"Glaube" im Heidentum

Schon gewusst…?

Beifuß

Das Beifuß-Kraut wurde in früheren Zeiten in Mitteleuropa zur Sommer- und Wintersonnenwende (vor allem in den zwölf Rauchnächten) zusammen mit anderen getrockneten Kräutern zur Abwehr von bösen Geistern in Häusern und Ställen als Räuchermittel genutzt. Der Ursprung dieses Brauchtums liegt vermutlich in alten kultischen Handlungen der Germanen.

  • :walhallo:


    Abgesehen von akuter Unterhopfung:ugly:,plagt mich eine Verständnisfrage:


    Im Christentum dreht sich ja alles um Glauben. Angesprochen auf das Thema erntet man von Heiden nur ein müdes Lächeln und den Satz:" Ts,Ts, Ts...Im Heidentum geht es doch nicht um Glauben...:be_cool: sondern ums Opfern:streichel:. In alter Zeit (-*Blicke wandern wissend in die Vergangenheit*) fragte man nicht:" An welche Götter glaubst du, sondern welchen Göttern O P F E R S T du!"


    Jetzt eine Verständnisfrage: Wenn man nicht an (-die Existenz der) Götter glaubt, wird man ihnen doch auch in logischer Schlussfolgerung nicht opfern:/:ugly: (-schade um den guten:Met: )


    Was meint ihr:?:


    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Fantastische Frage! Ich glaube hier sollten wir zwischen Vergangenheit und Gegenwart scharf unterscheiden. Früher mag es so gewesen sein, dass das Opfer das allein wichtige war, schließlich war es auch Teil gesellschaftlicher Riten und des Gemeinschaftslebens.

    Da man sich heute aktiv zum Heidentum bekennen muss, muss man logischerweise auch glauben, für wen opfert man sonst? Und opfern muss natürlich auch sein, denn das "nur Glauben"-Prinzip hat doch der olle Luther erst erfunden. Der olle Hipster. 8o

  • Ergänzung: Außerdem ist es ja mMn ein essentieller Teil des Heidentums das Opfer als Beziehungsgrundlage zu den Hohen zu sehen. Sie erhalten einen Teil ihrer Kraft aus unseren Gaben und unserer Anbetung, wir erhalten im Gegenzug ihren Segen bzw. das Heil.

    Ich würde also schon sagen das aufgrund der Struktur des Heidentums ein Glaube ohne Opfern schwer möglich ist.

  • Zu ärgerlich, ich finde es gerade nicht wieder. Gibt so'n schönes Pratchett-Zitat, sinngemäß aus dem Buch) "Hexen glauben nicht an Götter. Sie wissen, dass sie existieren. Genauso gut könnte man an den Postboten glauben"


    Ich seh es wie Havald. Denke aber auch, dass opfern auch glauben bedingt. Was bringt mir das Opfer, wenn ich nicht glaube?

  • Heil euch!

    Ich GLAUBE, viele Heiden, fragen sich von Zeit zu Zeit, ob die Götter überhaupt existieren und wenn ja- in welcher Form eigentlich? Haben wir Wesenheiten, die fernab unseres Verständnisses liegen, kurzerhand vermenschlicht, um so besser mit ihnen umgehen zu können?

    Interessieren sie sich überhaupt, für die Belange des Menschen? Wie weit reicht ihre Macht überhaupt und für wen und unter welchen Umständen, sind sie bereit, diese einzusetzen?

    Viele Fragen- keine klaren Antworten!

    Ich denke quasi, umgekehrt:

    Wenn die Götter und Geister existieren, kann es nur von Vorteil sein, sich mit ihnen gut zu stellen!

    Wenn nicht, erhält man zumindest, alte Sitten und Bräuche am Leben und trägt so seinen Teil, zur deutschen/ europäischen Kultur bei.

    Ausserdem sind Heiden ja meist, auch recht aktive Menschen- man geht in die Natur, schnitzt an einem Runenstab, schmiedet sich einen Ritualhammer, geht auf die Jagd, versucht sich auf traditionelle Weise, im Feuer machen, sammelt Pflanzen und Kräuter, oder was auch immer!

    Alles besser, als an Jesus Christus zu glauben, aber nichts dafür zu tun*.

    Ich denke, es gibt viele Gründe, Heide zu sein.


    * Ich hab viele Protestanten kennen gelernt, die der Meinung sind, es reicht, getauft zu sein und an (ihren) Gott zu glauben. Damit hat sich die Sache dann!

  • Das Einzige, an das man im Heidentum (mindestens) glauben (im Sinne von "darauf vertrauen") sollte, ist die Heiligkeit die den alten Kulthandlungen innewohnt und, dass die Ahnen diese ausführten, um sich und ihren Nachkommen ein gutes bzw. besseres Leben zu ermöglichen eben weil diese Handlungen das Heil mehren. Egal, ob man an die Götter glaubt oder nicht schuldet man zumindest den Vorfahren, diese Bräuche zum Wohle früherer und weiterer Generationen fortzuführen. Diese "Bringschuld" findet sich als Konzept in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes "Ehe" (als heiliger Vertrag, egal ob mit Göttern oder Ahnen) und, für diejenigen, welche mehr Wert auf Spiritualität legen, in gewisser Weise auch personifiziert in der Norne Skuld.

  • Jetzt eine Verständnisfrage: Wenn man nicht an (-die Existenz der) Götter glaubt, wird man ihnen doch auch in logischer Schlussfolgerung nicht opfern

    Ich zitiere mich mal wieder selbst :whistling:




    Oder ist es so gemeint, dass Glaube ALLEIN im Heidentum nicht reicht, da es ja auch eines Opfers bedarf...

    Wenn man das heutige Verständnis von (religiösem-) Glauben zu Grunde legt, würde ich sagen, dass der Glaubensinhalt im Heidentum weitestgehend irrelevant ist.


    Wenn du als "Christ" sagst eigentlich glaube ich nicht daran, dass Jesus Gottes Sohn war, von den Toten auferstanden ist und uns am Ende aller Tage erlösen wird, sondern für mich war das einfach ein netter Mensch, den ich mir als Vorbild nehme, dann bist du halt kein Christ.

    Genauso bist du kein Christ, wenn du Jesus für einen Abklatsch von Buddha hältst oder so.



    Im Heidentum ist es hingegen vollkommen egal, ob Thor für dich nun ein in seinem Wagen über die Wolken bretternder rotbärtiger Gott ist, oder ein Sinnbild für den Donner, oder die Erinnerung an einen Mächtigen Kriegsherrn, oder ein Zeus-Abklatsch, oder ein psychologischer Archetyp oder was auch immer.

    Wenn du Opferst, zeigst du deine Verbundenheit mit Thor. Was Thor nun genau für dich ist, ist dabei unwichtig.

  • glau·ben


    /glaúben/


    für möglich und wahrscheinlich halten, annehmen; meinen


    Also ich meine, dass man um den Glauben bis zu einem gewissen Grad einfach nicht rumkommt...

    Das Einzige, an das man im Heidentum (mindestens) glauben (im Sinne von "darauf vertrauen") sollte, ist die Heiligkeit die den alten Kulthandlungen innewohnt und, dass die Ahnen diese ausführten, um sich und ihren Nachkommen ein gutes bzw. besseres Leben zu ermöglichen eben weil diese Handlungen das Heil mehren.

    Das macht auf jeden Fall Sinn...denn wenn man etwas für komplett sinnlos hält, würde man es vermutlich nicht tun...:thumbup:

    Egal, ob man an die Götter glaubt oder nicht schuldet man zumindest den Vorfahren, diese Bräuche zum Wohle früherer und weiterer Generationen fortzuführen.

    Hmmm...aber DASS man ihnen etwas schuldet kann man ja doch nur annehmen, wenn man deren Existenz (-der Götter/das Heil des Sippe) nicht negiert...oder? (-ich frage nur zum besseren Verständnis) Wenn man nicht annimmt, dass der Gläubige existiert, wird man doch auch keine Schuld zahlen... Also wäre doch eigentlich die Annahme, dass es diesen gibt, eine Voraussetzung dafür..:/

    Wenn du Opferst, zeigst du deine Verbundenheit mit Thor. Was Thor nun genau für dich ist, ist dabei unwichtig.

