Sind die Götter überall gleich präsent?

Schon gewusst…?

Die Dächer ihrer Häuser deckten die Wikinger für eine effektive Wärmedämmung mit Grassoden.
Im Inneren des Hauses brannte immer ein offenes Feuer. Rundherum bauten die Wikinger Bänke, die Schlaf- und Sitzplätze für die gesamte Familie boten.

  • Hallöchen!


    Mir ist nach meinem letzten Besuch in der Heimat ein Gedanke gekommen, den ich gerne mal diskutieren würde. Ich bin für mein Studium von Sachsen nach Baden-Württemberg gezogen und bin natürlich auch in den hiesigen Wäldern unterwegs gewesen. Allerdings empfinde ich hier ein ganz anderes Gefühl, also ein viel schwächeres, nennen wir es mal "Rufen", als in meiner Heimat. Als ich also wieder daheim war, ging ich dort in den Wald, besuchte die üblichen Orte und fühlte das übliche "Ziehen", also das Verlangen, zu beten und opfern, was ich hier in BW eigentlich kaum spüre. Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Götter vielleicht unterschiedlich präsent sind, dass es möglicherweise Orte gibt, an denen man sich ihnen näher fühlt, als an anderen. Oder vielleicht haben hier auch andere Götter eine stärkere Präsenz als im Osten?

    Natürlich könnte man auch einfach sagen, dass mir meine Heimat einfach vertrauter ist und ich dadurch, dass ich dort schon oft geopfert habe, religiöse Erinnerungen mit den Wäldern verbinde und deswegen dieser Eindruck von "Leere"in den süddeutschen Wäldern entsteht.

    Was denkt die werte Heidenheim darüber? Kennt ihr dieses Gefühl? Beschränkt sich der Wirkungsbereich der Götter auf gewisse Gegenden?


    Liebe Grüße,

    Harald:P

    "Egal was passiert, du darfst niemals so tief sinken,

    den Kakao durch den sie dich ziehen, auch noch zu trinken!" :D

  • Ich würde das den Waldgeistern zuschreiben. ^^

    Und im Grunde ist das dann auch ein Teil von Heimatverbundenheit, weil man eben mit den Geistern bestimmter Orte besser auskommt. Sei es weil man sich besser kennt, oder weil man sich sympathischer ist.


    Bei mir gibt es zwei Wälder die durch eine Landstraße getrennt werden. Da diese Landstraße die Grenze zwischen zwei Jagdrevieren bildet und mein Vater in dem Revier jenseits der Landstraße aktiv war, habe ich als Kind sehr viel mehr Zeit dort verbracht. Dennoch hat mich der Wald diesseits der Landstraße immer mehr gerufen, was sich möglicherweise auch durch die Funde von Abwurfstangen, Romilan-Federn, Begegnungen mit seltsam zutraulichen Tieren etc. gezeigt hat. ^^

  • Hallöle!


    Ich schließe mich dem Ulfberth an und tippe Mal ganz stark auf Heimatverbundenheit. Du spürst da in Sachsen quasi Deine Laren, wobei es tatsächlich wohl eher die Waldschrate sind.


    Ich erlaube mir die Vorstellung, die großen Gottheiten seien überall mehr oder minder dieselben, über Baden-Würtemberg fährt meines Erachtens weder eine andere Sonnengöttin noch ein anderer Donnergott durch die Lüfte als in Sachsen. Mag sein, dass die Ostsee von einer anderen Gottheit regiert wird als die Nordsee oder das Mittelmeer... und die verschiedenen Seen und Flüsse und Bäche und Felsen und Grotten und Bäume haben ja sicherlich auch ihre eigenen Gottheiten...


    Hast du keinen Taschengott? Mit einem Taschengott passieren solche Ratlosigkeiten womöglich weniger. :-)

  • Ich glaube auch, dass ueberall die selben Goetter taetig sind, vielleicht in verschiedenen Ausmaßen (auf der See, in den Bergen, etc.) oder unter anderen Namen.


    Mach dich mit dem Neuen vertraut, nehme wahr wie die Natur dort funktioniert. Lass dich drauf ein, dann kommt ein Verbundenheitsgefuehl vielleicht automatisch. Wenn nicht, dann will man dich vielleicht nicht dort. Wer auch immer: ein Gott, ein Wesen, du selbst....

