Wenn Europa heidnisch geblieben wäre...

Schon gewusst…?

Es sind derzeit leider keine Texte verfügbar.
  • So, nehmen wir mal an Europa wäre nie bekehrt worden. Sagen wir mal das Konstantin die Schlacht an der milvischen Brücke verloren hätte, es nie zur konstantinischen Wende gekommen wäre, das Christentum nie grösser als eine Hand voll Sektierer geworden wäre die durch Roms Katakomben gekrochen sind.


    Ich kann mir ein rein heidnisches Europa sehr schwer vorstellen, vielleicht in etwa wie Shinto in Japan.

  • Sagen wir mal das Konstantin die Schlacht an der milvischen Brücke verloren hätte, es nie zur konstantinischen Wende gekommen wäre, das Christentum nie grösser als eine Hand voll Sektierer geworden wäre die durch Roms Katakomben gekrochen sind.

    Dann wären wir jetzt Moslems. Alahu akbar!

    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Ich bin nicht abergläubisch. Das bringt Unglück.

  • Dann wären wir jetzt Moslems. Alahu akbar!

    Der Islam wäre ziemlich sicher auch nicht entstanden.


    Ich nehme mal ganz stark an, das wir dann alle Römer wären.

    Ohne das Christentum wäre Rom nicht kollabiert, oder hätte sich zumindest anders weiter entwickelt. Rom hätte irgendwann den Norden Europas erfolgreich erobert.

    Wahrscheinlich wäre die technische Entwicklung Europas viel, viel schneller fortgeschritten und vor allen Dingen früher. An Intelligenz mangelte es jedenfalls nicht.

    Heidnisch wäre Europa auf jeden Fall geblieben. Ob das besser gewesen wäre, absolut null Ahnung.


    Donars Segen mit euch


    Uwe

    Wer davon lebt einen Feind zu bekämpfen,
    hat ein Interesse daran, das der Feind am Leben bleibt.
    Friedrich Nietsche

  • Das Römische Reich war schon lange vor dem Christentum eigentlich ständig nur noch in der Defensive. Eigentlich seit dem Ende von Trajan 117 n Chr. Der hatte Dakien erobert und ist letztendlich erfolglos in Persien eingefallen. Das hat das Reich wirtschaftlich überlastet, dann kam Hadrian und hat eine sehr viel kosteneffektivere defensive Bündnispolitik eingeläutet. Unter Antonius Pius erlebte das Reich darauf hin seine längste Friedensperiode, bis zu Marc Aurel (Gestorben 180) mit den Markomannenkriegen, die gerade so abgewehrt werden konnten und dann kam die große Seuche.

    Danach hat sich Rom fast ein Jahrhundert lang in Bürgerkriegen selbst zerfetzt (Soldatenkaiser) und anfang des 4 Jahrhunderts, nach der Neuordnung und Sicherung des Reiches durch Diokletian, kam dann die Konstantinische Wende. im 4. Jhd war das Reich dann relativ stabil, im 5. Jhd kam die Völkerwanderung, die aber ja nur Westrom untergehen lassen hat (476).

    Ostrom war neben den Persern immer noch die zentrale Supermacht und hat im 6. Jhd. unter Justinian I. auch die Vandalen und Ostgotenreiche zurückerobert.

    Ostrom ist dann erst durch die Expansion der Araber unter gegangen. Vollkommen auch erst nach 8 Jahrhunderten des Abwehrkampfes mit der Eroberung Konstantinopels 1453.

    Also am Christentum lag's nicht. ^^

  • Oh, die angebliche Rückständigkeit des Mittelalters ist auch immer so eine Sache. Man muss z.B. einfach nur mal bedenken, dass die Gotik durch die komplizierte Statik sehr sehr viel anspruchsvollere Architektur ist als die Romanik und dass es sowohl bei den Wikingern, als auch später bei den Spaniern, mittelalterliche Schiffstypen waren, die als erste den Atlantik überquerten....


