Walter Baetke - ,Der Schicksalsglaube' aus ,Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen'

Schon gewusst…?

Fro Ing/Frey (an. Freyr)


Der germanische Fruchtbarkeitsgotte. Er gehört ursprünglich zu den Wanen.

  • Da dem Schicksal in der Weltsicht der Ahnen eine erhebliche Rolle zukam, nehme ich das entsprechende Kapitel des Herrn Baetke mal hier auf, auch wenn es meiner Meinung (und eigener Erfahrung) nach auch ins Unterforum Lebenshilfe passen könnte.

    Die einzelnen Punkte des Inhaltsverzeichnisses werden als einzelne Beiträge innerhalb dieses Themas eingestellt, daher bitte ich darum, Zwischenposts zu vermeiden. Danke sehr!


    B. Glaube und Frömmigkeit

    V. Der Schicksalsglaube


    Inhalt:


    1. Vorherbestimmung und Schicksalszwang

    2. Das Schicksal als Todes- und Unheilsmacht

    3. Die Haltung dem Schicksal gegenüber

    4. Glück und Glücksmann

    5. Amulette

    6. Träume

  • 1. Vorherbestimmung und Schicksalszwang


    1.Wind ist in der Luft das schnellste, der Donner unter den Getösen das lauteste. Die Taten Christis sind groß. Das Schicksal (wyrd) ist am stärksten. – Angels. Spruch (Cottoner Hdschr.)


    2. Das Wort der Urd (Schicksal) überwindet keiner, Beschert’s ihm Schande auch. – Fjm. 47 (Th. 2, 111)


    3. Zeige den Weg- alles ist vorbestimmt- mir, wenn du magst, Mutterbruder! – Grp. (Th. 1, 139)


    4. Aber das wird nun vor sich gehen müssen, wie es bestimmt ist. – Kj. S. Kap. 9.


    5. Hrut trat vor den König und grüßte ihn. Der König sagte: „Was wünschest du, Hrut?“ „Ich möchte bitten, Herr, daß Ihr mich nach Island entlaßt.“ „Wirst du dort geehrter sein als hier?“ fragte der König. „Das wohl nicht“, sagte Hrut; „aber jeder muß auf sich nehmen, was ihm bestimmt (aetlat) ist.“ – Nj. S. 6 (Th. 4, 35)


    6. Gunnar dankte dem König für sein Anerbieten und sagte: „Zuerst will ich nach Island fahren, meine Freunde und Verwandten aufzusuchen.“ „Dann wirst du nie zu uns zurückkommen“, sagte der König. „Das steht beim Schicksal (auðna), Herr“, sagte Gunnar. – Nj. S. 31 (Th. 4, 82)


    7. „Ein anderer Ausweg wäre aber“, fügte Arnkel hinzu, „all unser Augenmerk darauf zu richten, daß ihr mit eurer beweglichen Habe ins Ausland kämt. Dann mag es den Ländereien, die nicht zu veräußern sind, ergehen, wie es das Schicksal fügt (sem auðit er).“ – Eyrb. 21 (Th. 7, 53)


    8. Dann berichtete sie ihm alles, wie es sich zugetragen hatte, und bat ihn, ihr und seiner Frau die Täuschung zu vergeben. Thorstein sprach: „In dieser Sache habe ich euch nichts vorzuwerfen. Es kommt ja doch meist so, wie es kommen soll. Mein törichtes Vorhaben habt ihr glücklich vereitelt.“ – G. O. 4 (Th. 9, 39)


    9. Thorstein erwiderte: „--- Nach eurem Tode wird mir hier kaum jemand Ehre gönnen, und jeder muß nach dem ihm bestimmten Schicksale (forlög) seinen Weg suchen.“ – Vd. S. 5 (B. H. 6, 38)


    10. Nun, sagte Askel, sei’s so gekommen, wie er’s erwartet habe, und die Fahrt wäre besser ungefahren geblieben. Vemund aber sagte, jeder müsse seinem Geschick folgen; jeder könne wohl mit deinem Lose zufrieden sein, sagte er, und jeder müsse sterben, wenn er todbestimmt („feige“) sei. – R. S. (Th. 11, 313)


    11. „… Was würde denn jetzt am meisten nach eurem Sinn sein?“ „Gegen den Jarl losgehen und ihn erschlagen!“ sagten sie. „Das wird uns nicht vergönnt sein“, sagte Kari, „aber am Eifer fehlt’s euch nicht!“ – Nj. S. 89 (Th. 4, 196)


    12. Esja sagte (zu Bui): … „Nun will ich, daß du zu den Spielen dorthin gehst und dein Leben wagst. Nichts kann dich dabei schützen, wenn dir der Tod bestimmt (aetlaðr) ist.“ – Kj. S. Kap. 6.


    13. „Ich rate dazu, daß ihr in großer Zahl reitet und gut zusammenbleibt und möglichst auf eurer Hut seid. Du, Ketil aus Wald, erinnre dich nun auch an den Traum, den ich dir erzählte, wo du batest, wir sollten ihn geheim halten; denn du hast viele in deiner Begleitung, die aufgerufen wurden.“ Ketil sagte: „All das muß in Erfüllung gehen, was über die Lebensdauer der Menschen im voraus bestimmt ist. Aber du meinst’s gut mit deiner Warnung.“ – Nj. S. 149 (Th. 4, 356)


    14. Und als Thorward dies erfuhr, sagte er: „Es ist doch unerhört, Lügen zu reden über die Wunden der Männer! Der Kampf möge ausgehen, wie das Geschick es will; wir sind langsam zur Unbill, aber wir trennen und jetzt nicht eher, als bis es den andern Zeit scheint!“ – Lj. S. 24 (Th. 11, 206)


