Die Germania

Schon gewusst…?

Dem norwegischem König Ólaf Tryggvason gelang, den isländischen Widerstand gegen das Christentum zu brechen, indem er Söhne aus wichtigen Familien als Geiseln nahm.

  • Publius Cornelius Tacitus - Die Germania


    die deutsche Übersetzung und im Spoiler der lateinische Originaltext


    Land und Lebensform der alten Germanen


    Tacitus ist der bedeutendste römische Historiker der Kaiserzeit. Seine »Annalen« und »Historien« haben ihrerseits Geschichte gemacht. Und doch ist die kleine Schrift »Germania«, die 98 n. Chr. erschien, eins seiner interessantesten Werke. Aufgeteilt in 46 kurze Sektionen, beschäftigt sie sich in einem ersten Teil mit Land, Herkunft und Lebensformen der Germanen und charakterisiert in einem zweiten Teil die einzelnen Stämme. Wiederentdeckt wurde das Werk erst in der Renaissance und war seitdem oft Gegenstand hart geführter Kontroversen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • I. Germanisches Land und Volk im Ganzen.

    Caput I


    Grenzen. Hauptflüsse.


    Germanien, als Ganzes genommen, ist von Gallien, Rätien und Pannonien durch Rhein und Donau, von Sarmaten und Daken theils durch das gegenseitige Bewußtsein gefährlicher Nachbarschaft, theils durch die natürliche Grenze der Gebirge geschieden. Im übrigen ist es vom Ozean bespült, welcher weit gedehnte Halbinseln und gewaltige Inselgebiete umfaßt, wie man ja erst in neuerer Zeit dort ganze Völkerschaften und Könige kennen lernte, zu welchen der Krieg uns die Bahn erschlossen.


    Der Rhein, auf unzugänglichem schroffem Kamme der rätischen Alpen entspringend, macht eine leichte Wendung nach Westen und mündet im nördlichen Ozean. Die Donau, von den gemach und sanft ansteigenden Höhen der Abnoba sich ergießend, strömt an einer Reihe von Völkern vorüber, um endlich in sechs Mündungen sich in das Pontische Meer zu stürzen; ein siebenter Arm verliert sich in Sumpfland.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Die Urzeit.


    Die Germanen möchte ich für die ureingeborenen Bewohner dieses Landes halten, für ein Volk das sich wohl kaum mit später zugezogenen fremden Rassen versippt hat. Völker der Urzeit, welche ihre Wohnsitze zu wechseln den Drang fühlten, pflegten nicht den Landweg, sondern den Seeweg zu wählen, und der Ozean, welcher dort oben in endloser, wahrhaft feindseliger Unwirthlichkeit sich ausdehnt, wird doch nur selten von einem Schiffe aus unserer Zone besucht.

    Aber auch abgesehen von den Gefahren eines wilden unbekannten Meeres, wen konnte es gelüsten, einem Asien, Afrika, Italien den Rücken zu wenden, um gen Germanien zu wandern, in diese wüsten Landschaften, unter rauhem Himmel, culturlos, düster, unheimlich einem jeden, dem sie nicht eben das Vaterland sind!


    In alten Liedern – unter diesem Volke das einzige Hülfsmittel geschichtlicher Erinnerung – singen sie von einem erdgeborenen Gotte Tuisto und seinem Sohne Mannus, den Urahnen und Gründern ihres Geschlechts. Mannus hatte drei Söhne, nach welchen die nördlich, zunächst dem Ozean wohnenden Germanen sich Ingävonen, die mittleren Herminonen, die übrigen Istävonen nennen sollen. Andere dagegen – die Urzeit gibt ja weiten Spielraum – behaupten, es seien mehr Göttersöhne gewesen und mehr Stämme nach ihnen benannt, die Marsen, Gambrivier, Sueven, Vandalier, und das allein seien die echten alten Namen; das Gesammtwort Germanien selbst sei jünger und erst in neuerer Zeit aufgekommen, indem der Stamm, welcher zuerst den Rhein überschritten und die Gallier zurückgedrängt habe, die heutigen Tungern, damals Germanen genannt worden seien; zuerst hätten die siegreichen Eindringlinge ihr ganzes Volk mit dem Schreckensworte Germanen bezeichnet, dann sei das Volk selbst auf die Erfindung eingegangen und so habe sich mit der Zeit statt eines eigentlichen Volksnamens der Name eines einzelnen Stammes Geltung verschafft.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Volkssagen.


