Heilige Objekte und kultische Gegenstände 1

Schon gewusst…?

Im „Wikinger Museum Haithabu“ kann man ein Wikinger-Dorf besuchen, das so authentisch nachgebaut ist, dass man glaubt, man wäre mit einer Zeitmaschine angereist

Zur Seite des Museums geht es hier entlang: Wikinger Museum Haithabu

  • Heil euch!

    Was ich in dieser Rubrik wirkich vermisse, ist eine tatsächliche Beschreibung von kultischen Objekten und heiligen Gegenständen.

    Ich hab mal ein bisschen in meinen Notizen gekramt:


    HAUSALTAR

    Da es nicht immer möglich Ist, ein Ritual im freien durchzuführen, empfiehlt es sich, einen Hausaltar einzurichten oder bei Platzmangel, einen Götterwinkel; einen Ort der Andacht, des Gebets oder auch der Meditation. Der Altar wird nach Möglichkeit, gen Norden ausgerichtet (Asgard) oder in der Vanatru- Tradition nach Westen (Wanaheim). Nach Osten- in Richtung der aufgehenden Sonne, hat natürlich auch was für sich.

    Seine Höhe, sollte irgendwo zwischen dem Knie und dem unteren Brustbereich liegen.

    Die Gestaltung des Hausaltars ist eine sehr persönliche und individuelle Angelegenheit, doch sollten dort auf jeden Fall, Gefässe für Trank- und Speiseopfer, ein Ritualhorn oder auch ein Blothammer nicht fehlen.

    Da bei einem Ritual der "alten Sitte", die Elemente Erde und Feuer immer zugegen sein sollten, empfiehlt es sich, eine Schale mit Erde oder Salz auf den Altar zu stellen und auch Kerzen oder Teelichter.

    Neben Glaubenssymbolen und Götterfiguren können auch die Gaben der Natur selbst dort ihren Platz finden, z.B. Muscheln, getrocknete Pflanzen, Eicheln, Tierknochen, Kastanien, kleine Steine, Tierschädel, Schneckenhäuser, Beeren, Geweihe und dergleichen. Empfehlenswert sind auch Vasen mit Blumen, Zweigen, Wildgräsern oder Getreideähren.

    Des weiteren: Räucherutensilien, ein Signalhorn, Runensteine oder eine rituelle Trommel. Auch ein geweihtes Messer zum zerteilen von Speisegaben, oder ein Trinkgefäss mit heiligem Wasser wären denkbar. Ebenfalls Ritualobjekte, wie ein Stab zum ziehen von Runen und anderen Symbolen, eine grosse Feder zum verteilen des Rauchs, der Räucherung oder ein Altarring, den man bei Gebeten und Anrufungen in die Hand nimmt.

    Ein Tierfell, Altartuch oder Tischläufer, kann das ganze abrunden.

    Es ist üblich, den Altar je nach Jahreszeit und Anlass zu schmücken, beispielsweise mit Tannengrün und einem Julbock, mit Frühlingsblumen und bunten Eiern, mit Sonnensymbolen und Eichenlaub oder mit Erntefrüchten und Korngarben.

    Da sich ein geweihter Altar mit den Energien der Götter und Geister auflädt, bietet sich so eine Gelegenheit, die Präsenz des göttlichen nicht nur in der Natur, sondern auch in den eigenen vier Wänden wahrnehmen zu können.

    Im übrigen muss der Altar nicht zwangsläufig ein Tisch sein; eine Kommode z.B. oder ein leeres Regalfach, erfüllen den selben Zweck.


    BLOTHAMMER

    Wie der Hammer im allgemeinen, versinnbildlicht auch der kultische Hammer, als Symbol der mythischen Waffe des Gottes Donar/ Thor, Stärke und Aktivität. Der Mjöllnir (Zermalmer?) seht zudem auch für Segen, Schutz und Fruchtbarkeit! Da der Hammer sich in der Steinzeit, vermutlich direkt aus der Steinaxt entwickelt hat, gleichen sich beide auch in ihrer Symbolik. So wird Donar, neben dem Hammer und der Keule auch die (Doppel-) Axt, bzw. das Beil als Attribut zugeordnet. Im übrigen auch Wodan/Odin!

    Als Zeremonialhammer wird er vor allem, zu Weihezwecken verwendet. So werden mit ihm Kultplätze eingehegt, Objekte geweiht, aber auch ideelle Dinge, wie die Ehe, der Hausbau oder Bestattungen gesegnet.

    Dazu wird das Hammerzeichen

    (hamarsmark), in Form eines gestürzten "T" über dem zu weihenden Ort, Menschen oder Gegenstand gezogen, oder man legt den Hammer auf das entsprechende Objekt. Der heilige Hammer wurde früher auch zur Bestimmung, des Rechts auf Grund und Boden (Hammerwurf) verwendet.

    Der Hammer selbst kann aus Holz, Metall oder sogar Stein bestehen. Als ideales Maß für den Schaft, gilt eine Länge von zwei übereinander gelegten Fäusten.

    Neben einem (oft selbstgemachten) Hammer aus Holz, erfreuen sich altertümliche Hämmer großer Beliebtheit; ein Dengelhammer z.B. hat bereits die passende Form. Ansonsten tut's zur Not aber auch ein Mjöllniramulett, oder das Hammerzeichen wird mit der rechten Hand gezogen- wobei der Daumen, den alten Germanen als "magischer Finger" galt.


    ALTARRING

    Offener Oberarm- oder Handgelenkring aus Gold oder Bronze.

    Als Herrschaftssymbol wurde er vermutlich am linken Arm getragen. Er versinnbildlicht die Verbundenheit mit den Göttern und die Treue zu ihnen!

    Der Tempelring wird bei Eheleiten und Vertragsabschlüssen verwendet, vor allem aber bei Eiden und Schwüren. Dazu wurde der Ring (auch Eid- oder Schwur-Ring genannt) früher in das Opferblut* eines Tieres getaucht und der auf dem Altar liegende Ring, vom Schwörenden mit der Hand berührt oder in der Hand gehalten.

    Der Eid wird vor den Göttern und der Gemeinschaft abgelegt und zur Verstärkung der Eidesanrufung, die Götterstatue berührt.

    Als Schwurzeugen ruft man die Götter Wuldor/Uller, Tiu/Tyr und Vara an.

    Der Eidring wurde vom Goden, im Tempel, auf dem Altar verwahrt.

    Die Asatruer auf Island schütten den Opfertrank, durch den Ring in das Trinkhorn und man kann ihn auch bei Gebeten und Anrufungen in der Hand halten.


    * heutzutage, eher Bier, Met oder Wein.

  • Brauche ich alles nicht.

    Könnte man haben.

    Aber eine Eheleite werde ich nicht durchführen....

    Hammer?

    Wozu?

    Na gut,ne heilige Ecke..... aber die wandelt sich bei mir auch. Bienenwachskerzen (geklaut---ähm-----geraubt----geweiht aus einer christlichen Kirche).etwas zum Räuchern

    Für Ran ein Schiff ,Muscheln ..etwas bling,bling....

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Heil dir, Kendra!

    Wirklich brauchen, tut man das meiste, was da so mit den Jahren zusammenkommt wohl eh nicht.

    Aber die meisten Menschen sind eben immer noch irgendwie Jäger und Sammler. Ich denke mal auch, das vieles davon der Selbstdarstellung dient.

    Denn Ja- wenn einer mein Zuhause betritt, soll der schon sehen, wie ich drauf bin. Von daher umgebe ich mich gern mit heidnischen Objekten; umso besser, wenn man aber das Meiste davon auch tatsächlich benutzt, das es eben nicht nur als dekorativer Staubfänger dient.

  • Ich versuche da immer gern einen historischen Bezug zu finden. Gibt es da Quellen zu den Hausaltaren, Blothammern und Altarringen oder ist das eher was neues, was sich irgendwann mal jemand erst vor kurzem ausgedacht hatte? Also Eidring sagt mir schon was aber aus Gold? Ich mein so ein halbes Kilo Gold war schon vor dem Mittelalter nicht für Jedermann erschwinglich, um mich mal ganz vorsichtig auszudrücken. Auch bei den Durchführen eines Blots kann ich mich nicht an Anleitungen erinnern, die älter als ein paar Jahrzehnte wären.

