, / kräftig und groß.

    Hei! was man scharfer Speere / auf zu den Burgunden schoß!


    Irnfried der kühne / lief den Spielmann an,

    Wodurch er großen Schaden / von seiner Hand gewann.

    Der edle Fiedelspieler / den Landgrafen schlug

    Durch den Helm den festen: / wohl war er grimmig genug.


    Da schlug dem kühnen Spielmann / Irnfried einen Schlag,

    Daß er den Ringpanzer / dem Recken zerbrach,

    Und sich sein Harnisch färbte / von Funken feuerrot.

    Dennoch fiel der Landgraf / vor dem Spielmann in den Tod.


    Zusammen waren Hagen / und Hawart gekommen.

    Da mochte Wunder schauen, / wer es wahrgenommen.

    Die Schwerter fielen kräftig / den Helden an der Hand:

    Da mußte Hawart sterben / vor dem aus Burgundenland.


    Die Thüringer und Dänen / sahn ihre Herren tot.

    Da hub sich vor dem Hause / noch grimmere Not,

    Eh sie die Tür gewannen / mit kraftreicher Hand.

    Da ward noch verhauen / mancher Held und Schildesrand.


    »Weicht,« sprach da Volker, / »laßt sie zum Saal herein:

    Was sie im Sinne haben, / kann dennoch nicht sein.

    Sie müssen bald ersterben / allzumal darin.

    Sie ernten mit dem Tode, / was ihnen beut die Königin.«


    Als die Übermütigen / drangen in den Saal,

    Das Haupt ward da manchem / so geneigt zutal,

    Daß er ersterben mußte / vor ihren schnellen Schlägen.

    Wohl stritt der kühne Gernot; / so tat auch Geiselher der Degen.


    Tausendundviere, / die kamen in das Haus:

    Da hörte man erklingen / den hellen Schwertersaus.

    Sie wurden von den Gästen / alle drin erschlagen:

    Man mochte große Wunder / von den Burgunden sagen.


    Danach ward eine Stille, / als der Lärm verscholl.

    Das Blut allenthalben / durch die Lücken quoll

    Und durch die Rinnsteine / von den toten Degen:

    Das hatten die vom Rheine / getan mit kräftigen Schlägen.


    Da saßen wieder ruhend / die aus Burgundenland:

    Sie legten mit den Schilden / die Waffen aus der Hand.

    Da stand noch vor dem Hause / der kühne Spielmann,

    Erwartend, ob noch jemand / zum Streite zöge heran.


    Der König klagte heftig, / dazu die Königin;

    Mägdelein und Frauen / härmten sich den Sinn.

    Der Tod, wähn ich, hatte / sich wider sie verschworen:

    Drum gingen durch die Gäste / noch viele der Recken verloren.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Sechsunddreißigstes Abenteuer


    Wie die Königin den Saal verbrennen ließ


    »Nun bindet ab die Helme,« / sprach Hagen der Degen:

    »Ich und mein Geselle / wollen euer pflegen.

    Und versuchen es noch einmal, / die Etzeln untertan,

    So warn ich meine Herren, / so geschwind ich immer kann.«


    Da band den Helm vom Haupte / mancher Ritter gut.

    Sie setzten auf die Leichen / sich nieder, die ins Blut

    Waren zum Tode / von ihrer Hand gekommen.

    Da ward der edeln Gäste / mit Erbittrung wahrgenommen.


    Noch vor dem Abend / schuf der König hehr

    Und Kriemhild die Königin, / daß es der Heunen mehr

    Noch versuchen mußten; / man sah vor ihnen stehn

    Wohl an zwanzigtausend, / die mußten da zum Kampfe gehn.


    Da drang zu den Gästen / ein harter Sturm heran.

    Dankwart, Hagens Bruder, / der kraftvolle Mann,

    Sprang von seinen Herren / zu den Feinden vor das Tor.

    Sie versahn sich seines Todes; / doch sah man heil ihn davor.


    Das harte Streiten währte, / bis es die Nacht benahm.

    Da wehrten sich die Gäste / wie Helden lobesam

    Wider Etzels Recken / den sommerlangen Tag.

    Hei! was guter Helden / im Tod vor ihnen erlag!


    Zu einer Sonnenwende / der große Mord geschah:

    Ihres Herzens Jammer / rächte Kriemhild da

    An ihren nächsten Freunden / und manchem andern Mann,

    Wodurch der König Etzel / nie wieder Freude gewann.


    Sie hatte nicht gesonnen / auf solche Mörderschlacht.

    Als sie den Streit begonnen, / hatte sie gedacht,

    Hagen sollt alleine / dabei sein Ende sehn:

    Da schuf der böse Teufel, / über alle mußt es ergehn.


    Der Tag war zerronnen; / ihnen schuf nun Sorge Not.

    Sie gedachten, wie doch besser / wär ein kurzer Tod,

    Als sich so lang zu quälen / in ungefügem Leid.

    Da wünschten einen Frieden / die stolzen Ritter allbereit.


    Sie baten, daß man brächte / den König vor den Saal.

    Die blutroten Helden, / geschwärzt vom rostgen Stahl,

    Traten aus dem Hause, / und die drei Könge hehr.

    Sie wußten nicht, wem klagen / ihres großen Leids Beschwer.


    Etzel und Kriemhild / kamen beide her;

    Das Land war ihnen eigen, / drum mehrte sich ihr Heer.

    Er sprach zu den Gästen: / »Sagt, was begehrt ihr mein?

    Wollt ihr Frieden haben? / das könnte nun schwerlich sein


    Nach so großem Schaden, / als ihr mir habt getan.

    Es kommt euch nicht zustatten, / so lang ich atmen kann:

    Mein Kind, das ihr erschluget, / und viel der Freunde mein,

    Fried und Sühne soll euch / stets dafür geweigert sein.«


    Antwort gab ihm Gunther: / »Uns zwang wohl große Not.

    All mein Gesinde lag / vor deinen Helden tot

    In der Herberge: / verdient ich solchen Sold?

    Ich kam zu dir auf Treue / und wähnte, du wärst mir hold.«


    Da sprach von Burgunden / Geiselher das Kind:

    »Ihr Helden König Etzels, / die noch am Leben sind,

    Wes zeiht ihr mich, ihr Degen? / was hatt' ich euch getan,

    Der ich die Fahrt so gütlich / zu diesem Lande begann?«


    Sie sprachen: »Deiner Güte / ist all die Burg hier voll

    Mit Jammer gleich dem Lande; / wir gönnten dir es wohl,

    Wärst du nie gekommen / von Worms überrhein.

    Das Land ist gar verwaiset / durch dich und die Brüder dein.«


    Da sprach im Zornmute / Gunther der Held:

    »Wünscht ihr noch dies Morden / in Frieden eingestellt

    Mit uns Heimatlosen, / das ist uns beiden gut;

    Es ist gar unverschuldet, / was uns König Etzel tut.«


    Der Wirt sprach zu den Gästen: / »Mein und euer Leid

    Sind einander ungleich: / die große Not im Streit,

    Der Schaden und die Schande, / die ich von euch gewann,

    Dafür soll euer keiner / mir lebend kommen hindann.«


    Da sprach zu dem König / der starke Gernot:

    »So soll euch Gott gebieten, / daß ihr die Lieb' uns tut:

    Weicht von dem Hause / und laßt uns zu euch gehn.

    Wir wissen wohl, bald ist es / um unser Leben geschehn.


    Was uns geschehen könne, / das laßt schnell ergehn:

    Ihr habt so viel Gesunde, / die dürfen uns bestehn

    Und geben uns vom Streite / Müden leicht den Tod:

    Wie lange solln wir Recken / bleiben in so grimmer Not?«


    Von König Etzels Recken / wär es fast geschehn,

    Daß sie die Helden ließen / aus dem Saale gehn.

    Als das Kriemhild hörte, / es war ihr grimmig leid.

    Da war den Heimatlosen / mit nichten Sühne bereit.


    »Nein, edle Recken, / worauf euch sinnt der Mut,

    Ich will euch treulich raten, / daß ihr das nimmer tut,

    Daß ihr die Mordgierigen / laßt vor den Saal;

    Sonst müssen eure Freunde / leiden tödlichen Fall.


    Und lebten nur alleine, / die Utens Söhne sind,

    Und kämen meine edeln / Brüder an den Wind,

    Daß sie die Panzer kühlten, / ihr alle wärt verloren:

    Es wurden kühnre Degen / noch nie auf Erden geboren.«


    Da sprach der junge Geiselher: / »Viel schöne Schwester mein,

    Wie hätt ich dir das zugetraut, / daß du mich überrhein

    Her zu Lande ladest / in diese große Not:

    Wie mocht ich an den Heunen / hier verdienen den Tod?


    Ich hielt dir stete Treue, / tat nie ein Leid dir an:

    Ich kam auch her zu Hofe / geritten in dem Wahn,

    Du wärest mir gewogen, / viel liebe Schwester mein.

    Nun schenk uns deine Gnade, / da es anders nicht mag sein.«


    »Ich schenk euch keine Gnade, / Ungnad ich selbst gewann:

    Mir hat von Tronje Hagen / so großes Leid getan

    Daheim, und hier zu Lande / erschlug er mir mein Kind:

    Das müssen schwer entgelten, / die mit euch hergekommen sind.


    Wollt ihr mir aber Hagen / allein zum Geisel geben,

    So will ichs nicht verweigern, / daß ich euch lasse leben.

    Denn meine Brüder seid ihr, / der gleichen Mutter Kind:

    So red ich um die Sühne / mit den Helden, die hier sind.«


    »Nicht woll es Gott vom Himmel,« / sprach da Gernot,

    »Und wären unser tausend, / wir wollten alle tot

    Vor deinen Freunden liegen, / eh wir dir einen Mann

    Hier zu Geisel gäben: / das wird nimmer getan.«


    »Wir müßten doch ersterben,« / sprach da Geiselher,

    »So soll uns niemand scheiden / von ritterlicher Wehr.

    Wer gerne mit uns stritte, / wir sind noch immer hie:

    Verriet ich meine Treue / an einem Freunde doch nie.«


    Da sprach der kühne Dankwart, / es ziemt' ihm wohl zu sagen:

    »Noch steht nicht alleine / hier mein Bruder Hagen.

    Die uns den Frieden weigern, / beklagen es noch schwer.

    Des sollt ihr inne werden, / ich sags euch wahrlich vorher.«


    Da sprach die Königstochter: / »Ihr Helden allbereit,

    Nun geht der Stiege näher / und rächt unser Leid.

    Das will ich stets verdienen, / wie ich billig soll:

    Der Übermut Hagens, / dessen lohn ich ihm wohl.


    Laßt keinem aus dem Hause / der Degen allzumal:

    So laß ich an vier Enden / anzünden hier den Saal.

    So wird noch wohl gerochen / all mein Herzeleid.«

    König Etzels Recken / sah man bald dazu bereit.


    Die noch draußen standen, / die trieb man in den Saal

    Mit Schlägen und mit Schüssen; / da gab es lauten Schall.

    Doch wollten sich nicht scheiden / die Fürsten und ihr Heer;

    Sie ließen von der Treue / zueinander nicht mehr.


