Walter Baetke - ,Gottesdienst und religiöses Brauchtum' aus ,Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen'

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    Die einzelnen Punkte des Inhaltsverzeichnisses werden, wie gehabt, als einzelne Beiträge innerhalb dieses Themas eingestellt.



    B. Glaube und Frömmigkeit

    II. Gottesdienst und religiöses Brauchtum


    Inhalt:


    1. Fromme Scheu und Ehrfurcht vor den Göttern

    2. Gebet

    3. Private Opferfeste und Einzelopfer

    4. Julfest und Eberopfer

    5. Pferdeopfer

    6. Opferorakel

    7. Losorakel

    8. Die Hochsitzsäulen der isländischen Landnehmer

    9. Vogel- und andere Vorzeichen

    10. Zukunftskundige Frauen

    11. Weihe von Menschen, Tieren und Sachen

    12. Wasserweihe

    13. Kindesaussetzung

    14. Begräbnis <----(Verlinkung zum Thema "Von den Germanen genutzte Begräbnisformen")

  • 1. Fromme Scheu und Ehrfurcht vor den Göttern


    1. Dem Hain (der Semnonen) wird auch sonst Verehrung gezollt: nur in Fesseln betritt man ihn, im Gefühl der Untertänigkeit um die Macht der Gottheit zu bekunden. Wenn zufällig jemand hinfällt, darf er nicht aufgehoben werden oder selbst aufstehen. Am Boden wälzt er sich hinaus. Dieser Glaube geht auf die Vorstellung zurück, da gleichsam dort der Ursprung des Volkes sei, dort der allherrschende Gott und alles andere ihm untertan und gehorsam. – T. G. 39.


    2. Der Jarl (Hakon) ging allein von allen Mannen fort und sagte, niemand dürfe mit ihm gehen, und blieb eine Weile aus. Er fiel auf die Knie und hielt die Hände vor die Augen. – Nj. S. 88 (Th. 4, 190)


    3. Bui wandte sich zum Tempel, und als er dorthin kam, sah er, daß die Tür der Einfriedung unverschlossen war und ebenso der Tempel. Bui ging nun hinein in den Tempel. Da sah er, daß Thorstein mit dem Gesicht nach unten vor Thor an der Erde lag. – Kj. S. Kap. 4.


    4. Früh morgens ritt Indridi allein ab und geradewegs nach Thyrill. Dort stieg er vom Roß und ging den Indridisteig hinunter am Hof entlang und wartete dort, bis Thorstein nach seiner Gewohnheit sein Opferhaus aufsuchte. Thorstein kam und ging in das Opferhaus und fiel vor dem Steine nieder, an dem er opferte und der dort in dem Tempel stand, und betete davor. – H. S. 38 (Th. 8, 251)


    5. Als Helgi Island erblickte, ging er sich bei Thor zu befragen, wo er Land nehmen sollte. Die Befragung aber wies ihn nordwärts um das Land. Da fragte sein Sohn Hrolf, ob Helgi auch ins Eismeer steuern wolle, wenn Thor ihn dorthin wiese; denn der Schiffsmannschaft schien es höchste Zeit, von See zu kommen, da der Sommer schon sehr zur Neige ging. (Aber Helgi gehorchte der Weisung des Gottes.) – Lnb. (Th. 23, 117)

  • 2. Gebet


    1. Alsbald hebt, wenn in gemeiner Sache (das Los) befragt wird, der Priester des Volkes, wenn in privater, der Hausvater selbst unter Anrufung der Götter die Losstäbchen auf. – T. G. 10.


    2. Die Erde bitt ich und den Oberhimmel

    Erke, Erke, Erke, der Erde Mutter!

    Es gönne dir (der Allwaltende…)

    Acker wachsend und aufsprießend,

    Voll schwellend und kräftig treibend…

    Und der breiten Gerste Früchte…

    Und des weißen Weizens Früchte

    Und alle Erdenfrüchte! –

    Heil sei dir, Erdflur, der Irdischen Mutter!

    Sei du grünend in Gottes Umarmung,

    Mit Futter gefüllt, den Irdischen zu Frommen. – Ags. Flurgangshymnus


    3. Heil dir, Tag!

    Heil euch, Tagsöhne!

    Heil, Nacht und Nachtkind!

    Mit holden Augen schaut auf uns

    und gebt uns Sitzenden Sieg!

    Heil euch, Asen!

    Heil euch, Asinnen!

    Heil dir, fruchtbare Flur!

    Rat und Rede

    gebt uns ruhmreichen beiden

    und Heilkraft den Händen. – Sdm. 4 (Th. 1, 134)


    4. Und da sie Island in Sicht bekamen, ging Hreidar an den Mastbaum und sagte, er würde seine Hochsitzsäulen nicht über Bord werfen; denn das dünkte ihn zu bedeutungslos, um danach zu entscheiden; lieber, sagte er, wolle er Thor anrufen, daß er ihm Land auserlese. – Lnb. (Th. 23, 112)


    5. Örlyg stieß in See und auf einem zweiten Schiff ein Mann namens Koll, sein Ziehbruder. Sie fuhren zusammen. Aber als sie Island bald nahe sein mußten, überfiel sie ein gewaltiger Sturm und trieb sie westwärts um Island. Da betete Örlyg zu seinem Ziehvater, dem Bischof Patrek, um Landung für sich und gelobte den Ort, wo er landen würde, nach seinem Namen zu benennen… Aber Koll betete zu Thor. – Lnb. 43.


    6. Thorstein kam und ging in den Tempel und fiel vor dem Stein nieder, dem er opferte und der dort in dem Tempel stand, und betete davor. – H. S. 38 (Th. 8, 251)


    7. Es war dazu gekommen, daß Gunnlaug mit ihm ringen sollte; und in der Nacht vorher betete Thord um Sieg für sich zu Thor. – G. O. 13 (B. H. 5, 107)


    8. Nun ging der Jarl auf die Insel Primsignd hinauf und wanderte fort in den Wald, warf sich auf die Knie nieder und betete und wandte sich nach Norden. Mit seinen Gebeten kam es darauf hinaus, daß er seine Beschützerin Thorgerd Hölgabrud anrief, aber sie wollte seine Bitte nicht hören und war zornig… – J. S. (Th. 19, 427)


    9. Starkad war ein großweiser Riese. Er raubte aus Alfheimar Alfhild, die Tochter König Alfs. Da betete König Alf zu Thor, daß Alfhild wiederkommen sollte. – Gtr. S. Kap. 3.

  • 3. Private Opferfeste und Einzelopfer


    1. Freyja: Helfen muß ich, daß der junge Held (Ottar) Seiner Ahnen Erbteil habe. Er stellte das Weihtum aus Stein mir auf. Dem Glase gleich glänzt nun der Stein. Er rötet ihn frisch mit Rinderblut. Ottar ehrte die Asinnen stets. – Hy. L. (Th. 2, 96)


    2. Opfern will ich und anflehen Thor, Daß immer hold er Hyndla sei; Ob feind er auch den Frauen der Riesen. – Hy. L. (Th. 2, 95)

    3. König Adlis war der größte Opferer und voll von Zauberei. – R. K. S. 13 (Th. 21, 246)


    4. Den nächsten Herbst bei Winters Anfang hielt Gode Snorri ein großes Herbstfest ab und lud seine Freunde dazu ein. Da gab es ein Biergelage, und es wurde viel getrunken. – Eyrb. 37 (Th. 7, 90)


    5. Thorgrim beabsichtigte, zu Anfang des Winters ein Herbstfest zu veranstalten, um den Winter zu Begrüßen und Frey ein Opfer zu bringen. – G. S. 15 (B. H. 4, 62)


    6. Kollsvein der Starke hieß ein Mann. Er nahm Land zwischen der Thvera und der Gljufra und wohnte zu Kollsveinsstadir oberhalb von Thvera. Er verrichtete Opfer in Hofsstadir (Tempelstätten). – Lnb. 195.


    7. Als er (Vedastus), zu dem Schmaus herbeigerufen, voller Schreck herbeigeeilt war und in das Haus eintrat, erblickte er Gefäße herumstehen, die nach heidnischem Brauch mit Bier gefüllt waren. Er forschte nun nach, was es denn mit diesen in der Mitte des Hofes stehenden Gefäßen auf sich hätte. Er erhielt zur Antwort, daß sie teils nach christlichem, teils nach heidnischem Brauch zum Opfer bestimmt seien. – V. V. 7.


    8. Am Morgen sind sie früh auf den Beinen und ziehen sich an. Da kommt König Geirröd zu ihnen und bittet sie, den Abschiedstrunk für ihn zu trinken. Das taten sie. Da wurden nach den Mahlzeiten zuerst die Hörner Weißling getrunken; aber dann wurde die Minne Thors und Odins getrunken. – Th. B. Kap. 9.