    15. Da sagte Gudmund: „Vielleicht wird es glücken, wenn sie nicht in größerer Zahl hergeritten sind. Dann wollen wir auch nicht mehr Mannschaft gegen sie holen lassen, und der Handel wird ausgehen, wie das Geschick es will!“ – Lj. S. 10 (Th. 11, 156)


    16. Thorstein ringt mit ihm, und dabei zückt er einen Dolch unter seinem Mantel und zielt ihm nach dem Kopf; aber der Stoß ging fehl und traf die Schulter, und es gab eine ungefährliche Wunde. Da bewährte sich das alte Wort: Nur den Todverfallenen trifft’s. Gest wurde nur leicht geritzt. – Hvg. S. 9 (Th. 8, 284)


    17. Grim sprach: „Nun ist es anders gekommen, als du es wohl gedacht hast, denn jetzt ist dein Leben in meiner Gewalt.“ Thorkel sagte, er würde ihn nicht um Schonung bitten - „denn mir ist das Glück entgegen gewesen“. Grim sagte: „Unheil genug hab‘ ich schon angerichtet, wenn ich auch jetzt dies unterlasse; ein anderes Schicksal (forlög) wird dir bestimmt sein, als bei diesem unserm Zusammentreffen zu sterben, und ich will dir das Leben schenken, du aber lohne es mir, wie du willst.“ – Ld. S. 58 (Th. 6, 179)


    18. Er erzählte ihnen den Totschlag Lytings. „Schelten kann man dich dafür nicht“, sagte Njal, „denn solche Dinge sind meist vorherbestimmt…“. – Nj. S. 106 (Th. 4, 232)


    19. Thorleif erwiderte: „Ich weiß nicht, was mir in der Hinsicht vom Schicksal bestimmt ist (verðr um auðit), aber ob diese Tat bis dahin gerächt ist oder nicht, mein Wunsch ist, daß du noch, ehe drei Winter vergehen, erschlagen liegst.“ Thord versetzte: „Wenig schrecken mich deine Drohungen.“ – Eyrb. 41 (Th. 7, 102)


    20. Er sprach zu ihr: „… Hege keine harten Gedanken gegen deinen Eidam Leif Össurssohn; denn er ist vom Schicksal dazu bestimmt, eure Schmach zu rächen.“ – Fö. S. 53 (Th. 13, 352)


    21. Karl drängte, daß Gunnar zu ihm ziehe: „und mit dem Vergleich zwischen mir und Ljotolf wird es gehen, wie es das Geschick (auðna) will.“ – Sd. S. 25 (Th. 11, 278)


    22. Sie versuchten sich nun im Schwimmen zu besiegen und tauchten sich abwechselnd unter. Thormund merkte, daß er von der tiefen Wunde und dem Blutverlust ermattete. Weil Thormund aber der Tod noch nicht bestimmt war, riß Falgeirs Hosengurt; Thormund zog ihm nun die Hose hinunter. Da ermattete Falgeir im Schwimmen; er tauchte einmal über das andre unter und schluckte reichlich Wasser; Dann kam sein Hinterteil und die Schultern nach oben, und mit dem Eintritt des Todes erschien sein Geschick. – F. S. 24 (B. H. 2, 116)


    23. Dann gingen sie hinunter zum Eise, sprangen in den Fluß und schwammen. Und weil sie Kraft und Mannheit hatten und ihnen längeres Leben bestimmt war, kamen sie über den Fluß und auf das feste Eis auf der andern Seite. – Ld. S. 15 (Th. 6, 53)


    24. Sie liefen an Feuer und Waffenlärm vorbei, auf die Insel hinauf und da ihnen zu leben bestimmt war, entkamen sie und gelangten zu einem Bauern, der auf der Insel wohnte. – Hf. S. 1 (Th. 9, 210)


    25. Sie trieben mit dem Eise und der Strömung flußabwärts, und das ging so lange, bis das Boot umschlug; sie gingen unter und wären fast ertrunken. Weil ihnen aber länger zu leben bestimmt (auðit) war, rettete sich Thorkel mit ihnen auf den Kiel. – Th. S. 3 (B. H. 7, 34)


    26. Aud kam nun auch zu Gisli ins Bett und erzählte ihm ihr Gespräch mit Asgerd und bat ihn, nicht zu zürnen, sondern zu überlegen, ob er einen guten Rat fände. „Ich sehe hier keinen guten Rat“, sagte er, „der etwas taugte; aber zürnen werde ich dir nicht; denn jeder muß reden, was ihm das Schicksal eingibt, und was bestimmt (auðit) ist, wird sich erfüllen.“. – G. S. 9 (B. H. 4, 49)


    27. Bei ihm war auf der Fahrt seine Tochter Thorny. Diese wurde krank, und Thorgils mußte drei Nächte verziehen. Er sagte aber, ihr Siechtum solle seine Fahrt nicht aufhalten. „Vielleicht, daß hier das Schicksal (forlög) ihrer wartet“, meinte er. – Fl. S. 20 (Th. 13, 114)


    28. Nach dem Julfsete aber hielt Thorfinn bei Erich um Gudrid an, da er annahm, daß dieser die Verfügung über sie hätte… Erich erwiderte, gern nähme er diesen Antrag an, da Gudrid einen guten Gemahl verdiene. Sie solle ruhig ihrem Schicksal folgen und sein werden. – Er. S. 6 (Th. 13, 37)


    29. Danach bewarb sich Eyjolf um Astrid, Vigfus‘ Tochter. --- Vigfus sprach: „Es wird dir dies wohl bestimmt sein, wenn wir auch für ein Mädchen unseres Geschlechts nichts Geringeres im Sinne hatten.“ – Vg. S. 4 (B. H. 1, 46)