    Den Saal in Brand zu stecken / gebot da Etzels Weib.

    Da quälte man den Helden / mit Feuersglut den Leib.

    Das Haus vom Wind ergriffen / geriet in hohen Brand.

    Nie wurde solcher Schrecken / noch einem Volksheer bekannt


    Da riefen viele drinnen: / »O weh dieser Not!

    Da möchten wir ja lieber / im Sturm liegen tot!

    Das möge Gott erbarmen; / wie sind wir all verlorn!

    Wie grimmig rächt die Königin / an uns all ihren Zorn!«


    Da sprach darinnen einer: / »Wir finden hier den Tod

    Vor Rauch und vor Feuer: / wie grimm ist diese Not!

    Mir tut vor starker Hitze / der Durst so schrecklich weh,

    Ich fürchte, mein Leben / in diesen Nöten zergeh!«


    Da sprach von Tronje Hagen: / »Ihr edeln Ritter gut,

    Wen der Durst will zwingen, / der trinke hier das Blut.

    Das ist in solcher Hitze / besser noch als Wein;

    Es mag halt zu trinken / hier nichts Besseres sein.«


    Hinging der Recken einer, / wo er einen Toten fand;

    Er kniet' ihm zu der Wunde, / den Helm er niederband.

    Da begann er zu trinken / das fließende Blut.

    So wenig ers gewohnt war, / er fand es köstlich und gut.


    »Nun lohn euch Gott, Herr Hagen,« / sprach der müde Mann,

    »Daß ich von eurer Lehre / so guten Trunk gewann.

    Man schenkte mir selten / noch einen bessern Wein.

    So lang ich leben bleibe, / will ich euch stets gewogen sein.«


    Als das die andern hörten, / es deuchte ihn' so gut,

    Da fanden sich noch viele, / die tranken auch das Blut.

    Davon kam zu Kräften / der guten Recken Leib:

    Das entgalt an lieben Freunden / bald manches weidliche Weib.


    Das Feuer fiel gewaltig / auf sie in den Saal;

    Sie wandten mit den Schilden / es von sich ab im Fall.

    Der Rauch und auch die Hitze / schmerzten sie gar sehr.

    Also großer Jammer / geschieht wohl Helden nimmermehr.


    Da sprach von Tronje Hagen: / »Stellt euch an die Wand!

    Laßt nicht die Brände fallen / auf eurer Helme Band

    Und tretet sie mit Füßen / tiefer in das Blut.

    Eine üble Hochzeit ist es, / zu der die Königin uns lud.«


    Unter solchen Nöten / zerran zuletzt die Nacht.

    Noch hielt vor dem Hause / der kühne Spielmann Wacht

    Und Hagen sein Geselle, / gelehnt auf Schildesrand,

    Noch größern Leids gewärtig / von denen aus Etzels Land.


    Daß der Saal gewölbt war, / half den Gästen sehr:

    Dadurch blieben ihrer / am Leben desto mehr,

    Wiewohl sie an den Fenstern / von Feuer litten Not.

    Da wehrten sich die Degen, / wie Mut und Ehre gebot.


    So sprach der Fiedelspieler: / »Gehn wir in den Saal:

    Da wähnen wohl die Heunen, / wir seien allzumal

    Von der Qual erstorben, / die sie uns angetan;

    Dann kommen doch noch etliche / zum Streit mit ihnen heran.«


    Da sprach von Burgunden / Geiselher das Kind:

    »Ich wähn, es wolle tagen, / sich hebt ein kühler Wind.

    Nun laß uns Gott vom Himmel / noch liebre Zeit erleben!

    Eine arge Hochzeit hat uns / meine Schwester Kriemhild gegeben.«


    Da sprach wieder einer: / »Ich spüre schon den Tag.

    Wenn es denn uns Degen / nicht besser werden mag,

    So bereitet euch, ihr Recken, / zum Streit, das ist uns not,

    Da wir doch nicht entrinnen, / daß wir mit Ehren liegen tot.«


    Der König mochte wähnen, / die Gäste wären tot

    Von den Beschwerden allen / und von des Feuers Not:

    Da lebten doch so Kühner / noch drin sechshundert Mann,

    Daß wohl nie ein König / beßre Degen gewann.


    Der Heimatlosen Hüter / hatten wohl gesehn,

    Daß noch die Gäste lebten, / was ihnen auch geschehn

    Zu Schaden war und Leide, / den Herrn und ihrem Lehn.

    Man sah sie in dem Hause / noch gar wohl geborgen gehn.


    Man sagte Kriemhilden, / noch viele lebten drin.

    »Wie wäre das möglich,« / sprach die Königin,

    »Daß noch einer lebte / nach solcher Feuersnot?

    Eher will ich glauben, / sie fanden alle den Tod.«


    Noch wünschten zu entkommen / die Fürsten und ihr Lehn,

    Wenn an ihnen Gnade / noch jemand ließ' ergehn.

    Die konnten sie nicht finden / in der Heunen Land:

    Da rächten sie ihr Sterben / mit gar williger Hand.


    Schon früh am andern Morgen / man ihnen Grüße bot

    Mit heftigem Angriff; / wohl schuf das Helden Not.

    Zu ihnen aufgeschossen / ward mancher scharfe Speer;

    Doch fanden sie darinnen / die kühnen Recken wohl zur Wehr.


    Dem Heergesinde Etzels / war erregt der Mut,

    Daß sie verdienen wollten / Frau Kriemhildens Gut

    Und alles willig leisten, / was der Fürst gebot:

    Da mußte bald noch mancher / von ihnen schauen den Tod.


    Von Verheißen und von Gaben / mochte man Wunder sagen:

    Sie ließ ihr Gold, das rote, / auf Schilden vor sie tragen;

    Sie gab es jedem willig, / der es wollt empfahn.

    Nie wurden wider Feinde / so große Schätze vertan.


    Gewaffnet trat der Recken / eine große Macht zur Tür.

    Da sprach der Fiedelspieler: / »Wir sind noch immer hier.

    So gern sah ich Helden / zum Streiten nimmer kommen,

    Als die das Gold des Königs / uns zu verderben genommen.«


    Da riefen ihrer viele: / »Nur näher zu dem Streit!

    Da wir doch fallen müssen, / so tun wirs gern beizeit.

    Hier wird niemand bleiben, / als wer doch sterben soll.«

    Da staken ihre Schilde / gleich von Speerschüssen voll.


    Was soll ich weiter sagen? / Wohl zwölfhundert Degen

    Versuchtens auf und nieder / mit starken Schwertesschlägen.

    Da kühlten an den Feinden / die Gäste wohl den Mut.

    Kein Friede war zu hoffen, / drum sah man fließen das Blut


    Aus tiefen Todeswunden: / deren wurden viel geschlagen.

    Man hörte nach den Freunden / jeglichen klagen.

    Die Biedern starben alle / dem reichen König hehr;

    Da hatten liebe Freunde / nach ihnen Leid und Beschwer.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Siebenunddreißigstes Abenteuer


    Wie Rüdiger erschlagen ward


    Die Heimatlosen hatten / am Morgen viel getan.

    Der Gemahl Gotlindens / kam zu Hof heran

    Und sah auf beiden Seiten / des großen Leids Beschwer:

    Darüber weinte inniglich / der getreue Rüdiger.


    »O weh, daß ich das Leben,« / sprach der Held, »gewann,

    Und diesem großen Jammer / nun niemand wehren kann.

    So gern ich Frieden schüfe, / der König gehts nicht ein,

    Da ihm das Unheil stärker, / immer stärker bricht herein.«


    Zu Dietrichen sandte / der gute Rüdiger,

    Ob sie's noch könnten wenden / von den Köngen hehr.

    Da entbot ihm der von Berne: / »Wer möcht ihm widerstehn?

    Es will der König Etzel / keine Sühne mehr sehn.«


    Da sah ein Heunenrecke / Rüdigern da stehn

    Mit weinenden Augen, / wie er ihn oft gesehn.

    Er sprach zu der Königin: / »Nun seht, wie er da steht,

    Den ihr und König Etzel / vor allen andern habt erhöht,


    Und dem doch alles dienet, / die Leute wie das Land.

    Wie sind so viel der Burgen / an Rüdigern gewandt,

    Deren er so manche / von dem König haben mag!

    Er schlug in diesen Stürmen / noch keinen löblichen Schlag.


    Mich dünkt, ihn kümmert wenig, / was hier mit uns geschieht,

    Wenn er nach seinem Willen / bei sich die Fülle sieht.

    Man rühmt, er wäre kühner, / als jemand möge sein:

    Das hat uns schlecht bewiesen / in dieser Not der Augenschein.«


    Mit traurigem Mute / der vielgetreue Mann,

    Den er so reden hörte, / den Heunen sah er an.

    Er gedachte: »Des entgiltst du; / du sagst, ich sei verzagt:

    Da hast du deine Mären / zu laut bei Hofe gesagt.«


    Er zwang die Faust zusammen: / da lief er ihn an

    Und schlug mit solchen Kräften / den heunischen Mann,

    Daß er ihm vor die Füße / niederstürzte tot:

    Da war gemehrt aufs neue / dem König Etzel die Not.


    »Fahr hin, nichtswürdger Bösewicht,« / sprach da Rüdiger,

    »Ich hatte doch des Leides / genug und der Beschwer.

    Daß ich hier nicht fechte, / was rügst du mir das?

    Wohl trüg auch ich den Gästen / mit Grunde feindlichen Haß,


    Und alles, was ich könnte, / tät ich ihnen an,

    Hätt' ich nicht hierher geführt, / die Gunthern untertan.

    Ich war ihr Geleite / in meines Herren Land:

    Drum darf sie nicht bestreiten / meine unselge Hand.«


    Da sprach zum Markgrafen / Etzel der König hehr:

    »Wie habt ihr uns geholfen, / viel edler Rüdiger!

    Wir hatten doch der Toten / so viel in diesem Land,

    Daß wir nicht mehr bedurften: / mit Unrecht schlug ihn eure Hand.«


    Da sprach der edle Ritter: / »Er beschwerte mir den Mut

    Und hat mir bescholten / die Ehre wie das Gut,

    Des ich aus deinen Händen / so große Gaben nahm,

    Was nun dem Lügenbolde / übel auch zustatten kam.«


    Da kam die Königstochter, / die hatt' es auch gesehn,

    Was von des Helden Zorne / dem Heunen war geschehn.

    Sie beklagt' es ungefüge, / ihre Augen wurden naß.

    Sie sprach zu Rüdigeren: / »Wie verdienten wir das,


    Daß ihr mir und dem König / noch mehrt unser Leid?

    Ihr habt uns, edler Rüdiger, / verheißen allezeit,

    Ihr wollet für uns wagen / die Ehre wie das Leben,

    Auch hört ich viel der Recken / den Preis des Mutes euch geben.


    Ich mahn euch nun der Treue, / die mir schwur eure Hand,

    Da ihr mir zu Etzeln rietet, / Ritter auserkannt,

    Daß ihr mir dienen wolltet / bis an unsern Tod.

    Des war mir armem Weibe / noch niemals so bitter Not.«


    »Das kann ich nicht leugnen, / ich schwur euch, Königin,

    Die Ehre wie das Leben / gäb ich für euch dahin;

    Die Seele zu verlieren / hab ich nicht geschworen.

