Schon gewusst…?

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  • XLI [2946–3057]

    Ein Schlachten und Morden von Schweden und Gauten,

    ein Gemetzel der Menschen. Meilenweit sichtbar

    war, wie Hygelacs Kämpen das Kriegsfeuer schürten.

    Mit seinen Männern musste der Alte,

    der Edelmann Ongthow, eine Anhöhe suchen;

    doch die Flucht in die Veste war freiwillig nicht.

    Die Kriegskunst des Königs kannte er gut,

    die Macht jenes Stolzen. Die Stellung zu halten

    schien ihm nicht sinnvoll. Wie sollte er auch

    den Räubern zur See die Ringe verwehren,

    die Kinder und Frauen? Er flüchtete besser

    und verschanzte sich gut. Die Schweden jedoch

    verfolgten wir forsch. Die Fahne der Unseren

    eine Zuflucht all jenen, die verzweifelt gewesen,

    bevor sie der König aus dem Kessel befreite.

    Mit Eisen und Esche ward Ongthow gestellt.

    Doch hob er den Ger, die Haare ergraut,

    zum letzten Gefecht. Der Fürst gab sich nicht

    in Ēfors Gewalt. Wütend erhob

    da Wulf seine Waffe. Wonredens Sohn

    traf Ongthow am Schädel – da spritzte das Blut

    aus der Wunde am Kopf. Doch die Wimper nicht zuckte

    der ältere Edle. Die Antwort war kühn

    auf den tödlichen Treffer. Wie teilte er aus,

    da wütend er raste zu Wulf nun gewandt,

    zu Wonredens Sohn, der sichtlich nicht wusste,

    wie er dem Alten antworten sollte,

    dessen hagelnde Hiebe den Helm ihm zerschnitten

    und zu Boden ihn fällten. Blutüberströmt

    fiel er auf die Heide, doch erholt er sich später,

    wie das Schicksal ’s bestimmte, so schwer er getroffen.

    Sein Bruder erschlagen! Breit war das Schwert,

    das Hygelacs Bester nun heldenhaft schwang,

    eine uralte Klinge. Schon klafften der Helm

    und die Brünne des Gegners. Nun beugt sich der König,

    der mehrfach getroffen, den tödlichen Wunden.

    Nicht wenige eilten, Wulfs Wunden zu binden,

    seine Bahre zu tragen. Gebahnt ward ein Weg,

    da die Schlacht nun gewonnen; die Walstatt war unser.

    Nun beraubte der eine den anderen Schlachtwolf;

    Ēfor nahm Ongthow die eiserne Brünne,

    dem Herrscher der Schweden das Heft seines Schwertes

    und den glänzenden Helm als Gaben für Hyglac.

    Der empfing die Geschenke und gab das Versprechen,

    dass Kühnheit und Mut mit Münzen er lohne

    in heimischer Halle; und Hrethelsohn Hyglac

    ließ sich nicht lumpen; sein Lohn war gewaltig

    für Ēfor und Wulf: Acker und Ringe

    in solch einer Menge, dass Männer und Frauen

    den Reichtum bestaunten: ihr Ruhm war verdient.

    Baugen und Broschen bot er den Brüdern

    und Ēfor dazu die einzige Tochter.

    Sein Haus ward erhöht durch Hygelacs Gunst.

    Furchtbare Geißeln sind Fehde und Feindschaft

    und die Mordwut der Menschen. Ein Gemetzel droht uns,

    wenn raubwilde Kriegsherren das Reich hier verwüsten,

    sobald sie erfahren, dass der Führer der Gauten

    sein Leben verlor. Das Land und das Gold

    schützte er einst vor schwedischen Kriegern,

    da Helden hier starben. Ihr Schildträger, Krieger:

    Er hielt das Reich vor Angriffen sicher

    und erwarb sich viel Ehre. Eile tut not –

    wir woll’n den Gebieter, der Baugen uns schenkte,

    zum Grabe begleiten. Die Gemmen und Ringe

    schmelzen mit ihm, und Spangen und Silber

    und Gold ungezählt. Bezahlt ward es teuer

    und bitter am Ende mit Beowulfs Leben –

    nun verschlingt ihn der Brand. Die Broschen des Drachen

    soll Feuer umfangen. Frauen verzichten,

    so schön sie auch seien, auf geschlagenes Gold;

    und Krieger gedenken mit Demut des Tages.

    Uns bleiben nur Wehmut und weinende Herzen,

    wenn öfters und wieder ins Elend wir gehen.

    Mit unserem Heerführer ist die Heiterkeit tot,

    der Frohsinn gestorben. Wir frieren des Morgens,

    wenn klamm liegt der Speer in kaltgrauen Händen –

    und doch schon erhoben. Die Harfe wird schweigen,

    wird Krieger nicht wecken. Wer dem Tode geweiht,

    den umkreist schon der Rabe. Er kündet laut krächzend

    dem Adler das Aas; von Atzung erzählt er

    und wie er mit Wölfen die Walstatt verwüstete.«

    Und wahr sprach der Kühne die Vision voller Weh.