    30. Glum erwiderte: „… Willst du mir also eine Ehre antun, so reit mit mir hin, um sie anzuhalten.“ Thorarin sagte: „Da kann man wohl nichts dagegen tun: es wird kommen müssen, wie es bestimmt (aetlat) ist.“. – Nj. S. 13 (Th. 4, 53)


    31. „Sag mir, wen du am liebsten zum Freier haben möchtest: denn das möchte‘ ich glauben, daß wir nicht ewig unverheiratet zu Hause sitzen.“ „Ich halte das für zwecklos; denn das ist alles vorher bestimmt, und es nutzt nichts, sich darüber Gedanken zu machen oder darüber zu schwatzen.“ „Gewiß“, sagte die ältere Thora, „ist alles bestimmt, selbst Geringeres als die Schicksale der Menschen.“. – St. S. (Th. 24, 101)


    32. Da sprach Ingimund: „So ist es doch wahr, daß man wider das Schicksal (sköp) nicht ankämpfen kann, aber jetzt wollen wir auch zufrieden sein. Dieser Hof soll ,Zum Tempel‘ heißen.“ -Vd. S. 15 (B. H. 6, 62)


    33. Die Mehrzahl war dafür, die Untaten fortzusetzen und nicht zum Schiff zu ziehen; nur Sigurd, Thorfis Pflegesohn, war für Hörds Vorschlag. Da sprach Hörd: „Was bestimmt ist, muß geschehen, und es ist in der Tat nicht leicht, dem zu widerstreben. Aber es liegt mir fern, solche Untaten noch länger mitzumachen.“. – H. S. 30 (Th. 8, 240)


    34. Hjalti sprach: „Nicht ist es leicht, das Schicksal (forlög) zu beugen oder gegen die Natur aufzustehen.“ Und damit endeten sie ihr Gespräch. – R. K. S. 33 (Th. 21, 305)


    35. Man sagte, es wäre zwar sehr schade, daß er fortzöge – „wenige aber sind stärker als ihr Geschick (sköp).“ – Vd. S. 12 (B. H. 6, 57)


    36. Grim sagte: - „Ich würde mich gar nicht wundern, wenn wir uns beide doch auf Island träfen; denn es ist nicht leicht, dem Schicksal (forlög) zu entfliehen.“ – Vd. S. 11 (B. H. 6, 53)


    37. Grim ritt nach dem Schiffe hin, begrüßte seinen Ziehbruder herzlich und sagte, er freue sich sehr über seine Ankunft. – „Es kommt nun alles so, wie es im Sprichwort heißt: schwierig ist es, seinem Geschick zu entgehen.“ – Vd. S. 14 (B. H. 6, 59)


    38. Als es Frühjahr wurde, fragte er seine Ziehbrüder, was sie von der Reise dächten. Grim erklärte, es wäre umsonst, mit der vom Schicksal verhängten Bestimmung (forlög) zu streiten. – Vd. S. 10 (B. H. 6, 52)

  • 2. Das Schicksal als Todes- und Unheilsmacht


    1. Kiese nun, du kannst es jetzt,

    Schimmernder Schildbaum;

    Wort oder Schweigen wähle du selbst.

    Alles Unheil ist vorherbestimmt („zugemessen“). – Sdm. 20 (Th. 1, 135)


    2. Am Vorgebirg trifft dich der Spruch der Nornen.

    Du teilst der Toren Los.

    Im Wasser ertrinkt, wer im Winde rudert,

    Dem Todgeweihten bringt alles den Tod. – Fm. 11.


    3. Manches sprach ich, mehr noch möcht‘ ich –

    Gäbe zum Sprechen das Schicksal (der Tod) mir Raum. – Sg. 71.


    4. Ein Fluch traf uns, Bruder:

    Dein Blut hab‘ ich vergossen!

    Nie wird das ausgelöscht –

    Unheil schuf die Norne. – H. L. (Th. 1, 32)


    5. Dem Schicksalsschluß gar schwer entgeht,

    Wer geboren ist zum Brudermörder. – Hildibrands Sterbelied. (Th. 1, 223)


    6. Ab wäre das Haupt,

    wenn Erp lebte,

    der streitkühne Bruder,

    den wir beide erschlugen,

    der ruhmreiche Recke –

    uns reizten Nornen (Disen) –

    der friedheilige Held –

    verführten uns zum Morde. – Hm. 28 (Th. 1, 57)


    7. Uns sollst du, Gudrun, nun auch beweinen:

    Tod ist uns bestimmt; wir sterben in der Ferne. – Hm. 10 (Th. 1, 55)


    8. Das erfuhr ich, daß ihr Leid daraus erwuchs, daß die große Macht des Schicksals (metodes) sie schied, das böse Verhängnis (wurðigiscapu). – H. 511-12.


    9. Alle Meine Magen hatte die Wyrd (Schicksalsgöttin) dahingerafft zum Todesschicksal (to metodesceafte). – B. 2815.


    10. Welaga nû, waltant got, wê-wurt skihit (Weh-Geschick geschieht). – Hbr. L.


    11. Die Hausfrau begleitete sie ein Stückchen Wegs vom Hofe, und als sie Abschied nahmen, sprach sie so: „Nun fahrt ihr dahin, meine beiden Söhne, und ihr werdet gemeinsam den Td finden; und niemand vermag dem zu entrinnen, was ihm verhängt ist. Keinen von euch beiden werde ich wiedersehen.“ – Gr. S. 69 (Th. 5, 186)


    12. Nicht Glück nur ward dir, Germaid, zuteil,

    Not auch brachte der Nornen Walten:

    Am Frekasteine wurden gefällt

    Bragi und Högni. Ihr Blut vergoß ich. – H. Hb. II. 26 (Th. 1, 150)


    13. Retten wollt ich euch, zurück euch halten,

    das Geschick zwingt keiner – ihr mußtet kommen. – Am. 48 (Th.1, 77)