    Zu diesem Hofgelage / bracht ich die Fürsten wohlgeboren.«


    Sie sprach: »Gedenke, Rüdiger, / der hohen Eide dein

    Von deiner steten Treue, / wie du den Schaden mein

    Immer wolltest rächen / und wenden all mein Leid.«

    Der Markgraf entgegnete: / »Ich war euch stets zu Dienst bereit.«


    Etzel der reiche / hub auch zu flehen an.

    Da warfen sie sich beide / zu Füßen vor den Mann.

    Den guten Markgrafen / man da in Kummer sah;

    Der vielgetreue Recke, / jammervoll begann er da:


    »O weh mir Unselgem, / muß ich den Tag erleben!

    Aller meiner Ehren / soll ich mich nun begeben,

    Aller Zucht und Treue, / die Gott mir gebot;

    O weh, Herr des Himmels, / daß mirs nicht wenden will der Tod!


    Welches ich nun lasse, / das andre zu begehn,

    So ist doch immer übel / und arg von mir geschehn.

    Was ich tu und lasse, / so schilt mich alle Welt.

    Nun möge mich erleuchten, / der mich dem Leben gesellt!«


    Da baten ihn so dringend / der König und sein Weib,

    Daß bald viel Degen mußten / Leben und Leib

    Von Rüdgers Hand verlieren, / und selbst der Held erstarb.

    Nun mögt ihr bald vernehmen, / welchen Jammer er erwarb.


    Er wußte wohl, nur Schaden / und Leid sei sein Gewinn.

    Er hätt' es auch dem König / und der Königin

    Gern versagen wollen: / der Held besorgte sehr,

    Erschlüg er ihrer einen, / daß er der Welt ein Greuel wär.


    Da sprach zu dem Könige / dieser kühne Mann:

    »Herr Etzel, nehmt zurücke, / was ich von euch gewann,

    Das Land mit den Burgen; / bei mir soll nichts bestehn:

    Ich will auf meinen Füßen / hinaus in das Elend gehn.


    Alles Gutes ledig / räum ich euer Land,

    Mein Weib und meine Tochter / nehm ich an die Hand,

    Eh ich so ohne Treue / entgegen geh dem Tod:

    Das hieß' auf üble Weise / verdienen euer Gold so rot.«


    Da sprach der König Etzel: / »Wer aber hülfe mir?

    Mein Land mit den Leuten, / das alles geb ich dir,

    Daß du mich rächest, Rüdiger, / an den Feinden mein:

    Du sollst neben Etzeln / ein gewaltger König sein.«


    Da sprach wieder Rüdiger: / »Wie dürft ich ihnen schaden?

    Heim zu meinem Hause / hab ich sie geladen,

    Trinken und Speise / ich ihnen gütlich bot,

    Dazu meine Gabe; / und soll ich sie nun schlagen tot?


    Die Leute mögen wähnen, / ich sei zu verzagt.

    Keiner meiner Dienste / war ihnen je versagt:

    Sollt ich sie nun bekämpfen, / das wär nicht wohlgetan.

    So reute mich die Freundschaft, / die ich an ihnen gewann.


    Geiselher dem Degen / gab ich die Tochter mein;

    Sie konnt auf Erden nimmer / besser verwendet sein,

    Seh ich auf Zucht und Ehre, / auf Treu oder Gut.

    Nie ein so junger König / trug wohl tugendreichern Mut.«


    Da sprach wieder Kriemhild: / »Viel edler Rüdiger,

    Nun laß dich erbarmen / unsres Leids Beschwer,

    Mein und auch des Königs; / gedenke wohl daran,

    Daß nie ein Wirt auf Erden / so leide Gäste gewann.«


    Da begann der Markgraf / zu der Königin hehr:

    »Heut muß mit dem Leben / entgelten Rüdiger,

    Was ihr und der König / mir Liebes habt getan:

    Dafür muß ich sterben, / es steht nicht länger mehr an.


    Ich weiß, daß noch heute / meine Burgen und mein Land

    Euch ledig werden müssen / von dieser Helden Hand.

    So befehl ich euch auf Gnade / mein Weib und mein Kind

    Und all die Heimatlosen, / die da zu Bechlaren sind.«


    »Nun lohne Gott dir, Rüdiger!« / der König sprach da so;

    Er und die Königin, / sie wurden beide froh;

    »Uns seien wohlbefohlen / alle Leute dein;

    Auch trau ich meinem Heile, / du selber werdest glücklich sein.«


    Da setzt' er auf die Wage / die Seele wie den Leib.

    Da begann zu weinen / König Etzels Weib.

    Er sprach: »Ich muß euch halten / den Eid, den ich getan.

    O weh meiner Freunde! / wie ungern greif ich sie an.«


    Man sah ihn von dem König / hinweggehn trauriglich.

    Da fand er seine Recken / nahe stehn bei sich:

    Er sprach: »Ihr sollt euch waffnen, / ihr all in meinem Lehn:

    Die kühnen Burgunden / muß ich nun leider bestehn.«


    Nach den Gewaffen riefen / die Helden allzuhand:

    Ob es Helm wäre / oder Schildesrand,

    Von dem Ingesinde / ward es herbeigetragen.

    Bald hörten leide Märe / die stolzen Fremdlinge sagen.


    Gewaffnet ward da Rüdiger / mit fünfhundert Mann;

    Darüber zwölf Recken / zu Hilf er sich gewann.

    Sie wollten Preis erwerben / in des Sturmes Not;

    Sie wußten nicht die Märe, / wie ihnen nahe der Tod.


    Da sah man unterm Helme / den Markgrafen gehn;

    Scharfe Schwerter trugen / die in Rüdgers Lehn,

    Dazu vor den Händen / die lichten Schilde breit.

    Das sah der Fiedelspieler; / dem war es ohne Maßen leid.


    Da sah der junge Geiselher / seinen Schwäher gehn

    Mit aufgebundnem Helme. / Wie mocht er da verstehn,

    Wie er damit es meine, / es sei denn treu und gut?

    Da gewann der edle König / von Herzen fröhlichen Mut.


    »Nun wohl mir solcher Freunde,« / sprach da Geiselher,

    »Wie wir gewonnen haben / auf der Fahrt hierher.

    Meines Weibes willen / ist uns Hilfe nah:

    Lieb ist mir, meiner Treue, / daß diese Heirat geschah.«


    »Wes ihr euch wohl tröstet!« / sprach der Fiedelmann:

    »Wann saht ihr noch zur Sühne / so viel der Helden nahn

    Mit aufgebundnen Helmen, / die Schwerter in der Hand?

    Er will an uns verdienen / seine Burgen und sein Land.«


    Eh der Fiedelspieler / die Rede sprach voll aus,

    Den edeln Markgrafen / sah man schon vor dem Haus.

    Seinen Schild, den guten, / setzt' er vor den Fuß:

    Da mußt er seinen Freunden / versagen dienstlichen Gruß.


    Rüdiger der edle / rief da in den Saal:

    »Ihr kühnen Nibelungen, / nun wehrt euch allzumal.

    Ihr solltet mein genießen, / ihr entgeltet leider mein;

    Wir waren ehmals Freunde: / der Treue will ich ledig sein.«


    Da erschraken dieser Märe / die Notbedrängten schwer:

    Ihnen war der Trost entsunken, / den sie gewähnt vorher,

    Da sie bestreiten wollte, / dem jeder Liebe trug.

    Sie hatten von den Feinden / schon Leid erfahren genug.


    »Das verhüte Gott vom Himmel!« / sprach Gunther der Degen,

    »Daß ihr eurer Freundschaft / tätet so entgegen

    Und der großen Treue, / darauf uns sann der Mut:

    Ich will euch wohl vertrauen, / daß ihr das nimmermehr tut.«


    »Es ist nicht mehr zu wenden,« / sprach der kühne Mann:

    »Ich muß mit euch streiten, / wie ich den Schwur getan.

    Nun wehrt euch, kühne Degen, / wenn euch das Leben wert,

    Da mir die Königstochter / nicht andre Willkür gewährt.«


    »Ihr widersagt uns nun zu spät,« / sprach der König hehr.

    »Nun mög euch Gott vergelten, / viel edler Rüdiger,

    Die Treu und die Liebe, / die ihr uns habt getan,

    Wenn ihr bis ans Ende / auch halten wolltet daran.


    Wir wollen stets euch danken, / was ihr uns habt gegeben,

    Ich und meine Freunde, / lasset ihr uns leben,

    Die herrlichen Gaben, / als ihr uns brachtet her

    In Etzels Land mit Treue: / des gedenket, edler Rüdiger.«


    »Wie gern ich euch das gönnte,« / sprach Rüdiger der Degen,

    »Daß ich euch meiner Gabe / die Fülle dürfte wägen

    Nach meinem Wohlgefallen; / wie gerne tät ich das,

    So es mir nicht erwürbe / der edlen Königin Haß!«


    »Laßt ab, edler Rüdiger,« / sprach wieder Gernot,

    »Nie ward ein Wirt gefunden, / der es den Gästen bot

    So freundlich und so gütlich, / als uns von euch geschehn.

    Des sollt ihr auch genießen, / so wir lebendig entgehn.«


    »Das wollte Gott,« sprach Rüdiger, / »viel edler Gernot,

    Daß ihr am Rheine wäret, / und ich wäre tot:

    So rettet' ich die Ehre, / da ich euch soll bestehn!

    Es ist noch nie an Degen / von Freunden übler geschehn.«


    »Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,« / sprach wieder Gernot,

    »Eurer reichen Gabe. / Mich jammert euer Tod,

    Soll an euch verderben / so tugendlicher Mut.

    Hier trag ich eure Waffe, / die ihr mir gabet, Degen gut.


    Sie hat mir noch nie versagt / in all dieser Not;

    Es fiel vor ihrer Schärfe / mancher Ritter tot.

    Sie ist stark und lauter, / herrlich und gut:

    Gewiß, so reiche Gabe / kein Recke je wieder tut.


    Und wollt ihr es nicht meiden / und wollt ihr uns bestehn,

    Erschlagt ihr mir die Freunde, / die hier noch bei mir stehn,

    Mit euerm Schwerte nehm ich / Leben euch und Leib:

    So reut ihr mich, Rüdiger, / und euer herrliches Weib.«


    »Das wolle Gott, Herr Gernot, / und möcht es geschehn,

    Daß hier nach euerm Willen / alles könnt ergehn,

    Und euern Freunden bleiben / Leben möcht und Leib:

    Euch sollten wohl vertrauen / meine Tochter und mein Weib.«


    Da sprach von Burgunden / der schönen Ute Kind:

    »Wie tut ihr so, Herr Rüdiger? / Die mit mir kommen sind,

    Die sind euch all gewogen; / ihr greift übel zu:

    Eure schöne Tochter / wollt ihr verwitwen allzufruh.