  • Ja, es sind überall dieselben Gottheiten, die unter unterschiedlichen Namen für die jeweiligen Kulturen auftreten um so die Vielfalt des Lebens auf der Erde zu ermöglichen.

    Das geht sogar über den Begriff Gottheit hinaus.


    Einmal (Sommersonnenwende 2018) da tauchte ich vollständig mit meinem Bewusstsein kurz in einer höheren Welt ein oder besser gesagt wurde dort hingezogen.

    Ich unterhielt mich und verbrachte ein wenig Zeit mit mehreren unglaublich schönen Göttinnen dort, am Ende sprach ich mit einer die Schwarze Haare hatte, während wir ein Stück eine unbeschreiblich schöne Umgebung entlang gingen und ich sagte "Wenn ich später von euch Göttinnen erzählen werde, dann wird das sicher einigen nicht gefallen.", darauf antwortete sie gelassen "Die einen nennen uns Göttinnen, die anderen Erzengel, es ist dasselbe."


    Zitat von Havald

    Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob die Götter vielleicht unterschiedlich präsent sind, dass es möglicherweise Orte gibt, an denen man sich ihnen näher fühlt, als an anderen. Oder vielleicht haben hier auch andere Götter eine stärkere Präsenz als im Osten?


    Nein, die Götter sind überall gleich präsent.

    Was sich verändert ist deine Empfindlichkeit sie zu spüren.

    Das kann natürlich einmal, wie schon erwähnt das Heimatgefühl sein, aber es ist noch mehr im Spiel.


    Es gibt Orte mit besonderer Wirkung auf unser Menschliches Bewusstsein, die entweder doch Spirituelle Rituale besonders hoch schwingen oder aber von Natur aus außergewöhnlich stark schwingen.

    Das sind dann Orte die aufgrund geologischer Eigenschaften im Boden über ein messbares, sogenanntes "Elektromagnetisches Feld" verfügen.

    Solche Felder erweitern das menschliche Bewusstsein enorm in Richtung der Anderswelten, denn was sie tun ist es den Menschen vom Erdmagnetfeld ein Stück weit abzuschirmen, was ihm andere Realitäten leichter zugänglich macht, da das gesamte menschliche Sein auf das Erdmagnetfeld ausgerichtet ist.

    Entzieht man ihm dieses, driftet das Bewusstsein in andere Welten ab, Raumschiffe etwa benötigen deshalb ein künstliches Erdmagnetfeld.


    An solchen Orten wurden häufig Heilige Kultplätze errichtet oder aber auch Tempel und Kirchen, sowie Schlößer und Burgen, dessen Standorte von feinfühligen Menschen aufgespürt wurden.

    Deshalb spukt es auch so oft an eben solchen Orten, da man die Anderswelten, sowohl die höheren als auch die niederen an diesen deutlich besser wahrnehmen kann. Das hat also nicht nur mit der Vorgeschichte des Ortes zu tun, sondern vor allem seinem Elektromagnetischem Feld, denn die haben es wirklich in sich.

  • Ja, es sind überall dieselben Gottheiten, die unter unterschiedlichen Namen für die jeweiligen Kulturen auftreten um so die Vielfalt des Lebens auf der Erde zu ermöglichen.


    Nein, die Götter sind überall gleich präsent.

    Folglich wäre der von der Heidenheit so verhasste Obergott Palästinas niemand anders als der Graue Wanderer.

    Ich war vor Jahrzehnten mal in der Gegend und hab festgestellt, dass allein aufgrund der geographischen Gegebenheiten unsere Göttergeschichten, die Sagas, die Edda und das Drumherum nur sehr schwer umsetzbar sind. Für mich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieser Jahwe dort tatsächlich seine Legitimation haben mag, ja, sogar, dass die Geschichten, die man sich um ihn erzählt und die in einem fetten Buch niedergeschrieben stimmig sein mögen.

    Aber dass ich weder mit ihm, noch seinem Land und den Leuten, die da wohnen, klarkomme. Meine Götter sind zwar auch dort, aber lang nicht so stark manifestiert wie in nördlichen Gefilden.


    Das ist meine subjektive Mainung, ohne irgendeinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

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    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • Meiner Erfahrung nach gibt es Götter- reviere.