    Buchdruck und Schießpulver fallen auch ins Mittelalter... mit den Stadträten auch die Wiege unserer heutigen Form der Demokratie usw.

  • Spannendes Thema! Freut mir! :-)


    Ich neige ebenfalls anzunehmen, dass Europa dann viel Ähnlichkeiten mit dem shintoistischen Japan oder dem hinduistischen Indien aufwiese.


    Ich weiß nicht direkt, wie es bei den Germanen war, aber Friedhöfe beispielsweise würden vermutlich nicht in den Städten und Dörfern liegen, was, wenn ich nicht irre, von den Christen eingeführt wurde. Griechen und Römer begruben ihre Toten an den Wegen, außerhalb der Städte (die Reichen natürlich im Familiengrab auf ihrem Landgut).


    Dörfer hätten wohl auch keine Kirche mehr als Dorfkern, sondern, je nach Region, eher eine Linde oder einen anderen Baum.


    Ich glaube, wie der wulfila schon erwähnte, dass Europa dann noch mehr romanisiert/hellenisiert geworden sei, als wie es im Übrigen jetzt auch schon ist, auch nachdem das weströmische Reich gefallen wäre und sich die germanischen Staaten gebildet hätten. Die Goten, Burgunder, Langobarden, Wandeln usw. hätten an ihren vorväterlichen Sitten und Bräuchen festgehalten, hätten von Griechen und Römer nur die Philosophie und eventuell die Darstellungen der Götter übernommen.


    Überhaupt glaube ich, dass Europa in religiöser Hinsicht genauso wäre, wie es war bevor das Christentum das Heidentum ausschaltete. Überall würden lokale Kulte und Traditionen weiterhin gepflegt werden. Die olympischen Götter bildeten wohl gemeinsam mit den Asen und Wanen der germanischen Völker, die ja durch die Völkerwanderungen trotzdem Europa geprägt hätten, so eine Art mythologische Referenz. Damit meine ich, das wären quasi die überregional bekannten Gottheiten, von denen irgendwie jeder schon ein Mal gehört hat, auch wenn man selbst in einer kleinen Stadt in Pommern lebte, wo eine sonst nirgends bekannte Lokalgottheit das höchste Wesen sei.


    Zu den Stammes-, Stadts- und Staatskulten, zu den vorväterlichen Sitten und Bräuchen gesellten sich zudem die Mysterienkulte und die philosophischen Schulen. Was Asien der Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus sind, das wären Stoizismus, Epikureismus und Neuplatonismus Europa. Und natürlich würden die verschiedenen Denkströmungen aus Ost und West auch nicht an den Grenzen der Kontinente Halt machen, sondern es würde einen Austausch geben.


    Die Mysterienkulte der Isis und des Sarapis, der Kybele des Attis, des Mithras, des Dionysos, des Adonis, des Orpheus... sie alle begäben sich vielleicht über die germanischen Königreiche dann eben auch außerhalb der Grenzen des ursprünglichen Römischen Reiches, neue synkretistische Kulte entstünden, die Germanen nähmen nicht nur auf, sondern lieferten wohl auch. Der Wodankult hat in meinen Augen auch das Potenzial zu einem Mysterienkult.