    Wenn ihr und eure Recken / mich wollt im Streit bestehn,

    Wie wär das unfreundlich, / wie wenig ließ' es sehn,

    Daß ich euch vertraute / vor jedem andern Mann,

    Als ich eure Tochter / mir zum Weibe gewann.«


    »Gedenkt eurer Treue,« / sprach da Rüdiger,

    »Und schickt euch Gott von hinnen, / viel edler König hehr,

    So laßt es nicht entgelten / die liebe Tochter mein:

    Bei aller Fürsten Tugend / geruht ihr gnädig zu sein.«


    »So sollt ichs billig halten,« / sprach Geiselher das Kind;

    »Doch meine hohen Freunde, / die noch im Saal hier sind,

    Wenn die vor euch ersterben, / so muß geschieden sein

    Diese stete Freundschaft / zu dir und der Tochter dein.«


    »Nun möge Gott uns gnaden,« / sprach der kühne Mann.

    Da hoben sie die Schilde / und wollten nun hinan

    Zu streiten mit den Gästen / in Kriemhildens Saal.

    Laut rief da Hagen / von der Stiege her zutal:


    »Verzieht noch eine Weile, / viel edler Rüdiger,«

    Also sprach da Hagen: / »wir reden erst noch mehr,

    Ich und meine Herren, / wie uns zwingt die Not.

    Was hilft es Etzeln, finden / wir in der Fremde den Tod?«


    »Ich steh in großen Sorgen,« / sprach wieder Hagen,

    »Der Schild, den Frau Gotlind / mir gab zu tragen,

    Den haben mir die Heunen / zerhauen vor der Hand;

    Ich bracht ihn doch in Treuen / her in König Etzels Land.


    Daß es Gott vom Himmel / vergönnen wollte,

    Daß ich so guten Schildrand / noch tragen sollte,

    Als du hast vor den Händen, / viel edler Rüdiger:

    So bedürft ich in dem Sturme / keiner Halsberge mehr.«


    »Wie gern wollt ich dir dienen / mit meinem Schilde,

    Dürft ich dir ihn bieten / vor Kriemhilde.

    Doch nimm ihn hin, Hagen, / und trag ihn an der Hand:

    Hei! dürftest du ihn führen / heim in der Burgunden Land!«


    Als er den Schild so willig / zu geben sich erbot,

    Die Augen wurden vielen / von heißen Tränen rot.

    Es war die letzte Gabe: / es durft hinfort nicht mehr

    Einem Degen Gabe bieten / von Bechlaren Rüdiger.


    Wie grimmig auch Hagen, / wie hart war auch sein Mut,

    Ihn erbarmte doch die Gabe, / die der Degen gut

    So nah seinem Ende / noch hatt' an ihn getan.

    Mancher edle Ritter / mit ihm zu trauern begann.


    »Nun lohn euch Gott im Himmel, / viel edler Rüdiger.

    Es wird euresgleichen / gefunden nimmermehr,

    Der heimatlosen Degen / so milde Gabe gebe.

    So möge Gott gebieten, / daß eure Milde immer lebe.«


    »O weh mir dieser Märe,« / sprach wieder Hagen.

    »Wir hatten Herzensschwere / schon so viel zu tragen;

    Das müsse Gott erbarmen, / gilts uns mit Freunden Streit!«

    Da sprach der Markgraf wieder: / »Das ist mir inniglich leid.«


    »Nun lohn ich euch die Gabe, / viel edler Rüdiger:

    Was euch auch widerfahre / von diesen Recken hehr,

    Es soll euch nicht berühren / im Streit meine Hand,

    Ob ihr sie all erschlüget, / die von der Burgunden Land.«


    Da neigte sich ihm dankend / der gute Rüdiger.

    Die Leute weinten alle: / daß nicht zu wenden mehr

    Dieser Herzensjammer, / das war zu große Not.

    Der Vater aller Tugend / fand an Rüdiger den Tod.


    Da sprach von der Stiege / Volker, der Fiedelmann:

    »Da mein Geselle Hagen / euch trug den Frieden an,

    So biet ich auch so steten / euch von meiner Hand.

    Das habt ihr wohl verdient an uns, / da wir kamen in das Land.«


    »Viel edler Markgraf, / mein Bote werdet hier:

    Diese roten Spangen / gab Frau Gotlinde mir,

    Daß ich sie tragen sollte / bei dieser Lustbarkeit:

    Ich tu es, schauet selber, / daß ihr des mein Zeuge seid.«


    »Wollt es Gott vom Himmel,« / sprach da Rüdiger,

    »Daß euch die Markgräfin / noch geben dürfte mehr.

    Die Märe sag ich gerne / der lieben Trauten mein,

    Seh ich gesund sie wieder: / des sollt ihr außer Zweifel sein.«


    Nach diesem Angeloben / den Schild hob Rüdiger,

    Sein Mut begann zu toben: / nicht länger säumt' er mehr,

    Auch lief er zu den Gästen / wohl einem Recken gleich.

    Viel kraftvolle Schläge / schlug da dieser Markgraf reich.


    Volker und Hagen / traten beiseit,

    Wie ihm verheißen hatten / die Degen allbereit.

    Noch traf er bei den Türen / so manchen Kühnen an,

    Daß Rüdiger die Feindschaft / mit großen Sorgen begann.


    Aus Mordbegierde ließen / ihn ins Haus hinein

    Gernot und Gunther; / das mochten Helden sein.

    Zurück wich da Geiselher: / fürwahr, es war ihm leid;

    Er versah sich noch des Lebens, / drum mied er Rüdigern im Streit.


    Da sprangen zu den Feinden / die in Rüdgers Lehn.

    Hinter ihrem Herren / sah man sie kühnlich gehn;

    Schneidende Waffen / trugen sie an der Hand:

    Da zerbrachen viel der Helme / und mancher herrliche Rand.


    Da schlugen auch die Müden / noch manchen schnellen Schlag

    Auf die von Bechlaren, / der tief und eben brach

    Durch die festen Panzer / und drang bis auf das Blut.

    Sie frommten in dem Sturme / viel Wunder herrlich und gut.


    Das edle Heergesinde / war alle nun im Saal.

    Volker und Hagen, / die sprangen hin zumal;

    Sie gaben niemand Frieden / als dem einen Mann.

    Das Blut von ihren Hieben / von den Helmen niederrann.


    Wie da der Schwerter Tosen / so grimmig erklang,

    Daß unter ihren Schlägen / das Schildgespänge sprang;

    Die Schildsteine rieselten / getroffen in das Blut.

    Da fochten sie so grimmig, / wie man es nie wieder tut.


    Der Vogt von Bechlaren / schuf hin und her sich Bahn

    Wie einer, der mit Ungestüm / im Sturme werben kann.

    Des Tages ward an Rüdiger / herrlich offenbar,

    Daß er ein Recke wäre / kühn und ohne Tadel gar.


    Hier standen diese Recken, / Gunther und Gernot:

    Sie schlugen in dem Streite / viel der Helden tot.

    Geiselhern und Dankwart / am Heile wenig lag:

    Da brachten sie noch manchen / hin zu seinem jüngsten Tag.


    Wohl erwies auch Rüdiger, / daß er stark war genug,

    Kühn und wohl gewaffnet: / hei, was er Helden schlug!

    Das sah ein Burgunde, / da schuf der Zorn ihm Not:

    Davon begann zu nahen / des edeln Rüdiger Tod.


    Gernot der starke / rief den Helden an.

    Er sprach zum Markgrafen: / »Ihr wollt mir keinen Mann

    Der Meinen leben lassen, / viel edler Rüdiger.

    Das schmerzt mich ohne Maßen; / ich ertrag es nicht länger mehr.


    Nun mag euch eure Gabe / wohl zu unstatten kommen,

    Da ihr mir der Freunde / habt so viel benommen.

    Nun bietet mir die Stirne, / ihr edler kühner Mann:

    So verdien' ich eure Gabe, / so gut ich immer nur kann.«


    Bevor da der Markgraf / zu ihm gedrungen war,

    Ward noch getrübt vom Blute / manch lichter Harnisch klar.

    Da liefen sich einander / die Ehrbegiergen an:

    Jedweder sich zu schirmen / vor starken Wunden begann.


    Doch schnitten ihre Schwerter, / es schützte nichts dagegen.

    Da schlug den König Gernot / Rüdiger der Degen

    Durch den steinharten Helm, / das niederfloß das Blut;

    Das vergalt alsbald ihm / dieser Ritter kühn und gut.


    Hoch schwang er Rüdgers Gabe, / die in der Hand ihm lag,

    Wie wund er war zum Tode, / er schlug ihm einen Schlag

    Auf des Helmes Bänder / und durch den festen Schild,

    Davon ersterben mußte / der gute Rüdiger mild.


    So reicher Gabe übler / gelohnt ward nimmermehr.

    Da fielen beid erschlagen, / Gernot und Rüdiger,

    Im Sturm gleichermaßen / von beider Kämpfer Hand.

    Da erst ergrimmte Hagen, / als er den großen Schaden fand.


    Da sprach der Held von Tronje: / »Es ist uns schlimm bekommen.

    So großen Schaden haben wir / an den zwein genommen,

    Daß wir ihn nie verwinden, / ihr Volk noch ihr Land.

    Uns Heimatlosen bleiben / nun Rüdgers Helden zu Pfand.«


    Da wollte keiner weiter / dem andern was vertragen:

    Mancher ward danieder / unverletzt geschlagen,

    Der wohl noch wär genesen: / ob ihm war solcher Drang,

    Wie heil er sonst gewesen, / daß er im Blute doch ertrank.


    »Weh mir um den Bruder, / der fiel hier in den Tod!

    Was mir zu allen Stunden / für leide Märe droht!

    Auch muß ich mich immer reuen / mein Schwäher Rüdiger:

    Der Schad ist beidenthalben / und großen Jammers Beschwer.«


    Als der junge Geiselher / sah seinen Bruder tot,

    Die noch im Saale waren, / die mußten leiden Not.

    Der Tod suchte eifrig, / wo sein Gesinde wär:

    Deren von Bechelaren / entging kein einziger mehr.


    Gunther und Hagen / und auch Geiselher,

    Dankwart und Volker, / die guten Degen hehr,

    Die gingen zu der Stelle, / wo man sie liegen fand.

    Wie jämmerlich da weinten / diese Helden auserkannt!


    »Der Tod beraubt uns übel,« / sprach Geiselher das Kind.

    »Nun laßt euer Weinen, / und gehn wir an den Wind,

    Daß sich die Panzer kühlen / uns streitmüden Degen:

    Es will nicht Gott vom Himmel, / das wir länger leben mögen.«


    Den sitzen, den sich lehnen / sah man manchen Mann.

    Sie waren wieder müßig. / Die Rüdgern untertan,

    Waren all erlegen; / verhallt war das Getos.

    So lange blieb es stille, / daß es Etzeln verdroß.


    »O weh dieses Leides!« / sprach die Königin.

    »Sie sprechen allzulange: / unsre Feinde drin

    Mögen wohl heil verbleiben / von Rüdigers Hand:

    Er will sie wiederbringen / heim in der Burgunden Land.


    Was hilfts, König Etzel, / daß wir an ihn vertan,

    Was er nur begehrte? / Er tat nicht wohl daran:

    Der uns rächen sollte, / der will der Sühne pflegen.«

    Da gab ihr Volker Antwort, / dieser zierliche Degen:


    »Dem ist nicht also leider, / viel edel Königsweib.