    Der heilige Platz von Triglav zu dem ich eingeladen wurde war mit keinem nordischen Gott vergleichbar.

    Auch Svantevit ist mir dem angeblich gleichen südeuropäischen Gott auf dem Veitsberg in Franken nicht zu vergleichen.

    Der Ruf an Odin kam als Antwort ganz anders rüber.

    Aber nur meine subjektive Erfahrung.

    Wer das gleichsetzt ,für den ist jeder Schmied nur ein Schmied.

    Aber es gibt Schmied Johann , Schmidt Steffen , Schmied Hagen.....

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Da ich meine Gebete und Blots größtenteils zuhause in meiner Wohnung verrichte, fehlt mir hier die praktische Erfahrung.


    Ich glaube aber dass einige Götter überregional sind (z.B. Wodan, Donar, Frigg, Loki) andere eher ortsgebunden bzw. vorherrschend zu bestimmten Gegenden gehören (z.B. Njörd, Skadi, Widar).

    Ist aber wie schon gesagt reine Theorie, keine praktische Erfahrung!

  • Kendra

    Für mich wuerde der Schmied ueberall gleich heißen, jedoch waere sein Gebaren, seine Stimme, seine Sprache, seine Gestalt oder wasauchimmer verschieden.


    Wuerde ich wohl nicht genau hier leben, waere ich auch anders gekleidet, aufgrund des Wetters, wuerde mich anders benehmen, aufgrund des Umfelds... usw. Ich wuerde mich wohl moeglich selbst nicht wiedererkennen und doch waere ich, immer noch ich.


    Wenn ich jetzt den Schmied, welcher hier lebt und den ich relativ gut kenne, woanders begegne, wuerde ich ihn wohl nicht gleich wiedererkennen. Nach einigen gewechselten Worten, wuerde das dann wohl anders aussehen...


    Das ist meine Vorstellung von den Goettern, aber wer bin ich die Goetter zu beschreiben?

  • Danke für die interessanten Antworten!

    Der Gedanke zu den Landgeistern ist wirklich sehr einleuchtend. Natürlich müssen sie in ihrer Art ganz anders sein, als die, die mir bisher vertraut sind. Wahrscheinlich muss ich mir einfach ein wenig Zeit nehmen, sie kennen zulernen. Feindlich scheinen sie mir bisher nicht zu sein. Nur etwas kühl vielleicht. Aber das lässt sich ja sicherlich ändern. ^^

    Womit ich irgendwie nicht ganz übereinstimme, ist zu behaupten, dass die Götter überall die gleichen sind. Rituale und Kultpraktiken unterscheiden sich von Volk zu Volk, von daher gehe ich auch davon aus, dass die Götter in den Regionen unterschiedliche sind.

    Momentan beschäftige ich mich für eine Hausarbeit mit einer chinesischen Ahnenverehrungstradition. Was man da zu lesen bekommt zeigt relativ klar, dass die Völker unterschiedliche Vorstellungen von ihren Göttern und dem Umgang mit ihnen haben. Ich glaube nicht, dass der graue Wanderer von einem in China üblichen Opfer begeistert wäre.

    Wenn ich mich nicht irre war dieses Gebiet hier ursprünglich keltisch besiedelt. Möglicherweise sind die nordischen Götter soweit im Süden deswegen "schwächer".

    Gescheiterte Ostexistenz einen Taschengott sollte ich mir vielleicht wirklich zulegen. :/

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  • Es ist das Bewusstsein das dasselbe ist, jenes göttliches wandelt sich von Kultur zu Kultur so stark, das es nicht sofort wiederzuerkennen ist, da es sich an die entsprechende Region anpasst.

    Ähnlich wie ein Schauspieler der eine andere Rolle in einem anderen Film annimmt.


    Ich bin z.b. auch überhaupt nicht sicher ob Freyja und Ishtar ein und dasselbe Bewusstsein ist, obwohl ich beiden schon mehrfach begegnet bin und beide sehr ähnlich aber doch immer irgendwie komplett unterschiedlich sind.


    Diese Frage ist wohl nicht endgültig für uns zu beantworten.

  • @Ulfberth Es ist üblich Verstorbenen, Ahnen, Gottheiten und Geistern Gegenstände aus Papier und besonders Geistergeld (mingbi 冥幣) zu opfern. Zugrunde liegt die Vorstellung, dass Geister genau wie lebendige Menschen Nahrung, Kleidung und Geld benötigen, um ihren Lebensunterhalt im Jenseits zu finanzieren, bzw. bequem leben zu können. Wird ihnen nicht geopfert suchen sie ihre Nachkommen in Träumen heim, schicken Krankheiten und sorgen auch für schlechtes Wetter. Prinzipiell ist diese schamanistisch/animistische Praxis der Opferung beinahe das gleiche, was auch hierzulande von Heiden betrieben wird, allerdings verwendet man hier ja das echte Ding und kein Faksimile aus Papier. Man neigt in China auch seit Anbeginn dieser Tradition zu einem gewissen monetären Fetischismus. Geld ist schließlich das einzige Objekt mit subjektiven Eigenschaften. Es bewegt sich und kann sich in Form von Kapital sogar reproduzieren. Zudem sind vor dem Geld alle waren gleich, es nimmt also auch eine gottähnliche Stellung ein. Diese ideale Macht wird quasi den Geistern geopfert. Außerdem sind die Götter in der chinesischen Vorstellung gewissermaßen bestechlich. Auch im Jenseits gibt es nämlich Bürokratie und Hierarchien und die dortigen himmlischen Beamten können durch kleine Geldgeschenke dazu bewogen werden, dass die Seele des Verstorbenen schneller in höhere Sphären kommt.

    Wenn ich jetzt also behaupte, dass Wotan ein Opfer im chinesischen Stil nicht ganz so schätzen würde, meine ich damit, dass er wohl mit der Idee von Geld (also Papiergeld, Goldmünzen o.ä. wären sicher eine traditionell gute Opfergabe:/) wenig anfangen könnte. Ich denke hier kommt es mehr auf die "Basics" an. Naturalien, Dinge die mit eigener Kraft und Zeit hergestellt wurden, etc. bringen meiner eigenen Erfahrung nach mehr "Erfolg" als Opfergabe (insofern das überhaupt messbar ist, ich behaupte das jetzt mal ganz subjektiv), als erworbenes.

    Ich hoffe, das war jetzt halbwegs verständlich, ich schaffe es mitunter nicht, meine Gedanken so flott in eine elegante und sinnige Form zu bringen.:ugly:

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  • Edward Gibbon, der Verfasser des Werkes The History of the Decline and Fall of the Roman Empire (1789), soll zum Thema Heidentum geschrieben haben: „Der milde Geist des Altertums war so geartet, dass die Nationen minder aufmerksam auf die Verschiedenheit als auf die Ähnlichkeit ihres Kultus waren. Wenn sich Griechen, Römer und Barbaren vor ihren gegenseitigen Altären trafen, überredeten sie sich leicht, dass sie dieselben Gottheten anbeteten, wenngleich unter verschiedenen Namen und Zeremonien.” (BOLLMANN 2006: 123)


    Ausnahmen bestätigen die Regeln und wie Nue schon schrieb, wird es für uns Menschen wohl immer ein Rätsel bleiben, ob nun beispielsweise Freyja und Ischtar ein- und diesselbe Gottheit sind. Ein römischer Soldat mit germanischen Wurzeln wird wohl kaum Mühe gehabt haben, in der Liebesgöttin Babylons, wenn er denn zum Beispiel in den östlichsten Provinzen stationiert wäre, seine einheimische Frîja zu erblicken. Aber vielleicht ja doch?


    Bei manchen Göttern ist es einfach, zu glauben, es handle sich im Prinzip um dieselbe Gottheit, nur eben unter anderen Namen. Sól und Saule und Sol und Helios und Dabog beispielsweise. Auch Taranis, Donar und Perun. Bei anderen Göttern, wie eben Wodan, Svantevit und Triglav sieht das womöglich schon anders aus. Diese beiden elbslawischen Götter lassen sich wegen ihrer Mehrköpfigkeit zwar mit Göttern aus der römisch-griechischen Welt vergleichen (Janus Quadrifrons, der vierköpfige Janus, Hekate Trikephalos, die dreiköpfige Hekate), aber das heisst ja auch noch nicht, dass sie deswegen ein und diesselbe Gottheit sind. Thor und Hephaistos sind ja auch nicht identisch, nur weil beide einen Hammer schwingen. Oder Odin und Polyphem!


    roma_2010_102.jpg

    Der vierköpfige Janus.


