Gogericht auf dem Desum

Schon gewusst…?

Im „Wikinger Museum Haithabu“ kann man ein Wikinger-Dorf besuchen, das so authentisch nachgebaut ist, dass man glaubt, man wäre mit einer Zeitmaschine angereist

Zur Seite des Museums geht es hier entlang: Wikinger Museum Haithabu

  • Moin.


    Ich habe mir mal den gestrigen Dienstag vor Mittsommer zum Anlass genommen und den alten Gerichtsplatz des ehemaligen Lerigaus besucht, das "Gogericht auf dem Desum".


    Der Desum war ein Hügel, der aus der ansonsten recht flachen Moorlandschaft Nordwestfalens herausstach und in der Nähe eines wichtigen Fernweges lag, der sich von den heutigen Niederlanden bis in die Lüneburger Heide erstreckte. Auf der Strecke dieser Altstraße liegen heute der Herzog-Erich-Weg, Kriegerpad, Reuterweg und Folkweg.

    Der Weg wurde von mehreren benachbarten Wallburgen aus überwacht, deren Wälle man heute noch sehen kann. Ein Teil der Palisaden der sogenannte Arkeburg bei Vechta wurde mittlerweile rekonstruiert, 2020 wurden zudem ein "Sachsenhaus" und eine Statue für Widukind errichtet.


    Urkundlich wird das "Gogericht auf dem Desum" erstmals 1322 erwähnt, obwohl es sehr wahrscheinlich mit der seit 1270 bekannten "Gografschaft bei Wildeshausen" identisch ist.

    Seine Blütezeit erlebte das Gogericht vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, ab 1652 wurde die Gerichtsbarkeit allerdings nach Vechta verlegt. Daraufhin war das Gogericht wieder nur lokaler Versammlungsort bei außergerichtlichen Belangen. 1728 wurde der Gerichtsstuhl ein letztes Mal erneuert und 1842 wurde der Platz letztendlich eingeebnet.


    1905 errichtete der "Oldenburger Verein für Altertumskunde und Landesgeschichte" den ersten Gedenkstein, das neueste staatliche Denkmal stammt von 1989:

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    (Denkmal der Landkreise Cloppenburg und Vechta, Gemeinde Emstek und des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland)


    Dieses stieß allerdings bei den Anwohnern aufgrund mehrerer Faktoren auf Kritik, worauf diese ihre eigene Gedenkstätte in einem nahen Waldstück errichteten:


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    Drei große Findlinge (rechts außen) stehen hier für die Plätze des Gaugrafen und der Konfliktparteien, der davor liegende flache Stein bildet den "Schreibertisch", Mittig des Platzes stehen zwei große und gesunde Eichen sowie der eigentliche Gedenkstein mit einer Passage aus dem Sachsenspiegel, einem der ältesten Rechtsbücher Deutschlands. Die kleineren Findlinge ringsum bilden die sitze der 24 Schöffen, dahinter sind noch für die einzelnen Gemeinden (inklusive meiner Heimatstadt) Gedenksteine gesetzt und mehrere Holzbänke.

    Zitat

    Die Interessengemeinschaft "Altes Gogericht auf dem Desum" möchte durch das Wiederaufleben von alten Bräuchen längst verlorengeglaubtes Traditionsgut neu begründen und Menschen in unserem Raum mit ihren historisch gewachsenen Wurzeln konfrontieren. Es ist unser Anliegen regionalbezogene Identität neu zu stiften.

    Um das neu geweckte Bewußtsein für die Region und für die eigene Geschichte nutzbar zu machen, gründeten die Initiatoren die "Interessengemeinschaft Altes Gogericht auf dem Desum e.V.".

    http://www.gogericht-auf-dem-desum.de/Startseite/


    Ich liebe meine Heimat!<3

    Der gesamte Platz ist sehr gut in Schuss gehalten, lediglich ein einziger Stein wurde letztes Jahr von einem liebestollen Vandalen zerkratzt:cursing::thumbdown: und eine Bank hat ihr leben gelebt.

    Außer der obligatorischen Kronkorken, Glasscherben und zwei, drei Trinkpäckchen und Dosen gab es aber nicht viel Müll einzusammeln. Großes Lob an die Verantwortlichen, auch für die zwei großen schwarzen Tonnen.^^


    Ich werde demnächst mit den Betreibern in Kontakt treten und definitiv einige der "Verhandlungen" besuchen!

  • - Oldenburgische Sagen; Ausgewählt und neu erzählt von Hermann Lübbing.