    So geschah’s denn auch später. Sie strömten in Scharen,

    ihr Unheil schon ahnend, zur Anhöhe Aarness,

    mit wallenden Tränen das Wunder zu schauen.

    Sie fanden im Sand von der Seele getrennt

    und ruhend dort liegen den Ringeverteiler

    vergangener Tage. Der Gautenbeherrscher,

    ihr Lehnsherr, war nun aus dem Leben getreten,

    einen Tod dort gestorben, der des Staunens wohl wert.

    Doch sah man zuvor die fremde Gestalt

    des leblosen Lindwurms. Er lauerte noch,

    so schien es dem Volk. Schillernd und feurig,

    glänzend und glitzernd voll sengender Glut –

    vom Kopf bis zum Fuß fünfzig Fuß lang.

    Er liebte es stets, in luftigen Höhen

    wieder und wieder die Wonnen des Fliegens

    in der Nacht zu genießen, bis nieder er schwebte,

    seine Höhle zu suchen. Der Tod hat ihn sicher:

    die Kaverne war wieder ohne Bewohner.

    Stöße von Schüsseln standen herum,

    und Kelche und Krüge bei kostbaren Klingen,

    die im Schoße der Erde der Rost schon verschlang.

    Seit tausend von Jahren lagen im Thronsaal

    uralte Schätze, von mächtigen Sprüchen

    und Zaubern beschützt. Seit ewigen Zeiten

    war die Halle der Baugen den Menschen verborgen,

    das Gold ihrer Ahnen. Gott allein mochte,

    der König der Siege, es selten erlauben,

    dass ein wahrhafter Held, der würdig ihm schien,

    dem Beschützer der Menschen, den Schatz auch entdeckte.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • XLII [3058–3136]

    So wurde vereitelt der Plan jenes einen,

    der die Schätze versteckte und schändlich verbarg

    den Hort in der Höhle. Der Hüter erschlug

    bei diesem Angriff den einen der beiden,

    der furchtbar sich rächte. Ein Rätsel bleibt dennoch,

    wann denn ein Kämpe trotz seiner Kühnheit

    sein Leben beendet und länger nicht mehr

    in der Methalle feiert mit Familie und Freunden.

    So war es für Bēwulf, als nach Berg und nach Hüter,

    nach dem Drachen er suchte. Er selbst wusste nicht,

    wie sein Abschied von Erden, sein Ende aussah.

    Die ruhmreichen Fürsten verfluchten ihr Gold –

    bis zum Jüngsten Gericht reiche ihr Spruch,

    dass in Sünden verstricke und schuldig sich mache,

    dass in höllischen Feuern gefoltert der Heide,

    dass grausam bestraft, wer den Schatz an sich nehme,

    wenn er nicht zuvor den Vater geschaut,

    dessen Gnade und Gunst und Großzügigkeit.

    Nun sagte Wiglaf, Weohstans Sohn:

    »Der eine führt an, und die anderen alle

    leiden darunter. Dies Los war das unsere,

    denn der Mann, den wir liebten, ließ sich nichts sagen,

    der Hirte des Reichs auf Rat selten hörte.

    Er grüße doch nicht den Gemmenbewacher,

    soll der doch liegen, wie lang schon zuvor

    unter der Erde bis zum Ende der Welt;

    doch sein Los war dies nicht. Unser Landherr, er hielt

    am Heldentum fest. Der Hort ward gewonnen

    zu beträchtlichem Preis. Dem Prinz war bestimmt,

    auf dem Felsen zu sterben. Sein Schicksal stand fest.

    Unter dem Stein bestaunt’ ich bereits

    die Schätze des Wurms. Der Zoll war gewaltig,

    der den Einlass mir kaufte, das offene Tor

    unter die Erde. In Eile ergriff ich,

    was tragen ich konnte und teuer mir schien.

    Ich brachte den Hort zu Beowulf hin,

    der verwundet hier lag. Er war noch am Leben,

    bei Bewusstsein und Sinnen. Der Worte so viel

    und schwer war sein Herz. Er hieß mich euch grüßen

    und bat uns errichten ein riesiges Bauwerk,

    und über das Holz einen Hügel zu türmen,

    der das Land überragte wie sein Ruhm, da er lebte,

    als unter den Menschen über Metsitz und Gold

    keiner so weise zu walten vermochte.