    Aber an irgendeine Form der Existenz muss man doch glauben, denn niemand würde Verbundenheit zu etwas/jemanden herstellen wollen, den man für nicht vorhanden hält...

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • glau·ben


    /glaúben/


    für möglich und wahrscheinlich halten, annehmen; meinen

    glauben Vb. ‘annehmen, vermuten, für wahr halten, eine religiöse Überzeugung haben’, ahd. gilouben (8. Jh.), mhd. g(e)louben, asächs. gilōƀian, mnd. gelȫven, mnl. ghelōven, nl. geloven, aengl. gelēfan, gelīefan, (mit anderem Präfix) belȳfan, belēfan, engl. to believe, got. galaubjan ist ein Präfixverb mit Ablaut zu dem unter lieb (s. d.) behandelten Adjektiv im Sinne von ‘lieb halten, lieb nennen’. Wohl bereits in vorchristlicher Zeit bezieht sich das Verb auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und heidnischem Gott (vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 40), so daß es in der got., angelsächs. und ahd. Missionssprache für griech. pisté͞uein (πιστεύειν) bzw. lat. crēdere ‘(ver)trauen, glauben, für wahr halten’ eintreten und das Verhältnis des Menschen zum Christengott ausdrücken kann. Vor oder neben der religiösen Verwendung darf wohl ein Gebrauch im Sinne von ‘sich auf einen Menschen verlassen, ihm vertrauen’ (vgl. aengl. gelīefan ‘jmdm. vertrauen, sich auf jmdn. verlassen’, Beowulf) angenommen werden. Aus ‘jmdm. vertrauen in bezug auf die Wahrheit seiner Aussage’ entwickelt sich ‘etw. für wahr halten’, dann auch ‘für möglich halten, vermuten, meinen’ (bereits ahd.)


    https://www.dwds.de/wb/etymwb/Glaube



    Aber an irgendeine Form der Existenz muss man doch glauben, denn niemand würde Verbundenheit zu etwas/jemanden herstellen wollen, den man für nicht vorhanden hält...

    Betonung liegt halt auf irgendeine.


    Irgendein Motiv musst du schon haben um zu Opfern, ist schon klar, aber dieses Motiv interessiert halt nicht. Kann man wie gesagt am besten mit unserem Weihnachtsfest, oder auch Silvester vergleichen. Wer braucht denn da wirklich die Überzeugung von Jesus Geburt (als Heiland) oder die Vorstellung von bösen Geistern die vertrieben werden, um diese Feste zu begehen?

    Wir heute begegnen dem Heidentum halt als toter Tradition und brauchen daher eine starke Motivation um damit wieder anzufangen, aber wenn die Tradition seit Generationen lebendig läuft, kann man sie auch einfach begehen ohne irgendwelche theologischen Lehrgebäude behandeln zu müssen.

    Und da es im Heidentum eben nicht mal eine verbindliche Theologie gibt, ist man durch das ausführen der Traditionen schon so viel Heide wie man es halt sein kann.

    Heide ist man nicht, man praktiziert Heidentum.

  • Guten Abend!


    Da ich ja auch zu denen gehöre, die immer wieder auf diesen Unterschied zwischen einer reinen Glaubensreligion wie dem Christentum und einer eher ritualistischen Religion wie dem Heidentum (bzw. große Teile des Heidentums) herumhammern (unten mehr dazu), möchte ich mich bei HANGATYR aka Ally MitStiel <3<3<3herzlich <3<3<3 bedanken!


    Ebenso bei meinen Vorrednern Wiltrud (Damen zuerst, ich bin so); Havald; Widulf; Kret und Ulfberth. Dem, was ihr geschrieben habt, habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen, tue es aber dennoch, mein Stolz gebietet es mir. Ich bin so.


    "Hexen glauben nicht an Götter. Sie wissen, dass sie existieren. Genauso gut könnte man an den Postboten glauben"

    :goodpost::goodpost::goodpost: Wunderschönes Zitat! <3


    Wenn die Götter und Geister existieren, kann es nur von Vorteil sein, sich mit ihnen gut zu stellen!

