Die heilige Kuh

Schon gewusst…?

Frouwa/Freya (an. Freyja)


Die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Sie wählt vor Odin die Hälfte der gefallenen Helden, die zu ihr nach Folkwang statt nach Walhall kommen.

  • Heil euch!

    Ich hatte neulich einen Gedankengang.

    Es ging irgendwie, um den Gott, der drei monothoistischen Weltreligionen und darum, das er die Welt und den Menschen erschaffen hätte und ich dachte so bei mir, was das eigentlich für eine groteske Lehre ist, nach der ein männlicher Gott, das alles erschaffen haben soll, da alles Leben logischerweise, aus dem weiblichen stammt!*

    Da viel mir dann aber der altnordische Schöpfungsmythos, der Edda ein, wonach ja auch "bei uns", (fast) alles was existiert, von den drei göttlichen Brüdern,

    Odin, Villi und We erschaffen wurde.

    Aber an dem Punkt, ging ich dann gedanklich, noch weiter zurück;

    zurück bis zur Urkuh Audhumbla, die ja nahezu zeitgleich, mit dem Reifriesen Ymir entstand und ohne die, der Riese

    (und auch seine Nachfahren), der sich von ihrer Milch nährte, nicht hätte überleben können!**

    Daraufhin habe ich mal ein bisschen was, zum Thema, "heilige Kühe" recherchiert;

    z.B. das die alten Ägypter, sich den Himmel, als riesige, nährende Kuh vorstellten, welche mit ihren vier Beinen, hier auf der Erde steht.

    Ich vermute mal, das der Regen, welcher der Welt und all ihren Bewohnern, Fruchtbarkeit bringt, in dieser Metapher, wohl als eine Art "Himmelsmilch" betrachtet wurde.

    Später wurde diese Kuh dann mit Isis,

    der Göttin der Geburt/ Wiedergeburt gleichgesetzt, welche auch mit Kuhhörnern dargestellt wird.

    Und natürlich auch die berühmten heiligen Kühe der Inder, wonach die Kuh, als Mutter allen Lebens gilt.

    Sie wird dort mit der Mutter, der Himmelsgötter, mit der Erde und den kosmischen Wassern ( ? ) verglichen.

    Auch im germanischen, soll die Kuh, in enger Verbindung zu den Muttergottheiten stehen- vor allem zu Erda, Nerthus und Frigg.

    Mein Fazit ist, das die Mutter-Kuh, als Spenderin allen Lebens und als personifizierung des Planeten Erde selbst, ein naheliegender Grundgedanke, der Menschheit wäre- zumindest bei den Völkern, die irgendwann anfingen, wilde Rinder zu domestizieren***.

    Nennt mich einen Ketzer,:mob:

    aber das wiederum hieße, das Odin und seine Brüder (die ich ohnehin nur, als Aspekte Odins betrachte), erst viel später, als Welten- und Menschheitsschöpfer gedacht wurden.

    Quasi eine "Odinisierung", des uralten Schöpfungsmythos.

    Spinnt man den Gedanken weiter, wäre Audhumbla wohl mit der Göttin

    Nerthus-Erda identisch!


    * Vieleicht haben mich da auch meine Beschäftigung mit Wicca und das Buch

    "die Nebel von Avalon",

    etwas stark geprägt.

    GEHIRNWÄSCHE!!!

    ** Was war eigentlich mit den ersten drei Götter- Generationen?

    Die müssen sich doch auch von irgendwas ernährt haben! Oder war Audhumbla, ursprünglich "Allgemeingut"?

    ***Interessanter Fakt:

    Genetiker haben herausgefunden, das unsere europäischen Hauskühe, nicht vom Auerochsen abstammen, sondern Nachfahren, der bereits vor 6500 Jahren, domestizierten Kühe aus dem

    nahen Osten, sein müssen.

  • Da Asatru verwandt ist mit den indischen Veden könnte man helfen.

    Die Heiligkeit der Kühe.

    https://artedea.net/surabhi-urmutter-aller-kuhe/

    Wer nun wen inspiriert hat,wer weiß.