    Womöglich täte sich über diesem Sammelsurium an Kulten und Weltanschauungen möglicherweise eine Gottheit, und sei es nur symbolisch, als alles verbindende, alles überdachende Gottheit hervor. Eventueller Kandidat ist da der Sonnengott, wie das schon in der Spätantike geschah und dem (und Christus) wir quasi unseren Sonntag als freien Tag verdanken. Geeigneter erscheint mir aus indoeuropäischer Sicht (denn der Sonnenkult der Spätantike war eher orientalisch denn europäisch) da doch der Donnergott, der bei allen indoeuropäischen Völkern Europas eine prominente Rolle spielt: Zeus, Jupiter, Donar/Thunar/Thor, Perun, Perkunas, Taranis, Taru/Teschub... Womöglich wäre der Donnerstag, nicht der Sonntag, der freie Wochentag aller Europa geworden... wobei der Sonntag ja natürlich stark unter den Einfluss des Christentums zu einem offiziellen Ruhetag erhoben wurde (es gibt zwar spärliche Anweisungen dafür - und nicht zuletzt von Kirchenvätern selbst - dass der Sonntag von Anhänger der Sonnenkulte gefeiert wurde, doch allein aus heidnischer Sicht gab es keinen Grund, diesen Tag offiziell zu einem Ruhetag zu machen: Konstantin wollte einen Tag, der Heiden und Christen genehm war). Jedenfalls sehe ich am ehesten den Donnergott als inoffizielle oberste Gottheit Europas und trüge Europas Fahne eher das doppelseitige Streitbeil Kretas denn die zwölf Sterne Marias auf seiner Fahne. Schließlich war es der Donnergott, der Europa nach Europa brachte (die Streitaxt entspräche ja auch quasi der Axt des Taru, der Keule Donars und dem Hammer Thors).

  • Ich frage mich ob es on einem heidnischen Europa auch so etwas wie Kloster gegeben hätte. Die intelektuellen Beiträge der Mönche und Nonnen darf man ja nicht vergessen.

    Oder ob es die kriegerischen Orden der Templer oder Deutschritter in heidnischer Form geben würde, denke das Tyr sich da anbieten würde.


    Heidnische Schreine statt Wegkapellen oder Kreuze würden mir aber definitiv gefallen.

  • Nun, ich glaube, dass es in einem heidnischen Europa keine Klöster gäbe, sondern es hätten sich die Akademien, wie in Griechenland schneller verbreitet. Radikalisierte Gruppen kann es auch in heidnischer Form geben, jedoch stelle ich mir vor, dass Glaubenskriege seltener gewesen wären, da es kein erstes Gebot im Heidentum gibt.

    Meine Frage wäre eher, was mit der Renaissance passieren würde. Diese wäre ja nicht nötig, da es keine Unterbrechung in der antiken Kultur gäbe. Vielleicht wäre der Humanismus früher entstanden und somit auch die Aufklärung und die Industrialisierung.

  • Renaissance und Humanismus sind zwar auch Rückbesinnung auf die Antike, aber eben nicht nur.

    Das schreibt z.B. Ovid um Christi Geburt:


    "Doch noch fehlte ein Wesen, ein edleres, weise vernehmend göttlichen Geist, zu herrschen ob allen Geschöpfen der Erde. Da ward geboren der Mensch. Schuf ihn der Bildner der Welt aus Samen der Gottheit? Schuf ihn aus Welle und Erde Prometheus nach der Gestalt der mächtigen Götter, als noch die junge Erde, sich lösend von himmlischem Äther, heilige Keime barg? Zum Boden geneigt, blicken nieder die andern Geschöpfe,

    aber dem Menschen gab der Gestalter erhabenes Antlitz, hieß ihn den Himmel schaun"


    Mutet schon sehr humanistisch an, aber auf die Praxis im Römischen Reich hatte das offensichtlich Jahrhunderte lang keinen Einfluss. Menschenleben waren weiterhin einen Dreck wert, Sklaverei wurde praktiziert, man löschte ganze Völker wegen des Geldes aus (z.B. Daker) und der wirtschaftliche Niedergang der Westhälfte ließ sich auch nicht aufhalten. Einfach 1000 Jahre Mittelalter wegzudenken, wenn es kein Christentum gegeben hätte, ist zu kurz gedacht. Renaissance ist die Verbindung von (heidnischer) Antike und (christlichem) Mittelalter. Und danach kommt vor der Aufklärung auch erst mal die Reformation, die sich auf den Kern der christlichen Lehre zurück besinnt.