  • Tartar

    Hier nochmal die Schriftquellen für Kultgegenstände nach Walter Baetke:


    RE: Walter Baetke - ,Die Götter und ihr Kult' aus ,Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen'


    Der Weihehammer ist vor allem aus den Eddas entlehnt (Brautweihe in der "Heimholung des Hammers"; Weihe der Ziegen/Opfertiere in der Gylfaginning; Weihe des Totenschiffes Balders im Skáldskapamál) dazu haben wir einige Runeninschriften, die Thor zur Weihe anrufen (Nordendorfer Fibel, Runensteine DR 110, DR 209, DR 220, VG 150) und andere, die den Thorshammer zeigen.

    Das "Hammerzeichen" ist auch überliefert, aber (vor allem in der Variante von Stephen Flowers) umstritten:


    RE: Walter Baetke - ,Gottesdienst und religiöses Brauchtum' aus ,Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen'


    Widulf woher hast du das mit dem Daumen? Ich kenne aus der isländischen Magie entweder den Zeigefinger oder speziell den Ringfinger der linken Hand. Letzterer hatte wohl bei den germanischen Völkern besondere Relevanz, da im altnordischen "lǽknisfingr" und im altenglischen "lǣċefinger" (Heilungsfinger) hieß.

    Vom besonderen Einsatz des Daumens weiß ich leider nichts, könnte mir da aber etymologisch (proto-germanisch *þūmô "anschwellen, größer werden") gut vorstellen, dass man damit magisch etwas mehren wollte.


    Bin für alle Quellen dankbar, würde persönlich aber auch keine magische Praxis in ein Blót einfließen lassen.

  • Es gibt für Hausaltare und Altre und Gebetsplätze keinen genauen Angaben da sie Gebiets abhängig sind nur die Heiligen Gegenstände gleichen sich.

  • Heil euch!

    Hausaltäre bei den Germanen sind zwar nicht überliefert, aber in den katholischen Alpenländern gibt es bis heute noch den sogenannten "Herrgottswinkel"; man geht davon aus, das dieser seinen Ursprung im Hausaltar der gallischen Kelten dort hat und diese den wiederum von den Lalarien der Römer abgekupfert haben.

    Wegen dem Daumen, muss ich noch mal nachschauen, aber ich hab da mindestens zwei Angaben zu gefunden- irgendwo.

    Der Altarring, wird sehr gut auf der Internetseite "Asentreu" beschrieben, da geht es auch um historische Altarformen und alles mit Quellenangabe und so.

    Sonst müsste ich erstmal rumsuchen und alles.

    Das Problem mit meinen ganzen Notizen und selbstverfassten Artikeln ist ja, das sich da über 10/ 12 Jahre in etwa, so einiges angesammelt hat und da das eigentlich nur als Hilfestellung, für meine persönliche Ritualpraxis gedacht war, hab ich mir auch nie die Mühe gemacht, irgendwelche Quellen zu vermerken.

  • Ach so- bevor ich's vergesse:

    genau genommen ist eigentlich jede Form der Einhegung zu Beginn eines Rituals, bereits ein (Schutz-) Zauber, oder auch das Tragen von Amuletten oder die gezielte Verwendung bestimmter Runen, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

    Ich persönlich zumindest, differenziere da nicht so übermässig.

  • Kret das der Hammer überliefert ist und auch reichlich als Grabbeigabe gefunden wurde ist bekannt. Mir ging es speziell um den Hammer als Weihegegenstand. Etwas Thor weihen heißt für mich nicht automatisch, man hat das mit einem Weihehammer gemacht. Die Edda als Quelle ist für mich so ein hmmm. Die Vorstellung man benutzt zum Weihen einen großen Hammer gleicht sich dann für mich doch zu stark an einen Pfarrer der sein Kreuz zur Weihe rumschleppt. Ich muss das selber erstmal bei Baetke nachlesen, bin mir nicht mehr sicher.


    Der Herrgottswinkl ist für mich rein optisch ursprünglich eher griechisch / römisch als keltisch. Wir hier in Bayern haben zwar vieles von den alten Bräuchen in das Christendings übernommen aber das mit dem Herrgottswinkl hör ich das erste mal.

  • Heil dir, Tartar!