    450?cb=20200209212906 Die dreiköpfige Hekate.

    Ulfberth Es ist üblich Verstorbenen, Ahnen, Gottheiten und Geistern Gegenstände aus Papier und besonders Geistergeld (mingbi 冥幣) zu opfern. Zugrunde liegt die Vorstellung, dass Geister genau wie lebendige Menschen Nahrung, Kleidung und Geld benötigen, um ihren Lebensunterhalt im Jenseits zu finanzieren, bzw. bequem leben zu können. Wird ihnen nicht geopfert suchen sie ihre Nachkommen in Träumen heim, schicken Krankheiten und sorgen auch für schlechtes Wetter. Prinzipiell ist diese schamanistisch/animistische Praxis der Opferung beinahe das gleiche, was auch hierzulande von Heiden betrieben wird, allerdings verwendet man hier ja das echte Ding und kein Faksimile aus Papier. Man neigt in China auch seit Anbeginn dieser Tradition zu einem gewissen monetären Fetischismus. Geld ist schließlich das einzige Objekt mit subjektiven Eigenschaften. Es bewegt sich und kann sich in Form von Kapital sogar reproduzieren. Zudem sind vor dem Geld alle waren gleich, es nimmt also auch eine gottähnliche Stellung ein. Diese ideale Macht wird quasi den Geistern geopfert. Außerdem sind die Götter in der chinesischen Vorstellung gewissermaßen bestechlich. Auch im Jenseits gibt es nämlich Bürokratie und Hierarchien und die dortigen himmlischen Beamten können durch kleine Geldgeschenke dazu bewogen werden, dass die Seele des Verstorbenen schneller in höhere Sphären kommt.

    Wenn ich jetzt also behaupte, dass Wotan ein Opfer im chinesischen Stil nicht ganz so schätzen würde, meine ich damit, dass er wohl mit der Idee von Geld (also Papiergeld, Goldmünzen o.ä. wären sicher eine traditionell gute Opfergabe :/ ) wenig anfangen könnte. Ich denke hier kommt es mehr auf die "Basics" an. Naturalien, Dinge die mit eigener Kraft und Zeit hergestellt wurden, etc. bringen meiner eigenen Erfahrung nach mehr "Erfolg" als Opfergabe (insofern das überhaupt messbar ist, ich behaupte das jetzt mal ganz subjektiv), als erworbenes.

    Ich hoffe, das war jetzt halbwegs verständlich, ich schaffe es mitunter nicht, meine Gedanken so flott in eine elegante und sinnige Form zu bringen. :ugly:

    Dass man in Europa keine Faksimile aus Papier verwendete, mag allerdings auch dem Umstand zugrunde liegen, dass Papier, wie wir es kennen, auch erst spät in Europa eingeführt wurde. Durchaus verwendeten auch die europäischen Heiden ”Surrogatopfergaben„: Gebildegebäck, Strohpuppen oder Tonfiguren anstelle von Opfertieren (oder Menschenopfern). Und ist etwas Erworbenes nicht auch etwas, wofür man Kraft und Zeit aufgebracht hat. Räucherwerk bekomme ich nicht geschenkt. Ich gehe zwar auch nicht in den Wald und gewinne das Harz von Bäumen oder dergleichen, aber das Geld, dass ich für Räucherwerk ausgebe, musste ich auch erst Mal erwirtschaften...


    Ich finde es ein sehr schönes Beispiel und ich verstehe auch, was du meinst, doch die Vermischung von Religion und Ethik fand erst relativ spät statt und auch in christlicher Zeit (und beim Christentum waren Ethik und Religion von Anfang an verbunden) trieben die Menschen mit Gott und den Heiligen noch gerade solche Handel, wie zu Heidenzeiten. Das Prinzip des Do ut des galt auch weiterhin. Zumindest in breiten Kreisen der Bevölkerung. In katholischen Kapellen und Kirchen findet man noch genauso Votivgeschenke wie dereinst in heidnischen Kultstätten. Damit die Gottheit auf deine Bitten einging, wurde ihr etwas versprochen. Die Römer, deren Sprache wohl nicht umsonst auf das Jurastudium vorbereiten sollte, waren da ziemlich penibel in ihren Gebeten, bis zu einer Ebene, die für uns, die wir Religion doch am ehesten von der Kirche her kennen, Religion also vorzüglich als eine mehr spirituelle Angelegenheit sehen, befremdlich wirken mögen. Die ollen Römer zum Beispiel achteten sehr wohl darauf, dass die Gottheit hinterher nicht mehr fordern würde, als wie von vorneherein ausgehandelt. Eine auf uns gekommene Gebetsformel an die Göttin Venus lautet beispielsweise: Venus, de paulo paululum hoc tibi dabo... libenter. „Venus, von dem Bisschen, das ich habe, gebe ich dir ein kleines Bisschen... mit Freuden.” Andererseits endet der neuplatonische Prokloshymnos an Aphrodite aus der Spätantike mit der Bitte „hemme den grässlischen Drang von gottlosen Lüsten”, was einer Bitte an die Jungfrau Maria nicht unpassend wäre.


    Ich räume ein, dies sind alles Beispiele des mediterranen Heidentums. Bei den Germanen mag es anders ausgesehen haben... wobei... Ibn Fadlan berichtet uns ja auch von einem Gebet heidnischer Europäer (Germanen? Slawen?), welches sie angesichts eines hölzernen Götterbildes getan haben sollen: „ „O mein Herr, ich bin von fern gekommen, indem ich an Sklavinnen soundso viel Kopf und an Zobel soundso viel Felle mit mir führe”; so erwähnt er alles, was er an Waren bei sich hat. Dann fährt er fort: „Ich bringe dir dies hiermit als Geschenk dar”. Dann lässt er das, was er bei sich hat, vor dem Holzpfahl liegen und sagt: „Ich möchte, dass du mir einen Käufer bescherst, der Dinare und Drachmen bei sich hat und mir alles abkauft, was ich wünsche, ohne dass er mir widerspricht in allem, was ich sage.”” (REITER 2009: 25)

  • Geld zu opfern ist übrigens eigentlich auch normal, man denke nur an unsere Wunschbrunnen. Für einen Japaner würde sowas definitiv nach einem Opfer aussehen - die werfen ihre Münzen in der Regel nur in eine Holzkiste und äußern dabei ihren Wunsch bzw. ihre Bitte an den Kami.


    Wie gesagt wurde gab es früher halt sowieso nur Münzen, aber das heißt nicht, dass nicht auch mit der Zeit gegangen werden kann. Die Mari, ein mit den Finnen verwandtes Volk aus Russland, haben bspw auch kein Problem damit Scheinbündel auf ihre Opferaltäre abzulegen.


    (40:50)


    In neu-heidnischen Kreisen ist man da halt in der Regel eher Romantisch veranlagt.^^ Die alten Heiden sahen sowas aber wohl eher nüchtern, wie man generell schön an dem Opferritual oben sehen kann.

  • Wer das gleichsetzt ,für den ist jeder Schmied nur ein Schmied.

    Aber es gibt Schmied Johann , Schmidt Steffen , Schmied Hagen.....

    Also wenn es in Deutschland regnet, ist da Donar/Thor am Werk. Regnet es in Polen, ist das Perun/Piorun. Und in einer Stadt wie Guben/Gubin sind dann beide am regnen und donnern?

  • Für den Regen ist eh Frey zuständig :P


    "Frey ist der berühmteste der Asen. Er waltet über Regen und Sonnenschein und infolgedessen über die Fruchtbarkeit." (Prosa-Edda, Kap 23)



    Zumindest in Skandinavien. :ugly:

  • Auch Hexen und Schamanen können den Regen und Gewitter oder Sonnenschein beschwören.

    Der Begriff Wetterhexe kommt ja nicht von nichts.


    Der Wind ist auch so eine Sache, auf der einen Seite steht das Odin ihn beherrscht, auf der anderen Seite soll im hohen Norden ein riesiger Adler sitzen der ihn durch seinen Flügelschlag erzeugt und so Wind und Stürme auslöst.


    Ich schätze Das Wetter war schon immer eine komplizierte Angelegenheit.