Schon gewusst…?

Es sind derzeit leider keine Texte verfügbar.
  • Servus Leude,


    ich bin neu hier und auch im Bereich Angewandtes Heidentum bin ich recht neu. Allerdings kenne ich mich mit der Germanischen Mythologie ganz gut aus.


    Ich würde mich gerne intensiver mit Germanisch-Heidnischem Brauchtum befassen. Deswegen hier meine Frage: Welche Germanisch-Heidnischen Festtage gibt es, was ist Gegenstand dieser Feste und wie feiert ihr diese? Wie wurden sie historisch gefeiert? Über Empfehlungen zu Literatur über dieses Thema wäre ich besonders dankbar, gerne auch auf Englisch.

    Wenn es das Thema in diesem Forum schon gibt könnt ihr mich gerne darauf hinweisen. Ich konnte allerdings noch nichts dazu finden.


    Danke im Voraus und bis dann.:thor:

  • HANGATYR Vielen Dank für deine Links. Ich kannte diese Threads auch schon und es sind einige interessante Beiträge dabei. Leider vermisse ich eine Liste der Jahreskreisfeste mit den Eckdaten, mit der man arbeiten kann. Darüber hinaus bin ich aktuell etwas verwirrt weil viele der besprochenen Feste denen des Keltischen bzw. Wicca-Jahreskreises ähneln oder sogar gleichzusetzen sind. Diese kenne ich auch schon von Namen, Bedeutung und Zeitlicher Einordnung her. Mich würde interessieren inwiefern diese mit Germanischen Festen übereinstimmen, oder ob es im Germanischen Heidentum noch ganz andere Feste gibt. Jul und Ostara kenne ich zu Genüge. Ich bin vorallem an den restlichen, kleineren Festen, wie der Sommer-Sonnenwende etc. interessiert. Diese werden dort nämlich nicht so stark behandelt.

  • Naja, es gab keine einheitliche Festtagsregelung fuer alle, bzw. alle Regionen... Das war von Region zu Region unterschiedlich. Die Berechnung nach der Sonne ist zum Beispiel weitaus komplexer, als nur nach den Mond... Die Zeit, nach der man sich richtet, spielt so auch eine Rolle.


    Hier findest du erstmal eine kurze Uebersicht der Festtage.


  • Jetzt mal so „ex ärmolo“ von meiner Seite;):


    Generell ist zu sagen, dass genaue Datierungen sehr schwierig bis unmöglich sind…?( Vieles variierte von Region zu Region oder änderte sich mit der Zeit...


    Stark vereinfacht könnte man sagen, dass zum ersten (Jul), vierten (Varblót), siebten (Mittsommer), und zehnten (Hausblót) Vollmond nach den Raunächten gefeiert wurde.


    Snorri Sturluson spricht in der Heimskringla von 4 größeren Festen im germanischen Jahreskreis:

    Jul, Ostara und Mittsommer (=dazu gibt es bereits Beiträge in den Links von mir) kennst du ja bereits...
    Bleibt noch das Vetrnóttablót/Winternächte/Hausblót, bei dem traditionell "für gutes Jahr und frieden" (til árs ok friðr) geopfert wurde.


    Neben diesen "Hauptfesten" die vermutlich überall in ihren lokalen Varianten gefeiert wurden, wird im Nordischen u.a das Dísablót und das Alfablót als fester Bestandteil des Jahres erwähnt.


    Darüber hinaus kann ich noch "Der gebundene Mondkalender der Germanen" von Andreas E. Zautner empfehlen:thumbup:.

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Mit dem Wiccajahreskreis deckt sich nur der Name Jul. Die Daten werden dort nur nach Sonnenfixpunkten bestimmt.

    Dass sich die im Forum beschriebenen Feste mit denen im Wicca decken liegt daran, dass im deutschen Asatru größtenteils der selbse Kalender benutzt wurde. Da ist man ausnahmsweise auf Seiten der GGG.:P


    Der germanische Jahrgang folgte einem Lunisolarkalender. Sprich die 12-13 Mondmonate endeten je mit Neumond und begannen mit Neulicht (1-2 Tage nach Neumond), Festtermine richteten sich aber überwiegend nach den Vollmonden (den "hohen Zeiten", daher auch das Wort "Hochzeit").