    Auch unser Herkules, meldet ihre Sage, habe unter den Germanen geweilt, und allen Heldennamen voran wird im Schlachtgesang der seine genannt, wenn es zum Kampfe geht. Uebrigens haben sie noch eine andere Art von Kriegsgesang, dessen Vortrag, Baritus genannt, sie zum Kampfe begeistert und dessen bloßer Klang schon als Wahrzeichen für den Ausgang der Schlacht gilt; ein Schrecken dem Feind oder ihnen, je nachdem es durch die Schlachtreihen dröhnte. Es ist als ob sie nicht Menschenstimmen, sondern die Geister des Krieges selbst in diesem Klange vernähmen. Die Hauptsache ist schauerliche Wildheit und dumpf dröhnender Widerhall, und diesen erzeugen sie, indem sie die Schilde vor den Mund halten, so daß der Ton in der Wölbung sich brechend mit verdoppelter Kraft und Tiefe zurückhallt.


    Auch Ulisses, glauben manche, habe auf jener langen, märchenhaften Irrfahrt in das Nordmeer verschlagen das germanische Festland betreten; Asciburg, noch heutzutage eine Stadt am Rhein, verdanke ihm Gründung und Namen; ebendort sei vor Zeiten sogar ein dem Ulisses geweihter Altar mit dem Namen seines Vaters Laertes gefunden worden, und Grabhügel und andere Denkmäler mit griechischen Inschriften sollen heute noch auf der rätisch-germanischen Grenzmark stehen. Lauter Vermuthungen, die ich mit eigenen Gründen weder zu stützen noch zu widerlegen gedenke; mag das jeder nach persönlichem Urtheil für Wahrheit oder Dichtung nehmen.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Körperbeschaffenheit.


    Einverstanden dagegen bin ich mit der Annahme, welche die Bevölkerung Germaniens als eine nicht mit fremden Stämmen verquickte betrachtet, sondern als eine eigene, reine, nur sich selbst gleiche Rasse. Daher auch ein und derselbe Körperschlag durch diese ganze, doch so zahlreiche Menschenmasse: das blaue, trotzige Auge, das rothblonde Haar, der gewaltige Wuchs. Eine Kraft allerdings nur zum stürmenden Angriff geschaffen; der anhaltenden Anstrengung, der Arbeit ist sie nicht in gleichem Maße gewachsen. Am allerwenigsten hat den Germanen sein Boden und Klima gegen Durst und Hitze, wohl aber hat er ihn gegen Frost und Hunger gestählt.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Charakter und Produkte des Landes.


    Das Land bietet im einzelnen verschiedene Gestaltungen, aber der allgemeine Charakter ist schauriger Urwald und düsterer Moorgrund. Gegen Gallien hin ist das Klima mehr feucht, gegen Noricum und Pannonien vorherrschend windig. Der Boden ziemlich ergiebig. Obstbäume gedeihen nicht. Das Land ist reich an Vieh, dieses aber meist von kleinem Schlag. Selbst dem Hornvieh fehlt das gewohnte stattliche Wesen und der Stolz des Hauptes. Eine zahlreiche Herde – das ist die Freude des Germanen, das Vieh sein einziger und geliebtester Reichthum.


    Ist es der Götter Huld oder Zorn, was ihm Gold und Silber geweigert hat? Und doch möchte ich nicht behaupten, daß Germanien nicht eine Ader Silbers oder Goldes berge; wer hat je darnach gesucht? Aus Besitz oder Gebrauch jener Metalle machen sie sich jedenfalls nicht viel. Man kann silberne Gefässe bei ihnen sehen, Geschenke des Auslands an ihre Gesandten und Fürsten, welche gerade so verwendet werden wie gemeines Thongeschirr. Nur unsere nächsten Grenznachbarn wissen in Folge des Handelsverkehrs Gold und Silber zu schätzen, kennen und bevorzugen auch diese oder jene unserer Münzsorten. Tiefer im Innern herrscht noch der einfache alte Tauschhandel. Von unserem Gelde sind nur alte und längst bekannte Sorten, Serraten und Bigaten, beliebt. Silber nehmen sie lieber als Gold, nicht aus besonderer Liebhaberei, sondern weil für Leute, die alle möglichen unbedeutenden Dinge kaufen, der Verkehr in Silbermünze bequemer ist.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Waffen. Pferde. Kriegswesen.


    Sogar an Eisen ist kein Ueberfluß, wie sich aus dem Material der Waffen ergibt. Nur wenige führen Schwerter oder größere Lanzen. Ein Speer, in germanischer Sprache eine Frame, ist die allgemeine Waffe; das Eisen schmal und kurz, aber so scharf, und das Ganze so handlich, daß es, je nach Bedürfniß, als Stoß- oder Wurfwaffe dient. Der Reiter begnügt sich mit Schild und Frame, die Fußgänger führen noch andere Wurfgeschosse; jeder hat deren einen Vorrath, und halbnackt, wie sie sind, oder höchstens noch einen leichten Mantel um die Schultern, schleudern sie ihre Waffen auf gewaltige Entfernungen. Von prunkendem Schmucke weiß man nichts; nur den Schild bemalen sie mit einer Auswahl der buntesten Farben. Einen Panzer tragen die wenigsten; kaum ein und der andere Helm oder Haube.


    Die Pferde zeichnen sich weder durch Schönheit noch durch Schnelligkeit aus, sind aber auch nicht wie die unsrigen auf kunstvolle Wendungen dressirt; gradaus geht es oder mit einer einzigen Schwenkung etwa nach rechts, in so festgeschlossener Linie, daß keiner hinter dem andern zurückbleibt. Im allgemeinen ist das Fußvolk die Hauptstärke und wird daher auch mitten im Reitergefecht verwendet. Zu einem solchen eignet sich ganz vortrefflich die Schnelligkeit dieser Fußgänger, eines erlesenen Kernes aus der gesammten Kriegsmannschaft, welcher in die vorderste Linie gestellt wird. Auch die Zahl ist bestimmt – hundert aus jedem Gau. Ein Hundert nennen sie selbst diese Mannschaft und was ursprünglich eine abstracte Ziffer war, ist jetzt ein concretes Wort und ein ehrenvoller Name.


    Der germanischen Schlachtordnung liegt die Keilform zu Grund. Zurückweichen, wenn man nur wieder vordringt, gilt eher als List denn als Furcht. Die Gefallenen bringt man auch bei ungünstigem Kampf in Sicherheit. Die größte Schmach aber ist das Preisgeben des Schildes; wer es thut ist ehrlos und aus der religiösen und politischen Gemeinschaft verbannt, und schon mancher, den die Schlacht verschonte, hat einem schmachvollen Dasein durch den Strick ein Ende gemacht.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • König und Feldherr.


    Zum König adelt die Geburt, zum Heerführer die Tapferkeit. Aber die königliche Gewalt ist nicht ein schrankenloses Belieben, und auch der Führer im Feld ist das nicht sowohl durch seine Stellung an sich als durch sein Beispiel. Immer auf dem Platz, immer ein Vorbild, immer voran im Kampf – so gehorcht man ihm, weil man ihn achtet. Über Leben und Tod richten darf er nicht, auch keinen fesseln, ja nicht einmal schlagen lassen. Nur der Priester darf dies, und auch dieser vollzieht dann nicht sowohl eine Strafe oder einen Befehl des Führers, sondern das Gebot des Gottes, welcher über der Walstatt waltet; denn das ist germanischer Glaube und darum nehmen sie auch gewisse Bilder und Feldzeichen aus ihren heiligen Hainen in die Schlacht mit.


    Der wirksamste Sporn des Heldenmuths aber liegt darin, daß nicht aus Zufall, nicht aus einem beliebigen Zusammenwürfeln heraus die Keile, die Geschwader sich bilden, sondern aus den Familien und Sippschaften. Und diesen in nächster Nähe weilen ihre theuersten Häupter, der Kämpfer hört das Wehrufen seines Weibes, das Weinen seiner Kinder, ihre Zeugschaft ist den Männern die heiligste, ihr Beifall der höchste; zur Mutter, zur Gattin schleppt der Mann seine Wunden und jene zählen und untersuchen sie ihm ohne Zittern und bringen den Kämpfenden Nahrung und Zuspruch ins Gefecht.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Das Weib.


    Von mehr als einer Schlacht erzählt die Geschichte, wo die wankenden und weichenden Reihen von den Frauen zum Stehen gebracht wurden, durch ihr ausdauerndes Bitten und Flehen, und indem sie mit entblößter Brust sich vor die Männer warfen und ihnen das Loos eines gefangenen Weibes vor das Auge stellten. Dieser Gedanke aber ist dem Germanen weit unerträglicher als die eigene Gefangenschaft; und dieses Gefühl ist so stark, daß man selbst ganze Stämme politisch fester bindet, wenn man sie unter andern Geiseln einige Jungfrauen aus dem Adel stellen läßt. Ja den Germanen sind die Frauen geradezu eine Art heiliger und prophetisch begabter Wesen; ihr Rath bleibt nicht unbeachtet, ihr Spruch wird nicht überhört. Wir selbst haben unter dem verewigten Vespasian jene Veleda gesehen, welche lange Zeit und weithin als ein göttliches Wesen gegolten hat. Auch früher schon standen eine Aurinia und andere Frauen in ähnlicher Verehrung. Aber kriechende Schmeichelei war das nicht, so wenig als Vergötterung.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Religion.


    An der Spitze der germanischen Götter steht Merkur; ihm dürfen an bestimmten Tagen sogar Menschenopfer fallen. Ihrem Mars und Herkules huldigen sie nur mit dem Blute von Thieren. Ein Theil der Sueven opfert auch der Isis. Grund und Ursprung dieser Verehrung einer fremden Gottheit ist mir räthselhaft geblieben; auf einen vom Ausland eingedrungenen Cultus deutet jedoch die bildliche Darstellung der Göttin durch eine Liburne. Die Götter zwischen vier Wänden einzusperren oder in beliebiger Menschengestalt darzustellen, entspricht im übrigen nicht der germanischen Anschauung von der Erhabenheit himmlischer Wesen. Wälder und Haine sind ihre Tempel und in die Namen ihrer Götter hüllt sich jene geheimnißvolle Macht, welche einzig in der Andacht des frommen Gedankens sich ihnen offenbart.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Weissagung.


    Zeichendeutung und Loos spielt auch bei den Germanen eine große Rolle. Das Verfahren beim Loosen ist einfach. Man schneidet einen Zweig von einem Fruchtbaum in kleine Stücke, ritzt auf jedes gewisse Zeichen ein und wirft sie aufs Geratewohl über ein weißes Tuch hin; ist es eine öffentliche Sache, so hebt der Priester, in Privatangelegenheiten der Familienvater unter Gebet und Aufblick zum Himmel drei Späne nach einander auf und gibt sodann aus den eingeschriebenen Zeichen seine Deutung. Sind sie verneinend, so erfolgt an dem laufenden Tage keine zweite Befragung; wenn bejahend, so bedürfen sie immer noch der Bestätigung durch die Auspicien.


    Von letzteren sind Flug und Stimme der Vögel auch den Germanen bekannt; eigentümlich aber ist ihnen die Weissagung und Beratung durch das Pferd. In den obenerwähnten Hainen und Gehölzen werden von Gemeindewegen Rosse gehalten, schneeweiß und nie durch einen irdischen Dienst entweiht. Diese werden an den heiligen Wagen geschirrt und der Priester mit dem König oder dem sonstigen Staatsoberhaupt geht nebenher und beobachtet das Wiehern und Schnauben der Tiere. Ein Vertrauen wie dieses genießt keine andere Art von Zeichen, und zwar nicht nur bei der Menge, sondern auch bei den Häuptlingen und Priestern; die beiden letztern betrachten jene Tiere als Eingeweihte der Götter, sich selbst als Vermittler.


    Noch besteht eine dritte Art der prophetischen Deutung durch welche auf den Erfolg eines ernsten Krieges voraus geraten wird. Man sucht sich aus dem feindlichen Stamm auf irgend eine Weise einen Gefangenen zu verschaffen und stellt ihn einem erlesenen Kämpen des eigenen Volkes gegenüber, jeden in seiner heimischen Rüstung. Der Sieg des einen oder des andern gilt als Vorbedeutung für den ganzen Krieg.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Volksversammlung.


    Über minder bedeutende Angelegenheiten beraten die Häuptlinge, über die wichtigeren die Gesamtheit. Indessen auch wo dem Volke die Entscheidung zusteht, wird die Sache von den Häuptlingen durchgesprochen. Für diese Beratungen haben sie, wenn kein unerwarteter Zufall eintritt, ihre festen Tage, und zwar gelten Neumond oder Vollmond als günstigste Zeit für die Staatsgeschäfte. Der Germane rechnet aber nicht wie wir nach Tagen, sondern nach Nächten; so wird beraumt, so wird berufen; Herrscherin ist die Nacht; in ihrem Gefolge der Tag.


    Eine Schattenseite germanischer Freiheit ist es, daß die Versammlungen nicht gleichzeitig, nicht zur gebotenen Frist zusammentreten und oft zwei und drei Tage mit Warten verloren gehen. Im Rate selbst setzt sich jeder nach Belieben, und zwar in Wehr und Waffen. Der Priester gebietet Schweigen; ihm steht hier auch das Recht der Ahndung zu. Sodann ergreift der König, der Häuptling das Wort, jeder überhaupt welchen Alter, Geburt, Kriegsruhm, Beredsamkeit befähigen; und jeder mehr auf das Gewicht seiner Meinung als auf die Gewalt seines Machtspruchs gestützt. Findet eine Ansicht keinen Beifall, so geht ein verneinendes Murren, gefällt sie, so tönt das Klirren der Speere durch die Versammlung. Waffenklang ist das ehrenvollste Zeichen des Beifalls.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Strafen und Gericht.


    Diese Versammlungen sind auch offen für Klage und peinliches Gericht. Die Art der Strafe wird aus dem Wesen des Vergehens entnommen. Verräter und Überläufer hängt man an einem Baum auf; Feigheit, Fahnenflucht und widernatürliche Wollust wird geahndet, indem man den Schuldigen in Schlamm und Sumpf wirft und unter darüber geworfenem Flechtwerk erstickt. Dieser Anwendung zweier entgegengesetzter Todesarten liegt das Gefühl zu Grunde, daß ein Verbrechengleichzeitig mit seiner Bestrafung vor die Öffentlichkeit gestellt, eine Schändlichkeit ihr entzogen werden müsse.

    Aber auch bei leichteren Vergehen findet Abstufung der Strafen statt. Letztere bestehen in einer Buße an Pferden und Vieh; eine Hälfte derselben fällt dem König oder der Volksgemeinde zu, die andere dem Geschädigten oder seinen Angehörigen.

    Endlich werden in jenen Versammlungen die Häuptlinge gewählt welche in den einzelnen Gauen und Marken die Rechtspflege zu üben haben. Jedem Gewählten stehen hundert Männer aus dem Volke als Rat und zugleich als Behörde zur Seite.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Wehrhaftmachung. Gefolgschaft.


    Niemals aber, es sei in gemeinsamer oder eigener Sache, erscheint der Germane anders als in Wehr und Waffen. Diese jedoch darf keiner eher anlegen als bis ihn die Gemeinde für wehrfähig erklärt hat. Dies geschieht, indem ein Häuptling oder der Vater oder ein Verwandter in öffentlicher Versammlung den Jüngling mit Schild und Frame bewehrt. Das ist ihre Toga, das ist der Jugend erster Ehrenschmuck; bis dahin war der Jüngling ein Glied der Familie, fortan gehört er dem Staate. Edles Blut jedoch oder hohes Verdienst des Vaters verleiht schon dem Unerwachsenen die adeliche Würde; er darf sich den stärkeren und längst wehrhaften zugesellen und braucht nicht zu erröthen, wenn er im Gefolg eines andern erscheint.


    Ihre Rangstufen hat ja sogar die Gefolgschaft selbst, nemlich in dem Urtheil dessen um den sie sich schart. Und ein mächtiger Wetteifer herrscht daher unter Gefolgsleuten und Führern; bei jenen gilt es, wer seinem Häuptling am nächsten komme, bei diesen, wer das größte und tüchtigste Gefolge zähle. Das heißt Ehre, heißt Stärke; stets von einer zahlreichen Schar erlesener Degen umdrängt zu sein – im Frieden des Häuptlings Stolz, im Kriege sein Schirm und Schutz. Und nicht nur im eigenen Volke gilt, auch in die Nachbarstaaten dringt Ruhm und Name des Mannes der durch Zahl und Tüchtigkeit seines Gefolges hervorragt. Gesandtschaften suchen ihn auf, ehrende Geschenke werden ihm gebracht und er allein schlägt oft einen ganzen Krieg durch den Klang seines Namens nieder.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Im Krieg.


    Einmal aber im Gemenge der Schlacht ist es eine Schmach für den Führer, sich an Tapferkeit übertreffen zu lassen, eine Schmach dem Gefolge, hinter des Führers Tapferkeit zurückzubleiben; vollends aber fürs ganze Leben entehrende Schande, wenn einer, dem der Führer gefallen, lebend aus dem Kampfe weicht. Den Herrn zu schirmen und zu wahren, ja die eigene Heldentat der Verherrlichung des Häuptlings zu opfern – das ist erste heilige Kriegerpflicht. Der Herr kämpft um den Sieg, die Mannen um ihren Herrn.


    Wenn das eigene Heimatland in allzu langem Frieden brach und müßig liegt, so zieht gar oft die adelige Jugend hinaus nach einem fremden Lande, dessen Volk gerade Krieg führt. Ein ruhiges Leben behagt dem Germanen nicht, der Ruhm gedeiht besser unter Kampf und Gefahr, und auch jene großen Gefolgschaften kann nur Gewalt und Krieg zusammenhalten. Die Freigebigkeit des Häuptlings ist es, welche jene germanischen Schlachtrosse, jene blutigen siegreichen Speere ins Feld treibt.


    Den Sold nämlich ersetzen diesen Gefolgschaften Schmausereien und reiche, wenn auch ungeschlachte Gelage, und zu solchem Aufwand muß Krieg und Raub die Mittel schaffen. Seinen Boden zu pflügen, den Ertrag des Jahres abzuwarten – dazu möchte der Germane sich schwerer entschließen, als den Feind zu fordern und sich Wunden zu holen. Faulheit, ja Feigheit heißt es bei ihm, wer im Schweiß seines Angesichtes sich erwirbt, was er mit seinem Blute gewinnen kann.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Im Frieden.


    Liegt er nicht zu Feld, so gehören seine Tage dem Waidwerk, noch mehr aber dem geliebten Nichtsthun, dem Schlafen, Essen und Trinken. In thatenloser Ruhe liegen diese tapfern kriegerischen Leute, die Sorge für Haus und Herd und Feld ist den Weibern und Alten und jedem Schwächling der Familie überlassen, die Männer sehen müßig zu. Wundersamer Widerspruch der Natur, welche in diesen Menschen den Widerwillen gegen die Unthätigkeit mit der Leidenschaft des Nichtsthuns vereint hat!


    Nach Landessitte bringt jeder Bürger seinem Häuptling eine freiwillige Steuer in Vieh oder Frucht; was dieser als Ehrengabe entgegennimmt, dient zugleich zur Bestreitung seines Aufwandes. Vor allem willkommen sind Geschenke benachbarter Staaten, wie solche nicht nur von Einzelnen, sondern auch im Namen der Gesammtheit überreicht werden – edle Rosse, gewaltige Waffenstücke, Pferdegeschirr und Halsketten. Neuerdings haben sie von uns gelernt auch Geld anzunehmen.

    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Wohnung.


    Das die Völker germanischen Stammes keine Städte haben, ja überhaupt zusammenhängenden Wohnsitzen abhold sind, ist allbekannt. Jeder wohnt für sich und von den Nachbarn entfernt, wie gerade ein Quell, ein Feld, ein Gehölz zur Siedlung ladet. Der germanische Weiler bildet nicht die geschlossenen Häuserreihen des römischen Dorfes; jeder stellt sein Haus nach allen Seiten frei, vielleicht zum Schutz gegen Feuersgefahr, vielleicht weil man es überhaupt nicht besser versteht. Sogar Steinbau und Ziegeldach sind unbekannt; alles ist von Holz, plump und ohne Rücksicht auf Auge und Schönheit. Nur werden einzelne Teile des Baus mit einer feinen glänzenden Lehmart übertüncht und erinnern so einigermaßen an Malerei und Farbenornamentik.


    Auch unterirdische Höhlen graben sie sich, belasten die Wölbung noch mit einer dichten Dungschichte und schaffen sich so eine Zuflucht für den Winter und einen Bergungsort für Lebensmittel. Ein solcher Bau macht die Strenge der Winterkälte erträglicher. Fällt aber der Feind ins Land, so plündert er doch nur was offen da liegt, jene in der Tiefe verborgenen Schätze kennt er entweder nicht oder sie entgehen ihm, weil er sie vorher suchen müßte.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Kleidung.


    Allgemeine Volkstracht ist eine Art Mantel, den eine Spange, in deren Ermanglung ein Dorn zusammenhält. So liegen sie, ohne weitere Gewandung, tagelang am Herdfeuer. Nur sehr Wohlhabende zeichnen sich durch eine eigentliche Kleidung aus, die aber nicht, wie die sarmatische und persische, weitfaltig, sondern im Gegentheil eng anschließend ist und jedes Glied hervortreten läßt. Auch Tierfelle werden getragen; in der Nähe des Rheins ohne viel Umstände, weiter im Innern mit mehr Sorgfalt, weil kein Handelsverkehr sonstige Putzwaren dorthin führt. Der Binnenländer ist daher mit den verschiedenen Tierarten wählerisch und verbrämt deren Felle noch mit dem Buntwerk gewisser Tiere, das vom nordöstlichen Ozean und unbekannten Gestaden kommt.

    Die weibliche Tracht unterscheidet sich von der männlichen nur in sofern als bei den Frauen leinene, durch Purpurrot gehobene Gewänder häufiger sind. Diese Kleider haben keine Ärmel, Unter- und Oberarm sind bloß und auch ein Teil der Brust bleibt unbedeckt.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • Die Ehe.


    Aber – die eheliche Sitte ist streng und sie bildet wohl die achtungswertheste Seite germanischer Zustände. Die Germanen sind fast das einzige Barbarenvolk welches sich mit Einem Weibe begnügt. Ausnahmen sind sehr selten und auch dann liegt nicht die Sinnlichkeit zu Grunde, sondern es ist die hohe Stellung eines Mannes welche ihn zum Gegenstand mehrfältiger Werbung macht.


    Die Morgengabe bringt nicht das Weib dem Manne, sondern dem Weibe der Mann. Bei der Ueberreichung finden sich Eltern und Verwandte ein und mustern die Geschenke. Geschenke – aber nicht weibliche Luxusdinge oder Schmucksachen für die Neuvermählte, sondern Rinder und ein gezäumtes Roß und ein Schild mit Schwert und Speer. Gegen diese Gaben wird die Frau dem Manne zutheil, dem sie selbst ihrerseits einige Waffen zubringt. Diese Dinge gelten als das festeste Band, als das heilige Geheimniß, als die Schirmgötter der Ehe. Das Weib soll nicht wähnen, daß sie außerhalb der männlichen Gedankenwelt, außerhalb der kriegerischen Ereignisse stehe. Darum wird sie schon auf der Schwelle des Ehestands belehrt, daß sie eintritt als Genossin von Mühsal und Gefahr, im Frieden und im Kriege mit dem Manne zu dulden und zu wagen. Also verkünden ihr die gejochten Rinder, das gezäumte Roß, die dargebrachten Wagen; so muß sie leben, so muß sie sterben; was sie heut empfängt, das soll sie unentweiht und in Ehren dereinst ihren Söhnen übergeben, von diesen sollen es ihre Schwiegertöchter entgegennehmen, ihre Enkel es erben.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.

  • So lebt die Frau im Kreise keuscher Sitte dahin, nicht verderbt vom Sinnenreiz eines Theaters, vom Taumel der Gelage. Von den Heimlichkeiten eines brieflichen Verkehrs weiß weder Mann noch Weib. Ehebruch ist unter diesem doch so zahlreichen Volke ein äußerst seltener Fall, und die Strafe, dem Mann überlassen, folgt dem Vergehen auf dem Fuß. Mit abgeschnittenen Haaren, kleiderlos, in Gegenwart der Verwandtschaft jagt der Gatte die Schuldige zum Hause hinaus und peitscht sie das ganze Dorf entlang. Für entweihte Keuschheit gibt es keine Gnade; nicht Schönheit noch Jugend noch Reichthum schafft ihr einen Gatten. Da freilich lacht man nicht über das Laster und mit den Schlechten schlecht zu sein heißt man nicht den Geist der Zeit. Besser wenigstens steht es bis jetzt noch mit einem Lande wo nur die Jungfrau sich vermählt, wo mit der Hoffnung und dem Gelübde der Gattin das Leben für immer abgeschlossen liegt. Einmal nur, gleichwie sie Leib und Leben nur einmal empfieng, so hat sie den Gatten empfangen, auf daß über ihn hinaus fortan kein Gedanke gehe, kein Gelüste sich verirre, auf daß sie gleichsam in dem Gatten nicht den Gatten, sondern die Ehe liebe.


    Der Kinderzahl eine willkürliche Schranke zu setzen oder ein nachgeborenes zu tödten gilt als Verruchtheit, und die gute Sitte wirkt dort mehr als anderswo gute Gesetze.


    „Ich bin so etwas wie ein Antikörper der New-Age-Bewegung. Meine Funktion besteht darin, auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, hey, weißt du, einiges von all dem Kram könnte auch riesengroßer Quatsch sein!“


    Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam.