Haben die Götter eine eigene Religion?

Schon gewusst…?

Allsherjargode (Allsherjargoði) ist eine isländischer Titel. Das es diesen Titel im germanischen Glauben außerhalb Islands gab, ist sehr unwahrscheinlich und nicht belegt.

  • Heil euch!

    Das klingt jetzt vielleicht irgendwie komisch, aber ich hab in der Edda öfters mal ein paar Begriffe aufgeschnappt, die ich etwas verwirrend fand!

    Leider habe ich zur Zeit kein Exemplar dieses Buches zum nachschlagen da und aus dem Internet werde ich da auch nicht so recht schlau.

    Zum Beispiel, steht da irgendwo, die Götter hätten sich Haus und Hof errichtet, oder so.

    Unter einem "Hof" verstehe ich einen Tempel oder allgemein eine Kultanlage.

    Aber wem sollten die Götter dort denn opfern? Sich selbst, würde ja wohl keinen Sinn machen!

    Und was ist mit dem Begriff "Überhimmel" gemeint? Ein Bereich auf/ über Ymirs Schädeldecke? Ein Bereich, wo die Götter nach ihrem Tod hinkommen?

    Das einzige Wesen, das über den Göttern stünde, wäre vielleicht der so genannte "Fimbultyr"!

    Ja, ich weiss, das ist auch einer von Wodens Namen/ Bezeichnungen, aber ich hab auch schon öfters gelesen, Fymbultyr wäre der Begriff für ein übergeordnetes Schöpferwesen, welches ausserhalb von allem existieren würde und welches die ersten beiden Welten Muspellheim und Nebelheim erschaffen hätte.

    Da fällt mir gerade ein, ich hatte auch mal gelesen, die Feuerriesen* hätten schon vor den Reifriesen existiert- also quasi vor der eigentlichen Schöpfung.

    Hat da jemand 'n Plan von?


    * Wenn Surt/ Sutur schon uralt ist, könnte sein Vater Svart, das vieleicht älteste (physische) Wesen überhaupt sein.

    Das würde allerdings bedeuten, das Eis- und Feuerriesen überhaupt nicht mit einander verwandt wären und "Riese" hier nur als grober Oberbegriff gilt.

  • Unter Hof sind auch die Bediensteten der Götter die Rede (Gesinde).

    Wie ist es mit Walhall dahin kommt man nur über die Brücke und das ganze ist über den Wolken.

    Zu den Anderen Themen gibt es nicht Wirklich was schriftliches mit Quellen Angabe

    Bevor Grout wieder mit der Quellen Angaben ausrastetet behalte ich es für mich.

  • Heil dir, Wikinger!

    Aha- dann hab ich das mit dem "Hof" vielleicht jahrelang fehlinterpretiert

    - aber dafür bin ich ja jetzt hier bei euch im Forum!

    Das Asgard/ Walhalla über den Wolken läge, halte ich für eine eher neuzeitliche Interpretertion

    (Jack und die Bohnenranke), da das Reich der Götter, im Volksglauben für gewöhnlich auf einem Berg gedacht ist.

    Ich kenne einige regionale Überlieferungen, wo es dort z.B. heisst, das der Gott Woden*, auf einem bestimmten Berg, seinen Sitz hätte!


    * oder vielleicht auch ein gutes Beispiel: der Herr der Berge (Rübezahl)/ Woden

    - Thema Riesengebirge.

  • über den Göttern stünde, wäre vielleicht der so genannte "Fimbultyr

    ja könnte ich mir auch so vorstellen...der "Fimbultyr" ist der Allvater, jenseits von Raum und Zeit...ja warum nicht.


    Wir sind alle Geschwister, alle Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, Pilze....Wir alle stammen aus dieser "Quelle", die schon existierte, bevor sie von irgendwen "betitelt" wurde...

  • Ab einer gewissen höhe ist der Berggipfel auch in Wolken gehüllt also ist das mit den Wolken nicht so Abwegig.

    Das mit dem Rübezahl (Woden) und Riesengebirge klingt Plausibel.

  • Heil dir, Wikinger!

    Genau das meinte ich ja mit dem Berg*

    - der liegt ja quasi über den Wolken!

    Man geht wohl davon aus, das es sich bei "Rübezahl", um eine alte, einheimische slawische (Himmels-) Gottheit handelt, welche dann, durch die deutschen Eroberer/ Einwanderer, auch Züge des germanischen Gottes Woden angenommen hat.


    * z.B. bei den Griechen, der Olymp

    - Iwan: dein Einsatz!

  • Heil dir, Tartar!

    Es geht lediglich darum, das die deutschen Siedler, im Gebiet des Riesengebirges, ihre eigenen Erzählungen u.a. von Woden, dem wilden Jäger, aus ihrer alten Heimat mitbrachten und vermutlich, bestimmte Charakterzüge, auf Rübezahl projezierten oder in ihm wiedererkannten, so ist Rübezahl zum Beispiel auch Herr über das Wetter.

  • Ja und den Begriff "ÜBERhimmel" der mindestens einmal in der Edda auftaucht, finde ich immer noch recht merkwürdig!

    Der Himmel oder das Himmelsreich wären nach meiner Ansicht,

    Asgard, Wanaheim und Lichtalbenheim*.

    Dieser Bereich würde sich dann aber wohl unter dem sogenannten Überhimmel befinden- das könnte eben Ymirs Schädeldecke sein, welche quasi den Rand/ das Ende des Universums markieren würde.

    Ausserhalb wäre dann wohl das Nichts

    - oder wie?


    * ich könnte mir vorstellen, das es sich hierbei um einen gewaltigen Berg mit drei Gipfeln handelt.

  • Mein Opa kommt aus dem Riesengebirge und mir ist deshalb die Geschichte von Rübezahl sehr bekannt aber das da Wodan hineininterpretiert wäre ist wohl eine etwas neuere Auslegung.

    Mehr ein Gedankenspiel.

  • Und was ist mit dem Begriff "Überhimmel" gemeint?

    Die Begriffe "Upheophon/Upphimmin/Ufhimil kommen öfters in Schöpfungsmythen vor (nicht nur Edda), zB auch im Wessobrunner Schöpfungshymnos, Caedmon-Hymnos etc.


    "Überhimmel" kommt offenbar allerdings nur vor, wenn zuerst die Erde genannt wird...:thumbup: Nach der "Schöpfungschronologie" kann der "Überhimmel" also erst geschaffen werden, wenn die Erde zuvor da ist, was mMn auch Sinn macht: Wie soll es einen Überhimmel gebe, wenn sich dieser nicht über irgendetwas bereits Existierendes spannen könnte;)?

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • * z.B. bei den Griechen, der Olymp

    - Iwan: dein Einsatz!

    In Landen deutscher Zunge kommen ja auch Donnersberge vor...


    Heute wird der Olymp von Hellenisten nicht mehr nur als Berg, sondern als Himmel aufgefasst. Wortherkunft von Olymp sei dieselbe wie „Lampe”.



    PS: Auch wenn ich mich sonst ungeniert des Synkretismus' bediene, in unserer Frau Holle bald der Griechen Artemis bald Athene bald Aphrodite erblicke, mag ich „meinen” Herr der Berge doch lieber als Genius loci, als lokaler Geist oder Gott denn als Manifestation Wodans oder Donars/Thunars/Peruns. Ich muss eben immer aus der Reihe tanzen...

  • Heil dir, Iwan!

    Ob sich der Herr des Riesengebirges überhaupt auf eine alte slawische Gottheit zurückführen lässt, ist natürlich reine Spekulation- genau wie bei Väterchen Frost oder Baba Yaga.

    Ich weiss aber von mindestens einem "Michelsberg", der dort ( ? ) nach alter Gewohnheit, immer noch Wotansberg oder so genannt wird.

    Auf Island soll es ja auch einen Berg geben, über den man spekuliert, ob er nicht mit dem Götterreich Asgard, aus der Edda identisch wäre.

  • Ich habe damals, als ich versucht habe, mich intensiver mit den nordischen Göttern zu beschäftigen, auch immer gedacht, Asgard lege irgendwie bei Island... Aber wie gesagt, ich war keine vorbildlicher Ásatrúar und werd es auch nicht mehr.


    Zum Herren des Riesengebirges oder Baba Yaga: meint neigt ja immer dazu, lokale Geister/Gottheiten mit den großen, aus der Mythologie bekannten gleichzusetzen. An sich auch verständlich. Vor Jahren las ich Karl Hoenns Werk „Artemis - Gestaltwandel einer Göttin” (1946) und daraus ging hervor, dass der Kult der Artemis (und anderer Gottheiten, die später die großen Olympier werden sollten) oftmals an verschiedenen Orten lokale weibliche Gottheiten verdrängte : diese wurden dann zu Kultnamen der Artemis oder zu lokale Heroinen (Heldinnen) oder Nymphen (niedere Göttinnen). Das gleiche erfolgte ja auch in Westeuropa : keltische und germanische Götter wurden von römisch-griechischen assimiliert. Noch im Ägypten der Pharaonen wurde die Göttin Isis immer mächtiger und vereinte bald alle Sphären der anderen Göttinnen Ägyptens in sich. Noch später, in römisch-griechischer Zeit vereinte Isis alle bekannten Göttinnen und auch Götter in sich (freilich nur aus der Perspektive ihrer VerehrerInnen). Und gleiches Spiel doch eigentlich auch ein bisschen hier bei uns in Deutschland : Frau Holle ist doch bei weitem der bekanntesten Name jener weiblichen Gestalt, die in den Raunächten umgeht. Auch ich kannte ihren Namen, bevor ich von der in MV bekannten Frau Gode/Wode hörte, von Frau Frick, Frau Harke, Frau Muraue oder Frau Perchta (welche ja wohl im Süden der Frau Holle noch den Rang streitig macht) ganz zu schweigen. Es ist wohl ganz normal im Vielgötterglauben, dass man die Neigung hat, Götter miteinander zu verschmelzen. Bringt ja letztendlich auch viel Prestige mit sich. Wenn man noch Mal zum Mittelmeerraum schaut: Apollon war nachhern ja der Orakelgott schlechthin. Es war nicht uninteressant für andere Orakelstätten, auch zu behaupten, Apollon stehe nunmehr ihrem Orakel vor, die vorherige Orakelgottheit sei vor ihm zurückgewichen.

  • Du meinst das es eigentlich im Großen und Ganzen die gleichen Götter sind, nur mit lokal unterschiedlichen Namen? Könnte sein, die waren früher mehr vernetzt als man es allgemein für möglich halten würde. Allein die Wege des Bernsteinhandels könnten so einiges erklären. Gut vorstellbar dass es neben den Hauptgöttern auch lokale "Unter"götter und Geister wie z. B. Rübezahl gab.

  • Heil dir, Tartar!

    Wenn du dir schon allein die Parallelen innerhalb der verschiedenen europäischen Mythologien anschaust, wird schnell deutlich, das diese Geschichten alle einen gemeinsamen Ursprung in der indoeuropäischen Zeit haben müssen, als die Götter und auch die Welt noch jung waren!

    Und dann hat man ja auch noch in ganz Europa "Venus"-Figuren (die fast alle gleich aussehen) aus der ALTSTEINZEIT gefunden, was ja darauf schließen lässt, das auch der Kult der Muttergöttin/

    Terra Mata

    (Erda- Nertus, Venus-Aphrodite etc.) seine Herkunft in ein und derselben europäischen Urreligion haben muss!