    Daher kommt es, dass die ersten formulierten Menschenrechte so lauten:


    "3. Ist der Brauch bisher gewesen daß man uns für Eigenleute [Leibeigene] gehalten hat welches zu Erbarmen ist angesehen das uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat den Hirten gleich wie den Höchsten keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift das wir frei sind und sein wollen."


    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/12_Artikel.html


    Und wichtige Aufklärer wie z.B. Locke berufen sich später in ihren Grundthesen genau auf dieses Menschenbild.


    Wirtschaftlich hat das Mittelalter wie gesagt auch Fortschritte gebracht. Ohne den Buchdruck mit beweglichen Lettern hätte es wohl keine der Entwicklungen der Neuzeit gegeben.
    Die Römer und Griechen hätten 1000 Jahre Zeit gehabt den zu erfinden, haben sie aber halt nicht. Das war ein "Barbar" im ach so finsteren christlichen Mittelalter. Auch mächtige Kaufmannsimperien wie die der Fugger und Medici gab es in der Antike nicht. Auch nicht deren ausgeprägtes Bankwesen oder den Ozeane überquerenden Fernhandel.


    Der ganze Begriff "(finsteres) Mittelalter" ist ursprünglich eine Propagandaerfindung der Humanisten, die damit den Anbruch einer "Neuen Zeit" verkünden wollten.

    Aber diese Entwicklungen stammen ja aus der "Alten Zeit". Der Zeitfluss lässt sich nicht unterbrechen, weshalb die Unterteilung von Mittelalter und Neuzeit in der Geschichtswissenschaft eigentlich höchst problematisch ist. Die Antike lässt man mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches und dem Aufkommen der germanischen Königreiche enden. Am (angeblichen) Ende des Mittelalters um 1500 gab es solche umfassenden politischen Umwälzungen aber nicht.

    In dieser Zeit wurden eine Menge einschneidender Erfindungen und Entdeckungen gemacht, aber das politische System oder die Macht der Kirche waren im Grunde noch die selben (Schismen gab es auch schon vorher).

    Daher gibt es sogar Stimmen, die die Neuzeit erst mit der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen beginnen lassen wollen. Denn erst hier wurde das Staatswesen grundlegend umgeändert und eine Säkularisierung fand statt.

    Deshalb gibt es den Begriff der "frühen Neuzeit" als lange Übergangsphase von ca. 1500-1790, zwischen Mittelalter und Neuzeit.


    Lange Rede kurzer Sinn: Es ist einfach nur eine sehr fragwürdige populärwissenschaftliche Darstellung das Mittelalter als finstere Zeit des Stillstandes darzustellen. (Eigentlich rückt sogar die populärwissenschaftliche Darstellung von dieser Deutung mehr und mehr ab.)


    Von daher ist es unmöglich zu sagen wie die westliche Welt ohne die "Eigenarten" des Mittelalters heute aussehen würde. Besser oder schlechter? Unmöglich zu beantworten. Um wieder auf den Fernen Osten zu verweisen: Auch dort gab es "heidnische" sehr humanistische Denker. Konfuzius z.B. Auch der Buddhismus lehrt Nächstenliebe und Mitgefühl, sogar ohne angestammte Religionen zu verdrängen. Trotzdem gibt es dort Menschenrechte, Industrialisierung und moderne Wissenschat (wenn überhaupt) erst seit dem aufkreuzen der Europäer.

  • Klöster und die Arbeit von Nonnen und Mönchen wurde vorher ja von Bibliotheken oder philosophischen Schulen ausgeübt.


    Als erster Religionskrieg gilt mehr oder minder die Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahre 312, wo das Heer des Konstantin auf das Heer des Maxentius traf, dieses unter dem Sonnenbanner, jenes unter dem Chiro-Zeichen. Vorher hat es keine Kriege zwischen Anhängern verschiedener Religionen gegeben. Nicht, dass die Heiden nicht munter Krieg geführt hätten, doch eben nicht unter dem Vorwand, die Religion des bekriegten Volkes auszulöschen. Die Römer beispielsweise, überreligiös wie die waren, beteten sogar zu den Göttern der von ihnen bekriegten Völker und versprachen ihnen Tempel in Rom, wenn sie ihr Volk im Stich ließen und zu den Römern wechselten. Man stelle sich vor, ein heidnischer Karl der Große hätte die Götter der Irminsul beschworen, statt ihr Heiligtum zu zerstören.