    Und dürft ich Lügen strafen / ein so hehres Weib,

    So hättet ihr recht teuflisch / Rüdigern verlogen:

    Er und seine Degen / sind um die Sühne gar betrogen.


    So williglich vollbracht er, / was ihm sein Herr gebot,

    Daß er und sein Gesinde / hier fielen in den Tod.

    Nun seht euch um, Frau Kriemhild, / wem ihr gebieten wollt:

    Euch war bis an sein Ende / Rüdiger getreu und hold.


    Wollt ihr mir nicht glauben, / so schaut es selber an.«

    Zu ihrem Herzeleide / ward es da getan:

    Man trug ihn hin erschlagen, / wo ihn der König sah.

    König Etzels Mannen / wohl nimmer leider geschah.


    Da sie den Markgrafen / tot sahn vor sich tragen,

    Da vermöcht euch kein Schreiber / zu schildern noch zu sagen

    Die ungebärdge Klage / so von Weib als Mann,

    Die sich aus Herzensjammer / da zu erzeigen begann.


    König Etzels Jammern / war so stark und voll,

    Wie eines Löwen Stimme / dem reichen König scholl

    Der Wehruf der Klage; / auch ihr schufs große Not.

    Sie weinten übermäßig / um des guten Rüdger Tod.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Achtunddreißigstes Abenteuer


    Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.


    Der Jammer allenthalben / zu solchem Maße schwoll,

    Daß von der Wehklage / Palas und Turm erscholl.

    Da vernahm es auch ein Berner, / Dietrichs Untertan:

    Der schweren Botschaft willen / wie eilends kam er heran!


    Da sprach er zu dem Fürsten: / »Hört mich, Herr Dieterich,

    Was ich noch je erlebte, / so herzensjämmerlich

    Hört ich noch niemals klagen, / als ich jetzt vernahm.

    Ich glaube, daß der König / nun selber zu der Hochzeit kam.


    Wie wären sonst die Leute / all in solcher Not?

    Der König oder Kriemhild, / eins ward dem Tod

    Von den kühnen Gästen / in ihrem Zorn gesellt.

    Es weint übermäßig / mancher auserwählte Held.«


    Da sprach der Vogt von Berne: / »Ihr Getreun in meinem Lehn,

    Seid nicht allzu eilig: / was hier auch ist geschehn

    Von den Heimatlosen, / sie zwang dazu die Not:

    Nun laßt sie des genießen, / daß ich ihnen Frieden bot.«


    Da sprach der kühne Wolfhart: / »Ich will zum Saale gehn,

    Der Märe nachzufragen, / was da sei geschehn,

    Und will euch dann berichten, / viel lieber Herre mein,

    Wenn ich es dort erkunde, / wie die Sache möge sein.«


    Da sprach der edle Dietrich: / »Wenn man sich Zorns versieht,

    Und ungestümes Fragen / zur Unzeit dann geschieht,

    Das betrübt den Recken / allzuleicht den Mut:

    Drum will ich nicht, Wolfhart, / daß ihr die Frage da tut.«


    Da bat er Helfrichen / hinzugehn geschwind,

    Ob er erkundgen möge / bei Etzels Ingesind

    Oder bei den Gästen, / was da wär geschehn.

    Da wurde nie bei Leuten / so großer Jammer gesehn.


    Der Bote kam und fragte: / »Was ist hier geschehn?«

    Da ward ihm zum Bescheide: / »Nun mußt uns auch zergehn

    Der Trost, der uns geblieben / noch war in Heunenland:

    Hier liegt erschlagen Rüdiger / von der Burgunden Hand.


    Nicht einer ist entkommen, / der mit ihm ging hinein.«

    Das konnte Helfrichen / nimmer leider sein.

    Wohl mocht er seine Märe / noch nie so ungern sagen:

    Er kam zu Dietrichen / zurück mit Weinen und Klagen.


    »Was bringt ihr uns für Kunde?« / sprach da Dieterich,

    »Wie weint ihr so heftig, / Degen Helferich?«

    Da sprach der edle Recke: / »Wohl hab ich Grund zu klagen:

    Den guten Rüdger haben / die Burgunden erschlagen.«


    Da sprach der Held von Berne: / »Das wolle nimmer Gott.

    Eine starke Rache wär es / und des Teufels Spott.

    Wie hätt' an ihnen Rüdiger / verdient solchen Sold?

    Ich weiß zu wohl die Kunde, / er ist den Fremdlingen hold.«


    Da sprach der kühne Wolfhart: / »Und wär es geschehn,

    So sollt es ihnen allen / an Leib und Leben gehn.

    Wenn wirs ertragen wollten, / es brächt uns Spott und Schand:

    Uns bot so große Dienste / des guten Rüdiger Hand.«


    Der Vogt von Amelungen / erfragt' es gern noch mehr.

    In ein Fenster setzt' er sich, / ihm war das Herz so schwer.

    Da hieß er Hildebranden / zu den Gästen gehn,

    Bei ihnen zu erforschen, / was da wäre geschehn.


    Der sturmkühne Recke, / Meister Hildebrand,

    Weder Schild noch Waffen / trug er an der Hand.

    Er wollt in seinen Züchten / zu den Gästen gehn;

    Von seiner Schwester Kinde / mußt er sich gescholten sehn.


    Da sprach der grimme Wolfhart: / »Geht ihr dahin so bloß,

    So kommt ihr ungescholten / nimmer wieder los,

    So müßt ihr dann mit Schanden / tun die Wiederfahrt;

    Geht ihr dahin in Waffen, / so weiß ich, daß es mancher spart.«


    Da rüstete der Alte / sich nach des Jungen Rat.

    Eh Hildebrand es gewahrte, / standen in ihrem Staat

    Die Recken Dietrichs alle, / die Schwerter in der Hand.

    Leid war das dem Helden, / er hätt' es gern noch abgewandt.


    Er frug, wohin sie wollten. / »Wir wollen mit euch hin:

    Ob von Tronje Hagen / wohl dann noch ist so kühn,

    Mit Spott zu euch zu reden, / wie ihm zu tun gefällt?«

    Als er die Rede hörte, / erlaubt' es ihnen der Held.


    Da sah der kühne Volker / wohlgewaffnet gehn

    Die Recken von Berne / in Dietrichens Lehn,

    Die Schwerter umgegürtet, / die Schilde vor der Hand:

    Er sagt' es seinen Herren / aus der Burgunden Land.


    Da sprach der Fiedelspieler: / »Dorten seh ich nahn

    Recht in Feindesweise, / die Dietrich untertan,

    Gewaffnet unter Helmen: / sie wollen uns bestehn.

    Nun wird es an das Üble / mit uns Fremdlingen gehn.«


    Es währte nicht lange, / so kam auch Hildebrand:

    Da setzt' er vor die Füße / seinen Schildesrand

    Und begann zu fragen, / die Gunthern untertan:

    »O weh, ihr guten Degen, / was hatt' euch Rüdiger getan?


    Mich hatt' mein Herr Dietrich / her zu euch gesandt,

    Ob erschlagen liege, / Helden, von eurer Hand

    Dieser edle Markgraf, / wie man uns gab Bescheid.

    Wir könnten nicht verwinden / also schweres Herzeleid.«


    Da sprach der grimme Hagen: / »Die Mär ist ungelogen,

    Wie gern ichs euch gönnte, / wärt ihr damit betrogen,

    Rüdigern zuliebe: / so lebt' er uns noch,

    Den nie genug beweinen / mögen Fraun und Mannen doch.«


    Als sie das recht vernahmen, / Rüdiger sei tot,

    Da beklagten ihn die Recken, / wie ihre Treu gebot.

    Dietrichens Mannen / sah man die Tränen gehn

    Übern Bart zum Kinne: / viel Leid war ihnen geschehn.


    Siegstab, der Herzog / von Bern sprach zuhand:

    »O weh, wie all die Güte / hier gar ein Ende fand,

    Die uns Rüdiger hier schuf / nach unsers Leides Tagen:

    Der Trost der Heimatlosen / liegt von euch Degen erschlagen.«


    Da sprach von Amelungen / der Degen Wolfwein:

    »Und wenn ich vor mir liegen / hier säh' den Vater mein,

    Mir würde nimmer leider / als um Rüdgers Tod.

    O weh, wer soll nun trösten / die Markgräfin in ihrer Not?«


    Da sprach im Zornmute / der Degen Wolfhart:

    »Wer leitet nun die Recken / auf mancher Heerfahrt,

    Wie von dem Markgrafen / so oft geschehen ist?

    O weh, viel edler Rüdiger, / daß du uns so verloren bist!«


    Wolfbrand und Helferich / und auch Helmnot

    Mit allen ihren Freunden / beweinten seinen Tod.

    Nicht mehr fragen mochte / vor Seufzen Hildebrand:

    »So tut denn, ihr Degen, / warum mein Herr uns gesandt:


    Gebt uns den toten / Rüdiger aus dem Saal,

    An dem all unsre Freude / erlitt den Jammerfall.

    Laßt uns ihm so vergelten, / was er an uns getan

    Hat mit großer Treue / und an manchem fremden Mann.


    Wir sind hier auch Vertriebene / wie Rüdiger der Degen.

    Was laßt ihr uns warten? / Laßt uns ihn aus den Wegen

    Tragen und im Tode / lohnen noch dem Mann;

    Wir hätten es wohl billig / bei seinem Leben getan.«


    Da sprach der König Gunther: / »Nie war ein Dienst so gut,

    Als den ein Freund dem Freunde / nach seinem Tode tut.

    Das nenn ich stete Treue, / wenn man das leisten kann:

    Ihr lohnt ihm nach Verdienste, / er hat euch Liebes getan.«


    »Wie lang laßt ihr uns flehn?« / sprach Wolfhart der Held.

    »Da unser Trost der beste / liegt von euch gefällt,

    Und wir ihn nun leider / nicht länger mögen haben,

    Laßt uns ihn hinnen tragen, / daß wir den Recken begraben.«


    Zur Antwort gab ihm Volker: / »Man bringt ihn euch nicht her.

    Holt ihn aus dem Hause, / wo der Degen hehr

    Mit tiefen Herzenswunden / gefallen ist ins Blut:

    So sind es volle Dienste, / die ihr hier Rüdigern tut.«


    Da sprach der kühne Wolfhart: / »Gott weiß Herr Fiedelmann,

    Ihr müßt uns nicht noch reizen; / ihr habt uns Leid getan.

    Dürft' ichs vor meinem Herren, / so kämt ihr drum in Not;

    Doch müssen wir es lassen, / weil er den Streit uns verbot.«


    Da sprach der Fiedelspieler: / »Der fürchtet sich zu viel,

    Der, was man ihm verbietet, / alles lassen will:

    Das kann ich nimmer heißen / rechten Heldenmut.«

    Die Rede dauchte Hagnen / von seinem Heergesellen gut.


    »Wollt ihr den Spott nicht lassen,« / fiel ihm Wolfhart ein,

    »Ich verstimm' euch so die Saiten, / daß ihr noch am Rhein,

    Wenn je ihr heimreitet, / habt davon zu sagen.

