Aberglaube: Allerseelen

Schon gewusst…?

Der Firno Situ

Der Firno Situ ist die alt-alemannische Lehnübersetzung des altnordischen Begriffs Forn Siðr und ist dementsprechend eine Form des germanischen Neuheidentums mit einem Schwerpunkt auf den historischen suebisch-alamannischen Regionen. Er stützt sich auf die Überlieferungen und archäologischen Funde dieses Raumes sowie auf das dort noch heute lebendige Volksbrauchtum. Der althochdeutsche Begriff der Firni Situ mit einem allgemeinen Fokus auf den elbgermanischen Regionen ist als eng verwandt anzusehen. Die Gottheiten wie Wodan, Ziu, Donar, Volla und Frija Hulda werden unter ihren althochdeutschen bzw. alemannischen Namen verehrt. Die wichtigsten Rituale sind Pluoz, Sumbal und Chuofa.

  • Da wir schon bei Ahnenverehrung waren. ^^


    Allerseelen.

    1. Ein allgemeines Seelenfest am 2. November ist i. J. 998 von Odilo von Clugny in allen Benediktinerklöstern angeordnet und 1006 von Papst Johann XIX. für die ganze katholische Christenheit eingeführt worden1). Im Volksglauben und -brauch werden auch die umliegenden Tage mit einbezogen, wie überhaupt die dem Wiederkommen der Seelen eingeräumte Zeit viel länger ist2). So dauert die bayrisch-österreichische Seelenzeit vom 30. Oktober bis zum 2. November. In der Oberpfalz freuen sich die Seelen das ganze Jahr auf diesen Tag und seine Oktave und zeigen sich oft 14 Tage vorher als kleine Lichtlein, damit man ihnen zu Hilfe komme3).


    Die Seelen haben schon vom Mittagsläuten am Allerheiligentage an Freiheit, das Fegefeuer zu verlassen und ihre alten Wohnungen wieder aufzusuchen. Am andern Morgen beim ersten Läuten müssen sie wieder von dannen4). Anderswo beginnt das Läuten erst später, nachmittags oder abends oder um Mitternacht, und wird mitunter bis zum Mittag des Allerseelentages fortgesetzt5). In Eweringen läuteten früher in der Nacht vor Allerseelen die Glocken fortwährend, wodurch man die flehenden Stimmen der Verstorbenen versinnbilden wollte6).


    2. Schon am Tage Allerheiligen werden die Friedhöfe gereinigt und die Gräber geschmückt7). Am Abend beginnt der Besuch8). Die Gräber werden, um die Qualen der Seelen im Fegefeuer zu lindern, mit Weihwasser besprengt9), und es werden Speisen daraufgestellt (Brot, Wein, Bohnen)10) und Kerzen oder Lämpchen darauf angezündet11). An Gräbern von Selbstmördern darf kein Licht brennen, sonst werden die Kinder wieder Selbstmörder12). Die Lichter sollen die Seelen anlocken und ihnen den Weg zum Ruheplatze ihres Körpers weisen; man sagt auch wohl, daß sie sich daran wärmten13). Aber die Absicht, durch das Feuer eine sichernde Schranke zwischen sie und die Lebenden zu setzen, spricht auch mit. Um Iglau soll das auf den Gräbern angezündete Licht die bösen Geister vertreiben14).



    3. In den Häusern lassen die Angehörigen den Seelen der Ihrigen alle mögliche Pflege angedeihen. Auf dem Tische bleiben Speise und Trank (Milch, Wasser, Brosamen) für sie stehen15). Ins Feuer wird Mehl geschüttet zur Kühlung der Leidenden im Fegefeuer. Zu gleichem Zwecke essen die Leute kalte Milch, und die Hauswirtinnen spritzen den Mägden davon ins Gesicht, damit sie nicht schläfrig seien, wenn sie ins Gras gehen16). Keine leere Pfanne darf über dem Feuer stehen, damit sich nicht eine arme Seele dareinsetze17), und keine Ofengabel verkehrt hingestellt werden, denn das schmerzt sie18). Man darf auch kein Messer mit der Schneide nach oben auf dem Tische liegen lassen, die armen Seelen müßten darauf sitzen. Die Tür darf nicht knarren und nicht zugeschlagen werden19). In den ostdeutschen und letto-russischen Gebieten wird den Seelen Gelegenheit zum Baden geboten20). Auf dem Herde wird Feuer angezündet oder bleibt brennen; daran sollen sich namentlich die Seelen, die die »kalte Pein« leiden, erwärmen21). Auf den Tisch in der Küche oder in andere Räume werden brennende Lichter gesetzt. Vor ihnen betet man für die Ruhe der Seelen; das Licht verhilft ihnen zum ewigen Lichte22). Wessen Licht am ersten erlischt, der stirbt vor den andern23). Die ganze Nacht hindurch brennt eine Lampe, die aber nicht mit Oel, sondern mit Fett oder Butter gefüllt ist, damit die Seelen ihre Brandwunden kühlen können24). Bei den Esten ersucht am Schlusse der Bewirtung in der Badstube der Hausvater die Seelen der Verwandten nunmehr ihres Weges zu gehen, sich aber zu hüten, auf das Roggengras zu treten und die Wurzeln zu verletzen25).