    (Ausnahmen der römischen Religions-„Toleranz” bildeten die keltischen Druiden und sie schreckten nicht davor zurück, das Heiligtum der Göttin Tamfana zu zerstören... Ausnahmen bestätigen die Regeln?)


    Heidnische Schreine statt Wegkapellen oder Kreuze würden mir aber definitiv gefallen.

    Ja, mir auch.


    92709720-h-720.jpg


    Diese den Wald- und Jagdgöttern geweihte Kapelle befindet sich in der Nähe von Friesenheim in Baden-Würtemberg.



    Wirtschaftlich hat das Mittelalter wie gesagt auch Fortschritte gebracht. Ohne den Buchdruck mit beweglichen Lettern hätte es wohl keine der Entwicklungen der Neuzeit gegeben.
    Die Römer und Griechen hätten 1000 Jahre Zeit gehabt den zu erfinden, haben sie aber halt nicht.

    Und meinst Du, dass diese Fortschritte in einem heidnischen Mittelalter nicht auch hätten zustande gebracht werden können? Die Römer und Griechen hatten ja durch ihre vielen Kriege und den Menschenhandel und der daraus resultierenden Sklaverei einfach keinen Bedarf, ihr unmenschliches, die Reichen begünstigendes Gesellschaftssystem zu ändern.


    Man stellt allerdings auch fest, dass in der Spätantike der Rückgang von Sklaven zum Entstehen einer Art von Leibeigenschaft führte (manche Historiker sprechen von einem ersten sozialistischen Experiment unter Kaiser Diokletion, in dem die Menschen an ihre Schollen gebunden wurden und Kinder die Berufe ihrer Väter erlernen mussten). Doch wie human und universal de Lehre der Nächstenliebe auch sein mag, Leibeigene gab es noch bis ins 19. Jahrhundert in deutschen Lande und bis in die Anfänge des 20. Jhs. im russischen Zarenreich. Trotz Christentum. Das frühe Christentum prangerte die Existenz von Sklaverei ja genauso wenig an wie zum Beispiel die genauso humanen Philosophien des Stoizismus und Epikureismus. Auch der Isisdienst und andere Mysterienkulte standen offen für Sklaven und Freigelassene. Dass das Christentum letztendlich viel Anhänger unter der Unterschicht und den Sklaven fand, mag auch daran liegen, dass es eben eine einfache Religion war. Keine aufwendigen, strikt einzuhaltenden Opferzeremonien zu bestimmten Zeiten wie in den Staats- und Stammeskulten; auch keine komplizierten und verstrickten Theologien wie in den Mysterienkulten und nicht einmal ein Appell an die menschliche Vernunft wie beim Stoizismus und Epikureismus. Einfach glauben, dass Christus für die Sünden aller gestorben ist, dir deine Sünden vergibt, wenn du aufrichtig bereust und durch den Glauben an ihn ein Leben im Himmel um welches die Olympier dich beneiden würden.



    Auch dort gab es "heidnische" sehr humanistische Denker. Konfuzius z.B. Auch der Buddhismus lehrt Nächstenliebe und Mitgefühl, sogar ohne angestammte Religionen zu verdrängen. Trotzdem gibt es dort Menschenrechte, Industrialisierung und moderne Wissenschat (wenn überhaupt) erst seit dem aufkreuzen der Europäer.

    Wie gesagt, auch bei uns in Europa gab es ja noch sehr lange Leibeigenschaft trotz Christentum.




