Haben die Götter eine eigene Religion?

Schon gewusst…?

Die Frauen der Wikinger waren ihren Männer gleichgestellt.

Schlug oder betrog ein Mann seine Frau oder konnte er nicht für Unterhalt aufkommen, durfte sie die Scheidung einreichen.

  • Heil euch!

    Eine Frage bleibt dann aber noch:

    was geschieht mit der Seele, eines verstorbenen Gottes?

    Von Baldur und seinem Bruder Hödur, wissen wir ja, das sie nach ihrem Ableben, nach Helheim kommen werden (obwohl Baldur ja durch waffengewalt stirbt und dann eigentlich zu seinen Vater nach Walhall kommen müsste)

    Heisst es in der Edda nicht, zum Thema Ragnaröck, das Hel mit ihrem Gefolge käme, um sich den übrigen "Weltenfeinden" abzuschließen?

    Wären dann nicht alle Bewohner der Unterwelt, Teil ihres Gefolges- also auch Baldur und sein Bruder?!

    Da Baldur aber die Prophezeihung von seinem tod kennt, wäre es für ihn nicht vernünftiger, seine Zukunft in der Unterwelt zu sichern, indem er sich mit der dunklen Göttin gut stellt und ihr Gaben darbringt?

    Und wenn die beiden göttlichen Brüder, nach dem Weltuntergang, wieder nach Asgard zurückkehren, warum dann anscheinend die übrigen Götter nicht, die in der letzten Schlacht fallen?

    Andererseits glaube ich tatsächlich mal irgendwo, irgendwas von einer Art "Überhimmel" gelesen zu haben, ähnlich dem griechischen "Elysium", aber ob da was dran ist, weiss ich nicht!

  • Zum Thema "Überhimmel" habe ich in dem Buch "Germanische Götterlehre nach den Quellen der Lieder- und der Prosaedda" - Diedrichs-

    im Glossar unter "Himmel" folgendes gefunden:


    ....."Der Götterwohnsitz Asgard liegt im Himmel, er besteht aus einer Vielzahl von Residenzen.......Der Snorra Edda zufolge gibt es oberhalb dieses noch einen zweiten Himmel (Andlang) und darüber einen dritten (Widblain) in dem sich der unzerstörbare Saal Gimle befindet".....


    Simek schreibt zu dem selben Thema im "Lexikon der germanischen Mythologie" :

    ......"Die Vorstellung von drei (oder mehr) Himmeln ist ganz christlich. Sowohl die Bezeichnung Andlang als auch den Rest der Stelle dürfte Snorri aus dem mittelalterl. Lehrgespräch Elucidarius bezogen haben".......

  • Heil dir, Unwodir!

    In der christlichen Mystik, kennt man ja auch, verschiedene Sphären der Hölle und vieleicht auch des Himmels; von daher, könnte diese Vorstellung vielleicht schon christlich beeinflusst sein.

    Andererseits kennt man im Heidentum ja auch, die Lehre von verschiedenen Seelen, die aber dennoch alle Teil, des selben Körpers sind

    - schwer zu sagen, denke ich, ob unsere heidnischen Ahnen, jetzt eben sehr schlicht, oder umgekehrt, vielleicht doch recht kompliziert gedacht haben.

    Ich glaube, es war "Gimle", wo ich das gelesen hatte, wo die bei Ragnaröck gefallenen Götter (angeblich) hinkämen!

  • Es ist in der Tat schwer zu sagen was an diesen Vorstellungen tatsächlich urheidnisch ist, und was aus dem Christentum übernommen wurde. Das, was wir in unserer wichtigsten Quelle, der Edda vorfinden ist eine Mischung von beidem.


    Ich glaube schon (kann es aber nicht beweisen) dass die Germanen und die mittelalterlichen Skandinavier ein recht komplexes mythologisches System hatten, strukturiert und kompliziert genug um sich mit der Kabba zu messen.