    Ich hatte ja geschrieben, das gemutmaßt wird, das mit dem Herrgottswinkel, KÖNNTE über die Kelten, ursprünglich von den Römern kommen und wenn man sich mal die Umgangstempel der gallo- römischen Religion anschaut (der ja auch einige romanisierte Germanenstämme anhingen), kommt mir das vom Stil her, ohnehin eher römisch vor.

    Der Hammer um "die Braut zu weihen", wird in "des Hammers Heimholung" in der Edda erwähnt und in mindestens einer Saga, wird der Hammerwurf geschildert, wobei meines Wissens nach auch tatsächlich vom "heiligen Hammer"

    gesprochen wird.

    Das es deshalb einen geweihten Kulthammer z.B. auf dem Altar im Tempel gab, habe ich nie behauptet!!!

    Im übrigen, kann man es wohl als belegt ansehen, das das Ziehen des Kreuzzeichens, eine spätere Abwandlung,

    des hamersmarks ist. Das wird bereits in einer Saga sehr gut dargestellt. Ich glaub, da ging es um

    König Harkons ( ? ) heimlichen Übertritt zum Christentum.

  • Die rote Ecke würde mich mal interessieren!

    In einem (allerdings fiktiven) Roman von Anne Rice, wurden in einem russischen Haus, auf einem Tisch oder so, neben Heiligenikonen, auch mit traditionell slavischen Mustern verzierte Ostereier* aufgestellt.

    Ist das in etwa das gleiche?


    * quasi wie bei den berühmten sorbischen Eiern, aus der Lausitz.

  • Kret das der Hammer überliefert ist und auch reichlich als Grabbeigabe gefunden wurde ist bekannt. Mir ging es speziell um den Hammer als Weihegegenstand.

    Es ging mir ja auch nicht darum, Mjölnir zu belegen, sondern verständlich zu machen woher man den Hammer als Weiheinstrument entlehnt hat. In den Runennschriften wurde nichts Thor geweiht, sondern Thor wurde entweder als möglicher Weiher genannt oder um Weihe gebeten, was sich mit den angeführten Beispielen aus der Edda deckt, wo Thor als Weiher auftritt. In diesem Kontext lässt sich auch der eingravierte Hammer als Ersatz für die wörtliche Weihebitte interpretieren.


    Archäologische Funde beschränken sich jedoch auf Schmiedehämmer, die im Profil eher unseren heutigen Schlosserhämmern ähnelten.

    Ich muss das selber erstmal bei Baetke nachlesen, bin mir nicht mehr sicher.

    ;)

    RE: Walter Baetke - ,Religion und Rechtsordnung' aus ,Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen'

  • Im übrigen, kann man es wohl als belegt ansehen, das das Ziehen des Kreuzzeichens, eine spätere Abwandlung,

    des hamersmarks ist. Das wird bereits in einer Saga sehr gut dargestellt. Ich glaub, da ging es um

    König Harkons ( ? ) heimlichen Übertritt zum Christentum.

    Absoluter Unsinn.

    Die Christen bekreuzigen sich seit dem 2. Jahrhundert (also noch vor der Germanenmission), die Heimskringla entstand dagegen im 13. Jahrhundert. König Hakon ist nicht heimlich zum Christentum übergetreten, sondern in Obhut von Athelstan von England aufgewachsen und christlich erzogen worden.

    Der Jarl Sigurd versucht den anderen Anwesenden das von Hakon gemachte Kreuzzeichen als ein heidnisches Symbol zu verkaufen, um deren Zorn abzuwenden:

    Zitat

    „Der König macht es so wie alle, die an ihre Macht und Stärke glauben und ihren Becher Thor segnen. Er machte das Hammerzeichen über den Humpen, bevor er trank."

    Die zuvor aufgebrachten Gäste verstummen nach diesem Einwurf Sigurds (am ehesten, weil niemand als töricht gelten will, dass er dieses Zeichen nicht kennt). Ansonsten gibt es keinerlei Beleg für ein mit der Hand gezogenes Hammerzeichen.

  • Das besagt aber noch lange nicht, das dieses Zeichen, nicht schon lange vorher bekannt war, zumal die schriftlichen Überlieferungen der Skandinavier, ja auf viel älteren mündlichen Quellen basieren.

    Im übrigen, wenn Hakon schon seit je her Christ war, hätten die Anderen doch eigentlich wissen müssen, mit was für einem sie da an der Tafel sitzen.