    Zur Berechnung nimmt man den solaren Fixpunkt der Wintersonnenwende (an dem auch gleichzeitig das Disablót bzw die Modraniht/Mutternacht gefeiert wurde) und zählt die folgenden Vollmonde:


    Wintersonnenwende = /Modraniht/Mutternacht

    Darauf folgend die "Zwölften" oder 12 Rauhnächte

    1. Vollmond = Jól/Mittwinter

    4. Vollmond = Sigrblót/Varblót/Eoster/Ostern ("Ostara" ist nur ein angenommener Name nach Grimm, da kann man auch bei Ostern bleiben!)

    7. Vollmond = Mittsommer

    10. Vollmond = Vetrnóttablót/Winternächte


    Wenn in die Rauhnächte ein Neumond fällt, findet das Vetrnóttablót am 11.Vollmond statt (germanisches Schaltjahr). Das Jahr wurde zu heidnischer Zeit in Sommer- und Winter geteilt.


    HANGATYR Sorry für den Einwurf aber mit Snorris "Fest im Sommer" war im Vergleich mit der Ynglingasaga wohl eher das Sigrblót/Varblót gemeint. Und auch er nennt nur drei große Jahresopfer. Was nicht heißen soll, dass Mittsommer bedeutungslos war, sondern dass die Feiern (wenn, dann) eher lokal stattfanden.

    Zitat

    "Thorir war gewohnt, solange das Heidentum herrschte, jedes Jahr drei Opfer zu halten; eins zu Winterbeginn, ein zweites zu Mittwinter, ein drittes im Sommer."- Hk.


    "Geopfert werden sollte gegen die Winterzeit für ein gutes Jahr und im Mittwinter für den Pflanzenwuchs, das dritte Jahresopfer aber im Sommer, das war das Siegesopfer."- Y.

    Damit ergeben sich das Vetrnóttablót, Jól und Sigrblót als Jahresfeste für den nordgermanischen Raum.

    Gefeiert wurde meist drei Tage lang bei Gastmählern, wobei zumindest am Beginn (also zu Vollmond) ein Opfer stattfand, dass von einem Vorsteher geeitet wurde und bei dem Blut eine wichtige Rolle spielte.

    Zitat

    "Sigurd, derJarl von Lade, war ein eifriger Opferer, und dies war auch schon sein Vater gewesen. Sigurd stand allen Opferfesten dort in Drontheim an Stelle des Königs vor. Es war alter Brauch, dass, wenn ein Opferfest stattfinden sollte, alle Bauern an die Stätte zu kommen hatten, wo der Tempel stand, und dass sie alle Lebensmittel mitbringen mussten, die sie nötig hatten, solange das Fest währte. Und zu diesenm Feste sollten außerdem alle Männer Bier mitbringen. Man schlachtete dort auch Vieh aller Art und ebenso auch Pferde. Alles Blut aber von diesen nannte man Opferblut, die Schalen, in denen das Blut stand, hießen Opferschalen, die Opferwedel aber waren nach Art von Sprengwedeln gemacht. Mit diesen sollten die Götteraltäre allesamt bespritzt werden, ferner die Wände des Tempels innen und außen. Auch auf die Menschen sollte man das Opferblut mit ihnen sprengen. Das Fleisch aber sollte gesotten werdden zu frohem Mannenschmaus. Feuer waren in der Mitte des Tempelflurs angezündet, und Kessel sollten darüber sein, und man sollte die vollen Becher über das Feuer hinreichen. Der Veranstalter und Leiter des Festes aber sollte die Becher und die ganze Opferspeise segnen. Zuerst sollte man den Odinsbecher für den Sieg und die Herrschaft seines Königs trinken und dann die Becher des Njörd und des Frey für fruchtbares Jahr und Frieden. Danachpflegten manche Männer den Bragi-Becher zu trinken. Man trank auch Becher auf seine Verwandten, die schon im Grabhügel lagen, und diese nannte man Minni-Becher."- Hk.


    "Da ereignete es sich, dass dem König Olaf berichtet wurde, dass die Bauern um Winteranfang große und starkbesuchte Gastmähler hielten. Da waren große Trinkgelage. Dem König wurde gesagt, dass da alle Minnedem Thor geweiht werde und dem Odin, der Freya und den Asen, alles nach der heidnischen Sitte; dazu wurde auch weiter erzählt, dass da Rinder und Pferde geschlachtet und die Altäre mit dem Blute bestrichen würden, und dass der Opferdienst ganz offen abgehalten und dabei Formel vorgesprochen werde, dass dies für die Besserung des Jahrganges geschehen solle." - O.H.S.

    Heute nimmt man anstelle des Blutes häufig Met oder Bier. Da man damals Bier nicht lagern konnte, wurde es extra für die Feste gebraut (bsp. Julbier).

    Es ist anzumerken, dass beim Sumbel, also dem rituellen Umtrunk, keinerlei hinweise auf die heutige Praxis des sogenannten "Sonnenlaufkreises" zu finden sind, bei der ein zentrales Trinkhorn immer nach links weitergegeben wird. Zwar beginnt der Gastgeber, aber sowohl in der Heimskringla als auch bei Beowulf ist die Rede von mehreren Bechern und die Reihenfolge, in der die Gäste Trinksprüche, Danksagungen und Schwüre zum Besten geben folgt keinem klar ersichtlichem Ablauf.


    Mit dem Opfer im Telmpel ist aber auch die moderne Praxis im Kreis um den Altar (altnordisch "Högr") zu stehen hinfällig.

    Götterfiguren standen eher wie der Hochsitz eines Hausherren am Kopfende des Tempels, damit ergibt nur eine Positionierung der Opfergruppe hinter dem Vorsteher (er heißt ja nicht ohne Grund so) Sinn. Darüber hinaus Opferten die hiesigen Germanen nachweislich kniend mit gefalteten oder erhobenen Händen, was oben vermutete Position mit Blick auf die bei Niederdorla gefundenen Opferstätten auch hierzulande vermuten lässt. Im angelsächsischen Raum gilt dasselbe in Anbetracht der dreieckig angelegten "Stapol"-Plätzen (bsp. "Gebäude E" bei Yeavering).

    Die Einhegung von Ritualplätzen erfolgt vor dem Opfer durch umschreiten mit Feuer (aus dem Heliand entlehnt) oder durch die Weihe mit dem Hammer, wobei das beliebte Hammersmark nach Edred Thorsson (heidnisches "bekreuzigen") sowie die Anrufung der Himmelsrichtungen geringe bis keine historische Grundlage haben.


    Grobe Gebetsformeln lassen sich aus dem Sigrdrifúmál ableiten:

    Da sowohl obiges Gebet als auch Beowulf und der Heliand (als religiöse Schrift in germanischer Sprache) im Original im Stabreim gehalten sind, bietet sich diese Form der Dichtung allgemein auch für die Opferpraxis an.


    Soweit eigentlich das Grundlegende.


    Dazu kommen dann kleinere Feierlichkeiten, wie Thorrablót, Haustablót, Alfablót und Disablót sowie die großen Versammlungen Althing (jährlich) und Disthing (alle neun Jahre) zu denen auch geopfert wurde und wohl auch besondere Märkte stattfanden.

    Im westgermanischen finden sich dann noch das Haerfest und die Meinweeken, die aber wohl Haustblót und Alfablót enstsprechen.


    Was die Gestaltung außerhalb des weiter oben beschriebenen Ablaufs angeht empfiehlt es sich, sich mit regionalem Brauchtum zu beschäftigen.


    Literaturempfehlungen:

    Wie HANGATYR schon schrieb das Büchlein von Herrn Zautner.:thumbup:

    Dazu dann noch Walter Baetke "Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen", das ist aber immer schwer zu kriegen.

    Wenn Interesse herrscht mache ich mich daran, die kultrelevanten Kapitel abzutippen (Abschnitt A., I. "Die Götter und ihr Kult", Abschnitt B., II. "Gottesdienst und religiöses Brauchtum"; B., II., 14. "Begräbnis" habe ich ja schon im Thema "Von den Germanen benutzte Begräbnisformen" reingestellt).

  • HANGATYR und Kret Vielen Dank für eure Antworten, vor allem dir Kret für deine ausführliche Ausführung und den damit verbundenen Aufwand. Ich habe es auch schon Gestern gelesen. Antworte jetzt erst aus zeitlichen Gründen. Und natürlich auch dir Grout für den Link. Wobei ich die Liste schon kannte, ich wollte allerdings noch eine andere Quelle als Wikipedia zu Rate ziehen.

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben um einen Kommentar hinterlassen zu können

Benutzerkonto erstellen
Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Geht einfach!
Neues Benutzerkonto erstellen
Anmelden
Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmelden