Aberglaube: Krankheitssegen

Schon gewusst…?

Die Wikinger waren nicht einfach nur wilde Unmenschen. Die Vorstellung von wild aussehenden Plünderern mit irrem Blick ist nichts Anderes als ein Mythos. Tatsächlich wurden die Teile Großbritanniens, die von den Angel-Dänen besetzt waren von ihren Angel-Sächsischen Nachbarn als überaus sauber beschrieben, da sie darauf bestanden, mindestens einmal die Woche zu baden und ihre Haare stets gut frisiert hielten.

  • Krankheitssegen1). Betreffend Krankheitssegen für Menschen und Tiere ist erstens auf die Artikel über Segen wider einzelne Krankheiten und Leiden zu verweisen, s. Alpdrucksegen, Augen-, Brand-, Fallsucht-, (Feuer-) Fieber-, Gicht-, Herzgespann, Kolik-, Mord-, Pferde-, Rosensegen, Schlucksen, Schwinden, Verfangen, Verhexung, Verrenkung, Warzen, Wund-, Wurm-, Zahnsegen. Zweitens auf Artikel über beliebte Motive oder Segensformen, s. Bannung, Dreiblumen-, Dreibrüder-, Dreiengel-, Dreifrauen-, Hiobsegen, Jerusalem, Judas, Laurentius-, Longinus-, Mondsegen, Rückwärts, Streitmotiv, Sünder, Ungerechter Mann.


    Außer den dort behandelten gibt es noch eine große Menge von Segen, meist in späten Aufzeichnungen, teils gegen »Krankheit«, »Schmerz«, »Wehtag« usw. im allgemeinen - Segen, die aber meist ganz vereinzelt vorkommen, - teils gegen bestimmte Krankheiten, in letzterem Falle meist entweder vereinzelte oder bald für dieses bald für jenes Leiden verwendete Segen. Wir müssen uns auf kurze Bemerkungen über die Art solcher Segen und auf sehr wenige Beispiele begrenzen.


    1. Epische Segen.


    Gewöhnl. Begegnung des Heiligen (s. Segen § 5) entweder mit dem Bösen oder mit dem leidenden Menschen bzw. Tier. Ersteres bes. gegen Freisen, Friesel (bei Kindern) - »Der Friesel ging über Land« usw.2)-; letzteres oder ein Gespräch zwischen Helfer und Leidendem, z.B. für die Harnwinde, 16. Jh.: »Sant [Johannes Evange-] List u. unser lieber Herr Jhesus Crist, die sossen zu sammen über ein disch; do sprach (usw. Christ): Wol gel (lies: woe gel?, d.h. wie gelb) du bist ... (Antwort): Do die harnwinde ist ... Die far nieder in den mist«3).



    2. Besprechungen.


    Unter den vielen Formen und Motiven seien genannt: Herrechnen der Krankheitsarten, z.B. gegen Freisen: »...Ich tödte es ... alle 77 Frais, reißende F., rothe F., abdorrende F., zitternde F. ...« (usw.)4), vgl. Gichtsegen § 5. - Hinweis auf eigene Erfahrung: »Wat du hest, det hew ik hat; min is vergån, dî salt vergån« (für Leiden der Kühe)5). - Vergleich mit Naturerscheinungen, z.B. (für Krampf): »...du sollst vergehn geschwind wie der Rauch vom Wind, wie der Nebel von der Sonne ...«6). Oder (gegen »Einschuß«): (verschwinde) »as de Sprock im Tun, as deDau up dat Gras, as deDod' int Graff«7). Eigentümlicher Ausspruch über Feuer, Wasser, Weizen, lateinisch schon im 12. Jh. (für Leibweh): »Ignis ardet, aqua sitit, triticum esurit«8), deutsch später verschiedenerweise verkehrt9). - Hinweis auf den Tag. Sonntag (vgl. Fiebersegen § 2), wider Schwindsucht, J. 1617: »Grüeß dich Gott, du heiliger Sonntag, ich sich dich dorther kommen reiten; jetzunder stand ich da mit meinem [kranken] Kindt u. thuo dich bitten..«10); vgl. Segen § 14 Schluß. Freitag (Fasttag), gegen Flechten oder Grind, z.B.: »Pfui Flecht, schäm di, im Fridag Fleisch tå fräten«11). Ähnlich auf die Juden bezogen: »Derrise (d.h. Flechte), vergiß Menschenfleisch wie der Jud das Schweinefleisch«12).

    Lateinisch (auf deutschem Boden) liegen z.B. Besprechungen gegen Nierenleiden, Segen für kleine Kinder, für kranke Schweine seit dem 9. Jh. vor13).



    3. Ritusanzeigen (vgl. Segen § 3).


    a) Berührung. Beliebt ist ein zweigliedriges Schema nach Art des antiken »Fliehe Podagra, Perseus verfolgt dich« (s. Segen § 8, vgl. Brandsegen § 3a, Herzgespann § 2); z.B. »Rückblut [der Kühe] schäm' di, de Mannshand de jaget di«14); die »jagende« Macht kann auch »Isen und Stahl« (ein Messer) sein, oder ein reines Wesen: »e reine Jungfer«, »Ungebaren« (dies durch den Atem der schwangeren Frau vergegenwärtigt)15).


    b) Wasser. Heilung kranker Kinder durch »Kochen«, von Luther erwähnt; als Frage und Antwort: »Quid coquis? Coquo carnem veterem, ut nova fiat«16). - Waschen mit aasgetränktem Wasser. In Norddeutschland sehr beliebt ist ein Vers gegen Ausschlag (Barmgrund, Grind usw.), Mundfäule (Foß) und ähnliche Leiden. Z.B. »In dit Water worin versupen manch Katt und Hund, darin still ik di Barmgrund«17), auch dänisch18). Nach einem Belege des J. 1613 (Mecklenburg) mußte gar ein Mensch in dem Wasser ertrunken sein; gesagt wurde: »Mit des todten Mannes Grund böte ich die Bernegrund«19). Oft ist der Sinn verkannt, z.B.: »Aus diesem Sumpf säuft Roß und Hund, damit still ich diesen Mund« (für den »Schwamm«); statt »säuft« auch »frißt«, »het ut drunken«20).


    Ohrt.



    Lexikon: Krankheitssegen. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, S. 13580

    (vgl. HWA Bd. 5, S. 378 ff.)



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