    Wenn nicht, erhält man zumindest, alte Sitten und Bräuche am Leben und trägt so seinen Teil, zur deutschen/ europäischen Kultur bei.

    :goodpost::goodpost::goodpost: Genau so sehe ich das auch! :prost:


    Das Einzige, an das man im Heidentum (mindestens) glauben (im Sinne von "darauf vertrauen") sollte, ist die Heiligkeit die den alten Kulthandlungen innewohnt und, dass die Ahnen diese ausführten, um sich und ihren Nachkommen ein gutes bzw. besseres Leben zu ermöglichen eben weil diese Handlungen das Heil mehren.

    :goodpost::goodpost::goodpost: Wunderschön! :wgreywolftail::wLove:


    Zitat von dem famosen Dachs aus Colonia Ulpia Traiana, Ulfberth himself

    Daran sieht man den Unterschied. Ein Christ würde sagen lass den Tannenbaum, das Festessen, ja meinetwegen sogar den Kirchbesuch weg, wichtig ist, dass du an den Heiland glaubst. Ein Heide würde sagen steh zu unseren Traditionen, wie wir es seit Urzeiten tun, was in deinem Hinterstübchen dabei passiert interessiert mich nicht. Siehe Hakon.

    :goodpost::goodpost::goodpost: Genau meine Rede. :winkewinke:


    Wenn du als "Christ" sagst eigentlich glaube ich nicht daran, dass Jesus Gottes Sohn war, von den Toten auferstanden ist und uns am Ende aller Tage erlösen wird, sondern für mich war das einfach ein netter Mensch, den ich mir als Vorbild nehme, dann bist du halt kein Christ.

    Genauso bist du kein Christ, wenn du Jesus für einen Abklatsch von Buddha hältst oder so.

    Im Heidentum ist es hingegen vollkommen egal, ob Thor für dich nun ein in seinem Wagen über die Wolken bretternder rotbärtiger Gott ist, oder ein Sinnbild für den Donner, oder die Erinnerung an einen Mächtigen Kriegsherrn, oder ein Zeus-Abklatsch, oder ein psychologischer Archetyp oder was auch immer.

    Wenn du Opferst, zeigst du deine Verbundenheit mit Thor. Was Thor nun genau für dich ist, ist dabei unwichtig.

    :goodpost::goodpost::goodpost:Ach, ach, hätte von mir kommen können. Ich bin mir sogar sicher, dass das von mir ist. Ach, ach. :Mjolnir:


    Hmmm...aber DASS man ihnen etwas schuldet kann man ja doch nur annehmen, wenn man deren Existenz nicht negiert...oder?

    Ich kann mich irren, ja, ganz bestimmt tue ich mich irren, aber ich habe den Kret so verstanden, dass er meinte, dass man es den Vorfahren schuldet, die durch Alter geheiligten Kulthandlungen weiterzuführen und nicht unbedingt jenen, die diese Kulthandlungen gewidmet sind, sprich den Göttern und Geistern.



    Aber an irgendeine Form der Existenz muss man doch glauben, denn niemand würde Verbundenheit zu etwas/jemanden herstellen wollen, den man für nicht vorhanden hält...

    Und hier möchte ich dann eben weiterführen, was ich oben zwischen Klammern versprach.


    Aufgrund dessen, was ich vom Heidentum weiß, und dann spreche ich - wie gehabt - vom griechisch-römischen Heidentum, bin ich wie auch andere, zu der Auffassung gekommen, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Heidentum und dem Christentum eben darin besteht, dass diesem ein allen Anhängern verbindlicher Satz von Glaubensinhalten eigen ist, und jenem, dem Heidentum, ein solcher Satz von allen Anhängern verbindlichen Glaubenssätzen eben fehlt.


    Das bedeutet aber nicht, dass die Heiden nicht glaubten oder - noch schlimmer - heutige Heiden nicht glauben dürfen. Weit gefehlt! Natürlich darf der Heide von Heute. Aber es sind uns keine Glaubenssätze überliefert, die für alle verbindlich waren, und nach alledem, was wir von den heidnischen Römern und Griechen wissen, waren es die von den Vorfahren ererbten, durch ihr hohes Alter geheiligten, oftmals sogar nicht mehr gänzlich verstandenen, zuweilen auch mal leicht abgeänderten (statt Menschen- oder Tieropfern eben Speiseopfer oder Gebildebrot) Kulthandlungen, die eine gewisse Gruppe von Menschen (Familie, Stamm, Stadt, Staat, Zunft, Wohnviertel, Geschlecht etc. pp.) in religiöser Hinsicht einten. Es gab aber keinen allgemeinen Anspruch auf Wahrheit, keinen Drang zur Missionierung, eher sogar manchmal eine leichte Tendenz zur Exklusivität (man identifizierte sich als zugehörig zu einer bestimmten Gruppe, indem man einen bestimmten Kult ausüben konnte oder durfte - doch in einem polytheistischen System bleiben ja auch immer noch genug Kulte für Jedermann übrig). Und was es eben auch nicht gegeben zu haben scheint, sind eben klare, exakte Glaubensbekenntnisse, zu denen sich jeder hätte bekennen müssen, wenn er denn als götterfürchtig anerkannt werden wollte.


    Ulfberth hat es oben mit seinen zwei Beispielen perfekt beschrieben: Um Christ zu sein, reicht es nicht, Jesus von Nazareth für einen guten Menschen zu halten, es reicht nicht ein Mal, das ganze eigene Leben nach dessen Lehren der Nächstenliebe und Vergebung auszurichten, wenn man es versäumt, seinen Glauben daran, dass Jesus für die Sünden der Menschheit am Kreuz gestorben und wiederauferstanden ist, zu bekennen (ich spreche nicht im Namen Jesu Christi, sondern im Namen seiner Kirche, denn wie Christus selbst zu dem allen steht, weiß ich nicht). Ihn als eine Wiedergeburt des historischen Buddhas oder eine Erscheinungsform des Unbesiegten Sonnengottes zu sehen, kommt schon gar nicht infrage.


    Ganz anders bei den Heiden. Dem Heiden und der Heidi, vielleicht auch dem Heini, steht es ganz frei zu glauben, dass Thor als muskulöser Mann mit rotem Bart in einem von Ziegenböcken gezogenen Wagen brausend im Sturm dahinjagt. Du hast aber auch das Recht, in Thor beispielsweise die germanische Erscheinungsform eines übergeordneten indoeuropäischen Donnergottes zu sehen. Oder als Manifestation einer noch größer gedachten Gottheit. Du darfst auch glauben, es handele sich um die Erinnerung an einen Kriegsherren oder einen Gutsbesizter, der viel Gutes für die Menschheit getan hat, oder dass es sich bei Thor eben um den griechischen Halbgott Herakles handelt, der während seiner Zwölf Werke auch in den hohen Norden kam und dort als Gott verehrt wurde. Was eher verbindlich ist, das sind die überlieferten Kulthandlungen und Bräuche, beispielsweise die Heiligkeit des Eichenbaumes.

    „Freudig verleihe meinem Leben Zufriedenheit”

    aus dem Homerischen Sonnenhymnos

  • Irgendein Motiv musst du schon haben um zu Opfern, ist schon klar, aber dieses Motiv interessiert halt nicht.

    Das ist eigentlich mein Punkt...:) WAS der jeweilige Heide glaubt, wenn er opfert, ist nicht entscheidend, aber einen Sinn, an den er glaubt, muss dem Ritual wohl zugrunde liegen, da er wohl nicht sinnentleert handeln wird...

    Kann man wie gesagt am besten mit unserem Weihnachtsfest, oder auch Silvester vergleichen. Wer braucht denn da wirklich die Überzeugung von Jesus Geburt (als Heiland) oder die Vorstellung von bösen Geistern die vertrieben werden, um diese Feste zu begehen?

    Guter Punkt, aber sind das dann WIRKLICH Christen:/? Meistens sind es eigentlich Atheisten, die Weihnachten als Familienfest ohne religiösem Inhalt begehen...(mich eingeschlossen & Christ bin ich wirklich nicht:ugly:)

    Heide ist man nicht, man praktiziert Heidentum.

    Sehe ich auch so, aber...

    Irgendein Motiv musst du schon haben um zu Opfern, ist schon klar

    -DAS meinte ich letztlich:thumbup:



    Das bedeutet aber nicht, dass die Heiden nicht glaubten oder - noch schlimmer - heutige Heiden nicht glauben dürfen.

    Mein Punkt war, dass auch wenn man immer betont, dass der Glaube im Heidentum nicht entscheidend ist, sondern die Riten, dass trotz all dem ein Mensch nichts tun wird, wenn er keinen Sinn in der Handlung sieht und daran glaubt...

    Ich kann mich irren, ja, ganz bestimmt tue ich mich irren, aber ich habe den Kret so verstanden, dass er meinte, dass man es den Vorfahren schuldet, die durch Alter geheiligten Kulthandlungen weiterzuführen und nicht unbedingt jenen, die diese Kulthandlungen gewidmet sind, sprich den Göttern und Geistern.

    Aber wenn (-angenommen diese Interpretation von Krets Post ist korrekt:thumbup:) jemand eine Handlung tätigt, um die Vorfahren zu ehren, muss man doch zumindest an das Konzept des Sippenheils "glauben"...sonst würde man diese Handlungen doch nicht vornehmen...:/

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Das ist eigentlich mein Punkt...:) WAS der jeweilige Heide glaubt, wenn er opfert, ist nicht entscheidend, aber einen Sinn, an den er glaubt, muss dem Ritual wohl zugrunde liegen, da er wohl nicht sinnentleert handeln wird...

    Manchmal, ja manchmal opfere ich einfach nur so. Einfach nur, weil ich meine Verbundenheit zeigen möchte, weil ich mich für das Ganze und nicht nur einen Teil bedanken möchte. Oder weil es sich einfach richtig anfühlt.

  • Ich hoffe, der Dachs nimmt's mir nicht übel, dass ich jetzt einfach frech an seiner Stelle antworte.

    WAS der jeweilige Heide glaubt, wenn er opfert, ist nicht entscheidend, aber einen Sinn, an den er glaubt, muss dem Ritual wohl zugrunde liegen, da er wohl nicht sinnentleert handeln wird...

    Es wird sich wohl unter uns, die wir bis auf einige Relikte aus dem Volksbrauchtum keine ununterbrochene heidnische Tradition haben, auch kaum welche geben, für die die alten Rituale, die wir ja erst wiederentdecken mussten, zum Teil noch müssen, komplett sinnentleert sind. Aber welchen persönlichen Sinn man diesem Ritual gibt, dass ist einem selbst überlassen. Ich meine, ob man jetzt wirklich zu 100% glaubt, dass mit der Ausführung diesen Rituals die Götter auf einen aufmerksam werden, oder es doch mehr macht, weil es die Vorfahren so gemacht haben, keines dieser beiden Motive ist besser oder schlechter als das andere. Im Christentum wäre das schon der Fall.


    Guter Punkt, aber sind das dann WIRKLICH Christen :/ ? Meistens sind es eigentlich Atheisten, die Weihnachten als Familienfest ohne religiösem Inhalt begehen...(mich eingeschlossen & Christ bin ich wirklich nicht :ugly: )

    Ich glaube nicht, dass Ulfberth jetzt irgendwie die Christen als Beispiel nehmen wollte, sondern einfach nur die beiden größten Feste unserer Breiten, die eben auch von Nicht-Christen gefeiert werden (zumal das Neujahrsfest ein durch und durch heidnisches Fest ist).

    Ulfberth meinte, dass das Religionsverständnis der alten Heiden dem ähnlich kam, wie wir, ganz egal ob wir uns als Christen sehen oder nicht, mit Weihnachten und Sylvester verfahren: es ist nicht nötig, um unbedingt an die Geburt des Heilands oder das Vertreiben böser Geister zu glauben, um dennoch die überlieferten Rituale zu vollziehen. So hat auch früher keiner von den Heiden verlangt, dass sie erst Mal ein Glaubensbekenntnis ablegten, bevor sie an der Opferzeremonie und dem Opferschmaus teilnahmen. Ulfberth wird es sicherlich weniger hölzerig erklären können.

    „Freudig verleihe meinem Leben Zufriedenheit”

    aus dem Homerischen Sonnenhymnos

  • Manchmal, ja manchmal opfere ich einfach nur so. Einfach nur, weil ich meine Verbundenheit zeigen möchte, weil ich mich für das Ganze und nicht nur einen Teil bedanken möchte. Oder weil es sich einfach richtig anfühlt.

    Aber würdest du auch opfern, wenn du nicht glaubst, dass da etwas oder jemand ist:/? Du könntest dich doch bei niemandem bedanken, wenn du nicht der Meinung wärst, dass derjenige/dasjenige existiert... Und eine Verbundenheit möchte man doch auch primär zu jemandem, herstellen, den man für existent hält...


    Und (korrigiere mich wenn ich das vll missverstehe): Richtig fühlt sich doch nur etwas an, wenn es einem tieferen Sinn entspricht, an den man glaubt, oder:/? KA...bitte nicht falsch verstehen...sind nur Fragen...

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Aber würdest du auch opfern, wenn du nicht glaubst, dass da etwas oder jemand ist:/? Du könntest dich doch bei niemandem bedanken, wenn du nicht der Meinung wärst, dass derjenige/dasjenige existiert... Und eine Verbundenheit möchte man doch auch primär zu jemandem, herstellen, den man für existent hält...


    Und (korrigiere mich wenn ich das vll missverstehe): Richtig fühlt sich doch nur etwas an, wenn es einem tieferen Sinn entspricht, an den man glaubt, oder:/? KA...bitte nicht falsch verstehen...sind nur Fragen...

    Nein. Ich opfere, weil ich glaube. Sonst sähe ich im Opfer keinen Sinn. Wem würde ich denn opfern?


    Kam das verständlich rüber? Ich bin noch etwas verplant heute Abend.


    Kendra hat mal irgendwann was tolles gesagt:


    Es wird nicht weniger wunderbar, wenn ich es erklären kann.

  • Nein. Ich opfere, weil ich glaube. Sonst sähe ich im Opfer keinen Sinn. Wem würde ich den opfern?

    Danke, sehe ich auch so:)!

    Kam das verständlich rüber? Ich bin noch etwas verplant heute Abend.

    Dito:ugly:! Deswegen hab ich nachgefragt...:)

    Es wird nicht weniger wunderbar, wenn ich es erklären kann.

    Aber für mich jetzt verständlicher;)! Danke!

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Ulfberth meinte, dass das Religionsverständnis der alten Heiden dem ähnlich kam, wie wir, ganz egal ob wir uns als Christen sehen oder nicht, mit Weihnachten und Sylvester verfahren: es ist nicht nötig, um unbedingt an die Geburt des Heilands oder das Vertreiben böser Geister zu glauben, um dennoch die überlieferten Rituale zu vollziehen. So hat auch früher keiner von den Heiden verlangt, dass sie erst Mal ein Glaubensbekenntnis ablegten, bevor sie an der Opferzeremonie und dem Opferschmaus teilnahmen. Ulfberth wird es sicherlich weniger hölzerig erklären können.

    Also...Ally MCBeal von Ulfberth & Kret;):


    Ich formuliere mein Verständnisproblem etwas überspitzt (--um es transparenter zu machen:thumbup: )


    Wenn jetzt jemand ein absoluter Hardcore -Christ ist (-für ihn ist Jesus Gott, glaubt an die Auferstehung, hält die 10 Gebote ein, ist getauft etc...) Jedes Mal bevor er in die Kirche geht, klopft er 3x auf einen Stein, weil sein (heidnischer) Großvater das so getan hat. Er weiß nicht warum, wozu, weshalb...er tut es einfach...


    Macht das dann den Mann zum Heiden (-da ja primär die Handlung zählt und sein Innenleben keine Rolle spielt):/?

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Es steht geschrieben....

    "Der Herr ist der Schatten über seine rechte Hand!"

    Also kommt es drauf an was man tut.

    Laut Bibel.

    Ich kann garnicht so komisch.

    "Schlachtet alle ,der Herr wird die Seinen schon finden!" Befehl eines christlichen Anführers...

    Also hat das Innenleben doch ne Relevanz?

    Wie soll ich als einfacher Heide das verstehen?

    .................................

    Was ich persönlich sehe ist ganz was anderes. Und ein Großteil davon stammt von den Osteuropäischen Vorfahren.

    Da zählt nur das Herz.

    Und das Überleben. Was nützt es wenn Du recht hast aber tot auf dem Schlachtfeld liegst?

    Das Klopfen auf dem Stein-ob Heidentum oder nicht -gilt dem Großvater nicht dessen Gott.

    Wir haben das Glück,das das Überleben in anderen Glauben möglich ist.

    Doch das Fremdeln der Umwelt verrät, das es nur ein Frieden auf Zeit ist.

    Heide ist man im Herzen.

    Aber ich habe keine Probleme damit einen Mantel anzulegen....

    Trinkspruch für die Ahnen (geklaut aus dem Film The Might nightclub)

    Auf die davor

    und die danach.

    Auf uns

    und die im Jenseits

    gesehen oder ungesehen,

    hier oder nicht hier...

    :prostanim:

  • Wenn jetzt jemand ein absoluter Hardcore -Christ ist (-für ihn ist Jesus Gott, glaubt an die Auferstehung, hält die 10 Gebote ein, ist getauft etc...) Jedes Mal bevor er in die Kirche geht, klopft er 3x auf einen Stein, weil sein (heidnischer) Großvater das so getan hat. Er weiß nicht warum, wozu, weshalb...er tut es einfach...


    Macht das dann den Mann zum Heiden (-da ja primär die Handlung zählt und sein Innenleben keine Rolle spielt) :/ ?

    In meinen Augen macht es ihn zum Heiden. Und in den Augen seines Pastors sicherlich auch. Für mich ist er darum aber nicht weniger ein Christ oder gar ein schlechter Christ oder schlechter Heide. Das 3x auf einen Stein klopfen bevor er die Kirch betritt, ist nun mal etwas Heidnisches. Ich finde es natürlich gut, dass er das macht. Ich würde mich auch davor hüten, es dieser Person zu sagen, denn wer bin ich um ihn in irgendwelche Gewissensbisse zu stürzen. Aber ob der liebe Herr Pastor da so liberal drüber denkt... Das glaube ich weniger.



    Gerade bei den Osteuropäern merke ich doch noch, dass bei ihnen so mancher Volksbrauch noch ziemlich lebendig ist.


    Ich finde es irgendwie schade, dass man diese christliche Perspektive übernommen hat und der inneren Haltung solch eine Gewichtung zuschreiben möchten. Jeder hat doch irgendeine Haltung gegenüber den Göttern, aber darf jetzt nur Heide sein, wer auch wirklich wörtlich daran glaubt, dass die Götter so sind, wie in ihren Mythen beschrieben?

    „Freudig verleihe meinem Leben Zufriedenheit”

    aus dem Homerischen Sonnenhymnos

  • Heil euch!

    Die Katholiken z.B., sind in meinen Augen, tatsächlich immer noch Heiden*, ohne sich dessen bewusst zu sein, da sie die alten Kulte, der Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, in Form der Marienverehrung* bis zum heutigen Tage praktizieren.

    Auch viele der Götter, werden von ihnen, in Gestalt der Heiligen, bis heute noch angebetet.

    Gerade in ländlichen Regionen, hat sich im Volksglauben und Volksbrauchtum, vieles an Denkmustern, magischen Praktiken und Sitten bewahrt, das man wohl nur heidnisch nennen kann!

    Auch die aus Afrika stammenden Sklaven, haben das so gehalten, nur das sie wussten (und wissen), das sich hinter ihren Heiligenikonen, trotz allem, die alten Götter verbergen.

    Eigentlich müsste das jetzt auf eine Schlussfolgerung hinauslaufen, aber ich war gestern noch lange wach.

    Ich bitte um Nachsicht!


    * Das sehen die meisten Protestanten, übrigens genau so.

    ** Mit all dem volkstümlichen "Aberglauben", der (oft regional bedingt) mit dazugehört.