Aberglaube: Analogiezauber

Schon gewusst…?

Forn Siðr


Eine Bezeichnung für die alte heidnische Religion, die oftmals synonym für Ásatrú benutzt wird, ist Forn Siðr, ein altnordischer Begriff, der so viel wie „alte Sitte“ bedeutet (dt. auch Firne Sitte). Er setzt sich zusammen aus altnordisch forn „alt“ und siðr „Sitte“. Der Terminus Forn Siðr und Varianten wie forn landsiður „alte Landsitte“ oder fornri siðvenju „alter Sittenbrauch“ finden sich in einer Reihe von Sagas, so in der Färingersaga, der Saga Magnús konungs Erlingssonar, der Saga Ólafs hins helga oder der Skjöldunga saga.

  • 1. Begriffsbestimmung. Unter Analogiezauber soll hier der Zauber verstanden werden, bei welchem durch eine vom Subjekt, etwa dem Zauberer, vorgenommene Darstellung die tatsächliche Erreichung des Dargestellten beabsichtigt wird, wobei Darstellung und erwartete Wirklichkeit in ihrer Erscheinung parallel miteinander gehen und in einem magischen Zusammenhang stehend gedacht werden. Eine solche Darstellung kann, wie jede Darstellung, durch viererlei Mittel oder Ausdrucksmöglichkeiten geschehen:


    A. Durch das gesprochene Wort, durch eine Erzählung;

    B. durch das geschriebene Wort, d.h. die Erzählung wird aufgeschrieben;

    C. durch bildliche Darstellung, Bild, Zeichnung usw.;

    D. durch eine mimische Handlung.


    Danach kann man also je nach dem Mittel der Darstellung vier Arten von Analogiezauber unterscheiden: Analogie-Wortzauber, Analogie-Schriftzauber, Analogie-Bildzauber, Analogie-Handlungszauber.


    Das Wesentliche am Analogiezauber ist also die begriffliche (mündliche oder schriftliche) oder bildliche oder mimische Darstellung, ausgeführt durch das Subjekt, das einen der Darstellung analogen wirklichen Vorgang zu bewirken sucht. Wo eine solche Darstellung fehlt, möchte ich von einem eigentlichen Analogiezauber nicht reden, zum Unterschied von andern Forschern, die den Begriff Analogiezauber weiter fassen. Der Zauber- und Heilbrauch, z.B. similia similibus, bei welchem eine Krankheit durch ein Heilmittel geheilt oder eine andere Wirkung durch ein Mittel hervorgebracht wird, das durch irgendeine Eigenschaft in Beziehung zur Krankheit oder zur beabsichtigten Wirkung steht (etwa: Donnerkeil hilft gegen Blitz; gelbes Johanniskraut heilt Gelbsucht; Auge einer Katze heilt kranke Augen; Körner des Stechapfels gegen Seitenstechen angewandt; Ähnliches z.B. von Paracelsus1) empfohlen), fällt nicht unter den Begriff Analogiezauber in unserem Sinne und wird unter dem Stichwort Similia similibus besprochen. Dieser Gedankengang begegnet auch beim Gebrauch von Amuletten: Der Eskimo näht ein Stückchen des Herdsteins in die Kleider und hofft dadurch auf langes Leben und Stärke im Unglück, da es Generationen hindurch dem Feuer widerstanden hat, und seine Frau trägt den Kopf eines Vogels bei sich, der kleine Eier legt, um nicht zu große Kinder zu gebären2). Ebensowenig ist Analogiezauber im engeren Sinn die in vielen Berichten mit dem Motiv ὁ τρώσας καὶ ἰάσεται wiederkehrende Erscheinung, wobei das, was den Schaden verursacht hat, ihn auch heilt. Und ebenso hat nur entfernte Verwandtschaft mit dem Analogiezauber die geglaubte magische Verbindung einer unabhängig vom Zauberer oder wünschenden Subjekt vorhandenen Erscheinung mit dem Erstrebten, da hier die zum Begriff des Analogiezauber notwendige, vom Subjekt selbst vorgenommene Darstellung fehlt; also etwa: Warzen soll man bei abnehmendem Mond (s.d.) besprechen, damit sie abnehmen3), oder Bohnen soll man stecken, wenn viele Leute zum Markte gehen, damit es viele Bohnen werden4). Sowie aber eine solche Erscheinung vom Zauberer auch nur begrifflich dargestellt wird, ist es ein Analogiezauber, wenn etwa im Zauberspruch vom Abnehmen des Mondes erzählt wird5). Also die irgendwie (auf eine der vier genannten Weisen) gegebene Darstellung gehört notwendig zum Analogiezauber, wie wir ihn hier fassen. Eine weitere Erscheinung, die man ebenfalls gelegentlich unter Analogiezauber begreift, s. unter Etymologie; anderes unter Sympathie. Auch Weissagungen und Deutungen von Zeichen beruhen häufig auf der Schlußfolgerung aus ähnlichen Erscheinungen. Beispiele: Weibspersonen, die beim Waschen nasse Schürzen bekommen, kriegen einst einen Säufer zum Mann6). Wenn das Herzle(in) der Pflanze weiß ist, stirbt jemand im Haus7). Wenn das Feuer im Ofen pratzelt, entsteht Zank im Haus8) u.a.m.