    Ich habe viele Beispiele aus der Antike herangetragen, doch ich wollte nicht die glänzende Antike dem düsteren oder angeblich düsteren Mittelalter gegenüberstellen. Zumal das Bild des christlichen Mittelalters auch ein bisschen zu sehr aus westeuropäischer Sicht geprägt ist. Skandinavien war doch erst im 10. Jahrhundert christianisiert, das heutige Mecklenburg-Vorpommern erst im 12. und die Pruzzen, Litauer und Letten waren doch noch bis ins 14. oder gar 15. Jahrhundert Heiden. 2000 Jahre Christentum? Vielleicht, aber keine 2000 Jahre christliches Abendland!

  • Und meinst Du, dass diese Fortschritte in einem heidnischen Mittelalter nicht auch hätten zustande gebracht werden können?

    Wie ich schon sagte, das ist unmöglich zu beantworten. Fakt ist nun mal, dass es diese Fortschritte (Verfassungsrechtlich festgehaltene Menschenrechte, Wissenschaftliche Methode, Industrialisierung) nur und Ausschließlich im -zu der Zeit nunmal christlichen- Abendland gab.

    Nicht in Jahrtausenden der mesopotamischen Hochkulturen, der Indischen, Chinesischen oder Mittel-und Süd-Amerikanischen. Und eben auch nicht in tausend Jahren klassischer Antike. Hier kann man "nur" einige Ansätze dazu finden.

    Es ist glaube ich vollkommen unmöglich, zu beantworten, welche Faktoren nun dazu geführt haben, dass dieser Wandel ausgerechnet an diesem Ort in dieser Zeitspanne statt fand. Aber er fand dort nunmal statt. Dazu mag auch gerade der Gegensatz/Konflikt von antikem logischen Denken und christlichem/mosaiischem Dogma beigetragen haben, aber diesen Widerspruch gab es eigentlich auch in den islamischen Ländern.

    Also muss es in Europa wohl eine Kombination von Faktoren gegeben haben, die es sonstwo nicht gab.


    Das frühe Christentum prangerte die Existenz von Sklaverei ja genauso wenig an wie zum Beispiel die genauso humanen Philosophien des Stoizismus und Epikureismus


    Die Haltung wird oft Missverstanden. Man kann das (ursprüngliche) Christentum nicht verstehen, wenn man sich nicht vor Augen hält, dass es sich dabei schlicht um eine Weltuntergangsekte handelte. Die weltliche Ordnung war für sie nur eine kurze, vorübergehende Prüfung Gottes. Ihre geistige Haltung war das entscheidende, denn das Reich Gottes, dass nach dem bald bevorstehenden Weltuntergang anbrechen sollte, ist auch geistig.



    Daher wird einerseits das hier geschrieben:



    Und kurz darauf das hier:


    - Kolosser 3



    Im Verlaufe des späten Mittelalters und eben in der Frühen Neuzeit sind die Menschen dann mehr und mehr auf den Trichter gekommen, dass der Weltuntergang vielleicht doch nicht so bald kommt, und dass man das geistige Ideal vielleicht auch in dieser Welt realisieren sollte.

    Leibeigene gab es noch bis ins 19. Jahrhundert in deutschen Lande und bis in die Anfänge des 20. Jhs. im russischen Zarenreich. Trotz Christentum.


    Das ist ja genau das was ich meine. Der Renaissance-Humanismus (15. und erste Hälfte des 16. Jhd) war erstmal eine Bewegung der Künstler und Intellektuellen, die an den gesellschaftlich-politischen Gegebenheiten, also den "mittelalterlichen Zuständen" gar nicht viel geändert hat. Er hat zwar wichtige Voraussetzungen geschaffen, bspw im Universitätswesen, aber bald wurden durch die Reformation und Konfessionalisierung erstmal Glaubensfragen und -Unterschiede wieder wichtiger.

    Nach dem Barrock im 17. Jhd. verbindet sich dann die Aufklärung im 18. Jhd. wieder mit humanistischen Ideen (2. Humanismus / Neuhumanismus) Und diese Ideen werden in Europa dann erst im 19. Jhd. mehr und mehr politisch realisiert.


