Jahreskreisfeste

Schon gewusst…?

Odin / Wodan


Höchster Gott der Asen. Überblickt von seinem Thron aus die neun Welten und lässt sich von den Raben Hugin und Munin Geheimnisse erzählen. Liebt die Frauen und die Weisheit.

  • Servus zusammen,


    ich bin recht neu im Forum, möchte aber doch gerne mit einer Frage vorpreschen: wie seht ihr es Jahresfeste in einem größeren Kreis zu feiern. Gleichgesinnte aus dem Umfeld einzuladen und so ein gemeinschaftliches Ritual zu schaffen. Viele feiern die Jahresfeste sicherlich ohnehin, es täte der Vernetzung in real aber sicher nicht schaden. 4 Zeitpunkte im Jahr sind nun auch nicht zu viele, sodass es inflationär werden würde.


    Freue mich auf eure Anregungen, betrifft aus meiner Sicht konkret, den Raum Oberbayern/Österreich! Btw: finde es großartig, dass es dieses Forum gibt und bleibe euch sicher erhalten :prost:


    Gruß, paul

  • Aktuell sieht es etwas schlecht aus mit den grenzüberschreitenden Festen und regelmäßigen Treffen. Aber ja es gibt die internationalen Gruppen Bayern/Österreich und gab die Feste und es wird wieder diese Feste geben.

  • Als kleinster gemeinsamer Nenner kämen die 4 Jahresfeste Jul - Ostara -Sonnwend - Erntedank od. Samhein/Beltane in Frage. Es passiert zwar vieles im digitalen Raum aber ich denke, dass die Realität durch nichts zu ersetzen ist ;).

  • ...kleinster gemeinsamer Nenner...

    Traditionsübergreifend wäre der "kleinster gemeinsamer Nenner" der 21.12. bzw. 22.12. entweder als Zeitpunkt der Wintersonnenwende, Mutternacht, des Disablóts oder Juls.

    Alle anderen von dir genannten Feste werden entweder nicht gefeiert (3 anstatt 4 Jahresfeste), zählen nicht zu den großen Jahresfesten (Erntedank und strenggenommen der 21.12. selbst), stammen nicht aus der germanischen Tradition (Samhain & Baltane) oder fallen auf unterschiedliche Daten (alle außer der 21.12.).

    Darauf wollte Grout mit seiner Frage auch hinaus.

  • So wie bei Eldering :DX( Glaube ich wohl nicht.

    Der Ritus sollte schon Besprochen sein wie er abläuft aber es sollte auch eine gewisse In Dualität zu gesprochen werden.

  • Wenn sich etwas ergibt, dann opfer ich auch gern in größerer Runde... aber erzwingen würde ich da nix...Wer so "Vereinsmeierei" braucht hat ja ein paar Anlaufstellen...

  • Bisschen OT, auch nur zur Info, aber im persischen Sprachraum werden drei der vier Sonnenmomente im Jahr tatsächlich festlich begangen :


    1. „Nouruz” - Neujahrs- oder Frühlingsfest zur Frühlingstagundnachtgleiche

    2. „Mehrgan” zur Zeit der Herbsttagundnachtgleiche

    3. „Yalda” zur Zeit der Wintersonnenwende

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_altiranischer_Feste


    Ich schreibe tatsächlich, weil ich lange der Annahme war, dass das Feiern des Jahreskreises und seiner Daten fast ausschließlich ein Wicca-Ding gewesen sein soll. Weihnachten und Ostern könnte man zwar als Wintersonnenwend- und Frühlingsfest interpretieren, aber Oster z.B. fällt nicht zur Tagundnachtgleiche (obwohl diese natürlich Vorraussetzung für das Osterdatum ist, zusammen mit dem Vollmond).


    Ein Freund von mir, der sehr an Sprachen interessiert ist (u.a. an der persischen Sprache, eine seiner Lieblingssprachen) feiert Yalda und Nouruz.

  • ...

    aber Oster z.B. fällt nicht zur Tagundnachtgleiche (obwohl diese natürlich Vorraussetzung für das Osterdatum ist, zusammen mit dem Vollmond).

    Schön, wieder von dir zu lesen. :bussianim:

    Das germanische Ostern/Ostarûn fällt mit dem hinduistischen Termin für Hanuman Jayanti/Janmostav/Janam-Ustav oder (lustigerweise) dem jüdischen des Pesach zusammen.


    Da die Perser/ Iraner, ja ein indoeuropäisches Volk sind, könnte es auch tatsächlich, ein Hinweis darauf sein, wie das hierzulande einst gehandhabt wurde.

    Die Germanen kannten die Sommer- und Wintersonnenwende. Für erstere gibt es jedoch keinen belegbaren Hinweis auf eine nennenswerte kultische Begehung, während letztere das Datum der altenglischen Môdraniht oder Nacht vor den Zwölften (und damit quasi deren Startschuss) darstellt.

    Eine Frühjahrsfeier zur Equinox ergibt für den germanischen Bereich keinen Sinn, da das Jahr erst mit Ostern begann (ein "Frühjahr" vor Jahresbeginn wäre ein Spätjahr). Quelle dafür sind unter anderem die verschiedenen spätmittelalterlichen Runenstäbe sowie Chroniken aus der Zeit des Glaubenswechsels, z. B. die fränkischen Reichsannalen:

    Zitat von fränkische Reichsannalen 772-773

    ... Hier verhandelte er (Kaiser Karl) mit den Sachsen, nahm zwölf Geiseln und kehrte zurück ins Frankenreich.

    Er feierte Christi Geburt bei Herstal und auch Ostern und die Jahreszahl wechselte zu


    773


    Das Alles soll nicht heißen, dass weder die Sommersonnenwende, noch die Frühlings- oder Herbst-Tag-und-Nachtgleiche gar keine Relevanz hatten. Beispielsweise fällt die Sommersonnenwende immer in die Wochen des isländischen Allthings (Kalenderregel: "zehn Wochen nach dem Sumarmál/Varblót") oder des norwegischen Eyrathings (Kalenderregel "zwei Wochen vor der Johannismesse"), es fehlt lediglich ein Nachweis für die Relevanz des Sonnendatums für die Berechnung dieser Zeitpunkte (auch wenn diese für das Eyrathing wahrscheinlich ist).

  • Heil dir, Kret!

    Kaiser Karl bezog sich beim neuen Jahr aber auf die christliche Zeitrechnung, auf die man sich irgendwann im fünften Jahrhundert, oder so, auf einem Konzil geeinigt hatte.

    In den Alpenregionen, gibt es immernoch den Begriff Hochneujahr (oder auch Bauernneujahr, glaube ich) bzw. Perchtentag, für den ersten Tag, nach den Rauhnächten.

    Schon allein, das diesem Tag, die Perchtennacht vorraus geht und das sich altes Brauchtum, auf dem Land ja auch länger hält, sind für mich Indizien dafür, das dies der altgermanische Jahresbeginn seien dürfte.

  • Kret , Danke für diese Erläuterung. Ich habe da überhaupt nicht mehr durchgeblickt... Mal heißt es in Bezug auf Germanen und Sonnenwenden, dass sei alles nur den romantischen Vorstellungen aus dem 19. Jh. geschuldet, dann wieder, dass sei von den Wiccas in den Köpfen aller Heiden und Heidis verankert worden...

  • Korrektur: in den Annalen steht "Pesach", Ostern wäre der germanische Begriff.

    Kaiser Karl bezog sich beim neuen Jahr aber auf die christliche Zeitrechnung, auf die man sich irgendwann im fünften Jahrhundert, oder so, auf einem Konzil geeinigt hatte.

    In den Alpenregionen, gibt es immernoch den Begriff Hochneujahr (oder auch Bauernneujahr, glaube ich) bzw. Perchtentag, für den ersten Tag, nach den Rauhnächten.

    Schon allein, das diesem Tag, die Perchtennacht vorraus geht und das sich altes Brauchtum, auf dem Land ja auch länger hält, sind für mich Indizien dafür, das dies der altgermanische Jahresbeginn seien dürfte.

    Christlicher Jahresbeginn war der 1. Januar, mit dem julianischen Kalender übernommen vom römischen Reich, aber selbstverständlich gab es je nach Region, Volk und Zeit unterschiedliche Daten. Es Gab zwar ein Konzil, das konfessionsübergreifend die Berechnung des Pesachdatums festlegte, aber eines, auf dem Pesach als Jahresbeginn festgelgt worden sein soll, existiert nicht.


    Für die germanischen Wurzeln des "Hochneujahr" werden zwar regionale Bräuche angeführt, diese stehen aber immer in Verbindung mit den Rauhnächten oder dem darauf folgenden Jul-Datum (Mittwinter, erster Vollmond nach den Zwölften). Das germanische Jahr teilte sich in Sommer und Winter; in der Mitte des Winters (nochmal: Mittwinter) anzufangen, das neue Jahr zu zählen ergibt keinen Sinn, man zählt schließlich das ganze Jahr und nicht "Vierteljahr-Halbjahr-Vierteljahr".

    Wahrscheinlicher ist, dass die Bezeichnung "Hochneujahr" aus einer Verbindung des römischen 1. Januar als Neujahr und dem frühchristlichen Termin des 6. Januars als Christi Geburt (später Epiphanias/Dreikönigstag) und dem im althochdeutschen Sprachgebrauch immer noch vorhandenen Begriff "Hochzeit" für Feiertag hervorging.

    Perchtenläufe sind Rauhnachtsbrauchtum (also vor Mittwinter gelegen), der erste Januar als Neujahr ein römischer Kalendertag. Die Perchtenläufe als Indiz für einen germanischen Neujahrstag auszulegen ist damit selbsterfüllenden Prophezeiung ("Perchtenlauf zum germanischen Neujahr" weil "römisch-christliches Neujahr zu Perchtenläufen").


    Bei den Römern galt vor der Übernahme des julianischen Kalenders der erste März als Neujahrstag. Dieser sogenannte Märzstil sowie der sog. Paschalstil (Jahresbeginn zu Pesach/Ostern [siehe oben]) sind Überbleibsel der früheren Lunar- und Luni-Solarkalender und damit nicht christlichen Ursprungs.

    Märzstil und Paschalstil finden wir bei diversen germanischen Völkern vor allem in den Frühjahren ihrer Christianisierung (Merowinger/Franken, Langobarden) und teilweise bis weit in die frühe Neuzeit hinein (Norweger, Schweden, Dänen, Isländer).

  • Was aber belegbar ist in Sachen Sonne-nwenden, die Kreisgrabenanlagen. Gebaut lange vor den Germanen ja sogar vor den Kelten.

    <---- Na und er hier mit seinen Kumpels in ganz Europa, überall findet man Symbole der Sonne mit ihren 4 Wenden in Stein geritzt.


    Ich kann es natürlich nicht belegen aber es ist nur schwer vorstellbar, die folgenden Kulturen hätten sich von den vorherigen nichts abgeschaut.

  • Dass die Sonnenwenden (und Tag- und Nachtgleichen) eine Rolle gespielt haben, bezweifelt eigentlich niemand. Das sind aber Fixpunkte, die nur alle 3 Monate von äußert geschultem Personal bzw eben nur an sehr kompliziert angelegten Orten zu beobachten sind. Mit Neu-und Vollmonden hat man alle 2 Wochen einen Fixpunkt, den dazu auch noch jedes Kleinkind erkennen kann.


    Daher orientieren sich die Kalender und damit auch die (meisten) Festtermine eben an den Monden

  • Heil dir, Ulfberth!

    Das "äusserst geschulte Personal", hat aber dieses Wissen nicht für sich behalten, sondern der breiten Masse mitgeteilt, um dann mit den "Gläubigen", das jeweilige Fest zu planen, vorzubereiten und schlussendlich zu feiern.

    Der Lunisolarkalender der Germanen hatte zwar zwölf Monde, aber diese wurden in das Sonnenjahr integriert, da ein reiner Mondkalender, meines Wissens nach, dreizehn Monde zu je achtundzwanzig Tagen* hat.


    *also vier Mondphasen von denen jede sieben Tage in Anspruch nimmt.

  • Der Lunisolarkalender der Germanen hatte zwar zwölf Monde, aber diese wurden in das Sonnenjahr integriert, da ein reiner Mondkalender, meines Wissens nach, dreizehn Monde zu je achtundzwanzig Tagen* hat.

    Der Luni-Solarkalender der germanen hatte 12 oder 13 Monate. In der germanischen Variante des Schaltjahres wird ein zusätzlicher Sommermonat nach Mittsommer eingesetzt, wenn in die Zwölften/Rauhnächte ein Neumond fällt.

    Wenn dich das Thema interessiert kann ich dir nur wärmstens "Der gebundene Mondkalender der Germanen" von Andreas E. Zautner ( Eirikr ) ans Herz legen. Das geht viel genauer und besser sortiert auf die verschiedenen Kalender ein, als das hier möglich ist.^^


    https://www.amazon.de/gebunden…ne+Mond%2Caps%2C98&sr=8-1


    Hier mal ein Thread mit Inhaltsangabe vom Autor:

    Der gebundene Mondkalender der Germanen

  • Naja was jetzt früher zur Bestimmung der Zeiten verwendet wurde, Sonne oder Mond, ist doch die gleiche Frage wie die mit dem Huhn und Ei. Beide Methoden reichen soweit zurück, dass einem ganz schwindlig wird.