    2. Mittel des Analogiezaubers; Beispiele9). Diese vier Arten des Analogiezauber sollen zunächst durch Beispiele belegt werden, eine Auswahl aus dem ungeheuern Material, das alle Zeiten und alle Völker bieten.


    A. und B. Analogie-Wort- u. Schriftzauber.

    Der durch das gesprochene Wort, eine Erzählung (Historiola nach Heim10) benannt), hervorgerufene Analogiezauber: Es wird eine Geschichte im Zauberspruch erzählt, und analog soll das Gewünschte geschehen. Belege hierzu bieten die Zaubersprüche in Masse. Schreibt man diese Geschichte oder diesen Zauberspruch auf, so hat man ein Amulett oder einen wunderkräftigen Zettel, der das gleiche hervorruft. Im 2. Merseburger Zauberspruch (s.d.) wird erzählt, wie Balders Fohlen seinen Fuß verrenkte und dann geheilt wird: so hilft auch der Spruch mit dieser Erzählung gegen ähnlichen Schaden. Dieser Spruch war in unendlich vielen Abwandlungen im Gebrauch11). Oder der sog. Jordansegen12), der in einfachster Form etwa lautet: Blut, steh' still, wie das Wasser im Jordan still stand; es ist eine Sympathie (s.d.) zwischen Gleichnis und Wirklichkeit. Solche einfachen Gleichnisse begegnen oft in Zaubersprüchen, z.B. »Blatter fall' aus dem Aug' / Wie der Regen aus der Trauf«13). Oder: In der Ilias wird geschildert, wie der verwundete Diomedes von Athena geheilt wird; Dunkelheit hat schon seine Augen umfangen. Da erfüllt ihn die Göttin mit neuem Leben und sagt zu ihm: »Auch das Dunkel nahm ich den Augen dir, welches sie deckte, daß du wohl erkennest den Gott und den sterblichen Menschen.« Diese Verse werden in späterer Zeit als Zauberspruch für Augenkranke benützt14). In vielen Fällen wird die Erzählung des Zauberspruchs dem Mythus oder der religiösen Legende entnommen, etwa aus dem homerischen Epos oder dem Alten oder Neuen Testament15). So sind auch die ägyptischen Mythen von Anubis16), der von einem Skorpion gestochen und von Isis geheilt wird, und von Horus17), den Thot heilt, im Zaubersegen verwendet worden. Oder: Will die Bauersfrau in Bretten (Baden) viele junge Hühnchen und wenig Hähnchen bekommen, so sagt sie zur Henne, die sie auf die Eier setzt: »Es geht a Hochzich in d'Kerch, 'senn lauter Weibsleut un numma a Mann«18). Oder um einer Kuh das geschwollene Euter zu heilen: »De Hisch un Hasch / die geh'n über'n Bach / un nemme de Kuh / 's g'schwollene Euter ab«19). In jeder Sammlung von Zauberformeln (s.d.) finden sich solche Beispiele20). Erwähnt sei noch der Gichtzettel21), in dessen Text die Geschichte von Gicht und Gichtin erzählt wird, die über Land gehen und dabei Christus begegnen; er fragt sie, wohin sie gehen wollen; sie antworten: zu den Menschen. Christus verbietet ihnen das und bannt sie in den wilden Wald. »Das sei dir, N.N., zu Buß gezählt. Im Namen usw.«


  • C. Der Analogiebildzauber.