    4. Auch beim Gottesdienst in der Kirche werden Lichter für die armen Seelen angezündet26). Für sie werden auch allerlei Speisen und Gebäcke an den Altären geopfert27).



    5. In dieser Zeit sind die Seelen überall zugegen. Sie gehen mit um den Altar und zum Opfer28), wandeln um die Kirche herum29) und sitzen auf der Totenbahre30). Weit verbreitet sind die Sagen von der Geistermesse (s.d.) in der Kirche, deren Besuch für die Lebenden gefährlich wird31). Jeder Schmuck muß dabei von den Altären und Bildern entfernt sein, sonst würden die Toten alles in kleine Stücke zerreißen32). Auf dem Oybin halten die Erdmännchen am Abend des Allerheiligentages Gottesdienst33). Stellt man sich nachts auf einen Grabhügel, so sieht man alle, die im nächsten Jahre sterben sollen, über die Gräber gehen34). Auch die Toten selbst nennen diejenigen, die im nächsten Jahre sterben35).

  • 6. Die Seelen besuchen ihre Gräber36), wandern als Lichter auf dem Kirchhofe37) und schweben als Vögel um die Grabsteine38). Man muß sehr vorsichtig sein, denn sie sitzen auf jedem Grashalm des Kirchhofes39) und auf allen Feldern und Wegen40). In den Alpenländern werden sie als Kröten sichtbar, denen man daher nichts zuleide tun darf41). Sie fahren im Winde durch die Luft42) und zeigen sich als weiße Nebel43). Sehen können sie nur besonders begnadete Menschen; aber man kann sie um Mitternacht singen hören44). Oder sie machen sich durch Knistern im Zimmer oder durch Ächzen unter der Erde auf dem Kirchhofe bemerkbar45). In der Umgegend von Dinan reiten sie die Pferde, die die Landleute auf den Feldern gelassen haben46).



    7. Wer sich im Dunkeln ins Freie wagt, muß sterben47). Überhaupt ist die Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen voll von Spuk und Zauber, und alle Geister schalten frei48). Der ewige Jäger zieht um49). Versunkene Städte zeigen ihre Schätze50) und lassen ihre Glokken hören51). Manche Verrichtungen sind am Allerseelentage verboten52): Man soll kein Korn säen53) und nicht auf die Gemsjagd gehen54). Solange ein Lumpen, am Allerseelentage auf einen Baum geworfen, hängen bleibt, ist das Vieh vor dem »Vermeynen« sicher55). Durch das »Totenbahrenziehen« kann man alles erhalten, was man wünscht56).


    8. Für die Lebenden sind besondere Speisen vorgeschrieben. Die vegetabilischen und Milch überwiegen durchaus. Man glaubt damit den Seelen wohlzutun57). Man bespritzt sich mit der Milch oder spritzt sie gegen den Herd, darf nichts davon verschütten und nicht zu viel davon essen58). Im Moseltal wird am Allerheiligenabend in jedem Hause Hirsebrei gegessen; so viel Körner man ißt, soviel Seelen befreit man aus dem Fegefeuer59). Gebildbrote in verschiedener Gestalt werden in Menge angefertigt und an Familienmitglieder und Dienstboten verteilt60).

    9. Vor allem werden die Armen mit solchen Spenden bedacht, oft durch Stiftungen und Vermächtnisse61). In Basel werden noch im 15. Jh. Stiftungen erwähnt »pro panibus super sepulchro ipso ponendis et postea pauperibus erogandis«62). In Lüsen stellt man Milch und Krapfen am Vorabend des Allerseelentages nach dem Nachtessen auf den Tisch und läßt sie unberührt bis zum andern Tage stehen, wo sie an Arme verteilt werden63). Anderswo macht man es ähnlich mit gekochten Bohnen64). Übrigens wird in Tirol an die Hausarmen auch Flachs und Werg verabfolgt65).


    10. Auch für die Kinder fällt vieles ab. Sie werden (wie auch an Allerheiligen) von den Paten mit Brot und Kuchen beschenkt66), ziehen aber auch - wie die Armen - von Haus zu Haus, singen und empfangen »um der armen Seelen willen« Gaben an Äpfeln, Getreide, Mehl, Schmalz, Geld, vor allem aber an Brot67). In Ehingen a. D. suchen sie auf den Gräbern kleine Münzen, die Mutter oder Geschwister dorthin gelegt haben, und kaufen sich dafür »Seelenbirnen« oder Gebäcke68).



    Sartori.


    [Lexikon: Allerseelen. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, S. 798

    (vgl. HWA Bd. 1, S. 267 ff.)]

  • In Nordirland sagt man, dass die Katholiken die wahren Heiden seien. Da ist wohl was dran....

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.