Singen & Tanzen im Heidentum

Schon gewusst…?

Die Wikinger hatten vor der Christianisierung ihren eigenen Glauben. Dieser ist als die nordische Mythologie bekannt. In ihrem Zentrum stehen Götter wie Odin, Thor, Loki und Frey mit einigen regionalen Variationen.

  • :walhallo:


    Einar Selvik hat bei dem Wardruna Konzert, bei dem ich dabei sein durfte, gesagt, dass die Menschen "mehr singen sollten"...:)


    Früher, denke ich, war Singen & Tanzen im Heidentum verbreiteter als heutzutage... Zumindest ist das meine persönliche Wahrnehmung... Dabei waren Gesänge & Tänze eigentlich immer ein wichtiger Bestandteil, zB bei Mittsommer.


    Fragen: Warum könnte es sein, dass das heutzutage weniger praktiziert wird:/? Ist Tanzen & Singen Teil eurer rituellen Praxis:)?


    Ich zB kann eigentlich nicht wirklich singen, hab aber einmal ein leises Mantra angestimmt, um mich in Trance zu versetzen... Es hat mir tatsächlich sehr geholfen & als ich die Augen aufmachte waren da keine toten Vögel, die vom Himmel gefallen sind...:ugly:!

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Die Würde des Thor ist unantastbar... :vikinghammer:

  • Kommt drauf an unter was Du Praxis verstehst.

    Im Krankenhaus bei der Versorgung hab ich immer gesungen. Heilgesänge, aber das wußten ja die Patienten nicht.

    Und ja, ein Patient meinte , ich singe wie eine Krähe.....

    Zum Ritual nutze ich Musik aus der Dose , aber zum besseren Visualisieren.

    Auch die Trommel wird benutzt.

    Aber ob das authentisch der Tradition welcher auch immer ist

    Es ist authentisch ich-und mir reicht das.

    Trinkspruch für die Ahnen (geklaut aus dem Film The Might nightclub)

    Auf die davor

    und die danach.

    Auf uns

    und die im Jenseits

    gesehen oder ungesehen,

    hier oder nicht hier...

    :prostanim:

  • Ich weiß nicht. Singen und Tanzen ist bei mir fast ein Automatismus. Ich singe auf der Arbeit. Mit den Bewohnern, für die Bewohner. Ich habe mich neulich dabei ertappt, dass ich im Supermarkt zu Fury & the Slaughterhouse mitgesungen habe. Die Rentnergang hat mich mehr als verdutzt angestarrt. Ich bin ein leidenschaftlicher Im-Auto-Singer. Vorhin beim aufräumen meiner Ecke hab ich mit Einar Selvik mitgesummt. Bei Kwitravn stolpert die Zunge ab und an.

  • Mit oder für die Patienten tanzen wird zu auffällig .Kann noch mehr Probleme mit dem Arbeitgeber als so schon geben.

    Für Kolleginnen hab ich es mit ihnen schon gemacht-einschließlich ihrer Familie.

    Klar doch.

    Trinkspruch für die Ahnen (geklaut aus dem Film The Might nightclub)

    Auf die davor

    und die danach.

    Auf uns

    und die im Jenseits

    gesehen oder ungesehen,

    hier oder nicht hier...

    :prostanim:

  • Ich hatte vor ein paar Monaten auch schon die Idee so ein ähnliches Thema mal anzustoßen, hatte dann aber nicht die Zeit da nen vernünftigen Post auf den Weg zu bringen.

    Auslöser war das Video das ich unten in den Spoiler packe.

    Ich denke Musik, Gesänge und Tänze hatten "damals" einen viel größeren Stellenwert in den Ritualen als in der heutigen Wahrnemung verankert ist.

    Heutige Rituale wirken oft förmlich, geradezu protestantisch in manchen Fällen.

    Ich stelle mir das eigentlich mehr wie eine "Heilung" Performance vor.

    Oder wie die japanischen "Matsuri", oder ein Voodoo-Ritual.

    Alles begleitet von Musik und Gesängen.

    Gerade Tänze als Bestandteil von Ritualen sind ja auch in Primärquellen belegt.


    Ist Tanzen & Singen Teil eurer rituellen Praxis :) ?

    Ich versuche zumindest einen Teil meiner Anrufungen zu singen.

    Dafür orientiere ich mich ein wenig an den isländischen "Rímu" Gesängen.

    Die gesungene Völluspa von Sveinbjörn Beinteinsson haben bestimmt alle von uns schon mal gehört.

    Auch "Vardlokk" und "Rotlaust Tree Fell" von Wardruna habe ich schon als Anrufungen genutzt.

    Warum könnte es sein, dass das heutzutage weniger praktiziert wird :/ ?

    Musik zu Komponieren und Lieder zu Schreiben ist schwierig.

    Insbesondere gute Musik und gute Lieder.

    Insbesondere wenn man eine bestimmte klangliche Ästhetik anstrebt und eher so mittel in Musitheorie ist. (Spreche da aus Erfahrung)

    Zudem wird heute generell weniger gesungen, dass wird auch seinen Einfluss haben.

  • Ich will jetzt definitiv NICHT behaupten, Tanz und Musik, hätten bei unseren Altvorderen, keine Rolle gespielt, aber wenn man sich mal, die aus Afrika oder auch Südamerika stammenden Religionen und die dahinterstehenden Kulturen anschaut, gibt es schon allein, von der Mentalität her, grosse Unterschiede, zur "westlichen" Welt!

    Die haben zu viele El Temperamento in die Blute! Zu viel Chilli- Schoten!

    Imma macke uno Musika und die Lambada! Ay Caramba!

  • aber wenn man sich mal, die aus Afrika oder auch Südamerika stammenden Religionen und die dahinterstehenden Kulturen anschaut, gibt es schon allein, von der Mentalität her, grosse Unterschiede, zur "westlichen" Welt!

    Ibn Fadlan beschreibt, dass die Bestattungsrituale die er beobachtet hat von Musik und Gesängen, und "großem Lärmen" begleitet wurde.

    Es gibt eine byzantinische Quelle die in kurzen Worten ein mögliches Tanzritual von Värägern zu Jul beschreibt.

    Auf den Vendel- und Sutton Ho Helmen, diversen "Guldgubber" und den "Waffentänzer-Amuletten" haben wir die explizite Darstellung von Tanzritualen.

    Masken, wie sie für solche Tänze typisch sind, sind essenzieller Bestandteil der wikingerzeitlichen Kunst und einige (mögliche) Tänzermasken haben sich in der Sachkultur erhalten.

    Mehrere Sagas erwähnen die Rolle von Gesang für die Rituale.

    Insbesondere die Grönländersaga, die die Wichtigkeit des "Vardlokk" für die durchführbarkeit des Rituals unterschtreicht. (in der Saga übrigends von einer Christin gesungen).

    In Skandinavien haben sich bis heute stabreime Gesangstraditionen erhalten.

    Bei den Sami spielt der Yoik bis heute eine zentrale Rolle.

    In der Kalevalla ist Gesang oft synonym mit Magie.

    Sicherlich ist ein Apache "Sundance" etwas komplett anderes als ein nordischer "Berserkertanz", aber ich beziehe mich nicht auf die Apache.

    Ich beziehe mich auf unsere Quellen und nutze andere Kulturen lediglich als Beispiele um zu illustrieren was uns verloren gegangen ist.


    Die Überlieferungen können uns nur das Skelett der alten Rituale liefern.

    Die Lieder, Gesänge und Tänze sind aber das eigentliche Fleisch auf den Knochen.

    Die Lieder haben die alten Geschichten, Mythen und das Wissen transportiert.

    In den Tänzen wurden sie nachgestellt und erlebbar gemacht.


    Das bloße Gerippe unserer Rituale deckt sich zu 90% mit der Ritualpraxis im westafrikanischen Voodoo.

    Es sind die Ästhetik und das "Fleisch auf den Knochen" die zu einem guten Teil überhaupt erst den Unterschied machen.

    Staubige, von schwerer Erhabenheit und steifer Formalität dominierte Rituale gibt es in jeder Kirche zur genüge.