    Man braucht eine Geschichte nicht durch Worte zu erzählen oder durch Buchstaben aufzuzeichnen, sondern kann sie auch durch ein gezeichnetes, gemaltes, geschnitztes usw., mehr oder minder deutlich ausgeführtes oder auch nur andeutendes Bild darstellen. Durch ein solches Bild erhält der damit versehene Gegenstand, auch wenn es nur ein Stück Papier ist, die Kraft eines Amuletts oder Fetischs, vorausgesetzt, daß das Bild eine wirkende Kraft enthält. Ein solches Bild kann lediglich Kraft zufügend, d.h. heiligend, weihend, sakramental, kräftigend wirken (z.B. in Altkreta das Bild der Doppelaxt, bei den Germanen der Hammer), oder es kann apotropäisch wirken (z.B. abgebildete Hörner, schreckhafte Masken) - über diese beiden Erscheinungen s.u. Bild u. Bildzauber - oder es kann einen Analogiezauber hervorrufen: dies letztere, wenn das Bild einen Vorgang darstellt, der analog dem gewünschten ist. Diesem Zweck verdankt wahrscheinlich ein Teil der aus der Steinzeit stammenden, an die Höhlenwände in Südfrankreich und Spanien gemalten Bilder ihr Dasein, insbesondere soweit sie Jagdszenen darstellen, und dasselbe ist bei den Buschmannszeichnungen neueren Datums der Fall22): Wie aus Südafrika auf dem Bild das Tier vom Jäger erlegt wird, so soll auch in Wirklichkeit ihm das Jagdglück hold sein. So ist auch die in der hellenistischen und römischen Kunst öfters sich findende Darstellung zu erklären: Horus, der auf den Köpfen zweier Krokodile steht oder mit der Lanze ein Krokodil erlegt23). Auch die Darstellung des heiligen Georg, der mit dem Drachen kämpft, ist hier zu nennen, eine Legende, die doch wohl irgendwie mit dem Mythus von Horus zusammenhängt24). Derartige Bilder, ursprünglich als Analogiezauber gedacht, können dann auch als apotropäisch wirkende Talismane (s.d.) aufgestellt werden, auf jeden Fall sind sie, eben durch die bildliche Darstellung, orendistische Gegenstände. Hierher gehören auch die spätantiken Amulette25), die etwa Salomon oder einen Engel darstellen, der eine weibliche Gestalt mit einem Speer durchbohrt; dabei die Inschrift, etwa: φεῦγε, μεμισημένη, Σαλομῶν σε διώκει. - Moderner Jagdzauber aus Schwaben26): »Bei dem Bannen des Wildes verfährt man also: Man macht aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt; im Gießen und Stechen spricht man: Durch dieses Bild binde ich alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse usw. Wenn nun der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: Durch dieses Bild binde ich alles Wild usw. Hierauf werden beide Bilder so zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und dann festgebunden und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen, als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.« Als Analogiezauber sollte wohl auch das Bild dienen (den Kopf eines Gendarmen darstellend, umgeben von vier Messern, die auf ihn zugerichtet sind), das Zigeuner einige Tage vor der von ihnen ausgeführten Ermordung des Betreffenden auf eine halbverfallene Mauer zeichneten27), Altgermanische und altgriechische Amulette stellen einen durch einen Vogel oder einen Menschen gefangenen Fisch dar und dienten als Fischfangzauber28). Eine Art von Analogiebildzauber stellen auch diejenigen Zauberzettel dar, die ein Zauberwort durch Weglassen immer des letzten Buchstabens so oft wiederholen, bis nur ein Buchstabe noch übrig bleibt; z.B.


    Abraham Julita

    Abraham Julit

    Abraham Juli


    usw. Wie das Wort abnimmt, so soll das Fieber zurückgehen. Der Analogiezauber wird hier noch verstärkt durch das beigezeichnete Bild des Krebses, des rückwärts gehenden Tieres29). S. auch Artikel Tätowieren. Nicht zu verwechseln mit diesem Analogiezauber-bildzauber ist der gleich zu besprechende Analogiezauber, der durch Behandlung eines Bildes ausgeübt wird, wobei also das Bild in einer Zauberhandlung das Medium darstellt.