  • Guten Abend,

    zuerst einmal müssen wir bedenken, dass das Christentum alles vermännlicht hat - männlicher Gott, männlicher Heiland, männlicher Klerus...etc.. Das weibliche Prinzip wurde bewusst ausgeklammert und unterdrückt, um die Macht zu sichern. So gut wie alle spirituellen Lehren und vorchristliche Glaubensrichtungen haben das Weibliche als schöpferische Urkraft, aus dem alles hervorgeht, und das männliche Pendant, das zerstört, damit Neues geschaffen werden kann.

    Wie Du sicher weißt, war Snorri bereits zum Christentum übergetreten, als er die Edda verfasst hat. Daher muss man sich immer im Hinterkopf behalten, dass die Inhalte der Edda aus christlicher Sicht verfasst wurden. Deutliche Parallelen erkennt man in der Völuspa und in der Beschreibung des Ragnarök.

    Nun zum Kern des Themas:

    Das Rind war seit jeher ein wichtiges Nutztier des Menschen. Eine Kuh sicherte das Überleben und wurde komplett verwertet. Wer eine Kuh besaß, galt als wohlhabend. Das hatten die damaligen Völker erkannt und verehrten die Kuh, bzw. das Rind. Klar könnte man stattdessen auch ein Schaf, ein Huhn oder ein Schwein nehmen. Doch die Kuh baut eine innige Beziehung zu ihrem Jungen auf. Man könnte darin auch Mutter Natur und den Menschen darin sehen, die ihn nährt und beschützt. Daher steht sie symbolisch für Nahrung, Schutz, Sanftmut, Fruchtbarkeit und das Leben selbst. Ihr Wesen galt als himmlisch. Ihr Pendant ist der Stier, der für Stärke, Triebhaftigkeit und Aggressivität steht. Gemeinsam vereint repräsentieren diese Tiere die beiden Seiten der Natur. Viele Fruchtbarkeits- und Erdgottheiten wurden mit einer Kuh dargestellt. Das zerstörte Deckengemälde im Rathaus von Kassel zeigte sogar ein Abbild der Göttin Holle, deren Wagen von zwei weißen Kühen gezogen wird.

    Wenn man Nahtoderfahrungen von Berichten aus Indien liest, fällt auf, dass manche Menschen von einer weißen Kuh abgeholt wurden. Hier könnte man die Kuh als Verkörperung eines Vermittlers zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt sehen.

  • Das Wissen darum, das Snorri Christ war, hab ich einfach mal als

    "heidnische Allgemeinbildung" vorrausgesetzt und bin deswegen extra nicht darauf eingegangen.

    Im übrigen, haben mich die Gedankengänge anderer, zu diesen Überlegungen interressiert, ohne das Thema, gewollt in eine bestimmte Richtung zu lenken.

  • Das weiß ich, ich dachte nur, ich füge es mal der Vollständigkeit halber hinzu, weil auch Anfänger hier mitlesen 😉.

    Was mir noch einfiel: Die Symbolik der Kuh in den Märchen. In „Das Waldhaus“ wird ein Mädchen belohnt, als es sich um den alten Mann und seine Kuh kümmert, während die ersten beiden bestraft wurden, da sie das Tier vernachlässigt hatten. Das könnte symbolisch für die Entwicklung vom Kind zur Frau stehen, der nun neue Aufgaben zugeteilt werden. Die Kuh führt das Mädchen symbolisch in ihren neuen Lebensalltag ein und trägt zur Entwicklung bei.

    Lass dir dein Leuchten nicht nehmen, nur weil es andere blendet.

  • Ja, das ist durchaus möglich.