    Wir feiern die Rückkehr des Lebens nach der triesten Kälte des Winters, die reiche Ernte, die Schönheit des Sommers, die erst Aussaat, die Wärme des Herdfeuers, das Gedenken unserer Liebsten.

    Das alles verlangt nach Liedern und Musik, dass alles regt auch zum Tanzen an.

    Ich will nicht einfach nur Plichtbewust meinen Text herrunterbeten, ich will bersten vor Lebensfreude, bersten vor Heil das ich mit den Anwesenden teile.

    In diesen Zeiten des Friedens ist Odin für mich auch der Gott der Extase.

    Ein Bringer von Trunkenheit und Freude und vor allem Intensität.


    Lass mich ein praktisches Beispiel dessen bringen, was mir in meinen eigenen Ritualen (noch) fehlt:



    Ein solches (simuliertes) Ritual Live zu erleben ist einfach nochmal etwas komplett anderes als im kleinen Kreis über einem Horn Met die alten Worte zu Singen.

    Ich halte es durchaus für möglich die selbe Energie und Intensität auch in ein kleineres Ritual zu bringen, ich habe aber noch nicht so wirklich den Bogen damit raus.

    Aber genau da kann der Blick über den Tellerrand nützlich sein.

    Ich beobachte, vergleiche Muster, erkenne Funktionen.

    Und wenn ich endlich verstehe kann ich für meine eigene Praxis abstrahieren.

    Bis dahin halte ich mich aber überwiegend an Bewährtes und probiere neues im Privaten aus.


    Eine Sache die für mich Schwierig ist, besteht darin das ich als Godi/Master of Ceremony praktisch das komplette Ritual alleine durchführe.

    Wenn wir z.B. ein Opferritual im Voodoo betrachten, kommt das Animierende des Rituals nicht vom Priester, sondern von den Anwesenden.

    Der Priester leitet das Ritual an, gibt Richtung und Zeit vor, vollführt die "mechanischen" Handlungen des Rituals.

    Also all das was in meiner Praxis bereits vorhanden ist.

    Genau so bei der "Heilung" Performance oben.

    Wenn ich jetzt noch dazu den animierenden Part übernehme, kann das alles sehr schnell in Selbstdarstellung ausarten.

    Dementsprechend ist da etwas Fingerspitzengefühl gefragt.

    Ich kann meinen Leuten auch nicht einfach "Hausaufgaben" geben um das Ritual für mich schöner zu machen.

    Meine Aufgabe als Godi ist, ein Ritual zu schaffen das mitmachen einfach und intuitiv macht.

    Jedes Element muss erprobt werden und sich bewähren bevor ich es Einbringe.


    Und da kommen wir dann wieder darauf, dass Musik schwierig ist.

    Den richtigen Ton, die richtige Stimmung treffen.

    Emotionen wecken.

    Das erfordert ein musiktheoretisches Verständnis das ich nicht habe.

    Manchmal habe ich Glück und die inspiration findet mich, aber das kann ich nicht Steuern.

    Also geht es halt in kleinen Schritten vorran.

  • Heil dir, Asgrimm!

    Danke für deinen ...äh, sehr langen Beitrag, aber ich meinte eher die Mentalität, der westlichen Kultur HEUTZUTAGE.

    Mir ging es schlicht darum, das viele Menschen hierzulande, zum lachen in den Keller gehen und auch Gesänge und Tänze, eigentlich nur im gesellschaftlich akzeptieren Rahmen, stattzufinden haben: Hochzeit, Fussball, Disco u.s.w.

    Alles was da nicht reinpasst, wird eher als störend, wenn nicht sogar, als beinahe obzön empfunden.

  • Heil dir, Asgrimm!

    Danke für deinen ...äh, sehr langen Beitrag, aber ich meinte eher die Mentalität, der westlichen Kultur HEUTZUTAGE.

    Mir ging es schlicht darum, das viele Menschen hierzulande, zum lachen in den Keller gehen und auch Gesänge und Tänze, eigentlich nur im gesellschaftlich akzeptieren Rahmen, stattzufinden haben: Hochzeit, Fussball, Disco u.s.w.

    Alles was da nicht reinpasst, wird eher als störend, wenn nicht sogar, als beinahe obzön empfunden.

    Ah, alles klar.

    Ich war etwas..."Inspiriert" beim schreiben gerade.

    Wie zuvor schon geschrieben hatte ich selber überlegt ein ähnliches Thema auf zu machen und die angestauten Gedanken haben sich jetzt auf diesem Wege Ausdruck verschafft.

    Das ist so ein ADHS Ding.

    Das Dopamin entscheidet wo es hin geht. Nicht Ich...:D

    Ich wage alles was dem Manne ziemt;
    Wer mehr wagt ist kein Mann!

  • Ach so!

    Ich wollte auch nur anmerken, das viele Leute heutzutage, eben kaum noch einen Bezug, zu rituellem Tanz und dergleichen haben.

    Das haben ja vermutlich, die Christen untergraben*!

    Die alten Hirschtänze, bei den Angelsachsen z.B., wurden ja auch gesetzlich, unter Strafe gestellt!


    Böses singen & tanzen

    131014113502-benin-voodoo-festival-2.jpg


    Gutes singen

    Maennerchor.jpg


    und tanzen

    Klassisch1.png


    * Spass hat nur der Teufel!!!

  • Hej!


    Wir singen viel, auch wenn es schief ist. Meine Oma hat bis zu ihrem Tod gesungen und Melodien gesummt. Sie hatte es nicht leicht im Leben und musste viele Schicksalsschläge über sich ergehen lassen, aber ihre Stimme verstummte nie.


    Auch ich singe viel mit und ohne meinen Sohn. Es hält Seele und Körper im Einklang. Singen wir draußen, dann schauen die Leute immer sehr irritiert. Schade, dass das Singen wohl kulturell nicht mehr außerhalb von Konzerten und Badewanne geschieht.


    Zu manchen Festen singen wir auch passende Lieder, aber im Ritual bisher nicht.

  • Ich bin eh nicht so der fröhliche und ausgelassene Typ!

    Wenn tanzen- dann nur Pogo auf'm Konzert!

    Meine Rituale, sind dementsprechend, eben auch eine durchstrukturierte Abfolge, von festgelegten Anrufungen, Sprüchen, Handlungen und Gesten.

    Aber jeder, wie er mag.

  • Widulf , ich bin mir sicher, es finden sich auch ein paar Nazarener, die auch das beanstanden, was im zweiten und dritten Bild gezeigt wird.



    Zum Thread selbst: ich kann eigentlich nicht singen, fester Bestandteil meines Sonntagsritus ist allerdings der Sonnenhymnos des Kretenzers Mesomedes, von dem wir sogar Noten haben. Dieses kann ich inzwischen auch auswendig und singe ich mit, bevor dann der Teil mit der Gebetsformel kommt.


    Und ab und zu, ganz spontan nach dem Ritual ist mir schon zum Tanzen, aber da hoffe, dass die Götter gerade nicht zugeschaut haben... :D

    „Freudig verleihe meinem Leben Zufriedenheit”

    aus dem Homerischen Sonnenhymnos

  • Ich wollte auch nur anmerken, das viele Leute heutzutage, eben kaum noch einen Bezug, zu rituellem Tanz und dergleichen haben.

    Das haben ja vermutlich, die Christen untergraben*!

    Naja, es gibt aber auch z.B. die Gospelbewegung, die diese Elemente in einem christlichen Kontext vereint.

    Es ist letzten Endes nur ein Element eines größeren Ganzen.

  • Ich rede ganz speziell, von der deutschen, Stock- im- Arsch- Mentalität!

    Und da die Schwarzen, in den USA, kein Problem damit haben, heute in einem Gospelchor zu singen und morgen, bei einem Voodoo- Ritual zu tanzen, verstehen die unter "christlich", vielleicht ein bisschen was anderes.

  • Ja gut.

    Hier in deuutschland brauchst du wirklich erstmal nen Passierschein A38 in dreifacher Ausführung und eine Sondergenemigung b57 in Blau wenn du lachen willst. :D


    Aber mit Singen und Tanzen sieht es halt auch International etwas Mager aus im Heidentum.

    Ich wage alles was dem Manne ziemt;
    Wer mehr wagt ist kein Mann!