    D. Der Analogiehandlungszauber.

    Durch eine mimische Darstellung oder Handlung wird das parallel damit Gehende, was wirklich sich ereignen soll, hervorgerufen. Bei dieser Gruppe können wir wieder zwei Arten unterscheiden: Entweder ist die Darstellung eine einfache parallele, mehr oder minder deutliche oder auch nur einige wesentliche Punkte hervorhebende Nachahmung, oder aber durch ein Medium kommt eine Verbindung zwischen mimischer Darstellung und Wirklichkeit zustande; das Medium gehört der Wirklichkeit an und wird in der Darstellung benützt; es kann sich dabei um ein Bild, um ein Kleidungsstück, Teil einer Person, um Namen oder auch nur Schatten handeln.

    Beispiele für die einfache parallele Darstellung. Hier handelt es sich um Körperbewegungen, Tänze, mimische Handlungen: Hierher gehören die Jagd- und Fischtänze der Primitiven, Büffeltänze der Indianer, Känguruhtänze in Australien u.a.m., der Regenzauber in einem altmexikanischen Fest30). In ersterem Falle ahmen die Indianer, als Büffel verkleidet (s. Maske), die Bewegungen dieser Tiere nach, und andere Indianer schießen mit stumpfen Pfeilen auf sie. Also, was auf den prähistorischen Höhlenbildern und nach der schwäbischen Vorschrift bildlich dargestellt wird, wird hier mimisch vorgeführt: immer zum gleichen Zweck des Analogiezauber Auch die alten Griechen kannten solche δρώμενα31), die auch zu beachten sind, wenn man nach der Entstehung des griechischen Dramas fragt32). Etwa der Regenzauber in Arkadien, wobei bei anhaltender Dürre die Oberfläche einer Quelle unter Gebeten vom Priester mit einem Eichenzweig gerührt wurde33), oder in Rom das Fest der Robigalia34), bei dem eine Hündin getötet wurde: Wie sie getötet wird, so soll der schädigende Rost des Getreides vernichtet werden. Ähnlicher Analogiezauber auch bei den Hethitern und sonst nachgewiesen35). Auch von deutschen Gebräuchen gehören unzählige hierher: die Begattung auf dem Feld (Heilige Hochzeit, Fruchtbarkeitszauber)36); das Feuerrad, das, an Fastnacht angezündet, den Berg herabgerollt wird37) (Sonnenzauber; er wird auf den schwedischen Felszeichnungen der Bronzezeit38) durch eine bildliche Darstellung bewirkt); der Brauch mit dem Pfingstlümmel (s.d.) und andere Arten des Regenzaubers (s.d. u. Anm. 33); das Werfen des süßen Rahms in den Nidelnächten (s.d.) u.a.m. Noch ein paar Einzelheiten: Beim Säen des Flachses soll man den Beutel oder das Säetuch recht hoch in die Luft werfen, damit der Flachs hoch wächst39). In Anhalt steckt man, bevor man mit der Aussaat beginnt, einen möglichst langen Holunderstock in alle vier Ecken des Flachsfeldes, umtanzt ihn und ruft: So lang sollst du werden40). In Württemberg soll sein Wachsen dadurch gefördert werden, daß man an Fastnacht das Spinnrad hoch oben unter das Dach schiebt41) oder daß man mit entsprechenden Liedern (z.B. Flix, Flax, daß mein Flachs über vier Ela wachs) möglichst hoch durch das Johannisfeuer springt42).

    In Schlesien sollen die Kleidungsstücke, die das Kind bei der Taufe getragen hat, an einer hochgelegenen Stelle im Hause aufbewahrt werden, damit das Kind später im Leben zu einer hohen Lebensstellung gelangt43). Aus Böhmen, wenn ein Bursche ein Mädchen verläßt und eine andere heiratet: Dann nimmt wohl die Verlassene, während der Bursche mit der andern in der Kirche bei der Trauung ist, einen Hund, eine Katze und eine Henne und sperrt alle drei in eine Stube ein. Das neue Ehepaar wird sich dann ebenso zanken, wie sich Hund, Katze und Henne in der Stube während ihrer Trauung raufen44). Auch in kleineren Handlungen tritt dieser Analogiezauber oft zutage: Wird im Tale der Kleinen Vils der Gevatter zur Taufe gebeten, so zieht er eiligst den Gevatterrock an; dies muß schnell geschehen, damit der Neugeborene recht flink werde45). Oder: Wird die Aussteuer der Braut in das neue Heim gefahren, so darf der Knecht, der den Wagen fährt, nicht mit der Peitsche schnalzen, da sonst die Braut im Ehestand Hiebe bekäme46). Vor allem auch im Heilzauber spielt die analoge Handlung eine Rolle: Um einen Beinbruch zu heilen, umwickelt man ein vorher zerbrochenes Stuhlbein und stellt den Stuhl in die Ecke47).