    Allerdinge kennen wir davon nur einen winzigen Bruchteil wegen der Spärlichkeit der Quellen.

    Außerdem denke ich dass man hier - wie bei jeder Religion - unterscheiden muss zwischen dem Glauben des einfachen Volkes, und dem für die Massen meist unverständlichen Wissen der Mystiker.
    Aus der Liederedda kennen wir Gedichte im "Frage und Antwort Stil" die Hinweise darauf geben.



    Zum Thema "Gimle" weiß die Völospa folgendes zu berichten:


    "Einen Saal seh ich

    sonnenglänzend,

    mit Gold gedeckt,

    zu Gimle stehen:

    wohnen werden

    dort wackre Scharen,

    der Freuden walten,

    in fernste Zeit".

    (Übersetzung Genzmer)

  • Heil dir, Unwodir!

    Da wäre jetzt natürlich die Frage, in wie weit, oder ob überhaupt, die frühchristlichen skandinavischen Mönche- von denen Snorry ja z.B. erzogen wurde, Zugang zur Kabbala oder anderen mystischen Systemen und "Geheimlehren" hatten.

  • Das was heute unter Esoterik läuft war früher Allgemeinwissen.

    Man schrieb in Griechisch, Latein....

    In jeder Mönchsschule gab es Möglichkeiten der Information, so das es nicht unwahrscheinlich war, das sie die Schriften kannten.

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Heil dir, Kendra!

    Ich denke auch, beim Thema Allgemeinwissen, war es schon ein Unterschied, ob da jemand, die Rezepte für Grossmutters Kräutertinkturen, mündlich überliefert bekommen hat, oder ob ein anderer, eben Latein und Griechisch beherrschte und "wissenschaftliche" Fachbücher von Plinius und anderen Gelehrten, studierte!

    Von Karl "dem Sachsenschlächter", heisst es zum Beispiel immer, er hätte dem Volk Wissen vermittelt, in dem er viele Bibliotheken bauen liess,

    nur das das einfache Volk, eben überhaupt keinen Zugang zu diesem Wissen hatte und selbst wenn, waren die meisten, ohnehin des Lesens und Schreibens nicht kundig- schon gar nicht in einer Fremdsprache!

    Um beispielsweise, die Schriften der alten Alchemisten zu verstehen, muss man zu erst einmal, in die entsprechende Symbolsprache eingeweiht sein.

    Ich denke mal, zwischen einer einfachen Dorfhexe und jemandem, der in einen magisch- religiösen Mysterienkult eingeweiht war, lagen wohl Welten!

  • Ja richtig.

    Es gab vor über 2000 jahren schon Kundige ,die Blut stillen konnten und Heiler die Knochen kleben konnten.

    Und Leute die am Gehirn sich zu schaffen machten.

    Und wirksame Kräuter zur Verhütung gab es auch(das Wissen ist heute unter Strafe gestellt!)

    Ein Mysterienkult muß nicht zwangsläufig richtig liegen ,aber das Wissen um Sterne,Umlaufbahnen war zweifellos vorhanden.

    Und Rezepte,einen Mann für sich zu gewinnen(da es über die Chemiebasis funktioniert zweifellos richtig).Würde man heute unter Aberglauben zählen.

    Kriegswaffen die mit Tönen funktionieren-da forscht man heute dran.

    Wie man die Aura reinigt- ein Prozess der belächelt wird...

    Kräuter zum Räuchern,um böse Geister /Krankheiten zu vertreiben-Raumluftdesinfektion...

    Man muß halt seinen Kopf einschalten und Spreu von Weizen trennen.

    Nicht alles ist falsch weil es aus dem Aberglauben stammt.Es gibt Gründe der Wirksamkeit warum manches sich erhielt!

    Die schönste Art fern zu sehen ist immer noch der Sternenhimmel in der Nacht

  • Heil dir, Kendra!

    Ich wäre der letzte, der altes Wissen, als Humbug abtut!

    Man hat z.B. festgestellt, das bestimmte, verräucherte Pflanzen, die traditionell, Krankheitsdämonen vertreiben sollen, tatsächlich Keime und Bakterien in der Luft abtöten oder das zerriebene Ammonieten, deren Pulver, in der Volksheilkunde, gegen Augenleiden eingesetzt wurden, Schwefel enthalten, der die Augen zum tränen bringt und so kleine Fremdkörper, aus den Augen spült.

    Oder der getrocknete Birkenporling, den "Ötzi" um den Hals trug, der hat sich als das Penicillin, der Jungsteinzeit entpuppt. Erfolgreiche Operationen, am offenen Schädel, lassen sich zu dieser Zeit ebenfalls nachweisen!

    Vieles an altem Heilwissen, hat es ja auch bis in die Klostergärten geschafft; aber das stammt grösstenteils von antiken Autoren und weniger aus dem Volksglauben!

    Da Snorri ja sogar den griechischen Prometheus- Mythos* für die Edda übernommen zu haben scheint, muss er auch Zugang, zu den Schriften, antiker Autoren gehabt haben.

    Das belegt allerdings noch lange nicht, das er über "tieferes Wissen" verfügte, welches durch ihn, Einzug in die Edda fand.


    * Loki mit den Eingeweiden seines Sohnes, an einen Felsen gefesselt, erinnert da schon irgendwie dran!

    Auch das Gift, der Schlange, das ihm ins Gesicht tropft und das seine Frau unablässig in einer Schale auffangen muss, lässt mich an die typischen Strafen, des altgriechischen Tartaros denken.

  • Nun ja, das Wafthrudnismal und das Grimnismal beispielsweise geben Hinweise auf äußerst komplexe mythisch-kosmologische Vorstellungen. Von den Runen einmal ganz zu schweigen. Ferner gibt es ja auch einige interessante Zahlenmysterien die uns immer wieder begegnen (besonders 8 und 9 ! ).

    Und ja, wir wissen nicht wirklich was an alldem"Original" ist, und was dichterischer Freiheit Snorris, oder christlichem Einfluss entspringt. Und natürlich kann man einiges hineininterpretieren.

    Doch finden sich ähnlich komplexe Vorstellungen auch bei anderen antiken Kulturen.

    Sollten die Germanen keine gehabt haben, nur weil sie keine monumentalen steinernen Tempelanlagen bauten?

  • Man hat z.B. festgestellt, das bestimmte, verräucherte Pflanzen, die traditionell, Krankheitsdämonen vertreiben sollen, tatsächlich Keime und Bakterien in der Luft abtöten oder das zerriebene Ammonieten, deren Pulver, in der Volksheilkunde, gegen Augenleiden eingesetzt wurden, Schwefel enthalten, der die Augen zum tränen bringt und so kleine Fremdkörper, aus den Augen spült.

    Danke, sehr interessant!

    Vieles an altem Heilwissen, hat es ja auch bis in die Klostergärten geschafft; aber das stammt grösstenteils von antiken Autoren und weniger aus dem Volksglauben!

    Bin mir aber sicher, dass sich da einiges überschnitt. Die antiken Autoren schrieben sicherlich nieder, was Jahrhunderte eben im antiken Volksglauben bekannt ward. Aber kann mich auch irren.



    * Loki mit den Eingeweiden seines Sohnes, an einen Felsen gefesselt, erinnert da schon irgendwie dran!

    Mich auch, aber das dürfte keinen wundern. Auch Prometheus' Streich mit dem Stieropfer wäre eines Loki würdig gewesen, nein?

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...

  • Heil dir, Unwodir!

    Hat ja auch keiner behauptet, das es

    "bei uns" kein "verborgenes Wissen" oder Mysterienkulte (Völven, Berserker, Schamanen?) gegeben haben könnte!

    Mir geht es sogar umgekehrt darum, nicht gleich vorschnell zu dem Schluss zu kommen, die Vorstellung von einem Weltenbaum, müsse zwangsläufig, eine Verbindung zur jüdischen Kabala haben;

    vor allem, da das Motiv des Weltenbaumes (oder auch der Weltensäule) weit verbreitet ist, nicht zuletzt kannten/ kennen auch die Sami zum Beispiel, die Darstellung von Weltensäulen, die wiederum den Weltenbaum ihrer Mythologie versinnbildlichen!

  • Heil dir, Iwan!

    Nimm's mir nicht krumm, aber wenn ich von "Volksglauben" oder "Volksmedizin" u.ä. schreibe, meine ich eigenlich auch immer, automatisch "unser" Volk: germanisch/ keltisch oder auch slawisch!

    Ja- sehr oberflächlich und "volkstümelnd", ich weiss!

  • vor allem, da das Motiv des Weltenbaumes (oder auch der Weltensäule) weit verbreitet ist, nicht zuletzt kannten/ kennen auch die Sami zum Beispiel, die Darstellung von Weltensäulen, die wiederum den Weltenbaum ihrer Mythologie versinnbildlichen!

    Die griechische Mythologie, die vielgerühmte, kannte den Weltenbaum oder die Weltensäule nicht, dafür aber der moderne neugriechische Volksglauben : am Weltenbaum sägen das ganze Jahr über die Kallikantzaroi, um ihn zum stürzen zu bringen. Ihr unholdes Werk wird allerdings durch die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag unterbrochen. Dann nämlich steigen sie zur Erde empor und treiben dort, hier, ihr Unwesen. In diesen Zwölf Tagen/Nächten erholt der Weltenbaum sich wieder, sodass die Unholde aufs Neue anzufangen haben...


    Kalikanzari.jpg


    kallikanztaroi_worldtree.jpg



    Wie gesagt, in der griechischen Mythologie taucht ein Weltenbaum wie Yggdrassil nicht auf. Vielleicht haben die Goten diese Vorstellung nach Griechenland gebracht? Eine Gedanke der mir, dem Deutschen mit Griechenlandfimmel, nicht unlieb ist, wie man sich denken kann.


    800px-Alaric_entering_Athens.jpg

    Nimm's mir nicht krumm, aber wenn ich von "Volksglauben" oder "Volksmedizin" u.ä. schreibe, meine ich eigenlich auch immer, automatisch "unser" Volk: germanisch/ keltisch oder auch slawisch!

    Ja- sehr oberflächlich und "volkstümelnd", ich weiss!

    Was soll ich da krumm nehmen? Was, oberflächlich? Wenn ich selbst „Volksglauben” ohne weiteren Zusatz sage, meine ich auch den Volksglauben dieser unserer Region oder diesen unseren Volkes/Sprachgemeinschaft. Ich meinte nur, dass das antike Heidentum und der heutige Volksglauben sich nicht so viel nehmen. Und damit meine ich nicht unbedingt, dass sich das antike Heidentum in jedem Brauch oder Spruch des Volksglaubens erhalten habe, ich meine damit vor allem, dass die dahinterliegenden Gedankengänge und Ansichten oftmals sehr ähnlich sind.

  • Da unten (und ich meine nicht Sachsen oder Österreich, sondern noch mehr nach unten) tun se auch gern Felle tragen, gleichwohl Bären da eher rar sind :


    3F2DF7F7A7C50694657CC4C872788B1A.jpg



    Und kieken Se Mal - manfrau muss ohnehin immer kieken, kieken, kieken im Leben. Manfred übrigens auch.


    800px-Hellen_ritual_3.jpg


    %25C3%2581satr%25C3%25BAarf%25C3%25A9lagi%25C3%25B0+%25C3%2586sir+Faith+Fellowship+Iceland.jpg So gravierend groß sind de Unterschiede nun doch ooch nich, oder ? Ooch de Griechen müssen wieder zurück zum Kleinen und Feinen.



    SO, UND NUN GENUG OT !!!

    ... irgendwo zwischen Volksbrauchtum und Philhellenentum ...