    Ein weiteres Mal woll’n wir uns weiden

    am Anblick des Schatzes. Die Steine verbergen,

    das Gewölbe, ein Wunder. Ich weise den Weg

    und rate euch, kommt und berauscht eure Herzen

    an Ringen und Rotgold. Doch bereitet noch rasch

    eine würdige Bahre. Sobald wir hier draußen,

    wollen wir tragen den Thronerben Gautlands,

    den Leichnam des Lieben. Lange wird er

    in der Wehrburg des Herrn, des Waltenden, sein.«

    Nun gebot und erließ Beowulfs Freund,

    der Haudegen Wiglaf, dass nicht wenige Helden,

    auch Häupter der Höfe, das Holz für den Haufen

    von fern her beschafften. Wer im Volke verehrt,

    der diente nun Bēwulf: »Der Brand soll verzehren

    den Stolzen und Edlen. Schwarz wächst die Glut

    um den, der stets stand im Schauer von Eisen,

    den Geschossen der Bögen. Er trotzte den Schüssen,

    die vorbei an den Schilden die Brünnen zerstörten,

    die fliegenden Spitzen, die von Federn geführten.«

    Der Verwandte des Bēwulf wählte mit Umsicht

    und bestimmte nun klug aus der Schar seines Königs

    der Tapfersten sieben – er selbst war der achte

    jener Gefährten –, denn verflucht war die Höhle,

    die erkunden man wollte. Der Kühnste von ihnen

    trug eine Fackel und führte sie an.

    Man zog keine Halme, wer den Hort plündern sollte,

    da all das Geschmeide unbewacht lag.

    Die Männer bestaunten das geschlagene Gold,

    das verblich und verging: Baugen und Gemmen

    und teuerste Schätze trug man hinaus,

    so schnell man nur konnte. Sie schoben und wälzten

    über die Klippe in kühldunkle Wellen

    den Drachen hinab. Dort sollt’ er schlafen,

    der funkelnde Wurm, von Fluten umfangen.

    Das gewundene Gold ward auf Wägen geladen –

    ungezählt alles. Die Edelinge trugen

    den weißhaar’gen König zum Walkap bei Hronesness.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • XLIII [3137–3182]

    Da häuften die Gauten Garben von Holz

    zu geschichtetem Stoß: bescheiden war’s nicht.

    Sie schmückten das Holz mit Schilden und Helmen

    und glänzenden Brünnen. Seine Bitte erfüllt.

    Sie legten zumitten den geliebten Gebieter,

    den Ruhmträger hehr, die Helden untröstlich.

    Ein gewaltiges Feuer entfachten die Krieger

    auf jenem Hügel. Holzrauch stieg auf:

    schwarz über Flammen. Still ward der Wind,

    und Lohe und Tränen tönten gemeinsam;

    die Gebeine des Toten brach nun der Brand,

    heiß auf der Brust. Es hob sich Gesang,

    Trauer und Wehklag’, um den Tod ihres Lehnsherrn.

    Voll Jammer und Grauen eine gautische Frau;

    aufgelöst wehten ihre Locken im Wind;

    wieder und wieder sang sie voller Sorgen,

    dass Heergang und Raubzug die Ruhe ihr nahmen;

    dass zahllos die Schlachten, da Scharen in Angst

    verschleppt und geschändet. Himmel schluckt Rauch.

    Nun errichten die Gauten ragende Steine

    und zimmern aus Holz – hoch ist’s und breit –

    eine Stätte am Meer: für Schiffer zu See

    und Wanderer zu Land von weitem zu sehen.

    Der Landmarken größte ist das Grab dieses Königs,

    erbaut in zehn Tagen. Verbrannt ward der Leichnam,

    und ein stattlicher Erdwall ihm geschüttet zur Ehre:

    nach dem Ratschlag der Weisen würdig bestattet.

    Man gab ihm ins Grab an Gemmen und Gold,

    an Kunst und an Schätzen, was Krieger und Kämpen

    zuvor aus dem Hort hochgeholt hatten.

    So sollte die Erde die Erbstücke haben,

    das Gold unter Grund. Gras wächst darauf.

    Der Mensch hatte niemals Nutzen davon.

    Um Hügel und Grab die Heerfreunde ritten,

    die Söhne von Edlen, insgesamt zwölf.

    Ihr Lied voller Kummer und laut ihre Klage,

    da Trauer sie trugen und trostlos sie weinten,

    als die Taten des Prinzen sie rühmten und priesen.

    Sein Sinn war so heldisch, der Herrscher so mutig,

    die Tapferen fanden nicht Fehl oder Tadel.

    Seinen Herren und Freund, den von Herzen man liebt,

    soll mit Versen man ehren, wenn fort er denn muss,

    und aus seinem Leichnam er die Erde verlässt.

    So beklagten die Waisen das Weh ihrer Zeit,

    den Tod ihres Fürsten. Die Freunde am Feuer,

    sie sagten, er wäre ein wahrhafter Held,

    ein König auf Erden, und von allen der Beste:

    gerecht und auch freigebig, freundlich und gütig

    und zu ewigem Ruhm immer bereit.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

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