    Es gibt eine Interpretation des Hollemärchens, in dem die Goldmarie ihre Initiation bei der Göttin durchläuft, da sie reif und bereit dafür ist (Stich durch die Spindel = erste Regelblutung). Die Pechmarie hingegen ist noch ein Kind und noch nicht reif genug um in die Erwachsenenwelt einzutreten, und daher versagt sie bei allen Aufgaben. Gold-und Pechmarie repräsentierten ursprünglich die beiden Aspekte der Muttergöttin. Die Goldmarie erhält den Lohn für ihren Fleiß, der ideelle Lohn wird zu praktischem Gold. Sie steht für den Sommer, in dem die Arbeit getan wird. Die Pechmarie steht für den Winter, in dem alle Arbeit ruht. Das Pech als „Lohn“ darf hier nicht als Strafe verstanden werden. Pech war früher ein verbreitetes Heilmittel. Somit steht die Goldmarie für die kluge Frau, die ihre Lebensaufgaben zu meistern weiß, während die Pechmarie sich als Heilerin mit anderen Dimensionen des Seins beschäftigt. Erst durch das Christentum erhielt das Märchen seine Interpretation von Belohnung von Fleiß und Strafe durch Faulheit.

    Lass dir dein Leuchten nicht nehmen, nur weil es andere blendet.

  • Das klingt soweit ja alles recht plausibel, nur das ich bei einem faulem und verantwortungslosem Kind, beim besten Willen, keinen Bezug zur Heilkunst sehen kann!

    Eine "typische" Heilerin, stellt man sich wohl eher alt und weise vor.

    Vielleicht ist Pech, manchmal wirklich

    nur Pech!

    Die Gebrüder Grimm, sahen sich ja auch in der Verantwortung, die Ideale ihrer Zeit, zu propagieren- ihre Märchen, hatten durchaus auch einen erzieherischen Zweck!

    Gerade was Tugenden und Untugenden anging.

    Ich denke mal, das dieses Märchen, nicht mehr all zu viel gemein hat, mit der

    Frau Holle (Frau Perchta, Frau Harke) aus den alten Volkssagen.

  • Ich denke mal, das dieses Märchen, nicht mehr all zu viel gemein hat, mit der

    Frau Holle (Frau Perchta, Frau Harke) aus den alten Volkssagen.

    Ganz genau, und deswegen sollten wir den christlich aufgedrückten Stempel ignorieren und das ganze aus heidnischer Sicht sehen.

    Die Goldmarie sticht sich unabsichtlich in die Spindel - wie oben erwähnt, steht das symbolisch für die erste Regelblutung, und damit ist sie bereit für ihre Initiation. Sie springt in den Brunnen, das Tor ins Reich der Holle, welche sich besonders den Frauen annimmt, welche Rat und Schutz brauchen ( siehe böse Stiefmutter, welche in alten Versionen noch die leibliche Mutter war, die ihr Kind zur weisen Waldfrau schickt.)

    So wie die ungeborenen Seelen im Brunnen der Holle gehütet werden, nimmt auch dieses Mädchen den Weg durch das Wasser, Quelle allen Lebens, um zur Urmutter zu gelangen. Eine schamanische Seelenreise sozusagen. Man muss in die Tiefen seiner eigenen Seele tauchen, um ans Licht zu kommen.

    Die Goldmarie findet deshalb sich auf einer Blumenwiese wieder. Dies ist der Beginn ihrer Reise in der geistigen Welt, in der alles schöner ist, als im Diesseits. Sie gelangt zum Apfelbaum, zum Brotofen (auch alles Symbole der Holle), und in manchen Versionen trifft sie auf eine Kuh 😉, die gemolken werden will. Hier sieht man die Aufgaben der Bevölkerung von damals, die sich noch selbst versorgt hat. Da das Mädchen bereit ist, kann sie die Aufgaben auch erledigen. Manchmal werden die Aufgabenstellungen als die vier Jahreszeiten oder die vier Lebensalter interpretiert, über die die Holle auch wacht.

    Als sie zum Haus der Frau Holle kommt, gibt es in anderen Versionen eine Szene, in der die Frau am Spinnrad sitzt. Bei der Goldmarie spinnt sie einen dünnen goldenen Faden, bei der Pechmarie einen schwarzen dicken. Wer hier an die Nornen mit ihrem Faden denkt, liegt richtig! Hier wird schon das Schicksal der Mädchen vorausgesagt.

    So, die Goldmarie ist tüchtig und fleißig. Die Holle lehrt ihr alles, was sie für ihr späteres Leben braucht und behandelt sie gut. Trotzdem bekommt die Goldmarie Heimweh, da sie weiß, dass sie zurück muss. Die Zeit ist gekommen, das erlernte in der Praxis anzuwenden, und so wird die Goldmarie von der Göttin wieder auf die Erde geschickt. Könnte sein, dass hier eine Symbolik der Wiedergeburt vorliegt, in der die Seele sich für ein neues Leben auf der Erde vorbereitet hat. Man könnte in der Goldmarie auch die Sonne sehen, welche jedes Jahr in der Dunkelheit (bei unseren Vorfahren die Anderswelt) verschwindet und gestärkt wieder zurück zur Erde kommt.

    Die Pechmarie hingegen ist wie gesagt ist zu jung, um die Aufgaben zu meistern. In manchen Interpretationen steht sie für den Mond, der immer weiter abnimmt - so wie ihr Fleiß - und irgendwann ganz schwarz ist.

    Die Goldmarie repräsentiert den Sommer, die Pechmarie den Winter ( insbesondere die Rauhnächte). Das heißt: Frau Holle lehrt den Menschen, zu arbeiten und sich selbst zu versorgen, doch es ist auch in Ordnung, wenn man mal Pause macht. Anders als die Goldmarie ist die Pechmarie nicht für häusliche Arbeit gemacht. Dafür hat sie andere Qualitäten, und die werden durch das Pech symbolisiert. Etwas, das am Anfang wertlos erscheint, kann bei näherer Betrachtung durchaus hilfreich sein, wenn man es richtig anwendet. Hier könnte man schamanische Tendenzen erkennen: Pech = schwarz = Dunkelheit = Anderswelt. Heilkraft und seherische Fähigkeiten. Also die Pechmarie hat Zugang zu Dingen, die anderen verborgen bleiben. Und dieses Wissen braucht viel Zeit, bis es angeeignet und richtig eingesetzt werden kann. Vielleicht ist die Pechmarie deshalb so jung!?


    Es gibt unzählige Versionen des Märchens (ich hab mal gelesen um die 200 :/). In einer Version kommt nur die Goldmarie vor, die auf einem Marienkäfer zur Göttin fliegt, in einer anderen ist da keine Frau, sondern ein alter namenloser Mann.


    Das stimmt, die Märchen dienten in erster Linie einem erzieherischen Zweck und wurden an die Tugenden der damaligen Zeit angepasst. Sie waren auch ursprünglich für Erwachsene gedacht, weniger für Kinder. Doch wenn man die Symbolik entschlüsselt, entdeckt man viele heidnische Themen. Deswegen lohnt es sich, das Grimm‘sche Märchenbuch nochmal zu lesen :-)

  • Ich will ja nicht klugscheissen*, aber die Vorstellung der Nornen, als Spinnerinnen, ist noch garnicht so alt und stammt wohl von der Gleichsetzung, der nordischen Schicksalsschwestern, mit den römischen Parzen, bzw. den griechischen Moiren.

    Da hatten wir hier im Forum, schon mal 'ne Diskussion zu.


    * oder vieleicht doch?

  • Vielleicht genau die enge Beziehung die Kühe zu ihren Kälbern haben, als stärkeres Muttersymbol. Oder einfach auch, weil eine Kuh wohl mehr Menschen ernähren konnte als eine Ziege oder Schaf. Und ihr Wesen ist vielleicht sanfter, da kann ich nur spekulieren.

    Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass ihr Pendant, der Stier, gerade bei den Römern ein äußerst beliebtes Opfertier war und der Stierschädel als Symbol auch für alle religiösen Aktivitäten steht. Heutzutage kann man es vielleicht wirklich so deuten, dass Rinder dafür, dass sie "nur" mit anderweitig weniger gut nutzbaren Wiesen, den Menschen so viel an Nahrung boten, dass sie eben besonders wertvoll und heilig wurden. Einfach weil sie effektiv sind.