    14. Brynhild: Sein Weib ist Gudrun, doch ich Gunnars.

    Schlimme Nornen schufen lange Not. – Sg. Str. 7 (Th. 1, 66)


    15. Sie schauten aufeinander, bis sie scheiden mußten.

    Das Geschick (sköp), mein ich, waltete. Ihre Wege trennten sich. – Am. 36. (Th. 1, 75)


    16. Thorwald sagte, Steingerd (seine Frau) solle mit Kormak ziehen. Steingerd erklärte, sie hätte keine Lust zum Manneswechsel. Kormak meinte auch, das Zusammenleben würde ihnen doch nie vergönnt werden. Er sagte: „Böse Geister und ein widriges Geschick haben das ja seit je verhindert.“ – Km. S. 26 (Th. 9, 203)


    17. „…Nun ist es gekommen, wie es meine Ahnung mir sagte, und das ist wohl sicher, daß es noch irgendwie dahin führt, daß dies uns beide und manche andere in den Tod zieht mit alledem, was noch daraus entsteht und vom Schicksal verhängt (lagit) wird.“ – H. S. 21 (Th. 8, 225)


    18. Darauf schieden sie voneinander, der König und Kjartan, in großer Liebe. Dann ging Kjartan aufs Schiff. Der König sah ihm nach und sprach: „Schweres droht Kjartan und seinem Geschlecht, und es wird nicht leicht sein, etwas zur Abwendung des Verhängnisses (forlög) zu tun.“ – Ld. S. 43 (Th. 6, 141)


    19. Da sagte der Hirtenjunge, sie wollten Kjartan entgegenlaufen; es träfe sich glücklich für sie, daß sie ein so großes Unglück abwenden könnten, wie sich da eins vorbereitete. Thorkel sprach: „Gleich schweigst du“, sagte er, „willst du Narr jemandem das Leben geben, wenn ihm der Tod bestimmt ist?“ – Ld. S. 49 (Th. 6, 159)


    20. Als sie sich alle bei den Händen gefaßt hatten, da sprach Thorgrim: „Genug Verpflichtungen gehe ich ein, wenn ich es mit diesen beiden, Thorkel und Gisli, meinen Schwägern, tue, aber gegen Vestein verpflichtet mich nichts.“ Und er zog schnell die Hand zurück. „Dasselbe werde ich dann tun“, sagte Gisli und zog auch schnell seine Hand zurück. „Ich werde keine Verpflichtungen gegen den Mann übernehmen, der es nicht gegen meinen Schwager Vestein will.“ Den andern schien dies bedeutsam zu sein. Gisli sprach zu seinem Bruder Thorkel: „Nun ist es verlaufen, wie mir ahnte, und was wir getan haben, wird zu nichts führen, und ich meine, das Schicksal (auðna) waltet dabei.“ – G. S. 6 (B. H. 4, 42)


    21. Da sagte Hörd: „… Ich will nicht fahren. Ich habe dir alle Zeit mißtraut und ich will mich nicht auf Menschen verstehen, wenn du es redlich meinst.“ Da antwortete Kjartan: „Du wirst doch nicht feiger sein wollen als deine Leute, daß du nicht wagst an Land zu fahren?“ Da sprang Hörd auf und konnte das nicht auf sich sitzen lassen und sagte, Kjartan werde nicht nötig haben, ihm Feigheit vorzuwerfen, ehe sie auseinandergingen. Dann sagte er zu Helga, sie solle mitfahren, aber Helga antwortete, sie werde es nicht tun und ebensowenig ihre Söhne, und nun gehe es nach dem Sprichwort: Dem „Feigen“ (Todverfallenen) ist nicht zu helfen. – H. S. 36 (Th. 8, 247)

  • 3. Die Haltung dem Schicksal gegenüber


    1. Besseres kennt

    Als bloßes Klagen

    Wen zum Ziel es zieht:

    Auf einen Tag

    Ist mein Alter bestimmt

    Und meines Lebens Lauf. – Skm. 13 (Th. 2, 29)


    2. Sigurd: Will nicht weichen, winkt mir auch Tod.

    Nicht als Zager ward ich gezeugt. – Sdm. 21 (Th. 1, 135)


    3. Heldenruhm bleibt uns,

    Wir sterben heut oder morgen:

    Niemand sieht den Abend,

    Wenn die Norne sprach. – Hm. 30 (Th. 1, 57)


    4. Jeder von uns muß das Ende erleben

    Des irdischen Lebens.

    Drum wirke, wer soll,

    Sich Ruhm vor dem Tode. – B. 1387 ff.


    5. In einem Sommer geschah es, daß Finnleik, ein schottischer Jarl, an einem verabredeten Tage für Sigurd bei Skidmoor ein Kampffeld absteckte; aber Sigurd ging zu seiner Mutter, die Zukunft zu erfragen; sie verstand sich auf vieles. Der Jarl sagte ihr, die Übermacht würde nicht geringer sein als sieben Mann gegen einen. Sie antwortete: „Ich hätte dich noch lange in meiner Wollkiste aufgepäppelt, wenn ich gewußt hätte, daß du ewig leben wolltest; das Schicksal (auðna) entscheidet über das Leben, aber nicht der Ort, wo man hinkommt. Besser ist es, mit Ehren sterben, als mit Schanden leben…“ – O. S. 8 (Th. 19, 33)


    6. …Einmal muß jeder sterben, und keiner kann dem entgehen, daß er einmal sterbe. Darum ist mein Rat, daß wir keineswegs fliehen, sondern unsere Hände so kühn wie möglich gebrauchen. – V.S. 5 (Th. 21, 46)


    7. Thorstein sagte: „Was ich ahnte, kam, daß du dein Versprechen nicht halten würdest. Aber trotzdem werde ich die Fahrt nicht aufgeben. Freilich sagt mir’s mein Herz, daß einer von uns beiden nicht weiterkommen wird und vermutlich keiner.“ Thorolf sagte: „Keiner überlebt seinen Schicksalstag. Mir deucht es größere Ehre, mit dir zu sterben, als dich mit Schimpf und Schande zu überleben.“ – Sd. S. 4 (Th. 11, 236)


    8. Da sprach Thorstein: „… Ich wollte viel darum gegeben haben, daß wir diese Fahrt niemals gefahren wären.“ Thorolf sagte: „Darüber darf man sich nun keine Vorwürfe machen; denn keiner kann seinen Schicksalstag überleben, und mich dünkt ein ruhmvoller Tod besser als ein Leben unter der Schande, und gewagt zu haben, dir zu folgen…“ – Sd. S. 5 (Th. 11, 240)


    9. Da sagte Thorkel: „Gewiß werden dir welche auflauern… ich möchte, daß du mit mir nach Hause kommst und einige Zeit dableibst.“ Helgi antwortete: „Ich reite so, wie ich’s mir vorgenommen habe.“ – D. S. 10 (B. H. 3, 127)


    10. Thorgerd sprach: „Ich wollte, du gingest nicht, die Erscheinung gefällt mir nicht.“ Karl antwortete: „Da ist nichts zu machen. Es kommt, wie’s kommen will.“ – Sd. S. 26 (Th. 11, 280)


    11. Kolskegg sagte zu Gunnar: „… Ich möchte, du wärest auf deiner Hut.“ „Mich wird das Todeslos treffen“, sagte Gunnar, „wo ich auch weile, wenn mir dies verhängt (auðit) ist.“ Damit brachen sie das Gespräch ab. – Nj. S. 68 (Th. 4, 153)


    12. In Bergthorsbühl lebte ein altes Weib namens Säunn; die hatte so ihr Wissen und sah in die Zukunft… Eines Tages war es, daß sie einen Prügel in die Hand nahm und hinters Haus ging zu einem Haufen Vogelgras: sie schlug auf den Unkrauthaufen und verwünschte ihn: ein elendiges Ding, das er sei. Skarphedin lachte darüber und fragte, warum sie so wütend sei auf den Unkrauthaufen. Die Alte sagte: „Diesen Unkrauthaufen wird man nehmen und Feuer damit anmachen, wenn Njal drinnen verbrannt wird und Bergthora, mein Ziehkind: werft ihn ins Wasser“, sagte sie, „oder verbrennt ihn schleunigst!“ „Das wollen wir nicht tun“; sagte Skarphedin; „denn es findet sich schon anderes zum Feueranmachen, wenn’s das Schicksal so will (verðr auðit), auch wenn’s nicht der Haufen ist.“ – Nj. S. 124 (Th. 4, 272)


    13. Njal sagte: „Wunderlich sieht’s mir jetzt aus: mir ist, als fähre ich über die ganze Stube hin, und als seien die Giebelwände beide weg und alles sei blutig, der Tisch und das Essen.“ Auf alle machte dies Eindruck, nur nicht auf Skarphedin. Er sagte: man solle nicht klagen oder sich sonst jämmerlich benehmen, so daß es ins Gerede kommen könnte: „Mit uns wird man’s strenger nehmen als mit anderen, ob wir uns gut halten: das ist nur zu erwarten.“ – Nj. S. 127 (Th. 4, 275)


    14. Helgi sagte: „Machen wir’s, wie unser Vater will! Das wird uns am besten frommen.“ „Daß weiß ich nicht so gewiß“, sagte Skarphedin, „denn er ist jetzt todgeweiht. Aber den Gefallen kann ich meinem Vater gern tun, mit ihm zu verbrennen, denn ich fürchte mich nicht vor meinem Tod.“ – Nj. S. 128 (Th. 4, 276)


    15. So sprach ein Bauer, als er seinen Sohn zum Kriegsschiff begleitete und ihm gute Ratschläge mitgab: er hieß ihn hart und kühn sein in seiner Mannesprobe. „Denn ein guter Ruf überlebt den Menschen lange“, fügte er hinzu, „oder sage mir, wie würdest du dich verhalten, wenn du in die Schlacht kämest, und du wüßtest im voraus, daß du dort fallen müßtest?“ Der erwiderte: „Was sollte ich da andres tun, als mit beiden Händen um mich hauen?“ Der Bauer fuhr fort: „Wenn dir nun aber jemand mit Sicherheit sagen könnte, daß du nicht fällst?“ Der Sohn erwiderte: „Wie sollte ich da nicht alles dransetzen, aufs beste vorzugehen?“ Der Bauer versetzte: „In jeder Schlacht, wo du stehst, kann ja nur eines von beiden eintreten: entweder du fällst oder kommst mit dem Leben davon. Deshalb sei tapfer, denn alles at das Schicksal vorherbestimmt. Der, dem es nicht bestimmt ist, zu sterben, kommt nicht zur Hel, und der für diese bestimmt ist, kann doch nicht entfliehen, doch: am schlimmsten ist der Fall auf der Flucht.“ – Sv. S. (Th. 18, 46)

  • 4. Glück und Glücksmann


    1. (gibu) auja Alawin auja Alawin auja Alawin j(a) Alawið

    („[Ich gebe] Glück Alawin, Glück Alawin, Glück Alawin und Alawið.“) – Runeninschrift auf dem Brakteat von Skodborg (Dänemark).


    2. Thorolf sprach: „… Mich dünkt, mein Name ist nicht allzulange lebendig gewesen, und er wird hinwelken wie dürres Gras, und wenn du hingegangen bist, wird meiner garnicht mehr gedacht werden. Aber ich sehe, daß du unser Geschlecht herrlich machen und ein langes Leben leben wirst, und du wirst ein sehr großer Glücksmann (heillamaðr) werden. Ich wünsche mir, wenn dir ein Sohn beschert wird, daß du ihn Thorolf heißest. Aber alles Heil, das in mir geruht hat, will ich ihm schenken; dann könnte ich hoffen, daß mein Name lebendig bleibt, solange die Welt bewohnt wird.“ – Sd. S. 5 (Th. 11, 240)


    3. Thorstein ging seinem Sohne entgegen und lud ihn mit aller Herzlichkeit ein. Ingimund erwiderte, er nehme die Einladung an. Thorstein bewirtete sie während des Winters großartig und sagte, es wäre ihm eine Freude, einen solchen Sohn zu haben: er habe schon früh das Gesippenglück an ihm erkannt. – „Und in dem Maße, wie ich deine Macht wachsen sehe, sollst du von mir immer mehr Ehre genießen.“ – Vd. S. 7 (B. H. 6, 44)


    4. „Grim sieht mir aus wie ein Mann des Glücks; ich will, daß du dich in allem Guten mit ihm auseinandersetzest.“ – Ld. S. 58 (Th. 6, 180)


    5. Der König sprach: „Warum ließest du den Knaben Magnus taufen? Das ist doch kein in unserem Geschlecht üblicher Name.“ Sigvat antwortete: „Ich nannte ihn so nach dem Kaiser Karl Magnus; denn von ihm weiß ich, daß er der beste Mann auf der Welt war.“

    Da sagte der König: „Du bist ein großer Glücksmann (gaefumaðr), Sigvat. Aber das ist nicht wunderbar, wenn Glück und Klugheit Hand in Hand gehen. Seltsam aber ist es, daß zuweilen ein solches Glück auch unverständigen Männern zur Seite steht, und daß auch törichte Maßnahmen öfter zum Glück (hamingja) ausschlagen.“ – Hk. (Th. 15, 213)


    6. Kurze Zeit nach dieser Unterredung, die Vater und Son miteinander gehabt hatten, da ging Thorstein allein vom Trinkgelage fort. Er überlegte bei sich, daß es wohl für ihn am geratensten wäre, sich auf das Glück (hamingja) seines Vaters zu verlassen und sich nicht noch einmal seinen Vorwürfen auszusetzen; lieber wollte er sein Leben wagen. – Vd. S. 3 (B. H. 6, 27)


    7. Thorstein antwortete, er habe sich wenig darum gekümmert, ob er in einiger Zeit oder niemals wiederkehre; aber das Glück, schloß er, sei ihm jetzt so günstig gewesen, daß er heil davongekommen sei. – Vd. S. 4 (B. H. 6, 33)


    8. Eines Tages sagte Thorstein zum Jarl: „Jetzt wünsche ich zu wissen, wie es um die Verschwägerung mit Euch, Herr, steht.“

    Der Jarl antwortete: „Ich will sie nicht abschlagen, denn sie könnte vielleicht meinem Geschlechte Glück bringen; aber das wünsche ich, daß du bei mir bleibst.“ – Vd. S. 5 (B. H. 6, 37)


    9. Leicht ist es mir jetzt zu sterben, da ich weiß, daß mein Sohn ein solcher Glücksmann (hamingjumaðr) ist. – Vd. S. 11 (B. H. 6, 53)


    10. Ingimund betrachtete seinen Sohn und sprach: „Dieser Bub hat einen freundlichen Ausdruck in seinen Augen, und wir brauchen nicht lange nach seinem Namen zu suchen: er soll Thorstein heißen, und ich will hoffen, daß das Glück (hamingja) ihn begleiten wird.“ – Vd. S. 13 (B. H. 6, 58)


    11. Sämund antwortete und sagte, ihm stünde das Glück ja ständig zur Seite, so daß alles gut ausliefe, was er anfaßte. – Vd. S. 20 (B. H. 6, 75)


    12. Er begab sich zu seiner Mutter und erzählte ihr den Vorfall. Sie sagte, keiner könne seinen Schicksalstag überleben, und meinte, Ingimund habe lange genug das Leben genossen. „Mein Rat ist“, fuhr sie fort, „daß du dich so schnell wie möglich fortmachst – denn die Blutnächte brennen (nach Rache) am brünstigsten – und komm dann wieder hierher, wenn ich hoffen kann, daß meine Pläne irgendwie Erfolg haben. Aber noch weiß ich nicht, was stärker ist: Thorsteins Verstand und Glück (gipta) oder meine Zauberkünste.“ – Vd. S. 24 (B. H. 6, 84)


    13. „Unverständig war es von euch Gesippen, daß ihr wähntet, das Glück gegen die Söhne Ingmunds versuchen zu können. Das geht nicht so. Denn Thorstein ist erprobt in Klugheit und Glück (gaefa)…“ – Vd. S. 33 (B. H. 84)


    14. Nun sahen sich die Häuptlinge nach einem Mann um, der bereit wäre auf die Insel hinüberzufahren, aber die meisten hatten eine Ausrede. Da sprach torfi davon, wie großen Ruhm der haben würde, der hinüberführe; er werde nach der Fahrt mehr gelten als vorher; außerdem sei es wahrscheinlich, daß die auf der Insel vom Glück verlassen (glücklos) seien, um ihrer Schandtaten willen. – H. S. 34 (Th. 8, 244)


    15. Alle priesen seine (Hörds) Tapferkeit, Freunde und Feinde, und es gab wohl auch zu seiner Zeit keinen heldenhafteren und klügeren Mann als Hörd, nur daß er kein Mann des Glücks (auðnumaðr) war. – H. S. 36 (Th. 8, 249)


    16. Der König sagte: „Gehört habe ich von dir, Du bist groß von Wuchs, von mannhaftem Aussehen und wirst doch nicht in allem ein Mann des Glückes (gaefumaðr) sein.“ – F. S. 8 (B. H. 2, 67)


    17. Der Jarl sagte: „Es ist gekommen, wie mir’s von dir schwante, Thorir, daß du der größte Unglücksmann von allen meinen Söhnen wärst. Das scheinst du mir jetzt gezeigt zu haben, da du den Königssohn selbst getötet hast.“ – Th. V. 10.


    18. Sie waren viele Verwandte, und das Geschlecht hieß die Skidinge. Doch war es wenig vom Glück begünstigt. – Km. S. 17 (Th. 9, 183)


    19. Und es ist sicher, daß es keinen gegeben hat, der so erprobt und unverzagt war wie Gisli – wenn er auch nicht in allen Stücken ein Mann des Glückes war. – G. S. 35 (B. H. 4, 95)

  • 5. Amulette


    1. siklisnahli (sigli’s nauða hlê) („Der Schmuck ist ein Schutz gegen Not“) – Runeninschrift auf der Sprange von Strand.


    2. Wodini hailag (dem Wodan [Odin] heilig). – Runeninschrift auf der Spange von Kärlich (Fälschung?).


    3. Im Sommer ließ Vigfus für Glum ein Schiff bauen und schenkte ihm die Ladung dazu und reiche Gold- und Silberschätze und sprach: „Mir sagt meine Ahnung, daß wir uns nicht wiedersehen, aber ich will dir einige Wertstücke schenken – einen Pelzmantel, einen Speer und ein Schwert, auf die wir in unserem Geschlecht großes Vertrauen gesetzt haben; und solange du diese Kleinode besitzt, glaube ich, wirst du dein Ansehen nicht einbüßen, aber dann fürchte ich für dich, wenn du sie von dir läßt.“ – Vg. S. 6 (B. H. 1, 53)


    4. Einar antwortete: „Glum hat jetzt die Talismane weggegeben, den Pelzmantel und den Speer, die sein Großvater Vigfus ihm schenkte, und die er ihm zu behalten gebot, wenn er seine Würde wahren wollte, denn mit ihnen würde sie dahinschwinden. Jetzt werde ich die Klage übernehmen und durchführen.“ – Vg. S. 25 (B. H. 1, 108)


    5. Darauf sagte der König zu Ingimund: „… Zum Zeichen dafür, daß du mit dabei gewesen bist im Hafrsfjord, sollst du als Geschenk dieses Amulett von mir empfangen, das Kjötvi besaß und auf das er den größten Wert legte. – Vd. S. 1 (B. H. 6, 48)


    6. Darauf ließ (der sterbende) Höskuld den Goldring Hakon = Kleinod holen und das Schwert, das Kleinod desselben Königs, und schenkte beides seinem Sohn Olaf zum Erbe zugleich mit seinem guten Glück und dem seiner Vorfahren. – Ld. S. 26 (Th. 6, 87)

  • 6. Träume


    1. 1. Nun wird erzählt: in einer Nacht, da König Atli aus dem Schlafe erwachte, sprach er zu Gudrun: "Mir träumte", sprach er, „daß du mich mit einem Schwerte durchbohrtest.“ Gudrun deutete den Traum dahin, es bedeute Feuer, wenn man von Eisen träume, „und den Wahn, daß du dich trefflicher dünkst als alle.“ Atli sprach: „Ferner träumte mir: zwei Rohrstengel, die hier gewachsen waren und die ich nie verletzen wollte, wurden mit den Wurzeln ausgerissen und in Blut gerötet zu den Bänken der Speisenden gebracht und mir zu essen geboten. Und ferner träumte mir: zwei Habichte flögen mir von der Hand, die blieben ohne Fraß und fuhren zur Hel; mir war es, als wären ihre Herzen mit Honig gemischt, und als äße ich sie. Dann wieder träumte mir: zwei schöne junge Hunde, die mir zu Füßen lagen heulten laut auf, und ich aß ihr Fleisch wider Willen.“ Gudrun sprach: „Deine Träume sind nicht gut, aber sie werden in Erfüllung gehen. Deine Söhne werden Todgeweiht sein, und mancherlei Schweres wird uns zustoßen.“ „Das träumte mir noch“, sagte Atli, „ich läge im Bett, und mein Tod würde beschlossen.“ – V. S. 33 (Th. 21, 119)


    2. Im Frühling zog er (Hrafnkel) über das Gebirge. Er rastete im Skridudal und schlief ein. Da träumte er, ein Mann käme zu ihm und bäte ihn aufzustehen und schleunigst weiterzuziehen. Er erwachte und ritt fort. Und als er ein kurzes Stück fort war, da stürzte der ganze Berg zu Tal und begrub von seinem Vieh einen Eber und einen Stier unter sich. – Lnb. (Th. 23, 130)


    3. Ihre Mutter Yngwild stand dabei, als sie den Alldingsritt versprachen und weinte. Thorkel fragte: „Warum weinst du, Mutter?“ Sie antwortete: „Mir träumte, dein Bruder Thorwald sei in rotem Rocke gewesen, und der kam mir so eng vor, als wäre er ihm angenäht. Mir war auch, als sei er unten in roten Strümpfen, mit schlechten Bändern drumgewickelt. Mir tat der Anblick leid, da ich wußte, daß es ihm so unbequem saß; aber ich konnte nichts dazu tun.“ Sie lachten darüber und nannten es Unsinn und sagten, ihr Geschwätz solle sie nicht am Dingritt hindern. – Nj. S. 134 (Th. 4, 296)


    4. Thorkel Silfri hatte die letzte Nacht, bevor die Zusammenkunft stattfand, einen Traum und erzählte seiner Frau Signy: ihm sei so gewesen, als ob er hinab nach dem Vatnsdal auf einem roten Hengst ritte, der kaum die Erde zu berühren schien. „Und das verstehe ich so, daß rotes Feuer Freude bedeutet und sich gute Aussichten eröffnen.“ Signy antwortete, sie lege es anders aus – „Das scheint mir ein schlimmer Traum zu sein“, und sie fügte hinzu, das Pferd heiße auch Mähre. – Aber Mähre ist wieder eines Mannes Folgegeist, und rot zeige sie sich, wenn sie blutig würde. Und es kann sein, daß du auf der Versammlung erschlagen wirst, wenn du nach dem Godord trachtest; denn es gibt genug, die es dir nicht gönnen.“ – Vd. S. 42 (B. H. 6, 132)


    5. Herstein, der Sohn Blundketils, war am Abend zu seinem Pflegevater gegangen, der Thorbjörn hieß, zubenannt der Steiger. Es heißt, bei diesem Thorbjörn sei es nicht immer mit rechten Dingen zugegangen. Herstein erwachte am frühen Morgen und fragte, ob sein Pflegevater wach sei. Er sagte, er sei wach: „Was willst du denn?“ „Mir träumte, und es war mir, als ob mein Vater hier herein trete, und die Kleider an ihm standen alle in Flammen, und es war mir, als sei er von Kopf bis Fuß ein Feuer.“ Sie standen auf und traten vors Haus und sahen gleich die Glut. Da nahmen sie ihre Waffen und ritten scharf. Als sie hinkamen, da waren alle schon weg. – Hth. S. 10 (Th.8, 41)


    6. Kjartan blieb bis Mittwoch nach Ostern in Hol; da war große Unterhaltung und Fröhlichkeit. In der Nacht darauf gebärdete sich An übel im Schlafe, und man weckte ihn auf. Sie fragten ihn, was er geträumt habe. Er antwortete: „Eine Frau kam zu mir, greulich, und riß mich über die Bettkante; sie hatte ein großes Messer in der Hand und einen Trog in der andern; sie setzte mir das Messer an die Brust und schnitt mir den ganzen Leib auf und nahm die Eingeweide heraus und stopfte dafür Reisig hinein. Dann ging sie zur Tür hinaus“, sagte An. Kjartan und die andern lachten sehr über diesen Traum und sprachen, er solle nun An Reisigmagen heißen; sie griffen ihm an den Leib und sagten, sie wollten fühlen, ob er Reisig im Magen habe. Da sprach Aud: „Es ist nicht recht, hierüber so sehr zu spotten; ich rate zum besten, wenn ich Kjartan bitte, entweder hier länger zu verweilen, oder wenn er reiten will, dann reite er mit mehr Begleitung von hier fort, als er hergebracht hat.“ Kjartan sprach: Es kann noch dahin kommen, daß ihr An Reisigmagen für einen Mann von gewichtigen Worten haltet, wenn ihr noch einige Tage im Gespräch mit ihm zusammensitzt, da euch das wie eine Offenbarung erscheint, was er träumt; aber ich werde abreisen, wie ich es mir vorgenommen hatte, trotz dieses Traumes.“ – Ld. S. 48 (Th. 6, 156)


    7. In einer Nacht, wird erzählt, träumte der jungen Herdis, daß eine Frau zu ihr käme, die war in wollenem Mantel, und um den Kopf hatte sie ein Tuch geschlungen; sie schien ihr nicht angenehm von Aussehen. Die Frau begann zu sprechen: „Sage du das deiner Großmutter, daß ich schlecht mit ihr zufrieden bin; denn sie wälzt sich alle Nächte über mir und läßt so heiße Tropfen auf mich fallen, daß ich ganz und gar davon brenne. Und das sage ich zu dir deshalb, weil du mir etwas besser gefällst; indessen schwebt auch über dir etwas Sonderbares, und doch würde ich mit dir schon auskommen, wenn ich nicht soviel auszustehen hätte von Gudrun.“ Darauf erwachte Herdis und erzählte Gudrun ihren Traum. Gudrun meinte, daß die Erscheinung Gutes bedeute. Am Morgen darauf ließ Gudrun die Bretter des Fußbodens in der Kirche aufheben, dort, wo sie gewohnt war, zum Gebet niederzuknien. Sie ließ dort in die Erde graben. Da fand man in der Tiefe Gebeine, die waren schwarz und unheimlich; man fand da auch ein Brustgehänge und einen großen Zauberstab. Daraus schloß man, daß dort das Grab einer Zauberin gewesen war. Die Gebeine wurden weit fortgeschafft an eine von Menschen möglichst wenig begangene Stelle. – Ld. S. 76 (Th. 6, 227)


    8. Eines Nachts träumte Gisli sehr unruhig. Aud fragte, was ihm erschienen sei. „Mir träumte“, sprach Gisli, „es kämen Leute zu uns, und Eyjolf sei dabei und viele andere Männer. Wir trafen uns, und es kam zum Kampf zwischen uns. Einer von ihnen lief laut schreiend voran, und es schien mir, als ob ich ihn mitten durch schlug; mich dünkte, er habe einen Wolfskopf. Dann griffen mich viele an. Ich hatte einen Schild in der Hand und wehrte mich lange.“ – G. S. 32 (B. H. 4, 108)


    9. Er legte sich nieder und wollte versuchen, ob er schlafen könne. Die Frauen blieben wach. Eine Schläfrigkeit befiel ihn, und er träumte, Vögel kämen ins Haus geflogen und hackten sich ingrimmig; sie waren größer als Schneehühner und tobten wild und hatten sich in etwas Rotem oder Blut gewälzt. – G. S. 33 (B. H. 4, 111)