    9. Der Herse Thorir machte sich nun zu dieser Fahrt fertig. Er rief Arinbjörn zum Gespräche – „ich werde jetzt“, sagte er, „zum Opferfest fahren; ich wünsche aber nicht, daß Egil dorthin kommt… Thorolf aber soll mich begleiten“, sprach er weiter, „und die übrigen Fahrtgenossen. Thorolf soll dort opfern und um Heil für sich und seinen Bruder bitten.“ – E. S. 49 (Th. 3, 129)


    10. Und an dem Tag, wo auf Ölfussee Tempelheiligkeit gehalten wurde – Grimkel war nämlich ein großer Opferer (blótmadr) – saß Signy mitten in der Stube auf ihrem Stuhl. – H. S. 7 (Th. 8, 197)


    11. Der König sandte Botschaft an Gest den Blinden, er solle zu ihm kommen, und bestimmte ihm einen Tag; sonst, ließ der König ihm sagen, würde er Leute zu ihm schicken. Ihm sagte keine von beiden Bedingungen zu… Da opferte er Odin und bat ihn um Beistand und gelobte ihm große Gaben. – Hv. S. Kap. 12.


    12. Helgi vermählte sich mit Sigrun, und sie gebar ihm Söhne. Aber ihr Bruder Dag sann auf Rache für den Vater (den Helgi erschlagen hatte). Er opferte dem Odin, und Odin lieh ihm seinen Speer. Damit durchbohrte Dag den Helgi im Fesselwalde. – H. Hb. II (Th. 1, 150)


    13. Nach dieser Tat läßt Styr zwei zweijährige Stiere von der Weide holen und schlachtet sie. Denn damals glaubte man, wenn man das täte, würde nichts aus der Verfolgung. – Hvg. S. 2 (Th. 8, 266)


    14. Erst wurde der Fluch von Hadding genommen, als er seine Freveltat durch Opfer sühnte und die Gunst der Götter wieder gewinnen konnte. Damit die ihm wieder ihre Gnade zuwandten, opferte er dem Gotte Frö schwarze Opferstiere. Diese Art des Opfers wiederholte er im jährlichen Umlaufe der Tage und hinterließ sie auch der Nachwelt zur Nachachtung. Fröblod nennen die Schweden dieses Opfer. – S. G. 1, 30.


    15. Hallstein, der Sohn von Thorolf Mostrarskegg, nahm die Thorskafjordküste und wohnte zu Hallsteisnes. Er opferte Thor dazu, daß er ihm Hochsitzsäulen sende, und gab dafür seinen Sohn. Darauf trieb ein Baumstamm an sein Land, der war dreiundsechzig Ellen lang und zwei Faden dick. Der wurde zu Hochsitzsäulen verwandt, und es sind daraus die Hochsitzsäulen auf fast allen Gehöften um die Querfjorde gemacht. – Lnb. 131.


    16. (Glum zwingt Thorkel, ihm den Hof Thvera abzutreten.) Bevor Thorkel von Thvera fortzog, ging er zu dem Tempel Freys; er führte einen alten Ochsen mit dorthin und sprach: „Frey, du bist lange mein Schutzfreund gewesen und hast viele Gaben von mir angenommen und mir wohl gelohnt – heut bringe ich diesen Ochsen dar mit dem Wunsche, daß Glum einst ebenso gegen seinen Willen vom Thveraland fortgehe wie ich jetzt. Und laß du mich ein Zeichen sehen, ob du die Gabe annimmst oder nicht.“ Der Ochse aber geriet so in Wut, daß er aufbrüllte und tot niederstürzte; Thorkel nahm das für einen guten Ausgang und war nun froher, weil er meinte, daß sein Gebet angenommen sei. – Vg. S. 9 (B. H. 1, 64)


    17. Und als Odd sich zum Wegzug rüstete, ließ er einen Stier schlachten und kochen. Und den ersten Ziehtag, als Odd zum Aufbruch fertig war, ließ er längs der Bänke Tische aufstellen, und das ganze Geschlachtete vom Stier wurde aufgetragen. Dann ging Odd hinzu und hielt eine Rede: „Hier ist nun der Tisch sorgsam zugerichtet, so wie für meine liebsten Freunde. Dieses Mahl gebe ich ganz und gar Frey, damit er einst den, der an meine Stelle kommt, mit nicht geringerem Harm von Oddstadir fortziehen lasse. Als ich jetzt ziehe.“ – B. Th. 59.


    18. Nach dem Tode Vegeirs verfeindete sich Vebjörn mit Jarl Hakon, wie vorhin erzählt wurde; daher fuhren die Geschwister nach Island. Sie hatten eine harte und lange Überfahrt. Im Herbst landeten sie in der Hlöduvik westlich von Horn. Da veranstaltete Vebjörn ein großes Opfer; er meinte, Jarl Hakon opfere an diesem Tage zu ihrem Verderben. Aber als er beim Opfer war, trieben ihn seine Brüder zur Weiterfahrt an, und er ließ das Opfer im Stich, und sie gingen in See. Denselben Tag scheiterte ihr Schiff bei schwerem Sturm an großen Klippen; sie retteten sich mit Not und Mühe an Land, wobei Vebjörn voranging. – Lnb. (Th. 23, 99)


    19. Thorstein sprach: „- - - jetzt wird wohl seine Mutter Ljot für den Sommer opfern, wie sie es nach ihrer beider Brauch zu tun pflegt. Wenn aber ihr Opfer vorher vollbracht ist, wird unsere Rache nicht gelingen.“ – Vd. S. 25 (B. H. 6, 87)


    20. Am ersten Abend, als sie das Lager teilten, wollte er sein Recht als Gatte ausüben, sie aber entzog sich ihm und sagte…:

    „Laß uns die drei Nächte

    Liegen, jeder allein,

    Aber doch vereinigt,

    Ohne den Göttern zu opfern.

    Dann wird kein schwerer Schaden

    Beschieden meinem Sohne.“ – R. L. S. 6 (th. 21, 153)


    21. Thorolf bestahl und beraubte die Leute und wurde ein arger Dieb; er hatte auch Opfergruben, weshalb man von ihm glaubte, daß er sowohl Menschen wie Tiere opferte. – Vd. S. 30 (B. H. 6, 102)


    22. Thorolf stand im Verdachte, daß er Menschen opferte, und im ganzen Tal gab es keinen, der verhaßter gewesen wäre als er. – Vd. S. 16 (B. H. 6, 66)


    23. …Wer einen Menschen dem Teufel opfert und ihn nach heidnischer Sitte den Dämonen als Opfer darbringt, soll des Todes sterben… – K. C. S. 9.


    24. Desgleichen ermahnen wir euch, auch eure übrigen Untertanen in weiser Zucht zu halten, damit sie nicht den Götzen opfern, nicht Bäume anbeten und nicht mit Tierköpfen einen gottesfrevlerischen Opferdienst treiben. – P. G. I. Ep. (an Brunichilde, 597).


    25. Alle Opfer, die sie auf Steinen oder bei Quellen oder bei Bäumen dem Jupiter (Donar) oder Merkurius (Wodan) oder anderen Göttern der Heiden opfern… – 6. Pseudobonifat. Predigt.


    26. …Wir haben ferner beschlossen, daß jeder Bischof in seiner Diözese dafür Sorge tragen soll, daß das Volk Gottes nichts heidnisches treibe, sondern alles Heidentum abstreife, als da ist: Totenopfer, Losdeuterei, Zauberei, Amulette, Wahrsagerei, Beschwörungen, Tieropfer oder jene gotteslästerlichen Feuer, die sie Niedfyor nennen… – B. B. 56

  • 4. Julfest und Eberopfer


    1. Nun soll erzählt werden, aus welchem Grunde die Heiden ihr Julfest feierten, denn damit steht es ganz anders als bei den Christen. Denn diese halten ihr Julfest wegen der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, aber die Heiden begingen das Fest zu Ruhm und Ehren des bösen Odin. – O. Tr. S. Ftb. I, 564.


    2. König Heidrek opferte Frey. Den größten Eber, den er bekommen konnte, sollte er Frey darbringen. Den hielt man für so Heilig, daß man über seinen Borsten in allen wichtigen Sachen schwören sollte. Und man sollte diesen Eber zum Sühneopfer opfern. Am Julabend sollte man den Sühneeber in die Halle vor den König leiten; da pflegten die Leute die Hände über seine Borsten zu legen und heilige Gelübde abzulegen. – Hv. S. Kap. 12.


    3. Einmal, am Vorabend des Julfestes, als er alleine von der Jagd im Walde heimging, traf er auf ein Riesenweib. Hedin schlug ihre Gefolgschaft aus.; da sagte sie: „Dafür sollst du büßen beim Weihebecher!“ – Denselben Abend führte man den Opfereber in die Halle; die Männer legten ihm ihre Hand auf und leisteten ihre Gelübde zum Weihebecher. – H. Hj. (Th. 1, 172)


    4. Dag ging zum Eberopfer zur Befragung (Losorakel). – Y. S. 18 (Th. 14, 43)


    5. Als die Männer am ersten Julabend auf ihre Sitze gekommen waren, stand Hrvar auf und sagte: „ Hier steige ich auf den Pfosten und leiste dies Gelübde, daß ich vor nächstem Jul den Hügel des Wikings Soti erbrochen haben will.“ – H. S. 14 (Th. 8, 212)


    6. Eines Julabends in Bolm leistete Hjörvard das Gelübde beim Bragibecher, wie es Sitte war, daß er Ingibjörg, die Tochter des Königs Yngvi von Uppsala, zum Weibe haben wolle. – Hv. S. Kap. 4.


    7. Moldi sagte: „Ich fordere dich auf den Holm drei Nächte nach Jul.“ Thorstein sagte: „Warum nicht gar! Schlagen wir uns doch vor Jul, und am liebsten auf der Stelle, wenn dir`s recht ist.“ Moldi sagte: “Nein, ich will die heilige Götterzeit nicht entweihen…“ – Sd. S. 7 (Th. 11, 244)


    8. Es wird berichtet, daß Thorberg durch seinen Knecht Otrygg das Vieh, das er zu Jul schlachten wollte, auf die Inseln im See bringen ließ, dazu auch Rinder und Lastpferde. – R. S. 18 (Th. 11, 343)


    9. Jarl Hakon hatte im Winter ein großes Julfest ausgerichtet. Und am Vorabend des Festes kamen von Norden her aus Norwegen zwölf Leute dorthin, Sendboten des Jarls Erich, und sie führten Geschenke für Jarl Sigurd mit sich. – G. O. 8 (B. H. 5, 99)


    10. Arinbjörn gab ein großes Julfest. Er lud dazu seine Freunde und die Bauern der Umgegend. Da waren viele Menschen und eine gute Bewirtung. Arinbjörn schenkte Egil als Julgabe ein seidenes Schleppgewand mit goldener Borte, unten bis zum Saum besetzt mit goldnen Knöpfen. – E. S. 67 (Th. 3, 199)


    11. König Hakon nahm Gunnar gut auf und lud ihn ein, den Winter bei ihm zu bleiben. Er nahm das an und kam bei jerdermann in hohe Achtung. Am Julfest schenkte ihm der Jarl einen goldenen Ring. – Nj. S. 31 (Th. 4, 83)


    12. Der König schenkte Olaf zum Julfest einen ganzen aus Scharlach geschnitzten Anzug. – Ld. S. 22 (Th. 6, 76)


    13. König Hakon war ein guter Christ… Er gab ein Gesetz, das Julfest künftig zu derselben Zeit abzuhalten wie die Christen. Da sollte jeder ein bestimmtes Maß an Bier brauen oder sonst Strafe zahlen, und er sollte die Zeit heilig halten, solange das Bier reichte. Vorher hatte das Julfest aber in der Hökunacht, d. i. Mittwinternacht, begonnen, und dann war Jul drei Tage (Nächte) lang gefeiert worden. – Hk. (Th. 14, 148)

  • 5. Pferdeopfer


    1. Thorbjörn der Starke besaß dort ein Gestüt, daß er oben auf der Bergweide grasen ließ, und er wählte sich davon gewöhnlich ein Roß aus, um es im Herbst zu schlachten. – Eyrb. 18 (Th. 7, 39)


    2. Thormod und sein Sohn Eyjolf hatten ein graues Roß mit starker Mähne. Sie pflegten Pferde zum schlachten zu verkaufen. – R. S. 23 (Th. 11, 355)


    3. "Und im Frühjahr nach Ostern, als du heimgekommen warst nach Borg, sagtest du, als mir dreißig auf Winterweide gehende Pferde gefallen waren, daß man die alle gegessen hätte.“ – Bm. S. 10 (Th. 10, 299)


    4. Svein, der Schwager des Königs,… bot den Schweden an, die Opfer vor ihnen zu verrichten, wenn sie ihm das Königtum gäben. Dem stimmten sie alle zu. Da wurde Svein zum König angenommen über ganz Schweden, und es wurde ein Roß aufs Thing geführt und entzweigehauen und zum Essen verteilt, und mit dem Blute röteten sie die Opferbäume. – Hv. S. Kap. 16.


    5. Im Herbst nahe dem Winter fand ein Blutopfer in Lade statt, und der König begab sich zu diesem… Am nächsten Tage aber, als man zur Tafel ging, drangen die Bauern heftig in den König und verlangten, er solle das Roßfleisch essen. Das wollte der König aber durchaus nicht. Dann forderten sie ihn auf, die Roßbrühe zu trinken. Aber auch das lehnte er ab. Endlich wollten sie, daß er von dem Roßfett äße, doch er weigerte sich wieder. – Hk. (Th. 14, 153)


    6. So wurde nun dies als Gesetz verkündet, daß alle, die hierzulande noch ungetauft wären, Christen werden und die Taufe nehmen sollten; aber für die Kindesaussetzung und das Pferdefleischessen sollten noch die alten Gesetze gelten. – Ib. 7 (Th. 23, 51)


    7. Der König (Olaf Tryggvason in der Svolderschlacht) fragte: „Welcher Führer ist bei den Bannern, die da draußen zur Rechten sind?“ Ihm wurde gesagt, das sei König Olaf, der Schwedische, mit dem Schwedenheer. Der König sagte: „Leichter und erfreulicher wird es den Schweden vorkommen, daheim zu sitzen und ihre Opferkessel auszuschlecken, als heute gegen eure Waffen den ,Wurm‘ (sein Kriegsschiff) anzugreifen. Ich glaube, wir brauchen die Schweden, diese Pferdefresser, nicht zu fürchten.“ – O. Tr. S. Kap. 250


    8. Ich heiße Skarphedin, und du hast keinen Grund, mich mit Hohnworten zu bedenken unverschuldetermaßen… Es liegt dir auch näher, dir das Stück Mastdarm von der Mähre aus den Zähnen zu stochern, das du aßest, ehe du aufs Thing rittest, und es sah dein Hirte und wunderte sich, daß du eine solche Ekelhaftigkeit begingst… – Nj. S. 120 (Th. 4, 258)


    9. …Du berichtest, daß einige Leute wilde Pferde, mehr aber noch zahme Pferde essen. Das darfst du in Zukunft um keinen Preis mehr dulden… – P. G. III an Bonifatius

  • 6. Opferorakel


    1. Heim brachten Wild die Walgötter, Darbend nach Trunk, den Durst zu löschen. Sie schüttelten Zweige, beschauten das (Opfer-) Blut. Bei Aegir sollte Überfluß sein. – Hkv. 1 (Th. 2, 17)


    2. Önund der Weise hieß ein Mann. Er nahm Land vom Merkigil aufwärts, das ganze östliche Osttal; aber als Erik zufahren wollte, um den ganzen westlichen Teil des Tales in Besitz zu nehmen, veranstaltete Önund ein Opferorakel, um zu wissen, wann Eirik zufahren würde, um sich das Tal anzueignen. – Lnb. (Th. 23, 113)


    3. In jenem Winter veranstaltete Ingolf ein großes Opfer und bat um Heil für sein Schicksal… Das Orakel wies Ingolf nach Island. – Lnb. (Th. 23, 66)


    4. Thorolf Mosterbart veranstaltete ein großes Opfer und fragte seinen geliebten Freund Thor um Rat, ob er sich mit dem Könige verständigen oder aus dem Lande ziehen und woanders sein Heil versuchen solle. Des Gottes Bescheid aber wies Thorolf nach Island. – Ryrb. 4 (Th. 7, 17)


    5. Als Helgi Island erblickte, ging er sich bei Thor zu befragen, wo er Land nehmen solle. Die Befragung aber wies ihn nordwärts um das Land. – Lnb. (Th. 23, 117)


    6. Als Jarl Hakon ostwärts vor Gautland kam, warf er den Opferspan, und es offenbarte sich so, als wenn er einen günstigen Tag zur Schlacht haben sollte, und er sah zwei Raben, die schrieen und dem Kriegsvolk allewege folgten. – Fgsk. Kap. 48.


    7. Im nächsten Frühjahr zog dann König Granmar nach Uppsala, um zu opfern, wie dies gegen Sommer Sitte war, daß Friede wäre. Da fiel ihm der Opferspan so, daß er nicht mehr lange leben würde. So fuhr er denn wieder in sein Reich zurück. – Y. S. 3 (Th. 14, 67)


    8. König Wikar segelte von Agdir nordwärts nach Hördaland und hatte ein großes Heer. Er lag lange in einigen Schären und hatte starken Gegenwind. Sie warfen den Opferspan um Fahrwind, und er fiel so, daß Odin einen Mann aus dem Heere, durch Losfall zu bestimmen, ihm zu hängen forderte. Da wurde das Kriegsvolk zum Losen aufgestellt, und es kam das Los König Wikars heraus. – Gtr. S. Kap. 7.

  • 7. Losorakel


    1. Das Verfahren beim Losen ist einfach. Sie schneiden den Zweig von einem wilden Fruchtbaum zu Stäbchen, ritzen auf jedes ein bestimmtes Zeichen und streuen sie aufs Geratewohl über ein weißes Tuch hin. Dann hebt, wenn in gemeiner Sache Rat gesucht wird, der Priester, wenn in Sachen einzelner, der Hausvater, mit einem Gebet zu den Göttern gen Himmel aufblickend, nacheinander drei Stäbchen auf und deutet sie gemäß dem zuvor eingeschnittenen Mal. Sind sie nicht günstig, so wird in derselben Sache am gleichen Tage nicht mehr gelost, wenn aber günstig, noch die Bestätigung durch Vorzeichen gefordert. – T. G. 10.


    2. Über Weissagungen und Losorakel. – Ind. 14.


    3. Wenn aber ein allgemeiner Krieg drohte, wurde einer durch das Los erwählt, dem alle gehorchen mußten, um den bevorstehenden Krieg zu leiten. – W. Sg. I, 14.


    4. Auf einen Teil (der Winniler) war das Los gefallen, den väterlichen Boden zu verlassen und eine neue Heimat zu suchen. – P. D. 1, 18.


    5. Alles, was bei den Barbaren verhandelt wird, entscheiden sie in Privatangelegenheiten durch das Los; in öffentlichen Dingen pflegten sie auch Orakelsprüche der Dämonen (d. h. Götter) zu erbitten. – Sch. A. B. 133 (128)


    6. C. Valerius Procillus, der, dreifach gefesselt, von seinen Wächtern auf der Flucht mitgeschleppt wurde, fiel Cäsar selbst, der die Feinde mit der Reiterei verfolgte, in die Hände… Jener erzählte, daß in seiner Gegenwart über ihn dreimal das Los befragt worden sei, ob er sofort den Feuertod oder für eine andere Gelegenheit aufbewahrt werden sollte; nur dank den Losen sei er gerettet. – B. G. 1, 53.


    7. Dieser (der Friesenkönig Radbod) geriet in gewaltigen Zorn und gedachte, an dem Priester des lebendigen Gottes die seinen Göttern widerfahrene Unbill zu rächen. Drei Tage lang warf er, immer dreimal, nach heidnischer Sitte, die Lose über sie; aber das Todeslos konnte nicht über sie fallen, da Gott die Seinen schützte, und nur einer von den Genossen, den das Los traf, wurde mit dem Märtyrertod gekrönt. – A. V. W. 3.


    8. Von dort weiterreisend überschritt er den Fluß Loveke (Lauwers) und kam an einen Ort namens Hunareta. Daselbst begann er den Heiden das Wort Gottes zu verkündigen und sie zu überreden, daß sie den Götzendienst aufgeben und den einigen wahren Gott erkennen möchten… Als aber das wilde, dem Götzendienste ganz ergebene Volk ihn so reden hörte, so gerieten alle in großen Zorn, und zähneknirschend schrieen sie, ein solcher Frevler dürfte nicht länger leben; wer solche Lästerworte gegen ihre unüberwindlichen Götter auszusprechen wage, der sei des Todes schuldig. Einige Verständigere jedoch redeten den übrigen zu und sagten, sie kennten die Art dieses Glaubens nicht, auch wüßten sie nicht, ob er ihnen aus göttlichem Willen gebracht sei oder nicht; auch sei der Mann sonst keines weiteren Verbrechens zu zeihen; darum solle man ihn nicht aus so zweifelhaftem Grunde umbringen, sondern vielmehr das Los über ihn werfen: dann werde der Himmel offenbaren, ob er den Tod verdiene; wenn nicht, so möchten sie ihn frei seines Weges ziehen lassen und sich nicht selbst mit Schuld beflecken. Es geschah nach ihrem Rate, und nach heidnischer Sitte ward über Willehad das Los geworfen, ob er am Leben bleiben oder sterben solle. Da denn die göttliche Vorsehung ihm beistand, konnte das Todeslos nicht über ihn fallen; daher wagten sie ihm auch weiter nichts anzuhaben, sondern ließen ihn, nachdem sie sich noch einmal miteinander beraten, unangetastet ziehen. – V. Wh. 2.


    9. So vergingen acht Tage, während sie alltäglich vom Morgen bis zum Abend kämpften und stritten und auf beiden Seiten viele das Leben einbüßten, kein Teil jedoch siegte… Da sie also in höchster Verwirrung nicht wußten, was sie anfangen sollten, so beschlossen sie durch Los zu erfragen, ob ihre Götter ihnen dazu verhelfen wollten, den Sieg zu erlangen oder wenigstens lebendig davonzukommen. Sie warfen das Los, aber sie fanden keinen Gott bereit, ihnen zu helfen. R. V. A. Kap. 30.


    10. Der König nämlich berief zuerst seine Großen und begann mit ihnen über die Sendung unseres Vaters zu verhandeln. Diese beschlossen, durch das Los zu erforschen, was der Wille der Götter in dieser Beziehung wäre. Sie gingen also, wie es ihr Brauch war, aufs Feld und warfen das Los, und dieses gab kund, daß nach Gottes Willen die christliche Religion daselbst eingeführt werden solle. – R. V. A. Kap. 27.


    11. Ehe die Kirche errichtet wurde, wurde gelost, auf welcher Seite der Bucht sie stehen sollte; und das Los entschied für die Nordseite. Dort war vorher eine Altar- und Oferstelle. – K. S. 12 (Th. 23, 180)

  • 8. Die Hochsitzsäulen der isländischen Landnehmer


    1. Thorolf, ein Sohn Örnolf Fischjägers, wohnte auf Mostr; daher wurde er Mostrarskegg genannt. Er war ein großer Opferer und glaubte an Thor. Er fuhr vor der Gewalttätigkeit König Harald Schönhaars nach Island und segelte an der Südküste entlang. Und als er im Westen vor den Breidifjord kam, warf er seine Hochsitzsäulen über Bord; darin war Thors Bild geschnitten. Dazu sprach er den Wunsch aus, Thor solle dort an Lande kommen, wo er wolle, daß sich Thorolf anbauen solle. – Lnb. (Th. 23, 84)


    2. Da legte sich die Brise, und sie sahen nun, wie große Buchten ins Land einschnitten. Da warf Thorolf die Hochsitzpfeiler über Bord, die in seinem Tempel gestanden hatten. In einen von diesen war ein Bild von Thor geschnitzt. Er sprach dabei das Gelübde, daß er sich dort auf Island ansiedeln wolle, wo Thor die Hochsitzpfeiler an Land kommen ließe. – Eyrb. 4 (Th. 7, 18)


    3. Als Ingolf Island sah, warf er zum guten Glück seine Hochsitzpfeiler über Bord, Dazu sprach er, er wolle sich da ansiedeln, wo die Säulen an Land kämen. Ingolf landete da, wo es jetzt Ingolfshöfdi heißt. – Lnb. (Th. 23, 66)


    4. Im Frühjahr zog Ingolf hinunter über das Hochland und nahm sich dort eine Baustelle, wo seine Hochsitzsäulen angetrieben waren. Er siedelte sich in Reykjavik an. – Lnb. (TH. 23, 68)


    5. Björn ging mit einigen Leuten ins Land hinauf und wanderte an der Küste entlang. Zwischen Berg und Strand war das Land schmal. Die Gegend schien ihm zur Ansiedlung geeignet. Da fand Björn seine Hochsitzpfeiler in einer Bucht ans Land getrieben und meinte, daß ihm damit die Hofstätte angewiesen sei. – Ld. S. 3 (Th. 6, 29)


    6. Schließlich fuhr sie (Unn) mit ihrem Schiff in den innersten Teil des Fjords. Dort waren ihre Hochsitzpfeiler an Land getrieben. Damit schien es ihr gegeben zu sein, wo sie ihren Wohnsitz nehmen sollte. – Ld. S. 5 (Th. 6, 32)


    7. Darauf segelten sie aufs Meer. Danach warf Ögmund die Hochsitzpfeiler über Bord. Sie landeten im Mittelfjord (Midfjörd), und dort, wo schon vorher die Hochsitzpfeiler angetrieben waren, warfen sie Anker. – Km. S. 2 (Th. 9, 146)


    8. Hastein warf nach alter Sitte auf See seine Bettpfosten über Bord; sie kamen bei Stalfjara vor Stokkseyr (d. i. Pfostenstrand) an. – Lnb. (Th. 23, 151)


    9. Ein Mann namens Lodmund der Alte und sein Ziehbruder Bjolf fuhren von Thulunes in Vors nach Island. Lodmund war riesenstark und zauberkundig. Er warf unterwegs seine Hochsitzsäulen über Bord und sagte, er wolle sich dort ansiedeln, wo sie an Land treiben würden. – Lnb. (Th. 23, 132)


    10. Hrollaug fuhr mit Einwilligung König Haralds nach Island und nahm seine Frau und seine Söhne mit. Er kam im Osten bei Horn an und warf dort seine Hochsitzpfeiler über Bord. Sie trieben im Hornafjord an. Hrollaug aber kam ab und trieb westwärts am Lande entlang… Sie landeten im Westen in Leiruwag und blieben da den ersten Winter… Da hörte Hrollaug von seinen Hochsitzpfeilern und zog wieder ostwärts dorthin. – Lnb. (Th. 23, 134)


    11. Thord fuhr nach Island und nahm Land in Lon, nördlich der Jökulsa, zwischen ihr und der Lonsheide, und wohnte zehn Winter in Boe. Aber als er erfuhr, daß seine Hochsitzsäulen im Leiruwag unterhalb des Hochlandes wären, verkaufte er seine Ländereien an den Gesetzmann Ulfjolt. – Lnb. (Th. 23, 134)

  • 9. Vogel- und andre Vorzeichen


    1. Auf Vorzeichen und Losdeuten achten sie wie nur irgendein Volk. -T. G. 10.


    2. Wenn das Los günstig fällt, wird noch eine Bestätigung durch Vorzeichen gefordert. – T. G. 10.


    3. Und zwar ist auch hier bekannt, Vogelstimmen und Vogelflug zu erkunden. – T.G. 10.


    4. Eigentümlich aber ist diesem Volke, auch auf die Ahnungen und Warnungen von Pferden zu achten. In den gleichen Hainen und Wäldern, deren ich schon gedachte, werden von Gemeinde wegen weiße Rosse gehalten, von keiner irdischen Arbeit berührt. Nun spannt man sie vor den heiligen Wagen, und der Priester mit dem König oder Fürsten geht nebenher und merkt auf ihr Wiehern und Schnauben. Und kein anderes Vorzeichen findet größeren Glauben, nicht nur beim gemeinen Volk, sondern auch bei den Vornehmen. Die Priester halten sie wohl für die Diener der Gottheit, die Rosse aber für ihre Vertrauten. – T. G. 10.


    5. Über Vorzeichen von Vögeln oder Pferden, aus dem Rinderkot oder dem Niesen. – Ind. 13.


    6. Dieser Hermegisel sah einst, als er mit den angesehensten Warnenhäuptlingen spazieren ritt, einen Vogel auf einem Baum sitzen, der laut krächzte. Ob er nun die Stimme des Vogels verstand oder ihm sonst irgend etwas bewußt war und er nun so tat, als könne er die Weissagung des Vogels deuten, - kurz, er erklärte seinen Begleitern, er werde vierzig Tage später sterben, das offenbare ihm die Weissagung des Vogels. – Pr. G. IV, 20.


    7. In der Überzeugung, er (König Liutprand) werde sterben, erhoben die Langobarden seinen Neffen Hildeprand… zum König. Als sie ihm der Sitte gemäß einen Speer übergaben, log ein Kuckuck herbei und setzte sich auf die Spitze des Speeres. Da wollten einige kluge Männer aus diesem Zeichen erkennen, sein Regiment werde nichts Gutes bringen. – P. D. VI, 54.


    8. Sigurd sprach zu dem Manne im Mantel (Odin):

    „Künd mir das, Hnikar,

    Du kennst alle Vorzeichen

    Für Asen und Irdische:

    Welche Zeichen sind,

    Wenn man zieht in den Streit,

    Am besten beim Schwerterschwinger?“

    Hnikar (Odin) antwortete:

    „Viele erfreun den erfahrenen Mann

    Bei dem Schwerterschwingen:

    Für den Schwertbaum ist

    Ein schwarzer Rabe

    Als Zeichen des Sieges ersehnt.“ – N. S. 6 (Th. 21, 208)


    9. Ein Mann hieß Floki Vilgerdsohn… Er rüstete sich von Rogaland zur Ausfahrt, um Schneeland (=Island) zu suchen… Er veranstaltete ein großes Opfer und weihte durch es drei Raben, die ihm den Weg weisen sollten; Denn die Seefahrer hatten in jener Zeit in den Nordlanden noch keinen Kompaß… Floki segelte von dort nach den Färöern… Von da segelte er mit drei Raben, die er in Norwegen geweiht hatte, ins Meer hinaus. Und als er den ersten losließ, flog er zum Steven zurück, der zweite flog in die Luft auf und zum Schiff zurück; der dritte flog über den Steven voraus in der Richtung, in der sie Land fanden. – Lnb. (Th. 23, 63)


    10. Und als er (Jarl Hakon) ostwärts vor Gautland kam, warf er den Opferspan (veranstaltete ein Opferorakel), und der Bescheid fiel so aus, daß es günstige Zeit für ihn sei zu kämpfen. Und da sieht er zwei Raben fliegen, die laut krächzen und den Heerzug begleiten. – Fgsk. 48.


    11. Der Tag war schon weit vorgeschritten. Sie schieben nun das Boot ab und steigen ein und greifen zu den Rudern. Sie sahen, wie ein großer Rabenschwarm vorüberflog und über den Strandvorsprung weg, der vor ihnen lag. Harvard sprach da die Weise:

    „Gleich schaff ich euch Geiern

    (nicht vergaß ich’s) den Fraß jetzt.

    (Rabenschwarm rudert rüstig längs der Küste.)

    Ich weiß, uns allen winkt nun

    - Freut euch – weidliche Beute,

    Hallgrim, auf dieser Heerfahrt.

    Hell die Schwerter gellen!“ – H. I. S. 9 (B. H. 3, 65)


    12. Eines Tages ging Egil hinter seinen Schafen im Alftafjord nach dem Borgdal zu. Und da der Abend weiter fortschritt, sah er, wie ein Adler von Westen über den Fjord flog. Egil begleitete ein großer Schäferhund. Der Adler schoß herab auf den Hund, packte ihn mit seinen Klauen und flog mit ihm wieder zurück über den Fjord auf das Grab von Thorolf Hinkefuß. Dann verschwand er unter dem Berg. Dies Vorzeichen, meinte Thorbrand, deute auf ungewöhnliche Ereignisse. – Eyrb. 43 (Th. 7, 104)


    13. Högni nahm die Hellebarde herunter, und es tönte laut in ihr. Rannweig sprang auf in großer Wut und sagte: „Wer nimmt die Hellebarde, wo ich doch allen verbot, sie zu führen?“ „Ich habe vor“, sagte Högni, „sie meinem Vater zu bringen: er mag sie nach Walhall mitnehmen und dort beim Waffenspiel vorweisen.“ „Vorher wirst du selbst sie nun tragen“, sagte sie, „und deinen Vater rächen; denn die Hellebarde verkündet eines Mannes Tod oder mehrerer.“ Darauf ging Högni hinaus und erzählte dem Skarphedin dieses Gespräch mit seiner Mutter. Darauf zogen sie nach Oddi. Zwei Raben flogen mit ihnen den ganzen Weg. – Nj. S. 79 (Th. 4, 172)


    14. Zu jener Zeit herrschte Mittsfjord-Skeggi über die Gegend. Er ruderte zu ihnen, hieß sie willkommen im Fjord und bot ihnen Land an. Ögmund nahm dies an und maß den Grund für ein Haus aus. Damlas herrschte nun der Glaube, daß, wenn bei wiederholten Versuchen der Meßstock einschwände, auch das Glück des Hauses schwinde; daß dieses aber blühen würde, wenn die Meßrute Erfolg spürte. Die Ausmessung verlief aber trotz dreimaligen Versuches diesmal schlecht. – Km. S. 2 (Th. 9, 146)


    15. Am Abend, als Egil von Hause aufgebrochen war, ging Freystein westwärts über den Fluß nach den Schafen, und als er zu einem kleinen Hügel kam, der Georvör heißt und der sich westlich zum Fluß herabsenkt, sah er ein abgeschlagenes Manneshaupt ohne Rumpf unbeerdigt. Und das sprach dieses Verslein:

    Gerötet ist Geirvör von Reckenblute.

    Hegt wohl hüllend Heldenschädel.

    Er sagte dies Wunder dem Thorbrand, und jenem schien es auf außergewöhnliche Dinge zu deuten. – Eyrb. 43 (Th. 7, 106)


    16. König Waldemar legte sich schlafen. Und als er eingeschlafen war träumte ihm er sähe den heiligen Knut Laward, seinen Vater, und der spräche zu ihm: „Hier liegst du, mein Sohn“, sagte er, „und bist besorgt wegen deines Handels mit König Svend, wie es ausgehen wird. Sei mir guten Muts“, sagte er, „denn du vertrittst eine gute Sache in eurem Streit; achte jetzt genau auf das, was ich dir sage, mein Sohn; denn es ist kein Trug, was du jetzt träumst; wenn du erwachst, wirst du einen Raben fliegen sehen, und du sollst genau drauf achten, wo er sich setzt; denn dort sollst du deine Schlachtordnung aufstellen, wo der Rabe sich niederläßt, und Gott wird dir den Sieg verleihen.“ Darauf erwachte König Waldemar und stand auf und bedachte seinen Traum; er sah einen Raben fliegen, wie ihm angezeigt worden war. Darauf stellte König Waldemar dort seine Heermannen auf, richtete seine Schlachtordnung und rüstete sich zum Kampf. – Kn. S. 117 (Th. 19, 367)


    17. Wer bezichtigt wird, Vogelbeobachtungen und Loswerfen heilig zu halten und zum Wahrsagen zu benutzen, oder wer nach Einblicknahme in irgendwelche Schriften die Zukunft vorhersagt, oder wer ein Gelübde bei einem Baum oder irgendwelchem Gegenstand mit Ausnahme der Kirche tut, soll, einerlei ob er Kleriker oder Laie, von der Kirche exkommuniziert werden. – Bußordnung Egberts.


    18. Wenn jemand die Furcht Gottes vergißt und zu Zauberern oder Zauberinnen geht, um sich Vogelorakel oder sonstige Auskünfte von ihnen zu holen, so soll er im heiligen Palast die Hälfte des Wergeldes erlegen, auf das er geschätzt ist für den Fall, daß ihn einer getötet hätte. – L. L. 84.


    19. Wahrsagen und Losdeuten, Totenopfer, das Ausspähen nach Vogelzeichen in Hainen und bei Quellen, Amulette, Beschwören, Zaubern und Hexen und alle gotteslästerlichen Gebräuche, die bei euch (den Deutschen) im Schwange waren, verachtet und verabscheut ganz und gar und wendet Euch mit Eurem ganzen Sinnen und Trachten zu Gott hin! – Brief Gregors III. (738)

  • 10. Zukunftskundige Frauen


    1. Die Germanen glauben, daß den Frauen etwas Heiliges und Seherisches innewohne, und sie verschmähen ihre Ratschläge nicht und achten wohl auf ihre Bescheide. Wir haben es ja erlebt, daß unter dem verewigten Vespasian Weleda lange bei vielen als göttliches Wesen geachtet worden ist. Aber einstens haben sie auch die Albruna und einige andere Verehrt, nicht aus schmeichlerischer Unterwürfigkeit und auch nicht, als ob sie aus ihnen Göttinnen machen wollten. – T. G. 9.


    2. Er war daher erstaunt über Cäsars Kühnheit und bemerkte, wie sein Heer dadurch beunruhigt war. Aber noch mehr entmutigten ihn die Weissagungen ihrer eigenen Frauen, die auf Grund ihrer Blicke in die Strudel der Flüsse und ihrer Schlüsse aus den Wirbeln und dem Murmeln der Bäche weissagten. – Pl. C. 19.


    3. Vitellius wurde auch beim Tode seiner Mutter verdächtigt: er habe als sie krank war, verhindert, daß man ihr Essen reichte; denn eine chattische Frau habe ihm geweissagt – und dabei beruhigte er sich wie bei einem Orakelspruch – er werde erst dann sicher und lange regieren, wenn er seine Mutter überlebt habe. – S. V. 14, 5.


    4. Munius Lupercus, der Legat der Legion, wurde mit anderen Geschenken an Weleda geschickt. Diese, eine Jungfrau vom Stamme der Brukterer, herrschte weithin gemäß einem alten Brauch bei den Germanen, nach der sie die meisten Frauen für Weissagerinnen und, bei wachsendem Aberglauben, für göttliche Wesen halten. Damals wuchs Weledas Ansehen; denn ein den Germanen günstiges Kriegsglück und die Vernichtung der Legionen hatte sie vorausgesagt. – T. H. IV, 61.


    5. Masyos, König der Semnonen, und Ganna, eine Jungfrau, die nach Weleda in Germanien als Seherin aufgetreten war, kamen zu Domitian, wurden von ihm ehrenvoll behandelt und dann wieder zurückgebracht. – C. D. 67, 5.


    6. Eine Frau, die großer war als Menschenmaß, trat ihm (Drusus) entgegen und rief: „Wohin treibt es dich denn, unersättlicher Drusus? Es ist dir nicht bestimmt, dies alles zu sehen. Kehr um! Denn für dich ist jetzt das Ende deiner Taten und deines Lebens gekommen!“ – C. D. 55, 1.


    7. Bescheid weiß Frigg um alle Schicksale, wenn sie’s auch selbst nicht sagt. -Ls. 29. (Th. 2, 55)


    8. Einige erzählen, Brodd-Helgi habe eine zukunftskundige Ziehmutter gehabt. Diese pflegte er vor jedem Aufbruch aufzusuchen und so auch diesmal. Als er zu ihr kam, saß sie mit den Händen vor dem Gesicht und weinte. Helgi fragte, worüber sie weinte und warum sie so traurig sei. Sie weine über ihre Träume, sagte sie. Und er fragte, was sie geträumt habe. „Mit träumte“, erzählte sie, „daß hier zu Hof ein Stier aufstand, von blasser Farbe, groß und stattlich. Er trug die Hörner hoch und ging hinaus auf den Sand bei der Einmündung der Sonnentalache. Und dann sah ich von weither aus dem Bezirk Rinder kommen, große, aber nicht viele, und ihnen voran schritt ein rotgefleckter Stier, kein besonders großes oder schönes, aber sehr starkes Tier. Diese Herde ging auf unsern Stier – den großen – los und stieß ihn mit den Hörnern zu Tode…“ Brodd-Helgi sagte: „Jedenfalls meinst du, der blasse Stier gehört zu mir und der rotgefleckte dem Geitir, und er wird mich töten.“ „Gewiß meine ich das“, versetzte sie. – Vf. S. 13 (Th. 12, 35)


    9. Im Frühling trug es sich zu, daß Thordis in Löngunes in einer Nacht sehr unruhig schlief, und die Leute äußerten, man sollte sie wecken. Ihr Sohn Bödvar sagte: „Stört meine Mutter nicht in ihrem Traum; denn es kann sein, daß der Frau etwas offenbart wird, was sie wissen will.“ Und si wurde nicht geweckt. Als sie aber erwachte, holte sie schwer Atem. Ihr Sohn Bödvar sagte nun: „Du hast sehr unruhig geschlafen, Mutter, hast du ein Gesicht gehabt?“ Thordis antwortete: „Weit herum bin ich in dieser Nacht auf Zauberfahrten gejagt, und mir sind Dinge kund geworden, die ich vorher nicht wußte.“ -F. S. 25 (B. H. 2, 119)


    10. Die Bewohner des Vatnsdal machten sich auf, um Hilfe für ihn zu erhalten bei der Seherin Thordis, die am Spakonufell wohnte. Sie war sehr angesehen und zauberkundig. – Vd. S. 44 (B. H. 6, 140)


    11. Damals zogen Völven durch das Land, die Wahrsagerinnen genannt wurden, und weissagten den Leuten ihr Alter. Deshalb luden viele Männer sie zu sich ins Haus, richteten ihnen Gastmähler an und beschenkten sie beim Abschied. – N. S. 11 (Th. 21, 217)


    12. In der Gegend zog eine Frau umher, die Oddbjörg hieß, eine frohgemute Person, wissend und zukunftskundig. Man legte Wert darauf bei den Hausfrauen des Bezirks, sie freundlich zu empfangen; sie richtete ihre Sprüche etwas danach ein, wie sie bewirtet wurde. Sie kam nach Uppsalir, und Saldis nahm sie wohl auf und bat sie, etwas über die Knaben zu weissagen, aber Gutes. Sie sagte: „Viel versprechen diese Knaben – wenn ihnen das Glück treu bleibt, das aber ist mir verborgen.“ – Vg. S. 12 (B. H. 1,71)


    13. Das war üblich in jenen Zeiten, daß Weiber der Art über das Land zogen, die Völva genannt wurden und den Leuten ihre Geschicke sagten, den Gang des Jahres und andere Dinge, über welche die Leute Gewißheit haben wollten. – O. St. Kap. 5.

  • 14. Zu jener Zeit war auf Grönland eine große Hungersnot. Die Leute, die auf den Walfang gefahren waren, hatten wenig gefangen, und manche waren nicht zurückgekehrt. In der Siedlung wohnte eine Frau, die Thorbjörg hieß; sie war eine Wahrsagerin und wurde die „Kleine Völva“ genannt. Sie hatte neun Schwestern gehabt, die waren alle Wahrsagerinnen gewesen, und von ihnen war sie allein noch am Leben. Zur Winterzeit pflegte sie die Gelage zu besuchen, und es luden sie besonders die Leute ein, die gern über ihr Schicksal oder den Verlauf des Jahres etwas erfahren wollten. Und da nun Thorkel dort der größte Bauer war, meinte er, daß es ihm zukomme, zu wissen, wann diese schlechte Zeit, die da herrschte, aufhören würde. Thorkel lud die Wahrsagerin ein, und man bereitete ihr einen freundlichen Empfang, so, wie man diese Art Frauen aufzunehmen pflegte; es wurde ein erhöhter Sitz für sie bereitet und ein Kissen daraufgelegt, in dem Hühnerfedern sein mußten. Und als sie am Abend ankam mit dem Mann, der ihr entgegengeschickt worden war, da war sie auf diese Weise angetan: sie trug einen blauen geschnürten Mantel, der von oben bis unten mit Steinen besetzt war. Um den Hals trug sie Glasperlen. Auf dem Kopf hatte sie eine schwarze Lammfellmütze, innen mit weißem Katzenfell gefüttert. In der and trug sie einen Stab mit einem Knopf daran; der war mit Messing beschlagen und oben um den Knopf herum mit Steinen besetzt. Um den Leib trug sie einen Gürtel aus Kork, an dem eine große Ledertasche hing; darin verwahrte sie die Zaubergeräte, die sie zu ihrer Kunst brauchte. Sie trug raue Kalbsfellschuhe an den Füßen mit langen und starken Schnüren, an deren Enden große Blechknöpfe saßen. An den Händen hatte sie Katzenfellhandschuhe, die innen weiß und rauh waren.

    Als sie nun hereinkam, hielten es alle Männer für geboten, sie durch ehrenvolle Begrüßung auszuzeichnen; sie erwiderte das, je nachdem wie ihr die Männer gefielen. Der Bauer Thorkel nahm die weise frau bei der Hand und führte sie zu dem Sitz, der für sie hergerichtet war. Thorkel bat sie, ihre Augen über Vieh und Volk und Wohnung gehen zu lassen; sie sprach wenig bei dem allen. Am Abend wurden die Tische aufgestellt, und da ist zu erzählen, was für Essen man der Wahrsagerin zubereitete. Es wurde Grütze aus Ziegenmilch vorgesetzt, und die Herzen von allerhand Tieren, die es da gab, angerichtet. Sie hatte einen Messinglöffel und ein Messer mit einem Griff aus Walroßzahn mit einem doppelten Messingring; die Spitze war abgebrochen…

    Am andern Tage gegen Abend wurde sie mit allem versehen, was sie brauchte, um den Zauber ausüben zu können. Sie befahl, ihr einige Frauen zu besorgen, die das Lied könnten, das zur Ausführung des Zaubers nötig wäre und das man das Schutzlied nennt. Aber es waren keine solche Frauen zu finden. Da hielt man auf dem ganzen Gehöft Umfrage, ob irgend jemand das Lied kenne. Da antwortete Gudrid: „Ich bin weder zauberkundig noch eine Wahrsagerin, aber meine Pflegemutter Halldis lehrte mich auf Island ein solches Lied, das sie das Schutzlied nannte.“ Thorbjörg antwortete: „Da bist du klüger, als ich dachte.“ Gudrid sagte: „Diese Klugheit und dies Vorhaben sind von solcher Art, daß ich nicht dabei helfen möchte; denn ich bin eine Christin.“ Thorbjörg antwortete: „Es könnte sein, daß du den Leuten hierbei einen großen dienst leistetest, und du wärst deswegen kein schlechteres Mädchen; von Thorkel aber verlange ich, daß ich das, was ich hierzu brauche, bekomme.“ Thorkel drang nun an Gudrid, und sie sagte schließlich, sie wolle tun, was er verlange.

    Die Frauen bildeten nun einen Ring um den Zauberstuhl, auf dem Thorbjörg saß. Dann sang Gudrid das Lied so schön und vortrefflich, daß alle meinten, sie hätten nie zuvor einen schöneren Gesang gehört als wie dieses Mal. Die Zauberin dankte ihr für das Lied und sagte, es seien viele Geister dadurch herbeigelockt worden und hätten dem Gesang mit Vergnügen gelauscht, die vorher entweichen und ihr durchaus nicht gehorchen wollten: „mir sind nun viele Dinge klar, die mir und anderen vorher verborgen gewesen waren. Das aber kann ich sagen: die Hungersnot wird nicht länger als diesen Winter dauern; und mit dem Frühling wird eine bessere Zeit kommen. Die Seuche, die hier lange geherrscht hat, wird auch wider Erwarten schnell verschwinden. Dir aber, Gudrid, will ich die Hilfe, die du uns geleistet hast, gleich lohnen; denn dein Schicksal liegt jetzt ganz klar vor meinen Augen. Du wirst die ehrenvollste Heirat hier auf Grönland machen, die es gibt, wenn sie auch nicht von langer Dauer sein wird; Denn deine Wege führen nach Island, und dort wird aus dir ein Geschlecht entsprießen, groß und tüchtig; und über deinen Nachkommen wird ein helles Licht leuchten. Und nun leb wohl und sein glücklich, meine Tochter.“

    Darauf traten die Männer zu der Wahrsagerin, und jeder fragte sie nach dem, was ihn am meisten zu wissen verlangte, sie gab bereitwillig Auskunft; es ging auch richtig in Erfüllung, was sie sagte. Gleich darauf wurde von einem andern Hof nach ihr geschickt, und sie begab sich dorthin. – Er. S. 3 (vgl. Th. 13, 28)


    15. Ingjald und die Seinen veranstalteten da nach altem Brauche einen Seid (Zauber) zu dem Zwecke, daß die Leute ihr künftiges Geschick erforschen könnten. Da war auch ein zauberkundiges Lappenweib erschienen, Ingimund und Grim kamen mit stattlichem Gefolge zum Gastmahle. Das Lappenweib wurde auf einen hohen, herrlich geschmückten Sitz gesetzt. Jedermann begab sich von seinem Platz aus dahin, um sich sein Schicksal weissagen zu lassen. Sie weissagte jedem, je nachdem, wie es ausfiel; aber sie waren keineswegs alle zufrieden mit der Antwort, die sie erhielten. – Vd. S. 10 (B. H. 6, 50)

  • 11. Weihe von Menschen, Tieren und Sachen


    1. In dem Sommer, als Thorstein fünfundzwanzig Jahre war, gebar Thora einen Knaben, den man Grim nannte, als man ihn mit Wasser besprengte. Diesen Knaben weihte Thorstein dem Thor und bestimmte ihn zum Tempelgoden. Er nannte ihn nach dem Gotte Thorgrim. – Eyrb. 11 (Th. 7, 27)


    2. Thorolf und Unn hatten einen Sohn namens Stein. Diesen Knaben weihte Thorolf seinem Freunde Thor und nannte ihn nach dem Gotte Thorstein. Dieser Knabe entwickelte sich sehr gut. Hallstein, der Sohn Thorolfs, nahm Osk, die Tochter Thorsteins des Roten, zur Frau. Deren Sohn hieß auch Thorstein. – Eyrb. 7 (Th. 7, 22)


    3. Geir hieß ein angesehener Man in Sogn. Er wurde Vegeir (das ist Weihegeir) genannt, weil er ein großer Opferer war. Er hatte viele Kinder; Vebjörn Sygnakappi, der der älteste Sohn war, Vestein, Vethorm, Vemund, Vegest, und eine Tochter Vedis. – Lnb. (Th. 23, 99)


    4. Ofeig Grettir war mit Asny vermählt, einer Tochter des Vestar Haeingsson. Asmund Skegglaus (d. h. Bartlos), und Asbjörn waren Ofeigs Söhne, Aldis, Aesa und Asvör seine Töchter. (In den Namen steckt das Wort „Ase“.) – Gr. S. 3 (Th. 5, 7)


    5. Er (König Aun) war damals sechzig Jahre alt. Da veranstaltete er ein großes Opfer und opferte um langes Leben für sich. Er weihte Odin seinen Sohn, und dieser wurde jenem geopfert. – Y. S. 25 (Th. 14, 52)


    6. In den heiligen Hainen, deren ich schon gedachte, werden auf Kosten der Gemeinschaft weiße Rosse gehalten, von keiner irdischen Arbeit berührt. – T. G. 10.


    7. So kam er (Olaf Tryggvason) eher zum Tempel. Und als er an Land kam, sahen seine Leute einige Zuchtpferde am Wege, von denen sie sagten, daß sie Frey gehörten. Der König bestieg den Hengst und ließ die Rosse greifen, und so ritten sie nun zum Tempel hinan. Der König stieg vom Pferde und ging in den Tempel hinein. – Ftb. I, S. 401.


    8. Unter Hrafnkels wertvollsten Besitztümern war eins, das er höher als alle schätzte: das war ein Hengst von graubrauner Farbe mit dunklem Rückenstreif; er nannte ihn Freyfari; den hatte er seinem Freunde Frey auch zur Hälfte geschenkt. Zu diesem Tier hegte er eine solche Liebe, daß er das Gelübde tat, er würde den töten, der es ohne seinen Willen ritte. – Hrk. S. 3 (B. H. 9, 18)


    9. Er (König Hreggvid) hatte ein Pferd, das die menschliche Sprache verstand; das hieß Dulcefal. Es war schnell wie ein Vogel, wendig wie ein Löwe, groß wie ein Wolf, keins war ihm gleich an Größe und Kraft. Es ließ sich nicht greifen, wenn dem, der es reiten wollte, eine Niederlage bevorstand. Wenn ihm aber Sieg bevorstand, kam es selbst zu seinem Herrn. – G. H. S. Kap. 1.


    10. Asbjörn weihte (heiligte) seine Landnahme Thor und nannte sie Thorsmörk (Thorsmarken). – Lnb. (Th. 23, 143)


    11. Der Gode Jörund siedelte sich westlich des Fjot an, an dem Ort, der jetzt Svertingsstadir heißt. Er errichtete dort einen großen Tempel. Ein Streifen unbesetzten Landes lag östlich des Fjolts zwischen der Krossa und dem Jöldustein. Das umging Jörund mit Feuer und legte es zum Tempel. – Lnb. (Th. 23, 144)


    12. Oenund… schoß mit einem brennenden Pfeil über den Fluß und weihte sich so das Land westlich vom Fluß als eigen. – Lnb. (Th. 23, 113)


    13. Er (Thorolf) gelobte, Thor seine ganze Landnahme zu weihen (heiligen) und nach ihm zu benennen. – Lnb. (Th. 23, 84)


    14. Olaf sandte nun (vor seinem Umzug) zu seinem Vater mit der Bitte, daß er draußen stehen und sich den Zug ansehen solle, wenn Olaf in diesen neuen Hof einziehen würde, und daß er Heil-Worte ausspräche. Höskuld sagte, das solle so geschehen. – Ld. S. 24 (Th. 6, 83)


    15. Der König nahm dann das Horn und machte das Zeichen des Kreuzes darüber. Da sprach Kar aus Grytting: „Wie tut der König so? Will er etwa nicht mehr opfern?“ Jarl Sigurd erwiderte: „Der König macht es so wie alle, die an ihre Macht und Stärke glauben und ihren Becher Thor segnen. Er machte das Hammerzeichen über den Humpen, bevor er trank.“ – Hk. (Th. 14, 153)


    16. Die Königin und Bard mischten da einen Trank mit Gift und brachten ihn herein. Bard weihte (signadi) den Becher und händigte ihn dann der Schenkin ein. – E. S. 44 (Th. 3, 116)

  • 12. Wasserweihe


    1. Ein dreizehntes kann ich,

    Wenn eines Degen Sohn

    Mit Wasser ich weihen soll:

    Nicht wird er fallen,

    Wenn ins Feld er zieht,

    Ihn erschlägt kein Schwert. – Hvm. 158 (Th. 2, 175)


    2. Ein Kind gebar Amma, schlug’s ein ins Tuch;

    Sie netzten ihn und nannten ihn Karl,

    Den frischen, roten; er regte die Augen. – Rth. 21 (Th. 2, 115)


    3. Der Knabe, den sie Ingomar nannten (Chlodwigs Sohn), starb gleich nach der Taufe in den weißen Taufgewändern. Da wurde der König vom Zorn erfaßt, und die Königin heftig scheltend, sagte er: „Wäre das Kind im Namen meiner Götter geweiht (dicatus) worden, so lebte es noch.“ – Gr. H. F. II, 29.


    4. Skallagrim und Bera hatten ziemlich viele Kinder, und anfangs starben sie immer. Da bekamen sie einen Sohn. Der wurde mit Wasser besprengt und Thorolf genannt. – E. S. 31 (Th. 3, 92)


    5. Thorleik bekam einen Sohn von seiner Frau. Der Knabe wurde mit Wasser benetzt und erhielt einen Namen: er wurde Bolli genannt. – Ld. S. 25 (Th. 6, 86)


    6. Da brachte in der ersten Julnacht Bergljot, die Frau des Jarls, einen Knaben zur Welt. Am nächsten Tage aber besprengte ihn König Hakon mit Wasser und gab ihm seinen eigenen Namen. Hk. (Th. 14, 146)


    7. Als es aber an der Zeit war, wurde das Weib schwanger, und als sie ein Kind zur Welt brachte, war es ein Knabe. Man besprengte ihn mit Wasser und nannte ihn Erich. – Hk. (Th. 14, 187)


    8. Als Andrid und seine Frau einige Winter in Brautarholt gewohnt hatten, bekamen sie zusammen einen Sohn. Der wurde mit Wasser begossen und Bui genannt. – Kj. S. Kap. 3.


    9. Nun ist davon zu reden, daß die Tochter Jarl Bjartmars ein Mädchen gebar, und es schien den meisten geraten, es auszusetzen; sie sagten, es würde nicht Weibessinn haben, wenn es nach der väterlichen Sippe artete. Der Jarl ließ es mit Wasser benetzen und aufziehen. – Hv. S. Kap. 6.


    10. Da waren schon alle Angreifer von der Schneewehe abwärtsgeworfen, und keiner wollte Helgi standhalten. „Da stehst du, Össur“, sagte Helgi, „aber vor dir brauche ich mich nicht vorzusehen, denn du hast mich mit Wasser besprengt.“ – D. S. (B. H. 3, 130)

  • 13. Kindesaussetzung


    1. Damals, als das ganze Land heidnisch war, war es Sitte, daß arme Leute, die aber für viele Kinder zu sorgen hatten, ihre Nachgeborenen aussetzen ließen. Aber sie hielten das doch immer für eine üble Tat. – G. O. 3 (B. H. 5, 78)


    2. Signy gebar ein Mädchen, das war groß und gesund. Torfi wollte das Kind nicht mit Wasser besprengen lassen, ehe Signys Leben nicht in Sicherheit wäre; aber sie starb gleich darauf dort in ihrem Bette. Da geriet Torfi in solchen Zorn, daß er das Kind aussetzen lassen wollte. Er befahl seinem Pflegesohn Sigurd, das Kind zu nehmen und mit ihm zum Reykjarsdal zu gehen und es dort zu ertränken. Sigurd sagte, das sei schändlich gehandelt, aber er wagte es ihm doch nicht abzuschlagen. Er nahm also das Kind und ging seines Weges; das Kind erschien ihm schön, und darum brachte er es nicht übers Herz, es in den Fluß zu werfen. Er bog also nach Signysstadir ab und legte das Kind dort im Hoftor nieder, wo es wahrscheinlich war, daß man es bald finden würde. – H. S. 8 (Th. 8, 199)


    3. Zu Mittsommer oder etwas später bekam Oddny ein (uneheliches) Kind. Man sagte nun dem Thorkel (Oddnys Bruder), seine Schwester sei von Ivar Glans‘ Kinde entbunden. Als er dies hörte, geriet er außer sich vor Wut und sagte, man solle es aussetzen. Es war in jenen Zeiten Brauch, daß ärmere Leute ihre Kinder aussetzten, wenn sie wollten. Für anständig aber galt es nicht. – Th. O. (Th. 17, 89)


    4. Asbjörn ritt eines Tages mit seinen Leuten zum Thinge und sagte zu Thorgerd: „Ich will jetzt zum Thing reiten, wie gewöhnlich. Ich weiß, daß du ein Kind erwartest und in nicht langer Zeit. Ob das nun ein Knabe oder ein Mädchen sein wird, es soll nicht aufgezogen, sondern ausgesetzt werden.“ Sie antwortete, das würde er doch nicht tun wollen – „so reich und verständig, wie du bist. Es wäre schon der unerhörteste Entschluß, wenn ein armer Mann das täte. Vollends so, wo dir an Geld nichts abgeht!“ – Fb. S. 2 (Th. 10, 130)


    5. Das wurde nun bekannt, daß das Kind von Asbjörn und Thorgerd ausgesetzt worden sei; und das wurde als eine unerhörte Tat angesehen bei so reichen Leuten. – Fb. S. 4 (Th. 10, 132)


    6. Diese schickte Knechte, die das neugeborene Mädchen von der Seite der Mutter wegnehmen und töten sollten, ehe es noch Muttermilch gesogen hätte, weil es ein heidnischer Brauch war, daß, wenn man einen Knaben oder ein Mädchen töten wollte, dieselben getötet wurden, ehe sie irdische Speise genossen hatten… – V. L. 6.


    7. Mittlerweile kamen die erwähnten Henkersknechte herbei, um den Befehl ihrer Herrin zu vollziehen, denn sie herrschte gleich einer Furie in dem Hause ihres Sohnes. Das Weib aber, welches ihnen das Kind entrissen hatte, ging ihnen entgegen und sagte, daß dasselbe Honig genossen hätte; zugleich zeigte sie ihnen die Kleine, wie sie die Lippen noch ableckte, und deshalb war es nach dem Brauche der Heiden nicht mehr gestattet, sie zu töten. – V. L. 7.


    8. Sein Weib Helga mußte sich ins Wochenbett legen und sagen, sie habe dies Mädchen geboren. Dann ließ er es mit Wasser besprengen und nannte es Thorbjörg. Zwei Tage darauf kam Torfi nach Signyshofen und fragte, warum Helga zu Bett läge; denn er wußte nichts davon, daß sie ihre Niederkunft erwartet hätte. Er erkannte nun das Kind neben ihr und sagte: „Das ist doch eine unerhörte Frechheit; ihr wagt ein Kind aufzuziehen, das ich habe aussetzen lassen!“… Torfi geriet darüber in Zorn; er nahm das Mädchen und wagte nicht, es töten zu lassen; Denn es galt als Mord, wenn man Kinder tötete, nachdem sie einmal mit Wasser besprengt waren. – H. S. 8 (Th. 8, 200)


    9. So wurde nun dies (auf dem isländischen Allthing d. J. 1000) als Gesetz verkündet, daß alle, die hierzulande noch ungetauft wären, Christen werden und die Taufe annehmen sollten; aber für die Kindesaussetzung und das Pferdefleischessen sollten noch die alten Gesetze gelten. – Ib. 7 (Th. 23, 51)

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