    Oft wird auch ohne Willen des Handelnden ein Analogiezauber durch eine Handlung oder einen Vorgang hervorgerufen: Wenn man eine Weide zum Holzbinden in einem Stalle dreht, darin Hühner, Gänse, Enten brüten, bekommen die Jungen krumme Hälse48). Wenn beim erstmaligen Baden des Kindes die Badewanne rinnt, wird das Kind ein Bettnässer49).


  • Die zweite Art des Analogie handlungszaubers ist die mimische Darstellung, bei der man sich eines Mediums bedient, das eine Verbindung mit der Wirklichkeit herstellt. Dies Medium kann etwa ein Bild sein, das eine Person darstellt. Mit dem Bild werden Handlungen vorgenommen, durch die man analog die Person selbst beeinflußt. Dieser Bildzauber (s.d. und den Art. Atzmann) wird vor allem zum Liebes- und Schadenzauber gebraucht. Aber auch ein Kleidungsstück der betr. Person, ein Stück ihres Eigentums, ein Teil ihres Körpers (Haare, Nägel, Schweiß in einem Lappen) kann als Objekt dienen, mit dem, ebenfalls zu beiden Zwecken, die Zauberhandlung vorgenommen wird. Der Zauberer in Australien tötet dadurch einen Menschen, daß er ein Stückchen seiner Kleidung mit Leichenfett am Feuer röstet50). Nach deutschem Aberglauben bearbeitet man den Rock eines Menschen mit Haselruten und glaubt, daß die betreffende Person unsichtbare Hiebe verspürt. Es braucht nicht einmal der Rock jenes Menschen selbst zu sein; es genügt ein beliebiger Rock, über welchen man den Namen des betr. Menschen ausspricht51). Damit im Zusammenhang steht auch der verbreitete Glaube, daß, wenn das Kleidungsstück eines Lebenden in einen Sarg mit eingeschlossen wird, er dahinsiecht, so wie das Stück im Grabe verfault52). Der Glaube, daß man mit Haaren, Nägeln usw. einen Analogiezauber ausführen kann, ist seit Apuleius in mancher Erzählung, auch humoristisch, verwertet53). Schließlich kann man auch mit dem Namen (s.d.) einer Person, auch mit ihrem Schatten (s.d.), einen Analogiezauber ausführen. Auch das Tritt- oder Stapfenstechen, d.h. das Zaubern mit der Fußspur (s.d.), gehört hierher. Oder: Hat eine Hexe durch ihre Künste einer Kuh die Milch ausgemolken, so muß man bald hernach die Kuh noch einmal melken. Diese Milch setzt man aufs Feuer und schlägt dann mit einem Stock drein, bis das letzte Tröpflein aus dem Gefäß weg ist; je mehr man zuhaut, desto besser. Jeden Schlag bekommt die Hexe vom Teufel auf den Rücken54).



    3. Zweck. Der Zweck des Analogiezauber kann nach vorstehenden Beispielen ein mannigfaltiger sein. Er kann sich an Personen richten als Liebes-, Heil- und Schadenzauber, gegen Tiere als Jagdzauber, und schließlich kann er Fruchtbarkeits-, Wachstums- und Wetterzauber sein; s. die Einzelartikel.

    Zur Erklärung s. noch W. Stern Die Analogie im volkstümlichen Denken 1893; Dieterich Mutter Erde 99; Preuß ARw. 9, 97; 13, 416. 434; Bohnenberger 106 ff. (S.-Analogiezauber 16 ff.).


    Pfister.



    [Lexikon: Analogiezauber. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, S. 1028

    (vgl. HWA Bd. 1, S. 385 ff.)]