    Euer Überheben / mag ich mit Ehren nicht ertragen.«


    Da sprach der Fiedelspieler: / »Wenn ihr den Saiten mein

    Die guten Töne raubtet, / eures Helmes Schein

    Müßte trübe werden / dabei von meiner Hand,

    Wie ich halt auch reite / in der Burgunden Land.«


    Da wollt er zu ihm springen; / doch blieb nicht frei die Bahn:

    Hildebrand sein Oheim / hielt ihn mit Kräften an.

    »Ich seh, du willst wüten / in deinem dummen Zorn;

    Nun hätten wir auf immer / meines Herren Huld verlorn.«


    »Laßt los den Leuen, Meister; / er hat so grimmigen Mut;

    Doch kommt er mir zu nahe,« / sprach Volker der Degen gut,

    »Hätt' er mit seinen Händen / die ganze Welt erschlagen,

    Ich schlag ihn, daß er nimmermehr / ein Widerwort weiß zu sagen.«


    Darob ergrimmte heftig / den Bernern der Mut.

    Den Schild ruckte Wolfhart, / ein schneller Recke gut:

    Gleich einem wilden Leuen / lief er auf ihn an.

    Die Schar seiner Freunde / ihm rasch zu folgen begann.


    Mit weiten Sprüngen setzt' er / bis vor des Saales Wand;

    Doch ereilt' ihn vor der Stiege / der alte Hildebrand:

    Er wollt ihn vor ihm selber / nicht lassen in den Streit.

    Zu ihrem Willen fanden / sie gern die Gäste bereit.


    Da sprang hin zu Hagen / Meister Hildebrand:

    Man hörte Waffen klingen / an der Helden Hand.

    Sie waren sehr im Zorne, / das zeigte sich geschwind;

    Von der beiden Schwertern / ging der feuerrote Wind.


    Da wurden sie geschieden / in des Streites Not;

    Das taten die von Berne, / wie Kraft und Mut gebot.

    Als sich von Hagen wandte / Meister Hildebrand,

    Da kam der starke Wolfhart / auf den kühnen Volker gerannt.


    Auf den Helm dem Fiedler / schlug er solchen Schwang,

    Daß des Schwertes Schärfe / durch die Spangen drang.

    Das vergalt mit Ungestüm / der kühne Fiedelmann:

    Da schlug er Wolfharten, / daß er zu sprühen begann.


    Feuers aus den Panzern / hieben sie genug;

    Grimmen Haß jedweder / zu dem andern trug.

    Da schied sie von Berne / der Degen Wolfwein;

    Wär' er kein Held gewesen, / so konnte das nimmer sein.


    Gunther der kühne / mit williger Hand

    Empfing die hehren Helden / aus Amelungenland.

    Geiselher der junge, / die lichten Helme gut

    Macht' er in dem Sturme / manchen naß und rot von Blut.


    Dankwart, Hagens Bruder, / war ein grimmer Mann;

    Was er zuvor im Streite / Herrliches getan

    An König Etzels Recken, / das schien nun gar nur Wind:

    Nun erst begann zu toben / des kühnen Aldrians Kind.


    Ritschart und Gerbart, / Helfrich und Wichart,

    In manchen Stürmen hatten / die selten sich gespart:

    Das ließen sie wohl schauen / die in Gunthers Lehn.

    Da sah man Wolfbranden / in dem Sturme herrlich gehn.


    Da focht, als ob er wüte, / der alte Hildebrand.

    Viel gute Recken mußten / vor Wolfhartens Hand

    Auf den Tod getroffen / sinken in das Blut:

    So rächten Rüdgers Wunden / diese Recken kühn und gut.


    Da focht der Herzog Siegstab, / wie ihm der Zorn gebot.

    Hei! was harter Helme / brach in des Sturmes Not

    An seinen Feinden / Dietrichens Schwestersohn!

    Er konnt' in dem Sturme / nicht gewaltiger drohn.


    Volker der starke, / als er das ersah,

    Wie Siegstab der kühne / aus Panzerringen da

    Bäche Blutes holte, / das schuf dem Biedern Zorn:

    Er sprang ihm hin entgegen; / da hatte hier bald verlorn


    Von dem Fiedelspieler / das Leben Siegstab:

    Volker ihm seiner Künste / so vollen Anteil gab,

    Er fiel von seinem Schwerte / nieder in den Tod.

    Der alte Hildebrand rächte das, / wie ihm sein Eifer gebot.


    »O weh des lieben Herren,« / sprach Meister Hildebrand,

    »Der uns hier erschlagen / liegt von Volkers Hand!

    Nun soll der Fiedelspieler / auch länger nicht gedeihn.«

    Hildebrand der kühne, / wie konnt er grimmiger sein?


    Da schlug er so auf Volker, / daß von des Helmes Band

    Die Splitter allwärts stoben / bis zu des Saales Wand,

    Vom Helm und auch vom Schilde, / dem kühnen Spielmann;

    Davon der starke Volker / nun auch sein Ende gewann.


    Da drangen zu dem Streite / die in Dietrichs Lehn:

    Sie schlugen, daß die Splitter / sich wirbelnd mußten drehn,

    Und man der Schwerter Enden / in die Höhe fliegen sah.

    Sie holten aus den Helmen / heiße Blutbäche da.


    Nun sah von Tronje Hagen / Volker den Degen tot:

    Das war ihm bei der Hochzeit / die allergrößte Not,

    Die er gewonnen hatte / an Freund und Untertan!

    O weh, wie grimmig Hagen / den Freund zu rächen begann!


    »Nun soll es nicht genießen / der alte Hildebrand:

    Mein Gehilfe liegt erschlagen / von des Helden Hand,

    Der beste Heergeselle, / den ich je gewann.«

    Den Schild rückt' er höher: / so ging er hauend hindann.


    Helferich der starke / Dankwarten schlug:

    Gunthern und Geiselheren / war es leid genug,

    Als sie ihn fallen sahen / in der starken Not;

    Doch hatten seine Hände / wohl vergolten seinen Tod.


    So viel aus manchen Landen / hier Volks versammelt war,

    Viel Fürsten kraftgerüstet / gegen die kleine Schar,

    Wären die Christenleute / nicht wider sie gewesen,

    Durch ihre Tugend mochten sie / vor allen Heiden wohl genesen.


    Derweil schuf sich Wolfhart / hin und wieder Bahn,

    Alles niederhauend, / was Gunthern untertan.

    Er machte nun zum drittenmal / die Runde durch den Saal:

    Da fiel von seinen Händen / gar mancher Recke zutal.


    Da rief der starke Geiselher / Wolfharten an:

    »O weh, daß ich so grimmen / Feind je gewann!

    Kühner Ritter edel, / nun wende dich hierher;

    Ich will es helfen enden, / nicht länger trag' ich es mehr.«


    Zu Geiselheren wandte / sich Wolfhart in den Streit.

    Da schlugen sich die Recken / manche Wunde weit.

    Mit solchem Ungestüme / er zu dem König drang,

    Daß unter seinen Füßen / übers Haupt das Blut ihm sprang.


    Mit schnellen grimmen Schlägen / der schönen Ute Kind

    Empfing da Wolfharten, / den Helden hochgesinnt.

    Wie stark auch war der Degen, / wie sollt er hier gedeihn?

    Es konnte nimmer kühner / ein so junger König sein.


    Da schlug er Wolfharten / durch einen Harnisch gut,

    Daß ihm aus der Wunde / niederschoß das Blut:

    Zum Tode war verwundet / Dietrichens Untertan.

    Wohl mußt er sein ein Recke, / der solche Werke getan.


    Als der kühne Wolfhart / die Wund' an sich empfand,

    Den Schild ließ er fallen: / höher in der Hand

    Hob er ein starkes Waffen, / das war wohl scharf genug:

    Durch Helm und Panzerringe / der Degen Geiselhern schlug.


    Den grimmen Tod einander / hatten sie angetan.

    Da lebt' auch niemand weiter, / der Dietrich untertan.

    Hildebrand der alte / Wolfharten fallen sah:

    Gewiß vor seinem Tode / solch Leid ihm nimmer geschah.


    Erstorben waren alle, / die in Gunthers Lehn

    Und die in Dietrichens. / Hildebrand sah man gehn,

    Wo Wolfhart war gefallen / nieder in das Blut.

    Er umschloß mit Armen / den Degen bieder und gut.


    Er wollt ihn aus dem Hause / tragen mit sich fort;

    Er war zu schwer doch, lassen / mußt ihn der Alte dort.

    Da blickt aus dem Blute / der todwunde Mann:

    Er sah wohl, sein Oheim / hülfe gern ihm hindann.


    Da sprach der Todwunde: / »Viel lieber Oheim mein,

    Mir kann zu dieser Stunde / eure Hilfe nicht gedeihn.

    Nun hütet euch vor Hagen, / fürwahr, ich rat' euch gut:

    Der trägt in seinem Herzen / einen grimmigen Mut.


    Und wollen meine Freunde / im Tode mich beklagen,

    Den nächsten und den besten / sollt ihr von mir sagen,

    Daß sie nicht um mich weinen, / das tu nimmer not:

    Von eines Königs Händen / fand ich hier herrlichen Tod.


    Ich hab auch so vergolten / mein Sterben hier im Saal,

    Das schafft noch den Frauen / der guten Ritter Qual.

    Wills jemand von euch wissen, / so mögt ihr kühnlich sagen:

    Von meiner Hand alleine / liegen hundert wohl erschlagen.«


    Da gedacht' auch Hagen / an den Fiedelmann,

    Dem der alte Hildebrand / das Leben abgewann;

    Da sprach er zu dem Kühnen: / »Ihr entgeltet nun mein Leid.

    Ihr habt uns hier benommen / manchen Recken kühn im Streit.«


    Er schlug auf Hildebranden, / daß man wohl vernahm

    Balmungen dröhnen, / den Siegfrieden nahm

    Hagen der kühne, / als er den Helden schlug.

    Da wehrte sich der Alte: / er war auch streitbar genug.


    Wolfhartens Oheim / ein breites Waffen schwang

    Auf Hagen von Tronje, / das scharf den Stahl durchdrang;

    Doch konnt er nicht verwunden / Gunthers Untertan.

    Da schlug ihm Hagen wieder / durch einen Harnisch wohlgetan.


    Als da Meister Hildebrand / die Wunde recht empfand,

    Besorgt er größern Schaden / noch von Hagens Hand.

    Den Schild warf auf den Rücken / Dietrichs Untertan:

    Mit der starken Wunde / der Held vor Hagen entrann.


    Da lebt' auch von allen / den Degen niemand mehr

    Als Gunther und Hagen, / die beiden Recken hehr.

    Mit Blut ging beronnen / der alte Hildebrand:

    Er brachte leide Märe, / da er Dietrichen fand.


    Schwer bekümmert sitzen / sah er den Mann;

    Noch größern Leides Kunde / nun der Fürst gewann.

    Als er Hildebranden / im Panzer sah so rot,

    Da fragt' er nach der Ursach, / wie ihm die Sorge gebot.


    »Nun sagt mir, Meister Hildebrand, / wie seid ihr so naß

    Von dem Lebensblute? / oder wer tat euch das?

    Ihr habt wohl mit den Gästen / gestritten in dem Saal?

    Ihr ließt es billig bleiben, / wie ich so dringend befahl.«


    Da sagt' er seinem Herren: / »Hagen tat es mir:

    Der schlug mir in dem Saale / diese Wunde hier,

    Als ich von dem Recken / zu wenden mich begann,

    Kaum daß ich mit dem Leben / noch dem Teufel entrann.«


    Da sprach der von Berne: / »Gar recht ist euch geschehn,

    Da ihr mich Freundschaft hörtet / den Recken zugestehn

    Und doch den Frieden brachtet, / den ich ihnen bot:

    Wär mirs nicht ewig Schande, / ihr solltets büßen mit dem Tod.«


    »Nun zürnt mir, Herr Dietrich, / darob nicht allzusehr:

    An mir und meinen Freunden / ist der Schade gar zu schwer.

    Wir wollten Rüdger gerne / tragen aus dem Saal:

    Das wollten uns nicht gönnen / die, welchen Gunther befahl.«


    »O weh mir dieses Leides! / Ist Rüdiger doch tot?

    Das muß mir sein ein Jammer / vor all meiner Not.

    Gotelind die edle / ist meiner Base Kind:

    O weh der armen Waisen, / die dort zu Bechlaren sind!«


    Herzeleid und Kummer / schuf ihm sein Tod:

    Er hub an zu weinen, / den Helden zwang die Not.

    »O weh der treuen Hilfe, / die mir an ihm erlag,

    König Etzels Degen, / den ich nie verschmerzen mag!


    Könnt ihr mir, Meister Hildebrand, / rechte Kunde sagen,

    Wie der Recke heiße, / der ihn hat erschlagen?«

    Er sprach: »Das tat mit Kräften / der starke Gernot;

    Von Rüdigers Händen / fand auch der König den Tod.«


    Er sprach zu Hildebranden: / »So sagt den Meinen an,

    Daß sie alsbald sich waffnen: / so geh ich selbst hinan.

    Und befehlt, daß sie mir bringen / mein lichtes Streitgewand:

    Ich selber will nun fragen / die Helden aus Burgundenland.«


    Da sprach Meister Hildebrand: / »Wer soll mit euch gehn?

    Die euch am Leben blieben, / die seht ihr vor euch stehn:

    Das bin ich ganz alleine; / die andern, die sind tot.«

    Da erschrak er dieser Märe, / es schuf ihm wahrhafte Not,


    Daß er auf Erden nimmer / noch solches Leid gewann.

    Er sprach: »Und sind erstorben / all die mir untertan,

    So hat mein Gott vergessen, / ich armer Dietrich!

    Ich herrscht' ein mächtger König / einst hehr und gewaltiglich.«


    Wieder sprach da Dietrich: / »Wie konnt' es nur geschehn,

    Daß sie all erstarben, / die Helden ausersehn,

    Vor den Streitmüden, / die doch gelitten Not?

    Mein Unglück schufs alleine, / sonst verschonte sie der Tod!


    Wenn dann mein Unheil wollte, / es sollte sich begeben,

    So sprecht, blieb von den Gästen / einer noch am Leben?«

    Da sprach Meister Hildebrand: / »Das weiß Gott, niemand mehr

    Als Hagen ganz alleine / und Gunther der König hehr.«


    »O weh, lieber Wolfhart, / und hab ich dich verloren,

    So mag mich bald gereuen, / daß ich je ward geboren.

    Siegstab und Wolfwein / und auch Wolfbrand:

    Wer soll mir denn helfen / in der Amelungen Land?


    Helferich der kühne, / und ist mir der erschlagen,

    Gerbart und Wichart, / wann hör ich auf zu klagen?

    Das ist aller Freuden / mir der letzte Tag.

    O weh, daß vor Leide / niemand doch ersterben mag!«

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Neununddreißigstes Abenteuer


    Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden


    Da suchte sich Herr Dietrich / selber sein Gewand;

    Ihm half, daß er sich waffnete, / der alte Hildebrand.

    Da klagte so gewaltig / der kraftvolle Mann,

    Daß von seiner Stimme / das Haus zu schüttern begann.


    Dann gewann er aber wieder / rechten Heldenmut.

    Im Grimm ward gewaffnet / da der Degen gut.

    Seinen Schild den festen, / den nahm er in die Hand:

    Sie gingen bald von dannen, / er und Meister Hildebrand.


    Da sprach von Tronje Hagen: / »Dort seh ich zu uns gehn

    Dietrich den Herren: / der will uns bestehn

    Nach dem großen Leide, / das wir ihm angetan.

    Nun soll man heute schauen, / wen man den Besten nennen kann.


    Und dünkt sich denn von Berne / der Degen Dieterich

    Gar so starken Leibes / und so fürchterlich,

    Und will ers an uns rächen, / was ihm ist geschehn,«

    Also sprach da Hagen, / »ich bin wohl Mann ihn zu bestehn.«


    Die Rede hörte Dietrich / mit Meister Hildebrand.

    Er kam, wo er die Recken / beide stehen fand

    Außen vor dem Hause, / gelehnt an den Saal.

    Seinen Schild den guten, / den setzte Dietrich zutal.


    In leidvollen Sorgen / sprach da Dietrich:

    »Wie habt ihr so geworben, / Herr Gunther, wider mich,

    Einen Heimatlosen? / Was tat ich euch wohl je,

    Daß alles meines Trostes / ich nun verwaiset mich seh?


    Ihr fandet nicht Genüge / an der großen Not,

    Als ihr uns Rüdigern, / den Recken, schluget tot:

    Ihr mißgönntet sie mir alle, / die mir untertan.

    Wohl hätt ich solchen Leides / euch Degen nimmer getan.


    Gedenkt an euch selber / und an euer Leid,

    Eurer Freunde Sterben / und all die Not im Streit,

    Ob es euch guten Degen / nicht beschwert den Mut.

    O weh, wie so unsanft / mir der Tod Rüdgers tut!


    So leid geschah auf Erden / niemandem je.

    Ihr gedachtet wenig / an mein und euer Weh.

    Was ich Freuden hatte, / das liegt von euch erschlagen:

    Wohl kann ich meine Freunde / nimmer genug beklagen.«


    »Wir sind wohl nicht so schuldig,« / sprach Hagen entgegen.

    »Zu diesem Hause kamen / all eure Degen

    Mit großem Fleiß gewaffnet / in einer breiten Schar.

    Man hat euch wohl die Märe / nicht gesagt, wie sie war.«


    »Was soll ich anders glauben? / mir sagt Hildebrand:

    Euch baten meine Recken / von Amelungenland,

    Daß ihr ihnen Rüdigern / gäbet aus dem Haus:

    Da botet ihr Gespötte nur / meinen Recken heraus.«


    Da sprach der Vogt vom Rheine: / »Sie wollten Rüdgern tragen,

    Sagten sie, von hinnen: / das ließ ich versagen

    Etzeln zum Trotze, / nicht aber deinem Heer,

    Bis darob zu schelten / Wolfhart begann, der Degen hehr.«


    Da sprach der Held von Berne: / »Es sollte nun so sein.

    Gunther, edler König, / bei aller Tugend dein

    Ersetze mir das Herzeleid, / das mir von dir geschehn;

    Versühn es, kühner Ritter, / so laß ichs ungerochen gehn.


    Ergib dich mir zum Geisel / mit Hagen deinem Mann:

    So will ich euch behüten, / so gut ich immer kann,

    Daß euch bei den Heunen / hier niemand Leides tut.

    Ihr sollt an mir erfahren, / daß ich getreu bin und gut.«


    »Das verhüte Gott im Himmel,« / sprach Hagen entgegen,

    »Daß sich dir ergeben / sollten zwei Degen,

    Die noch in voller Wehre / dir gegenüber stehn,

    Das wär uns Unehre: / die Feigheit soll nicht geschehn.«


    »Ihr solltets nicht verweigern,« / sprach wieder Dieterich,

    »Gunther und Hagen: / ihr habt so bitterlich

    Beide mir bekümmert / das Herz und auch den Mut,

    Wollt ihr mir das vergüten, / daß ihr es billiglich tut.


    Ich geb euch meine Treue / und reich euch drauf die Hand,

    Daß ich mit euch reite / heim in euer Land.

    Ich geleit euch wohl nach Ehren, / ich stürbe denn den Tod,

    Und will um euch vergessen / all meiner schmerzhaften Not.«


    »Begehrt es nicht weiter,« / sprach wieder Hagen:

    »Wie ziemt es, wenn die Märe / wär von uns zu sagen,

    Daß zwei so kühne Degen / sich ergeben eurer Hand?

    Sieht man bei euch doch niemand / als alleine Hildebrand.«


    Da sprach Meister Hildebrand: / »Gott weiß, Herr Hagen,

    Den Frieden, den Herr Dietrich / euch hat angetragen,

    Es kommt noch an die Stunde / vielleicht in kurzer Frist,

    Daß ihr ihn gerne nähmet, / und er nicht mehr zu haben ist.«


    »Auch nähm ich eh den Frieden,« / sprach Hagen entgegen,

    »Eh ich mit Schimpf und Schande / so vor einem Degen

    Flöhe, Meister Hildebrand, / als ihr hier habt getan:

    Ich wähnt auf meine Treue, / ihr stündet besser euern Mann.«


    Da sprach Meister Hildebrand: / »Was verweiset ihr mir das?

    Nun wer wars, der auf dem Schilde / vor dem Wasgensteine saß,

    Als ihm von Spanien Walther / so viel der Freunde schlug?

    Wohl habt ihr an euch selber / noch zu rügen genug.«


    Da sprach der edle Dietrich: / »Wie ziemt solchen Degen

    Sich mit Worten schelten, / wie alte Weiber pflegen?

    Ich verbiet es, Meister Hildebrand, / sprecht hier nicht mehr.

    Mich heimatlosen Recken / zwingt so große Beschwer.


    Laßt hören, Freund Hagen,« / sprach da Dieterich,

    »Was spracht ihr zusammen, / ihr Helden tugendlich,

    Als ihr mich gewaffnet / sahet zu euch gehn?

    Ihr sagtet, ihr alleine / wolltet mich im Streit bestehn.«


    »Das wird euch niemand leugnen,« / sprach Hagen entgegen,

    »Wohl will ichs hier versuchen / mit kräftigen Schlägen,

    Es sei denn, mir zerbreche / das Nibelungenschwert:

    Mich entrüstet, daß zu Geiseln / unser beider ward begehrt.«


    Als Dietrich erhörte / Hagens grimmen Mut,

    Den Schild behende zuckte / der schnelle Degen gut.

    Wie rasch ihm von der Stiege / entgegen Hagen sprang!

    Niblungs Schwert das gute / auf Dietrichen laut erklang.


    Da wußte wohl Herr Dietrich, / daß der kühne Mann

    Grimmen Mutes fechte; / zu schirmen sich begann

    Der edle Vogt von Berne / vor ängstlichen Schlägen.

    Wohl erkannt er Hagen, / er war ein auserwählter Degen.


    Auch scheut' er Balmungen, / eine Waffe stark genug.

    Nur unterweilen Dietrich / mit Kunst entgegenschlug,

    Bis daß er Hagen / im Streite doch bezwang.

    Er schlug ihm eine Wunde, / die gar tief war und lang.


    Der edle Dietrich dachte: / »Dich schwächte lange Not;

    Mir brächt es wenig Ehre, / gäb ich dir den Tod.

    So will ich nur versuchen, / ob ich dich zwingen kann

    Als Geisel mir zu folgen.« / Das ward mit Sorgen getan.


    Den Schild ließ er fallen: / seine Stärke, die war groß;

    Hagnen von Tronje / mit den Armen er umschloß.

    So ward von ihm bezwungen / dieser kühne Mann.

    Gunther der edle / darob zu trauern begann.


    Hagnen band da Dietrich / und führt' ihn, wo er fand

    Kriemhild die edle, / und gab in ihre Hand

    Den allerkühnsten Recken, / der je Gewaffen trug.

    Nach ihrem großen Leide / ward sie da fröhlich genug.


    Da neigte sich dem Degen / vor Freuden Etzels Weib:

    »Nun sei dir immer selig / das Herz und auch der Leib.

    Du hast mich wohl entschädigt / aller meiner Not:

    Ich will dirs immer danken, / es verwehr es denn der Tod.«


    Da sprach der edle Dietrich: / »Nun laßt ihn am Leben,

    Edle Königstochter: / es mag sich wohl begeben,

    Daß euch sein Dienst vergütet / das Leid, das er euch tat:

    Er soll es nicht entgelten, / daß ihr ihn gebunden saht.«


    Da ließ sie Hagnen führen / in ein Haftgemach,

    Wo niemand ihn erschaute, / und er verschlossen lag.

    Gunther der edle / hub da zu rufen an:

    »Wo blieb der Held von Berne? / Er hat mir Leides getan.«


    Da ging ihm hin entgegen / der Berner Dieterich.

    Gunthers Kräfte waren / stark und ritterlich;

    Er säumte da nicht länger, / er rannte vor den Saal.

    Von ihrer beider Schwertern / erhob sich mächtiger Schall.


    So großen Ruhm erworben / Dietrich seit alter Zeit,

    In seinem Zorne tobte / Gunther so im Streit;

    Er war nach seinem Leide / von Herzen feind dem Mann:

    Ein Wunder mußt' es heißen, / daß da Herr Dietrich entrann.


    Sie waren alle beide / so stark und mutesvoll,

    Daß von ihren Schlägen / Pallas und Turm erscholl,

    Als sie mit Schwertern hieben / auf die Helme gut.

    Da zeigte König Gunther / einen herrlichen Mut.


    Doch zwang ihn der von Berne, / wie Hagnen war geschehn.

    Man mochte durch den Panzer / das Blut ihm fließen sehn

    Von einem scharfen Schwerte: / das trug Herr Dieterich.

    Doch hatte sich Herr Gunther / gewehrt, der müde, ritterlich.


    Der König ward gebunden / von Dietrichens Hand,

    Wie nimmer Könge sollten / leiden solch ein Band.

    Er dachte, ließ' er ledig / Gunthern und seinen Mann,

    Wem sie begegnen möchten, / der müßte den Tod empfahn.


    Dietrich von Berne / nahm ihn bei der Hand,

    Er führt' ihn hin gebunden, / wo er Kriemhilden fand.

    Ihr war mit seinem Leide / der Sorge viel benommen.

    Sie sprach: »König Gunther, / nun seid mir höchlich willkommen.«


    Er sprach: »Ich müßt' euch danken, / vieledle Schwester mein,

    Wenn euer Gruß in Gnaden / geschehen könnte sein.

    Ich weiß euch aber, Königin, / so zornigen Mut,

    Daß ihr mir und Hagen / solchen Gruß im Spotte tut.«


    Da sprach der Held von Berne: / »Königstochter hehr,

    So gute Ritter sah man / als Geisel nimmermehr,

    Als ich, edle Königin, / gebracht in eure Hut.

    Nun komme meine Freundschaft / den Heimatlosen zugut.«


    Sie sprach, sie tät' es gerne. / Da ging Herr Dieterich

    Mit weinenden Augen / von dem Helden tugendlich.

    Da rächte sich entsetzlich / König Etzels Weib:

    Den auserwählten Degen / nahm sie Leben und Leib.


    Sie ließ sie gesondert / in Gefängnis legen,

    Daß sich nie im Leben / wiedersahn die Degen;

    Hatt' es gleich verschworen / zu tun das edle Weib,

    Sie dacht': »Ich räche heute / meines lieben Mannes Leib.«


    Hin ging die Königstochter, / wo sie Hagen sah;

    Wie feindselig sprach sie / zu dem Recken da:

    »Wollt ihr mir wiedergeben, / was ihr mir habt genommen,

    So mögt ihr wohl noch lebend / heim zu den Burgunden kommen.«


    Da sprach der grimme Hagen: / »Die Red' ist gar verloren,

    Vieledle Königstochter. / Den Eid hab' ich geschworen,

    Daß ich den Hort nicht zeige: / solange noch am Leben

    Blieb einer meiner Herren, / wird er niemand gegeben.«


    »Ich bring' es zu Ende,« / sprach das edle Weib.

    Ihrem Bruder nehmen ließ sie / Leben da und Leib.

    Man schlug das Haupt ihm nieder: / bei den Haaren sie es trug

    Vor den Held von Tronje: / da gewann er Leids genug.


    Als der Unmutvolle / seines Herren Haupt ersah,

    Wider Kriemhilden / sprach der Recke da:

    »Du hasts nach deinem Willen / zu Ende nun gebracht;

    Es ist auch so ergangen, / wie ich mir hatte gedacht.


    Nun ist von Burgunden / der edle König tot,

    Geiselher der junge, / dazu Herr Gernot.

    Den Hort weiß nun niemand / als Gott und ich allein:

    Der soll dir Teufelsweibe / immer wohl verhohlen sein.«


    Sie sprach: »So habt ihr üble / Vergeltung mir gewährt;

    So will ich doch behalten / Siegfriedens Schwert.

    Das trug mein holder Friedel / als ich zuletzt ihn sah,

    An dem mir Herzensjammer / vor allem Leide geschah.«


    Sie zog es aus der Scheide, / er konnt es nicht wehren.

    Da dachte sie dem Recken / das Leben zu versehren.

    Sie schwang es mit den Händen, / das Haupt schlug sie ihm ab.

    Das sah der König Etzel, / dem es großen Kummer gab.


    »Weh!« rief der König: / »wie ist hier gefällt

    Von eines Weibes Händen / der allerbeste Held,

    Der je im Kampf gefochten / und seinen Schildrand trug!

    So feind ich ihm gewesen bin, / mir ist leid um ihn genug.«


    Da sprach Meister Hildebrand: / »Es kommt ihr nicht zu gut,

    Daß sie ihn schlagen durfte / was man halt mir tut,

    Ob er mich selber brachte / in Angst und große Not,

    Jedennoch will ich rächen / dieses kühnen Tronjers Tod.«


    Hildebrand im Zorne / zu Kriemhilden sprang:

    Er schlug der Königstochter / einen Schwertesschwang.

    Wohl schmerzten solche Dienste / von dem Degen sie;

    Was konnt es aber helfen, / daß sie so ängstlich schrie?


    Die da sterben sollten, / die lagen all umher:

    Zu Stücken lag verhauen / die Königin hehr.

    Dietrich und Etzel / huben zu weinen an

    Und jämmerlich zu klagen / manchen Freund und Untertan.


    Da war der Helden Herrlichkeit / hingelegt im Tod.

    Die Leute hatten alle / Jammer und Not.

    Mit Leid war beendet / des Königs Lustbarkeit,

    Wie immer Leid die Freude / am letzten Ende verleiht.


    Ich kann euch nicht bescheiden, / was seither geschah,

    Als daß man immer weinen / Christen und Heiden sah,

    Die Ritter und die Frauen / und manche schöne Maid:

    Sie hatten um die Freunde / das allergrößte Leid.


    Ich sag euch nicht weiter / von der großen Not:

    Die da erschlagen waren, / die laßt liegen tot.

    Wie es auch im Heunland / hernach dem Volk geriet,

    Hier hat die Mär ein Ende: / das ist das Nibelungenlied.


    Anonymes Werk Das Nibelungenlied

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Ich liebe es...

    Was ich fast noch besser finde als das ganze Nibelungenlied ist die Einleitung zu Friedrich Hebbels Theaterstück "Die Nibelungen"


    Ich war an einem schönen Maientag,
    Ein halber Knabe noch, in einem Garten
    Und fand auf einem Tisch ein altes Buch.
    Ich schlug es auf, und wie der Höllenzwang,
    Der, einmal angefangen, wär es auch
    Von einem Kindermund, nach Teufelsrecht,
    Trotz Furcht und Graun, geendigt werden muß,
    So hielt dies Buch mich fest. Ich nahm es weg
    Und schlich mich in die heimlichste der Lauben
    Und las das Lied von Siegfried und Kriemhild.
    Mir war, als säß ich selbst am Zauberborn,
    Von dem es spricht: die grauen Nixen gossen
    Mir alle ird'schen Schauer durch das Herz,
    Indes die jungen Vögel über mir
    Sich lebenstrunken in den Zweigen wiegten
    Und sangen von der Herrlichkeit der Welt.
    Erst spät am Abend trug ich starr und stumm
    Das Buch zurück, und viele Jahre flohn
    An mir vorüber, eh ich's wieder sah.
    Doch unvergeßlich blieben die Gestalten
    Mir eingeprägt, und unauslöschlich war
    Der stille Wunsch, sie einmal nachzubilden,
    Und wär's auch nur in Wasser oder Sand.
    Auch griff ich oft mit halb beherztem Finger,
    Wenn etwas andres mir gelungen schien,
    Nach meinem Stift, doch nimmer fing ich an.
    Da trat ich einmal in den Musentempel,
    Wo sich die bleichen Dichterschatten röten,
    Wie des Odysseus Schar, von fremdem Blut.
    Ein Flüstern ging durchs Haus, und heil'ges Schweigen
    Entstand sogleich, wie sich der Vorhang hob,
    Denn Du erschienst als Rächerin Kriemhild.
    Es war kein Sohn Apolls, der Dir die Worte
    Geliehen hatte, dennoch trafen sie,
    Als wären's Pfeile aus dem goldnen Köcher,
    Der hell erklang, als Typhon blutend fiel.
    Ein lauter Jubel scholl durch alle Räume,
    Wie Du, die fürchterlichste Qual im Herzen
    Und grause Schwüre auf den blassen Lippen,
    Dich schmücktest für die zweite Hochzeitsnacht;
    Das letzte Eis zerschmolz in jeder Seele
    Und schoß als glühnde Träne durch die Augen,
    Ich aber schwieg und danke Dir erst heut.
    Denn diesen Abend ward mein Jugendtraum
    Lebendig, alle Nibelungen traten
    An mich heran, als wär ihr Grab gesprengt,
    Und Hagen Tronje sprach das erste Wort.
    Drum nimm es hin, das Bild, das Du beseelt,
    Denn Dir gehört's, und wenn es dauern kann,
    So sei's allein zu Deinem Ruhm und lege
    Ein Zeugnis ab von Dir und Deiner Kunst!

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen
Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Geht einfach!
Neues Benutzerkonto erstellen
Anmelden
Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmelden