Sommersonnenwende

Schon gewusst…?

Die politische Organisation der Wikinger gleicht am ehesten einem demokratischen System.
In Island tagte vor über 1000 Jahren zudem das „Thingvellir“, das als eines der ältesten Parlamente der Welt gilt.




  • Eigentlich beim Dorffeuer mit Bier, Weib und Gesang, leider wegen Coronadingszeugs abgesagt. Deshalb Feuerschale im Garten mit Bier, Weib und Gesang.


    Ich hätte zwar noch gern eine Gruppe von Frauen mit oben ohne Gewandung die ums Feuer tanzen, ist aber aus mir unbegreiflichen Gründen schwierig zu organieren. Leider macht man inzwischen den Feuersprung auch nur noch selten, schade.

    »Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit.«
    (Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770 - 1831)

  • Kräuter gesammelt, Blumen gepflückt, Kränze werden gewunden. Habe mich bisschen vom HDA-Eintrag inspirieren lassen. Und von de Letten. Vattern hat Montag n Feuerchen im Garten gemacht, fängt sich, nun er in Rente ist, auch an, für alte Bräuche zu interessieren. Genau wie sein Großvatwe, genau wie sein Sohn. Ist ja auch richtig so (wie sein Schwiegervater zu sagen pflegt)!


    Es handelt sich dabei aber um Johannisbräuche.

  • Leider hab ich hier in Berlin niemanden zum Feiern. Bleibt wohl nur Falkenstein...wat?

    "Wenn das Feuer ohne Dunkelheit nicht leuchten kann, ist dann die Dunkelheit des Feuerlichtes Quell?"

  • Kräuter gesammelt, Blumen gepflückt, Kränze werden gewunden. Habe mich bisschen vom HDA-Eintrag inspirieren lassen. Und von de Letten. Vattern hat Montag n Feuerchen im Garten gemacht, fängt sich, nun er in Rente ist, auch an, für alte Bräuche zu interessieren. Genau wie sein Großvater, genau wie sein Sohn. Ist ja auch richtig so (wie sein Schwiegervater zu sagen pflegt)!


    Es handelt sich dabei aber um Johannisbräuche.

    So, es gab bereits einen entsprechenden und sogar noch gar nicht so alten Thread zum Thema Sommersonnenwende, in den ich zudem schon meinen Bautzener dazugegeben habe.


    Bevor ich des Donnerseele und des/der Sabsa Fragen beantworte (haltet die Erwartungen niedrig), muss ich vorweg sagen, dass ich heuer (Danke, HANGATYR ) zum ersten Mal der Sommersonnenwende etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, also in Hinsicht auf das Phänomen Sommer und vor allem Sonne eigentlich zu erwarten wäre.


    Zum ersten Mal habe ich einen Johanniskranz gewunden, mit echtem Johanniskraut. Ziert nun die steinernern Locken meiner Sonnengottbüste (siehe Foto). Diese Kränze soll man (und wohl auch frau) ein ganzes Jahr aufbewahren, sie feien die Menschen vor Krankheit und allem Übel. Ähnlich wie das Kräutersträußchen, dass ich zum Herrentag gepflückt habe (gibt es denn etwas Männlicheres als am Herrentag im Wald Blumen zu pflücken?) und das mich und meine MitplattenbaubewohnerInnen ein ganzes Jahr vor Blitzeinschlägen schützt.


    Der Johannestag bzw. der Tag der Sommersonnenwende gilt im Aberglauben aber eben auch als gefährlicher Tag und besonders das Baden in Gewässern sollte am 24. Juni vermieden werden (wobei zu einem Bade am Vorabend, also am Abend des 23. Juni, geradezu geraten wird, da dies heilsam sei), da die Geister (und Götter) des feuchtesten aller Elemente eben an diesem Tag oder um diesen Tag herum ihre Opfer fordern. Ob dieser Aberglaube darauf zurückzuführen ist, dass die alten Heiden und Heidis um der Sommersonnenwende herum ihren Göttern geopfert haben, indem sie die Opfer im Wasser versenkten und dies dann von ihren Nachfahren unverstanden als Opfer an speziell die Wassergötter, nunmehr Wassergeister, interpretiert wurde, vermag ich nicht zu sagen, ich stelle es nur in den Raum. Die alten heidnischen Römer feierten einen Monat später, am 23. Juli, ihre Neptunalien: dann zogen die Leute an den Strand des Meeres und des Tibers, bauten aus Laub kleine Hütten und feierten zu Ehren des Neptun mit reichlichem Alkoholgenuss. Darin sieht man eine Geste der „sympathischen” Zauberei: Wassergott Neptun sollte tunlichst vermeiden, dass Italiens Gewässer im heißen mediterranen Sommer verdünsteten. Darum trank man viel, damit es auch in Zukunft viel Flüssigkeit gebe. Für mich hört sich das ein bisschen wie Camping an.


    Zurück zu uns. Ob die Opfer an das Wasser hierzulande auch das Versiegen verhindern sollten, weiß ich nicht. Ich glaube eher nicht, da zu diesem Zwecke im Frühling bereits bestimmte Maßnahmen getroffen werden und sowieso auch ganzjährlich (an Donnerstagen sollte man kein Bad nehmen, keine Wäsche waschen und auch kein Geschirr spülen, an diesen Tagen hat nur der Wetterherr ein Anrecht darauf, Wasser strömen zu lassen). Ich denke, dass zum Sommeranfang einfach die Fischer-, Boot- und Badesaison anfing, weil es klimatologisch sicher war (ich bin ein Stadtkind, belehrt mich eines Besseren, wenn ich Unsinn erzähle). Der Mai kann manchmal schon recht sommerlich sein, manchmal ist er aber auch überraschend frisch. Ende Juni scheint in unseren mittel- und nordeuropäischen Breiten die Temperatur sicher zu sein, um sich beim Baden „nicht den Tod zu holen”, wie meine Großmutter noch immer zu sagen pflegt, sogar wenn mein Bruder, meine Kousins oder ich im Juli oder August bei etwas frischerem Sommerwetter im See baden gehen...


    Wie läuft es nun bei mir ab? Frau Kolumna würde es nicht mit ihrem charakteristischen „sensationell” kommentieren. Ich winde allein oder mit einem/r Verwandten/Bekannten Gänseblumenkrönchen und hänge die an die Bäume nahe eines Gewässers oder lasse sie auch direkt auf das Wasser treiben. Und dann werfe ich kleine stückchen Schwarzbrot in das Wasser, die von Wasservögeln oder Fischen verspeist werden. Schwarzbrot als Synkretismus der Bräuche aus Rotenburg am Neckar bzw. Quedlinburg an der Bode (siehe unten Auszug aus dem HDA). Aber das läuft alles ganz unspektakulär ab, wobei doch mit einem gewissen, innerlichen Zeremoniell, so wie wenn man während der Bescherung den Weihnachtsmann macht und die Päckchen überreicht (das liest sich vielleicht verhöhnend, ist aber wirklich ernst gemeint).


    Das meiste, oder eigentlich alles habe ich aus dem HDA, dem Handwörtbuch des deutschen Aberglaubens, daher ist es nicht direkt wendisch/slawisch, aber auch nicht pur germanisch, da ja auch nicht-germanische Stämme zur Ethnogenese des deutschen Volkes ihren Beitrag geleistet haben. User Kret hat schon ganz Recht: Ich versuche mich auf regionales Brauchtum zu konzentrieren, wobei diese Region sehr fluide Grenzen hat: Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeraum, der deutsche Sprachraum oder ganz Europa, mitunter auch die ganze Welt (sogar ich werde schwach bei manchen Weihnachtsbräuchen von Übersee und sogar Halloween bin ich nicht abgeneigt).


    Donnerseele Ich vollziehe diese Bräuche am 23. und 24. Juni. Also halte ich mich eher an die jüngeren, aus bereits christianisierter Zeit stammenden Vorgaben.


    Zu den Dateianhängen:

    1. Datei: Ein Replikat einer zu Rhodos (gr. Insel) gefundenen Büste des Sonnengottes, von mir zum Entsetzen meines Bruders vielleicht etwas kitschig bemalt. Sie trägt den Johanneskranz den ich heuer gewunden habe.


    2. bis 5. Datei: Auszüge aus dem Handwörterbuch des dt. Aberglaubens, genauer aus Band 4 (Seiten 724 bis 726), aus dem Eintrag zu Johannes dem Täufer (hoffentlich könnt ihr das lesen?).


    6. bis 7. Datei: Auszug aus Haralds Biezais' 1972 bei Almqvist & Wiksells in Uppsala erschienen Werk „Die himmlische Götterfamilie der alten Letten” (S. 314-315), um einen Eindruck zu gewinnen, wie zauberhaft die Sommersonnenwendfeier bei den Letten und vielleicht auch anderen Balten und anderen Europäern vorbereitet wurde. Also mir kommt da wirklich schon fast weihnachtliche Gemütlichkeit in den Sinn.