    Darum geht es ja, die Dreiteilung der Gescheite in (strahlende) Antike, (finsteres) Mittelalter und (aufgeklärte) Neuzeit ist halt extrem künstlich bis falsch. Es war nicht so, dass bis 500 n Chr. das Leben blühte, dann boom, 501 war das finstere Mittelalter da, alles stand still und fürchtete sich, und dann nochmal boom, 1501 läuft das Leben weiter. :D


    Eigentlich im Gegenteil, die Hochzeiten des Hexenwahns liegen bspw. in der frühen Neuzeit und die menschenverachtendsten Systeme überhaupt gab es in der Moderne. Geschichte ist kein sich ständig weiter entwickelnder Gleichschritt in eine Richtung, der mal angehalten werden kann oder so. Es gibt Bewegungen und Gegenbewegungen, mal dominiert eine Seite, dann wieder eine andere.

  • Wenn Europa heidnisch geblieben wäre?


    Hmmm... das ist ein interessantes Gedankenspiel. Wo fängt man da an?

    Ich betrachte es mal von der derzeitigen Situation aus und denke, dass es so zerzofft wie heute wäre.


    Ariovist hätte die Gallo-römischen Kriege mit Sicherheit ebenso verloren und so bildeten sich die Alemannen. Es gäbe weiterhin einen kulturellen Austausch nach Mitteldeutschland und die Römer wären wohl weiter an Ihren Grenzen geblieben, da beide Seiten sicher voneinander profitierten. Mit der Zeit hätte sich die Kultur wohl bis an die Elbe angeglichen. Doch hätten sich die Merowinger zu den Franken entwickelt und unter diesem christlichen Banner Ihr Reich begründen und sich ausbreiten können wie wir es heute kennen? Wenn nicht, dann hätten evtl. die neu gebildeten Alemannen die Machtlücken eines sterbenden weströmischen Reiches nutzen können. Wie aggressiv wären Sie gewesen und wie weit wären Sie in das Gebiet der Westgoten (Theoderich) vorgedrungen? Im Normalfall hätten Bajuwaren und Westgoten den fliehenden Alemannen ja Exil gewährt. Ich denke die Bajuwaren hätten die Alemannen geknackt aber an Theoderich hätten Sie sich die Zähne ausgebissen. Handelsbeziehungen wären sicher eingebrochen und das Kollektiv der Alemannen wäre in kleine Stücke zersprungen genau wie das Frankenreich, welches aufgeteilt wurde. In Spanien hätte es wiederum später keinen Einfall arabischer Menschen gegeben und die Westgoten hätten sich sicher in Nordafrika ausgebreitet wie die Römer. Die Sachsen wären, wie gewohnt, wahrscheinlich in Britannien eingefallen und hätten Ihre Interessen mit unter auch in Nordwesteuropa vertreten wollen. Die Mitte von Europa wäre politisch gesplittet bis dahin. Mit oder ohne Christen. Die nordischen Länder wären sicher eine Zeit lang friedlicher unterwegs gewesen, da es keine kirchlichen Schätze in England zum plündern gegeben hätte, aber irgendwann wären die Mittel- und Westeuropäischen Interessen zu Ihnen vorgedrungen und so hätte es trotz alle dem zu Menschenbewegungen bis Island und zum Gebiet des jetzt nicht existierenden Byzanz geführt. Wäre Byzanz dann Persien? Mit der etwas früheren Entdeckung von Amerika, hätte spätestens dort die Gier von uns Europäern nach Rohstoffen, Gold und Machtanspruch den gleichen Weg genommen wie wir es heute kennen.

    Auf dem Papier wären wir bestimmt heidnisch aber unsere Werte hätten wir durch Kriege und Not verloren.

    Nationaler Stolz und Egoismus würden uns, wie derzeit, hindern zusammen zu wachsen. Das Heidentum würde den gleichen Verlust erleiden wie das Christentum.


    Eine Hand voll Anhänger und eine menge Geld geiler Zombies, welche immer dem Neusten Produkt hinterher rennen.

    Religion? Egal!


    "Panem et Ludos" sage ich da nur. :-D


    Bei den Gedanken fehlen noch eine Menge Ereignisse, aber das wäre ein Post der viel zu lang geworden wäre.

  • Wäre Byzanz dann Persien?

    Byzanz wäre Nikomedien, die von Kaiser Diokletian gewählt Hauptstadt im östlichen Teil des Römischen Reichs.


    Die Spaltung des Reiches wäre wohl so oder so gekommen. Es hätte nur wahrscheinlich keinen Grund für die Gründung bzw. den Ausbau einer neuen, mehr christlichen Stadt gegeben... die übrigens genauso heidnische Tempel und Statuen beherbergte wie jede x-beliebige Stadt im damaligen Mittelmeerraum...

    Nationaler Stolz und Egoismus würden uns, wie derzeit, hindern zusammen zu wachsen. Das Heidentum würde den gleichen Verlust erleiden wie das Christentum.


    Eine Hand voll Anhänger und eine menge Geld geiler Zombies, welche immer dem Neusten Produkt hinterher rennen.

    Religion? Egal!

    So sah es leider auch schon in der Zeit der späten Republik in Rom aus... :-(

  • Ariovist hätte die Gallo-römischen Kriege mit Sicherheit ebenso verloren und so bildeten sich die Alemannen. Es gäbe weiterhin einen kulturellen Austausch nach Mitteldeutschland und die Römer wären wohl weiter an Ihren Grenzen geblieben, da beide Seiten sicher voneinander profitierten. Mit der Zeit hätte sich die Kultur wohl bis an die Elbe angeglichen.

    Die Geschichte zwischen Römern und Germanen bis zur Völkerwanderdungszeit wäre exakt die selbe die sie heute ist, weil bis dahin das Christentum in diesem Teil der Welt keine Rolle gespielt hat. Sprich die Römer wären hinterm Rhein geblieben, während sich in Germanien allmählich die Großstämme bildeten.


    Doch hätten sich die Merowinger zu den Franken entwickelt und unter diesem christlichen Banner Ihr Reich begründen und sich ausbreiten können wie wir es heute kennen?


    Merowech und Childerich I. waren heidnische Frankenkönige, die bereits das heutige Belgien erobert hatten. Chlodwig I. eroberte dann den größten Teil Galliens und ließ sich erst nach seinem Sieg über die Alemannen taufen (um das Jahr 500). Gestorben ist er im Jahr 511. Bis hier hin wäre also ziemlich sicher auch noch alles so gelaufen wie wir es kennen, zumal die Annahme des Christentums zunächst mal eine formale Sache war und die Veränderung nicht über Nacht eintrat. Für das Jahr 540 Berichtet Prokop bspw. noch, dass Franken in Oberitalien gefangene gotische Zivilisten dem Wodan opferten.


    und die Westgoten hätten sich sicher in Nordafrika ausgebreitet wie die Römer.

    Da gab es auch noch die Vandalen.. .die wurden aber ebenso wie die Ostgoten von Ostrom unter Justinian I. besiegt. Wären die Araber nicht gewesen, wäre Ostrom weiterhin die Supermacht geblieben. Ganz Nordafrika hätte ebenso wie die Levante und Kleinasien zu seinem Gebiet gehört.


    Da die Goten schon in heidnischer Zeit an das Schwarze Meer und die Donau wanderten und die Hunnen sich nicht um Religion geschert haben, denke ich, dass die Völkerwanderungszeit eigentlich komplett wie bekannt verlaufen wäre. Interessant wird das Szenario ohne Christentum eigentlich erst im Mittelalter.

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen
Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Geht einfach!
Neues Benutzerkonto erstellen
Anmelden
Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmelden